Kost und Verpflegung -Pro Tag 1 Mk. in Monatsraten praenumerando am 1. jeden Monats schuldet und zu entrichten hat. Außerdem sind noch etwaige Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten.
Vom Tage be£ Eintritts an, also während des Kursus, dürfen die Mädchen ohne Erlaubnis oder Auftrag der .Hausmutter außerhalb der Anstalt nicht verkehren und sie haben sich der eingeführten Hausordnung unweigerlich zu fügen. Insbesondere ist ihnen aud) Ehrerbietung, Gehorsam und Unterordnung 'gegen das Aufsichts- und Lehrerpersonal, Freundlichkeit, Verträglichkeit und liebevoller Verkehr untereinander und endlich Treue, Fleiß und Sorgfalt bei denj Arbeiten zur strengsten Pflicht gemacht.
An Sonn- und Feiertagen werden die Mädchen veranlaßt, den Gottesdienst ihrer Konfession zu besuchen, wobei die Hausmutter bezw. die Assistentin die Begleitung übernimmt. Morgens vor dem Frühstück, vor und nach dem Mittagessen und abends vor dem Schlafengehen findet gemeinsames Gebet statt.
Besuche von Eltern und Schwestern sind gestattet, solche anderer Personen nur unter Begleitung eines Mitglieds des Aufsichtsrats.
In die An st alt sind mitzubringen: 1 Bettdecke, 1 Unterbett, 1 Kissen, (Bettstelle und Matratze werden gestellt), 1 doppelter Ueberzug, 1 weißer Bettüberwurf, 3 Betttücher, 2 e infache Druckzeugkleider, 6 Hemden, 4 Handtücher, 2 Bettjacken, (Kleider und Wäsche gezeichnet), 1 Kleiderbürste, 1 Schuhbürste, 1 Zahnbürste, 1 Regenschirm, 1 Nähstein, Zeug und Leinwand zur Anfertigung bezw. Unterhaltung von Kleidern, Hemden und Bettwäsche, Wolle und .Garnl zu Strümpfen rc. und zwei Borhängschlößchen.
Am Schlüsse des Kursus findet eine Ausstellung der gefertigten Arbeiten, die Uebergabe von Zeugnissen über Betragen und Leistungen, sowie eine feierliche Entlassung der Schülerinnen statt, wozu deren Eltern und Angehörige eingeladen werden.
Der zweite Kursus pro 1900 beginnt Dienstag den 3. Juli und wird Freit ag den 30. November geschlossen werden.
Die Meldungen hierzu sind bei dem unterzeichneten Vorsitzenden des landw. Bezirksvereins Büdingen unter gleichzeitiger Angabe des Vor- und Zunamens, des Tags, Monats und Jahres der Geburt und des Wohnortes der Schülerin und des Namens der Eltern oder des Vormunds schriftlich einzureichen.
Beim Eintritt in die Anstalt hat eine jede Schülerin ein ärztliches Zeugnis vorzulegen, das sich über ihren Gesundheitszustand, sowie weiter darüber aussprechen muß, daß gegenwärtig keine ansteckende Krankheit in ihrer Familie und bei deren Hausbewohnern bestehe.
Lind heim, 25. Aprih 1900.
Der Vorsitzende des landw. Bezirksvereins Büdingen.
I r l e, Kreisrat.
Der Aufsichtsrat:
Westernacher, Oberamtmann. Frau Westernachek. Buß, Schulrat. Bär, Pfarrer.
Lipp, Bürgermeister. König, Beigeordneter.
Aus Stadt und Land.
