Ausgabe 
30.3.1899 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

{.NM Forellen Gemüse-Konir empßehlt billigst hof. ?k!kft rbestellintge« geff. t*

storeie

Attrajji

npohljuit

in-

pulvere! 15 W- .. / isrke, Htät Oct- f(

/Tjdi\

*

Mv

schein, KM

A

uSwahl

teilt*

neu «M**1

?ktor, e

itifl- $*^'5'^'

Mr. 76

Erstes Blatt.

Donnttstag den 30. März

1S99

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

g|qefl*prd* viertkljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pf^ mit Bringerlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

nnetme »en Anzeigen zu brr nachmittag« für den chtt'vbm Lag erscheinenden Nummer bi« vor«. 10 Uhr.

MM ttgNch

ir Ausnahme de« Montag«.

Alle Anzrigen.BermittlungSstellen de« In« und Su«laube» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger oitgegou

Die Gießener

»eien dem Anzeiger »ichenüich viermal beigelegt.

Amts- und Anzeigeblatt für den Tkveis Gieren.

Redaktion, Lspebition und Druckerei:

Sch»kstr«ße Ar. 7.

Gratisdrttasen: Gießener Familienvlätter, Ker hessische Landwirt, Kötter für hessische Volkskunde.

Adresse für Depeschen: Anzeiger $te|ou Fernsprecher Nr. 51.

Zsreiwillige Wilaröeiler.

An alle Leser unseres Blattes, die es können, richten wir 6ti Beginn des neuen Vierteljahres die Bitte, sofern 5t beitGießener Anzeiger" nicht nur halten, sondern auch etwas von ihm halten, uns ihre freundliche Gesinnung durch ztlcgfntliche Mitarbeit bekunden zu wollen. Möchten sie sich i Hitler Veranlassung die Winke zu eigen machen, die Herr Kugo Wienandt in denKieler Neuesten Nachrichten" in zltichtr Sache seinen Lesern giebt. Da heißt es:Wie « inan denn der Redaktion schreiben, um ihr zu gefallen?" Uid unsere Antwort lautet: So einfach wie möglich, so 'schell wie möglich, so kurz wie möglich und so deutlich wie inöglich. So einfach wie möglich. Darumjedes ' Sfyvtlgen in Worten" vermeiden, nichtBandwurmsätze" 1 cfaieben, sondern klar und durchsichtig sagen, was man *1 trabt auf dem Herzen hat. Mit einem Worte: so schreiben, > m vicm spricht. So schnell wiemöglich. Nicht eine Nachricht tagelang mit sich herumtragen, sondern sie alsbald ftirisch-fröhlich zu Papier bringen. Ueberall giebt es ja heute sßrstbriefkasten. Und was ihnen anvertraut ist, geht nicht iwlorcn. So kurz wie möglich. Vielfach herrscht riivth He Ansicht im Publikum, die Redaktionen litten oft- rmls un Stoffmangel. Gerade das Gegenteil ist der Fall. cZjt erliegen vielmehr fast dem Andrang von Tagesneuig- t leiten, und jede einzelne Zeitung stellt gewissermaßen nur ein rMziagsgefecht dar, das die Zeitungsleitung dem täglichen hllistui m von Meldungen und Mitteilungen liefert. Darum s Ä morn sich in seinen Nachrichten an die Redaktion mög- l-«Hst kurz fassen. Auch gilt das Wort:Kürze ist des Wales Würze." So deutlich wie möglich. Nie- nuuiö ist verpflichtet, eineschöne Hand" zu schreiben, aber divülich zu schreiben, sollte in jeder Lage jedermann bemüht fiürii. Wer undeutlich schreibt, kennzeichnet dadurch seine Nichtachtung gegen den Empfänger des Schreibens. Eigen- nrNtn werden am besten zwei mal, in deutscher und lateini- fthn Schrift geschrieben. Es ist das eine leichte Mühe, vkich viel Steiger aber würde dadurch dem Zeitungsmanne 5«r|fodrt werden." Damit im Notfall das Manuskript zer- jcfliiitten, und an mehrere Setzer verteilt werden kann, be­schreibe man nur eine Seite des Papiers.

