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6.3.1900 Drittes Blatt
 
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Nr. 54 Drittes Blatt.

Dienstag den 6. März

1900

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

All» Änzeigen-Berunttlung-stellen be8 In- und ÄuStanbei nehmen Anzeigen für den (Siebener Anzeiger entgegen Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg.

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(««o«yme einfmbnnneti, gleichviel welchen Inhaltes, werde« grundsLtzlich nicht ausgenommen.)

Sietzen, den 5. März 1900.

* SeschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 366 Jahren, am 5. März 1534, starb zu Modena der Maler Correggio, der in der ersten R ihe der italienischen Meister steht. In seinen Bildern sind alle SeelenzustLnde mit effektvoller Beweglichkeit gezeichnet. Za seinen berühmtesten Wrrken gehören die unter dem Namen der Nacht bekannte Anbetung der Hirten und die büßende Magdalena (Dresden), sowie seine Freskomalereien in Parma. rr

Vor 225 Jahren, am 6. März 1475, wurde auf dem Schlosse Caprese in Toskana der berühmte Bildhauer Michelangelo ge­boren, dessen Schöpfungen für die Skulptur von größter Bedeutung sind. Da er aber hauptsächlich nach dem Gewaltigen strebte, so unterliegt häufig das Gepräge der Wahrheit und Schönheit unter dem Ausdrucke der-nheit und Kraft. Eines seiner bedeutendsten Werke ist seinMoseS an dem großm Grabmonument Julius II. in Rom". Er starb daselbst am 18. Februar 1574.

** Der Kachelofen ist uns jetzt, da der Nachwinter ein­getreten und bte Kohlennot so gut wie behoben ist, aufs neue ein alter, lieber Hausfreund geworden. Es wird uns warm und wohl ums Herz, wenn wir seinen Namen hören. Alte Träume, alte gute Gesichter und Geschichten umspinnen uns in stiller, freundlicher Dämmerung und tragen uns in eine ruhige, friedvolle Gedankenwelt hinüber. Es ist eine Gedankenwelt, wie sie nur das trauliche Stübchen an den Winterabenden in unS weckt. Wir sind heimgekehrt aus den Schneestürmen draußen, die unS Leib und Seele kraftvoll gerüttelt und durchfrischt haben. Wir haben mit festem Blick dem Wetter getrotzt, dem Frost, dem scharfen Wind. Nun umfängt uns daS gemütliche Behagen, das der alte, fürsorg­liche Gesell da in der Ecke, der Kachelofen, in der ganzen Stube zu verbreiten weiß, mit seinem Herzen voll warmer Liebe für jeden, mit seiner ganzen treuherzig behäbigen Erscheinung. In wohlthuender Ruhe überdenken wir des Tages Wollen und Vollbringen. Um uns webt die tiefe, andachtsvolle Stille des Abends. Draußen wird die Dunkelheit mild erhellt vom Schnee der noch schlafenden Bäume und Dächer und Giebel. Ein echter, deutscher Winterabend, wenn er auch in den März fällt! Und wieviel zu seiner Poesie trägt der biedere, sich immer gleich bleibende Hausfreund bei, der so bescheiden im Winkel steht, der Kachelofen! Neuerdings ist mit dem immer mehr erwachten allgemeinen Verständnis für altdeutsche Kunst auch das Wohlgefallen am prächtigen, altdeutschen Kachelofen immer mehr gestiegen. Anfangs durfte der alte treue Haus­freund unserer Ahnen nur in Villen heimisch werden. Jetzt aber rann man ihn mit Freuden schon in vielen Miets­häusern begrüßen, wo er einen nicht geringen Teil zum Erwecken behaglicher Empfindungen beiträgt.