** Pfingsten, das „liebliche Fest", ist gekommen ... es kommt eben alljährlich, sobald die Sonne wieder in Erdnähe kommt oder vielmehr unsere Erde sich der Sonne.nähert, wie der Frühling kommt und die Schwalben wiederkehren. Das Fest der Hochfrühling- und Sommerfreude ist sonach mit der Blume des Feldes wie mit den Blüten der Dichtung und des Volksliedes geschmückt. Am Hofe des sagenhaften Königs Artus mit seiner Tafelrunde geschieht fast jedes hervorragende Ereignis „ze einen Pfingesten", und auch die Geschichte vom verschlagenen. Reinecke Fuchs beginnt, wie sie von unfern Vorfahren erzählt wird, stets zu Pfingsten. Goethe Hub daher auch seinen „Reinecke" mit der Schilderung des Pfingstmorgens an. In dem Vierzeiler:
„Dieser Monat ist ein Kuß, Den der Himmel giebt der Erde,
Daß sie jetzund seine Braut, Künftig seine Mutter werde" besang der Epigrammatiker Logau die Zeit des Maien und des Pfingstfestes. Dieser Verstandesschärfe Dichter konnte sich auch dem Zauber des schönsten Naturfestes nicht entziehen, freilich muß dieser Zauber erst wohl geraten. Die Aussichten sind nicht gerade die besten. Und wie hat gerade in diesem Jahre König Lenz lange auf sich warten lassen; beinahe behielt von allen Lenzeslyrikern nur der Zaunkönig recht, den der alte Volksreim klagen läßt: ,,Wie kalt ist der Reif, wie dünn ist mein Kleid, wie undicht mein Bett, wie lang ist die Nacht — wer hat das wohl dacht?" — Der Maibaum ist uralt und! spielt in den Volksliedern seine Rolle. Wenn der tiefe Kenner der Volksseele, Shakespeare, in seinem „Macbeth" ein ganzes Heer mit grünen Reisern gegen den finsteren dämonischen König ins Feld rücken und ihn besiegen läßt, so ist dies nicht aus Shakesspeares freier Erfindung geschaffen, sondern er erzählt die alte Volkssage vom düstern Winterkönig, der vom Maienkönig geschlagen wird: es ist der alte Naturmythus, der Kampf zwischen Sommer und Winter. Im ganzen germanischen Norden war die Frühlingsfreude übergroß; der Süden kennt sie nicht; denn er kennt nicht den Eisriesen Winter. Da ist es wohl begreiflich, daß in alter Zeit das junge Volk um das erste Veilchen tanzte, und daß der erste Maikäfer festlich eingeholt wurde, ja daß sogar derjenige, der den ersten Storch, und die erste Schwalbe bemerkte, einen guten Botenlohn empfing. Die Kompendien lehren, daß die christliche Kirche das _ Pfingstfest mit Regelmäßigkeit schon zur Zeit der -Wostel beging. Der Zeit nach ist es aus bent Mischen Religionskultus herübergekommen. Der Geist des Evangeliums füllte ben alten Schlauch mit bem neuen Wein, ber aus ben Armen am Geiste, ben Fischern unb Schiffern vom See Tiberias, bie GlaubenSboZen machte, bie mit ihrer feurigen Berebtsamkeit bie morsche Welt ber Antike in; Flammen setzten. Einige sinb aeueigt, bas allgemein- christliche Pfingstfest mit ben Mziekl sonnenwenbifchen Opferfesten zu verquiken, bie unsere Heidnischen Vorfahren au Ehren ihrer Götter zu Pfingsten begingen' Ja, Pfingsten, bas unsere Altvorderen mit frohem Pfingstgruß unb in Pfingstfreube begingen, es bleibt für alle Zeit bas Fest ber Wanderlust unb ber Hoffnungsfreubigkeit. Immer wieber bekränzen wir Haus unb Hof mit Maien, mit frischem, buftigem Birkengrün. Wie bas Weihnachtsfest uns ben bunMgrünen Tannenbaum als erstes Sinnbild bes sich wieber zu uns toenbenben Lichtes bringt, so schenkt uns bas Pfingstfest bie lichten Birkenreiser: bas Licht triumphiert, es hat ben grünen Schmuck ber Natur geschaffen unb wir wollen uns ber Sommerlust freuen. Der Fröhliche schüttelt ben Staub ber Stabt von ben Füßen unb strebt ben Wälbern unb Bergen zu; bie Lanbpartieen unb Pfingstausflüge finb ber moberne Rest bes germanischen Wanbertriebes. Viele trösten sich mit einem einfachen Spaziergange, wie ihn Schiller verherrlicht hat: „Sei mir gegrüßt, Du Berg mit bem rötlich strahlenben Gipfel, — Sei mir Sonne gegrüßt, bie ihn so lieblich bescheint." Eine -ritte Gemeinbe muß wohl ganz unb gar zu Hause bleiben, ie unternimmt ihre Pfingftfahrten, wie ber bekannte Wippchen von Bernau seine großen Kriegs- unb Reisezüge unternimmt, in ber Phantasie. „Es wär' so schön gewesen" . . . Denen bie frohgemut unb waghalsig in bie Ferne zogen, wollen wir wünschen, baß sie ihre Wanberlust recht aus vollem Herzen genießen, allen unfern Lesern rufen wir zu:
Fröhliche Pfingsten?
