Dienstag den L Mai
Drittes Blatt
1900
Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.
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regten. Die Palastbahn ist etwa ein Kilometer lang; sie ist vor vielen Jahren von der französischen Decauville- Gesellschaft geschenkt und erbaut worden, aber die Hoffnung, daß sich an dieses Geschenk ausgedehnte Eisenbahnbestellungen anschließen würden, hat sich nicht verwirklicht, die beiden gleichzeitig mitgeschenkten Prunkhaften Salon- wagen, in denen die Damen Platz nahmen, sind noch im besten Zustande; das gleiche scheint aber nicht für die Lokomotive zuzutreffen; vielmehr wurde der kleine Zug dadurch weiterbefördert, daß eine Anzahl von Eunuchen vorgespannt wurden und an einem gelben Seile die Wagen bis zum Eingänge der Audienzhalle zogen. Auf der dem westlichen Seeufer entlang führenden Strecke kam man auch an einer alten katholischen Peitang Kathedrale und der „Halle des Glanzes" vorbei, in der 1874 und 1891 die fremden Gesandten empfangen worden waren. Als der Zug vor der Audienzhalle hielt, wurden die Damen vom Präsidenten des Tsungliyamen, Prinzen Ching, sowie von zahlreichen Hofdamen und Kammerfrauen empfangen. Sie legten ihre Pelzmäntel usw. in einem Wartesaale ab, wo ihnen Thee gereicht wurde, und wurden dann in die eigentliche Audienzhalle geleitet. Auf dem Throne saß die Kaiserin-Witwe, links vorwärts von ihr der Kaiser Kuangsü. Lady Mac Donald verlas zunächst eine englische Adresse, in der sie die Glückwünsche für das neue Jahr aussprach, die von dem ältesten (russischen) Dolmetscher sofort ins Chinesische übersetzt wurde. Die Kaiserin dankte mit einigen freundlichen Worten und empfing dann die Cour der Damen, die nacheinander die Stufen des Thrones hinanstiegen, zuerst dem Kaiser und dann der Kaiserin- Witwe eine tiefe Verbeugung machten, von beiden Majestäten die Hand gereicht erhielten, und von der Kaiserin- Witwe jede einen goldenen Ring mit einer Perle darin empfingen. Dann begaben sich die Damen in ein anstoßendes Gebäude, wo sie von der Gemahlin des Kaisers Kuangsü, einer etwa zwanzigjährigen Dame, und von dem jugendlichen, höchstens 15 Jahre alten, eben erst ernannten Thronfolger begrüßt wurden. Ter letztere sah sehr gut, frisch, gesund und klug aus, doch machte er einen etwas verlegenen Eindruck. Hierauf fand sich auch die Kaiserin-
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Aus Stadt und Land.
•• Oberlehrer, Hauptlehrer und Rektor. Der Großherzog hat bestimmt, daß die definitiv angestellten akademisch
Politische Tagesschau.
Sohn deS Himmels nennt sich der Kaiser von China. Wie ein Hohn auf diesen Titel klingt die Schilderung, welche ein Mitglied der Chinefischen Reformpartei uach den Angaben eines Eunuchen der Kaiserin-Witwe in der „North Chimr Daily News" über die Abdankung des Kaisers Kuangsü veröffentlicht. „Ich gehörte zu dem Teile der Dienerschaft- — erzählt der Eunuch — „der dabei war, als die Kaiserin-Witwe den Kaiser zwang, seine Abdankung zu unterzeichnen. Sie selbst hielt ihm den Schreibpinsel hin. Als er mit der Unterzeichnung zögerte, stampfte sie ungeduldig mit dem Fuße und blickte den Kaiser zornig mit ihren durchdringenden Augen an, worauf dieser mit zitternder Hand und einer Miene der Verzweiflung die verhängnisvolle Unterschrift vollzog. Sobald die Kaiserin- i Witwe ihrem Neffen die Urkunde entriffen hatte, verwandelten sich plötzlich ihre Züge. Hierüber waren aber die Umstehenden nicht weiter erstaunt, da sie schon zu oft ähnlichen Auftritten beigewohnt hatten. Sie begann nämlich freundlich zu lächeln, und blickte nun in wohlwollender und mütterlicher Weise auf ihren kaiserlichen Neffen. Die arme gefallene Majestät war auf eine» Stuhl gesunken, während ihr Antlitz eine totenbleiche Farbe a«uahm. Tin leichter Blut stürz, der dann folgte, bewies, daß die Aufregung zu überwältigend für die zarte Gesundheit des Kaisers gewesen war. Seine Tante gab sich jetzt selbst die größte Mühe, ihn behutsam in die Kissen seines Tragseffels zu betten. Dann begleitete sie ihn in seine Wohnung zurück. Richtiger würde man den jetzigen Wohnort des Kaisers ein Gefängnis nennen, weil er rings von Waffer umgeben ist, und sehr nahe bei dem Palaste der Kaiserin-Witwe liegt. Während deS ganzen Weges von Peking bis zu seinem Gefängnis hörte ich den Kaiser sein hartes Geschick beweinen. Er war voll- ständig gebrochen. Arme Majestät, wenige deiner vierhundert Millionen Unterthanen werden an diesem Tage das Verlangen gehabt haben, mit dir zu tauschen! Manche aus der Begleitung empfand tiefe- Mitleid mit dem Herrscher."
