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9.6.1900 Erstes Blatt
 
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Samstag den 9. Juni

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Xetegtamwe be« Gieheuer Anzeigers.

gonboe, 8. Juni, «us Pretoria wird vom 5. Juni gemeldet, daß jeder Widerstaud der Buren um die Stadt herum ausgehört hat. Heute zöge- sich alle kämpsendeu Buren nach Lhd-nburg zurück. Eine Bot>

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Expedition und Drucker«: Nr. 7.

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Der Krieg in Südafrika.

Nach einer Brüsseler Mitteilung aus Pretoria ist ! die Räumung der Hauptstadt Transvaals erfolgt auf gründ I eines Kriegsrates, dem alle Burengenerale berwohnten.

DieBirmingham Post" berichtet angeblich aus amt- I licher Quelle, daß sich die englische Negreoung nut der I Frage beschäftige, was mit dem Präsidenten Kru- I ger geschehen solle. Dieser soll entschlossen sem, sich an Bord des holländischen KriegsschiffsFriesland , das I vor Lorenzo Marques liegt, zu sluchten, I

Lage dies erforderlich machen sollte. Diesbezügliche Be- I fehle seien dem Kommandanten des Schiffes bereits erteilt, I Man glaubt, daß Krüger, wenn er gar zu hart bedrangb I werden sollte, sich nach Europa einschiffen »mrde^ Nach I einer Privatmeldung aus Washington lehnte Kruger das I Anerbieten ab, jedem Burgher hundert Acres amerikani­schen Bodens anzuweisen. . ,, |

Wie aus London gemeldet wird, wird der Umstand, daß I eine größere Anzahl englisch er Krie ass chiffeiu I derDelagoabai liegt, dahin gedeutet, daß, falls Por- I tugat an bet Grenze Transvaals in Schwierigkeiten komntt, I britische Hilfe sofort bereit ist. Die Portugiesen sind ledoch, I wie sie sagen, selbst für alle jLventualitaten vollständig

Reutersche Bureau meldet aus Lorenzo Marques: Es verlautet, die Buren wollten bei Hatherley, zwölf I Meilen von Pretoria, an! der Bahnlinie nach der Delagoa- I bai stand halten, um Zeit zu gewinnen Die Buren brach- * ten englische Gefangene in das Elendsthal, das I sehr ungesund sei. Tausend Gefangene feien bereits an­gelangt und würden von 250 Buren bewacht.

J Die Verluste des 13. Bataillons der ^zm- perial-Yeomanry bei Lindley am 1- Juni be­tragen: 2 Offiziere und 16 Mann tot; Offiziere und 25 Mann verwundet. Die Angabe über vermißte Mann­schaften enthält eine Meldung über die Verluste nicht.

Die Goldminen in Transvaal sind m be­schränktem Umfange auch während des Krieges im Betrieb erhalten worden. Nach Mitteilungen des bisherigen Mmen- | I Ingenieurs von Transvaal, Klimke, beläuft sich der Wert I des in den zehn Minen produzierten Goldes, die vom Be­ginn des Krieges bis Ende April im Betrieb waren, aus 1 700 000 Pfund Sterling. Die Betriebsausgaben, unter I Ausschluß der von der Regierung beschlagnahmten Werte, betrugen 630,000 Pfund, hiervon bezahlte die Regierung I nur 470,000 Pfund. Den Rest schuldete sie den Mmen- Gesellschaften noch. Die Höhe der von der Regierung der I Südafrikanischen Republik auf Kosten britischer Firmen für Mmenzwecke beschlagnahmten Werte beträgt Pfund,

I sodaß die Gesamtschuld der Regierung sich auf 260,000 Pfund I beläuft. Die Ergebnisse der Minen für den Monat Mai | sind nicht bekannt.