Fe mehr unsere verehrten Leser die Ueberzeugung ge- tvimntn, daß wir unausgesetzt um die Hebung desGießener 9 lustig et" in jeder Richtung bemüht sind, um so nachhaltiger pblltit sie auch darauf bedacht sein, wie ein jeder nach Maß- gijuk seiner Gaben zur erwünschten Entwickelung beitragen film. Der Redakteur, der es allen recht macht, wird immer l wch gesucht; damit wir es aber möglichst vielen recht machen Mnntn, helfe man uns selbst dazu.

Bekanntmachung,

ietr.: den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche.

Zu Burg-Gräfenrode, Kreis Friedberg, ist die ÄZlliil- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöft- spstM verfügt worden.

Gießen, den 28. Mürz 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

Deutsches Reich.

Af.P.C. Berlin, 28. März. Erholungsreisen der Minister. Die Anforderungen, welche durch die langen (SSeifioeten der Parlamente an den leitenden Beamten des MsMienstes gestellt werden, lassen es begreiflich erscheinen, ra« tote Herren, soweit möglich, gern Veranlassung nehmen, diw Ofterpause zu Erholungsausflügen zu benutzen. Den Akuüng damit hat diesmal der Staatssekretär des Reichs- fd^antS, Frhr. v. Thielmann gemacht. Er hat zuvor nciih aLe Vorbereitungen, um die Konsequenzen der zeitigen FtzÄigftellung des Etats möglichst ungesäumt in Kraft treten zm (ijjetn, getroffen. Seinem Beispiel ist dann der Präsident de»c Reichsbank Excellenz v. Koch gefolgt, dessen Kräfte in letzter Zeit durch die zahlreichen Sitzungen der Bank- focnini^'ton des Reichstags ganz besonders stark in Anspruch gepömmen wurden. Auch der Staatssekretär des Aus- wckche-a Amtes, Frhr. v. Bülow hat sich auf 810 Tage iwZ HMsteinische, in feine Heimat zurückgezogen. Und der Rßfist!Unzler, Fürst zu Hohenlohe, ist nach Baden-Baden

gereift, wo er feinen 80. Geburtstag, der auf den Kar­freitag fällt, im Kreise der ©einigen zu verbringen gedenkt. Ob auch noch andere hochstehende Mitglieder der Reichs­verwaltung und des preußischen Staatsministeriums zu Ostern einen Erholungsurlaub nehmen werden, dürfte wesentlich davon abhängen, wie sich das Wetter in den nächsten Tagen gestaltet.

M.P C Politische Polizei. Der in das Staats­ministerium berufene bisherige Polizeipräsident von Königs­berg, Dr. Schütte, gehörte früher als hervorragendes Mitglied der Berliner politischen Polizei an und war dann mehrere Jahre Polizeichef in Wiesbaden. Er ist insbesondere auch ein außerordentlich genauer Kenner der Vereins-Gesetz­gebung, und der Handhabung der Maßregeln, welche für die Bekämpfung der Ausschreitungen der Sozialdemokratie in Betracht kommen.

M.P.C. Marine. In Marinekreisen hat es einige Verwunderung erregt, daß sich der Abgeordnete Herr Richter int Reichstage gegen Veränderungen in der Organi­sation der Marineverwaltung stark machen zu wollen scheint. Diese bezwecken doch zum wesentlichen Teile, dem Reichs­marineamt seine Aufgabe zu erleichtern, soweit dieselbe sich auf die Wahrnehmung konstitutioneller Rücksichten bezieht. Ebenso wie der vorige Chef des Reichsmarineamts hat auch der jetzige jederzeit großen Wert darauf gelegt, dem Reichs­tage das zukommen zu lassen, was sein Recht ist. So hat er sich auch noch bei der dritten Etatsberatung dafür ver­bürgt, daß keine durch die Neuorganisation bedingte Aus­gabe aus Reichsmitteln gemacht werden würde, bevor nicht der noch aufzustellende Nachtragsetat vom Reichstag gut­geheißen ober abgeändert worden ist.

