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Gegner mit einem Taschenmesser erstach. Der Gestochene war sofort eine Leiche. Der Thäter, der tierisch betrunken war, ist ein Bursche aus dem Thatort. — Die Entwickelung der Trauben ist bereits soweit vorgeschritten, daß in 14 Tagen bis 3 Wochen allgemeiner Weinbergschluß in Rheinhessen stattfinden wird.
Goethe-Feier.
Rede des Herrn Geheimrat Professor Dr. Oncken von Gießen beim Festkommers in Frankfurt a. M.
In derselben Stunde, da heute morgen hier der akademische Festakt seinen Anfang nahm, hat in der Universitätsstadt Gießen auch eine Goethcfeter Nattgefunden: die Hülle fiel von einer Marmortafel, die erinnern soll an einen Mann der Wissenschaft, auf den im Jahre 1772 ein Strahl der Dtchtersonne gefallen ist: der ihm Unsterblichkeit verliehen hat. ES ist der Professor Dr. Julius Hoepfner, ein ausgezeichneter Lehrer des römischen Rechts und ein Freund der neuen deutschen Poesie, der KlopstockS Oden meisterlich vorzutragen wußte, dem Goethe von Wetzlar auS seinen Besuch machte, um ihn für seine Frankfurter „Gelehrten Anzeigen" al8 Mitarbeiter zu gewinnen. Watz Goethe selbst über diesen Besuch bet Hoepfner im 12. Buch von „Dichtung und Wahrheit" erzählt, muß man zusammen nehmen mit dem, was Hoepfner selbst und seine Gattin darüber mitgeteilt haben. Man gewinnt ein köstliches Bild, ein wahres Kabinettstück auS dem Beginn der Geniezeit. Der junge Goethe tritt leibhaft vor uns hin, so wie er war, in den seligen Jahren des Werden« seiner Dichterseele, mitten im Frühling unserer Po,sie selbst ein FrühlingSmensch in all seiner LebenSfüll-, seiner Genialität und Herrlichkeit. Er selbst erzählt, an einem schönen Morgen sei er vor Sonnenaufgang ausgebrochen, um daS liebliche Lahnthal nach Gießen zu aufwärts zu durchwandern. Das „Gießer Wochenblatt" vom 18. August meldet aus der Woche vor dem 15.: im „Hotel zum Einhorn" sei ein Legationssekrelär Wanderer aus Wetzlar abgestiegen; damit fing schon die Verkleidung an, in welcher Goethe beschlossen hatte, den Profeffor Hoepfner völlig unvorbereitet zu überfallen. Hoepfner selbst war im Begriff, ins Kolleg zu gehen, also in einer Stimmung, in der der höflichste Professor unhöflich wird, wenn ein unerbetener Besuch sich eindiängt zwischen ihn und seine Pflicht; da trat ein wildfremder Mensch bei ihm ein, schlecht gekleidet, verlegen, linkisch wie ein fahrender Scholar und begann eine Rede, die Hoepfner zweifelhaft ließ, ob er bloß ein Almosen haben wollte, oder ein kräftig Sprüchlein für fein Stammbuch. In dem Augenblick aber, da Hoepfner entschloffen nach der Börse griff, warf der Fremde die Narrenkappe ab, fiel Hoepfner um den Hals und fiflte: „Ich bin Goethe, verzeihen Sie meine Posse, lieber Hoepfner, aber ich wollte Ihnen nicht in der gewöhnlichen Weise durch einen Dritten vorgestellt werde«, wobei man sich doch steif und fremd gegenüber steht, sondern lieber mit beiden Füßen in Ihre Freundschaft hineinspringen." Am Abend desselben Tages — es scheint der 15. August gewesen zu sein, denn am 16. war Goethe wieder in Wetzlar — kam Hoepfner in daS Gasthaus, in dem die Gießener Profefforen gesellig zusammenkamen — wahrscheinlich war es der „Rote Löwe", der noch besteht —, später als gewöhnlich und fand hier die ganze Kollegenschaft in seltsamer Haltung und Verfassung. Die Professoren saßen und standen um einen Tisch herum und lauschten in atemloser Spannung einem Vortrag, den ihnen der dreiundzwanzigjährige