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29.12.1899 Zweites Blatt
 
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Auf Veranlassung der det am Sonntag, dem lg von Zeichnungen im Saale des Schönhosr Lehrherren der Schüler, tU und der Zeichenkunst hl. Der Zutritt ist jeder« ft zu empfehlen.

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Q ftlein-fimben, 27. Dezember. Durch Herrn Berg- wcrksdirektor Paskoe zu Gießen wurde uns heute aber­mals das schöne Weihnachtsgeschenk für unsere Kleinkinder­schule im Betrage von 150 Mk., sowie für eine arme Witwe 50 Mk. zuteil. Herzlichen Dank dem edlen Spender.

§§ Gedern, 26. Dezember. Der hiesige Postillon Jo­hannes Dietrich aus Völzberg erhielt von der Kaiser­lichen Oberpostdirektion Darmstadt das Ehr en Horn für treue Dienste.

Herbstein, 27. Dezember. Von der Kaiserlichen Oberpostdirektion Darmstadt wurde dem hiesigen Postillon Johannes Möller aus Nieder Moos in Anerkennung seiner guten Dienste die Ehr en peitsche verliehen.

[:[ Nidda, 27. Dezember. Wie alljährlich veranstaltete der Vorstand unserer Kleinkinderschnse auch dieses Jahr wieder eine schöne Bescherung; dieselbe wurde in dem hierzu unentgeltlich zur Verfügung gestellten Saale des HotelsTraube" abgehalten. 72 Kinder wurden reich be­schenkt, und große Freude Eltern und Kindern bereitet. Die Mittel spendeten freiwillig die hiesigen Einwohner an Geld, besonders die Kaufleute durch geschenkte Waren. Die An­fertigung der Kleidungsstücke geschah ebenfalls freiwillig durch die Jungfrauen der Gemeinde. Unter dem herrlichen Christbaum hielt Herr Dekan Hofmeyer die Ansprache; Sonntagsschüler und Kleinkinderschüler wechselten ab mit Gesang und Wort. Reiche Anerkennung wurde allen Gebern, besonders der Schwester Frida gespendet. Am 1. Weih­nachtsfeiertag wurde in hiesiger Stadtkirche ein liturgischer Abendgottesdienst gehalten, in dem derGemischte Chor" verschiedene Liedervorträge zu Gehör brachte, u. a. den Choral:Macht hoch die Thür", dasEhre sei Gott" von Silcher, sowieStille Nacht". Der Gottesdienst war trotz des schlechten Wetters sehr zahlreich besucht.

Mainz, 27. Dezember. In einer von demVerein Mainzer Kaufleute" gegen eine hiesige Manufaktur­warenhandlung wegen unlauteren Wettbewerbes erhobenen Anklagesache entschied das hiesige Landgericht für Handels­sachen in seiner letzten Sitzung, daß der Antrag des ge­nannten Vereins auf Verbot der BezeichnungKonkurs­verwaltung" undEinkaufspreis" in den Verkaufsanzeigen der betreffenden Firma abzuweisen, dagegen das Verbot der BezeichnungTotalausverkauf" aufrecht zu erhalten sei. Die Kosten sind zu */4 dem Beklagten und zu s/< dem klägerischen Anwalt zur Last gelegt worden.

A Aus Rheinhessen, 27. Dezember. Der Zentrums­abgeordnete Molthan hat heute bei der zweiten Kammer >en Antrag eingereicht, die Großh. Staatsregierung zu er­suchen, den Bau einer Bahn von Mainz über Essenheim nach Elsheim im Anschluß an die zu erbauende Selzthal­bahn in die Wege zu leiten.

Wetzlar, 27. Dezember. Wie im vorigen Jahre, so hat das Portland-Zement-Werk Wetzlar vormals Albrecht Stein & Comp. auch in diesem Jahre seinen Arbeitern eine schöne Weihnachtsgabe zuteil werden lassen. Nach einer kernigen Ansprache des technischen Leiters des Werks, des Herrn Direktors Schwarz, wurde den Leuten eröffnet, daß ihnen auch diesmal wieder 5 Prozent des Jahres- -arbeitslohnes bezw. des seit dem letzten Eintritt in das Werk verdienten Lohnes als Prämie bewilligt worden seien. Die infolge dieser sehr anerkennenswerten Bewilligung ver­teilten Beträge, welche im einzelnen bis zu 70 Mk. hinauf zehen, machen im ganzen eine sehr stattliche Summe aus. Durch sie ist in manches Haus eine schöne Weihnachtsfreude hineingetragen worden.

