Aber leider — alles
Großes Wecken" und später feierlicher Kirchgang mit
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Lurch klaren Geist und tiefcs Gemüt, beantragte er bereits 1516 die Brsritigung kirchlicher Mißbräuche und setzte 1523 in Zürich die Einziehung der Klöster und Abschaffung der Messe durch. Er fiel als Opfer des Kreuzzugs brr katholischen Kantone am 11. Oktober 1531 zu Kappel bet Zürich.
— Vor 123 Jahren, am 2. Januar 1777, wurde zu Arolsen der berühmteste Bildhauer der neueren Zeit, Christian Rauch, geboren. Edel und schwungvoll in seinen Idealfiguren, hat er das Verdienst, eine der Gegenwart angehörige und der Form nach vaterländische Kunst hervorgrrufen zu haben, ohne die Annäherung an die Antike zu verlieren. Den Höhepunkt seines Ruhmes erreichte er durch das herrliche Denkmal Friedrich II. unter den Linden zu Berlin. Rauch starb am 3. Dezember 1857 zu Dresden.
— — hier aber um ein Sündengeld!
"Verwendung von Visitenkarten zu Neujahrs-Gratulationen. I Die durch das Inkrafttreten der Washingtoner Postverträge I bedingten Aenderungen in den Postversendungs- und Tax- vv<vv vu iuu|ciu t uic
Vorschriften gelten bekanntlich erst vom 1. Januar 1899 ab I kapellen"konzertieren werden. Am Neujahrstaa früb^ersolat und hauen mfolgedessen für den letzten N-ujahtSbriefv-rkehr „Großes Wecken" und später feierlicher Kirchgang mit ac- noch keine Giltigkeit. Wir weifen daher darauf hin, daß schmückten Fahnen. Um 12 Uhr findet aus dem Marien- e9r.h,d^)ell,i> b£?, bevorstehenden NeuiahrSbriefverkehrs zum Platz große Parole-Ausgabe statt, welcher das gesamte ersten Male gestattet ist, gedruckten Visitenkarten Wünsche, 1 - • - a 1
Glückwünsche, Danksagungen oder andere Höflichkeitsformeln außer wie früher mit Buchstaben auch mit höchstens fünf Worten handschriftlich hinzuzufügen. Außerdem | ch es auch gestattet, auf Weihnachts- und Neujahrskarten eine Widmung niederzuschreiben. Derartig behandelte Visitenkarten werden von der Post als Drucksendungen befördert und kosten demnach bekanntlich innerhalb Deutschlands und im Verkehr mit Oesterreich-Ungarn (einschließlich Bosnien und Herzegowina) 3 Pfg., im Verkehr mit allen übrigen Ländern des Weltpostvereins 5 Pfg.
*? Noch eine Neuerung im Postbetrieb. Wie mitgeteilt wird, sollen sogenannte dringende oder v-Briefe eingeführt werden. Die Reichspostverwaltung will farbige Briefumschläge ausgeben, die mit 5 Pfg. pro Stück verkauft werden und der eingeschlossenen Sendung die Beförderung mit der ersten Bestellung sichern. Die fahrenden Postbeamten, die nicht immer alle Briefsendungen unterwegs sortieren können, werden sich darauf beschränken, die an den farbigen Umschlägen kenntlichen Briefe während der Fahrt zu sortieren und die übrigen Briefe unsortiert am Bestimmungsort abzugeben. Auch für Drucksachen, deren zeitige Bestellung Absender oder Empfänger wünschen, wird sich eine entsprechende Einrichtung treffen lassen.
** „Jahrhundert - Münzen" sind in diesen Tagen in Berlin zur Ausgabe gelangt. Auf der einen Seite der Münze sieht man eine Allegorie. Eine weibliche Figur, in Schleier gehüllt, stellt die Zeit dar und neigt eine verlöschende Fackel zu Boden zum Zeichen des dahinscheidenden Jahrhunderts. In der erhobenen Linken hält die Gestalt emen auflodernden Feuerbrand, um den Anbruch des neuen Säkulums zu charakterisieren. Die Kehrseite zeigt eine Sphinx, als Ausdruck der ungewissen Zukunft. Die In- j schrift lautet: „Zur Jahrhundertswende 1900". Die wert- | vollen Stücke sind in mattem geschwärzten Silber in Fünfmarkstückgröße ausgeprägt und aus der Oertel'schen Münzstätte hervorgegangen.
