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Donnerstag den 30. März
Zweites Blatt
1S99
Siebener Anzeiger
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Aus dem Zarenreiche.
Vie finnische Deputation ist wieder in ihre Heimat zrucilckgk kehrt, und bangen Herzens sieht man in denOstsee- prmiiMN der nächsten Zukunft entgegen. So schroff ab- ge.mesein zu werden, hatte kaum jemand erwartet, deshalb ist Aue^ bis durch die Haltung des Zaren hervorgerufene Panik eint volllständige; denn jetzt erkennt die finnische Bevölkerung, daß trotz des feierlichen Schwurs, mit welchem der Zch r du Rechte des Großfürstentums besiegelt hatte, eine qniifliblidje Russifizierung des Landes bevorsteht. An Wider- sl6tnb k-nnen sie nicht denken. Was helfen alle verbrieften Rechte, wenn eine Vergewaltigung seitens des mächtigen Rilrflands beliebt wird! Wie gründlich die maßgebenden Pittsburger Kreise vorzugehen gedenken, ist daraus zu er're^n, daß nun auch die finnischen Postwertzeichen ver- fdprinben sollen. Und wie lange wird es dauern, dann wim nichts mehr daran erinnern, daß das Großfürstentum Fr-mlan.d eigentlich nur durck Personalunion mit dem Zarenreich verbunden ist, daß ihm darüber hinaus volle Selb- stäMigkeit gewährleistet worden war! Die Erbitterung und die! Acstürzung der Finnländer ist so weit gediehen, daß viele •jfisgdben ernstlich daran denken, die heimatliche Scholle zu ücrniiiicii und auszuwandern. Schon jetzt werden Häuser Aid« Ländereien in großer Anzahl zum Verkauf gestellt, deinen Besitzer lieber großen materiellen Verlust erleiden, aljll sch den Maßregelungen der Organe des Oberprokurators öcjiI hnligen Synod, Pobjedonoszew, fügen wollen.
Dir haben schon früher bei Besprechung der über den 3altem umlaufenden Gerüchte die Frage aufgeworfen, was xillm iuohl diesen doch im allgemeinen milden und gerechten Hemcher zu seinem Vorgehen gegen die Finnländer ver- an'ibjt habe. Alle Anzeichen sprechen mehr und mehr daß der obengenannte Pobjedonoszew in letzter Zeit •oidoii allmächtigen Einfluß beim Zaren erlangt hat, der >unH die Kaiserin-Mutter ganz erheblich verstärkt wird.
zu Zeiten Alexanders III. war der Oberprokurator bic i «Seele des Altrussentums, und sein Einfluß war bereits Daianls in vieler Hinsicht verderblich gewesen. Jeder Auf- kläÄmg feindlich gegenüberstehend, allen Reformen abhold, nel-^t bei mächtige Pobjedonoszew in dem vorgeschrittenen sinuiihcu Volke ein Element des Widerstandes, das unter alLlte llmftänben gebeugt werden müsse. Daß der Zar sich ;u.ßiii Ansichten des Oberprokurators bekehrt hat, ist sehr beA'izrnswert; denn es ist ein Zeichen dafür, daß für die läctzpi Zeit Rußland allen Fortschritten auf dem Gebiete der tfmdto verschlossen bleiben wird, und das ist im allgemeinen Jnümfsie sehr zu bedauern. (xx)
Deutsches Reich.
Senlin,28. März. Der Kaiser hörte heute vormittag Diei Erträge des Generals v. Hahnke, des Chefs des AdMiiaLstabs, Kontre-Admiral Bendemann und des Haus- unMster-s v. Wedel. Hierauf empfing der Kaiser den kowMMibierenden General des 18. Armee-Korps v. Linde- quAst sowie den General-Leutnant z. D. v. Caprivi, der bic>:-Crb«en seines verstorbenen Bruders, des Reichskanzlers Laprivi zurückgab und nahm dann noch eine größere Rech imilitärischer Meldungen entgegen.
Lmlin, 28. März. Der Präsident des Reichstages, Gi-i-s Ballestrem, veröffentlicht in der „Schlesischen Zeicking" eine Darstellung des Konfliktes zwischen der AmüishMckungs Kommission des Reichstages und dem Pro- sesstäW.iltllot. Seine Ausführungen enthalten nichts wesentlich
Neues, sondern beschränken sich darauf, die Entwickelung des Streitfalles darzulegen.
Berlin, 28. März. Der deutsche Gesandte in Peking, Baron Heyking, leidet seit nahezu 14 Tagen an einem Halsübel, das allgemeine Schwäche und große Heiserkeit verursacht. Das Befinden des Erkrankten beginnt nach Londoner Meldungen Besorgnis zu verursachen.