Goethe hielt: es war eine jener poetischen Stegreifreden, mit denen er nachher in Weimar alles bezauberte, unter deren Eindruck Wieland schrieb, er sei von Goethe voll wie ein Thautropfen von der Morgensonne. Die Hörer boten ein Bild, wie es dem Dichter Vergil vorgeschwebt haben mag, als er die Worte schrieb: „Lautlos stehen sie all' und hängen am Munde des Redners, der mit des Wortes Gewalt die Geister lenkt und die Herzen." DaS ist die eine Goetheerinnerung, die sich an das Hoepfnerhaus in Gießen knüpft. Eine andere kommt hinzu. Zwei Jahre nach diesem Vorgang erschien in demselben Hoepfnerhause, durch einen warmen Empfehlungsbrief Goethes eingeführt: Max Klinger auS Frankfurt, der merkwürdigste Student, der sich jemals in den Mauern Gießens aufgehalten hat; ein Kopf und ein Wuchs von solcher Aehnlichkeit mit Goethe, daß man ihn dessen Doppelgänger hätte nennen können, ein Dichtergeist, in dem eS kochte und brodelte wie in einem Vulkan, der Sturm- und Drangpoet, dem Schiller nachher bezeugte, er habe auf seinen Genius eingewirkt mit einer Kraft wie fein zweiter Dichter seinerzeit, ein Urteil, das man versteht, wenn man Klingers Erstlingsdrama „Otto" vergleicht mit den „Räubern" Schillers. Und noch eine dritte Goetheerinnerung Gießens darf hier nicht unerwähnt bleiben. Als Goethe die Pfade selbständiger Naturforschung beschritt, um seinen Glauben an das große Einheitsgesetz der organischen Welt nachzuweisen in der Morphologie der Tiere und der Pflanzen, und die Lehre von der Metamorphose beider ausstellte, bte wir heute die Lehre von der Entwicklung nennen, da folgte dem gefeierten Dichter die Mitwelt nicht mehr! Was er fand ober zu finden glaubte auf seinem einsamen Wege, war den einen eine Thorheit, den anderen ein Aergernis. Wie dankbar war Goethe für den Bries, in welchem Schiller ihm am 23. August 1794 bewies, daß er ihm auch auf diesem Wege mit Verständnis, ja mit Bewunderung gefolgt war, und dankbar war er auch dem Gießener Physiologen Professor Milbrand, der ihm im Jahre 1820 öffentlich seine Zustimmung gegeben hatte und dem er dafür Worte schrieb, die zeigten, wie wohl ihm diese sympathische Stimme gethan hatte. DaS sind die Erinnerungen, mit denen die Goethefreunde in Gießen an dem Hoepfnerhause vorübergehen; wenn diese Goethefreunde aber zugleich akademische Lehrer sind, dann gedenken sie auch dessen, was Goethe für die deutsche Wissenschaft, ihre Pfleger und ihre Pfleglinge Unvergeßliches geleistet hat. Kein Dichter und kein Denker hat den deutschen Professoren und Studenten so tief ins Herz gesehen, als der Dichter de8 Faust schon in seinem Urfaust von 1775 es gethan hat, als seine eigenen Hochschulerinnerungen noch in ihrer ganzen Frische und Unmittelbarkeit auf ihn wirkten. Ein Vorbild ist er untz allen geworden durch die unablässige Arbeit am eigenen Selbst, den nie ermüdenden Fleiß bei der Ausbildung seines inneren Menschen und durch den herzerquickenden Glauben an den Segen dieser Arbeit, an die Fruchtbarkeit dieses Fleißes, diesen Glauben, in dem wir den edelsten Kern seiner ganzen optimistischen Weltauffassung zu erkennen haben. Unsterblich sind die Lehren, die er unS allen erteilt hat, so durch den Spruch: „Das Erste und das letzte, was vom Genie erfordert wird, ist Wahrhetsllebe." Ja, die Wahrheitsliebe. Ohne sie ist das Größte, was des Menschen Können und Wissen erreichen kann, nichts als ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. Den Forschern gelten die Verse: „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben," und den Rednern des Lehrstuhls gilt die Mahnung: „Wenn ihr's nicht fühlt, Ihr werdel's nicht erjagen. Wenn es nicht aus der Seele bringt und mit urkrästigem Behagen die Herzen aller Hörer zwingt." Und so hat er'S denn auch um die Wissenschaft im weitesten Sinne verdient , daß ihm hier ein Fest bereitet worden ist, desgleichen die Welt noch nicht gesehen hat. Ein Fest der Wissenschaft, der Kunst und des Volkes zugleich hat eS seiner Anlage nach werden sollen und ist es in der Ausführung auch wirklich geworden durch den beispiellosen Einmut, mit welchem alle Kreise, alle Schichten der Bevölkerung ihre begeisterte Mitwirkung geliehen haben. Ein ganzer akademischer Kräfte und ein wahrer Schatz akademischer Geistesarbeit ist dazu aufgeboten worden, und das stolze Ergebnis zeichne ich mit einem Wort: die Geburtsstadt Goethes ist jetzt durch diese »."Er die Goethestadt des deutschen Volkes geworden. Das « üblich sichtbar gewordene Frucht der stillen, mit Fleiß und Ausdauer viele Jahre lang gepflegten Vorarbeit, die das Freie Deutsche Hochstift hier geleistet hat als Mittelpunkt einer Goethe- gemelnbe bte wir jetzt kennen gelernt haben in ihrer ganzen Macht. Ehre uno 4)anr ben Männern, bie dies nationale Werk angeregt und geleitet wen und heute im Vollgefühle des Gelingens den schönsten Lorbeer
sich selbst verdient haben. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß hierin Frankfurt der Boden ist für eine akademische Hochschule ersten Ranges, sagen wir für eine Universität der Handelswissenschaft, jetzt wäre der Beweis erbracht, und bei den ersten Schritten zur Verwirklichung dieses Planes wird man sehen, wie glücklich hier daS Erdreich vorbereitet ist und wie viel tüchtige Kräfte schon vorhanden sind, die nur des Zeichens warten, daS ihnen bie Rennbahn des Erfolges öffnen wird. Zusammen wirken müssen und werden die beiden Welten, Die hier nebeneinander bergegangen sind: der Idealismus der Goethegemeinde und der Realismus des Geschäfts im Kampf um ben Weltmarkt, in ben bte beutsche Arbeit nun einmal unwiberruflich eingetreten ist. Wie sagte boch Goethe in seiner tiefsinnigen Dichtung Epimenides Erwachen, als er nach Beenbigung der Befreiungskriege sein Volk hinwieS auf die Friedensarbeit, die nun zu beginnen Habel Er sagte: „Zusammenhaltet euren2Bert, und euch ist niemand gleich." Ja, so sagen auch wir unseren Freunden in Frankfurt an der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts: „Zusammenhaltet eurm Wert und euch ist niemand gleich." Der Goethestadt Frankfurt und' ihrer akadtmischen Zukunft ein Lebe hoch!
Ans der Zeit für die Zeit.
Vor 24 Jahren, am 31. August 1875, starb zu Leipzig Oskar Ferdinand Peschel, der hervorragendste deutsche Geograph nächst Alexander von Humboldt. Seine „Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen" eröffnete die Reihe ebenso gelehrter wie grundlegender Werke auf seinem Spezialgebiete. Sein bedeutendstes Buch ist „Geschichte der Erdkunde bis auf Alexander von Humboldt und Karl Ritter." Peschel wurde am 17. März 1826 zu Dresden geboren.
Vermischtes.
* Wetzlar, 28. August. Unsere Stadt war zur Goethes ei er beflaggt, und vor dem Goethe-Brunnen hielt nach Gesang des Liedes „lieber allen Wipfeln ist Ruh" Oberlehrer Ludwig Seher eine Festrede. Mit dem Gesang des Heiderösleins war die Feier beschlossen. Alle Erinnerungsstätten an Goethes Wetzlarer Aufenthalt waren besonders reich geschmückt.
