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5.12.1900 Zweites Blatt
 
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2S5Zwettes Blatt

Mittwoch den 5. Dezember

150. Jahrgang

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Siebener Anzeiger

Henerat-An^iger

Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis Gieren.

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Tie Reise des Präfidenten Krüger.

srch Deutschland dazu hergeben, durch einen solchen

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-4«lstrahe Nr. 1.

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Nusgegeben, weshalb? Krüger hat in dem Augenblick, UI) S rr brutschen Boden betrat, dem deutschen Kaiser seinen Srnuj entboten. Der Kaiser aber hat ihm durch den Ge- uniNltn v». Tschirschky erwidern lassen, daß er wegen ander­weitiger ^Verfügungen, die seit längerer Zeit getroffen sind, nicNl in ider Lage sein werde, ihn in Berlin persönlich zu 'MpsfslIIlgilN.

Draihtberichte und Mitteilungen von Personen, die sich in .Cbti U mgebung Krügers befinden, bezeugen, daß die Er- Ibic Herr v. Tschirschky und Bögendorff ihm machten, Peiiiiiliche Ueberraschung hervorgerufen habe. Krüger r.i -tief niedergeschlagen gewesen. Man wird kaum lh'.txgkhcr, wenn man die Unterlassung vorgängiger Abrede ibcM bec Empfang eher für einen Vorwand als für den wa>MH Grund der Entscheidung des Auswärtigen Amts aiifN. Die wirklichen Gründe entziehen sich einstweilen »er: imutniS des Volks. Wie immer man über die Ur» ach!« des südafrikanischen Krieges denke und die Schuld an litiil heutigen Zuständen verteile, so hätte die öffentliche Uietafli an einem Empfange Krügers auch dann keinen 7 nfil'H genommen, wenn sie jede Einmischung in das Schicksal IrcnrSiacalS, jede deutsche Unterstützung eines Schiedsgerichts« .mWgitf grundsätzlich ablehnte. Allein die Leiter unserer ausimiirtiggen Politik müssen bei ihrer besseren Kenntnis der DinW ioiissen, was sie thun. Und sie werden, wie wir an- nchrM, «auch kein Bedenken tragen, die Gründe ihres Ver- bdltiluL6 der Volksvertretung mitzuteilen.

13 ist möglich, daß der fanatische Ausbruch des Eng- änd»«hafses in Frankreich dazu beigetragen hat, die ver- >.utnlmtlichen Leiter der deutschen Politik zur Meidung uchn jedes Scheines zu veranlaffen, als ob der Empfang icüügms eine Kundgebung gegen das Jnselreich bedeute. . 'er: Übereifer der Burenenthusiasten kann den Absichten ri:l gtr 8 geschadet haben. Ueberall ertönte der Ruf

Adresse für Depeschen: Anzetger chtsß«» Fernsprecher Nr. 51.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde.

Buren und Engländer.

Nach einem Telegramm Kitcheners aus Bloemfontein vom 1. Dezember meldet ein Weiterer Bericht des englischen Generals Paget über das Gefecht nordöstlich von Bronk- horstspruit am 29. November: Die Truppen rückten gegen Abend näher an die feindliche Stellung heran. Die Buren erhielten gegen halb sieben Uhr nachmittags Ver­stärkungen. Diese brachten 3 neue Geschütze in Stellung, griffen daraus kräftig die englische Schlachtlinie an, wur­den jedoch nach ernstem Kampfe mit schweren Verlusten zurückgeworfen. Der Feind wartete den für den Tages­anbruch geplanten Angriff nick)t ab, sondern zog sich nachts zurück. Oberstleutnant Lloyd ist gefallen, 10 Offiziere wurden verwundet, von den Mannschaften sind 13 tot und 59 verwundet. General Paget rückte gestern

'0 93 50' "Lchichm Schiedsgericht. Und doch fällt es der französischen M14 315-'- " He geling nicht ein, ein Schiedsgericht vorzuschlagen.

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Telegramme des Gießener Anzeigers.