** Personalnachrichten. Am 26. Mai wurde dem Hauptmann v. Zangen, persönlichen Adjutanten weiland des Prinzen Wilhelm von Hessen und bei Rhein, das Ritterkreuz 2. Kl. des Ludwigs-Ordens verliehen.
*• Gießener Bolksbad. Wie uns mitgeteilt wird, ist das Bad in diesem Jahre nicht allein am dritten, sondern auch am zweiten Pfingstfeiertage von 6 bis 1 Uhr geöffnet. Wenn der Besuch den Erwartungen entspricht, soll diese Einrichtung dauernd werden.
Kunstverei«. Wie bereits aus dem Inseratenteil ersichtllch war, ist die Gemälde-Ausstellung, nachdem em vollständiger Wechsel der Gemälde stattgefunden b.7 wieder geöffnet. Die Ausstellung umfaßt circa 70 Gemälde worunter auch diesesmal wieder ein großer Teil febr Ft? achtenswerter Werke sich befinden.
△ Dodenhausen, 1. Juni. Ein äußerst trauriger Unglücksfall mit tätlichem Ausgang hat sich hier gestern nachmittag ereignet. Der vor dem Orte wohnende Land, wirt und Küfer L., ein Mann von etwa 50 Jahren, war auf einem aus dem Dorfe kommenden Wagen mitgenommen worden, um bis zu seiner Wohnung mitzufahren. Die Pferde des Gespanns wurden jedoch scheu, und sprangen m rasendem Galopp davon. L. sprang ab, fiel aber dabei fo unglücklich, daß er sich das Genick brach, und sofort tot liegen blieb. Die Pferde wurden im nächsten Dorfe aus- gefangen. *'
Kunst Md Wissenschaft.
— Die Wiener Akademie der Wissenschaften wählte den Unter- richtsminister Dr. v. Härtel zum Vizepräsidenten, ferner Professor V r r ch o w - Berlin zum Ehrenmitglied. Zu korrespondierenden Mitglieder« wurden gewählt die Professoren Karl Krambacher.München, Hermann Diels-Berlin, Ernst Abbe-Jena, Alsted Zittel-München und Felir Kl ein-Göttingen.
Schisssnachrichte«
Der Postdampfer „Noordland" der „Red ;‘©tar Linie*, in Antwerpen, ist laut Telegramm am 30. Mai wohlbehalten in New-Dori angekommen.
Auszug MS den Staudesamtsregistrr» -er Stadt Meße».
. . Aufgebote.
Am 26. Mai Heinrich Friedrich Christoph Kohlenberg, Sergeant dahrer mit Georgine Friederike Margarete Bastian in Wetzlar. 31 Heinrich Wtlhelm Leidenbach, Weißbinder in Cronberg mit Eleonore Visosky in Großkarben. Heinrich Roth, Sergeant zu Marburg mit Glv fabethe Horst in Rockenberg. August Philipp Emil Bender, Kaufmann m Gießen mit Elisabethe Marie Emilie Anna Jung von Siegen. Philipp Jacob Theodor Baubel, Kaufmann dahier mit Adele Auguste Hermine Karoline Christine Helene Fangmann hierselbst.
Eheschließungen.
Am 26. Mai. Julius Karl Christ, Hilfs-Fahrkarten-Ausgeber dahrer nut Emma Emilie Wilhelm in Niederschelden. August Kehl, Fuhr knecht dahier mit Elisabeth Birkenstock hierselbst. Gustav Loose, Schreiner rn Gießen mit Auguste Elise Traß hierselbst. 30. Samuel Elsoffer (ger schaden) Kaufmann dahier mit Bertha Hochstetter hierselbst. Johannes Friedrich Preiß, Wittwer, Zugführer dahier mit Katharine Heller aus Grüningen.
