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fit. 203 Erstes Blatt. Mittwoch dm 30 August 18»«
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HmtlicherTeil.
Nr. 38 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 24. d. M., enthält:
Nr. 2614: Verordnung, betreffend Beschränkungen der Einfuhr aus Portugal. Vom 22. August 1899.
Gießen, den 28. August 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Prozeß Dreyfus.
Neunes, 28. August.
Das Kriegsgericht nahm die Verhandlung heute früh 63/t Uhr wieder auf. Der am Samstag unterbrochene Zeuge Javol, welcher das System Bertillons als völlig unrichtig bezeichnet, macht mit seiner Aussage auf die Mitglieder des Kriegsgerichts sichtbaren Eindruck. Der Zeuge giebt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß die Schrift Esterhazys nicht einer gründlichen Untersuchung «nterzogen worden sei. Die Schrift des Bordereaus sei eine natürliche und keine verstellte.
Auch der Zeuge, Grubeningenieur Bernard unterzieht das System Bertillons einer längeren Kritik und versucht, den Mitgliedern des Kriegsgerichts die Fehler in den Beweisen Bertillons klar zu machen und kommt ebenfalls zu dem Schluß, daß die Schrift des Bordereaus eine natürliche sei. An der Hand photographischer Aufnahmen beweist er alle Fehler, welche Bertillon in seinen Aufzeichnungen gemacht habe. Der Schriftkundige von 1894 Teyssinieres bekundet, daß er seinen Bericht von 1894 in seiner Gesamtheit aufrecht erhalte. Die Schrift des Bordereaus sei von derselben Hand wie diejenige der bei Dreyfus beschlagnahmten Vergleichsstücke. Weiter erklärt Zeuge, daß er niemals das Schriftstück, welches Dreyfus nach Diktat geschrieben, gesehen habe. (Große Bewegung.) Nunmehr wird dem Zeugen das Dokument gezeigt, mit der Aufforderung, dasselbe mit dem Original-Bordereau zu vergleichen. Zeuge ist hierzu bereit, sagt aber, daß er wenigstens drei Tage dazu gebrauche. Zeuge wird nunmehr einem Kreuzverhör unterworfen, welches ihn manchmal so ins Gedränge bringt, daß ihm der Angstschweiß ausbricht. Auf eine Frage des
Verteidigers Demange über seine Arbeitsgewohnheiten ruft der Zeuge: Hier bin ich Zeuge, morgen kann ich vor einem anderen Gericht Angeklagter sein. Ich . . . Vorsitzender Jouaust: Nicht davon sprechen Sie, sondern nur über die Schriftproben. Der Zeuge entfaltet ein Zeitungsblatt und sagt, man hat mich angegriffen. Vorsitzender heftig auffahrend: Davon kein Wort. Nachdem Zeuge noch weitläufig über die Form der einzelnen Buchstaben gesprochen und behauptet hat, daß die Schrift nur von Dreyfus sein könne, wird nach einer kurzen Pause der Autographen- Händler Charavay vernommen. Derselbe sagt aus: Er habe 1894 zwischen dem Begleitschreiben und der Schrift Dreyfus Aehnlichkeiten und Verschiedenheiten gefunden. Erstere seien zahlreicher gewesen als letztere und er habe sein Gutachten dahin abgegeben, daß das Begleitschreiben wohl von Dreyfus sein könne. Im Jahre 1897 habe er zum ersten Male die Schrift Esterhazys gesehen. Eine Vergleichung habe ganz unzweifelhaft erkennen lassen, daß Esterhazy das Begleitschreiben geschrieben habe und nicht Dreyfus. Er Zeuge sei froh, daß er hier seinen Irrtum eingestehen könne. Der Vorsitzende fragt den Zeugen, wie lange er Esterhazys Briefe in Händen gehabt habe, um sich eine Meinung über sie zu bilden. Der Zeuge erwidert, lange genug, um von ihrer Übereinstimmung mit dem Begleitschreiben überzeugt zu sein. Verteidiger Demange bittet hierauf den Zeugen um eine Erläuterung über das M. in dem Worte Madagaskar. Zeuge bekundet, daß dieses M. nicht dasjenige von Dreyfus sei.
