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Stadttheater, i 7. Januar 1900: ng im Abonnement, isleute. tten von F.v.Schönlhon. ersonen:
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Alfred Helm. Lucie Kugler. Trübten Helm. Wilbelminehrlw Paul Poren.
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Somrag den 7. Januar
Drittes Blatt
Nr. 5
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
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Basuto-Pferde gleichen den Shetland-Ponres, fte futb ui den Bergen so sicher aus den Füßen wie die Gemsen, Gegenden, wo ein anderes Pferd aus Mangel an Futter stirbt, finden sie noch etwas für ihren Magen und werden fett dabei. Der Besitz dieser Pferde würde für England von unschätzbarem Wert gewesen sein. Das begriff auch Ohm Paul und deshalb ließ er sie schleunigst ankaufen. .... .
Sobald das englische Heer in eine der Republiken cmfallt, verschwinden alle Boeren der Umgegend und sie laßen ihre Lebensmittel und ihr bewegliches Gut nicht zurück. Das englifche Heer wird durch eine Wüstenei ziehen müssen, wo — im Sommer — das Gras verdörrt ist. Der geringste Bissen Brot, der kleinste Schluck Wasser, jedes Hälmchen Heu muß dem Heere zugesuhrt werden. Für die beweglichen Boeren wird nichts bequemer fein, als die Proviantzüge abzuschneiden und zu nehmen, wenn sie nicht von einer starken Bedeckung begleitet und die Eisenbahnen selbst nicht gehörig bewacht sind. Dafür allem wird England noch viele, viele Tausende an Mannschaften notig haben. Bewachen sie ihre Proviantzüge nicht genügend, dann werden dreie den Boeren in die Hande fallen und das Heer mutz, getrieben von Hunger und Durst, sich ergeben. Der Plan, in forcierten Märschen einen Platz zu erreichen, wo Lebensmittel zu finden sind, kann nur in dem Gehirn eines Menschen.entstehen, der das Land und seine Bewohner nicht kennt. Das ist emsach unmöglich. ... . , ...
Die Forts um Pretoria smd mit Mundvorrat für zwei Jahre versehen und Munition haben die Republiken im Ueberfluß. Die Forts werden durch Fachleute sür unern- n e hmba r erklärt. Sie sind eingegraben in die Spitzen von Kopjes und dem Auge ganz verborgen. Schwere Panzerplatten schützen sie an der Außenseite vor der vernichtenden Macht der Granaten. Die Forts sind mit dem besten und modernsten Belagerungsgeschütz ausgerüstet, das von deutschen Artilleristen bedient wird. .
Daß die Boeren Mangel an Proviant bekommen sollten, hat man nicht zu besürchten, sie haben Ueberslutz von allem und außerdem können sie Lebensmittel einführen. Wollte England diese Einsuhr auch behindern, so könnte es dies schon mit Rücksicht auf die vielen Kriegsgefangenen in Pretoria mcht thun. Natürlich würden die Boeren diese zuerst dem Hungertode preisgeben. r .
An Truppen fehlt es den Boeren ebensowenig. Sie haben — mit Inbegriff der vielen Kolonisten, die sich ihnen angeschlossen haben — im Augenblick, nach Schätzung unseres Gewährsmannes 60 000 bis 80 000 Mann im Felde und können bequem noch ebensoviel „kommandieren". Und wenn sie dazu schreiten sollten, bleiben die Gehöfte immer noch nicht ohne Schutz.
'Noch eine Bemerkung verdient Beachtung. Die Engländer werden hier und da, so sagte er, eine Anzahl Kassern im Kampf gegen die Boeren verwenden, aber sie werden es wohl unterlassen, die Kaffernstämme gegen die Boeren zu bewaffnen. Das würde ein zweischneidiges Schwert sein, nach der Unterwerfung der Boeren würden die Kaffern sich auch gegen die Engländer wenden."
Die Hinrichtung eines Raubmörders.
Die Hinrichtung des Webers Fischer fand in Hamburg am Samstagmorgen 8 Uhr 45Min. statt. . .
