Ausgabe 
8.6.1900 Zweites Blatt
 
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Konsistorium den, Purpur zu verleihen, eine Auszeich­nung, die ,mögliLl>erlveise noch einem anderen deutschen Prälaten zu teil werden dürfte.

In dem Befinden des Abg. Dr. Lingens ist eine anhaltende Besserung zu verzeichnen. DerGermania" zufolge ist durch tarn Schlaganfall eine leichte Einseitige Lähmung eingetreten, jedoch läßt das günstige Allgemein­befinden des Patienten erhoffen, daß er sich bald erholen wird.

Der frühere Leutnant Fritz Wolf, dessen Name im Zusammenhang mit den neuesten französischen Spio­nagegeschichten mehrfach genannt wurde, teilt mit, daß er im Avril nach elfmonatlicher Untersuchungshaft außer Verfolgung gesetzt wurde, da der gegen ihn entstandene Verdacht des Hochverrats sich als unbegründet herausstellte.

Der Senioren-Konvent des Reichs­tages beschloß heute, außer dem Flottengesetz sowie den. Novellen zum Stempelsteuer- und Zolltarif­gesetz vor dem Sesswnsschluß auch noch das Reichs­te u ch e n g e s e tz zu erledigen. Außerdem wird am Sams­tag die Interpellation der Sozialdemokraten beraten. Der Schluß des Reichstages erfolgt wahrscheinlich am 12. Juni.

An hiesiger amtlicher Stelle wird die Sachlage im chinesischen Aufstandsgebiete deswegen ernst angesehen, weil das Ueber greifen der Bewegung, auf deutsches Gebiet jeden Augenblick erfolgen kann. Uebrigens wird gehofft, daß es gelingen wird, die Be­wegung in absehbarer Zeit zu unterdrücken.

Nach den heute hier eingetroffenen Nachrichten über die Bewegungen unserer Kriegsmarine ist der große KreuzerH e r t h a" mit Viceadmiral Bendemann an Bord gestern von Tsintau Nach Tahif in See gegangen.

Leipzig, 1. Juni. Der Kaiser hat den Reichsan­walt Heinemann hier, Kammergerichtsrat Stock in Berlin und Hanseat. Oberlandesgerichtsrat Schraub in Hamburg zu Reichsgerichtsräten, sowie den Staatsanwalt Leid em bat-erischen Oberlandesgericht München, T r e u t - lein-Mördes, zum Reichsanwalt ernannt. Heine­mann wurde 1840 in Bischofsburg (Ostpreußen) geboren, begann seine Richterlaufbahn 1870 als Gerichtsassessor und Hilfsarbeiter am Kreisgericht Stallupönen, 1871 wurde er diätarischer Vertreter des Staatsanwalts in Heydekrug und 1872 Kreisrichter in Ragnit. 1872 erfolgte seine Ernennung zum Staatsanwaltsgehilfen, 1879 zum Staatsanwalt in Posen, 1882 zum Staatsanwalt in Berlin und 1886 zum Ersten Staatsanwalt in Göttingen. 1892 als Hilfsarbeiter der Reichsanwaltschaft nach Leipzig berufen, wurde er 1894 Oberlandesgerichtsrat in Stettin, 1895 Reichsanwalt. Stock begann seine Richterlaufbahn 1874 als Gerichts- assessor und wurde ift demselben Jahre Kreisrichter in Darkehmen. 1879 wurde er Landrichter in Berlin, 1889 Landgerichtsrat, 1892 Kammergerichtsrat.

Zwickau, 6. Juni. Seitens sächsischer Kohlenwerke sind Unterhandlungen mit böhmischen Kohlenwerken zwecks. Bildung eines mitteleuropäischen Kohlenrings eingeleitet.

Fulda, 6. Juni. Dem Landtagsabgeordneten G o e - beilnsnd dem Oberbürgermeister Antoni ist vom Papste der Gregoriusorden verliehen worden.