Charlottenburg, 4. Dezember. Eine gestern abend im hiesigen -Florasaale von 800 Personen aus den besten Kreisen, darunter auch vielen Studierenden der technischen Hochschule abgehaltenen Versamm­lung beschloß einstimmig nach einem Vortrage über das- Thema: Der Besuch des Präsidenten Krüger in Europa, die Absendung eines Telegramms an den Präsidenten Krüger. Darin wirt) der Präsident beim Betreten deutschen Bodens aufs herzlichste begrüßt und ihm und seinem Volke die wärmsten Sympathieen entgegengebracht. Die Versammlung bedauert auf das lebhafteste, daß es dem deutschen Volke nicht vergönnt sei, Krüger in der Reichs- hauptstadt begrüßen zu können. Die Versammlung spricht die Hoffnung aus, daß die gerechte Sache des stamm- verwandten heldenmütigen Buren-Volkes doch den Sieg davontragen werde.

Köln, 4. Dezember. Krüger hat bisher das Domhotek nicht verlassen und seine Absicht, den Tom zu besuchen, gestern nicht ausgeführt. Er fühlt sich ruhebedürftig.' Die Reise, namentlich aber, wie er zu seiner Umgebung äußerte, die Szenen bei seiner Ankunft in Köln, haben ihn stark angegriffen. Auch sagen ihm das Klima, und der deutsche Dezember nicht zu. Sobald er und sei es nur auf wenige Schritte seine Gemächer verläßt, fühlt er sich nicht recht wohl. Gestern hat der Präsident etwa drei Stunden lang persönlich empfangen. Der Prä­sident, die Mitglieder der Deputation Wie Dr. Leyds sind entschlossen, so lange sie auf deutschem Boden weilen, alle"? Lu vermeiden, was auch nur entfernt als p ol i't ilch eTemonstration angesehen werden könnte.

Köln. 4. Dezember. Krüger hat an die Eisenbahn­direktion die Anfrage richten lassen, ob er einen direkten Wagen nach dem Haag bekommen könne. Eine definitive Antwort ist bisher nicht erfolgt. Die Staatsanwaltschaft hat eine strenge Untersuchung des Unglücksfalles ange­ordnet. Wie berichtet wird, fanden am Sonntag abend vor dem englischen Konsulat anti-englische Kund­gebungen statt, an der sich große Menschenmengen beteiligten.

Haag, 4. Dezember. Der Empfang Krügers wird einen durchaus u n o f f i z i e l l e n Charakter tragen. Weder eine Ehrenwache wird ihm gestellt, noch wird er durch eine Eskorte ins Hotel geleitet werden. Die Königin wird ihn zwar empfangen, aber der Besuch werde ganz privat sein. Nicht einmal der M i n i st e r des Aeußern wird der Audienz beiwohnen.

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Zwischenfall verlaufen. Bei der Vertreterversammlung der studentischen Korporationen stimmten die 7 Korps sowie die 3 Burschenschaften nebst 4 anderen Korporationen dagegen, so daß die nötige Zweidrittel-Majorität nicht zu Stande kam. Die 16 Korporationen, die dafür waren, beschlossen hierauf, als eigene Abordnung nach Köln zu fahren. Als sie nun am Sonntag Mittag in Wichs auf dem Bonner Bahnhofe sich zur Abfahrt eingefunden hatten, erschien der Nniversitätsrichter Riefenstahl und machte die Mitteilung, daß die Kundgebung von der Regierung laut soeben eingegangener Verfügung untersagt werde. Einige Korporationen begaben sich daraufhin w'eder nach Hause, der größere Teil fuhr aber unbeirrt nach Köln, um privatim Krüger zu begrüßen.

Krügers Abreise von Köln ist offiziell auf Mitt­woch morgen festgesetzt. Er begiebt sich nach dem Haag und von dort, tote er zu seiner Umgebung äußerte, nach Petersburg. Krüger gab mehrfach der Hoffnung Aus­druck, daß die Parlamente aller Staaten Sympathie-Kund­gebungen für die Buren erlassen möchten. Dann würde das Ziel seiner Wünsche bezüglich Einsetzung eines Schieds­gerichts sicher erreicht werden. Ein bewaffnetes Einschreiten der Mächte möchte er keineswegs herbeiführen. (Der alte Herr scheint einen beneidenswerten Optimismus zu be­sitzen. D. Red.)