Schon um 7 Uhr wurden Absperrungsmatzregeln in der Umgebung des Justizgebäudes vorgenommen. Das ganze umliegende Glacis mit Ausnahme des Fußweges an den Friedhöfen durfte nicht passiert werden und auch auf diesem Fußwege war ein Stehenbleiben nicht gestattet. Diese Absperrung war, wie sich bald zeigte, auch erforderlich gewesen. Gegen 8 Uhr 15 Mui. bis 8 Uhr .30 Min. trafen die mit Legitimattonsschrelben der Staatsanwaltschaft versehenen Herren am Portal zum Hose des Untersuchungs-Gefängnisses ein und begaben sich zunächst in die Bureauräume. Um dieselbe Zeit fuhr auch der schwarze Leichen-
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wagen, der den Körper des Hinzurichtenden ausnehmen sollte, in das Portal ein.
lieber die letzten Lebensstunden und die Hinrichtung des Verurteilten ist solgendes zu berichten: Abends erhielt Fischer den Besuch des Geistlichen, der dann auch während der Nacht in Gemeinschaft von Gefängniswärtern bei ihm wach blieb. Herr Pastor Miete drang fortwährend in ihn, ein Geständnis abzulegen, allein Fischer bat, ihn in Ruhe zu lassen, da er nichts gestehen könne. Das fortwährende Aufihneinsprechen verbittere ihn nur seine letzten Stunden. Er glaube an einen Gott und hosse aus Gerechtigkeit im Jenseits., Den geistlichen Trost wies
• Fischer nicht zurück: auch betete er mit dem Geistlichen. Er war wunderbar gesaßt und rauchte während der Nacht sieben Zigarren, welche ihm auf seinen Wunsch teils der Verteidiger Herr Doktor Heckscher zurückgelassen hatte, teils von dem Herrn Oberinspektor Kähler überbracht worden waren. Während der ganzen Nacht bewahrte Fischer seine Ruhe: er schlief nur wenige Augenblicke und wenn er wach war,^plauderte er auf das Unbefangenste mit seiner Umgebung. Speise und Trank wies er während der Nacht zurück mit der Erklärung, daß er von dem ihm zustehenden Rechte der Henkersmahlzeit noch später Ge-- brauch machen werde. Der Oberinspektor erschien wiederholt in der Zelle. Fischer zeigte eine außerordentliche dankbare Zuneigung zu demselben, wie auch zu den ihn umgebenden Wärtern und dem Geistlichen: auch erkundigte sich Fischer nach dem Besinden des Gefängnisgeistlichen Herrn Pastor Ebert, von dem er wußte, daß derselbe erkrankt sei. Endlich erkundigte er sich auch nach dem Wetter, ob es schneie, ob es Frost- oder Thau- roetter sei. Um 6 Uhr 30 Min. erschien der Verteidiger des Fischer in der Zelle. Diesen begrüßte Fischer mit außerordentlicher Freude und sprach den Wunsch aus, mit ihm, dem er so viele Mühe bereitet und dem er zu großem Danke verpslichtet sei, eine Zigarre rauchen zu dürfen. Der Wunsch wurde ihm gewährt. Herr Doktor Heckscher überreichte ihm eine echte Import und zündete sich ebenfalls eine solche an. Fischer plauderte bann in der größten Gemütsruhe über sein Vorleben, wie er aus die Bahn des Verbrechens gelangt sei usw. und beteuerte fortgesetzt feine Unschuld an dem Morde. Die Richter, so meinte er, hätten nur ihre Pflicht gethan, er grolle ihnen nicht. Der Verurteilte offenbarte überhaupt plötzlich ein Maß von Intelligenz und Gefühl, wie man ihm früher nie zugetraut hätte. Aus Befragen des Oberinspektors Herrn Kähler, was er zu speisen wünsche, entgegnete Fischer: „Ich wünsche ein recht schönes Beefsteak und Wein." Dann ordnete Fischer noch mit der größten Seelenruhe an, wie das Beessteak gebraten werden solle usw. Er verzehrte dasselbe mit großem