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3.4.1900 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt.

Dienstag den 8. April

1900

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Der Krieg i« Südafrika.

Sine Depesche des KeldmarschallS Roberts auS Bloem- foitein über die jüngsten Vorgänge auf dem westlichen Kriegsschauplätze besagt:Eingegangene Berichte hüten darauf hin, daß der Feind Brandfort verlLßt inb in nördlicher Richtung zieht. Die Verluste bei

Gefecht bei Brandfort sind zahlreicher, als zuerst Meldet wurde, sie betragen: 2 Offiziere tot, 8 verwundet, toh den Mannschaften 10 oder 19 (Depesche unklar) tot, 159 verwundet, 3 vermißt." Sonst wird über das Gefecht Mch gemeldet:

Loudon, 1. April. DasReuter'sche Bureau" berichtet ans Bloemfontein: Bei dem Zusammeustoß bei Jarre leisteten die Buren einen dreistündigen Widerstand mb unterhielten auf der ganzen Linie ein heftiges Feuer. Sie khatten ein BickerS-Maximgeschütz auf einem Kopje auf- gksteit und beschoffen die Engländer wirkungsvoll damit. Die englische Infanterie ging hierauf gegen das Stuft um der Buren auf der mittleren Linie des KopjeS »r. Es wurden mehrere Gefangene gemacht. Die Kavallerie Mfaßte die beiden Flügel der Buren, die sich hierauf Zllridckzogen, ihre Toten und Verwundeten mitnehmend. Äie Engländer haben jetzt eine prächtige, von der Natur lkgkrfiigte Stellung inne, die einen weiten Blick auf die iben« von Brandford gestattet. Einige der hiesigen Farmer halten es mit den Bupen, und ließen ihre Uranien und Kinder in den Farmen zurück, indem sie voraus- Irtzte», daß die Engländer ihnen kein Leid thun.

Dem Bureau Laffan wird aus Bloemfontein vom 30. März nachmittags gemeldet: Der republikanische Kom- mandünt in Kroonstad hatte 6000 Mann geschickt, welche Araudfort halten sollten, und diese besetzten eine Hügel- Rtihe, die sechs englische Meilen von der Eisenbahnbrücke Bier den Moddcrfluß entfernt ist. Um diese zu vertreiben mb die Straße nach Brandfort zu öffnen, wurde der englische Angriff unternommen. Die Flanke des ItindeS wurde schließlich umgangen. Ein großer Teil der Suren scheint gar nicht am Kampfe teilgenommen zu haben mb nur ein kleiner Bruchteil derselben hat, wie es scheint, gdänupft. DenCentral News" berichtet man: Die Bursen vor unserer Front waren während der vergangenen Woche kühner geworden. Sie überfielen die Farmen, b'tren Eigentümer sich ergeben hatten, und darum be- Ich Lord Roberts gestern der siebenten Division, die Buren zu vertreiben. Man fand dieselben auf einem für snr günstigen Terrain, ungefähr 20 Meilen nördlich ver­wanzt. Die Geschütze eröffneten ein heftiges Feuer und diieI nfant er ie rückte auf Schußnähe vor. Die Kavallerie Mernahm inzwischen eine Schwenkung um die Flanken der : ßirem. Dann wurde der Angriff befohlen. Die Buren i imrtc ten nicht darauf, sondern zogen sich auf ihr Haupt- NM bei Br and fort zurück. Man schätzt den Feind auf : 21000 bis 3000 Mann. Unsere reitende Artillerie und . Ämißerie blieb mit ihm in Berührung, bis er Brandfort s Michte. Die siebente Division hält jetzt die Stellungen IHeht, von denen die Buren vertrieben wurden. In An- l lm cht der Art der Operationen sind unsere Verluste klein.