Berlin, 28. März. Von der Ansiedlungskommission. Schon seit einigen Jahren zeigt sich als erfreuliche Folge des Gedeihens der von der Ansiedlungskommission in Westpreußen und Posen gegründeten deutschen Bauernschaften eine stetige Zunahme und Zahl der Ansiedlungslustigen aus den rein deutschen Landesteilen. Und zwar beschränkt sich der Zuzug keineswegs auf die Nachbarprovinzen. Außer den Württembergern und Badensern, die sich schon seit einiger Zeit in Posen akklimatisiert haben, beteiligen sich auch Bauern von der niederländischen Grenze am Niederrhein und aus Ostfriesland an dem Ansiedlungswerk. Besonders stark sind Westfalen und andere Niedersachsen vertreten, die sich nach Charakter und Veranlagung ganz besonders für das Kulturwerk eignen. In dem laufenden Vierteljahr hat die Zahl der über Siedelgüter abgeschlossenen Punktationen den höchsten bisher dagewesenen Stand erreicht. Man darf danach bestimmt auf den Abschluß von etwa 1000 solcher Punktationen für das laufende Jahr rechnen. Nimmt man der Vorsicht wegen an, daß 20 v. H. dieser Vormerkungen nicht zu einer wirklichen Ansiedlung führen, so steht doch für das eine Jahr die Besiedelung einer Fläche von nicht weniger als 170 Quadratkilometern mit deutschen Bauern in Aussicht.
Berlin, 28. März. Zum Verfahren gegen Professor Delbrück wird noch nachträglich bekannt, daß die mündliche Verhandlung vor dem Disziplinarhofe nahezu sechs Stunden gedauert hat, daß der Angeschuldigte in Assistenz des Rechtsanwalts Lisko persönlich erschienen war und die Anklage von dem vortragenden Rat im Kultusministerium, Geh. Ober-Regierungsrat Dr. Förster vertreten wurde. Das Disziplinargericht war in der vollen Besetzung von 11 Mitgliedern erschienen, während sonst zur Erledigung der Disziplinarsachen nur die Teilnahme von wenigstens sieben Mitgliedern mit Einschluß des Vorsitzenden gesetzlich vorgeschrieben ist. Der Disziplinarhof hat in Ueberein- stimmung mit der Auffassung der Anklage angenommen, daß der Angeschuldigte durch die Form seiner Kritik sich eines Dienstvergehens schuldig gemacht habe, und lediglich aus dem Grunde, weil die Verfehlung in der wenn auch alles Maß überschreitenden Form beruhe, hat der Gerichtshof unter Abstandnahme von der beantragten Strafversetzung auf einen Verweis und eine Geldstrafe von 500 Mk. erkannt. Wie ein hiesiges Blatt hört, hat der Gerichtshof die Strafversetzung von Universitätslehrern in gleicher Weise wie bei den übrigen unmittelbaren Staatsbeamten rechtlich zwar für zulässig, im vorliegenden Falle aber für „zu hart" erachtet. Das ist eine zarte Ausdrucksweise, die man dem Gerichtshof zu gute halten muß. Im gewöhnlichen Leben müßte man statt „zu hart" ehrlicherweise „widersinnig" sagen. Was übrigens die von einem Blatt gebrachte Meldung anlangt, Professor Delbrück wolle die Leitung der „Preußischen Jahrbücher" niederlegen, so haben wir Grund, sie für unrichtig zu halten. „Tägl. Rdsch."
— Dieser Tage fand in Berlin unter dem Vorsitz des Geh. Kommerzienrats Jul. van der Zypen-Köln eine erste Sitzung der Kommission statt, die in Sachen der Unwetter-Versicherung eingesetzt worden war. Nach eingehender Beratung wurde der Begriff des zu versichernden Unwetters auf Sturm, Hagelschlag, Windbruch und Wolkenbruch begrenzt und beschlossen, von der Reichsregierung eine umfassende Statistik über alle Elementarschäden, einschließlich der Überschwemmungen zu erbitten. Die öffentlichen Sozietäten sowie die Staatsversicherungs-Anstalten sollen zur Uebernahme einer solchen Versicherung als Zusatzversicherung aufgefordert, der Verband der deutschen Privat-Feuerversicherungs-Gesellschasten und die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, um eine Aeußerung über die Ausführung ersucht werden.
— Generalleutnant v. Treitschke in Leipzig ist zum General der Infanterie ernannt und soll das Kommando des zweiten neugebildeten sächsischen Armeekorps erhalten.
Berlin, 28. März. Der Gesetzentwurf über die Dienststellung des Kreisarztes und die Bildung von Gesundheits-Kommissionen ist nunmehr dem Abgeordnetenhause zugegangen.