verschwunden, als rasch etwas anderes deren Stelle einnimmt— die Neujahrs-Gratulationskarten, zu denen in diesem Jahr noch die auf die Jahrhundertwende bezüglichen treten. Recht geschmackvolles tritt da vor das
Städten zu suchen. So verlockend für die jungen Leute und deren Eltern der große Verdienst in den westfälischen Industriezentren auch sein mag, er hat eine Schattenseite, die in sozialer Hinsicht zu denken giebt. Die jungen Leute, welche nach Westfalen gehen, lernen meist kein Geschäft, kein Gewerbe, ja nicht einmal den kleinbäuerlichen Betrieb. Für den großen Lohn, den man auswärts bezahlt, verlangt man eine volle Kraft, und oft genug reicht letztere nur kaum ein Jahrzehnt aus. Die spätere Zukunft lehrt dann, daß man das in der Jugend versäumte nicht mehr nachholen kann. Ferne sei es, die jungen Leute von besserem Verdienst abzuhalten; aber dieser bessere Verdienst würde ihnen auch nicht ausbleiben, wenn sie, bevor sie hinaus- gehen, erst für einen Beruf gründlich vorbereitet wären. Dann hätte der jugendliche Verdienst das zukünftige
= Leihgestern, 28. Dezember. Als neuer Beweis für das große Wohlwollen des Herrn Direktor PaScoe vom Gießener Braunsteinbergwerk berichten wir mit freudigem Danke, daß von derselben der hiesigen Kleinkinderschule abermals 200 Mk. zugewiesen worden sind.
& Großen-Linden, 29. Dezember. Auch in diesem Jahre rft unserer hiesigen Kleinkinderschule durch die gütige, erfolgreiche Vermittlung des Herrn Direktor Pascoe in Gießen von der vormaligen bekannten und beliebten Firma C. W. B. Fernie eine Beihilfe von 200 Mk. zuteil geworden, während Klein-Linden bereits über ein gleich hohes Geschenk freudig berichten konnte. Die betreffenden Gaben wurden um so dankbarer und freudiger begrüßt, als bei der Veränderung der Verhältnisse im Braunsteinbergwerk die Gewährung schon in diesem Jahre unsicher erschien. Um so mehr wird der opferfreudige, edelmütige Wohlthätigkeitssinn des hochherzigen Gebers in Gießen und dessen Umgebung stets in guter Erinnerung bleiben.
§ Aus dem Vogelsberg, 29. Dezember. Einen ungewöhnlich starken Besuch auswärtiger Familienglieder hatten die verflossenen Weihnachtsfeiertage herbeigeführt. Die Stärke dieses Besuches zeigte sich am klarsten in den Festgottesdiensten aus Weihnachten. Sind diese ohnehin stärker besucht als andere Gottesdienste der gewöhnlichen Sonntage im Jahre, so trat hierbei doch der Fremdenbesuch auffällig hervor. Dem Zauber der Weihnachtstanne auf dem heimatlichen Altar vermag sich auch der auswärts Wohnende nicht zu entziehen. Der starke Fremdenbesuch, wenn dies Wort hier in bedingtem Sinne gebraucht werden darf, zeigt aber auch, wie groß der Zug junger Arbeits- kräfte nach den westfälischen Jndustriebezirken ist. Mit dem Lohn, den hier die jungen Leute verdienen, kann sich der heimatliche Verdienst nicht messen. Uns sind Fälle bekannt, bei denen solche Leute 500 bis 1000 Mk. reinen Verdienst nach Hause gesandt haben. Daher auch der Dienstbotenmangel trotz der verhältnismäßig hohen Dienstbotenlöhne auf dem Lande. Allerdings ist die Ursache des weiblichen Gesindemangels in dem Zug nach den großen
Neujahr 1900.
Dreifach ist der Schritt der Zeit: Zögernd kommt die Zukunft hergezogen. Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen, Ewig still steht die Vergangenheit.
würde auch sicherer und besserer in sittlicher Beziehung gegeben. Denn gerade der große Verdienst in blutjungen Jahren führt so leicht zum verderblichen Leichtsinn, der auf seine Fahne schreibt: wie gewonnen, so zerronnen. Und an Gelegenheit zu solcher Bethätigung fehlt es gewiß in den großen Jndustriebezirken nicht. Jugendzeit aber ist Saatzeit!