* Hamburg, 28. August. Die Innung Bauhütte lehnte die Arbeiterforderungen auf Einführung einer neunstündigen Arbeitszeit bei 70 Pfg. Stundenlohn ab, bewilligte dagegen neuneinhalb Stunden und 65 Pfg. Die Arbeiter beharren auf ihrem Standpunkt, wollen jedoch weiter unterhandeln.
* München, 28. August. Ein Student, der im Sommersemester an der Universität Erlangen immatrikuliert war und hier seine Studien fortsetzen wollte, wurde verhaftet, weil er seinem Hauswirt in Erlangen unter Vorspiegelung falscher Thatsachen 600 Mark entlockt haben soll.
Temperatur der Lahn und Lust
nach Reaumur gemeffen am 30. August, zwischen 11 u. 12 Uhr mittag«: Master 16°, Luft 18V,°.
Rübfamen'sche Badeanstalt.
UmverfMs-Uachrichten.
— Berlin. Die Nationalzeitung berichtet: Das HofmannS- haus, welches zum Andenken an den großen Chemiker A. W. v. Hofmann auf dem Grundstück Sigismundstraße 4 errichtet wird, ist im Rohbau bereits bis zum zweiten Stockwerk gediehen. Das HauS wird nach einem Entwurf des BaurateS March auSgeführt. Die Vorderseite des Gebäudes wird mit hellem Sandstein versehen, daS Dach mit roten, unglasterten Ziegeln bedeckt. Die Seitenwände und Decken der einzelnen Säle werden aus unoerbrennbarem Material hergestellt. Der Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen wird ein großer Hörsaal mit 250 Sitzplätzen dienen, welcher sich in der Mitte beS Gebäudes durch das erste und das zweite Stockwerk erstrecken wird. Vorsitzender der Gesellschaft „Hofmannhaus" ist Dr. C. A. Martins, Geschäftsführer Kommerzienrat Dr. Holtz.
— Heidelberg. Seinen 70. Geburtstag beging am 23. ds. Mts. der verdiente Mathematiker Prof. Moritz Cantor. In Mannheim geboren, studierte er in Heidelberg, Göttingen und Berlin, habilitierte sich 1853 alS Prioatdozent in Heidelberg und wurde 1863 zum außerordentlichen und 1877 zum Honorarprofessor ernennt. Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit Cantors liegt in seinen Forschungen zur Geschichte der Mathematik. Seine Hauptleistung ist seine dreibändige Geschichte der Mathematik, die in der Form von Vorlesungen gehalten ist. Sie behandelt die mathematischen Wissenschaften in ihrer Entwickelung von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1758. Hier hat sich Cantor eine Grenze gesteckt. In dem Schlußbande spricht er die Hoffnung auS, daß ein Jüngerer die Ergänzung seiner Mathematik-Geschichte und ihre Fonführung bis zur Gegenwart auf sich nehmen werbe. Seit dem Erscheinen des ersten Bandes im Jahre 1880 wurde jeder neue Band der Cantor- schen „Vorlesungen" mit Spannung erwartet. Cantor läßt eS sich nicht genug sein, das Schaffen der führenden Geister in der Mathematik darzustellen; er wirb auch ben Mathematikern zweiten und dritten Ranges vollauf gerecht, insoweit sie zum Fortschritt ihrer Wissenschaft beitrugen. Zu der Geschichte der Mathematik Cantors kommt eine beträchtliche Reihe von Einzelstudien mathematik-geschichtlichen Inhaltes. Einen Teil davon hat er in seinem GeschichtSwerke verwertet. Sehr ausgiebig pflegte Carttor bie Lebensbeschreibung beroorregenber Fachgenosstn auS alter unb neuer Zeit. Ein hervor- stechenbeS Interesse zeigt er ferner für Erörterungen über die Beziehungen zwischen der Mathematik und der Kulturgeschichte, wovon eine Reihe von Schriften zeugen. D. Z.