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eine Höflichkeitsform für die Abweisung des Empfanges sei. Was Krüger wolle, habe er kurz vor Ueberschreitung der französischen Grenze öffentlich ausge sprochen, nämlich die Errichtung eines Schiedsgerichts. Ein solches könne aber nur eine Regierung anregen, die einen Konflikt mit England herbeiführen wolle. Die deutsche Regierung würde pflichtwidrig handeln, wenn sie dies thun würde. Wie dasB. T." zu reiften glaubt, liegen die Gründe, warum Krüger nicht nach Berlin kommt, in folgendem: Die Anmeldung des Besuches Krügers in Berlin war dort ganz unvermutet durch eine Depesche des Dr. Leyds eingetroffen. Es folgte dann eine Zeit des Schwankens, in der es bald hieße: Krüger kommt, bald wieder, Krüger kommt nicht. In dieser Art der Anmeldung erblickte man in Berliner diplomatischen Kreisen keine ge­nügende Wahrung der diplomatischen Form der Anmeldung von Besuchen fremder Staatsoberhäupter. Nach internationalem Brauch, der selbst unter befreundeten Staats­oberhäuptern gewahrt wird, muß einem solchen Besuch die formelle Anfrage auf diplomatischem Wege voraus­gehen, ob der Besuch zur angegebenen Zeit genehm sei. Das ist von Krüger vollständig unterlassen worden. Wenn sonach auch die Ablehnung des Empfanges des Präsidenten formell aus Eriquette-Rücksichten erfolgte, so kann doch kein Zweifel obwalten, daß nach der Ansicht der deutschen Regierung damit zugleich auch dem Präsidenten Krüger die völlige Aussichtslosigkeit seines Be­suches in Berlin zu verstehen gegeben werden sollte. Die deutsche Regierung hat es für offener und selbstim In­teresse Krügers" für richtiger gehalten, in dieser Be­ziehung eine andere Stellung einzunehmen, als die fran­zösische Regierung, um nicht 1 urch einige unverbindliche und nichtssagende Phrasen der Höflichkeit in dem Präsi­denten Transvaals falsche Hoffnungen zu erwecken, sondern ihm von vornherein jeden Zweifel darüber zu nehmen, daß in Berlin nichts zu machen ist.

Gestern (Montag) gegen mittag bereits war in Köln folgendes kaiserliche Telegramm an Krüger ein­gelaufen:

Se. Majestät btt Kaiser dankt Sr. Exzellenz dem Präsidenten Krüger für feine guten Wünsche, aber er bedauert sehr, Se. Ex,eltznz jetzt nicht empfangen zu können, da früher eingegangene Verdtndltch- keiten ihn nicht in die Lage fetzen, dieses zu thun."

Der Gesandte v. Tschirschky-Bögendorff wurde am Nachmittag vom Präsidenten Klüger in Köln empfangen, um ihm im Auftrage des Kaisers persönlich für das Telegramm zu danken, das Krüger von HerbeSthal aus an den Kaiser richtete. Krüger erwiderte:

Ich bitte meinen verbindlichsten Dank für die durch Ew. Exzellenz mir mitgeteilte Botschaft des Kaisers zu übermitteln, für allerhöchst welchen ich fett der vor Jahren stattgehabten Begegnung stets die freundschaftlichsten Gefühle und die besten Wünsche hegte und Gottes Segen herabflchte."

Wie verlautet, werden sich, nachdem Krüger nach dem Haag abgereist ist, Dr. Leyds und die Burengesandt­schaft nach Berlin begeben.

Während ein Teil der Berliner Blätter, namentlich die liberalen, den Nichtempfang KrügerS durch den Kaiser ziemlich kühl besprechen, geben die konservativen Blätter, darunter dieKreuzztg." ihrem tiefen Bedauern über die Absage Ausdruck. Am schärfsten drücken ihr Bedauern dieDtsch. Tgsztg." und dieStaatsbztg." aus. So sagt dieDtsch. Tgsztg.", zum Glück hätten Präsident Krüger und die ganze Welt in diesen Tagen den unwiderleglichen Beweis erhalten, daß bad deutsche Volk und die deutsche Negierung in dieser Sache ganz verschiedene Wege gehen. DieStaatsbztg." kann nicht verstehen, daß es irgenwelche äußerlichen Dispositionen geben kann, die einen Empfang KrügerS am deutschen Kaiserhofe verhindern könnten oder bürsten. DieNeuest. Nachr.", diePoft", dieGermania" und andere Blätter enthalten sich jeden Kommentars über den Nichtempfang Krügers durch den Kaiser. Auch der Reichsanz." und dieNordd. Allg. Ztg." drucken lediglich die vorliegenden Telegramme ab.

