Ausgabe 
3.9.1900 Drittes Blatt
 
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lichen Brand zum Beschluß. Bearbeitet von Julius von Sachsen in 5 Aufzuge. Personen: Ftasco der Doggen: Direktor Helber; Eleonohre dessen Gemahlin, Madame Helber; Doria, Fürst von Genua: Herr Rossipal; Julie, eine Bullerin, dessen Schwester: Dem. Nosüpal; Verinna ein Geschworener, Häuptling aus Genua: (Theaterfreind); Huffah ein Moor: kleiner Helber. Geschworene, Masken, wallische Bandisten. Am Schluffe ein wirklicher Mordbrand von roten Feuer. Geehrte Herr­schaften, Gähner und Kunstfreundei Dieses berühmte Stück empfiehlt sich, wo keine Kostenersparung nicht gescheut und über all' bereits mit größten Beifall ausgenommen, weil wir in der hierortigen Gegend nur eine kurze Zeit uns verhalten können, bitten wir doch recht sehr, um Ihrige Gnade und Beistand Unterthänigste, Preise der Plätze. Erster Platz nach Belieben hoher Gähner. Zweiter Platz 20 Pfennig. Dritter Platz oder Kinderbilljet wird eingesammelt. Anfang 8 Uhr. Auch sind bei der Caßa vorzüglichste wohl riechete Seifen und in den größten Städten ab^esetzte Fleckkugeln, wo man selbe sich sogleich von der Prob überzeugen kann um billigste Preise zu haben auch wohl riechete vidibuß in Etwi, bitte um zhlreiche Verehrung. Zosefa Helber."

Budapest, 15. September. Bei der Wahl eines Prä. sidenten des Universitäts-Klubs entstand in der Aula zwischen den Studenten eine Rauferei, bei der drei Studenten Verletzungen erlitten. Während der Rauferei wurden mehrere Fenster und Thüren eiugeschlagen. Der Kandidat der akademischen Natioual-Partei wurde zum Prä­sidenten gewählt.

Klagenfurt, 15. September. In Viktring beobachtete man mehrere heftige Erdbeben.

* Rußland mit dem kleinen r. Die Kaiserin von Rußland erzählte, wie die ZeitschriftThe Gem" be­richtet, aus ihrer Kindheit folgende hübsche Anekdote:Als ich ein ganz kleines Mädchen war, haßte ich von allen meinen Stunden nichts so sehr wieRechtschreibung". Ein­mal buchstabierte ich auch Rußland mit einem kleinenr". Da sagte meine Erzieherin:Was würde der Kaiser von Rußland sagen, wenn er wüßte, daß Sie sein Land mit einem kleinenr" buchstabieren?" Ich antwortete:Das ist mir ganz gleich, was er sagt; ich werde den Kaiser und sein Land in meinem Leben wohl niemals zu sehen be­kommen, darum kommt es nicht daraus an."Aber eine Prinzessin muß doch richtig buchstabieren können. Was werden Sie thun, wenn Sie erwachsen sind?" meinte meine Erzieherin.Wenn ich erwachsen bin," antwortete ich hoch­mütig,werde ich einen Mann heiraten, der für mich buch­stabieren kann? Außerdem kommt es auch nicht daraus an, ob eine Prinzessin richtig schreibt. Wenn sie ein Wort falsch buchstabierte, würden die Leute nur sagen: Wie reizend? . . . Wie anders denke ich jetzt," fuhr die Kaiserin lächelnd fort.Rußland schreibe ich mit einem sehr, sehr großenR" und Kaiser mit einem gewaltigenK"!"

* Ein Erfolg des Bertillon schon Meß­systems. Einer der beiden internationalen Taschen­diebe, die nachgewiesenermaßen innerhalb der letzten vier Monate ein Vermögen von 200 000 Mart zusammenge­stohlen haben, der angebliche Kellner Antonio Giuseppe Botta aus Turin, ist jetzt rekognosziert worden. Er ist ein vielfach vorbestrafter Schlosser Josef Rolando, der am 9. Juni 1849 in Buenos-Aires geboten wurde und

bereits in den Strafanstalten verschiedener Länder gesessen hat. Interessant ist nun, wie die Identität Bottas fest­gestellt wurde. Tie Kriminalpolizei vermutete von vorn­herein, daß die beiden Verbrecher über ihre Personalien falsche Angaben machten, zumal beide ersichtlich älter waren, als sie behaupteten. Tie Annahme, daß man es mit langjährigen gewiegten Verbrechern zu thun habe, wurde bestärkt durch den Umstand, daß beide zwar beim Photographieren still hielten, jedoch beim Messen die Be­amten zu täuschen suchten, indem sie durch kaum bemerk­bares Verzerren einzelner Gesichtspartien und Ktümmen einzelner Glieder andere Maße herzustellen sich bemühten, als ihr Körper in Wirklichkeit aufweist. Erst durch mehr­maliges Messen kam man zum Ziel. Es zeigte sich auch bald, weshalb die Gauner sich verstellten. Rolando hat einen Doppelgänger namens Botta. Unter dessen Namen wollte R. sich bestrafen lassen, um eine gelindere Strafe zu erzielen. Auf dem Bilde ist Rolando von Botta nicht zu unterscheiden, deshalb wäre ihm sein Trick fast ge­lungen, wenn nicht die Meßzentrale zu Paris, der, wie allen anderen ausländischen Behörden, die Meßkarte übersandt wurde, an der Hand der Maße die Identität Rolandos festgestellt hätte. Tas Vorleben des anderen Taschendiebes, der ein Artist Antonio Rodrigaz sein und aus Buenos-Aires stammen will, ist noch in Dunkel ge­hüllt. Tie Mithelfer der beiden Gauner sind noch nicht ermittelt. Es werden gegenwärtig Erhebungen in den Strafanstalten und an solchen Orten angestellt, wo Ro­lando früher geweilt hat, um auf diese Weise einen Anhaltspunkt zu gewinnen, in welchen Kreisen , die Mit­helfer zu suchen sind. Hierbei dürfte lediglich das Aus­land in Betracht kommen, wohin wahrscheinlich auch die ungeheure Diebesbeute in Sicherheit gebracht ward.