— Heidelberg. Der Prioatdozent in der juristischen Fakultät unserer Hochschule' Dr. Wolfgang Mittermaier wurde zum außerordentlichen Professor ernannt.
Neueste Meldungen.
Depeschen des Bureau „Herold".
Darmktadt, 30. August. Wie die „Darmstädter Ztg." mitteilt, ist > er Vertrag der Regierung mit einem Unternehmer bezüglich Verpachtung der hessischen Landeslotterie noch nicht abgeschloffen.
Berlin, 30. August. Das Berliner Tageblatt gibt unter allem Vorbehalt die Melduug der Kopenhagener Politiken wieder, welche dieselbe von Georg Brandes aus Paris erhalten habe: Die Pest ist dort antzgebrochen. Es find schon sechs Fälle mit tätlichem Ausgange zu verzeichnen. Das merkwürdige Schweigen der Prcffe wird dadurch erklärt, daß die Pariser Blätter subventioniert find, um das Schweigen zu bewahren. Nm die Redaktion der Fronde, von der der Gewährsmann diese Mitteilung erhalten hat, wies die Bestechung zurück.
Berlin, 30. August. Die Morgenblätter beschäftigen sich in längeren Artikeln mit dem gestern erfolgten Schluß des preußischen Landtages. Die „Kreuzzeitung" erklärt sich mit der Form des Landtags-Schlusses durchaus einverstanden, da sie ohne Zweifel der wirklichen Bedeutung der Kanalvorlage Rechnung trage. Die konservative Partei werde jetzt nach beendigtem Kampf gern die Hand zum ehrlichen Frieden bieten. Voraussichtlich werde der Negierung sich die Ueberzeugung aufdrängen, daß sie im Interesse des Staates selbst gut thut, die Herbeiführung des Friedens zu fördern. Die „Deutsche Tageszeitung" ist von der Erklärung des Fürsten Hohenlohe, die sie ruhig und besonnen nennt,nicht überrascht. Die Regierung scheine die Kanal-Vorlage als das zu behandeln, was sie fei, eine zweckmäßige Frage des Verkehrs, die sich nicht dazu eigne, eine Kraftprobe vorzunehmen. Das sei verfassungsmäßig und vernünftig. Die „Berl. N. Nachr." hoffen, daß die über Gebühr teils wirklich angewachsene, teils künstlich aufgestachelte Erregung der allein richtigen, ruhigen, fachlichen Behandlung bald wieder Platz machen werde zum besten des allgemeinen Wohles, und dieses fordert schließlich unter ehrlicher und freudiger Mitwirkung aller staatserhaltenden Elemente noch andere Dinge als den Mittelland-Kanal. Die „Staatsbürger- Zeitung" sagt: Bei der gestrigen Kundgebung fei das, was sie verschweige, wichtiger, als das, was sie ausdrücke. Dem Blatte wird bestätigt, daß die Versetzung der Verwaltungsbeamten, welche gegen die Kanal-Vorlage gestimmt haben, in den einstweiligen Ruhestand beschlossene Sache ist, und daß noch heute die diesbezügliche Kabinettsordre zur Ausführung gelangen wird. Das Blatt nennt alsdanu die Namen der von der Maßregelung betroffenen Beamten. Es sind dies der Regierungs - Präsident von Lüneburg, von Kolmar und der Regierungs-Präsident von Posen, von Jagow und 20 Landräte. Die „Staatsbürger-Zeitung" bedauert, daß der Landtag zurzeit noch nicht in der Lage ist, sich mit der Negierung über diese Maßregel auseinanderzufetzen. Die „National-Zeitung" sagt: Wenn eine veränderte, die Bekämpfung des Agrar-Konservativismus bedeutende Regierungs-Politik beabsichtigt ist, so muß man sagen, daß die Herren Graf Limburg-Stirum und Genossen mit vollendeter Höflichkeit und Verbindlichkeit noch im letzten Augenblick der Session behandelt worden sind. Wir hätten hiergegen durchaus nichts einzuwenden, wenn die politischen Thaten nunmehr um so energischer würden. — Die „Voss. Ztg." schreibt: Dieselbe Partei, welche den Parlamentarismus von Grund aus zu bekämpfen vorgiebt, hat diesem Parlamentarismus einen glänzenden Triumph bereitet. —Das „Berl. Tgbl." führt aus: Das wahre geschichtliche Ergebnis dieser Landtags- Session bedeute eine Waffenstreckung der Staatsregierung vor den herrschenden Argrar-konservativen Parteien im Lande. Ironisch sagt die Volkszeitung: Wenn der Kanal zehnmal hintereinander abgelehnt ist und die Regierung hofft dann noch immer auf Besserung, dann ist es vielleicht Zeit, gegen die Regierung den Vorwurf der „Schwäche" zu erheben, der aber jetzt bei allen Wohlmeinenden mindestens den Eindruck einer unschönen Voreiligkeit machen muß. Der Vorwärts sagt: Die Erklärung des Fürsten Hohenlohe ist sogar noch sanfter, als selbst die Jllusionslosen erwarteten. Wir vermögen in der Kundgebung nur eines zu erkennen: Ruhe, nichts als Ruhe. Ruhe ist die erste Ministerpflicht.
