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5.7.1900 Drittes Blatt
 
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Nr 154 Drittes Blatt. Donnerstag den 5 Juli

1900

Alle Anzeigeu-BermittlungSstellen M An- und Ausland«» »ehmen «n-eigen für den Gießener Anzeiger eulgege». ZeilenpretS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg

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Kießener Anzeiger

Hmeral-Anzeiger

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Mvntags.

Die Gießener Hee<n<*IUH<r »erden dem Anzeiger in- Wechsel mitHeff. 8eeb»itt* m.Wätter > heg. Volkskunde- »WL*** bcigclcgt.

Anrts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gieren.

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Adrestc für Depeschen: Anzeiger chietzee« Fernsprecher Nr. 51.

zufrieden gibt. Das Nichtige wird sein, den Genuß von Pilsener Bier so lange zu unterlassen, bis die Wirte sich dazu verstehen, den Preis für 8/10 Liter aus 21 Pfg., wie er dem Rechten entspricht, herabzusetzeu. Es ist ja nicht nötig, ausländisches Bier zu trinken. Die einheimischen Biere, die zum Teil nach Pilsener Art gebraut sind, geben den besten Ersatz.

Auszug aus -en Kirchenbücher» der Stadt Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

«etrarrte.

Matthäusgemeind e.

Den 23. Juni. Heinrich Arnold, Packer zu Gießen und Katharine Dittmann, Tochter bei Taglöhners Jakob Dtttmann zu Rachelshausen.

Den 27. Juni. Johannes GroßhauS, Bahnschafsner zu St. Goars­hausen und Christine Freihbfer, Tochter des verstorbenen AckermannS Magnus Freihöfer II. zu Allendorf a. d. Lumda.

Lukasgemetnde.

Den 28. Juni. Ludwig Wilhelm Schlag, Oberförster zu Messel und Margarethe Auguste Geisel, Tochter des Zugführers i. P. Johann Daniel Moritz Geisel zu Gießen.

»etairfte.

Matthäusgemeinde.

Den 24. Juni. Dem Schuhmacher Ludwig Appel eine Tochter, Katharine Anna Marie, geboren den 27. März.

Denselben. Dem Lademeister Dietrich Vogel ein Sohn, Wilhelm Heinrich, geboren den 18. Mai.

Denselben. Dem Bäckermeister Balthaser Schomber ein Sohn. Wilhelm August Ludwig, geboren den 31. Mai.

Markusgemeinde.

Den 24. Juni. Dem Buchbinder Ludwig Benner «in Sohn, Lud­wig Wilhelm, geboren oen 22. Mai.

Lukasgemeinde.

Den 24. Juni. Dem Schmied Philipp Wilhelm Schomber ein Sohn, Ernst, geboren den 13. April.

Denselben. Dem Kaufmann AloyS Spengler eine Tochter, Marie Emma, geboren den 8. April.

Beerdigte.

Mat thäusgemeinde.

Den 28. Juni. Dr. Albert Hofmann, Oberarzt an der medizinischen Klinik zu Halle, Sohn des verstorbenen Landgerichtsdtrektors Gustav Martin Hofmann zu Gießen, 32 Jahre alt, starb den 20. Juni zu Halle.

Den 29. Juni. Christine Seeth geb. Möser, Wittwe, 72 Jahre alt, starb den 28. Juni.

Lukasgemeinde.

Den 29. Juni. Hermann Vogt, Postasfistent, Sohn des Bäcker­meisters Hermann Vogt, 24 Jahre alt, starb den 27. Juni.

der Centmr

Mk.

Centralstelle für Obstverwertnrrg.

Erdbeeren ....

Strichen, je nach Sorte JohanntSlxeien . .

Heideibeer.n ....

Unreife Stachelbeeren . Frankfurt a. M., den 2. Juli 1900.

50. 10-17. 17.

15.

10.

Landwirtschaft.

ObstdurchfchuittSpreise.

den 2. Juli 1900 (die Preise v rstehen sich bei sofortiger Lieferung).

Strecke Lollar-Loridorft an einen am oberen Ende unseres Ortes liegenden Platz. Bei dem betr. Bahnhofsprojekt sprechen alle Umstände gegen ein solches, und es ist in der That der ungeeignetste Platz, da mit Langholz und Last­fuhrwerk nur unter größter Lebensgefahr und im Winter sowie bei Hochwasser gar nicht zu ihm zu kommen ist. Fast alle Einwohner des Orts mit geringen Ausnahmen nehmen dagegen Stellung und wünschen am unteren Ende des Ortes nach Mainzlar zu einen weit gelegeneren, gut passierbaren und für die Gemeinde weit weniger kostspieligen Platz. ES befremdet allgemein, daß das letztere Projekt vom Gemeinde­vorstand nicht befürwortet wird, obgleich unser Gemeinde­geldbeutel eine Ersparniß ganz gut vertragen könnte.