Darmstadt, 29. Dezember. DerWechsel deSJahr- hunderts wird auch beim Militär festlich begangen werden. Am Sonntag dem 31. Dezember findet dahier abends großer Zapfenstreich statt und zwar wird derselbe um 8 Uhr am Großherzogl. Residenzschloß beginnen und sich nach dem Neuen Palais bewegen, woselbst die Militär-
Auge des Beschauers, daneben aber auch recht geschmackloses — ich meine die sogenannten „Uzkarten". Scherz darf sein und soll sein, aber er ist am wenigsten am Platze an einem Tage, an dem der Rückblick auf die verflossene Zeit neben freudigen auch recht ernste Erlebnisse zeigt, wo der Ausblick auf die Zukunft die Menschen wenn auch nicht pessimistisch, so doch auch nicht optimistisch stimmt. Zur Fastnacht mag man scherzen, auch wohl derb scherzen, zum Neujahr soll die Liebe die Herzen beseelen und nicht durch groben Scherz einen Stachel in des Nächsten Herz treiben.
Das Unwesen mit den Uzkarten hat ja nachgelassen; es ist --------- ------ uus .UIUU.UHC
tn bte untersten Schichten herabgestiegen aber um so roher Fundament. Und dieses so unbedingt nötige Fundament tritt der Scherz mit Wort und Bild auf. Man sieht, der 1 A ßjr L - -
Stoff ist aufgebraucht, da läßt man sich an der Hefe genügen. Leider ist es der Behörde nicht möglich, da einzuschreiten, wenn einigermaßen dem Gesetz genügt wird, aber entsetzlich verrohend wirkt schon die Ausstellung derartiger
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In des Herzens heilig stille Räume, Mußt Du fliehen aus des Lebens Drang, Freiheit ist nur in dem Reich der Träume, Und das Schöne blüht nur im Gesang I
" Wahrlich mehr als je hatMeses Schiller wort heute nach hundert Jahren noch seine Geltung! Und wir können hieran ermessen, wie wenig doch für die innere Entwickelung der Menschheit die kurze Spanne eines Jahrhunderts bedeutet. Mehr als je leiden wir heute alle unter des Lebens Drang! Gehetzt, nervös, in Anspruch genommen ist der moderne Mensch an der Wende des 19. Jahrhunderts vom äußeren Leben wie nie zuvor! Beschauliche Ruhe kennt man kaum mehr; höchstens dort, wo noch keine Eisenbahn, kein Telephon, kein Telegraph hingelangt ist. Freilich auch im Reich der Träume, in der Welt des Spiels, in der Kunst ist Großes geschaffen, viel erreicht worden. Noch aber gilt das Leben überall in erster Linie, noch muß die Kunst warten, ob das Leben für sie Zeit habe, ja noch drückt das Leben der Kunst den Stempel seines Charakters auf, fern noch ist die ersehnte Zeit, wo überall die Kunst das Leben durchdringet, wo das Leben mit der Kunst innig verbunden sein wird. Und das Schöne blüht nur im Ge. fang! Wenn der Dichter uns eine Kunstgattung nennt, so will er damit nicht die andere verneinen, sondern die höchste ist es, die er hervorhebt. Und er hat wahrlich die höchste genannt! Was vermag das Innere des Menschen so im tiefsten der Seele zu ergreifen, wie die Musik! Und gar wenn sie der Dichtung das Geleite giebt? Wir können uns in rühmen, einen der ältesten, wenn nicht den ältesten „gemischten Chor" zu haben in ganz Deutschland, den akademischen Gesangverein, und der Konzertverein blickt bald auf eine 110jährige Thätigkeit zurück. Beiden Vereinigungen rufen wir zum Neuen Jahrhundert Schillers Worte zu, und wünschen ihnen ein frohes, glückliches Gedeihen! — Und wir freuen uns, unseren Lesern schon heute berichten zu können, daß für das neue Jahr die schönsten Rüstungen getroffen sind, vorwärts zu streben, den höchsten Zielen zu! Das neue Jahrhundert möge uns aber bald eine würdige Kunststätte in unserer Musenstadt bescheren! Wir wünschen dies dem Gießener kunstsinnigen Publikum, wir wünschen es unseren Sängern und Künstlern, wir wünschen es vor allem unserem hochverehrten trefflichen Dirigenten Herrn Trautmann! Am 21. Januar wird der akademische Gesangverein seinen Ehrentag haben und es ist dafür gesorgt, daß jeder seine Rechnung findet. Fünf Chorwerke von Mozart, Brahms, N. W. Gade und B. Scholz hat er auf sein Programm gesetzt, und keine Kosten gescheut sein Bestes, das Beste zu bieten. Das Konzert wird unter Orchester- begleituug stehen und eine hervorragende Sängerin, Fräulein Mathilde Haas aus Mainz, sowie ein junger Künstler, Herr Backhaus, Lieblingsschüler Eugen d'Alberts, werden nicht das wenigste zur Verherrlichung des ganzen beitragen. Jeder, dem an dem Vorwärtsschreiten des Kunstlebens unserer Stadt gelegen ist, möge sich zum 21. Januar 1900 bereit halten, und so wünschen wir, daß der Saal des Gesellschaftsvereins gefüllt sein möge, wie nie zuvor, ein Memento an den Saalbau! -r.
