1OOO
Mittwoch den 9. Mai
Drittes Blatt
Zlintr- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
Rekaftton, Expedition und Druckerei:
Zchnlflraße Ar. 7.
Alle Anzeigen-VermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.
Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Glätter für hessische UalKsKunde.
AnsMg aus den Kirchenbüchern -er Stadt Gieße».
Evangelische Gemeinde. Getraute.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
rtch M»x, geboren den 28. März.
Ten 1. M»t. Dem Maschinisten JustuS HaaS ein Sehn, Ludwig, geboren den 10. März.
JohnnneSgemeinde.
Den 29. April. Dem Fabrikarbeiter Heinrich Schneider eine Tochter, Met- Wilhelmine Auguste, geboren den 26. Februar.
Beeroigte.
MatthäusSgemelnde.
Den 2. Mai. Luise Elisabeth Hensel, Tochter des Schriftsetzers Adolf Hensel, 8 Jahre alt, starb den 29. April.
M-rkuSgemeiode.
Den 2. Mai. Heinrich Renner, Tapezier, Sohn deS TapezierS Gustao Renner, 21 Jahr alt, starb den 30. April.
LukaSgemeinde. „
Den 28. April. Katharine Luise Schäfer, Tochter deS Schmieds Johannes Schäfer, 11 Jahre alt, starb den 26. April
Den 4. Mai. Jakob Dingel, Bahnarbetter, 46 Jahre alt, starb den 2. Mai.
JohanneSgemeinde.
Den 30. April. Karl Sack I., Rentner, ein Witwer, 73 ckOre
B-r-m.nn, 36 M« °tt. st-rb ben 3$,®P4r"mal. Soul« 'Bogt, M-tzg-rm-M-r, 47J»htt «U, st°,b den 2. Mat.
Kiehener Anzeiger
Henerat-Nnzeiger
Politische Tagesschau. !
Ueb-r auglo indische Liebenswürdigkeiten gegen Deutsch- I land wird der „Welt-Corresp." aus Kalkutta, geschrieben: , Auch in Indien fehlt es nicht an gelegentlichen Beweisen I i der entschiedenen Abneigung der Engländer I • gegen Deutschland und alles Deutsche. Ich will ganz I davon absehen, daß sich die anglo-indische Presse noch jetzt vielfach in einer Weise über den Kaiser ausspricht, welche I die Grenzen des Erlaubten weit übersteigt und es in jedem I Deutschen, der patriotisch denkt, das Gefühl der Empö- I rung wach rufen muß. Maß aber nicht jeder national I empfindende Deutsche in Helle Entrüstung geraten, wenn er I z. B. Gedichten wie dem folgenden, in angesehenen anglo- I indischen Blättern begegnet? Ich sinde im „Pioneer" fol- I »enden „poetischen" Erguß. Das Machwerk ist zu schlecht, als daß der Versuch lohnt, dasselbe in gebundener Sprache I wiederzugeben, eine wörtliche Uebersetzung genügt vollkommen, I um dem Leser einen Begriff der darin ausgesprochenen Ge- I sinnung zu geben.
„Die Furcht und der Neid aller." Und sagen sie, mein Eiland sei auch ganz versunken und verkommen I In Lebenslust und in Genuß des Goldes ?
Und sagen sie, mein Reich soll noch zerrissen werden Vor meinen alten Augen, wie einst vor Alters ein Reich Ward weggerissen von dem Mutterschooße?
Narren ihr I Noch ungeborene Nationen, Länder, die noch nicht benannt, I Und ungezählte Aeonen, sie werden meine Söhne sehen als ihre .Herren. I Ja sicherlich, der Morgen, er wird kommen, wenn Alle, I
Der gierige Slav', der g i f t i g - n e i d' sche Deutsche und auch I schnatternde
Franzose, wenn ihre Throne, ihre Fürsten, wenn ihrer Völker Schaar und ihrer Länder Zahl , .
Soll beugen sich und brechen vor meiner Kinder I Macht.
Nur sie allein, sie sollen diese Welt besitzen,
Nur ihnen, die allein gerecht vor Allen walten, Nur ihnen soll die Herrschaft sein. .
