1S99
Dienstag den 3<i Mai
Erstes Blatt.
Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis Gieren.
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A4»kstr«ße Nr. 7.
Militärpflichtigen;
die von der Ersatz-Kommission als tauglich und einstellungssähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich derjenigen aus früheren Jahrgängen;
e. die von den Truppenteilen zur Disposition der
der Bevölkerung. , „
Landesrat Meyer-Berlin spricht über bte finanziellen und rechtlichen Träger der Heilstättenunternehmungen. Redner erweist zunächst aus der großen Zahl der vorhandenen Lungenkranken das Bedürfnis der Einrichtung von Heilstätten und erörtert den Umfang der dazu nöligen Mittel. 50 000 Personen sind in solchen Anstalten jährlich unterzubringen. Rechnet man nur 4 Mark für den Tag Unkosten auf den Kopf, so werden Summen von 37 Millionen Mark erforderlich. Derartige Ansprüche können Bereinigungen Privater nicht mehr erfüllen.
Hebet die Mitwirkung der Krankenkaffenärzte bei der Heilstättenfürsorge sprach Dr. R. Friedberg, Vertrauensarzt der Zentralkommission der Krankenkassen Berlins. Die Arbeiterschaft verspricht sich erst eine vollständige Bekämpfung der Tuberkulose durch Gewährung vollkommenster Koalitionsfreiheit. Sie erkennt wohl an, was bisher geschehen ist, und will auch mitarbeiten an dem, was hier erstrebt werden soll. Von der Bevölkerung überhaupt sterben 33 v. H. an Schwindsucht, bei industriellen Arbeitern liegen die Verhältnisse noch viel ungünstiger; dort schnellt die Ziffer bis auf | 51 v. H. empor Jeder zweite Arbeiter stirbt dort also an Schwindsucht. Es gibt Berufe in Berlin, wie Tapezierer, Vergolder, wo bis zu 80 v. H. an Schwindsucht sterben. Und diese Zahlen drücken noch nicht den vollen Wert der Schwindsuchtsterblichkeit aus, da Alle, die an Rippenfellentzündung u. s. w. zu Grunde gehen, nicht mit aufgeführt werden.
Baurat Schmieden-Berlin sprach über die bauliche Herstellung von Heilstätten. Redner will, daß trotz aller Sparsamkeit und hygienischen Anforderungen die Anstalten doch mit einem gewissen Komfort für die Kranken hergestellt I werden sollen. Heilanstalten zu bauen ist billiger, als die I Anlage von Krankenhäusern.
Der nächste Redner, Stabsarzt Dr. Schultzen-Berlin, der frühere Leiter der Heilstätte Grabowsee, sprach über I Errichtung und Betrieb von Heilstätten und Heilerfolge.
Einen in sozialer Hinsicht besonders wichtigen Gegenstand behandelte als letzter Redner des Kongresses sein Generalsekretär, Stabsarzt Dr. Pannwitz, nämlich die I Fürsorge für die Familien der Kranken und die aus Heil- I stätten Entlassenen. Findet diese Fürsorge der Angehörigen I nicht statt, dann wird der Beginn der Kur in der Mehrzahl I der Fälle zu spät und ihr Schluß zu früh eintreten. Di^ I Sicherstellung der Angehörigen verschafft dem Erkrankten I das nötige seelische Gleichgewicht, von dem der Erfolg der Kur wesentlich abhängt. Die Befürchtung, daß seine Fa- I milie inzwischen verelenden, die Sorge, die Arbeitsstelle zu
zugeht;
die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen;
die zur Ersatz-Reserve in Vorschlag gebrachten
Hinu|nt Anzeige« z« der nachmittag- ffc b* Lag erscheinenden Nummer Hl vor». W Uhr.
Ersatz Behörden entlassenen Soldaten; I
f. die von den Truppenteilen abgewiesenen einjährig I
Freiwilligen.
Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden be> göitbeire Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, »clche den betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Soll; ug der Ladungen ist innerhalb 5 Tagen anzuzeigen. Sir Militärpflichtigen sind außerdem anzuweisen, ihreLosungs- gitimc mit zur Stelle zu bringen.
Die zur Beurteilung von Reklamationen in Betracht Almuden Personen, wie Eltern, Geschwister, haben eben- M zu erscheinen, ansonsten auf die betreffenden Rekla- aitwaeu keine Rücksicht genommen werden kann, was die chchh. Bürgermeister den betreffenden Reklamanten noch WiderS mitzuteilen haben.
Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ;ii iltr Grund hiervon berichtlich anzuzeigen und ist, wenn im Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weg- lypgcn ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist.
Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem llka-Ersatz-Geschäfte bis znm Schluß des gesamten Aus- lsidu iigs-Geschästs selbst anwesend zn fein, um bei der Unter- Minia von Felddienstuntauglichcn sowie Invaliden ev. Aus- !W geben zu können, auch haben sich dieselben darum zu Inickhen, daß die Militärpflichtigen, den Ladungen ent- tzreayend, eine Stunde vor Beginn des Geschäfts zur Stelle |iL uüchtcrn und reinlich gekleidet erscheinen und während iif Aushcbungsgeschäftes ein anständiges und ruhiges Ver- illdrn beobachten, was Sie denselben vor Abreise nach dm Mziclnen Aushebungs-Bezirken noch ausdrücklich eröffnen ■tollen.
Gießen, am 25. Mai 1899.
k-r Zivil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Kommission des Kreises Gießen.
Boeckmann.
Kongreß zur Bekämpfung der Tuberkulose.
Ueber die Behandlung der Schwindsucht mit Arznei- I Mitteln sprach Professor Kobert (Rostock). Er äußerte I sich dahin, daß es spezifische Heilmittel gegen die Schwind- I sucht z. Z. noch nicht giebt. Ein zweiter trauriger Satz von ebensolcher Richtigkeit ist, daß bei allgemeiner Tuberkulose keine einzige Art der Behandlung etwas nützt. Auch bei der sogen, galoppierenden Schwindsucht kommen wir I mit all unserer Behandlung meist zu spät; es läßt sich da I der Tod nicht einmal auf Wochen hinausschieben. Dagegen I ist der pharmako-nihilistische Standpunkt, daß kein Arznei- I mittel bei der Schwindsucht irgendwelchen Nutzen bringt, nicht mehr aufrecht zu erhalten. In der Bekämpfung der chirurgischen Tuberkulose ist z. B. das Jodoform em ausgezeichnetes Mittel. Auch die Behandlung der Gelenk- I tuberkulöse mit Schmierseife verdient Empfehlung. Gegen I die unaussprechlichen Schmerzen der Hals- und Darm- I tuberkulöse, namentlich in schweren Fällen, werden Narkotika I gar nicht zu entbehren sein. Auch mit künstlichen Nähr- | Mitteln und die Verdauung anregenden Arzneien (Kreosot, I
Leberthran, Albumosen, Kefir) läßt sich bei individualisirender Behandlung manches erreichen. Gegen die Verwendung der Fiebermittel hat sich neuerdings eine Strömung geltend gemacht, die behauptet, daß sie mehr schadeten, als nützten. Kobert hält diese Art der Naturheilmethode, die das Fieber im Körper nicht dämpfen, sondern austoben lassen will, für nicht berechtigt. Fieber schädigt immer das Körpergewicht. Allerdings sollen Fiebermittel erst dann benutzt werden, I wenn länoere Bett- und seelische Ruhe, Bäder u. s. w. das | Fieber nicht beseitigen. Das beste Fiebermittel ist das Pyramidon. Ein wirksames Mittel ist noch das Kampferöl.
I Es kräftigt das Herz und regt, wie die Zimmtsäure, eine heilkräftige Leucocytose an, wodurch die Ausheilung der kranken Stellen begünstigt wird. Als eigentliches Heilmittel kommen auch noch das Kreosot und seine Derivate in
I Betracht. „ ,
Professor Brieger spricht darauf über die Behandlung I der Tuberkulose mit Tuberkulin. Der große Rückschlag, I der den ersten Verheißungen bei Anwendung dieses Mittels gefolgt ist, war nicht berechtigt. Das Tuberkulin ist in der That ein spezifisch wirkendes Mittel. Aber da es aus I Tuberkelbazillen gewonnen wird, wirkt es nur auf reine I Tuberkulose, nicht aber bei Mischinfektionen. Die beginnende I Tuberkulose wird auch günstig durch das Tuberkulin beein- I stußt. Daß das Tuberkulin schadet und, allgemeine Tuber- I kulose verursachen könnte, ist nicht zutreffend.
Ueber klimatische Heilverfahren einschl. Seereisen verbreitete sich Sir Hermann Weber aus London. Bel der I Behandlung der Schwindsucht sei das Klima wohl wichtig, aber ohne ärztliche Ueberwachung ungenügend; die Behandlung in Heilanstalten verdiene den Vorzug; sie sei für die unbemittelten Klassen überdies eine Notwendigkeit
Ein alter Vorkämpfer der Freiluft- und Diätbehandlung, Dr Dettweiler (Falkenstein im Taunus) erhielt jetzt das Wort. Redner kann auf eine 20jährige Erfahrung und
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Wehener Anzeiger
Heimat-Anzeiger
Bekanntmachung.
Am Samstag dem 6. Juni d. I., vormittags 10 Uhr, findet im Lenz'schen Saale in der Bahn- sif'straße (Liebigstraße) die Generalversammlung des lüntowirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen mit nachstehender iMsordnung statt, zu welcher die Mitglieder des Vereins r.b alle Freunde der Landwirtschaft hiermit eingeladen ttd'ben. Etwa um 11 Uhr wird der untenerwähnte Vor- tragg stattfinden, zu welchem jedermann, der sich für die 8-cche intercssirt, eingcladen ist. Die Herren Bürgermeister Men dies in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen
r Auswahl,
lieber
Bekanntmachung.
