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M. 76 Drittes Blatt. Donnerstag den 30. März
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Gießener Anzeiger
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Im unerbittlichsten zerzaust das sozialdemokratische PiMamm beständig ein Mann, den Freund und Feind bcnidlen für den hervorragendsten geistigen Führer der SLMdemokratie halten: Eduard Bernstein, der zur Zeit dc.-S Sozialistengesetzes die Schriftleitung des verbotenen Hchichlattes der deutschen Sozialdemokratie, des „Sozial- -^deiMkat", hatte. In ihm kommt die zwingende Gewalt dem Logik in einem Maße zu ihrem Rechte, das uns die er- ft elften Aussichten eröffnet auf die allmähliche Loslösung
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frauen, Seife und Abnutzung der Wäsche angehört habe; sei aber der andere sparsamer mit dem Handtuch, benutze er erst das eine Ende und schreite von Tag zu Tag langsm bis zum anderen Ende fort, so sei der Mann verheiratet, und zwar gut verheiratet, denn seine Frau habe ihn erzogen. Wenn man diese tiefe Stubenmädchenweisheit weiter entwickelt, sie synthetisch und analytisch verarbeitet, so kann man auch ohne Handtuch den jungen Ehemann erkennen. Leute, die da glauben, daß man ihn am besten beim Benehmen der Frau gegenüber erkenne, zählen nicht mit, denn die Frau bleibt hier außer Betracht, und solche, die da meinen, daß das Kokettieren mit dem Ehering ihn als jungen Ehemann sofort kennzeichne, haben nicht ganz unrecht, obgleich es viele ältere Männer giebt, die, nachdem sie eine zeitlang den Ring zur Schonung in der Westentasche getragen haben, ihn wieder aufstecken, und besonders in der Anwesenheit der Schwiegermutter funkeln taffen. Auch die Breite des Ringes macht nichts aus. Jetzt liebt man die ganz breiten, die bald ein Fingerglied bedecken, die aber manchmal nur aus Doubls bestehen, früher die schmalen. Es giebt aber immer noch junge Leute, die einen schmalen Ring aus purem Golde dem breiten aus Doubls vorziehen. Beobachter, die da behaupten, daß junge Ehemänner öfter als andere die rechte Hand ohne Handschuh tragen, und umgekehrt Verlobte die rechte behandschuht und die linke nackt, können recht haben. Ihre Behauptung wird aber beinahe zur Gewißheit, wenn die rechte Hand wohlgepflegt
abreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße«.
Fernsprecher Nr. 51.
au. dir Er die de» das
da» entfesselten „Pöbels" noch wird Herr werden können!
S» malt sich in den Köpfen der Scharfmacher ein nicht gaar fernes Zukunftskapitel aus, und glauben sie nicht selber bflezan, so wollen sie's doch andere glauben machen. Jn- zmMer ist in Wirklichkeit die Revolutionslehre auch bei dort leidenschaftlichsten Weltverbesserern längst der Lehre von bcc En twickelung gewichen; die Revolution ist zur Evolution Geworden und auch sonst fällt Zweig auf Zweig von deM stolzen Geäst der sozialistischen Träume und Erwart- ur M hernieder.
großer Teile der sozialdemokratischen Partei von jenen phantastischen und schiefen Vorstellungen, die sie von der bürgerlichen Demokratie abgedrängt haben. Bernstein hatte kurz nach dem Stuttgarter Parteitage der Sozialdemokratie eine Schrift erscheinen lassen, die sich die Aufgabe stellte, die „Reste" utopistischer Denkweise in der sozialdemokratischen Theorie zu bekämpfen. Diese von uns schon vorerwähnte Druckschrift hat ihm lebhafte Anfeindungen der strenggläubigen Tempelwächter der Sozialdemokratie eingetragen, was ihn aber nicht im mindesten gehindert hat, seine Forschungen fortzusetzen und seine unerschrockenen Ketzereien in die Lande zu rufen. Seine neueste Schrift: „Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie" ist in hohem Grade geeignet, die Kluft überbrücken zu helfen, welche zwischen Sozialdemokratie und bürgerlicher Demokratie klafft, und die Demokratie und die liberale Weltanschauung wieder zu jenem beherrschenden Einflüsse auch innerhalb der großen Masse der jetzigen Sozialdemokraten zu bringen, der von den heilsamsten Wirkungen sein müßte auf unsere politische und sozialpolitische Entwickelung.