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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(seither 5 Mk.), Tannen-Prügel 8 Mk. (seither 4,50 Mk-)- Buchen-Stockholz 10 Mk. (ehedem 3—4 Mk.), Tannen- Wellen pr. Hundert 12 Mk. (früher 6 Mk.) und Buchen- Wellen gar 33 Mk. (seither 12 Mk.)
m. Fritzlar, 27. April. Beim Reinigen der Abort- gruben am hiesigen Bahnhof wurde gestern morgen die Leiche eines neugeborenen Kindes aufgefunden, welche schon mehrere Tage gelegen haben dürfte. DaS Gericht begab sich vormittags an Ort und Stelle, um den Thatbestand aufzunehmen. — Der Fußgendarm Halama von hier verhaftete gestern dahier einen Unteroffizier, der sich angeblich ohne Urlaub von seiner Garnison entfernt haben soll.
Mn Mesuch vei der Kaiserin-Witwe von Ghina.
.Peking, 9. März.
Den Damen der hiesigen Gesandten ist zum zweiten Male die Auszeichnung widerfahren, von der Kaiserin- Witwe in feierlicher Audienz empfangen zu werden. Ter erste Empfang hatte bm 13. Dezember 1898 bei der Geburtstagsfeier der Kaiserin-Witwe stattgefunden, und war erst durch die Anregung und Befürwortung des Prinzen Heinrich von Preußen ermöglicht worden; jetzt wurde den Damen anheimgegeben, persönlich ihre Glückwünsche zum chinesischen Neujahrsfeste darzubringen. Die Doyenne des hiesigen diplomatischen Korps, Lady Macdonald, begleitet von ihrer Schwester Miß Armstrong, die Gemahlin des deutschen Gesandten, Freifrau v. Ketteler, die des russischen Gesandten, Frau v. Giers mit ihrer Tochter, die des japanischen Gesandten, Baronin Nissi, des holländischen Ministerresidenten, Frau Knobel, die Gemahlinnen des italienischen und des französischen Geschäftsträgers, Marquise de Sal- vago-Raggi und Baronin d'Authouard, versammelten sich demgemäß gestern 11 Uhr in der englischen Gesandtschaft, bestiegen dort die Sänften und zogen in stattlichem, gemeinschaftlichem Zuge, begleitet von Dolmetschern ihrer Gesandtschaften, von etwa 50 Spitzenreitern und Reitknechten sowie chinesischen Polizei-Offizieren, zum kaiserlichen Palaste. An den Thoren wurden sie von den Ministern des Tsungliyamen empfangen, und zu Tragstühlen geleitet, auf denen sie Platz nahmen; je sechs Palasteunuchen hoben diese mit rotem Tuch ausgeschlagenen Stühle auf und brachten auf ihnen die Damen etwa 100 Schritt werter zu einem inneren Thore, wo die Palastbahn bestiegen werden mußte. Der Weg bis zu diesem Thore, der über eine hohe weiße Marmorbrücke führte, gewährte prachtvolle Ausblicke auf die bezaubernden Gartenanlagen des kaiserlichen Parkes, in denen Seen, Inseln, Tempel, Hügel, Pagoden in reichster Mannigfaltigkeit abwechselten, so daß ebenso die Landschaft wie die eigenartigen Bauten die Augen der Besucherinnen aufs äußerste fesselten und an-
Kitteratur.