Eingesandt. Kaum sind mit den Feiertagen die Weihnachtsausstellungen aus den Schaufenstern der Läden
I Offizierkorps der Residenz beiwohnen wird.
I Darmstadt, 29. Dezember. Gestern nacht verschied infolge eines Herzschlags der frühere Direktor des hiesigen Gymnasiums, Geh. Schulrat Dr. Adalbert Becker.
A Darmstadt, 29. Dezember. Bei sämtlichen Postanstalten, sowohl in den Städten als auch auf dem platten Lande, waren die gestern in beschränkter Anzahl zur Ausgabe gelangten Säkularpoftkarten erstaunlich rasch vergriffen. Ganze Scharen von Kauflustigen mußten darum abgewiesen werden. Darob entstand unter vielen Abgewiesenen eine Unzufriedenheit, die in der Ansicht Ausdruck fand, die Reichspostverwaltung hätte in Vorahnung des riesigen Absatzes bedeutend mehr Jahrhundertkarten vor dem 1. Januar ausgeben sollen. Dieser Einwand hat zwar etwas bestechliches, und gewiß hätte die Postverwaltung 1 diese tatsächliche Kaufwut zu ihrem Vorteile ausnützen können; wie uns aber aus Postbeamtenkreisen versichert wird, beschränkte das Generalpostamt die Gesamtausgabe der Säkularpostkarten vor Neujahr auf eine Million aus dem wohlerwogenen Grunde, weil es den Papierhandel durch eine Mehrausgabe nicht empfindlich schädigen wollte. Man kann also der weisen Fürsorge der obersten Postleitung nur Dank wissen, wenn sie zu gunsten der Papierindustrie und verwandter Betriebe, die bekanntlich gerade zu Neujahr in Gratulationskarten rc. stark in Anspruch genommen werden, auf eine bedeutende Mehreinnahme verzichtete.
A Langen, 28. Dezember. Die auf heute einbe- rufene Versammlung hessischer Volksschullehrer war aus allen Teilen des Großherzogtums von über 300 Lehrern besucht. Herr Oberlehrer Eisenhardt eröffnete die Versammlung, dankte seinen anwesenden Amts- genossen, die teilweise aus sehr abgelegenen Orten herbeigeeilt waren, für den überaus zahlreichen Besuch, begrüßte besonders die beiden Herren Landtagsabgeordneten Backes und Schmeel, und schloß mit einem Hoch auf den Landes- Herren. Der Vorsitzende teilte hierauf mit, daß die Herren Abgeordneten von Brentano, Noack und Seelinger drahtlich, die Herren Abgeordneten Euler, Heidenreich und Schlenger brieflich ihr Bedauern ausgesprochen hatten, nicht erscheinen zu können. Den einleitenden Vortrag hatte Lehrer Jung hier übernommen. Er führte den Nachweis, daß die Forderungen der Lehrer in den Dörfern und kleinen Städten berechtigt, und in den Bedürfnissen des Lebens begründet seien, gab eine Uebersicht über die bisherigen Besoldungsgesetze und betonte, der Erzieher des Volkes müsse so gestellt sein, daß das Amt den Mann ernähre. Der Grundsatz, auf dem sich das Besoldungsgesetz der Beamten aufbaue, müsse auf alle seminaristisch gebildeten Lehrer angewandt werden. Gleiche Bildung, gleiche Arbeit, gleiche Bezahlung! Wie seit Jahrhunderten das Pfarrhaus auf das deutsche Volk segensreich gewirkt habe, so werde auch das vorbildliche Familienleben des Lehrers seinen Einfluß geltend machen. Die beiden letzten Thronreden hätten Erfüllung der berechtigten Wünsche der Lehrer zugesagt, sodaß hier nur erübrige, dieselben nochmals entschieden und doch maßvoll