Donnerstag den 31. August
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Amts- und Anzeigeblatt für den Kwis Gieren
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Urteil bewahrte, muß gestehen: Die Monarchie bietet für uns bessere Garantien als die Nepublick. Dort drüben sind die Menschen wahrhaftig auch keine Engel. Wir Bauern muffen sein und bleiben: Gut kaiserlich, gut national!
Das war der deutsche Bauernstand früher fast durchweg, und er ist es in seiner großen Mehrheit heute noch. Zu bedauern ist nur, daß sich so viele seiner Glieder als gleichgiltig zurückgezogen haben, und andere in Gefahr sind durch diese fortgesetzten Vorspiegelungen sich irre sühren zu lassen. Dieses Hebel ist so gefährlich, daß man mit vollem Recht sagen könnte: „Der schlimmste Feind des Bauernstandes ist die Lauheit im eignen Lager!" Teile und herrsche! Das war und ist die Taktik der Gegner des Bauernstandes und des Liberalismus. Erst trennte man den reichstreuen Haufen durch den Kampf um die Konfession, um Rom, dann folgte der Sozialismus und schließlich der Antisemitismus. Was war die Folge? Der Einfluß des Bürgertums, des Bauernstandes wurde dadurch wesentlich geschwächt, etwas Besseres kam nicht nach, und den Hauptschaden trug der Bauer. Es hat sich gezeigt, daß That- sachen mächtiger sind als Ideen einzelner Parteiführer. Wie es mit dem von der sozialdemokratischen Partei ausgearbeiteten Agrarprogramm steht, ist bekannt. Wo den Bauer der Schuh drückt, weiß niemand besser als er selbst. Es klingt doch lächerlich, wenn eben wieder Sozialdemokraten, die von ihrer Schulzeit an nichts getrieben haben als Cigarren gewickelt u. dgl., den Landwirten int Odenwalde zeigen wollen, wie ihnen zu helfen sei. Wir Deutsche haben dafür aus früheren Zeiten das Sprichwort: Schuster bleib' bei deinem Leisten!" Gut und Blut der hessischen Bauern sind doch für solche unsicheren Experimente zu kostspielig.
Was hat nun der Landwirt zu thun, um als Staatsbürger seine Interessen geltend machen zu können? Vor allem muß er bei der Wahl seine Stimme mit in die Wagschale werfen. Doch das genügt noch nicht. Jederzeit muß er den Mut haben und es der Mühe wert finden, seine Ansicht frei und offen auch vor Gegnern auszusprechen. Er hat die Verpflichtung, in seinem Kreise für die Interessen seines eigenen Standes zu wirken und dies nicht dem Parteivorstande zu überlassen, der alle paar Jahre einmal sich zeigen kann. Hilf dir selber, so hilft dir Gott! Bei den Reichstagswahlen gehen die Wahlkreise in der Regel nicht deshalb verloren, weil die sozialdemokratisch Gesinnten die der übrigen an Zahl übertreffen, sondern weil das Bürgertum zersplittert und zu bequem ist, um, wenn es gilt, seine Sache energisch zu vertreten. Durch das Heberhandnehmen der Sozialdemokratie werden mit den Interessen des Grundbesitzers auch die des Kleinbauers, des Kaufmannes, des Handwerkers, Händlers und des ländlichen Arbeiters geschädigt. In Stadt und Land bestehen heute zwischen den verschiedenen Ständen noch enge Beziehungen und gemeinschaftliche Interessen, die die Grundlage bilden müssen für die Parteipolitik des liberalen Bürger- und Bauernstandes. Vollständig verkehrt ist das einseitige Betonen rein agrarischer Interessen, doch davon später. Hierdurch wurden an vielen Orten weite Kreise der Handwerker und kleinen Kaufleute unnötiger Weise dem Bauernstand entfremdet, ja, nicht selten in Masse zur Wahlenthaltung gebracht. Wer in einer Gesellschaft, in einer Gemeinde mit beraten will, darf nicht den eigenen Vorteil als Hauptsache im Auge haben. So auch int Staate. Große Parteien bilden sich nur auf länger bleibenden Grundlagen. Auch in Hessen wird es sich immer mehr zeigen, daß der Bürger- und Bauernstand seine Interessen nur wahren kann in der Partei, die sich seit mehr denn vierzig Jahren ruhig entwickelte und dauernd behauptete gegen den seinen Höhepunkt erreichten Sozialismus. Der hessische Bauernstand ist und bleibt für absehbare Zeit national und liberal, wenn nicht, so gräbt er sich sein eigenes Grab!