* *

** Touristisches. In der Sektion Gießen des D. u. Oe. A.-B. schilderte Donnerstagabend Herr Stadtbaurat Schmandt seine vorjährigen im Nhätikon-Silvretta- und

Albulagebiet unternommenen Hochtouren. Die Scesaplana ist das Ziel der ersten Tour, lieber Bürserberg geht die Wanderung durch das malerische Brandner Thal, dann in beschwerlichem Zickzack zum Lüner See mit seiner groß­artigen Szenerie und zur DouglaShütte. Am anderen Morgen wird der Ausstieg zum Gipfel versucht, muß aber von dem einsamen Wanderer der dichten Nebel wegen nach dreistündigem Marsche aufgegeben werden, und eS erfolgt der Abstieg über daS Alp-Verajöchel und durch das in der Abendbeleuchtung unvergleichlich schöne Gauerthal nach dem Montafon, wo in der Dunkelheit das gastliche SchrunS erreicht wird. Hier nötigt anhaltender Gewitterregen nach der vorausgegangenen Leistung den Touristen zu unfrei­williger eintägiger Raft. Darauf wird die Wanderung thalaufwärts fortgesetzt zum Madlener HauS und weiter zu der Prächtig am Vermuntgletscher gelegenen Wiesbadener Hütte. Eingehend schildert der Redner die anderen Tags folgende Ersteigung des 3312 Meter hohen Piz Buin und die umfassende Rundsicht von dieser bevorzugten Aussichts­warte. Zurück ins Montafon führt der Abstieg. Die Un­gunst der Witterung nötigt zum Verzicht auf weitere Wan­derungen. Von Davos aus kann nur noch die Tour nach dem Flüelapaß und zum Schwarzhorn (3150 Meter) aus­geführt werden, die freilich beim Rückweg durch plötzlich ausbrechendes Unwetter in unerwünschter, aber auch des Humors nicht entbehrender Weise ihren Abschluß erhält. Dann wird die Heimfahrt über Zürich angetreten, nicht ohne noch von Ragaz aus der in ihrer Großartigkeit un­erreichten Taminaschlucht einen Besuch abzustatten.

** Offene Stellen für Militäranw'ärter im Bezirk des 18. Armeekorps. Attendorn, Magistrat, Polizeidiener für den Nachtwachtdienst und Vollziehungsbeamter, 900 Mk. Gehalt und 120 bis 150 Mk. Nebengebühren. Im Bezirk der Kaiser!. Ober-Postdirektion Darmstadt, Briefträger, 900 Mk. Gehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Im Kaiser!. Ober-Postdirektionsbezirk Dortmund, Kaiser!. Postanstalt, 2 Landbriefträger, je 700 Mk. Anfangsgehalt und der gesetzliche Wohnungsgeldzuschuß. Nassau, Bürger­meisteramt, 2 Bureaugehilfen, 600 Mk. Gehalt. Schwan­heim, Gemeindeverwaltung, Wegewärter, 700 Mk. Gehalt. Im Bezirk der Großh. Hess. (25.) Division. Direktion der Main-Neckar-Bahn, Bahnwärter, 750 bis 1250 Mk. Gehalt und freie Dienstkleidung jährlich.

Bad-Nauheim, 4. März. DerF. Z." wird von hier geschrieben: Unser Badeort sieht mit berechtigter Erwartung in den nächsten Tagen einem bedeutungsvollen Ereignis entgegen: dem Zutagetreten der neu erbohrten Quelle. Veranlaßt durch die zunehmende Frequenz des Bades und die dadurch verursachte Vermehrung der kohlen­sauren Bäder, beschloß das hessische Ministerium im Herbst vorigen Jahres eine Neubohrung zur Erschließung kohlen- säurehaltigen Soolwassers. Die Bohrung wurde, unter der

