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Rt. 204 Zweites Blatt Donnerstag dm 31 August
1899
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Zu den Landtagswahlen
schreibt der „Darmst. Tägl. Anz.":
Obwohl in ganz Deutschland die vaterländisch gesinnten Kreise in den schärfsten Worten ihren Abscheu kundgaben über das Benehmen der Sozialdemokratie und des Centrums bei den bayerischen Landtagswahlen, haben jetzt die Sozialdemokraten auch in Hessen begonnen, gegen die Liberalen sich mit Leuten zu vereinigen, die sie seit Jahren im Reichstag und Landtag am entschiedensten bekämpften. Früher wurde von sozialdemokratischen Abgeordneten den antisemitischen Führern einmal gesagt: „Sie arbeiten uns in die Hände!" Heute sehen wir leider, wie richtig diese Behauptung war. Die Landwirte, die damals glaubten, ihr Heil bei Böckel zu finden, opferten Tausende, wurden schmählich im Stiche gelassen, sie wurden mißbraucht und müssen heute sehen, wie Plätze, die damals antisemitisch wählten, jetzt in den Händen der Sozialdemokraten, ihrer schlimmsten Gegner, sind. Aber noch nicht genug. Unsere schlichten Bauern müssen jetzt auch noch mit zusehen, wie Vertreter der antisemitischen Richtung, um sich in der unsicher gewordenen Stellung gegen die liberale Partei zu behaupten, mit den Sozialdemokraten ein Bündnis eingehen und dafür in anderen Wahlbezirken sozialdemokratische Kandidaturen unterstützen! Wer dabei schließlich die Führenden und wer die „Angeführten" sind, läßt sich voraussehen.
Nach alle dem ist also, wie in Bayern, auch diesmal bei uns die Losung dieser Parteien: Sturz der liberalen Partei in der hessischen Zweiten Kammer! Wo sind die verführerisch klingenden Prinzipien? Wo sind die Parteiprogramme? Heißt es auch bei der Sozialdemokratie schon: Der Zweck heiligt die Mittel? Kommt das von der Internationale? Nur Geduld! Es giebt noch eine Berechtig- feit; der Fluch der bösen That bleibt nicht aus. Parteien, die so sehr ihren Lebensgrundsätzen untreu werden, tragen ihren Ruin bereits in sich. Auch der einfachste Mann durchschaut einmal solches zweideutige Benehmen, und es wird in Stadt und Land von seilen der nationalen Bevölkerung hoffentlich rechtzeitig dafür gesorgt, daß die sozialdemokratischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wer heute keine, oder nur sehr wenige Steuern zu zahlen hat, der hat gut mitreden, wenn „alles aus einem Säckel geht"; abn zu diesen Leuten gehören die Landwirte und Gewerbetreibenden keineswegs. Der Sozialdemokrat mit seinen Bundesgenossen ist der allerletzte, der durch die That bis jetzt bewiesen hat, wie dem kleinen Grundbesitz zu helfen ist. Singer und Genossen Arm in Arm mit den Antisemiten, wie reimt sich das zusammen! Wozu das alles? Blos um in der Zweiten Ständekammer das Heft in die Hand zu bekommen. , _ ,
Was hat unsere hessische Regierung im Verem mit den beiden Kammern in den letzten Jahren für Summen aufgewandt zur Förderung der Landwirtschaft, der Viehzucht, des Wein- und Obstbaues! Das wird von vielen Landwirten vollständig anerkannt. Hebet eine halbe Million steht zur Verfügung; das will doch in dem kleinen Hessen etwas heißen. Wo findet sich eine Regierung, die auf diesem Gebiete in letzter Zeit mehr Mühe und Geld aufgeboten hat? Warum läßt sie Bahnen bauen nach Kreidach und Wahlen, durch den Vogelsberg? Um sich Einnahmen zu verschaffen? Nicht im entferntesten : Nein, um den kleinen Leuten in den abgelegenen Gegenden Absatzgebiete zu schaffen, um der Industrie in den Gebirgsthälern aufzuhelfen. Geld zum Wegwerfen haben wir nicht, und es kann auch ein Stand vom Staate nur unterstützt, aber nicht ganz unterhalten werden. Deshalb ist es bald Zeit, den maßlosen Forderungen und den schamlosen Verdächtigungen von gegnerischer Seite ernstlich entgegenzutreten.