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Deutsches Reich.
— Zum Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs schreibt man: Noch steht in Preußen ein nicht unwesentlicher Teil der Gesetze, welche in Verfolg des Inkrafttretens des Bürgerlichen Gesetzbuchs und der zugehörigen Neichsgesetze notwendig sind oder zweckdienlich erscheinen, aus und es wäre Vermessenheit, anzunehmen, daß der gewaltige neue Rechtsstoff sämtlichen zur Rechtsübung berufenen Organen in Fleisch und Blut am 1. Januar 1900 übergegangen sein wird. Unter solchen Umständen dürfte
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Di« Gießener A-mttte»Otttter nxrbm bem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt.
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Vermischtes.
* 15. deutscher Kongreß für erziehliche Knaben Handarbeit zu Karlsruhe. Der seit dem Jahre 1881 bestehende deutsche Verein für Knaben-Handar beit, der zahlreiche Städte, Vereine und Einzelpersonen zu seinen Mitgliedern zahlt, übernimmt es bereits zum 15. Male, vom 30. September bis 2. Oktober eine allgemeine Versammlung seiner Freunde
es als erste Ausgabe der Verwaltung zu betrachten sein, die Erreichung dieses idealen Zieles soweit wie möglich zu erleichtern und zu befördern. Von diesem Gesichtspunkt aus ist die bisher erfolgte Zuweisung von Hilfskräften an verschiedene Gerichte zu betrachten; durchgängig ist dies freilich nicht geschehen, selbst große Gerichte entbehren der Hilssarbeiter, wohl auch die Staatsanwaltschaften. Kaum glaublich klingt eine Zeitungsnachricht, daß einzelnen alten Richtern hinsichtlich ihres Ausscheidens am 1. Januar Schwierigkeiten gemacht würden, weil sie ja Schöffenrichter bleiben könnten. Als wenn solche Richter vom Zivilrecht nichts verstehen müßten und dasselbe nicht anzuwenden hätten; wie oft bildet z. B. ein Wege- ober Eigentumsstreit des zähe an seinem Grund und Boden hängenden Bauern den indirekten Gegenstand einer schöffengerichtlichen Ent^ scheidung. Um das „Versauern" im Strasrecht zu verhüten, war früher ein zeitweiser Wechsel in der Beschäftigung der einzelnen Mitglieder eines Gerichts angeordnet; jetzt würde man mit jener Motivierung, wenn sie wahr wäre, das Gegenteil zum Grundsatz erheben und Strafrichter belassen, denen das Zivilrecht unbekannter Boden wäre. Von wesentlicher Bedeutung für die Rechtsübung wird somit auch in Zukunft die Geschäftsverteilung fein und es kann im Interesse der besseren Anwendung des Rechts nicht Wert genug darauf gelegt werden, daß besonders in den ersten Jahren die Geschäfte sachgemäß, d. h. an bie für bie einzelnen Materien geeignetsten Mitglieder zugewiesen werden. Bisher fand die Verteilung vor Ende des alten Geschäftsjahres statt; in dieser Beziehung wird es sich empfehlen, die Verteilung so zeitig als möglich zu bewirken, damit jeder in der Lage ist, bie ihm zufallenden Materien in erster Reihe eingehend zu studieren. Anfang Oktober müßten überall die Geschäfte für bas Jahr 1900 bereits verteilt fein, unb zwar nicht nur für bie Richter, fonbern auch für bie Bureaubeamten.
Ausland.