Kassel, 24. Dezember. Kürzlich fand hier die dies­jährige ordentliche Sitzung des Ausschusses der Jnvali- ditäts- und Alters-Versicherungs-Anstalt Hesse n-Nass au statt. Es wurden die durch das neue JnvalidcnversicherungSgesetz bedingten neuen Satzungen der Versicherungsanstalt genehmigt, wobei besonders hervor­zuheben ist, däß die Anstalt vom 1. Januar 1900 ab den Namen Landes-Versicherungsanstalt Hessen- Nassau führen wird. Die für die Aufbewahrung der umgetauschten Ouittungskarten vorgesehenen Räume haben sich bei der Versicherungsanstalt als unzureichend erwiesen. Bei Einrichtung der Aufbewahrungsstelle gingman 1891 von der Annahme aus, daß die Quittungskarten nach Uebertragung ihres Inhaltes in Sammelkarten in Zukunft vernichtet werden könnten, daß es sich damit nur um eine vorübergehende Auf­bewahrung der Karten handeln würde. Dementsprechend hatte man damals die Aufbewahrung der Karten nur vorübergehende Einrichtungen getroffen. Die Uebertragung der Quittung-g- karten in Sammelkarten wird indessen nach der neuerdings bekannt gewordenen Anschauung des Neichs-Versicherungs- amtes eine derartig zeitraubende und kostspielige werden, daß vermutlich keine Versicherungsanstalt sich zu dieser Maßregel entschließen wird und sich damit vermutlich eine dauernde Aufbewahru ng der Karten nicht umgehen läßt. Damit wird natürlich die Schaffung dauernder Aufbewahrungsräume für die Quittungskarten notwendig und wurde deshalb, um mit dem Vorstand ge­meinsam diese Angelegenheit weiter zu verfolgen, eine Baukommission gebildet. Der Vorstand der gemein­samen Ortskrankenkasse zu Wiesbaden, unterstützt von einer Anzahl Krankenkassen aus dem Reg.-Bez. Wies­baden, hatte bei dem Vorstand den Antrag gestellt, eine eigene Lungenheilstätte zu errichten. Der Versicherungs­anstalt stehen jetzt zur Behandlung lungenkranker Ver­sicherten offen die Heilstätten Ruppertshain, Oberkaufungen, Universitäts-Sanatorium in Marburg und eine Heilstätte, die von einem Hanauer Komitee im Kreise Gelnhausen bis zum Herbst 1901 fertiggestellt werden wird, zusammen mit 324 Betten. In der Erwägung, daß bisher nur 80 Betten zur Verfügung standen und etwa 300 Personen jährlich wegen Lungenkrankheit behandelt sind, hat der Gesamt­vorstand der Versicherungs-Anstalt geglaubt, daß auch bei einer ganz erheblichen Erweiterung der Krankenfürsorge

den BedÜrfnisien der DerficherungS-Anstalt hinsichtlich der Behandlung lungenkranker Personen in Heilstätten für ab­sehbare Zeit Genüge geleistet ist, und daher den Antrag der Krankenkasse einstimmig als zur Zeit gänzlich unbe­gründet abgelehnt.

Vermischtes.

* Köln, 26. Dezember. Der von Soldaten des 16. Infanterie Regiments überfallene und durch Bajonettstiche schwer verletzte Fabrikant Lämmert ist, nachdem ihm ein Bein amputiert worden war, gestorben. Zur selben Stunde wurde auch der Mörder entdeckt in der Person des Infanteristen Rokosty, der sich einem anderen Infanteristen, namens Keßler, zu Füßen geworfen und ihn flehentlichst gebeten hatte, ihn nicht zu verraten. Diesen Vorgang hatte ein dritter Infanterist beobachtet, der alsbald Anzeige machte. Die Untersuchung ergab, daß Rokosty der Thäter war und Keßler dem Ueberfall beigewohnt hatte. Beide wurden unter starker militärischer Bewachung in Arrest abgeführt. Das Urlaubsverbot, das sich auf Mannschaften wie auf Offiziere erstreckte, ist alsbald aufgehoben rofftben.