Ueber einenNeutralitätSbruch" eines deutschen I PassaqierdampferS wird derTägl. Rundschau be- richtet: Ein Dampfer der Wvermann-Lime, die Man- Woermann-, die am 26. März mit Gütern und Passagieren | für Deutsch-Südwestafrika Hamburg verlassen hatte, nahm I am 2. Mai in Walfischbai englische Truppen an I Bord, 80 Mann und 2 Offiziere. Die Passagiere, die I in Lüderitzbucht landen wollten, wurden gezwungen, zunächst I die Fahrt nach Kapstadt mitzumachen. Der deutsche Kreuzer Wolf" hatte erfahren, daß dieMarie Woermann" eng­lische Truppen an Bord hatte, und sich in den Hafen von Lüderitzbucht gelegt. Nun durfte der Kapitän nicht landen und mußte zuerst nach Kapstadt, um seine milttäri chen englischen Pasiagiere zu landen. Der Kapitän des deutschen I Schiffes hatte, wie es in dem an Bord geschriebenen Be­richt heißt, von Swakopmund aus nach Deutschland tele­graphiert, ob er die englischen Truppen aufnehmen dürfe, I und hatte bejahende Antwort erhalten.

Deutsches Reich«

Berlin, 7. Juni. Die große Frühjahrspar abe ber Berliner Garnison fanb heute vormittag bei trübe Wetter auf bem Tempelhofer Felde vor dem Kaiser u Ln Anwesenheit ber Kaiserin und bes Kronprinzen, so wie des Kronprinzen unb ber Kronprinzessin von GrEen- lanb statt. Der Kaiser begab sich m einem AeE Wagen nach ber Garde-Kürassier-Kaserne, wo chnder Kronprinz von Griechenland und bie Herren seines Gefolges erwar teten. lOMinuten vor 9 Uhr bestieg bet Kaiser sein P^ radepserb und ritt mit bem Kronprinzen von Griechenland und dem Gefolge, dem sich auch die fremblandisch^i Ofp- Sere anschlossen, nach bem Steuerhauschen, um bie Kaiserin unb bie Prinzen zu erwarten. Der Kaiser trug große Generalsunifo?m, ber Kronprinz von Griechenland dm Uni­form bes zweiten Garbe-Regiments; beide hatten bas Orangeband bes Schwarzen Adlerordens angelegt. Die Kai­serin erschien ganz in Schwarz gekleidet in Einern offenen Wagen a la Daumont, begleitet von ber Kronpvuizesjm von Griechenlanb, auf bem Parabefelbe. Neben bem Wagen ritt der deutsche Kronprinz. In einem zweiten Wagen saßen die drei jüngsten kaiserlichen Kinder Mit ihrem Gou­verneur. Nachdem ibvr Kaiser und der.Kronprinz von Griechenland bie Kaiserin unb bie Kronprinzessin begrüßt hatten, ritt ber Kaiser bie Front ber einzelnen gruppen ab und ließ sie dann vorbei marschieren. Es fand em zwei­maliger Vorbeimarsch statt. Um 11 einhalb Uhr begaiin die Kritik, die ungefähr eine Viertelstunde dauerte. Darauf setzte sich, der Kaiser au bie Spitze ber Fahnenkompagnie und [ Geleitete sie nach bem Schlosse. Zur Linken be» Kaisers I ?itt der Kronprinz von Griechenland. Berettsvorher hatte die Kaiserin mit ber Kronprinzenm von Griechenland und den kai erlichen Prinzen im offenen Wagen das Paradefeld verlassen und sich ebenfalls nach dem Schlosse begeben. Nachdem ber Kaiser ins königliche Schloß zuruckgekehrt war, nalun er im OTelhungen entgeßen

An ber Frühstückstasel, bie hierauf beun Kaiserpaar ftatt- fand, nahmen ber Kronprinz unb bie Kronprinzessin von Grönland teil. Beim ersten Garde-FeldartillNie-Regi- ment fand am Abend ein Diner statt an dem der Kaiser und der Kronprinz von Griechenland teilnahmen, darauf erfolgte die Abreise des griechischen Kronprinzenpaares.

$ic Ausschmückungskommission d e s R e i ch s t a q e s ist einberufen worden, um den enbgUtigeu Auftrag an Professor P f u h l zur Ausführung des Denk - I mals Kaiser Wilhelms I. zu erteilen.