Wien, 29. August. Von geschätzter Seite wirb ber „Nat.-Lib. Korresp." geschrieben: Von ber zunehmenben Wiberstanbskraft ber Deutschböhmen in ber Abwehr ber Tschechen geben bie Verhältnisse bes „Bunbes ber Deutschen in Böhmen" eine interessante Vorstellung. Der Verein ist im Jahre 1898 von 30000 auf rund 50000 Mitglieder gewachsen und zugleich um 190 Ortsgruppen. Zugleich betreibt er, um die Beiträge der Mitglieder, die oft recht kleine Leute sind, zu vermehren, den Verkauf von allerlei Bundesartikeln, nämlich Ansichtskarten (106 725 Stück in einem Jahr), Telegramm-Ersatzbriefen, Zündhölzchen, Bleistiften, Liederbüchern, woher sich der Reingewinn auf mehr als 12000 Kronen stellte. Die Hilfe, die er den Landsleuten gewährt, ist zum großen Teil eine wirtschaftliche; er versorgt deutsche Arbeitgeber mit deutschen Arbeitern, Lehrlingen und Dienstboten, vermittelt Grundbesitzkäufe und Pachtungen, weist deutsche Bezugsquellen und Absatzgebiete nach. In zweiter Linie schafft er deutsche Büchereien (62 neue int letzten Jahr, mit 10000 Büchern), gibt Weihnachtsunterstützungen und versorgt eine ganze Anzahl deutscher Waisenkinder in einer eigenen Waisenansiedlung. Kurz, er thut alles, was ein lokaler Verein, und nur ein solcher, thun kann, um unfern Landsleuten in den tausend Einzelkämpfen, in die sich ein nationaler Krieg immer auf* löst, beizuspringen, während für die größern Abwehrmittel, für die Erhaltung deutscher Schulen und Kindergärten, der deutsche Schulverein in Wien und in Berlin da ist. Ganz ähnlich wie dieser Bund der Deutschen in Böhmen, der in Prag seinen Sitz hat, wirkt der deutsche Handwerkerverein (auch in Prag), der Böhmerwaldbund (Budweis), der Bund der Deutschen in Ostböhmen (Braunau) u. a. Nur durch das Retz von Vereinen, das sich über das ganze Land spannt, vermögen sich die Deutschböhmen gegen den Terrorismus der tschechischen Massen und die Ungunft der Behörden zu behaupten, wobei sie zu einer nationalen Opferwilligkeit erzogen werden, vor der sich viele Reichsdeutsche, die ihrem Ringen noch gleichgiltig zuschauen, schämen müssen. „K. Z."
Der Bauer und die Sozialdemokraten.
Der „Darmft. Tägl. Anz." schreibt:
Kaum stehen wir wieder vor den Landtagswahlen, so beginnt auch schon die Agitation der sozialdemokratischen Partei unb zwar in nicht weniger als neun Wahlkreisen mit meist lanbwirtschafttreibenber Bevölkerung. Es ist deshalb am Platze, sich einmal mit der Frage zu beschäftigen: Kann ein vernünftiger Bauer einen Sozialdemokraten wählen? An welchem Seil zieht der Sozialist? Unb an welchem muß ber Lanbwirt ziehen aus eigenen Interessen? Mancher Bauer ist unzufrieden mit seiner Lage, ber Kleinbesitz trägt nicht soviel ein, als man heute zur Unterstützung einer Familie nötig hat. Es fällt bem Kleinbauer immer schwerer, sich zu behaupten gegen den Großgrunbbesitz, ber mehr mit Maschinen unb beshalb billiger arbeiten kann, unb gegen bie Industrie, bie viel höhere Löhne zahlt. Was ist hier bas Klügste? Mit ben Sozialdemokraten zu sagen: bie kleinen Bäuerchen unb bie Handwerksmeister müssen zugrunde gehen, es ist ihnen nicht zu helfen, — oder auf Mittel und Wege zu sinnen, um diesen hunderttausenden von tüchtigen, fleißigen Familien auf bessere Wege zu helfen und ihre Interessen im Staatswesen ruhig, sachlich, energisch und mit Ausdauer zu wahren? Unstreitig das letztere! Die Vernichtung der Kleinbauern, die unserem Volke Millionen kräftiger, gesunder Söhne liefern, und die mit so tiefer Liebe an der heimischen Erde und der deutschen Nation hängen, es wäre ein höchst beklagenswerter, nie zu ersetzender Verlust für unser Reich. Jemehr der einzelne das Mißliche seiner Lage selbst zu fühlen hat, desto kräftiger sei sein Bestreben, in der Gesellschaft, in der Partei, im Staate mit teilzunehmen an der Geltendmachung unb ber Förberung seiner Standes- interessen. Aber sich aus Unzufriebenheit zurückzuziehen aus bem politischen Leben, ben Schrnolleuben zu spielen, den Gleichgiltigen, ober gar in seiner Kurzsichtigkeit einen Gegner seiner eigenen Interessen, einen Sozialbernokraten, zu wählen, bas ist bas Verkehrteste, was ein Lanbwirt heute thun kann, denn damit schneidet er sich in das eigne Fleisch, damit bringt er sich eine Schlappe bei, die seine Gegner gehörig ausnutzen.