Wiesbaden, 6. Juni. Oberhosmarschall Eduard v. Li eben au, 61 Jahre alt, ist am Herzschlag gestern hier gestorben. Der Kaiser sandte folgendes Tele­gramm an Frau v. Liebenau: Tief ergriffen pon der Trauerkunde des Hinscheidens Ihres Gemahls spreche Ich Ihnen.und Ihren Kindern Meine herzlichste Teilnahme aus. Es ist mir eine wehmütige Genugthuung, den Ver­storbenen noch kurz vor seinem Tode haben sprechen und ihm durch Meinen Besuch haben beweisen zu können, daß Ich dankbar der langen Jahre gedenke, während er Mir mit seiner Energie, seiner nie ermüdenden Pflichttreue und seiner auch das Kleinste nicht zu gering achtenden Ge­wissenhaftigkeit treue und wertvolle Dienste geleistet hat. Seien Sie überzeugt, daß Ich dieselben nie vergessen und das Andenken Ihres Mannes stets hochhalten werde. Wilhelm. I. R.

München, .6. Juni. Ueber das Befinden des' K ö n i g s O t t o bringen dieM. N. N." nachstehende Aus­führungen, die wahrscheinlich auf Prof. Dr. v. Ziemssen zurückzuführen sind, der dem Konsilium der den König behandelnden Kliniker angehört. Nichts berechtigt zu der Annahme, daß der König an Blasenkrebs erkrankt sei. Er nimmt Speisen zu sich, wenn er auch regelmäßige Mahl­zeiten nicht einhält. Während der Nacht genießt er längere Zeit festen, ruhigen Schlaf. Die Möglichkeit, daß Zwangs^ Vorstellungen den König bisher vom Stehen und Gehen abhielten, wird dadurch zur Wahrscheinlichkeit, daß der König eben in den letzten Tagen mehrfach Geh- und Steh­versuche mit Erfolg gemacht hat. Die Hallucinationeu duUern ununterbrochen an. Er gestikuliert und spricht fortwährend laut, häufig sehr laut, aber schwer, sehr oft gar nicht verständlich. Daß bei seinen Reden ^nanchsss einfließt, was für Vergangenheit und Gegenwart zutreffend ist, wird nicht erstaunlich erscheinen. Die mit dem leb­haftem Gestikulieren und Sprechen verbundenen physischen' Anstrengungen sind so groß, daß es in Wahrheit Erstaunen erregt, wie der kranke König diese Anstrengungen zu leisten vermag.

Ausland.

Brussel, 6. Juni. DemSoir" zufolge beabsichtigt dre Regierung, die HeereSreform in die Hand zu nehmen und die Einführung persönlicher Dienstpflicht vorzuschlagen.

Paris, 6. Juni. Gestern ist der internationale Kongreß für Forftwisjenschaft vom Landwirtschafts- Minister Dupuy eröffnet worden. Es hatten sich etwa 300 ^Teilnehmer eingefunden. Der Kongreß wird bis nächsten Montag tagen. Der internationale Kon­greß für bewegliche Werte ist gestern unter dem Borsitz des Finanzministers Caillaux eröffnet worden. Dieser bewillkommnete die Anwesenden und übergab dann den Vorsitz an Cochery, der die Bedeutung des Kongreffes her­vorhob, auf dem 14 fremde Staaten offiziell vertreten find. Im Bureau, das hierauf gewählt wurde, ist Deutschland durch Professor Lex iS vertreten.

Zurich, 6. Juni. In der Bundesversammlung wird der Bundesrat interpelliert werden über das ver­tragswidrige Gebühren der preußischen Regie­rung gegen die in Preußen ansässigen Schweizer Bürger. Preußen hat von denselben unter Androhung der Ausweisung verlangt, entweder den Nachweis über den Schweizer Militärdienst zu erbringen oder die Aufnahme in den preußischen Staatsverband nachzusuchen. Dieses Vorgehen steht dem klaren Wortlaut des Niederlassungsvertrages strikte entgegen.

Wien, 6. Juni. Bei Schluß der heutigen Parla­mentssitzung richtete Ministerpräsident von Körber an die Abgeordneten die dringendste Mahnung, ihre ver­fassungsmäßige Befugnis ordnungsgemäß auszuüben, da der jetzige Zustand unhaltbar sei. Diese Erklärung rief im ganzen Hause große Bewegung hervor. Dr. Herold polemisiert gegen die Rede des Ministerpräsidenten und erklärte, die Tschechen würden auf ihrem Standpunkte so lange beharren, bis ihnen eine volle Genugthuung ge­worden sei.