Berlin,28. März. Verwahrloste Mädchen. Der Landesverein preußischer Volksschullehrerinnen hat an den Reichstag eine Petition um ein Reichsgesetz zum Schutz sittlich gefährdeter oder verwahrloster Kinder gerichtet. Die Petition weist auf die großen Mängel der öffentlichen Waisen- pflege hin, verlangt die Entziehung der elterlichen Rechte und staatlich überwachte Erziehung dort, wo Kinder in ver­brecherischen Häusern unter dem Einfluß von Dirnen, Dieben, Zuhältern und Trunkenbolden aufwachsen. Der Verein verlangt Heraufrückung der Strafmündigkeit über das zwölfte Jahr. Die mit Gefängnis bestraften Kinder sollen nicht wieder in die Volksschule gelangen, wo sie einen Ansteckungs­herd für andere Kinder bilden, sondern in eine Besserungs­anstalt gebracht werden. Ebenso wird in der Petition ver­langt, daß Schulmädchen, wenn sie thatsächlich sich der Unsittlichkeit ergeben, in Besserungsanstalten untergebracht werden. Die Unterbringung erfolge gewöhnlich erst, wenn ihnen ein Vergehen gegen das Eigentum nachgewiesen werden kann. Eine geschlechtliche Verirrung in so früher Jugend wirkt aber in viel höherem Grade vernichtend auf die sitt­liche Persönlichkeit des Mädchens als ein Vergehen gegen das Eigentum.

Berlin, 28. März. Ein herbes Urteil über den Nationalcharakter der Yankees fällt in derMünch. Allg. Ztg." ein New-Iorker Gewährsmann. Man betrachtet in Nordamerika die Abberufung des deutschen Admirals von Diederichs als eine Desavouierung desselben und als eine Bestätigung der Hongkonger Hetzlügen. Und man sagt und schreibt darüber:Da Deutschland durch die Enthebung des Admirals stillschweigend zugesteht, daß er gegen Admiral Dewey in Manila intriguiert hat, so werden auch die anderen sogenannten Hetzberichte die Wahrheit geschildert haben. Ebenso wird es sich mit Samoa verhalten." Von dem Standpunkt der in der auswärtigen Politik gänzlich unbewanderten und von der Presse bereits verhetzten Massen in Nordamerika ist diese Folgerung vollständig logisch. Sie sagen: Wer sich unschuldig fühlt, braucht sich nicht zurück­zuziehen.Ich hebe", so fährt jener Gewährsmann dann fort,dies Einzelereignis besonders hervor, weil es klar beweist, daß es sich in keinem Fall lohnt, Republiken gegen­über sich nachgiebig zu zeigen. Republiken sind naturnot­wendig undankbare und unzuverlässige Verbündete, weil in ihrem internen Leben zu viele Sonderintereffen vorwalten und die Exekutivgewalt keine stabile ist. Von Fall zu Fall hängt alles von der Gunst der Massen ab. Zu diesen auch in der idealistischen Republik obwaltenden natürlichen Verhältnissen gesellt sich hierzulande noch die Erscheinung, daß die amerikanische Geldgier den Geist der Unabhängig­keit, der Unparteilichkeit (Fairness) und der Gerechtigkeit zurückgedrängt hat. Die heutigen Amerikaner, mit denen das Ausland zu rechnen hat, sind nicht mehr die Amerikaner von wenigen Dekaden zurück. DieSmartneß", Geld zu verdienen, und andere Leute übers Ohr zu hauen, hat sich

über die Maßen breit gemacht. Diese Aeuderung im ameri­kanischen Nationalcharakter wird leider im Auslande noch nicht genügend gewürdigt. Die hohen Charaktereigenschaften, die ein Washington besaß, südliche Galanterie, Rechtsliebe, Edelmut, Hilfsbereitschaft, feine Umgangsformen, alles das scheint hierzulande mit der Niederlage der Südstaaten für immer zugrunde gegangen zu sein. Der heutige National­charakter ist eben ein Vermächtnis aus dem Bürgerkrieg; mit diesem Charakter muß jeder, der mit uns in Berührung kommt, rechnen. Deutschland namentlich, welches uns Deutsch- Amerikanern näher am Herzen steht wie irgend ein andere« Land und mit welchem wir alle am liebsten immer in Frieden leben möchten, sollte das nie vergessen. Den Nationalcharakter der nächsten Generation werden nunmehr der spanisch-amerikanische Krieg und seine Folgen bestimmen. Das ist in wenigen ungeschminkten Worten die wirkliche Lage."