Oberleitung des Professors Dr. Lepsiu« in Darm­stadt, Anfang Oktober in nächster Nähe der alten Quellen begonnen und war der Firma Thumann in Halle a. S. übertragen. Anfang Februar wurde mit Ueberwindung großer technischer Schwierigkeiten nach Durchbohrung des tertiären Gebirges Kalk und Marmor Vorkommen von Kohlensäure bedingende Gebilde erreicht und in einer Tiefe von etwa 186 Metern ungefähr auf dem bisherigen Sprudelniveau kohlensäurehaltiges Soolwasser erschlossen! Nach weiterer Tiefbohrung bis auf 208 Meter bis zum Orthocerasschiefer wurde die Bohrung dann eingestellt. Die seit acht' Tagen angesetzte Säugpumpe förderte nach Aus­spülung des Bohrschmand und der eingeströmten TageSwässer reichlich kohlensaures Wasser zu Tage, das heute 32 Grad Celsius erreicht hat und das Bohrloch bis etwa 3»/2 Meter unter der Ausflußöffnung füllt. Man hat jetzt, in der Erwägung, daß das Bohrloch von 15 Zentimeter Durchmesser zu weit ist, damit begonnen, engere Kupferrohre von 8 Zentimeter innerem Durchmesser einzuführen, wodurch ein selbständiges überirdisches Ausfließen der Soolsäule mit Sicherheit zu erwarten ist. An das Eintreten dieses Ereignisses werden bereits große Erwartungen geknüpft. In wie weit die demnächstige neue Quelle das Vertrauen, das ihren seit zwei Menschenaltern tausendfach erprobten Schwestern, den Quellen 7 und 12, Aerzte und leidende Menschheit ent- gegenbringen, sich erwerben wird, muß Zeit und Erfahrung erst erweisen. Die neue Quelle ist die 13. ihrer Art. Die erste stark kohlensäurehaltige Quelle wurde von Kurhessen im Jahre 1823 erbohrt bei 18 Meter Tiefe mit 31'/^ Gr. Cels. Die zweite Quelle im folgenden Jahre erreichte eine Tiefe von bereits 153 Meter mit 26 Gr. Cels. Die Bohr­ungen 3 und 4 ergaben keine überfließende Soole. Bohr­ung 5 im Jahre 1838 ergab sofort nach Ansaugen mit einer Handpumpe eine starke kohlensäurehallige Soole von 32,5 Gr. Cels., die 4,6 Meter über die Oberfläche empor­sprang. Diese Quellen versiegten alle infolge der Ein­wirkung des im Jahre 1846 erschlossenen großen Spru­dels, der Quelle 7. Die Bohrungen 8 und 9 ergaben ungünstige Resultate; Bohrung 10 brachte den jetzigen Ludwigsbrunnen. Bohrung 12 ergab die jetzige be­rühmte Friedrich-Wilhelmsquelle, die mit Quelle 7 bekanntlich den Weltruhm des Bades begründet hat.

Bad-Wildungen, 2. März. Ein recht trau­riger Unglücksfall ereignete sich gestern morgen in dem Schaller'schen Neubau an der Hufelandstraße. Der Bautechniker Karl Schalter, der einzige Sohn des Herrn Maurermeisters Heinrich Schalter, stürzte infolge eines Fehltrittes im Treppenhaus drei Stockwerk tief herunter, sodaß er bewußtlos fortgetragen werden mußte. Ob innere Verletzungen stattgesunden, ist bis jetzt nicht sestgestellt. Allgemeine Teilnahme wird der Familie Schalter, die neben anderen auch noch dieser Schicksalsschlag betroffen, ent­gegengebracht.

Feuilleton.

Beraubung des Ex-Präsidenten Harrison. Aus Indianapolis wird berichtet: Wenn jemand eine Reise rhut, so kann er was erzählen, und so auch Ex-Präsident Harrison und seine Gemahlin von ihrer jüngsten Reise nach Paris. Sie sind dort in die Hände eines abgefeimten Gauners gefallen, welcher die Amerikaner gründlich beschwin­delt hat. Um wie viel, wollen die Betreffenden nicht sagen. Alle Einzelheiten der Geschichte, welche jetzt erst bekannt ge­worden ist, deuten darauf hin, daß der Kammerdiener, wel­chen sich die Harrisons in Paris engagierten, der Gauner gewesen ist. Herr Harrison nahm in Paris einen jungen Mann alsBärenführer" in seine Dienste. Der junge Mann war ihm auf das beste empfohlen, hatte zu allen Tageszeiten freien Zutritt zu den Gemächern des Ex-Prä- ftbenten, und erfreute sich bei Herrn und Frau Harrison des unbegrenzten Vertrauens. Eines Tages vermißte Herr Harrison sein Portefeuille, in welchem sich mehrere hundert Dollars befanden, damals hatte er auch nicht den leisesten Verdacht, daß der junge Mann der Dieb sein konnte. Zu derselben Zeit, da die Hunderte von Dollars verschwanden, erwartete Frau Harrison die Zinsen gewisser ihr gehörender Aktien, deren Uebersendung nach Paris an ihre Adresse sie angeordnet hatte. Das Geld blieb aus, doch sah sich Frau Harrison nicht veranlaßt, sofortige Recherchen anzustellen. Auch nach ihrer Rückkehr nach Indianapolis ließ sie geraume

