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Die Bolksstimmung gegen England.
Gießen, den 27. Dezember 1899.
In früheren Zeiten konnte man in Deutschland füglich noch von einer den Engländern freundlichen und einer England feindlichen Stimmung reden, und es hat noch in den letzten Jahrzehnten Zeiten gegeben, in denen selbst die amtliche Politik sich mit vollen Segeln in das Kielwasser des Briten- lumS begab. Es war vor allem der Liberalismus von der Färbung des Fortschritts, den heiße, innere Sympathieen mit dem großen Handelsvolk jenseits des Kanals verbanden, mit jenem Volke, das so rasch und so rücksichtslos den Uebergang zum reinen Jndustriestaate gefunden hatte, das ohne Gewissensskrupel sich in den Besitz des größten Teiles aller Schätze der Welt zu setzen wußte, das vor allem das Ideal aller Freisinnigen verkörperte, indem es dem parlamentarischen Mehrheitsführer die Rolle des weiland Merovingischen Hausmeiers vindizierte. Mit dem Hinweise auf das glückliche Albion wurde operiert, wenn Verfassungsfragen behandelt wurden, nur vergaß man, daß selbst das freie Albion noch nicht das allgemeine, gleiche und direkte Stimmrecht besitzt, daß den jahrhundertealten freiheitlichen Institutionen auch der Zopf von Jahrhunderten anhängt. Nach England wurde gewiesen, um die alleinseligmachende Wirkung des Freihandels zu Preisen, nur vergaß man, daß England die Thür für die freie Konkurrenz nur offen hielt, weil es in seinem Nutzen lag, weil die Bedürfnisse eines ungeheuren Kolonialreiches anders gestellt sind, als die einer Kontinentalmacht, und man vergaß, daß England in jedem Augenblick bereit war, der Konkurrenz die härtesten Zwangsmaßregeln aufzuerlegen, sobald es ihm der eigene Vorteil gebot. Heute sind unter dem Druck gewaltiger Thatsachen die Sympathieen für England selbst dort zerbröckelt, wo man einst für Albion schwärmte, und man darf es glauben, daß auch Kaiser Wilhelm, als er aus höheren, dem Volke unbekannten Rücksichten die Fahrt nach England antrat, nur schweren Herzens hinauszog über das nordische Meer.
Die Bewegung, die jetzt Deutschland beherrscht, läßt sich auf zahlreiche Wurzeln zurückführen. Vor allem findet sie ihre Nahrung in der Geschichte nicht nur der jüngsten Zeit, sondern auch in der Geschichte des ganzen Jahrhunderts. Immer finden wir, wenn Deutschland in Mühe und Kampf einen Schritt vorwärts wagte zur Einheit und Macht, England auf der Seite der Widersacher, ob wir zurückgehen bis zum Wiener Kongreß, ob wir des Kampfes um die meerumschlungenen Eilande gedenken, oder des Krieges gegen Frankreich, als englische Rheder den Feinden Geschütze und Flinten zuführten, als man in London die deutschen Lieder auszischte und vom Hofe an bis zur Hefe alle Welt der deutschen Politik Steine in den Weg zu werfen bemüht war. Und haben wir später, als wir es wagten, bescheidene Niederlassungen in fremden Weltteilen
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Feuilleton.
* Die Aerzte in Deutschland. In der neuesten Nummer der Deutschen medizinischen Wochenschrift veröffentlicht der Statistiker Dr. G. Heimann auf Grund des soeben erschienenen Reichs-Medizinalkalender Jahrgang 1900 folgende statistische Daten über die Aerzte Deutschlands: Die Zahl der Aerzte ist im Deutschen Reiche gegen das Vorjahr um 932 gleich 3,6 Prozent gestiegen, sodaß Ende 1899 deren 26 689 gezählt wurden. Davon kommen auf Preußen 16 103 oder 649 (4,2 Prozent) mehr als im Vorjahre, auf Bayern 2947 d. h. 144 (5,2 Prozent) mehr als 1898, auf das Königreich Sachsen 1968 (+ 25), auf Württemberg 870 (+ 19) auf Baden 1027 (-f- 27), auf das Großherzogtum Hessen 661 (4- 10), auf Elsaß-Lothringen 766 (— 1). Es waren ferner Aerzte in: Mecklenburg- Schwerin 270 (276), Braunschweig 248 (234), Sachsen- Weimar 203 (195), Oldenburg 149 (144), Anhalt 136, ■ (137), Sachsen-Koburg-Gotha 109 (108), Sachsen-Meiningen 90 (92), Sachsen-Altenburg 73 (74), Hamburg 569 (544), Bremen 144 (141), Lübeck 68 (63). In Llppe-Detmold waren im Jahre 1899 58 (im Vorjahre 53), in Reuß j. L. 49 (46), in Schwarzburg-Rudolstadt 38 (39), in Mecklenburg-Strelitz 38 (36), in Waldeck 37 (34), in Schwarz- bvrg-Sondershausen 33 (32), in Reuß ä. L. 18 (18), in Schaumburg-Lippe 17 (19) Aerzte. Eine Verminderung läßt sich also in Elfilß-Lothringen, Mecklenburg-Schwerin, Anhalt, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Altenburg, Schwarz-