Was ist von selten der Wähler zu thun? Vor allem haben in Stadt und Land alle ruhig denkenden Männer sich zusammenzuschließen. Sonderinteressen dürfen nicht in den Vordergrund treten. Bei den bayerischen Landtagswahlen zeigte sich, daß durch die zuweitgehenden, einseitigen Forderungen der Bauernbündler selbst in dem rein Landwirtschaft treibenden Niederbayern ein großer Teil der Wähler in das ultramontane Lager gedrängt wurde, und dadurch sich die Bauern selbst am meisten schadeten. Sollen wir in Heffen nächstens vor ähnlichen Resultaten bewahrt bleiben, so müssen wir unbedingt geschlossen vorgehen, Schulter an Schulter, Mann an Mann!
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Prozeß Dreyfus.
Rennes, 29. August.
Nachdem die heutige Sitzung des Kriegsgerichts um 61/, Uhr eröffnet worden war, begann das Verhör des
früheren zweiten Chefs des Nachrichten-Bureaus im Kriegsministerium, Cordier. Derselbe bekundet, Sandherr habe ihm das Bordereau mitgeteilt, welches dieser von Henry erhalten hatte. Letzterem wurden die Papiere von einem Agenten übergeben. Uebrigens erhielt der Agent die Schrifttücke nicht direkt aus der betreffenden Botschaft, sondern eine Dame fungierte als Vermittlerin. Weiter erzählt Zeuge von dem Verrat in Bourges, welcher nach Sandherrs eigener Meinung nicht Dreyfus zuzuschreiben sei. Damals sei wegen des Verrats der Robin Granaten der Spion Thomas verhaftet worden. Während derselbe im Gefängnis gewesen, eien an ihn Briefe von seinen Auftraggebern eingelaufen, welche im Nachrichten-Bureau beantwortet worden seien. Auch Zeichnungen der Granate seien abgesandt worden, sogar Geld sei dafür eingegangen. Nochmals auf die oben genannte Dame, die das Bordereau an den Agenten weiter gab, zurückkommend, erzählt Zeuge Cordier, daß sie „La fine mouche“ genannt worden sei. Eines Tages sei sie, er wisse nicht infolge welcher Manöver, der deutschen Botschaft denunziert worden. Präsident Jouaust, die Hand auf den Mund legend, sagt, keinen Namen nennen. Nach der Entdeckung habe man nichts mehr mit ihr zu thun haben wollen, sie habe aber solange gebeten, bis sie behalten worden sei. Die Rendezvous mit ihr hätten spät abends stattgefunden, und ihren Gehalt hätte sie stets im voraus erhalten. Zeuge spricht ferner noch von den Verrätereien eines gewissen Boutennet. Später seien zahlreiche Dokumente aus dem Marineministerium verschwunden. Der Zeuge kommt dann noch auf die Verhaftung Dreyfus zu sprechen. Es seien damals verschiedene Personen als Verräter signalisiert worden. Es habe geheißen, ein Herr von 45 bis 50 Jahren, ein Dekorierter, habe diese Dokumente an die deutsche Botschaft (Präsident Jouaust legt wieder die Hand auf den Mund . . .) in eine Botschaft tragen sollen. Zeuge deutet dann, ohne Henry zu nennen, den Verdacht an, der gegen Henry geäußert wurde. Henrys Vertrauensmann, der Agent Guenne, sei leider gestorben, dieser könnte hier vieles erzählen, hauptsächlich auch, wie man gewisse Schriftstücke fabrizierte. Es waren dann die kolossalen Geschäfts-Verbindungen mit Cuers, Lajoux u. Co. gefolgt. Das durch diese Agenten aufgebaute Spionage-System sei so wirksam gewesen, daß zahlreiche deutsche Spione in Frankreich gefaßt und verurteilt werden konnten. Nach 1870 habe man dem französischen Generalstabe den Vorwurf gemacht, er habe nicht genug Spione gehabt. Nun, vor wenigen Jahren sei diesem Mangel abgeholfen gewesen. Wenn damals der Krieg ausgebrochen wäre, dann wären, ruft Zeuge, wir die Meister des ganzen Dienstes gewesen. Wir wären unserer Sache sicher gewesen. Als die Untersuchung gegen Dreyfus geführt wurde, habe der Spitzel Guenne Verdachtsgründe herbeizuschaffen gehabt. Alle möglichen Laster seien Dreyfus nachgesagt worden, aber alles, was daran wahr gewesen, sei, daß Dreyfus bei seiner