Zeit verstreichen, ehe sie sich nach dem Verbleib der Zinsen erkundigte. Zu ihrer großen Ueberraschung erhielt sie die Antwort, die betreffenden Checks seien zu rechter Zeit nach Paris geschickt, und von ihr unterzeichnet und zu Geld ge­macht worden. Die indossierten Checks wurden ihr als Beweis unterbreitet, und stellte es sich heraus, daß ein Pariser Haus die Auszahlungen gemacht hatte. Die Unter­schrift war der der Frau Harrison täuschend ähnlich nach­gemacht, und Herr und Frau Harrison sind nun der Ueber- zeugung, daß sie von dem PariserGentleman-Kammer­diener" beschwindelt worden sind.

Die neuesten Modeschöpfungen des Frühlings sind in Paris dieLoubet-Hüte". Sie haben einenLoubet- Kops", daß heißt einen Kopf, der eingedrückt ist und unge­fähr wie eine Ziehharmonika aussieht. Man nennt sie Loubet-Hüte" zur Erinnerung an den Tag in Auteuil, als der Zylinder des Präsidenten in einen einer Zieh­harmonika ähnlichen Zustand kam, und obgleich diese Hüte mehr originell als schön sind, so erfreuen sie sich doch eines lebhaften Zuspruchs bei den Pariser Weltdamen. Als Material eines Loubet-HuteS wird gewöhnlich Filz oder Stroh mit einem Kopf aus Glacs-Seide in der angegebenen Form verwendet; der Hut wird aber auch ganz aus Seide hergestellt. Die Seide, die den Kopf bildet, wird an der linken Seite zu einer hübschen Schleife zusammengezogen und mit einer Stahl- oder Silberschnalle gehalten. Zwei gebogene, gesprenkelte Federposen in natürlicher Farbe überragen die Schleife. Links seitwärts befindet sich unter

der Krempe eine zweite Schleife von Glacs-Seide, die aus einer schmalen Schärpe mit geknüpften Fransen an den Enden hergestellt ist. In London sind Frühlingshüte in Khaki unter dem Einfluß des Krieges die Neu­heit der Saison. Die Hüte aus Khakistroh mit auf- geschlagenen Krempen werden mit drei Reihen von schmalem, schwarzem Sammet garniert. Die Federn zeigen ihre natürlichen ungefärbten Schattierungen und werden durch ein gefaltetes Band von schwarzem Sammet zusammengehalten, das sich um die Kiele schlingt und an der rechten Seite Schlingen und Schleifen bildet. Ein anderer Hut in Khakifarbe ist auf der linken Seite sehr kühn in die Höhe geschlagen und bedeckt kaum den halben Kopf. Als Material ist statt des Strohes Tüll gewählt. Die Falten sind geschickt arrangiert und folgen der kühnen Biegung des Hutes. Eine große Schleife aus blaßblauem Atlas an der Seite harmoniert mit dem etwas auffallenden Khaki. Ein anderer hübscher FrühlingShut ist vorn aufgebogen und aus hell malvenfarbenem Stroh mit Spitze überzogen hergestellt. Zur Garnitur sind Primeln, abschattierte Veilchen und purpurrote Cyklamen mit ihren breiten, rundlichen Blättern verwandt. An einer Seite er­heben sich zwei schwarze Federn, an der anderen Seite eine Schleife aus Chiffon in Butterblumenfarbe, eine Schattier­ung Heller als die Spitze. Dazu wird eine Boa aus ähn­lichem Chiffon getragen.