I DerReichsanzeiger" meldet die Verleihung der Stone zum Roten Adler-Orden erster Klasse mit Eichenlaub I an den Präses der Obermilitarexaminations-Kommission, I General ver Infanterie v. Scheel, unb veröffentlicht baÄ I Gesetz, betr. Aenberungen im Munzwesen vom 1. d. M. | Die Beerbigung bes am ersten Pfingstfeiertag

! verstorbenen Direktors ber Kriegsakademie, Generals ber | Artillerie v. Villaume, hat heute nachmittag mtt gro- | ßem militärischen Gepränge stattgefunden. Das Kaiser- I paar hatte einen prachtvollen Kranz an dem Sarge nieder- I legen lassen. Der Feier, die in der Aula der Krie^aka- | bentie stattfand, wohnte u. a. fast das gesamte MilitarischeGe- | folge des Kaisers, bet Generalstab, das Kriegsministerium, I die kommandierenden Generale des Garbekorps und bes I 3. Armeekorps, zahlreiche MilitärbevollmachtE

I Bunbesstaaten und viele Offiziere bei. Nach' Beendigu S ber Trauerfeier in ber Aula würbe ber Sarg von zwölf

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ist " unterriÄlEln Stdk Mn'seÄ" wegen Errichtung em« Papst-

schäft beS Präsidenten Krüger, bie kurz vor der Besetzung der Stabt bafdbft eintraf, erklärt, baß bie ver­ein ig ten Republik en benWiberstab bis aus Ende f ° Z oVon18^Juni.Daily Mail" meldet aus Lorenzo Marquez, Präsident Krüger befinde sich noch immer in. Machadadorp, wo die Buren den Engländern, ben erften Widerstand entgegensetzen werden -o 25 000 Buren werden augenblicklich dort konzentriert. Di Behauptung, daß die Gegend, in der bie englischen Ge- saugEU üntergebracht wurden, ungesund e, tsi unr.chttg- Die^Transvaal-Regiemng nahm, als sie sich nach Iden­burg zurückzog, zwei Millionen Pfünb Sterling in Gold mit9 General Fr euch versuchte, den Buren den Ruck zu g> abzuschneiben, inbem er bie Eisenbahn nach -yden- burg zerstörte. Sein Plan ist jedoch nicht gelungen.

London, 8. Juni. Der Lord-Mayor beantragte, die verhafteten Personen, die vor dem Manfton House am Tage der Einnahme von P^wria.den Kuudsebern ine Taschen plünderten, mit einer Gefangnissttafe von secys. Monaten zu belegen.

Born Verein für Franenstudium ist der Konferenz ein Memorandum, betteffend das Mädchen schulw e se n , übersandt worden. Das Memorandum befürwortet die GründungvonMädchenrealschulenmit gleichem Lehrplane, gleichen Lehrbüchern und gleicher Lehrmethode wie in den Knabenschulen, als eine solide Allgemeinbildung auch für das weibliche Geschlecht und als bester Unterbau für einen von den Abfolventnmen fpäter eventuell zu er­greifenden praktischen oder wissenschaftlichen Beruf.

Von der Berliner Schnlkonferenz. |

Ueber die Beratungen des ersten Tages der Schul-Kon- I serenz teilt bieKreuzzeitung", beten Chef-Redakteur Prof. I Dr. Krvpatscheck der Konferenz angehört Folgendes mtt: I

,Es wurde die völligeGleichstellungber drei I neun klassigen höheren Schulen al so auch I der Oberrealschule hinsichtlich der Universttats- jmö Hochschulenstudien anerkannt. Dieser Beschluß wate I voraussichtlich einstimmig gefaßt worden, wenn nicht drei I llirivetsitäitsptofessoren übrigens nicht der Mistischen Fakultät angehörend die Vorbildung l der zukünftigen Richter und Verwaltung^- I beamten allein dem Gymnasium vindiziert I hätten sehen wollen. Die Mehrheit der Konferenz wat aber I .ber Meinung, daß eine solche Ausnahmestellung^die ganze I Nelotmidee zu Falle bringen müsse, denn für ^heologeu I unR) Philologen könne dasselbe Privilegium mit demselben I Ascht, wie für die Juristen begründet unb geforbert werden. I Dir für gewisse Studien unb Berufszweige notwendigen I Tp»eziaireuntnisse sollen in ber Regel auf Vorkursen auf I bei Universität bezw. Hochschule erworben unb nachgewiesen I Serben. Sobann wirb bie Frage bes gemeinsamen I Unterbaues Sexta bis Quarta mit Französisch I .als erster Frembsprache (64), Latein erst in 3 b ver- I hambelt. Dem sehr entschiebenen Eintreten ber beiben mut» tärischen Vertreter des Kabetteichauses verbankt es biefe I Organisation ber sogen.Frankfurter Reform- I schule", baß, freilich mit knapper Mehrheit, ein ihr gun- I füg er er Beschluß, als ursprünglich seitens bes Re- I ferenten bes Unterrichtsministeriums vorgeschlagen war, I dahin gefaßt würbe:Allgemein" einen solchen Unterbau I emzurichten, seizur Zett" nicht ratsam, eme zweckent- I sprechenbe Weiterführung unb Forberung ber damit ge­machten Versuche sei aber zu empfehlen. Die Diskussion I juar sehr eingehend und anregend. Die Konferenz tagte I von 9 einhalb bis 7 Uhr. . - i