Jeder Hesse, der auch nur notdürftig die Verhandlungen des Reichstags und des hessischen Landtages liest, weiß längst, daß die sozialdemokratische Partei in erster und letzter Linie vertritt die Interessen der Fabrikarbeiter. Unb auf wessen Kosten? Natürlich auf Kosten der Arbeitgeber, der Bauern ,der Handwerksmeister aus Stadt und Land, der Handelsleute u. s. w. Hört man so manchen dieser jetzt wieder im Lande umherreisenden Agitatoren, so könnte man glauben, außer ben sogenannten Arbeitern gäbe -s gar keine Leute mehr, bie etwas schaffen würben. Unb
■' doch, daß auch ein Bauer, einer jener viel gehaßten Arbeit- jr gebet, etwas Greifbares „leistet" das kann eigentlich niemand besser beurteilen, als eben der Bauer, der zurzeit mitten in der Arbeit steht, dem sie gerade dieses Jahr über,,
[ ben Kopf wachsen will", — es fehlt ihm leider an „Arbeitern."
Daß der Bauer sich gerade eben in der Wahlzeit, in . der Agitationszeit bei seinen Erntearbeiten sauer quälen muß, sodaß ihm die „Rippen krachen" und „der Schweiß aus allen Knopflöchern bricht", das weiß er am besten. Wenn ein Stand von „Wind und Wetter" so abhängig ist, wenn seine Haupteinnahme in so wenig Tagen vernichtet sein kann, wie in der Landwirtschaft, so ist er gezwungen zu arbeiten unb für bie Sicherheit seines oft sauer erwor- > denen Besitzes zu sorgen.
Wenn irgenb jemanb Ursache hat, ein Gegner ber Heutigen Sozialdemokratie zu fein, fo ist es der c Landwirt, dessen Verhältnisse keine unsicheren Manöver vertragen, der am besten geborgen ist unter einer Reichs- :■ Politik im Bismarck'schen Geiste, die bei Sicherung des Nationalvermögens durch ein tüchtiges Heer die volle Ent- jaltung der Kräfte, die freie Entwickelung des einzelnen wie großer Organisationen ermöglicht. Es wird leider ; nicht überall gewürdigt, daß gerade durch die Weltmachtspolitik unseres Kaisers, die so sehr von den Sozialdemokraten bekämpft wird, unsere deutsche Industrie immer neue Absatzgebiete findet, dadurch mehr Menschen beschäftigt und ernährt und der deutschen Landwirtschaft Millionen kaufkräftiger Abnehmer im eigenen Staate garantiert werden. Vergleichen wir unsere Verhältnisse mit denen unserer westlichen Nachbarn, ja selbst mit denen der auch nicht auf Itofen gebetteten nordamerikanischen Farmer, so müssen wir saigen: Ob Krieg, ob Frieden — die Internationale ist nicht unser Heil! Ein deutscher Bauer der sich ein ruhiges
4199 uheim soll vor.
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