Der nächste Zeuge ist der Schriftkundige Pelletier, der schon 1894 erklärte, Dreyfus sei nicht der Autor des Bordereaus. Heute erklärt er wiederum, das Bordereau sei in normaler natürlicher Schrift geschrieben. Die Schrift sei nicht diejenige von Dreyfus, wohl aber finde er Aehnlichkeit mit der Schrift Esterhazys. Es folgt nun die Vernehmung der drei Experten des Esterhazy-Prozesses. Der erste ist ein Herr Couard, der dabei bleibt, daß das Bordereau nicht von Esterhazy sei. Das Bordereau zeige eine zögernde Schrift und es könne sein, daß der Schreiber versucht habe, seine Handschrift zu verstellen. Schriftkundiger Varinard bleibt gleichfalls dabei, daß Esterhazy das Begleitschreiben nicht angefertigt habe. Auf die Frage des Präsidenten, ob Dreyfus etwas zu bemerken habe, konstatiert derselbe, daß fast alle Experten erklärt haben, das Bordereau sei nicht
von ihm. Regierungs-Kommissar CarriSre beantragt, da die versprochene schriftliche Aussage Dupatys nicht eingetroffen ist, diesen kommissarisch vernehmen zu lassen. Um 11 Uhr 40 Min. wird der Prozeß alsdann vertagt. — In der heutigen Pause erschien Kapitän Freystätter im Hofe des Lyceums und bat Picquart vorgestellt zu werden. Beide schüttelten sich die Hand. Freystätter sagte zu den Umstehenden: Ich bin glücklich, daß ich diesem Manne die Hand schütteln kann.
Deutsches Keich.
Darmstadt, 28. August. Wie man der „Darmstädter Ztg." aus Jagdschloß Wolfs gart en meldet, waren zum gestrigen Luncheon bei den Allerhöchsten Herrschaften Sir Lascelles und Sir Stephen geladen.
Berlin, 28. August. Der Kaiser hörte gestern nach dem Gottesdienst im Neuen Palais den Vortrag des Chefs des Civilkabinetts v. Lucanus. Zur Abendtafel war u. a. Staatssekretär Graf v. Bülow geladen, dessen Vortrag der Kaiser nach der Abendtafel hörte. Heute morgen empfing der Kaiser zum Vortrag den Chef des Civilkabinetts mit dem Stadtbaurat Hoffmann, welcher die Entwürfe zu dem projektierten Neubau des märkischen Provinzialmuseums vorlegte. Später hatten der Staatssekretär Tirpitz und der Chef des Marinekabinetts, Freiherr v. Senden-Bibran Vortrag.
Berlin, 28. August. Das Befinden der Kaiserin läßt noch zu wünschen übrig. Soweit bekannt geworden, handelt es sich um das Fußleiden, welches sich die Kaiserin bei ihrem Berchtesgardener Aufenthalt infolge des Sturzes zugezogen hat. Die hohe Patientin hat seit vorgestern nicht das Zimmer verlassen. Generalarzt Dr. Zuncker, der Leibarzt der Kaiserin, ist wiederholt nach dem Neuen Palais berufen worden-und hat auch dort die letzte Nacht verbracht. Irgendwelche Bedenklichkeit im Befinden liegt jedoch erfreulicherweise nicht vor.
Berlin, 28. August. Die „Voss. Ztg." meldet aus Nürnberg: Ein auf dem Kontinent sich aufhaltender englischer Diplomat teilte mit, die Veröffentlichung der Verträge mit Portugal wegen dessen ostafrikanischen Besitzes stehe in den nächsten Tagen bevor. Der Norden des portugiesischen Ostafrika werde deutscher, die Delagoa-Bai englischer Besitz,
Feuilletan.
Arankfurter Irief.
Originalbericht für den „Gießener Anzeiger".
(Nachdruck verboten.)
Der Festakt, veranstaltet vom freien deutschen Hochstift und der Goethe-Gesellschaft.
Dr. M. Es war eine wirklich erlesene Gesellschaft, die sich Montag um 11 Uhr in den Räumen des Saalbaues zur „Akademischen Feier" eingesunden hatte. Denn bei dieser Gelegenheit kam es nicht darauf an, wie bei einer Theaterpremiere, wer den höchsten Preis für seinen Platz zahlen könne, sondern die Kartenverteilung war hauptsächlich solchen zu gute gekommen, die wissen, was sie an Goethe haben und bemüht sind, zu immer tieferer Kenntnis seines Wesens zu gelangen. Um 11 Uhr wurden die Thüren dem harrenden Publikum geöffnet. Trotz der großen Kartennachfrage war dennoch eine Anzahl Plätze und zwar solche, die man in der ersten Hälfte des Saales reserviert, mindestens 50, unbenutzt geblieben.
In die rechte weihevolle Stimmung führte sofort das herrliche Lied „Gesang der Geister über den Wafsern", zu welchem Franz Schubert die congeniale musikalische Fassung, für achtstimmigen Männerchor mit Begleitung von Bratschen, Violoncellen und Contrabässen, gefunden hat. Der Sängerchor des Lehrervereins, der im Konzertleben Frankfurts einen sehr ehrenvollen Platz' behauptet, führte unter Leitung seines vortrefflichen Dirigenten W. Fleisch und unter Mitwirkung',der verstärkten Palmgarten-Kapelle die Kompositon schwungvoll "durch.
Die Reihe der Begrüßungen eröffnete Herr Oberbürgermeister Adickes, der zunächst der Kaiserin Friedrich, die mit zwei Prinzessinnen und kleinem Gefolge in der Loge rechts vom Rednerpodium saß, seinen Dank für ihr Erscheinen sagte und sodann die übrige Festversammlung begrüßte, die Vertreter der Stadt, der Goethe-Gesellschaft, die Abgesandten der deutschen Hochschulen, von welchen zwölf zur Stelle waren.