Berlin, 28. März. Der Verein für Kind erhell­st ä 11 e n a n dendeutschenSeeküsten, dem die Kaiserin Friedrich aus der Friedrich-Wilhelm-Viktoria - Stiftung 1000 Mk. zuwandte, hat im verflossenen Jahre in seinen vier Hospizen, in Norderney, Wyk, Groß-Müritz und Zop- pot, 1666 Kinder, 786 Knaben und 843 Mädchen, ins­gesamt 137 mehr als im Vorjahre verpflegt. 520 dieser Kinder waren aus Berlin. Von den Kindern starben zwei, ungeheilt blieben 33, gebessert wurden 532, geheilt be­ziehungsweise wesentlich gebessert 1041; 32 waren überhaupt nur erholungsbedürftig oder verblieben ganz kurze Zeit in Pffege; 26 waren am Jahresschluß noch in der Winter­pflege auf Norderney. Die Zahl der Mitglieder ist leider wieder zurückgegangen und zwar von 619 auf 587. Die Einnahmen beliefen sich auf 288 000 Mk., darunter befinden sich 52 000 Mk. Beiträge der ordentlichen und außer­ordentlichen und der Nichtmitglieder, 61 120 Mk. Legate, 7600 Mk. Zinsen und 6000 Mk. für verkaufte Werte; an Pflegegeldern gingen 147 750 Mk. ein. Verausgabt wurden an Betriebs- und Verpflegungskosten und für Neu­anlagen 177 800 Mk., an Aufwendungen für Freistellen 14 600 Mk., für die allgemeine Verwaltung 1600 Mk. Für 98 000 Mk. wurden Wertpapiere angekauft. Der Vermögensstand hat sich feit dem Vorjahre vermehrt um 63 000 Mk. bei dem Gründungsfonds, um 24 000 Mk. bei dem Stiftungsfonds und um 10 000 Mk. bei dem Ver­waltungsfonds. Das Vermögen beläuft sich zurzeit auf 1 062 000 Mk. Gefördert wurde die Thätigkeit des Ver­eins durch den Berliner Frauen-Hilfsverein und durch die Zweigvereine in Dresden und Braunschweig.

Unlängst hatte sich wieder eine eigenartige tschechische Aeußemng zur Dr«eibundfrage ans Tageslicht gewagt. In einer Parteiversammlung zu Karo­linenthal bei Prag bemerkte der öfters erwähnte jung­tschechische Abg. Brzeznowsky unter anderem:Preußen lauere auf Böhmen und Mähren als Beute; dem Redner sei aber seit der Zeit, wo er das kräftige Rußland mit seinen intelligenten Offizieren kennen gelernt, für das Dasein des tschechischen Volkes nicht mehr bange." Dem Wiener ..Fremdenblatt", das nahe Fühlung zum Auswärtigen Amte besitzt, ist diese Aeußerung doch sichtlich unbequem. Es läßt nämlich jenem Mitgliede der Regierungsmehrheit folgende allerdings recht zahme Rüge zu Teil werden:Herr Brzeznowsky will feit jeher in Sensation um jeden Preis machen und gefällt sich in der Rolle eines enfant terrible, wobei er stets mehr enfant als terrible zu sein pflegt. Aber selbst Scherze von einer Seite, denen im politischen Leben keine Bedeutung beigelegt wird, müssen sich innerhalb der Grenzen der Schicklichkeit bewegen und die öffentlichen Empfindungen respektieren. Sollte Herr Brzeznowsky that­sächlich die oben erwähnten Worte gesprochen haben, so könnten sie nur auf das entschiedenste zurückgewiesen und verurteilt werden. Man kann niemandem gestatten, seine groteske Phantasie auf einem politischen Gebiete spielen zu lassen, das nur mit Ernst betreten werden darf." Diese Zurechtweisung ist nun ja immerhin anzuerkennen, es fehlt ihr indessen noch eine wesentliche Ergänzung. Jene Ver­sammlung bestand nämlich aus Wählern des Finanzministers Dr. Kaizl, an dessen Stelle der Obmann des Tschechenklubs, der Abg. Dr. Engel, den Vorsitz geführt hatte. Unter diesen Umständen gewinnt der Ausfall des angeblichen enfant terrible, zumal er sich ja harmonisch allerlei früheren tschechischen Herzensergüssen anreiht, doch etwas mehr Bedeutung. Trotz- dem aber hat sich bisher keiner der journalistischen Trabanten des Ministeriums Thun vernehmen zu lassen, um gleich dem Organe des Grafen Goluchowski dem Abg. Brzeznowsky ein Zeichen des Mißfallens zukommen zu lassen. Auch