Syichlm brr ntrmigftn FraukMer StMthenier.

Opernhaus.

Dienstag, 18. September*):Mignon". Mittwoch, 19. Sep­tember V27 Uhr:Tristan und Isolde". Donnerstag, 20. September: Evangelimann". Freitag, 21. September:Geisha". Samstag, 22. September:Barbier von Sevilla". Sonntag, 23. September 3% Uhr:Geisha";Amslia oderDer Maskenball". Montag, 24. September:Puppe".

Schauspielhaus.

Dienstag, 18. September:Baumeister Solneß". Äittwoch, 19. September:Fallissement". Donnerstag, 20. September:Ma» dame Sans Göne". Freitag. 21. September:Torquato Tasso". Samstag, 22. September: Cyklus nordischer Dramen. 7. Abend. Neu einstudiertEin Volksfeind" von Henrik Ibsen. Sonntag, 23. September 3% Uhr:Heimat";Falissement". Montag, 24. September:Großstadtluft"

*) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr.

HanSel uns Verkehr. Nslkrwirtsihast.

Frankfurter Börse vem 15. September.

Wechsel auf New-York zu 0.00-00.

Prämien auf Kredit per ult Sept. 1.30%, do. per ult Okt. 2.45%, Diekonto-Kommandit per ult. Sept 1.10%, do. per ult. Okt. 2.30 %, Lombarden per ult Sept. 0.65%, do. per ult Okt. 0.90 %. Deutsche Bank per ult. Sept. 0.00%.

Wetierunren: Kreditaktien 207.00-000.00-00, Diakon to- Kommandit 173.70-60-00-00-00 Staatsbahn 142.30-00., Lombarden 26.20.00, Italiener 94.00, Spanier 72.20-00, Bpt.yz Mexikaner 25 40. Bochumer 181.80-181 bz., Laura 198.10-196.50 00 bz., Harpener 177.80-000-000.00 bz., Gelsenkirchen 189-80.000 bz., G., Privat-Dis- kont 4% % G.

V/i bis 2% Uhr: Kreditaktien 207-207.20.00-000-00 bz., Dh- konto-Kommandit 173.60-50.000 bz., Staatsbahn 142 30-000.00 bz., Lombarden 00.00-26.20 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesell­schaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz , Sproz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz.

Märkte.

Grünberg, 15. September. Fruchtmorkt. Weizen 15,3615,80 Mark, Korn 18,0020,00 Mark, Gerste 13,5014,00 Mark, Hafer 12,6013,00 Mark, Erbsen 00,0000,00 Mark, Linsen 00,0000,00 Mark, Samen 25,5000 Mark, Kartoffeln 0,000,00 Mark.

Auszug aus -en KirchendSchrr»

-er Sta-1 Gieße«.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Lukasgemeinde.

Den 8. September. Heinrich Lorenz Karl Ernst Weinhardt, Metalldreher zu Gießen und Katharine Magdalene Luise Henriette Platt, Tochter des verstorbenen Schreiners Jakob Platt zu Gießen.

Johannesgemeinde.

Den 12. September. Friedrich Luh, Bureaugehtlfe zu Gießen und Elise Amalie Auguste Johanna Dieterich, Tochter des verstorbenen Lehrers Ferdinand Dieterich zu Wolzhausen.

Denselben. Johann Jakob Adolf Noll, Tapezier zu Gießen und Dorothea Bauer, Tochter des Gastwirts Philipp Bauer II. zu Gießen.

Getaufte.

Matthäusgemeinde.

Den 9. September. Dem Hilfsheizer Konrad Emü Marx eine Tochter, Wilhelmine Margarethe Christiane, geboren den 8. August.

Denselben. Dem Fabrikarbeiter Jakob Giebel ein Sohn, Karl Ludwig Heinrich, geboren den 21. Juli

Markusgemeinde.

Den 9. September. Dem Schuhmacher Heinrich Stoll eine Tochter, Marie, geboren den 27. Juli.

Denselben. Dem Tapezier Friedrich Zimmermann eine Tochter, Karoline Auguste Emilie, geboren den 26. Juli.

Denselben. Dem Bäckermeister Ludwig Keil ein Sohn, Adolf Karl, geboren den 16. August.

Johannesgemeinde.

Den 9. September. Dem Schneider Helwig Franz eine Tochter, Marie Margarethe Eltsabethe, geboren den 17. August.

Denselben. Dem Lackierer Wilhelm Deibel eine Tochter, Henriette, geboren den 30. Juli.

Beerdigte.

Matthäusgemeind e.

Den 11. September. Johannes Rohrbach, Privatmann, verheiratet, 72 Jahre alt, starb den 9. September.

Markusgemeinde.

Den 12. September. Karoline Reiber, 11 Jahre alt, starb den 10. September.

Denselben. Marie Löber, geborene Becker, Witwe des verstorbenen Maschinenputzers Johann Daniel Löber, 69 Jahre alt, starb den 10. Sep­tember.

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