zu gründen und unter den Schutz des Deutschen Reiches | zu stellen, uns je der englischen Sympathien erfreut? Von I Angra Pequenna und Lüderitzland bis Samoa reicht die Kette der Feindseligkeiten, die uns England erwies, und mögen jetzt vielleicht auch Verträge geschloffen sein, so wird man doch diese Verträge nur halten, solange der eigene Vorteil oder die eigene Schwäche es gebieten. Hat nicht auch unsere Industrie, hat nicht unser Handel stets unter dem Drucke englischer Abneigung gestanden? Was sollte denn das berüchtigte „made in Germany“ anderes erreichen, als den Ausschluß deutscher Waren aus dem Jnselreich und seinen weiten Kolonien, was sollte diese Marke anders sein, als ein Brandmal auf der Stirn der deutschen Exporteure? Daß England, indem es das Böse wollte, das Gute schuf, ist nicht sein Verdienst, sondern das unserer eigenen That- kraft und Tüchtigkeit.
Gerade jetzt aber, in dem Kriegszuge gegen die Buren, tritt die englische Art in so grelle Beleuchtung, daß von der Newa bis zum Tajo einhelliger Jubel jede Niederlage der britischen Waffen begrüßt. Krasse Habgier hat das Motiv des Krieges gebildet, der nicht unternommen wurde gegen wilde, der Kultur unzugängliche oder der Kultur feindliche Völker, sondern gegen ein freies Geschlecht germanischer Bauern, gegen ein niedersächsisches Volk, dessen ferne Wurzeln sich mit den Angelsachsen vereinen. Und doppelt freudig wird jeder Schlag, der die Engländer trifft, begrüßt, weil er mit immer größerer Deutlichkeit die Hohlheit des Erdgrundes enthüllt, auf dem ein Krämervolk sein luftiges Gebäude errichtet hat. Die Habgier und der leichte Gewinn haben dem einst so wehrhaften Volke das Mark in den Knochen zerstört, und nur durch öde Renommiersucht getäuscht, konnte bisher die Welt an Englands Allmacht und Unüberwindlichkeit glauben. Es ist ein menschlich edler Zug, der in den Herzen lebt, wenn alle Sympathieen sich den Buren zudrängen, die, für ihr Heim und ihre Freiheit zu kämpfen, im schlichten Bürgerrock hinausziehen an die Grenzen und die, wenn die Kugel ihre Brust durchbohrt, im frommen Aufblick zu den Gestirnen sich selig preisen, daß sie das schönste Los des Mannes zogen: Für die Unabhängigkeit ihres Vaterlandes zu sterben.
Einhellig sind die Sympathien, die Europa, die vor allem das deutsche Volk den Buren schenkt. Und doch tönt hier und da ein schriller Mißklang. Hat auch ein großer Teil der freisinnigen Organe unter dem Druck der eigenen Leser seine Anschauungen revidiert, um aus dem England freundlichen Lager in das Lager der Gegner abzuschwenken, so ist doch immer noch ein Nest geblieben „zu tragen peinlich" und auch, gleich jenem anderen Rest, von dem Goethe spricht, nicht gerade reinlich. Es ist vor allem das Zauberwort „Realpolitik", mit dem man jede Kundgebung für die Buren einzudämmen glaubt; man weist auf die Empfindlichkeit der Engländer hin, die sich an uns und vor allem an
unserem Handel dereinst bitter rächen könnte, man richtet an das deutsche Volk den Appell an die Furcht vor Nasex- stübern. Aber wir halten es noch immer mit dem Wort Bismarcks, der uns lehrte, nichts anderes in der Welt z« fürchten als Gott, und die Bedingungen einer gesunden Realpolitik sehen wir auch dann nicht gefährdet, wenn man der Burensiege sich freut. Eine Abrechnung zwischen England und Deutschland ist unausbleiblich, sie ist notwendig geworden an dem Tage, da unsere Flagge zum ersten Mal hinausfuhr auf den Ozean, seit deutsche Arbeit sich siegreich, der englischen Produktion zur Seite stellte. Darum kämpfen die Buren im letzten Sinn für uns, und sollte wirklich in den Kämpfen dort unten am Tugelastrom und vor Kimberley die englische Weltherrschaft erschüttert werden, so stehen wir da als Erben im Namen des Germanentums, so wundersam auch der Gedanke erscheinen mag, daß die höchste Instanz der Weltgeschichte dem armen Bauernvolk von Transvaal eine so ungeheure welthistorische Mission vorbehielt.