* Berlin, 27. Dezember. Wie verlautet, ist der Leut­nant der Schutztruppe, Prinz Arenberg wegen des in Deutsch-Südwest-Afrika begangenen Verbrechens zu drei Jahren Festung und Entfernung aus dem Offiziersstande verurteilt worden.

* Berlin, 27. Dezember. Welche Unmassen von Schnee hier gefallen sind, ergiebt sich aus der Mitteilung, daß 100,884 Kubikmeter Schnee von der städtischen Straßen­reinigung weggeschafft wurden; die Zahl der Schneefuhren betrug 50,442. Mit diesen Aufstellungen ist aber keines­wegs die ganze Masse des gefallenen Schnees erschöpft; nach der Mitteilung eines Fachmannes liegt auf den Straßen und Dächern der Stadt mindestens noch einmal so viel Schnee.

* Berlin, 27. Dezember. Ein großes militärisches Schauspiel sollen die Berliner am Neujahrsmorgen zu sehen bekommen, nämlich eine Parade der ganzen Garnison. Infolge dessen ist der Weihnachtsurlaub auf höchstens sieben (sonst 12 bis 14) Tagen verkürzt worden, worüber die Soldaten nicht erfreut sein werden.

* Berlin, 27. Dezember. Am neuen Dom ist das Gerüst nunmehr fast völlig beseitigt, uachdem die große Figur des segnenden Christus die bei dem ersten Ver­suche, sie an ihren Platz zu bringen, abstürzte soeben glücklich an die für sie bestimmte Stelle gelangt ist. Die an der Kuppel noch fehlenden zwei Engelgruppen werden mit Hilfe der im Innern des Domes befindlichen Fahrstühle hinaufgeschafft werden.

* Hamburg, 27. Dezember. Der Mädchenhändler Veith, dessen Verhaftung gemeldet ist, beschäftigt auch die Berliner Polizeibehörde. Veith ist eine in Berlin nicht ganz unbekannte Persönlichkeit, und seineKünstlertruppe", die unter dem NamenDie 7 Libellen" iu Artistenkreisen sehr bekannt war, hatte stets hervorragende Engagements im Jn- und Ausland. Seine Truppe bestand stets aus hübschen, jungen Mädchen. Sie bildeten die Opfer eines verbrecherischen Treibens. Er kaufte vielfach Kinder, nahm sie in Pflege und bildete sie für die Spezialitätenbühne aus. Bei feinen Tournees durch Rußland, Oesterreich, Italien, Holland trieb er mit feiner lebenden Ware Geschäfte; er kaufte auch Kinder auf, und junge Mädchen, die sich für die Bühne nicht eigneten, wurden bann ohne weiteres nach Buenos-Aires unb anberen sübamerikanischen Stäbten transportiert. Wie viel unglückliche Wesen so von dem Buben verhanbelt worben sinb, konnte bisher noch nicht festgestellt werben. Der 61 Jahre alte Verbrecher, ein geborener Holländer, hätte sein Unwesen noch länger treiben können, wenn nicht ein Zufall zu der Entlarvung geführt hätte. Vor einiger Zeit, als Beith sich mit feiner Truppe in Hamburg befand, ver­lor er dort einStück Ware". Ein junges Mädchen, welches schon längere Zeit bei ihm gelebt, war entflohen, und so mußte er ohne dieses die Hansastadt verlassen. Das betr. Mädchen nahm Stellung als Kellnerin an, und' als Veith jetzt wieder in Hamburg weilte, umWare" zu ex­portieren, bemerkte ihn feine frühere Angestellte unb ver­anlaßte die Verhaftung bes Verbrechers. Das Mäbchen, welches Veith nach Brasilien schicken wollte, ist eine Russin, die er für 1000 Mk. von der Mutter gekauft hatte.