Bernstein räumt, wie die „Berl. Ztg.", der wir diese Zeilen entnehmen, klar hervorhebt, unbarmherzig auf mit den Phantastereien von einer künftigen Herrschaft des Proletariats. Er giebt unumwunden zu, daß die Arbeiterklasse auch heute noch nicht entwickelt genug sei, die politische Herrschaft zu übernehmen. Auch verneint er die Frage, ob wir die zur Abschaffung der Gesellschaftsklassen erforderliche Höhe in der Entwickelung der Produktionskräfte schon erreicht haben; es sei eine Unmöglichkeit, die ganze arbeitende Klasse im Laufe von ein paar Jahren in wesentlich veränderte Verhältnisse zu bringen.
Während das Erfurter Programm cd als die Aufgabe der sozialdemokratischen Partei bezeichnet, die politische Macht zu erreichen, um den Besitz Aller an allen Produktionsmitteln herbeizuführen, bekämpft Bernstein die Notwendigkeit dieser Sozialisierung, die ja den Kernpunkt des sozialistischen Programms bildet, mit dem Einwande, es könne, sofern nur alle Garantien gegen Lohndrückerei und Ueberarbeit gegeben seien, der Gesellschaft ganz gleichgiltig sein, ob neben den öffentlichen und genossenschaftlichen Betrieben noch Unternehmungen beständen, die von den Privaten für den eigenen Gewinn betrieben werden. Das Erfurter Programm behauptet, daß die ökonomische Entwickelung der bürgerlichen Gesellschaft mit Naturnotwendigkeit zum Untergange des Kleinbetriebes führe. Bernstein aber weist zahlenmäßig nach, daß diese Aufsaugung der Kleinen durch die Großen nicht stattfinde; in vielen Gewerbszweigen erwiese« sich kleine und mittlere Betriebe als durchaus lebensfähig; ebenso sei es im Handel, wo der Großbetrieb neben dem Kleinbetrieb in die Höhe wachse. Auch die vom Erfurter Programm behauptete Erweiterung des Abgrundes zwischen Besitzenden und Besitzlosen durch die in der kapitalistischen
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Produktionsweise begründeten Krisen weist Bernstein sachgemäß und treffend zurück.
Die rein politischen Betrachtungen Bernsteins erscheinen besonders interessant und bahnbrechend. Er protestiert im Namen der Demokratie gegen die von den älteren Sozia-
Der junge Gyemann.
Skizze von Georg Hiller.
(Nachdruck verboten.)
ks giebt in einer Großstadt unendlich viele Typen,
eres.
Rückfahrt '
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Die neue Lehre.
Ilrter dieser Spitzmarke schreibt der „Mainzer Anzeiger" fodpbeg:
Revolution! Revolution! In wilden Ausschreitungen,
erscheint. Ist die Hand sorgfältig gereinigt, die Fingernägel blank, poliert, gerundet, so ist der Einfluß der Frau, besonders bei solchen, die früher diese Seite der Schönheit vernachlässigten, augenscheinlich. Nicht nur sind die Hände fein gepflegt, auch das Gesicht ist stark veredelt. Rasiert ist der junge Ehemann stets, trägt er einen Bart, so ist dieser sorgfältig gekämmt und womöglich eingefettet. Das Haar ist stets in vollendeter Weise frisiert und dabei ist nichts Geckenhaftes an der Erscheinung, man merkt nur den zarten weiblichen Einfluß. Besonderer Wertschätzung erfreut sich aber die Kleidung des jungen Ehemannes. Welche Wandlungen kann man da beobachten. Früher vor der Heirat waren die Stiefeln nur oberflächlich geputzt, die Hosen zeigten kleine Unebenheiten, auch einige Flecke, die Weste und der Rock erzählten von der Restaurationsküche, der Shlips saß genial unregelmäßig, und auf Dem Rockkragen machten sich oft einige Bürstenstriche nötig. Das wird mit einemmale anders. Der Ehemann wirft seinen alten Adam ganz weg. Funkelnagelneue Oberhemden oder „Chemisettes" ohne gestopfte Knopflöcher glänzen in blendender Weiße, der Shlips ist nach der neuesten Mode, die Kleider sind noch so neu wie die Ehe und so fein und
sinnig behandelt wie das t£te ä töte früh beim Kaffee.