Der Jungtschechen-Klub beschloß die Fort­setzung der Obstruktion. Dieser Beschluß dürfte zur Auflösung der slavisch - feudalen Majorität führen. In parlamentarischen Kreisen glaubt man, daß der Ministerpräsident v. Körber morgen einen letzten Appell an das Parlament richten werde.

Salzburg, 6. Juni. Zwischen den zum Kar teil fest hier versammelten katholisch-klerikalen Studenten­verbindungen und Deutschnationalen kam es nachts bei der Rückkehr von einem Ausflug zu einem Zusammen­stoß, bei dem mehrere Personen verwundet wurden. Polizei und Militär stellten die Ruhe wieder her.

Aus Stadt und Land.

* * Bon, der Universität. Die Gesamtzahl der immatrikulierten Studenten beläuft such in diesem Semester auf 855. Das bedeutet gegenüber dem letzten Sommer-Semester eine, Mehrung von 31, gegenüber dem vergangenen Winter-Semester eine solche von 43 Studen­ten. Genaueres! werden wir demnächst mitteilen.

* Akademischer Vortrag. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich ist, findet der letzte der akademischen Vorträge, in dem Prof. Dr. von Wagner den Kampf ums Dasein in der Tierwelt behandeln wird, am Mittwoch, dem 20. Juni statt.

* * Meuschenmeffuug. Auf Verfügung des Großh. Mi­nisteriums des Innern und der Justiz werden sich in den nächsten Tagen eine Anzahl Polizeibeamte aus Darmstadt, Mainz, Worms, Offenbach, Gießen (Kriminalschutzmann Pfeffer) rc. nach Bruchsal begeben, um sich an einem, in dem dortigen Zellengefängnisse etwa vierzehn Tage an­dauernden Kursus in der Anthropometrie zu beteiligen. Unter Anthropometrie versteht man die Lehre von den Maß­verhältnissen des menschlichen Körpers. Durch die Be­mühungen von A. Bertillon in Paris hat die Anthropo­metrie eine praktische Bedeutung für die Wiedererkennung rückfälliger Verbrecher gewonnen. BertillonS anthropome- trisches Signalement besteht darin, daß von den Verbrechern eine Anzahl Maße genommen und gebucht werden, die sich bei erwachsenen Personen gar nicht mehr oder nur ganz wenig verändern, nämlich 1. die Länge und Breite des Kopfes, 2. die Länge des linken Fußes, des Mittel- und kleinen Fingers der linken Hand, 3. die Länge des Ober- und Unterkörpers nebst Gesamthöhe, 4. Armspannlänge, 5. Höhe und Breite des linken OhreS und 6. Länge des linken Armes. Die Maße der linken Seite werden, da sie weniger veränderlich als die der rechten Seite sind, vorgezogen. Diese Maße werden ganz besonders aus Zählkarten mit dem Namen der betreffenden Person versehen. Diese Mes­sungen werden jetzt in ganz Deutschland eingeführt. Durch >ieseS System hat die Pariser Polizei innerhalb weniger Jahre tausende von rückfälligen Verbrechern, die unter falschen Namen verhaftet worden waren, wieder erkannt, o daß viele Ausschreiben, um die Identifikation von Ver- irechern herbeizuführen, unnötig wurden. Die Kosten für >en in den nächsten Tagen für die hessischen Polizeibeamten reginnenden Kursus trägt der hessische Staat und werden als Versuchsobjekte die in dem Zellengesängnis zu Bruchsal internierten Verbrecher verwendet.