Die Entscheidung über das Preisausschreiben für Amateu rphotographen, das die illustrierte Zeitschrift „Z u r Guten Stunde" veranstaltet hat, finden wir im neuesten (17.) Hefte dieser Zeitschrift (Deutsches Verlagshaus Bong & Co.) Sehr interessant sind auch in demselben Hefte gerade jetzt die Angaben über die Zunft der „Goldschmiede" in den Pariser Markthallen. Wir finden ferner zahlreiche andere, meist illustrierte Artikel, u. a.: Major v. Wißmanns Landsitz in Steiermark, Braunkohlenbergwerke, Vom südafrikanischen Kriege, Anton von Werners 25 jähriges Jubiläum als Akademiedirektor (mit einem vortrefflichen bunten Kunstblatt „Anton v. Werner, Cello spielend") u. s. w.
Hentig, Deutsches Recht. Gesamt-Ausgabe der am 1. Januar 1900 in Kraft getretenen Reichsgesetze und Verordnungen nebst den preußischen Ausführungsgesetzen und Verfügungen. Verlag von Feodor Reinboth in Leipzig. Bon diesem Werke liegt uns der erste Teil vor. Wir sehen hier zum ersten Male eine Vereinigung des gesamten Rechtsstoffes, wie ihn die Reichsgesetzgebung bis zum Ende des Jahres 1899 gestaltet hat, in einem Bande. Sämtliche, auch die allerneuestÄr Ausführungsgesetze, Verordnungen und Verfügungen sind darin zum klaren Ausdruck gebracht und eine lückenlose, Darstellung des neuen Rechtsorganismus dadurch gegeben. Diese Gesamt- Ausgabe bringt aber auch die Rückwirkung des bürgerlichen Gesetzbuchs auf das bestehende Recht des Reichs und giebt, unter Ausscheidung aller veralteten und abgeänderten Bestimmungen, zuverlässige Auskunft über die nunmehr geltenden gesetzlichen Vorschriften. Durch ausführliche Fußnoten wird auf die innere Beziehung der Gesetze und Verordnungen untereinander, wie auf das sonst geltende Recht verwiesen. Außerdem ist die Bearbeitung des Sachregisters hervorzuheben, das ermöglicht, unter jedem Stichworte alle Normen zu finden, welche überhaupt von dem neuen Rechte betroffen werden.
gebildeten Lehrer an den Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschulen, Realschulen, Schullehrerseminarien, höheren Mädchenschulen und höheren Bürgerschulen die dienstliche Bezeichnung „Oberlehre r" zu führen haben, und daß bei künftigen Ernennungen den seminaristisch gebildeten Lehrern, denen auf Grund des Artikels 71 des Volksschulgesetzes die Funktionen eines Oberlehrers oder Schulinspektors übertragen werden, die dienstliche Bezeichnung „Hauptlehrer- oder „Rektor" beigelegt werden soll.
** Versetzungen. Der Lehrer Winter in Holzmühl bei Freiensteinau ist nach Griesheim bei Darmstadt versetzt worden. Kaplan Kronenberger hier wurde als Kaplan nach Mainz, und Kaplan Dr. Friedrich von dort nach Gieße» versetzt.
Q Rödgen, 28. April. Dem nach Gießen versetzten Lehrer unserer Schule Wörner wurde gestern abend vom Kriegerverein eine Abschiedsfeier bereitet. Der Präsident Perronschaffner Oswald gab den Gefühlen Ausdruck, welche die Gemeinde und besonders die Mitglieder des Kriegervereins bei dem Scheiden des tüchtigen Lehrers, des stet« hilfsbereiten Kameraden erfüllten, und ernannten Herrn Dörner im Namen des Vereins zum Ehrenmitglied. Bewegten Sinnes dankte dieser für die Ehrung und sprach die Hoffnung aus, immer mit dem sich kräftig weiter entwickelnden Verein verbunden zu bleiben. Pfarrer Schwabe beleuchtete kurz die Thätigkeit des Scheidenden in der Schule, und seine Beteiligung an den Aufgaben des Kriegervereins, der ihm wie die ganze Gemeinde ein treues Andenken bewahren wird. Man hofft, daß die erledigte Schulstelle bald mit einer recht geeigneten Kraft besetzt werden wird.