Krüger erkundigte sich nach dem Befinden der nach seiner Ankunft am Samstag am Bahnhofe verunglückten Personen und ließ ihnen seine Teilname ausdrücken. Vor dem Domhotel bewegt sich, wie man aus Köln meldet, fortgesetzt eine große Menschenmenge, die Hochrufe auf Krüger ausbringt. ES herrscht ein sehr starker Fremden­verkehr. Ein Komitee kölnischer Gesangvereine flieht be­kannt, daß die zum Sonnabend für Krüger geplante Ova­tion heute (Dienstag) in Gestalt einer Serenade mit Ge- sangsvorträgen stattfinden wird.

Die Begrüßung, die dem Präsidenten Krüger von Bonner Studenten dargebracht wurde, ist nicht ohne

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78 83 650 61 5or:^!og England zu erbittern und die Geschäfte der 166 75.?i!379 zu besorgen?Conspuez les Anglais nmrbe

i h3 731 33 swW wirdmhvlt bei Krügers Begrüßung stürmisch gerufen. Die

/-)-69 [2000] $4LagWder anzuspeien, hat bie deutsche Politik keinen Grund, ^13 612 [500] 26 64^ enw.miders sie deutsche Jntereften wahrnimmt. Vielleicht »912152 &66 23 sind rt gerade diese Rufer gewesen, die einen Empfang

93' üm 63 88 90 l4(l? ^rüW vereitelt haben, da sie der Begegnung mit dem - o97.^ 4« 73 411eutt^it Kaiser eine scharfe Spitze gegen England zu geben 16 68 A] 88 956

*418 34 49?6 47 ®ie weite Kreise des deutschen Volkes für die Buren |ir25 HVÄO] 709 fHlst i, hat Krüger auf deutschem Boden erfahren. Es ist 2133 0 BegqÄ daß man mit einem um seine Selbständigkeit 716 24 62 838 ^elbOe'unü tlg ringenden Volke tiefe Sympathie hegt. Wenn ''86 (4oo frßWich lmr Jubel geschildert wird, als sei er noch größer s>25 38 81,92 S74 i-/; all bti Kern Empfang der siegreich aus dem Kriege heim- 27 28 35 % geteilten deutschen Soldaten, so muß eine solche Ueber- i'treiEiüg als gedankenlos zurückgewiesen werden. Ein iw38 unbeirrt üft das Mitgefühl mit den Buren, ein anderes das

'i 143 90 200 00 ' rvntfl:r(ae für das eigene Vaterland. Und so warm das !" 348b,, 247 6 " '. Her,!! |4I$gt für ein tapfer kämpfendes Volk in Südaftika; d-r Reiche kann nicht nach diesen Gefühlen werden, sondern allein von der Erwägung, was se», »meinwesen frommt. Bon dieser Erwägung muß Kritik geleitet werden. Dabei kann ebenso wenig 7 engl*i Beifall wie sranzdsischer «erger von Belang sein.

7 31? 209018 Sj J! * *

DieNat.-rrtg." weist bei Besprechung des Nicht- " I; . emptziaagttt des Präfidenten Krüger durch den Kaffer darauf , ' i wohl kaum hervorg» hoben zu werden brauche, daß

> der :MmeiS auf die bereits getroffenen Dispositionen nur

ir Reise und I _ Der Hofprediger Kritzinger hat am Sonntag in der rb eia iuverWffiöM ! DorcHJnterimSkirche zu Berlin des Präsidenten KrügerS ge- daverad gksucht. avihl, und ihm Glück und Segenswünsche für seine Ankunft Wer »r. 0501 1 9erliri enfgegengerufen. Hofprediger sind nicht immer plditioa diffttz tzjM ibiw^bie Absichten deS HofeS oder die Ansichten des Aus- 7nwrp*1 p:nLfl väüchrn Amts unterrichtet. Paul Krüger wird nicht nach Brfn tummen. Von Köln nimmt er seinen Weg nach dem Die Zweifel, die Über den Besuch deS greifen 61m« gg'Kfliit »Rennen der Südafrikanischen Republik in der deutschen WofGh i-e^Shaifpistadt herrschten, sind um dieselbe Stunde zer- ----7^- icGUl to»tben, wo Herr Kritzinger seine Predigt hielt. Um - MiitlagSzeit teilte Krügers Sekretär dem Direktor des V Serliiirr Palasthotels mit/daß er die bestellten Zimmer

Ritten Stockwerks anderweit vermieten könne, da der Ouluer Besuch aufgegeben sei.

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Verbieten an die SÜä