* Breslau, 27. Dezember. Wie derBreslauer General- Anzeiger" meldet, wurde am Samstag, dem 23. Dezember, in Kapsdorf bei Canth von ruchloser Hand eine M ord - that verübt. Die Familie des Amtsvorstehers Anders hatte in den Abendstunden des genannten Tages das Gehöft verlassen, um einer Weihnachtsfeier beizuwohnen. Nur der 15jährige Sohn Ernst war allein zurückgeblieben. Nach einiger Zeit fand ein Metzgerbursche, der mit bestellter Ware in das Haus kam, alle Thüren geöffnet unb den Sohn Ernst in einer Blutlache tot am Boden. Die Leiche wies eine Menge tiefe Wunden auf; auch das Nasenbein war zer­trümmert. Nach den vorhandenen Anzeichen hat zwischen dem Thäter und dem Knaben ein Kampf stattgefunden. Bereits am folgenden Tage wurde ein des Mordes ver­dächtiges 'Individuum verhaftet, dessen Kleider zahlreiche Blutspuren aufwiesen und am- Tage zuvor in Kapsdorf ge­sehen worden war.

* Wien, 27. Dezember. Zwischen den Stationen Startsch und Trebitsch an der Nordwestbahn stießen in der Nacht zwei Lastzüge zusammen. Vier Beamte wurden verletzt.

* San Remo, 27. Dezember. In der Nacht brannte die hiesige englische Kirche vollständig nieder. Der Schaden an Heiligenbildern und Kirchengeräten beläuft sich auf mehr als 200,000 Lire.

* Zürich, 27. Dezember. Zwischen den deutschen Offi­zieren Schladitz und Kißlig des in Mühlhausen garni- sonierenden 112. badischen Infanterie-Regiments fand an

der Schweizer Grenze ein Pistolenduell statt, 6ef welchem Schladitz in die Brust geschossen wurde und nach wenigen Minuten eine Leiche war. Schladitz war der Sohn eines Hauptmannes in München, Kißlig soll der Sohn eines Berliner Apothekers sein.

' Paris, 27. Dezember. Ein hübsches Geschichtchen macht augenblicklich unter den Hutmachern von Paris die Runde. Anläßlich der Weltausstellung von 1867 unter dem Kaiser­reiche war ein braver Bürger aus einem entlegenen Pro­vinzneste nach Paris gekommen und hatte sich bei einem bekannten Hutmacher der Rue de Rivoli einen neuen Cylinder gekauft. 32 Jahre verstrichen, ohne daß der gute Provinziale Gelegenheit sand, wieder die Hauptstadt zu besuchen. Letzthin veranlaßte ihn ein dringendes Ge­schäft, sein Städtchen zu verlassen und nach Paris zu kommen. Als er seine Angelegenheiten geordnet hatte, wollte er sich auch etwas zu Gute thun und beschloß den Ankauf eines neuen Hutes. Die Adresse des HutmacherS in der Rue de Rivoli war ihm aus dem Jahre 1867 int Gedächtnis geblieben, und er eilte sofort hin. Der Laden befand sich noch an der alten Stelle. Unser Provinziale öffnete seelenvergnügt die Thür und grüßte den Besitzer, ihm tote ein alter Bekannter zulächelnd, mit den klassischen Worten:Da bin ich schon wieder!"

Ist die ftälte gesund?

Für viele Leute ist es eine ausgemachte Thatsache, daß die Kälte der Gesundheit zuträglich ist. Ein großer Teil der Laien argumentiert einfach wie folgt: Ursachen aller Krankheiten sind Bakterien; Bakterien werden von der Kälte getötet, folglich ist die Kälte gesund.

Das Schlimme ist nur, daß die Wissenschaft den Satz von der Tötung der Mikroben, die verteufelt zäher und widerstandsfähiger als die Menschen sind, durch die Kälte nicht rückhaltlos unterschreibt. Theoretisch hat der berühmte Direktor der Gürten von Kew, Sir William Thyselton-Dyer, die Behauptung jüngst durch lehrreiche Versuche widerlegt. Er setzte Pflanzenkeime künstlich erzeugten Temperaturen von mehreren hundert Grad Kälte aus, wie sie in der Natur zwar nie vorkommen, brachte sie dann wieder in den warmen Erdboden unb siehe da, sie gingen prächtig auf.