Geborene.
Am 2. Mai. Dem Ober-Postassistenten Johann Peter Ludwig Appel eine Tochter. 21. Dem Schneider Johann Brandau eine Tochter, Jullane Margarethe. 22. Dem Buchbinder Ludwig Benner ein Sohn. Ludwig Wilhelm. 23. Dem Friseur Ludwig Zutt ein Sohn. 24. Dem Buchhändler Wilhelm Kühne eine Tochter, Bertha. 25. Dem Assistenz arzt Dr. Franz Volhard ein Sohn. 26. Dem Heizer Johann Peter Barthen eine Tochter, Josefine. Dem Bauschreiber Heinrich Junker ein Sohn. 27. Dem Geschäftsführer und Fahrradhändler Peter Joses Kronenberg ein Sohn, Hermann Christian. 28 Dem Gerber Ludwig Mühlhause ein Sohn, Heinrich Ludwig. 31. Dem Bäckermeister Bal- tasar Schomber ein Sohn, Wilhelm August Ludwig.
_ _ . «estorbene.
20- Mai. Marie Brömer, 15 Jahre alt, Dienstmagd dahier. 2. Georg Hemrich Koch 15 Jahre alt, Sohn von Wirt Heinrich Koch
28. Ludwig Preisag, 41 Jahre alt, Grubenbesitzer dahier. 31. ^bruh Martin Emil Julius Pausch, 33 Jahre alt, Lackierer dahier. Heinrich Engel I. (Alter unbekannt) Bataillons-Büchsenmacher dahier.
Einmal gegessen — Zweimal gekauft. —
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nicht so übel, als es heute andern zu werden pflegt, wenn ich einmal mit ihr loslege; ein Seidenpinscher konnte mich um sie beneiden.
Das für jene Mondschein-Gelegenheit paffende Lied von Peter Cornelius war mir damals noch ebenso unbekannt wie heute bie Gründe für die Straubinger Rede des Prinzen Ludwig von Bayern. Mein Lieblingslied jener Tage war ein anderes unb ich werde es wohl in jener lyrischen Situation gesungen haben:
„Gesungen und gesprungen, Gelacht, geliebt, geherzt, Bei tausend Huldigungen Mit keiner e8 verscherzt, Das ist Studentenweise, Das ist Studentensinn, Trara, tralalalalala. Ja, ja, Studentensinn."
Käthchen unb ich, wir standen allein am Grabe meines Großvaters. Der zunehmende Mond schielte grämlich auf uns hernieder. Daß der unangenehme Herr in seinem unveränderlich glatt rasierten breiten Gesicht die traditionelle Bedeutung seiner Farbe nicht verleugnen kann! So dachte ich an jenem Abend. Ich habe mich nie wieder über ihn so geärgert als damals. War er so hell, oder schien er nur so! Ich glaube, er ist viel heller, als es manche manchmal wahr haben möchten. Ich kenne ihn jetzt sehr gut.
Mit seinem goldigen Auge blickte ein Maßlieb aus üppig grünem Bette zu mir empor. Ich hob es auf zu mir und reichte es meiner schonen Begleiterin. Und dann erzählte ich ihr die symbolische Sage vom Helden Sigfrid, wie er von dem ruchlosen Hagen an einem heiter sprudelnden Quell ermordet wurde, wie auf ein kleines weißes Maßlieb ein Tropfen Blut aus dem Herzen des treuen Mannes floß, und nun zu ewigem Andenken an den Toter des Drachens, den Vernichter der Lüge unb bes Unglaubens, in bes schönen Maßliebs ganzem Geschlechte sich biefer Tropfen, mit ben Jahrhunderten immer mehr unb mehr verblassend, bis an ben jüngsten Tag sich vererbe.