Appetit und tränt "eine halbe Flasche Wein dazu. Präzise 8 Uhr 45 Min. erschien der Oberinspektor des Gefängnisses, Herr Kähler, wieder in der Zelle Hub redete den Gefangenen mit den Worten an: „Fischer machen Sie sich bereit; der letzte Augenblick ist gekommen." Mit größter Ruhe erhob sich der Verurteilte, zog einen schwarzen Gehrock an und bereitete auch das Weitere zum letzten Gange vor. Nachdem der Geistliche ein kurzes Gebet gesprochen, rüstete sich Fischer, der keine Spur mehr von seiner Gebrochenheit zeigte, hoch aus und sprach dem Herrn Oberinspektor und den Gefängniswärtern, die ihn während der Hast umgeben hatten, sowie dem Verteidiger in so bewegten Worten seinen Dank aus, daß alle davon tief ergriffen waren. Nachdem er seiner Umgebung die Hände gedrückt, äußerte er seinem Verteidiger gegenüber noch den Wunsch, ungesesselt zum Richtplatz geführt zu werden. Auch dieser Wunsch wurde ihm gewährt in Anbetracht seines musterhaften Verhaltens in seinen letzten Stunden. Was nun geschah, setzte alles in Erstaunen und übte eine große Wirkung auf diejenigen aus, welche der Exekution beizuwohnen hatten. Festen Schrittes trat Fischer, geleitet von dem Geistlichen und seinem Verteidiger, welche ihn unter die Arme gefaßt hatten, auf den Richtplatz. Alis Fischer mit feinen Begleitern den Hof betrat, zuckte er mit keiner Wimper. Er wurde vor einen schwarz begangenen Tisch, aus welchem zwei brennende Lichter und ein Kruzifix standen, geführt. Herr Staatsanwalt Heinichen verlas den Tenor deS Erfenntiiisses des Geschworenengerichts vom 11. Juni v. I.,
Englands Chancen.
Amsterdam, 1. Januar. Ein genauer Kenner der Kap- kolonien — kein Holländer von Geburt —, der 25 Jahre in der Kapkolonie gewohnt hat, äußert sich der „Magdb. Ztg." zufolge, über den Krieg wie folgt:
„Sie können sich keine Vorstellung davon machen, welche unwiderstehliche Kraft die Boeren aus ihrem einfachen, aber unwandelbaren Glauben schöpfen", sagte unser Gewährsmann. „Ich habe nie in meinem Leben ein so rührendes Sterbebett gesehen, wie das eines afrikanischen Boeren. Während sämtliche Hausgenossen vom Schmerz niedergebeugt sind, ist er selber heiter und ruhig. Kein Zug von Furcht, keine Sorge um die Hinterbliebenen. So ruhig, wie Sie am Morgen in Ihr Bureau treten, geht er in die Ewigkeit ein. Ebenso gewiß, wie er weiß, -aß ihn nichts überkommen wird, ohne den Willen seines Gottes, und sein Gott ist ein Gott von unendlicher Liebe, sein Gott will niemals Böses mit ihm." — Dabei sind die Boeren Männer von Eisen und ^tafjl Sie fürchten keine Entbehrungen und Beschwerden bekümmern sie nicht. Sie haben keine Zelte zur Nachtruhe nötig, feine langen Verpflegungszüge, die Mundvorrat und Getränk herbeischleppen. Es sind Männer, die zehn moderne Soldaten aufwiegen. Von den Boeren muß man nicht erwarten, daß sie zu einem eigentlichen Anfall greifen. Können sie die Engländer durch Kanonenfeiler und Vorwärtsbewegung zum Weichen bringen, so werden sie dies thun, falls sie darin einen Vorteil erblicken, falls sie z. B. mehr nach vorne eine bessere Position erreichen können. Haben sie sich aber einmal eine Stellung gewählt und diese verstärkt, dann kann man daraus rechnen, daß solch eine Position, wie man so sagt, annehmbar ist. Vor allem gilt dies von dem Terrain in Natal, roo eine Voerenabteilmig einem hundertfach stärkeren Feind den Vormarsch mit Erfolg hindern kann.