§ Sichenhausen, 2. Juli. Unser Lehrer Lackmann wurde von hier nach Bannerod (Kreis Lauterbach) versetzt.

O Burkhards, 2. Juli. Daß in manchen Gemarkungen des Vogelsbergs das Land im Wert steht, zeigt der Erlös einer jüngst in dem benachbarten Kaulstos abgehaltenen Güterversteigerung. So wurden z. B. für eine Wiese mit einem Flächeninhalt von 1195 qm 530 Mk., für einen Acker, 824 qm haltend, 452 Mk. bezahlt, Preise, wie man sie sonst nur in der besten Wetterau kennt.

Darmstadt, 2. Juli. Die Kronprinzessin von Griechenland traf gestern auf Jagdschloß Wolfsgarten zum Besuch ein und reiste nach der Abendtasel nach Cron- berg zurück. Die Kinder des Großfürsten Paul, Groß­fürstin Maria und Großfürst Demetrius von Rußland sind mit Gefolge heute vormittag von Wolfs- garten wieder abgereist. Man schreibt derDarmst. Zig.", daß die neun Darmstädter Wirte, bei denen Pilsener Bier ausgeschenkt wird, sich zusammengcthan und am 30. Juni eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht haben, daß sieinfolge des Zollaufschlags- sich veranlaßt sehen, vom 1. Juli ab den Preis für das übliche Glas von 8/io Liter, das seither 20 Pfg. gekostet hat, auf 25 Pfg., also um fünf Pfennig, zu erhöhen. Nun ist aller­dings mit dem 1. Juli zur Beschaffung der Mittel für die Durchführung der Flottenvorlage ein Zollaufschlag für das ausländische Bier eingetreten. Zur Beleuchtung des Vor­gehens der Wirte möchten wir aber doch die interessante Thatsache mitteilen, daß die drei Pilsener Brauereien infolge dieses Zollausschlags den Preis für das Hektoliter nur um 3 Mk. 40 Pfg. erhöht haben, sodaß die Erhöhung des Preises für das GlaS von 8/10 Liter, selbst wenn man den Schaum ganz außer Betracht läßt, genau einen Pfennig beträgt. Diese Preiserhöhung um 1 Pfennig benützen also die Wirte, um ihrerseits den Preis um fünf Pfennig hinauf­zuschrauben, und sie suchen dabei durch ihre veröffentlichte Erklärung den Glauben zu erwecken, als ob diese Erhöhung durch den Zollaufschlag geboten sei, während in Wahr­heit bei jedem Glas Pilsener Bier vier Pfennig als reiner Mehrverdienst gegen seither in die Tasche der Wirte fließen. ES fragt sich, ob das biertrinkende Publikum, nachdem diese I Thatsache klargestellt ist, mit der Neuerung der Wirte sich

Aus Stadt und Land.

(Unsere ständigen und gelegentlichen Herren Mitarbeiter werden ge- »«Ä « Sendungen stets nur eine Seite ihres Manuskripts zu beschreiben und bte Rückseite frei zu kaffen im Jntereffe der schnelleren Druckherstellung.)

Gießen, 4. Juli 1900.

* ©iefjene» Bolköbad. Der Besuch des Bades im Monat Juni weist ebenso gegenüber dem Vormonat wie gegenüber dem Besuch im gleichen Monat des voraus­gegangenen Jahres eine sehr erfreuliche Zunahme auf. Im g»nzen wurden abgegeben 10 053 Bäder gegen 7905 im Mar 1900 und gegen 7910 im Juni 1899 oder bei Berücksichtigung des Ausfalles an Sonn- und Feiertagen m Durchschnitt auf den ganzen Badetag 379 Bäder gegen 282 im Mai 1900 und 283 im Juni 1899. Der Besuch im einzelnen verteilt sich wie folgt:

Schwimmbad 4440 Männer, darunter 836 zu 10 Pf., 1263 Frauen, 459 10

Wannenbäder 1. Klaffe 227 Männer, 98 Frauen, .. 2. 948 741

DEpf. und Heißluftbäder, sowie Massage zusammen 76 Männer, 8 Frauen, Brausebäder zusammen 2252. Die Personenwage wurde von 216 Personen benützt, das Bad von 55 Personen besichtigt. Der Juni dss. IS. hat danach seit Eröffnung des BadeS nicht nur den höchsten NouatSbesuch, sondern auch am SamStag vor Pfingsten den höchsten Tagesbesuch aufzuweisen, und zwar mit 1143 Bädern.