Vom Maßlieb zum LiebeSmaß, zum Ermessen unb Aeußern Liebe ist ein kurzer Weg. Unb wir schlürften, — so heißt es in meinem Tagebuch, besten kinblich schauerlich Geschraubtheiten im Stil ich hier bisweilen roiebergebe, wenn's allzu „schon" klingt, — aus dem schäumenden Maße des jungen Liebesmostes Tropfen des seligsten Glücks.
Es war am Morgen des folgenden, des zweiten Pfingsttages. Ich stand versteckt am blumenumrankten Zaune des Pfarrgartens. In der blühenden Laube saß Käthchen. Sie mochte denken — an wen wohl? Zu ihren Füßen liefen, luftig pickend, kleine niedliche Hühnchen umher, die vielleicht gestern erst, am heiligen Pfingstseste, bad Licht ber Welt ervlickt haben mochten.
Unbemerkt von ihr schlich ich näher unb im nächsten Augenblick saß ich neben ihr auf ber schmalen Bank.
Lange wollte kein Gespräch in Fluß kommen. Wir saßen still nebeneinanber, sahen uns an, schlugen dann aber aber flugS wieder die Augen nieder. Wir fühlten uns beide recht glücklich, aber auch ebenso beklommen. Wir dachten wohl an unsere junge und ebenso gute Bekanntschaft, an den gestrigen Abend auf dem stillen Friedhof — unb fanben keine Worte. Wir beibe hofften, ber andere würde zuerst das Schweigen brechen — unb so saßen wir denn und schwiegen.
Und wir waren glücklich.
Käthchen fand schließlich zum Wort zuerst den Mut — selbstverständlich. Auch späterhin ist eS mir manchmal passiert, baß ein Mäbel mit Zittern unb Zagen in Situationen Worte fand, für die mir jede, auch die zarteste Bemerkung banal erschien unb in denen ich vergebens nach bem rechten Worte rang.
Käthchen machte sich bie Sache, wie die meisten Eva- tochter in derartigen Fällen, leicht. Sie blickte auf ein possirliches keckes winziges Wesen, das eben munter in die £aube geschritten kam, uns keines Blickes würdigte, sondern an bem frischen Laube zu zupfen begann.
»Die Hühnchen finb boch nette Tierchen."
Mir fiel zwar sofort ein bekannter Vers von Wilhelm Busch ein, aber ich unterdrückte ihn weislich und sagte: „O ja, besonders wenn sie groß und fett und gebraten sind."
Nun lachte Käthchen, und ich lachte mit.
Und dann war's wieder still.
Dieser dumme Fliederduft mit seiner unbarmherzig be< rauschenden Süßigkeit! Ich empfand eine merkwürdige Gewitterschwüle, obwohl der Himmel ganz blau war u»d sich kein Wölkchen zeigte.
Hol'S der Henker, dachte ich, ein Studiosus der Welt« Weisheit muß immer den Kopf hochhalten. Also kos von Rom, nun heißt'S poetisch sein! Ich glaube, mir war» damals wirklich ganz ernsthaft lyrisch zu Mute.
Da horte ich neben mir Käthchen ganz leise, aber so recht inbrünstig seufzen.
In meinem weltweisen Studentenhaupte entsprang ein guter Gedanke. Irgendwo hatte ich einmal ein kleine» Gedicht gelesen oder gehört, das mir -für diese Situation außerordentlich paffend schien. Cs war mir nicht mehr ganz gegenwärtig, ich suchte also nach eigenen Reimen, oaö remitierte so schön ich konnte unter Aufbietung meiner ganzen Gefühlsfähigkeit:
Käthchen, warum seufzest Du?
Mußt nicht TrübeS denken!
Läßt Dein Herz dich nicht in Ruh, Magst Du mir eS schenken.
Doch Du kannst gewiß nicht recht
Ohne Herze leben.
So nimm meins, eS ist nicht schlecht, Will es ganz Dir geben.
Mädchen, sei doch gut und lieb, Nimm mein Herz in Frieden! — Ach, es ist, Du Herzensdieb, Schon von mit geschieden!";
Ich hab' Deins! Nun küsie mich, Laß unS fröhlich scherzen;
Du liebst mich, und ich Heb' Dich:
Sag'S an meinem Herzen!
Fortsetzung folgt