* Evangelischer Bund. Der Vorstand des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes ließ folgenden Auf­ruf ergehen:Im Interesse der deutsch-evangelischen Be­wegung in Oesterreich haben sich allerorts und aus allen Lagern des deutschen Protestantismus Männer zusammen- jefunden, um den deutschen Stammes- und evangelischen Glaubensgenossen, die jetzt aus der römischen Kirche aus­getreten sind, Handreichung zu thun, da wo es nötig ist. Auch für das Großherzogtum Hessen soll sich ein Ausschuß bilden, der im Anschluß an den allgemeinen »eutschen Ausschuß zur Förderung der evangelischen Kirche in Deutsch-Oesterreich mithilst, freiwillige Gaben zu sammeln, welche dort die Anstellung evangelischer Geistlicher und den Bau evangelischer Gotteshäuser ermöglichen sollen. Hat ich schon seither die Liebe zu den bedrängten Stammes- md Glaubensgenossen in einzelnen Teilen Hessens wie von elbst geregt, so wird sie um so erfolgreicher sein können, wenn sie an allen Orten unseres engeren Vaterlandes ge­weckt wird. Darum bitten wir alle evangelischen Bewohner unseres Großherzogtums, dem neu zu gründenden Hilfs­ausschuß für Hessen als Mitglieder beizutreten. Sobald ich der Hilssausschuß gebildet hat, werden wir uns er- auben, zu einer konstituierenden Versammlung nach Darmstadt einzuladen. Indem dann der Evangelische Bund, der es als seine Pflicht angesehen hat, diese bedeut- äme Angelegenheit anzuregen und für das Großherzogtum Hessen ins Werk zu setzen, von der weiteren Leitung der Geschäfte zurücktritt, wird diese Versammlung über die Er­richtung, Ausgaben und Thätigkeil des Ausschusses, insonder­

heit auch über einen alsdann zu veröffentlichenden Aufruf zu beschließen haben." ' '

'* Der Hessische Gefchichtsvereiu unternahm Dienstag von Marburg aus die zweite Burgenfahrt unter zahlreicher Be­teiligung. Nach kurzem Aufenthalt auf dem W i n d h o f bei Gießen wurde von Bieber aus durch das schöneBiebertbal bei drückender Sonnenhitze der Marsch nach Königsberg angetreten. Von dort aus wurde Hohensolms besucht und die dortigen Burganlagen in Augenschein genommen. Rach Besichtigung der inneren Räume des Schlosses wurde auf dem Rückwege Königsberg besucht und über Bieber die Heimfahrt angetreten.

Stipendien für Bakteriologen. Die Düngerabteilung der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft hat beschloßen, drei Stipendien von je 1800 Mk. jährlich auözusetzen, um jungen, naturwissenschaftlich gebildeten Gelehrten, die ge­nügende Vorkenntnisse in der Botanik und auch in der Chemie haben, eine weilergehende Ausbildung in der Bakteriologie zu ermöglichen. Die Bedingungen, die für die Erteilung des Stipendiums maßgebend find, können aus der Kanzlei des Ministeriums des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, zu Darmstadt, Wilhelminenstraße 3, eingesehen werden.

Darmstadt, 6. Juni. Der gestern in seiner Heimat Büdesheim zur letzten Ruhe bestattete Stadtbaumeister unserer Stadt, Baurat Braden, bekleidete diese Stelle als Nachfolger des jetzigen Stadtbaurats Hechler in Chemnitz seit dem 5. April 1880, also über 20 Jahre lang. Der Verstorbene hat seine Ausbildung auf der damaligen höheren Gewerbeschule hier, dann auf dem Polytechnikum in Hannover und auf der Landesuniversität in Gießen empfangen und war bis zu seiner Ernennung zum Stadtbaumeister im hessischen Staatsbaudienst in mannigfacher Weise thätig. Während seiner Dienstführung als Stadtbaumeister find eine große Anzahl größerer Bauten ausgeführt worden, wir nennen nur den Schlachthof, das Pfründnerhaus, das Schulhaus der Mädchenmittelschule in der Viktoriastraße, die neue Viktoriaschule. Baurat Braden war ein äußerst gewissenhafter, pflichtgetreuer Beamter, ausgezeichnet durch reiches Wissen und Können, dabei ein bescheidener, im Um­gang höchst liebenswürdiger und gegen das Publikum zuvor­kommender Mann, der sich aus all diesen Gründen hierorts der allgemeinsten Sympathien erfreute. Bor einigen Wochen wurde er von einem Schlaganfall betroffen, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Er hat ein Alter von 61 Jahren erreicht.