zu vertreten. Seine Ausführungen faßte er in nachstehende Sätze zusammen: Die am 28. Dezember 1899 zu Langen versammelten Lehrer Starkenburgs danken Seiner König!. Hoheit, unserem erhabenen Landesfürsten, unterlhänigst für die in der Thronrede bei der Eröffnung des 31. Landtags angekündigte Gesetzesvorlage über die Bessergestaltung der Gehaltsverhältnisse der Volksschullehrer. Gleichzeitig sprechen sie Großh. Staatsregierung ihr unbedingtes Vertrauen aus in der sicheren Hoffnung, daß hohe Staatsregierung mit beiden hohen Ständekammern wie bisher für die gedeihliche Entwickelung der hessischen Volksschule eintreten und die materielle Lage der Volksschullehrer Hessens nach Maßgabe des Beamtenbesoldungsgesetzes und entsprechend den Eingaben der hessischen Lehrervereine regeln werde. — An der freien Aussprache, die sich an vorstehende Sätze schloß, beteiligten sich besonders die Herren Landtagsabgeordneten Backes und Schmeel, die Pfarrer Frey Sprendlingen und Wahl-Langen, die die Lehrer bei ihrer gegenwärtigen Gehaltsbewegung der Sympathie der Geistlichen versicherten, und die Lehrer Gerhardt-Mainz, Hofmann-Beerfelden, Jung- Langen, Krapp-Gr.-Bieberau, Link-Rudingshain und Lotz-
Man ist übereingekommen, den heutigen Tag als den Beginn des neuen Jahrhunderts zu feiern. Zwar sind in Wahrheit erst übers Jahr 19 Jahrhunderte unserer christlichen Zeitrechnung verflossen. Aber der alte Jahrhundert- name und mit ihm hundert lange Jahre mit der Zahl 18 | u#uu ulc „UB|lcuung «„arriger
•tolCber' der neue Name 1900 Karten auf die Jugend, die die Schaufenster förmlich be- ^Offuet die Aussicht auf eine neue lange Zett, die, wie das lagert und mit Eifer das Ausgelegte studiert, wobei das vergangene Jahrhundert, ihr besonderes Gepräge tragen Beste natürlich nicht beachtet wird.
21"; Das vergangene Jahrhundert hat den menschlichen ums Geld — hier aber um ein Si!
Geist gefordert in einem Maße, wie wir es erst ganz verstehen können, wenn wir einst im neuen Jahrhundert festen Fuß gefaßt haben; das Jahrhundert hat auch den christlichen Geist gefördert: fromme Männer haben ihn vom ersten bis zum letzten Tage auf das Eine hingewiesen, was not thut. Das Jahrhundert hat gewiß auch vieles gebracht, was die Menschen zur Sünde verlocken konnte, soziale Schwierigkeiten, sittliche Versuchungen, religiöse Streitigkeiten, Mißverständnisse auf wissenschaftlichem Gebiete, lieber» griffe der Kunst; aber das vergangene Jahrhundert hat uns nichts gebracht, was die Menschen zur Sünde gezwungen hätte. ES ist kein besonders gottloses gewesen, es hat sich redlich bemüht, die Wahrheit auf allen Gebieten zu finden und zu verkünden. Doch bas ist alles vorbei; wir sollen von heute ab ein Neues pflügen, wir sollen auch das neue Jahrhundert zu einem Jahrhundert des Heils machen. Wenn doch unser teures Volk den gewaltigen Ernst dieser Aufgabe empfände und gleich von heute an sich an die Lösung machte! Wohlgemerkt: Pfeilschnell ist das Jetzt entflogen! Es giebt kein langes Besinnen, es heißt: entscheide dich! Drum soll es gleich zu Beginn des neuen Jahrhunderts unser Wahlspruch sein: Mit Gott! Für Gott! Zu Gott!