M. Aus der Wettera«, 27. April. Heute früh zeigte das Thermometer 3°, die Dächer waren weiß bereift, und das Gras auf den Wiesen steif gefroren. Die Blüten der Aprikosen, Pflaumen und Reineclauden haben unter den Nachtfrösten sehr gelitten; auch Kirschen, Frühbirnen und -Aepfel sind in Mitleidenschaft gezogen. Der wolkenlose, blaue Himmel mit scharfem Nordostwind läßt noch weiteren Frost befürchten.
A Seligenstadt, 27. April. Im hiesigen Stadtwald wurde gestern die letzte H olzVersteigerung für die diesmalige Saison abgehalten. Es wurden Preise erzielt, die alle bisher in den Tagesblättern veröffentlichten in den Schatten stellen. Buchen-Scheitholz kostete durchschnittlich 16 Mk. pr. Raummeter (bisher 7 — 8 Mk.), Tannen-Scheiter kamen auf 13 Mk. (seither 6 Mk.), Buchen-Prügel 12 Mk.
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Witwe ein; sie sprach jede einzelne Dame an und drückte ihr die Freude aus, sie bei sich zu sehen. Nachdem sie sich wieder entfernt hatte, wurde in ihrem Speisesaal für alle Damen und die chinesischen Prinzessinnen ein üppiges Mittagsmahl mit allen chinesischen Leckerbissen, Vogelnester und Haifischflossen-Suppen usw. aufgetragen. Bei der Tafel ermöglichten ein Französisch und ein Englisch sprechender chinesischer Dolmetscher den Damen die Unterhaltung init den chinesischen Prinzessinnen, während für die fremden Dolmetscher und die chinesischen Würdenträger eine besondere Tafel in demselben Saale bereit stand. Das Mahl dauerte eine halbe Stunde; nach demselben wurden Thee und Zigaretten serviert, welch letztere von den chinesischen Prinzessinnen eifrig geraucht wurden; dann zogen alle Damen in das Theater der Kaiserin-Witwe, eine große Oberlichthalle, in deren Mitte eine viereckige Bühne aufgeschlagen war. Die Wände, die Säulen und der Fußboden der Halle sind mit rotem Tuche ausgeschlagen, Darsteller sind besonders reich und kostbar gekleidete Eunuchen, mitten vor der Bühne ist eine durch Glasscheiben vor jedem Luftzug geschützte Loge, in der die Kaiserin-Witwe, der Kaiser und der Thronfolger Platz nahmen. Auf der Bühne kamen Szenen aus altchinesischen Heldensagen zum Vortrage; während der Aufführung begab sich die Kaiserin-Witwe aus ihrer Loge in die daneben befindliche Seitenloge und unterhielt sich dort längere Zeit mit den Tarnen der Diplomaten über ihre Familie, ihre Toiletten, ihren Schmuck. Sie ließ gleichzeitig durch ihren Ober-Eunuch den Damen mitteilen, daß sie ihnen zum Andenken an den Empfang chinesische Brokatstoffe und andere Gegenstände geschenft habe, und in die Gesandtschaften habe zusenden lassen. Nach der Vorstellung erschien die Kaiserin-Witwe nochmals im Speisesaal, wo Thee und Süßigkeiten verabreicht wurden, und verabschiedete sich aufs liebenswürdigste von ihren Gästen. Der Rückweg fand dann in der gleichen Weise wie der Hinweg statt. Der Empfang war gegen 4 llpr beenoet; er hat den Damen den besten Eindruck hr^rlassen, und wird auch im allgemeinen dazu beitragen, daß das Ansehei der Fremden in Peking wie im ganzen ^ttie/^nen wesentlich gefördert wird. (Köln. Ztg.) ,
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Erscheint täglich mit Ausnahme des
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