Aus der Gesamtliste derEingeladenen" ist übrigens ,u erleben daß ihre Zahl fast so groß ist wie die bei der Ktmserenz vom Dezember 1890. Damals ^3, heute!4L_ ©ine .Schulmännerkonsetenz^, wie sie m den Blattern vielfach genannt wurde, ist bie jetzige aber v^l weniger als bie Konferenz. Im Jahre 1890 befanben sich unter ben Ge­ladenen 20Schulmänner", einschließlich ber Schulrate, jetzt nur 5 (Oberschulrat Albrecht bie Direk oren Jager, düblet, Reinhard und Schwalbe), dagegen 13 Universttats- | unb berichtet über bie Konferenz Folgen­

de Als das Ergebnis des ersten Tages erfahren wir, i> zunächst in der Berechtigungssrage insoweit eine Ein­mütigkeit in der Versammlung geherrscht hat daß den Aditurientcn der drei SchMgattungen neuustuftger Voll- »ustalten also der Gymnasien, der Realgymnasien und ber Oberrealschulen, der Zutritt zu den Studien an den ll aioersitäten und Technischen Hochchulen in gleicher Weise geöffnet werden soll. Für den Eintritt in die staatlich>e «ieamtenlausbahn sind darüber hinaus diejenigen Beding- irnaeil zu erfüllen, die für das einzelne Fach^ ale. Grund­lagen der Staatsprüfung ausgestellt werden, sodaß also zum Beispiel ein Oberrealschul-Abiturient, der m die rich- terliche Laufbahn einzutreten beabfulitigt, sich zur Zeit bei der Staatsprüfung über die erforderlichen Kenntniffe im "ateiiiifcheil ausweifen müßte. Die Anerkennung der Mejchberechttgung für bie drei Schulgattungen wurde in bÄainmInng fast ausschNeßlich von den drei Berliner iVrokestoren Mommsen. Diels und Diltyey mit Nsicht darauf bekämpft, daß narh ihrer Ueberzeuguug d,e -tulalsuna zur juristischen Laufbahn nur auf der Grundlage der vollen Gymua ialbildung erfolgen dürfe^ Für die me-

Qm.thnhn waren aud) biese brei Herren mit ber SneÄnnmig ber6 Gleichberechtigung der drei Schul-Gat- tungen einoerstand-ni. bie Beratungen fort

«uf Tagesordnung stand, wie uns aus Berlin ge. kÄeb^ wird d°e Frage, wie der U n t e r r i ch t i m G r i e - (ft i f d) e n unb Englischen nach einheitlichen Grunb- fützen an ben höheren Unterrichtsanstalten 5" regeln sei. ^m ällaemeineii stellte sich, die Konferenz aus den Stand- ^nt eiligemc ' Sprachschulen" haben, aber we- 7i"a 'r den /r aktifchen "§edürsnif se n Rech- U n a tr a gen. Es mürbe baher eine Einschränkung r ichtsgegenstand 0 -p > . qaeratungCn wurden um 1 Uhr COTT",iflSf,e^8trnf?ine toetftünb1ge Pause ein, während

3CÄnie«ne6mer^äur^ftiid ®t«fe( in den Reichshof b.« sich dieTeilnehmer zu s n [iebc)t päbagogi)d)e -staaen zur Diskussion so daß die Verhandlungen heute L zu^Ende geführt werden dürften.

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