Hierauf sprach der Vertreter des „Freien deutschen Hochstifts", mit Freude hervorhebend, daß es gelungen sei, die beiden großen Goethe-Vereine zu gemeinsamer Feier in schönem, harmonischen Bündnisse zu bewegen. Er gedachte der Thatsache, daß der von Goethe angestrebte Begriff einer „Weltlitteratur" immer mehr an Boden gewönne, daß auch zu dieser Frankfurter Feier das Ausland, England und Oesterreich, seine Vertreter entsandt habe.
Herr Geheimrat R u h l a n d aus Weimar dankte sodann im Namen der „Goethe-Gesellschaft", worauf er unter lebhaftem Beifall des Auditoriums ein längeres Begrüßungstelegramm des Großherzogs von Sachsen-Weimar verlas, in welchem es u. a. heißt: „Die Traditionen meines Hauses und meine eigenen Gefühle machen es mir zur Pflicht, im Geist dieser hehren Feier beizuwohen." Das Weimarer Kultusministerium und die gelehrten Gesellschaften daselbst, wie Goethe-Museum, Bibliothek, Goethe-Archiv hatten gleichfalls sympathische Grüße geschickt.
Im Namen der deutschen Hochschulen sprach noch ein Jenenser Professor, betonend, daß gerade die Universität Jena, mit der Goethe bis zu seinem Lebensabend rege Fühlung unterhielt, ein doppelt inneres Anrecht an dieser Feier hätte.
Etwa um 12V4 Uhr kam das Wort an den eigentlichen Festredner, Professor Dr. Erich Schmidt aus Berlin. Derselbe ist ein hochgewachsener, schlanker, breitschulteriger Herr, gerade in der Fülle seiner Kraft. An den Schläfen ist das Haar leicht ergraut. Mit freier Haltung tritt er auf das Podium, seine Stimme ist kräftig, wohllautend und füllt ohne Mühe den weiten Raum, der eigentlich mehr für Konzertzwecke geschaffen ist. Man könnte sich den Mann ebenso gut auf der politischen Rednerbühne denken.
Er sprach über „Goethe und Frankfurt". Die allgemeinen Gesichtspunkte überwogen natürlich in dieser Festrede, in der es ja weniger darauf ankommt, neues, noch nicht dagewesenes zu bringen, als bekanntes in schöner Rundung und mit innerer Wärme zu einem wohlthuenden Bilde zusammenzufügen.
Erich Schmidt zeigte, wie in den damals immerhin großen Verhältnissen der ehemaligen Reichsstadt, früh in dem jungen Goethe der Sinn des Historikers erwachen mußte, der uns dann den „Götz" bescherte, wie der innere und äußere Zusammenhang mit der Vaterstadt wie für den Menschen so auch für den Dichter nie aufgehört habe, wie der letzte Aufenthalt in Frankfurt Goethen den winterlichen Rauhreif von der Seele fortgeblasen und ihn wieder in ein lebendiges Verhältnis mit den poetischen Anfangsgebilden des „Faust" versetzt habe. Die scharfe Kluft, welche ältere Biographen zwischen dem Frankfurter und Weimarer Goethe aufrichten zu müssen glaubten, bestehe in der Wahrheit nicht. Auch auf Goethes Vater warf die Rede einige interessante Streiflichter. Die Tage, da dieser halb und halb als ein Hemmnis auf dem Pfade seines genialen Sohnes betrachtet wurde, sind längst vorüber, die neue Forschung wird diesem Manne gerechter. Dr. Prof. Erich Schmidts Rede klang aus in ein Hoch auf die Stadt Frankfurt a. M. Der zweite Festredner war der stille und bedächtige Goetheforscher Professor Dr. Veit Valentin in Frankfurt, der sich mit seinem Thema: „Natur und Kunst bei Goethe" eine philosophisch geartete Aufgabe gestellt hatte, indem es ihm darauf ankam, nachzuweisen, daß der Prozeß, welcher in der Natur die einfachsten Grundkeime lege, der nämliche sei, der in der Kunst aus natürlichen Elementen (wirklichen Erlebnissen) ideale Schöpfungen, nach ihrem eigenen inneren Gesetze Hervorrufe. Auch in der Kunst walte wie im Leben der Natur, die „Umbildung", die „Metamorphose". Ein beliebtes Kunstmittel sei es bei Goethe, das wirkliche Erlebnis, das Elementare, dadurch zu heben und in seiner Wirkung zu steigern, daß er es in eine andere Umwelt versetze, z. B. das, was sich unter nordischem Himmel zugetragen, in südlicher Zone zum Kunstgebilde reifen lasse.
Den Beschluß der erhebenden Feier machte „Maho- mets Gesang", den Lothar Kemptner zu machtvoll anschwellender Tonflut für Männerchor und großes Orchester verarbeitet hat.