Und was stellt England diesem zu fürchtenden Feinde gegenüber? Eine Armee von M i e t s s o l d a t e n , tapfer, bewundernswert tapfer sogar. Aber diese Tapferkeit fließt nicht aus einer festgewurzelten Ueberzeugung, wie der Heldenmut der Boeren: sie ist eine Aeußerung von „la bete Ijumaine", der Ausfluß der Buldog-Natur, die dem Engländer im allgemeinen eingeimpft ist. Ganz gewiß ist die rohe Kraft des Tieres zu fürchten, aber ist das Tier erst einmal gezähmt -— und basur missen die Boeren mit der verderblichen Wirkung ihres Gewehrfeuers Rat — bann unterwirft es fich willig und widersetzt sich mcht länger. Das britische Heer rekrutiert sich aus dem Abschaum der Bevölkerung und .... aus Söhnen aus den höheren Ständen, die den verkehrten Weg gegangen sind. So stark ist der Prozentsatz der letzteren, daß die Asrikander in der Kapkolonie den Cape Mounted Risles, der einzigen Truppe, welche die Kolonie hat, den Warnen des „Korps der verlorenen Söhne" gegeben hat. Ebensowenig ist der englische Soldat physisch dem Boeren gewachsen. Tommy Atkins, so tapfer er sein mag, kämpft nicht mit einem leeren Magen. Eine große Zahl der englischen Truppen leidet an unnennbaren Krankheiten und die Whiskyslasche ist der Abgott des englischen Soldaten. Das Klima von Südafrika wird diese Männer noch etwas schneller als sonst auf das Krankenbett werfen ober ber Erschöpfung anheimgeben. Wirb Tommy Atkins es gegen ben abgehärteten Boeren aushatten können? Gewiß nicht! Englanb muß, um einige Aussicht auf einen Erfolg zu haben, ber Bocrenmacht minbestens 150 000 Mann gegenüberstellen. Vielleicht gelingt es bem Oberbefehlshaber biefer enormen Truppenmacht bann enblich, ben Kuß auf republikanischen Boben zu setzen. Aber bann beginnt erst recht sein Elenb. Seine Pferbe unb Maultiere werben sterben an ber gefürchteten Pferbeseuche (bouble pneumonia), gegen bie kein Kraut gewachsen ist. Ersatz ist in Afrika nicht zu haben. Basutos hatten 30 000 Stück, biese sinb aber von ben Boeren «igekauft, ehe Englanb bie Hanb barauf legen konnte. Das ist wieber einer ber schlauen Züge, wodurch Präsident Krüger unb seine Regierung bie ganze Welt in Erstaunen setzen. Die
Feuilleton.
Berliner Arief.
(Plaudereien aus ber Kaiserstadt.)
(Nachdruck verboten.)
Kein Feuer, keine Kohle Kann brennen so heiß, Als wenn man nicht klatschen darf, Was heimlich man weiß.
Nachklänge aus der Neujahrsuacht. — Flottenperspektiveu. — Die Eroberung von Paris. — Kadettenheimkehr.