Verheiratung nicht mehr berechtigt gewesen sei, den Myrtenkranz zu tragen. (Gr. Heiterkeit.) Nach seiner Verheiratung habe Dreyfus einwandsfrei gelebt. Nur habe er in seinenReden aufgeschnitten. Zeuge schließt, er habe 1894, wie wir alle, an Dreyfus Schuld geglaubt, jetzt sei er unbedingt von seiner Unschuld überzeugt. Das erste, was meinen Zweifel erweckte, war, als ich sah, daß man das Bordereau umdatiert hatte. Als ich dann sah, wie Piequart ungerecht angeklagt wurde, sagte ich mir, da stimmt etwas nicht. Präsident Jouaust fragt den Zeugen, ob er etwas von einer Verbindung Esterhazys mit dem Kriegsministerium wisse. Zeuge Cordier entgegnet mit Nein. Labori ersucht den Zeugen, Mitteilungen über die Verhaftung Dreyfus zu machen, was auch geschieht. Labori fragt dann nach jener italienischen Dame, die dem Generalstabe Mitteilungen lieferte. Cordier entgegnet, es hätten Verbindungen mit vielen italienischen Damen bestanden, diejenigen, die den Generalstab bedienten, seien nicht sehr raffiniert gewesen. Die Dokumente seien wertlos gewesen. Major Lauth verlangt das Wort und sucht Cordiers Aussage in verschiedenen Punkten zu bemängeln. Er bestreitet z. B., daß das Bordereau erst am 24. September eingeliefert worden sei. Cordier bleibt bei seiner Behauptung. Lauth sagt weiter, man habe den Generalstab antisemitischer Gesinnungen beschuldigt. Im Jahre 1894 habe es nur einen Antisemiten dort gegeben, und das sei Cordier gewesen. Cordier entgegnet, er sei Antisemit, weil einmal in einer Streitsache ein jüdischer Gerichtsvollzieher am Sonntag bei ihm gepfändet habe, aber sein Antisemitismus sei niemals so weit gegangen, daß er gegen einen unschul- bigen Offizier Zeugnis abgelegt hiitte, blos weil er ^ube fei Er sei ein ehrlicher Munn, wenngleich Antisemit.
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Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
(Bravorufe im Saal.) Major Lauth erklärt weiter, Cuers habe französisch schreiben, aber nicht sprechen können. Auch Cordier könnte z. B. vorzüglich deutsch schreiben (Cordier lehnt dies ab), aber nicht reden. Lauth verliest dann einen Brief, in welchem Henry sich erfreut darüber ausspricht, daß Picquart Sandherrs Nachfolger gewesen sei. Labori verlangt den Brief zu sehen. General Löget verlangt das Wort. Er spricht von Lemercier-Picquart, dessen richtiger Name Moses Lehmann gewesen sei. Derselbe wurde bekanntlich 1898 in einem Gasthause in Thionville erhängt aufgefunden. Roget erzählt, daß man bei Lehmann den Brief eines Arztes gefunden habe, welcher lautet: Sagen Sie dem Untersuchungsrichter nichts, das Geld ist für Sie bereit. Der Arzt fei vernommen worden, habe aber geleugnet, daß er der Verfasser des Briefes sei. Man habe dann Lehmann für ein Generalstabswerkzeug ausgegeben, er habe ja auch wiederholt seine Dienste angeboten, sei aber als Schwindler erkannt und abgewiesen worden. Gleich dem General Mercier bleibt Roget dabei, daß der Bourger Verrat erst 1896 konstatiert worden sei. Diese Aussage richtet sich gegen die Behauptung Freystätters. Zeuge Roget bekundet weiter, ihm seien nur zwei Beweise für die Fortdauer des Verrats nach der Verurteilung Dreyfus' bekannt. 1896 habe eine ausländische Persönlichkeit dem französischen Generalstab Dokumente angeboten, die der deutsche Generalstab erhalten hatte, sowie die Mitteilung, wie er sich dieselben verschafft hätte. 1895 sei dem französischen Generalstab eine Note aus dem Besitz des deutschen Generalstabes über die französische Mobilisation zugegangen. Die Note habe bewiesen, daß der deutsche Generalstab über alle Vorgänge in der französischen Armee auf dem laufenden erhalten sei. Diese Notiz war aus dem Jahre 1894, und habe nur von jemand herrühren können, der zum französischen Kriegsministerium gehörte.