Alles athmet eine gewisse einfache Eleganz, es geht ein
Hauch weiblicher Sorgfalt von ihm ans. Und nun die
Haltung! Welche Ruhe, welche Würde liegt in dem ganzen Wesen des jungen Ehemannes Die Art, wie er den Regen-
listen geforderte Unterdrückung der Minderheit durch die Mehrheit. Die Demokratie ist ihm das Mittel der Er- kämpfung und die Form der Verwirklichung des Sozialismus; dieser aber ist ihm keineswegs dasselbe, wie die heutige Sozialdemokratie. Die Phrase von der Diktatur des Proletariats gehört für ihn einer tieferen Kulturstufe Gegen den Mißbrauch des Wortes „bürgerlich" durch Sozialdemokratie wendet sich Bernstein sehr scharf, verlangt die Bekämpfung von Vorrechten, nicht aber Bekämpfung des Bürgertums und giebt dem von Sozialdemokraten so viel angefeindeten Bürgertum Zeugnis, daß es ökonomisch und moralisch ziemlich gesund sei. Auch weist er hin auf die Freiheit und Selbstverwaltung als Lebensbedingung der Demokratie und darauf, daß jeder liberale Gedanke auch den Ideen des Sozialismus entspreche. Er fordert klipp und klar die Wiederanerkennung des Liberalismus als allgemeines Gesellschaftsprinzip uub ruft der Sozialdemokratie, der er auch die Aufgabe der Wahrung der nationalen Interessen stellt, die Aufforderung zu, sie möge das, was sie ist, zu scheinen wagen: eine demokratisch-sozialistische Reformpartei. . .
Dieser knappen Skizze sei die Wiederholung des Hinweises darauf hinzugefügt, daß es sich hier nicht etwa um eine demokratische Kritik an der Sozialdemokratie handelt, sondern um das Ergebnis jenes geistigen Entwickelungs- prozeffes, den der hervorragendste Denker und geistige Führer der Sozialdemokratie seit Marx durchgemacht hat.
Fokales und PrsvinM«.
Gießen, den 29. März 1899.
** Die Organisation des Handwerks. Wir machen darauf aufmerksam, daß für diejenigen schulentlassenen Knaben, welche in diesem Frühjahre in die Lehre bei einem Handwerksmeister treten, der Abschluß eines schriftlichen Lehrvertrages nicht versäumt werden sollte. Nach Ablauf der Lehrzeit ist den Lehrlingen Gelegenheit zu geben, sich der Gesellenprüfung zu unterziehen. Nach dem Gesetze vom 26. Juli 1897 gelten für Handwerker zukünftig folgende, auf Vorstehendes bezügliche Bestimmungen: In Handwerksbetrieben steht die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nur denjenigen Personen zu, welche das vierundzwanzigste Lebensjahr vollendet haben und in dem Gewerbe oder in dem Zweige des Gewerbes, in welchem die Anleitung der Lehrlinge erfolgen soll, entweder die von der Handwerkskammer vorgeschriebene Lehrzeit, oder solange die Handwerkskammer eine Vorschrift über die Dauer der Lehrzeit nicht erlassen hat, mindestens eine dreijährige Lehrzeit zurückgelegt und die Gesellenprüfung bestanden haben, ober
g tim jflhent Umsturz zeigt die Sozialdemokratie ihr wahres Raub, Plünderung, Zerstörung bezeichnen ihre Mabc. Die entfesselten Massen der zum Aeußersten auf- geratet Proletarier durchfluten die Straßen, nach Beute leHjtnd, nach Blut dürstend. Alle Bande der Ordnung aufgelöst. Wer weiß, ob die starke Macht der Waffen
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4 PortuM !