Es ist merkwürdig, wie fabelhaft gleich sich die Welt geblieben ist trotz aller Sylvesterreden und Leitartikel, aller Glockenklänge und Kanonenschüsse, aller gründlich geleerten Punschterrinen und der Sundflut von Pfannkuchen mit und ohne Füllung. Und das soll nun ein neues Jahrhundert fein 1 Schieben sich die braven Gigerln nicht in demselben latschigen Schimpanse - Schritt die Friedrichstraße entlang wie anno Achtzehnhundert und so oder soviel? Glänzt die dicke Schminke auf den 'üflern lächelnden Gesichtern der galanten Damenwelt nicht ebenso abschreckend unecht wie vor acht Tagen? Und das Heer der Straßen- erkäufer schreit genau noch ebenso unverschämt und heiser seine Ramsch
waren und faulen Extrablätter aus wie in dem verflossenen Säkulum, das nun von den Forschesten unseres Nachwuchses schon seit einer ganzen Woche als überwundener Standpunkt mitleidig über die Achsel angesehen wirdl Wozu eigentlich der ganze Lärm gewesen ist, mögen die Götter E "und ich glaube: Die wissen es auch l Wenigstens soll Frau Venus um die Zeit der Jahrhundertwende mit Hilfe des tollen Amor manche spröde Seele entflammt, manche schüchterne Zunge zum Reden gebracht haben. Und daß Vater Neptun den voriges Jahr beinah in Pension geschickten Freund Mars höchst vergnügt angeschmunzelt hat, nachdem er die Reden und Telegramme zu Gunsten der Flottenvermehrung gelesen, ist sicher anzunehmen! '
Nun, der Zug geht jetzt einmal nach dem Wasser; das ist eine unbestreitbare Thatsache, und während unsere Großmüttter bei der Erwähnung einer Amerikareise schauderten, verlieben sich unsere blonden und braunen Jungfrauen am liebsten in einen Schiffskapitän, zumal wenn er noch nicht „schimmelt", oder doch mindestens in einen Marineleutnant. Aus diesem Grunde sind denn wohl auch unsere Berlinerinnen viel flottenschwärmerischer als die Männer, und wenn sie abzusttmmen hätten, ging die deutsche Flotte allemal durch. Aber sie haben auch mitunter die Neigung, als flotte Deutsche selbst einmal durchzugehen — mit dem „armen aber treuen" Theodor oder Eduard. Und daß man nun Helgoland, die romantische Endstation so vieler flotter Durchgänger, seines Charakters als Ringwechselbank entkleidet hat, ist um die heurige Zeit nicht gerade ein geschickter Schachzug gewesen! Was nützen uns all diese neuen Erwerbungen zur See, wenn uns das beste von ihnen nicht zugute kommt I hörte ich ein gefühlvolles Backsischchen klagen, das mir in dem Verdacht steht, nächstens mit ihrem schwarzmähnigen Klavierlehrer ins Blaue zu reisen, und sie dachte bei diesen Worten sicher an Helgoland!
Eine größere Eroberung wie damals die deutsche Diplomatie mit dem kleinen Erland hat ohne Zweifel die deutsche Schauspielkunst in Paris gemacht. Agnes Sorma strahlt in der Erinnerung an die glänzenden El folge — und wenn Madame Räjane in Berlin zufrieden gewesen ist, so hat ste doch immer nur mit der taktvollen Höflichkeit an der Spree zu rechnen gehabt, die feit mehr als zehn Jahren der französischen Kunst Komplimente gemacht, wahrend daS düstere Feuer der Revanche noch in tausenden von Pariser Hitz, und Hetzköpsen brennt. Auch diese hat unsere Sorma überwunden. Ihr Sieg ist also eine That und bedeutet einen weiieren großen Schritt zur endlichen Aussöhnung der großen benachbarten Kulturnationen.
Es giebt viele, die an die Erreichung dieses schönen Zieles nicht glauben wollen und ängstlich darum besorgt sind, daß unser Pulver allzeit trocken gehalten werde. Sie können unbesorgt sein. Die Heranwachsende Generation ist nicht übel; und der verweichlichte und unwissende Offizier von 1806 wird nicht Wiederkehr« n in Deutschland. Auf dem Bahnhofe von Lichterfelde sah ich in diesen Tagen heimkehren in die groß« Anstatt, die wie ein riesiger Backose.r aus dem Gelände ragt und sie auch nicht früher entläßt, bis sie wirklich ordentlich gar gebacken sind, unsere frischen, einfachen Kadetten, die kein Gigerltum kennen, ihre Handkoffer selber tragen und stolz dritter Klasse fahren, wenn sie auch teilweise vor einem Koupec zweiter Posto fassen, bis es an die Abfahrt gehl! Die WethnachtSsreude aus dem Eltern- Hause lag noch wie ein geheimnisvoller Schimmer über den gesunden kindlichen Gesichtern und der Kuß der Mutter beim Abschied brannte wohl noch auf manchen der leider noch unbärtigen Sippen! — Gott erhalte Euch so, wackere Jungen und behüte Euch vor Schnösrlei und Schnoddrigkeit und und Euch zum Ruhm! a. k