Aehnlich, wenngleich nicht genau so, verhält es sich mit den krankheitserregenden Mkroben. In höherem Grade als die Theorie spricht auf den ersten Blick die praktische Erfahrung für die weit verbreitete Meinung, daß die Kälte gesund sei, insofern die Bakterien dabei in Betracht kommen; denn es ist festgestellt, daß in sehr kalten Ländern die Zahl und die Lebensfähigkeit der Mikroben nur gering ist. Unter anderem meint Nordenskiöld, daß die Lust in den arktischen Gegenden von Krankheit erregenden Bakterien frei sei. Er behauptet, daß man sich beispielsweise in Spitzbergen keine Erkältung zuziehe, obwohl man täglich Veränderungen der Temperatur ausgesetzt ist, die in Ländern der gemäßigten Zone früher ober später zweifellos ernste Folgen zeitigen würben. Währenb der drei Sommer, in denen sich die schwedischen Expeditionen in jenen Gewässern aufhielten, kam an Bord des Schiffes keinerlei katarrhalische Erkrank­ung vor.

Die Polargegenden haben aber keineswegs ein Monopol auf dauernde Kälte; die hohen Punkte der Gebirge haben dieselbe Eigenschaft und man weiß, daß auch sie heilsam und frei von krankheiterregenden Keimen sind. Wenn Mikroben und zumal ihre Keime sich in kalten Himmelsstrichen über­haupt finden, so sind dort jedenfalls die Bedingungen für ihre Fortentwickelung, ihre Vermehrung keine günstigen daher die völlige ober fast völlige Bakterienfreiheit jener Gegenbeu, in welchen es immer kalt ist.

Wie steht es aber bei uns, wo bie Keime im allgemeinen günstige Betätigungen für ihre Entwickelung finben? Hier besteht bie Gefahr, baß wir bie vorn Frost scheinbar un- schäblich gemachten Keime, wenn wir sie mit uns von braußen in unsere wohlig erwärmten Wohnungen Heimbringen, wieber erwärmen unb gleichsam wie Schlangen an unserem Busen groß ziehen.

Nimmt denn überhaupt bei starker Kälte die Zahl der Kranken ab? Die Aerzte antworten darauf, daß es sich nicht sowohl um bie Temperatur als um bie Feuchtigkeit ber Luft handelt. Kalte Luft ist an unb für sich trocken, Trockenheit aber taugt nicht für uns. Es scheint, als wäre ber Wasserbunstgehalt der Luft ber Faktor, ber am ein- schneibenbsten auf unseren Organismus einwirkt. In feuchter Luft empfinben wir sehr feine Unterschiebe ber Temperatur, bie bas Thermometer nicht einmal erkennen läßt. Für ben Feuchtigkeitsgehalt ber Luft ist bic Winbrichtung von großer Bebeutung, unb eben hierauf beruht ber geheimnisvolle Einfluß eines Winbumschlags, ber in der Gegend des Mittel­meeres den Kranken, die dort Heilung suchen, so oft Unheil bringt. So hatte an der Riviera am 15. Oktober ein Kubikmeter Luft Mittags 11 nnd um Mitternacht nur 2,8 Gramm Wasser. Man darf annehmen, daß es, ohne Schaden für bie Gesunbheit, minbestens 56 unb höchstens 1213 Gramm enthalten müßte. Bei weniger als fünf Gramm wächst die Sterblichkeit, weil die Krankheiten der Atmungsorgane zunehmen, bei Ueberschreiten des erwähnten Maximums, weil sich die gastrischen Erkrankungen mehren. Es ist also nicht um es kurz zu wiederholen die Temperatur, welche unseren Organismus beeinflußt, sondern lediglich der allzu große oder allzu geringe Feuchtigkeits­gehalt der Luft, und nur fälschlich schreibt man bie sich hieraus ergebenben Wirkungen bem Einflüsse ber Temperatur zu. An sich ist mithin bie Kälte weber nützlich noch schäd­lich es kommt doch schließlich stets auf die Konstitution des Einzelnen an.

Schisssnachrichten.

Der PostdampferKensington" derSieb Star Ltne" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 25. Dezember wohlbehalten in New- Nork engefommen.