-k- TreiS a. b. L., 2. Juli. Große Entrüstung herrscht m unserem Ort wegen Legung des Bahnhofs der

Politische Tagesschau.

DaSKleine Journal" veröffentlicht folgendes:

1. Am 26. Juni ist ein an unseren Redakteur s. Reißer «us Könitz gerichtetes Schreiben daselbst zur Post gegeben worden. Die Adreffe kautet klar und deutlich: Herrn Redakteur Reißer, Berlins^., Friedrichstraße 239, Kleines Journal.

2. Dieser Brief ist dem Postamt 48 (das bezeichnete Postamt hat in seinem Revier sowohl das .Kleine Journal" als dieStaats, bürger-Zeitung") am morgen des letzten Donnerstag, den 27. Juni, zugegangen und sollte laut Stempel mit der ersten Post bestellt werden.

3. Der Brief ist von dem Briefträger erst um 10i/, Uhr, also mit b« dritten Post, in die Hände des Expeditions-Vorstehers desMeinen Journals" gelangt, und zwar in folgendem Zustande: Die Rückseite des Kouverts ist geöffnet und dann mit Briefmarkenpapier wieder zugeklebt worden. Daß die Oeffnung des Briefe! in Berlin geschehen ist, ergiebt sich daraus, daß der Bestellungsstempel des Berliner Postamts mit dem Vriefmarkenpapier überklebt worden ist.

4. In ihrer Abendausgabe vom 29. Juni druckt nun dieStaats- bürger-Ztg." einen Teil des Briefes wörtlich ab und schreibt:Zur Kennzeichnung der Thättgkeit des Mannes laffen wir nachstehend einen »eil des Briefes folgen, den S. kürzlich von hier aus an einen Redakteur dsSKleinen Journals" geschrieben hat, und der uns von einer Seite, bte das Intriguenspiel entlarven möchte, mitgeteilt worden ist.

Ein Mitarbeiter derStaatSbürger-Ztg.", namens Zimmer, hat bereits am 28. Juni in Könitz damit geprahlt, daß es derStaats- bßrger-Ztg." gelungen sei, einen an dasKleine Journal" gerichteten «rief abzufangen.

Die geheimen Gesellschaften Chinas.

Von Paul Lindenberg.*)

i-ni .1887

t.

"ZV** uuwi iuulji uit /cuucn tcttyvL 2>cirvuraer ae*

,f'Vi900 sMündert; die Untersuchungen bei derartigen lokalen Aus- rf.>- pänden werden dann gern niedergeschlagen, um nicht von

v. _ (Nachdruck verboten.)

Aufständen in dem großen chinesischen , A9 nie wird es an denselben fehlen; bald

ifrf Ar, da flanunt die Empörung auf, teils aus lokalen

SlSrvrL ^Gerechtigkeit hoher Beamten), teils aus wirt- jchaftlichen (Hungersnöte) oder aus politischen, die dann «iCXS? der Mandschu-Dynastie bezweckt, sich aber uit vielen Fallen auch gegen die Fremden und alles Fremde z.s ^nden zumal gegen die Missionen und Missionäre wie ^"^borenen Christen, denen ihr Eigentum ge- ^>Lubt wird. Die Aufstande werden gewöhnlich schnell unterdrückt, in den ersteren FäNen verschafft sich fast immer Volk sein Recht selbst, die mißliebigen Beamten müssen ^füehen oder ihre den Anfaß zu den Uniuhen gebenden Är- Bgo^dnungen widerrufen, die Reis- und Getreidespeicher die pBvon der Regierung in größeren Plätzen angelegt sind wer- 9ZMN gestürmt, auch wohl die Läden reicher Mitbürger ae*

feuern böses Blut zu erregen, oder es werden als Sünden- gdrf ®trde ein Paar Herumtreiber, die keinen Familienanhang in ^gend haben, geköpft. Bedenklicherer Art sind die ^.NMchen Rebellionen, die oft die Aufwendung größerer