Ich habe dem unbekannten Dichtersmann eigentlich schon I zu viel Ehre erwiesen, daß ich von seinem Erguß über- I Haupt Notiz genommen habe, allein er ist geradezu charak» I teuflisch für das ganze Denken der Engländer Es gleb auch nicht einen Briten auf der ganzen Welt, der nicht: mit I ganzer Seele sein Placet darunter setzen wurde, und es ift I bezeichnend, daß derartige Ansichten sich nicht in einem Winkelblättchen, sondern im „Pioneer", der größten indischen I Zeitung, finden. .
In derselben Nummer deS „Pioneer" findet sich eine andere Nachricht, die, wenn richtig, wiederum einen der gehässigen Schläge gegen Deutschlands Handel und Industrie bedeutet, an die wir ja seit längerer Zeit gewöhnt sind. In allen Kontrakten, die das Armee- und Marine-Beklei- dungsamt in Zukunft abschließen wird, muß stets, wo bisher das einfache Wort „Indigo" stand, es nunmehr heißen „natürlicher Indigo". Dadurch hofft man, dem synthetischen Indigo auf den Leib zu rücken, um den notleidenden Indigo Pflanzern zu Helsen. Also mit kleinlichen Polizei- Kniffen sucht man den Gegner zu schädigen, nicht aber dadurch daß man den verrotteten und veralteten Schlendrian auf den Jndigoplantagen durch verbesserte Gcwinnungs- methoden zu ersetzen versucht.
Der „London and China Telegraph" kritisiert die deutschen Kolonieen kurz und abfällig folgendermaßen:
Wir vermuten, daß der Etat der deutschen Kolonie n für das Jahr 1900 keine sehr angenehme Lektüre für die Expansiomsten sein wird, die vor wenigen Jahren noch Deutschlands Fertigkeit, ewe Rolle als große Kolonialmacht zu spielen, verkündeten. Wir haben viel über den blühenden Zustand der deutschen Kolonieen gehört, aber die Wahlen, die jetzt vor uns liegen, machen es ziemlich klar, daß alles tn allem, bie Kolonieen nicht das einbringen, was sie kosten und bis jetzt hat die deutsche Kolonisation die Kaiserliche Regierung schon ein recht schönes Stück Geld gekostet. Wir wenden uns natürlich den Details zu, die auf Kiautschou Bezug haben. Bis jetzt hat das deutsche Volk nur den Ruhm seiner territorialen Erwerbung in China „habt. Heute nun haben sie die Gelegenheit zu erfahren, was er sie unaefähr kosten wird. Eine Kolonie in China zu betreiben ist e.n kost- svieliaes Geschäft, und wir würden gar nicht erstaunt fern, wenn eine gute Anzahl dickköpfiger Teutonen (sehr gutl) sich die Frage t>or= k-gen werdln ob der Scherz wirklich die Mühe lohnt, wenn si- diese Zahlen einigermaßen verdaut haben. Die Einnahmen von Kiau- tschou werden nur auf 210 000 Mk. geschätzt, und die restlichen fast 9 800 000 Mk., die für die Verwaltung und Entwickelung der Kolonie gefordert werden, müßen vom kaiserlichen Schatzamt geliefert werden. 8 Wir glauben, der M^nn hat Recht, und wir sollten jemand suchen, der und das teuere Kiautschou abnimmt Wenn wir eine Kleinigkeit zuzahlen, entschließt sich vielleicht England zu diesem Freundschaftsdienste.
Nnnahmk von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher.
Nr. *07
Erscheint täglich mit Ausnahme des
Montags.
Die Gießener AamilieuölStler werden dem Anzeige» tm Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde« »öchtt. 4 mal beigelegt.
Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelleu vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg.
Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld.