Zeuge Oberst Fleurs sucht Cordier zu verdächtigen, wird aber stets von Cordier widerlegt.
Dreyfus bittet ums Wort. Er sagt, er habe mit dem Mobilmachungsplan nie etwas zu thun gehabt.
Um 9 Uhr 40 Min. tritt die übliche Pause em.
Um 10 Uhr wird Freycinet als Zeuge aufgexufen. Er bekundet über die Behauptung, daß aus Deutschland und England für die Dreyfus-Campagne 36 Millionen Francs eingegangen seien. Als ich vom Kriegsministerium zurücktrat, empfing ich den Besuch des Generals Jamont. Wir plauderten über alles, auch über den Dreyfus-Preßfeldzug. Wir tauschten unsere Ansichten aus. Ich kenne keine Details, aber nach der Berechnung der Personen, welche über diese Publizitätskosten auf dem laufenden waren, haben dieselben 36 Millionen betragen. Nunmehr stimmt Zeuge einen weinerlichen Ton an und bittet seine Landsleute, der Dreyfus- sache ein Ende zu bereiten. Er sagt: Nehmen wir das Urteil des Kriegsgerichts an, möge es ausfallen, wie es wolle. Freycinet erklärt noch, er nehme keinen Anstand, zu erklären, daß Scheurer-Kestner, der eine große Rolle in dieser Affaire gespielt, sein Freund sei, und daß er die größte Achtung vor ihm habe. # .
Redakteur Galli sagt aus, daß die erste Indiskretion sehr wohl von Cordier sein könnte, was dieser entschieden zurückweist. . _ „ . .
Es beginnt noch der Sachverständige Belhomme seinen Vortrag, worauf um 11% Uhr der Prozeß auf morgen vertagt wird._________________
Deutsches Reich.
Berlin, 29. August. Der Kaiser nahm heute auf der Fahrt nach Zehdenick den Vortrag des Chefs des Militär- kabinetts, Generals v. Hahnke, entgegen.
Berlin, 29. August. Die Kaiserin wird, tote verlautet, sich mehrere Monate hindurch eine sorgfältige Schonung ihres kranken Fußes wegen auferlegen müssen, der in der letzten Zeit überanstrengt worden zu sein scheint, sodaß sich jetzt nachteilige Folgen bemerkbar machen. Dr. Juncker hat auch die heutige Nacht im Neuen Palais verbracht.
Berlin,29.August. Reichskanzler Fürst Hohenlohe gedenkt sich heute abend auf kurze Zeit auf sein Gut Werkt in Rußland zu begeben. o A .
Berlin, 29. August. Schluß des Landtages. In der heutigen Sitzung der vereinigten Hauser des Landtags gab der Minister Fürst Hohenlohe nach Verlesung der Allerhöchsten Botschaft wegen Schlusses des Landtages nachfolgende Erklärung ab: „
Meine Herren! Am Schlüße dieser ungewöhnlich langen und arbeitsreichen Session ist es mir Bedürfnis, Ihnen namens