Großh. Ministerium der Finanzen hat genehmigt, daß mit Rücksicht auf die verspätete Zustellung der Steuerzettel in der Stadt Gießer, die Frist zur Vorbringung von Reklamationen für die Stadt Gießen bis E«de Juli verlängert ist.
Gießen, den 27. Mai 1899.
Großh. Steuerkommissariat Gießen.
Bähr. ____
Bekanntmachung,
reti effeud: daS Ober-Ersatzgeschäft für 1899.$
Das Ober-Ersatz-Geschäft für 1899 wird im Kreise Niejffe«
Sreii ag, den 16. Juni im Rathause zu Sich, vormittags 8 Uhr,
Uaw Stag, de« 17. Juni daselbst, vormittags 8 Uhr, Mo» tag, de« 19. Juni in der Restauration „Zum
Lvnys Bierkeller", Schanzenstraße Nr. 18, zu Gießen, r ormittags 8 Uhr,
Devstag, den Lv.Juvi daselbst, vormittags 8 Uhr, Mittwoch, de« 581. J«ui daselbst, vormittags 8 Uhr, Donnerstag, de« 582 Juui im Gasthaus „Zum Rappen"
s.u Grüuberg, vormittags 8 Uhr, stattfinden.
Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Br!c!düngen an den genannten Tagen vor der Großherzog- lilheu Ober-Ersatz-Kommission im Bezirk der 49. Jnsanterie- Uchode in sämtliche« Aushebuugsorteu zu gefteöen: a. die für dauernd untauglich befundenen Militärpflichtigen, soweit denselben eine besondere Ladung
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viele Erfolge zurückblicken. Er sieht die Lungenschwindsucht nicht als eine einfache, örtliche Erkrankung an, sondern als eine solche, die Störungen im ganzen Körper verursacht. Darum ist die hygienisch-diätetisch-physikalische, die Anstaltsbehandlung, jeder andern durch ihre Erfolge überlegen. Die Behandlung der Schwindsucht ist eine Machtfrage, der Körper muß in seinem Kampfe gegen die Eindringlinge mit allen erdenklichen Mitteln unterstützt werden, das vermag nur die diätetisch-hygienische Behandlung.
In der Sitzung am Samstag morgen wird vor Eintritt in die Tagesordnung ein Antrag auf Errichtung eines Denkmals für Dr. Brehmer einstimmig angenommen.
Den Vorsitz übernimmt Präsident des ReichsversicherungS- amts Gaebel. Mit dem heutigen Tage tritt die Versammlung in den wichtigstenAkt von den fünfen der bisherigenTagung; heute soll das Fazit gezogen werden aus den Vorträgen und Erörterungen der vergangenen Tage, insofern es sich darum handelt, zu erwägen,wie die Lehren der vergangenenTage in die Praxis em- zuführen sind. Auch von einem anderen Gesichtspunkte aus bilde die heutige Versammlung gewiffermaßen die Krone des Kongresses, indem jetzt die Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit erörtert wird. Als das Volk seien jedoch I nicht einzelne Bevölkerungsklaffen, sondern die gesamte Bevölkerung zu verstehen, wenn auch heute zur Erörterung steht, welche Heilstätten, welches Heilverfahren aanz besonders für die arbeitenden Klassen geeignet sind. Aber die Losung der Gesamtausgabe gelte auch den Jntereffen aller minder- begüterten Schichten der Bevölkerung. Vorsitzender begrüßt es mit besonderer Freude, daß durch die Teilnahme vieler Versicherten die Versammlung des heutigen Tages em anderes Gesicht zeige, als in den Tagen zuvor. Es werde das viel dazu beitragen, Mißverständnisse zu klären.
Danach erhielt Proseffor v. Leyden das Wort zu einem Vortrag über die Entwicklung der Heilstättenbestrebungen. Zur Bekämpfung der Tuberkulose müssen sich alle Völker zusammenthun; wir brauchen dazu alle Kreise
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Prüfung der Rechnung für 1898/99.
Aufstellung des Voranschlags für 1899/1900.
Wahl eines Ausschußmitglieds.
Wahl zweier Mitglieder in die Kommission für Milchverkaufsverordnung der Stadt Gießen.
Vortrag desHerrn Regierungsbaumei st ers Schmick von Frankfurt a. M. über „Die Wasserversorgung der Gemeinden mit besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse im Kreise Gießen. _____
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: Gießener Fmnmenoumer, Mr i Mütter für hessische Volkskunde
und auf einen zahlreichen Besuch hinwirken, da in vielen Orten die Frage der Wasserversorgung eben erörtert wird. Gießen, den 27. Mai 1899.
Der Direktor des Landw. Bezirksvereins.
v. Bechtold.
Tagesordnung.