—---- — e
hielt am 4. Mai Herr Lehramtsassessor Theodor Koch 1 für 1899 abgeschlossen haben, sind wir in der Lc^e, dies ausGrünbergüber seineReis e in Zentra lbrasilien I interessanten Daten bekannt zu geben. Demnach zahlen 1898/99. Redner verließ als Mitglied der Unternehmung I nach der neuesten Statistik: Gabelsberger 1284 deutschspr. des Herrn Tr. Hermann Meyer im Dezember 1898 Deutsch- I Dreine mit 52566 Mitgliedern, Stolzc-Schrey 1024 Verland und kehrte im Januar 1900 zurück. Der Zweck der I mit 29419 Mitgliedern, Stenotachygraphie 336 Ver- Reise, die Untersuchung der Jndianerstamme am Parana- | . .( 10162 Nationalstenographie 125 Vereine mit
yuba, einem Nebenflüsse des Mngu, ist nicht erreicht wor- 1 Mitaliedern, Arends (3 Richt, zus.) 115 Vereine mit
guat) führen, so muß mau den Rio de la Plata-Paraguay I mit 993 Mitgliedern. Di^e statistische ^sEbnstellung yinauffahren und dann eine beschwerliche Landreise machen, I beweist, daß die Schulen Gabelsberger und Stolze-Schrey um die Quellgebiete des Xingu zu erreichen. Tie Damps- I die beiden herrschenden stenographischen Richtungen Deutsch- schissahrt wird bis Cuyaba am Rio Cuyaba, dem einen I [allb8 sind, wobei zu beachten ist, daß die Schule GabelS- Quellflusse des Paraguay betrieben, dann muß eine größere I ceft 1835, Stolze-Schrey seit 1841 bezw. 1889
Tropa von Maultieren ausgerüstet werden. Mit diesen I ^nflich wirkten.
Vorbereitungen hatte die Unternehmung bis zum Marz I --——--- ----
1899 zu thun, und brauchte dann wegen der ungewöhiilich späten Regen volle 17 Tage, um nach dem nicht wett entfernten Rosario zu gelangen; gleichzeitig brach Revolution im Staate Matto Grosso aus mit) die Nachricht von der Ermordung einer Expedition amerikanischer ttautschuk- sammler durch die Suya am Xingu wirkte deprimierend. ----------
SUS' S&S8SUS&8 ».«, WSSte SfflSiS
haften Farven Vegetation und Tierwelt der durchzogenen I 28. April. Johann Baum, Bäcker zu Gießen, und Slise
Landschaft, sodaß man ein frisches Bild des wenig de- I ^edertte Johanna Retibrrg, Tochter des verstorbenen Kaufmanns suchten Innern Brasiliens eryiett. Ausfallend war sur I vflfob Rettberg zu Bergheim in Waldeck.
1899 der Reichtuni an Schlangen, die sonst in jenen Gegen- I LukaSgemeinde.
, heu keinesiveas allzu häufig sind; lästig wurden die Plage- I Den 28. April. Johann Jost Stau^ Schuhmacher zu Gießen, geister der inederen Tierwelt, Zecken, Bienen, Ameisen, ! und Katharine Marie Werner, Tochter deSStrcckenarbeiterS Johanne« Moskitos. Die brasilische Bevölkerung treibt Ackerbau und I Werner zu Quickborn. »,gemeind«.
beutet die Wälder des ^autschukbaumes, Hevea brajilienjiv, I 29. Avril. Heinrich Stoll, Schuhmacher zu Gteßm, und
aus; so hatte ein einziger Fazendero am Paranatinga eme I @urann6 Nicolai, Tochter des NagelschmtrdS Philipp Nicolai zu Pflanzung von 8UU0U Stuck ^aittschukbäumen im Werte I Großen-Buseck. t v
von ö—^UUOUU Mark (1UUU UUO Mttreis). Tie indianische I Den 30. April. Ernst Friedrich Theodor Amandus Müller, Bevvlkeruna sind hier die zahmen Bakairi-, halbzivtti-I Psarroerwaltrr zu Maar bet Lauterbach, und Amalie Pauline Gertrud sierte stacaiberiftäniine unter dem Häuptling Antonio, dem I Challier, Tochter des Musikalienhändlers Karl Hermann Ernst Ehallier Begleiter von den Steinens; sie teven wie die übrige bra- I zu Gießm.^ Georgi, Fabrikant zu Gießm,
silische Bevölkerung, fuhren aber noch ^ogen und Pfette. I Emilie Elisabethe Ottens, Tochter deS verstorbenm
I Rach Ueberschreitung der Wasserscheide begannen die Bor- I ^abriranten Eduard Ottens zu Gi-ßen.
I berettungen zur Flußfahrt nach Erreichung des Riberao I 0 Den 2. Mat. Curt Bruno Vtehweg, Kellner zu Gießen, und I Formoso und eines andern Baches, die sich als Quellbache I Sophie Schneider, Tochter des verstorbenen Schreiners Konrad I des Ronuro später erwiesen haben. Auf 10 im Walde 1 Schneider III. zu Holzheim. ...