— Die Missionare in Süd-Schantung. Bischof v. Anzer bespricht in seinem Jahresbericht über die
Missionsthätigkeit in Süd-Schantung die Ermordung der beiden Deutschen Nieß und Henle. Der ..Ostasiatische Lloyd berichtet darüber: Der Schleier des Geheimnisses, der vor einem Jahre noch über der grauenhaften Mordthat und ihrer näheren Veranlassung ruhte, hat sich im Laufe dieses Jahres immer mehr gelüftet. Immer enger schließt sich die Kette des Beweises, daß niemand anders als die Anhänger der Sekte vom „großen Messer", ebendieselben, die vor zwei Jahren den Verfolgungssturm in Kingnau und Schenhien erregten, die Thäter sind. Die armen Leute, die von den Mandarinen eingefangen waren, haben sich als unschuldig erwiesen. Die wirklichen Mörder sind, wie so oft in China, dem Blütenlande der „blinden" Gerechtigkeit, auch diesmal ungestraft entschlüpft. Erst in neuester Zeit kommt von Kiangnan die Nachricht, daß endlich das Haupt des Geheimbundes, ein gewisser Tschau Tien-Tji auf dessen Kopf eine Prämie von 1000 Tael Silber gesetzt war, eingefangeu wurde. Damit hätte wenigstens den Hauptanstifter des Mordes die gerechte Strafe ereilt. Es handle sich bei dem Morde der Missionare also nicht um einen gewöhnlichen Raubanfall, wie solche in Zantschoufu an der Tagesordnung sind, sondern es war ein Ausbruch des Fremden- und Christenhasses, der die ganze Sekte vom „großen Messer" durchglüht. Wie groß die Mordwut dieser Fanatiker gewesen, beweisen die zahlreichen grausamen Wunden, mit denen die beiden Leichen vollständig bedeckt waren. Ein Mitglied der Bande, das zugleich mit den Mördern in die Priesterwohnung gedrungen war, erzählte uns selbst, die Bande habe längere Zeit gebraucht, um die Thür zu erbrechen. Herr Henle war unterdessen von seinem Lager aufgesprungen. Er stand vor seinem Bette, als der erste der Bündler ihm die Lanze in den Leib rannte Der milfe hervorspritzende Blut ström überströmte den Mörder, worauf dieser, erschreckt über seine That, ohnmächtig zusammenbrach. Während die Mordszene sich weiter abspielte, blieb dieser Mensch ohnmächtig liegen, und mußte später von seinen Genossen hinweggetragen werden. Daher die Fabel, die längere Zeit namentlich in den chinesischen Mandarinaten umlief, einer der Angreifer sei von den Missionaren verwundet worden. Die beiden Herren haben nicht um ihr Leben gekämpft. Sie fielen wehrlos und willig als Opfer des Fanatismus in der Ausübung ihres Berufes.
— Die Verwaltung von Neu-Guinea wird jetzt, sobald sie vom Reiche übernommen ist, innerlich und äußerlich eine ganz andere Gestalt erhalten. Das Gouvernement wird zunächst von Kaiser Wilhelm-Land nach de» Bismarck-Archipel verlegt. Von den neuernannten BeamteN, die bereits am 4. April von Genua aus die Reise nach Singapore antreten, haben, wie verlautet, mehrere den Auftrag, in Herbertshöhe mit dem Bau der Gouvernementsgebäude zu beginnen. Der neue Gouverneur wird deshalb erst in einigen Monaten die Ausreise nach dem Südsee- Schutzgebiet antreten. Der Bismarck-Archipel hat deshalb vor Kaiser Wilhelm-Land einen großen Vorzug, weil er insulares Klima hat und gesünder ist, als das Festland Neu- Guinea. Außerdem ist die Entwickelung des Landes und der Bewohner im Archipel eine weit fortgeschrittenere als auf Neu-Guinea. Nachdem die Einrichtung des Gouvernements in Herbertshöhe erfolgt ist, soll mit der Ausdehnung der Verwaltung nach bisher unberührten Inseln begonnen werden. Zunächst kommt Neu-Mecklenburg an die Reihe, wo auf der Insel Nusa, nördlich davon, eine Station errichtet wird.
— Aus Deutsch-Ostafrika. Die gestern erwähnten Aeußerungen des Gouverneurs, General-Majors Liebert, über die Vereinfachung der Verwaltung werden in einem Bericht der „Köln. Volksztg." aus Dar-es-Salaam in etwas genauerer Fassung mügeteilt. Demnach sagte der Gouverneur: Die allgemeine Forderung in Deutschland sei, daß die Kolonie weniger kosten und mehr einbringen müsse. Es müffe unbedingt eine Vereinfachung im Verwaltungs- Apparat eintreten. Vor allem in der Kalkulatur und beim Zoll müsse ein Teil der Beamten entlassen und nötigenfalls durch wohlfeilere farbige Arbeitskräfte ersetzt werden. Auch bei der Bauabteilung müßten die Arbeitskräfte vermindert werden. Man müsse aufhören, kostspielige Paläste in der Kolonie zu bauen und mehr den praktischen Bedürfnissen Rechnung tragen. Straßen und Eisenbahnen seien für die Kolonie wichtiger, als Paläste. Zu wiederholten Malen hätte ihm gegenüber der Kaiser geäußert, er solle dem Bu- reaukratismus und Assessorismus in der Kolonie ein Ende machen und mit aller Energie eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung anstreben. Dieser allerhöchste Wunsch passe ganz und gar in sein Programm, und er werde an seiner Durchführung auf das Beharrlichste arbeiten. Eine neue