Die Haltung der Afrikander bei ihrem letzten 3 Kliding in Wellington ruft großes Unbehagen in den Lon- tiletr Regierungs- und militärischen Kreisen hervor. Unter Staatsmännern macht sich die Ansicht geltend, daß es cito bei Zeit wäre, den Buren gewisse Zugeständnisse bichgUch ihrer Unabhängigkeit zu machen, da sonst die Mohmig des Präsidenten Krüger, daß der Verlust der Miheit Hunderttausende das Leben kosten würde, in Er­ft Nung gehen könne. Die Bewegung, die sich unter den Wjr.lanbern geltend macht, läßt befürchten, daß beim weiteren Skmgehen der britischen Truppen ein allgemeiner Aufstand rmÄiüden derselben ausbrechen werde und die Freistaatler, dilistfich ihnen unterworfen haben, neuerdings zu den Waffen gyr-fifem werden.

DerMorning Post" wird aus Bloemfontein vom W.März gemeldet: General Kitchener hat mit seinem Sk'trb letzte Nacht die zeitwellig errichtete Brücke bei Nor- wilipant mit 3000 Mann überschritten. Kitchener ist der Alisicht, daß der Aufstand niedergeworfen sei.

Das Begräbnis Jouberts war das imposan- icch nationale Schaugepränge, welches in Prätoria je ge- sMin wurde. 10 000 Menschen befanden sich auf den lMüiaßan, die die Truppen passierten. Diese bildeten ein gW;emdes militärisches Schauspiel. Blumenspenden waren W hllmderten geschickt, und unter diesen ragten die von bihPnäsidenden Krüger und Steijn besonders her­

vor. Von der Kirche, in der ein ergreifender Gottes­dienst abgehalten wnrde, bewegte sich der Zug mit der Leiche zum Bahnhofe, woselbst dieselbe mit einem Extrazuge nach der Grenze vo» Natal zu der Farm Jouberts befördert wurde. Am Bahnhofe hielt Krüger eine ergreifende An­sprache, hauptsächlich war es eine Abschiedsrede; aber sie berührte auch den Krieg und die Aussichten der Buren. Krüger betonte deren Entschlossenheit, den Kampf für die Freiheit der Republickeu fortzusetzeu; denn, wie er sagte, habe doch Gott immer in der Stunde der Finsternis ge­holfen, und er sei überzeugt, daß ein Heller Ausblick aus diesen Sorgen nahe sei.

* *

Telegramme desVietzever Anzeiger".

London, 2. April. Aus Rnchmans wird vom 31. März über Bloemfontein vom 1. April gemeldet: Eine Kolonne unter dem Befehl des Obersten Brandwood, bestehend aus dem 10. Husaren-Regimertt und aus zwei Batterien Arttllerie wurden durch das Vordringen bedeutender Buren st reitkräfte gezwungen, das Lager in der vergangenen Nacht abzubrechen und den Modderfluß in der Richtung auf Francfort wieder zu über­schreiten. Um 4 Uhr morgens wurde das Lager in jüdischer Richtung vom Modderfluß wieder aufgeschlagen. Bei Tagesanbruchs begannen die Geschütze der Buren wieder zu feuern. Brandwood sandte seine Avantgarde Kavallerie und Artillerie, während der übrige Teil seiner Truppen im Lager zurückblieb und den Rückzug deckte. Die Avant­garde geriet in einen Hinterhalt und wurde mit ihren sechs Geschützen von den Buren gefangen. Da unsere Truppen, noch ehe ein Schuß gefallen war, gefangen ge­nommen wurden, find die Verluste unerheblich. Die Kolonne des Obersten Colville, welche Bloemfontein heute früh verlassen hatte, ist an Ort und Stelle eingetroffen. Augenblicklich wütet ein heftiges Kanonenfeuer.

London 2. April. Ans Maseru wird vom 31. März gemeldet: Wie verlautet, befindet sich Präsident Steijn in L a d y b r a n d, um die Buren in ihrem Widerstand gegen den Feind aufzustacheln.