D. Fl. V. Darmstadt, 6. Juni. Seitens deS Deutschen Flotten-VereinS wird für die Zeit vom 21.25. d. M., während der sogenanntenKieler Woche" eine Rundfahrt nach der Wasserkante veranstaltet werden. Das vorläufige Programm hierfür lautet: 21. Juni. Vormittags : Besichtigung der Hafenanlagen und sonstiger SchiffsahrtSeinrichtunge» Hamburgs, Sehenswürdigkeiten, Seewarte unter sachkundiger Führung von Kapitänen und Offizieren der Hamburg- Amerika-Linie, bezw. der Beamten der Seewarte. Nach­mittags: Dampferfahrt ElbeabwärtS. 22. Juni: Fahrt nach Helgoland und zurück nach Hamburg. 23. Juni: Fahrt durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach Kiel. 24. und 25. Juni: Besichtigung von Kiel, der Regatten, der im Hafen ankernden Kriegsschiffe, der Institute der Kaiser- lichen Marine, alles unter Führung von Seeoffizieren.

Homburg v. d. H., 6. Juni. Ein Eisenbahnunfall auf dem hiesigen Bahnhof ereignete sich heute früh bei dem 763 einfahrenden Frankfurter Zug dadurch, daß der Lokomotiv­führer den bei dem starken Gefäll einfahrenden Zug nicht mehr halten konnte,, sodaß dieser über die Drehscheibe hinaus in das Mauerwerk fuhr, das die Luisenstraße vom lieser- liegenden Eisenbahnkörper trennt. Da die meisten Passa­giere, um auszusteigen, bereits aufgestanden waren, so flogen diese mit den Köpfen an die Seitenwände oder aneinander. Außer drei Schwerverletzten haben sich noch sieben mit leichteren Kontusionen gemeldet. Schwer betroffen ist die Frau des Stationsvorstehers Mohlscheid aus Weißkirchen, die in Folge von Nervosität sich auf eine Monatskarte täg­lich zum Kurgebrauch nach Homburg begab und jetzt infolge der Aufregung und Verletzung im Eisenbahnhotel, wohin man die Ohnmächtige gebracht, sehr krank befindet. Nicht unbedeutend verletzt wurde Lina Veite aus Wehrheim, die eine Verletzung oberhalb des Auges erhielt, sowie ein Portier von hier, der eine klaffende Stirnwunde davontrug.

** Kleine Mitteilungen aus Hessen und deu Nachbarstaaten, Der erste Staatsanwalt am Landgericht zu Marburg, Geh. Justizrat Grawert, ist Dienstagmorgen im 69. Lebens­jahre gestorben. Als Heeresunsicherer wurde am SamStag n Frankfurt der Bruder des bekannten Radfahrers Lehr, der bisher im AuSlande gelebt hat und zu Radrennen nach Deutschland kam, von der Polizei aufgegriffen und der Militärbehörde Überwiesen, die ihn dem Mainzer Jnsanterie- Kegiment Nr. 88 zuteilte. Man schloß ihn und brachte ihn in die Kaserne auf der Citadelle. Da Lehr mehrmals äußerte, daß er sich doch eher töten würde, als daß er als Soldat diene, wurde ihm sein Messer abgenommen und er von zwei Gefreiten bewacht. Bei Wilhelmsbad wurde auf einem Bauplatz eine große Anzahl wertvolle kirchliche Gerätschaften, darunter zwei Monstranzen, gefunden. Sämt- iche Edelsteine sind aus den Gegenständen herausgebrochen. Ueber die Herkunft der Gegenstände ist noch nichts bekannt. Als Ort der nächsten Versammlung des mittelrheinischen Aerztetages wurde gestern Bingen bestimmt. In Fürstenberg bei Warburg wurden ein Hirt und zwer Kühe durch Blitzschlag getötet. Drei Wohnhäuser sind durch Blitzschlag eingeäschert worden.__

Deutscher Turnlehrertag in Magdeburg.

Zu dem alle drei Jahre stattfindenden deutschen Turn­lehrertage waren am ersten Pfingstfeiertage viele Teu- nehmer aus allen Teilen unseres deutschen Vaterlandes m- Magdeburg eingetroffen. Nach einer Ausschuß- und Vor-