agtn unb bd «gtmto* Hat ihr Meister Friedrich Engels das Jahr 1898 als [litt oon 4 bil 10Saiten:. oaSJahr des großen Triumphes der internationalen Sozial- ntlafle, luberbttn wette i benofra.tie angekündigt, — wo ist dieser Triumph geblieben? lm auSztsatlgt. H Zil ihn großer Bebel mit Bez«g auf das zur Rüste gehende Mt 3'Wumbcrt prophezeit, daß „eines Tages der Kladdera-
w’ hcNftjdj jchneller kommen werde, als man es sich träumen
> HMchastSsahrv üM laH", tmo ist dieser Kladderadatsch und wo sind auch nur ______bm lciftsten Anzeichen für die Wahrscheinlichkeit, ja nur für ...... M» M biet Möglichkeit seines Eintretens? Was ist aus der Be- MM w tzampung geworden, daß die Menschheit zunehmend ver- Giessen, gtflW elMt? Die Ergebnisse der praktischen zeitgenössischen Bewirtschaft erweisen das Gegenteil. Wer kann heute noHermstlich an den utopistischen Zukunftsstaat glauben? D ie Verlegenheit in die Enge gedrängter Zukunftsseligkeits- pr-t tiger macht sich bereits in gequälten Scherzen Luft, wie in: km, daß morgen der Staat von heute eben der Zu- hri jläftaat fei. Wer kann heute noch ernstlich an die Mög- lickM einer allgemeinen Verstaatlichung aller Betriebe von zwm;ig Arbeitsperfonen an glauben? Die industriellen Kifäitcir sind 7 Millionen unter 19 Millionen Selbstthätiger; Icütyl diese industriellen Arbeiter haben, wie aus den Reihen be t sozialdemokratischen Lehrmeinungsschriftsteller zugegeben ivitd, ftü verschobene Wünsche und Jnterefsen, daß an ihre gl'Martige Behandlung und Entlohnung nicht zu denken ist.
Santi*0“11 fö. etü-
Itbrttwn, Lxpebition unb Druckerei: -chnkstraße Ar. 7.
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4 •l|v',ai8 £> «Mi auch die kleinste Stadt hat ihrer aufzuweisen. Manche
4 8**6eny ffiW in beiden Städten vertreten. Eine solche allgemeine
ist der junge Ehemann. Wer nicht achtlos an
1 litiin Mitmenschen vorübergeht, sondern sie sich ein wenig
< »mW, und dann die Muse, die gleichgiltige Gestalten
4 ßrkM ' lbenutzt, um über die bemerkenswerten nachzudenken,
<>ei2 fdn.it so manche Beobachtung machen und den intimen des menschlichen Daseins manche Freude abgewinnen. ÖZ'.int geijit es wenigstens so. Uebcr die jungen Ehemänner rgM ich mich wenigstens immer. Man wird, nun fragen, ipciictn tich denn die jungen Ehemänner erkenne, und welchen jSlfne mir bereiten, das ist freilich leichter gefragt, als
688 hat irgendwo einmal ein geistreiches Stubenmädchen ,ew M ausgesprochen, daß man die Junggesellen und die [> “ .. Äetininer am Handtuch erkennen könne. Nehme jemand
./Mü-Hamdtuch bei der Mitte unb trockne sich nun frisch r I*”S, so fei zehn gegen eins zu wetten, daß bted ein
i trfli (P|6D ViWl;ieöe fei, der noch niemals Vorträge Aber Wasch- iv.^clLy/