London, 2. April. Aus Barkley W e st wird vom 30. März gemeldet: Die Avantgarde Lord Methuens, die sich in Rietfontein befindet, hat Befehl erhalten, sofort den Rückzug nach Kimberley anzutreten. Lord Methuen veröffentlicht einen Aufruf, in welchem er mitteilt, er habe Befehl erhalten, sich zurückzuziehen, sobald irgendwelche Schwierigkeiten im Westen Transvaals ausbrechen sollten. Die Buren befinden sich noch immer in großer Stärke bei Fourteen Stream. Man ist hier über den Befehl Roberts, der Methuen zum Rückzüge zwingt, sehr erstaunt.

London, 2. April. Nach Mitteilungen des Blattes Ons Land" hält sich General Cronje von seinen Mit­gefangenen fern. Niemand der letzteren bekommt ihn zu sehen oder kann ihn sprechen, was anscheinend den übrigen großen Kummer bereitet. Bezüglich der unter den Ge­fangenen ausgebrochenen Krankheiten wurde von eini­gen der Gefangenen mitgeteilt, daß der Genuß schlechten Wassers, sowie der Mangel an Bequemlichkeit, der an Bord des Schiffes herrschte, dieselben hervorgerufen habe.

London, 2. April. Wie aus Springfontein ge­meldet wird, durchstreifen die Kolonnen der Generale Ga- tacrer umd Clements das Land. Sie nehmen Unter­werfungen entgegen und ziehen Waffen und Munition ein. Die bisher an sie abgelieferten Gewehre sind meistens Jagdgewehre. Es befindet sich kein einziges Mausergewehr unter denselben.

Loudon, 2. April. TieCentral News" melden, Lord Roberts werde am Mittwoch en force vorrücken lassen. Die erste Abteilung der gefangenen Buren ging am Samstag nach St. Helena ab. DieTrans­vaal-Zeitung" droht hierfür mit der Verschickung der gefan­genen englischen Offiziere nach dem fiebergefährlichen Ko- mati-^and.__

Deutsches Keich.

Berlin, 1. April. Der Kaiser hörte gestern vor­mittag im Auswärtigen Amte den Vortrag des Staats­sekretärs Grafen von Bülow, und empfing spater im Königlichen Schlosse den Chef des Militär-Kabinetts von Hahnke und den Chef des Generalstabs Grafen Schliess en. Mittags empfing der Kaiser den Bischof von Anzer in Anwesenheit des Staatssekretärs Grafen Bülow und des Staatssekretärs Tirpitz. Dann besuchte das Kaiserpaar das Reichskanzlerpalais. Die Kaiserin überreichte dem Fürsten Hohenlohe einen Strauß herr­licher Rosen, während der Kaiser schon vorher eine kostbare Mappe mit Nachbildungen der Prell'schen Wandgemälde wie im Palazzo Caffarelli zu Rom hatte senden lassen.

Wie derLokalanzeiger" hört, sprach sich der Bischof von Anzer sehr erfreut über den ihm ge­

wordenen Empfang und besonders auch über die große Leutseligkeit des Kaisers aus. Darnach scheinen sich nach der Ansicht des.Lokalanzeiger" die Vorschläge des Bischofs erfüllen zu wollen, der einen recht kräftigen diplomatischen Druck als das sbeste Mittel bezeichnete, um den Christen- Verfolgungen in China zu steuer».

Wie wir derN.-A. Staatrztg." entnehmen, soll das Ende Juui und Anfang Juli stattfindende Brook­liner Sängerfest, wenn irgend möglich, in Berlin ein Nachspiel haben. ES werden sich nämlich der Sänger- fefipräsident S. K. Sänger und Bundesdirigent Arthur Claassen nach Berlin begeben, wo sie beim Kaiser eine Audienz erbitten wollen, um ihm den Dank der Sänger für den vom Kaiser gestifteten Preis abzustatten und ihm dasSouvenir" des Sängerfestes zu überreichen. Gleichzeitig hat man sich mit Berliner Gesangvereinen in Verbindung gesetzt, und die Herren tragen sich mit der Hoffnung, daß sich der Kaiser von den Berliner Sängern unter Herrn Claassens Leitung das Kaiserpreislied wird vortragen lassen.