I aezimmerten ilanuö begann die Flußfahrt am 23. Mai, I Den 3. Mai. Friedrich Wilhelm Hartmann, Fabrikbisitzer zu - -
doch ließ schon der Mangel an Fischen auf das Vorhanden- I M-ttbäuSgVmetnde.
I sein von Wasserfällen werter abwärts schließen. Diesel Den 29. Avril. Dem Drahtflechter Georg Klatyck eine Tochter, I wurden am 1. Juni erreicht, und zugleich mackste der Hoch- I 3uIjane K.tharine Anna.
I wald dem öden Campo Cerrado, der Buschsavanne, Platz, I Denselben. Dem Lehrer an der höheren Mädchenschule vr. phil.
I der Ronuro schnitt in das Hochland ein und bildete Cacho- I JohcmneS Friedrich Wilhelm Sommeriad ein Sohn, Gustav I eira auf Cachoeira, meist mäßig hohe Sttomschnellen, | 2«arlor SBalter, ö^ren ben 2 Januar.
I aber auch höhere Fülle, unter denen der am 7. Juni ent- I Den 4. Mat. Dem Fabrikanten «Helm Hahn eine Tochter, I deckte Bastian-Fall der bedeutendste war. lieber 1OO Strom- I Marie Auguste Helene, geboren den 29. März.
I überstanden werden. Dbr üttlfach ttese Strom Y I Achter. Else Charlotte Auguste, geboren den 27. Februar.
I kerne Fische, der ode Cerradao an den Usern wenig Wild, I Densllben. Drm Brauer Joseph ®entn:r eine Tochter, Katha- I die großen Verluste an Lebensmitteln m den Stromschnellen I line Eßristtne Luise, geboren den 4. Februar.
I verursachten alsbald Not, der Mangel an Cerealien und I Denselben. Dem Friseur Heimann Schenk ein Sohn, August, I Salz war besonders fühlbar und Indianer waren wett I g,Horen den 28. Dezember 1899.
I und breit nicht zu sehen. Infolge der ungenügenden Er- I LukaSgemeinde.
I nährung wurden die Mitglieder der Unternehmung bald I Dm 29. April. Dem Schneider Ludwig Becker eine Tochter, I von Krankheiten befallen, besonders von Dysenterie und I Tylli Marte Elisabethe, geboren den 31. März.
I Malaria, und schließlich kam es zur offenen Auflehnung I Denselben. Dem Wtesenbaumetster Ludwig Müller ein Sohn, ssÄÄSSSMisytfs l °-.l «•*.
I auf ruhigeres Wasser, bald darauf auch an die Mündung I des Jatoba und nach der Vereinigung der Xingu-Quell- I flüsse, Lingu-Coblenz. Leider mußte gerade hier, wo die I neuen Untersuchungen hätten beginnen sollen, wegen der I völligen Zerstörung der meisten Lebensmittel, ja auch der I Medikamente, die großenteils von Trumai-Jndianern ge- I stöhlen wurden, der Rücttveg den bekannten Kuluene hinauf I angetreten werden, an dessen Ufern man die Dörfer der I Lrumai zerstört fand, während die Kamayura größere I Ansiedelungen hatten und sich im Besitze von Geräten der I amerikanischen Expedition, die sie mit den Suya zusammen ; I getötet hatten, erwiesen. Redner gab hier einen recht ' I fesselnden Ueberblick über das Leben und die Kultur der
I Kamayura, die er wegen Erkrankung seiner Genossen allein ' I besucht hatte, und eine Reihe sehr greifbarer Darstellungen ; I der Flußschiffahrt und der Art des Reisens überhaupt. ' I Nach kurzem Besuch bei anderen bekannten Jndianer-
I stämmen, wie den Auetö trafen die Reisenden Mitte Sep- I tember int Standlager, Mitte Oktober in Cuyaba wieder * I ein. Reicher Beifall lohnte den Vortragenden.
** Ges^NchoftTiiTnTsTöTkerkunde. . ** Stenographische Statistik. Nachdem nunmehr die
Den sechsten und letzten Vortrag der diesjährigen Reihe I einzelnen Stenographen-Schulen ihre statistischen Aufnahmen