Msbrigewalt bedingen und den einzelnen Provinzen viel «Haden zuftigen; wenn irgend angängig, sucht sie der be- ^eisende Gouverneur oder Vizekönig durch Bestechung zu

ntmKntine^en dieün Abschnitt Paul Lindenbergs: Ä0V19W)bC n 2001:1 unb (Beilin, gerb. Dümmlrrs

unterdrücken, indetn der oder die Führer erhebliche C)eld- summen erhalten und man auchj die eine und andere Rebellenschar durch den bekannten metallischen Klang, der für ein Chinesenohr stets von besonders angenehmer Lockung ist, zur Ruhe zurückzuftihren sucht. Manche kleinere Aufstände mögen nur aus diesen Beweggründen unter­nommen werden, und nach^ ihrerUnterdrückung" berichtet dann triumphierend der betreffende Mandarin naft) Peking, daß es seiner Tapferkeit und List gelungen sei, die Rebellen- horden von der Erde zu vertilgen!

Die ernsteren politischen Aufstände werden ausnahms­los von den Geheimen Gesellschaften, denen anzugehören das Gesetz (nur daß es stets umgangen wird!) auf das strengste verbietet, angezettelt; China ist reich an der­artigen Geheimbünden, die in vielen Angelegenheiten eine sehr bedeutsame Rolle spielen. Die Mitglieder der arößeren dieser Gesellschaften zählen nach vielen Tausenden und sind teils über bestimmte Provinzen, teils über umfassende Gebiete (Süd- oder Mittel- oder Nord-China) oder auch über Pas ganze Reich verbreitet. Eine der einflußreickssten dieser Gesellschaften ist der Tien-ti-hui-Bund, dieHimmel- und Erde-Gesellschaft", die schon seit über 250 Jahren besteht und allgemeine Zwecke: Freiheit und Gleickcheit, Wahrheit und Gerechtigkeit, Verminderung der öffent­lichen Lasten Und bessere Verteilung des Besitzes, all dies unter einer neuen Regierung, anstrebt. Die neuen Mit­glieder werden in feierlich-phantastischer Weise aufgenom- tnen; in ein weißes Gewand gekleidet, müssen sie 36 Eide ablegen, während ein blankes Schwert gegen ihre entblößte Brust gezückt ist, ein Hahn wird dann geköpft, und während sein Blut rinnt, der Fluch gesprochen:So möge jeder sterben, der unser Geheimnis verrät!" Det Bund hat

nicht nur in China, sondern auch^ in Singapore, Siam, Java, Kalifornien starken Anhang.

Nicht minder wichtig ist der Bund der Ko-Lao (der älteren Brüder"), der in Mittel-China seine Hauptstütze hat und viele ftühere Offiziere und Soldaten zu seinen Anhängern zählt; er ist aus dem Taiping-Aufstande her­vorgegangen und bezweckt die Reinigung Chinas von allem Fremden, von Europäern sowohl wie Mandschps. Die Mitglieder, die besondere Erkennungszeichen haben, kommen an verborgenen Orten zusammen unter allerhand mysteriösen Feierlichkeiten. Gegen die Mandschu-Dynastie und für ihre Ersetzung durch die Mings, von denen noch einige Prinzen leben, tritt der Bund derWeißen Seerose" ein, der zum Schluß seiner geheim verbreiteten Anwerb­ungen neuer Mitglieder deutlich genug hervorhebt:Mögen alle kommen und sichj unferm Bund anschließen! Möge jeder sich! Mühe geben, neue Brüder zu gewinnen? Wir können keinen Frieden haben, bevor die Dynastie der Ming nicht wieder den Thron bestiegen hat!" Die Mitglieder, die bei ihrer nur Nachts stattsindenden Aufnahme unter zwei gekreuzten Schwertern schwören müssen, dem Bunde treu anzuhängen,sonst soll Tod und Fäulnis und ewiger Fluch! seiner Brüder über sie kommen", hoben gleichfalls ihre Erkennungszeichen, zu denen eine besondere Art ge­hört, Thee und Tabakspfeife anzubieten und anzunehmen, während die Angehörigen des Geheimbundes derGroßen Messer" (jetzt alsBoxer" bezeichnet) derartige Messer tragen. Auch die stark in China verbreiteten Mohamedaner halten durch geheime Gesellschaften zusammen, ein blutiger, langwährender Aufstand int Nordwesten von China, der nur mit großer Mühe niedergeschlagen werden konnte und hunderttausenden von Mensch<en das Leben kostete, war