Nachdem die Großherzogin von Hessen von ihrer Erholungsreise auS Italien zurückgekehrt sein wird, ist ein Besuch des Prinzen Heinrich von Preuße» nebst Familie am Darmstädter Hofe zu erwarten, und zwar voraussichtlich im Mai.

Wie aus Danzig gemeldet wird, wurde das Ab­schiedsgesuch des kommandierenden Generals des 17. Armee-Korps von Lentze definitiv ab gelehnt.

lieber den dritten Band derBismarck- Erinnerungen" erklärte Professor Oncken au», Gießen am Freitag im wissenschaftlichen Verein m München-Gladbach bestimmt, daß ein dritter Band der Bismarckschen Gedanken und Erinnerungen existtere und von Bismarcks Entlassung handle. Die heutige Generation würde jedoch sein Erscheinen nicht mehr erleben.

Zur Frage der eigenen Po st marken in Württemberg erklärte Ministerpräsident Freiherr von Crailsheim in der bayerischen Kammer der Reichsräte, daß Württemberg zwar zum Verzicht sich bereit erklärt habe, thatsächlich aber sei über die Art der Abrechnung eine Einigung mit der deutschen Reichspostverwaltung noch nicht erzielt worden.

Die Lage im Kameruner Schutzgebiete wird immer kritischer. Laut derKöln. Ztg." zugegangenen Nachrichten wurde infolge einer Erhebung der Stämme im nördlichen Binnenlande der Betrieb der Pflanzungen am Kamerungebiete gefährdet und bereits eingestellt. Auf den Anlagen der westafrikanischen Pflanzungsgesellschaft Vik­toria sind nur 200 Arbeiter thätig, 700 sind bereits ab­gezogen, weil sie sich an der Küste nicht mehr sicher fühlten. Ein Beamter, der versuchte, zwecks Anwerbung von Ar­beitern nach Bali durchzukommen, mußte unmittelbar an der Küste umkehren, weil die Eingeborenen auf ihn feuer­ten. Auch im Süden herrscht Aufruhr. Bei der herrschen­den Unsicherheit ist es völlig unmöglich, Arbeiter zu ge­winnen, sodaß bei der unzulänglichen Stärke der Schutz- truppe der Erfolg jahrelangen Fleißes verloren geht.

Ausland.

London, 1. April. DerDaily Graphie" schreibt: Wir hören, daß die Bezahlung der Portugal auferlegten Entschädigung für die Delagoa-Eisen bahn keine Schwierigkeiten haben wird. Vor einiger Zeit teilte Portugal Großbritannien mit, daß, wenn die verlangte Summe nicht eine Million Pfund Sterling übersteige, Por­tugal dann jm stände sein werde, sie zu befahlen. Es war sogar mitgeteilt worden, die Summe sei schon bereitgelegt und könne jeden Augenblick bezahlt werden. Im Falle, daß diese Zusicherungen nicht erfüllt werden, ist es möglich, daß Deutschland sich auf das geheime deutsch-englische Ab­kommen vom August 1898 beruft und Großbritannien auf- fordert, auf Grund dieses Abkommens mit Deutschland zusammen Portugal unter den im Abkommen angeführten Bedingungen eine Anleihe anzubieten. AugenblicklW glauben wir, hat die englische Regierung nicht die Absicht, diesen Weg einzuschlagen. Soweit Großbritannien in Be­tracht kommt, wird Portugal jede Möglichkeit gewährt werden, seine Schuld ohne weitere Opfer zu bezahlen."

Die Königin hat der Kaiserin Friedrich White Lodge in Richmond als Sommerwohnsitz zum Ge­schenk gemacht. Es heißt, daß die Kaiserin Friedrich nach ihrem Besuch bei der Königin Anfang Mai das Schloß in Besitz nehmen wird.

Paris, 31. März. Die Regierung hat nunmehr den Verlauf der am 14. April erfolgenden Eröffnung der Weltausstellung festgesetzt. Der Präsident der Republik begiebt sich mit sämtlichen Ministern und Gefolge nach dem Festsaal auf dem Champ de mars, wo feierlrcher Empfang stattfindet, dem das diplomatische Korps, die