Tilsit, 30. August. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Gemeindevorsteher D. aus Kallven wegen Wahl- und Urkundenfälschung zu einer Woche Gefängnis. D. hatte bei der Wahl des Gemeindevorstandes zwei Zettel gegen seine eigene Wahl gefälscht.
Wien, 30. August. Die „N. Fr. Pr." erhält von vertraulicher Seite die Meldung, daß Kaiser Franz Josef noch vor der beschlossenen Revision des Dreyfus-Prozeffes zu Mitgliedern der hiesigen Diplomatie geäußert hat, er sei von der Unschuld Dreyfus überzeugt. In gleicher Weise hätten sich der König von Schweden und der Zar geäußert.
Rom, 30. August. Der Dichter Giacoso teilt im „Corriere della Serra" mit, Sarah Bernhard werde vor dem Kriegsgericht in Rennes eidlich aussagen, Rochefort habe ihr im Kabinett des Untersuchungsrichters 23 er« tulus gestanden, er sei von der Unschuld Dreyfus überzeugt, er werde das anderer Rücksichten wegen jedoch niemals öffentlich eingestehen.
Paris, 30. August. Der frühere Redakteur des „Journal Lissa Joux", welchem der „Eclair" den Text des Schriftstückes Animal de Dreyfus verdankt, wurde gestern angeblich verhaftet. Derselbe erklärte, das Original dieses Dokumentes, worin der Name Dreyfus voll ausgeschrieben gewesen sei, sei chiffriert gewesen.
Paris, 30. August. Der „Figaro" erfährt, daß der spanische Attache Valeralos seinen Rücktritt genommen habe, weil er, wie es heißt, mit Recht beschuldigt ist, die „ehrbare Persönlichkeit" zu sein, von welcher in den letzten Tagen im Drcysusprozeß die Rede war. Man erinnert sich, daß die betreffende Persönlichkeit im Nachrichtenbureau gegen Geld Mitteilungen machte.
Paris, 30. August. In der Rue Chabrol wurde auf die Klagen der Geschäftsleute der Verkehr einigermaßen wiederhergestellt. Sonst ist die Bewachung gleich streng geblieben. Die Zahl der Neugierigen war gestern kaum nennenswert. Keiner der Belagerten zeigte sich am Fenster.
Limoges, 30. August. Die Polizei hat einen gewissen Mathysens verhaftet, welcher dringend verdächtig ist, das Attentat gegen Labori ausgeführt zu haben.
Belgrad, 30. August. Der Kommandant der Belgrader Feuerwehr wurde gestern verhaftet, weil er dem Attentäter den Revolver gab, mit welchem dieser aus König Milan schoß.
London, 30. August. Mehrere Blätter konstatieren, daß die feindliche Haltung Chamberlains Transvaal gegenüber von allen Seilen Proteste gegen England Hervorrufen wird.