In Wahrheit sind denn auch die Stimmen, die bald im „Berliner Tageblatt", bald in reinen Börsenorganen zu Gunsten Englands ertönen, beeinflußt durch Erwägungen ganz besonderer Art. Sie im einzelnen zu verfolgen, belohnt kaum die Mühe; ein einzelnes Beispiel ist hinreichend charakteristisch. In der „Berliner Finanz- und Handelszeitung" findet sich ein lang ausgesponnener Artikel, in dem Deutschland und die europäischen Mächte aufgefordert werden zu einer — bewaffneten Intervention im englischen Interesse! Auch Deutschland könnte ja, so wird ausgerufen, eines Tages in Kiautschou fremde Hilfe gebrauchen, und im Interesse aller Länder liege es, einmal notwendig gewordene Gebietsvergrößerungen zum Schutz der Kultur und Handelsarbeit rasch und eventuell gemeinsam durchzusetzen. Denn, so heißt es wörtlich, „was soll es heißen, daß schließlich die ganze Welt inAufruhr gerät, wenn tapfere Buren ihr bischen Land gegen England verteidigen, das es zweifellos der allgemeinen Wohlfahrt nutzbarer machen kann, als es Buren je können ober wollen?
Aber das zitierte Finanzblatt geht noch weiter, es entwickelt auch ungeniert die eigentlichen Gründe seiner Haltung, und es gelangt dabei zu Bekenntnissen, die wertvoll sind: „Alle Welt hat es vom ersten Tag an satt, der lieben Buren wegen in Handel und Wandel gestört zu sein, Geld teuer werden zu sehen, weil Bauern gerade dort ihr Strohdach aufgeschlagen haben, wo die Welt, die Arbeit der Nationen ihren Puls, ihren Nerv, ihr Blut, ihr Gold hat. Man lasse uns ungeschoren mit den billigen Phrasen (!) von Recht und Bildung, wenn die Welt in ihren Grundvesten erschüttert wird, weil einige Bauern den Platz nicht einer kaufmännischen Verwaltung überlassen wollen." Nach einem geschmackvollen Vergleich zwischen der Austilgung der Indianer und den Buren schließt das Blatt „Macht geht vor Recht in kolonialen Fragen,
burg-Rudolstadt und Schaumburg-Lippe seststellen (im Vorjahre in Braunschweig, Reuß j. L. und Schwarzburg-Rudolstadt). Bon den preußischen Provinzen zählt, wie früher, die meisten Aerzte die Rheinprovinz: 2532 (2389). Nächst Berlin folgt Schlesien 1801 (1716), sodann Brandenburg 1541 (1447), Hessen-Nassau 1247 (1201), Sachsen 1243 (1228), Hannover 1231 (1205), Westfalen 1137 (1105), Schleswig-Holstein 705 (673), Ostpreußen 665 (621), Pommern 649 (616), Posen 522 (510), Westpreußen 488 (480), Sigmaringen 28 (30). In allen Provinzen, abgesehen von Sigmaringen, fand eine zumteil erhebliche Zunahme statt.
* Seine hundertste Rundfahrt über den atlantischen Ozean wird der Kapitän Karl Kaempf des Schnellpostdampfers „Auguste Victoria" im Dienste der Hamburg-Amerika- Linie zurückgelegt haben. Aus Anlaß dieses seltenen Vorkommnisses wurden dem Jubilar bei seiner Ankunft in New- Aork zahlreiche Glückwünsche und Aufmerksamkeiten, sowie ehrende Kundgebungen zuteil. Kapitän Kaempf hat bei wiederholten Gelegenheiten seine persönliche Bravour bewiesen. So rettete er unter anderen im November 1879 einen irrsinnig gewordenen dänischen Passagier, der im Hafen von Havre von dem „Gellert" über Bord gesprungen war, mit eigener Lebensgefahr vom sicheren Tode des Ertrinkens; 1887 sprang er ferner im westindischen Hasen Sankt Thomas einer vom „Cyklop" in das Meer gefallenen französischen Baroneffe nach und rettete dieser trotz der Häufigkeit der Haifische in jenen Gegenden das Leben. Beim Brand auf dem „Gellert" im Oktober 1893 rettete Kapitän
Kaempf mit seltener Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit Schiff und Besatzung vor dem sicheren Verderben, und in demselben Jahre brachte Kaempf die havarierte „Italia" sicher nach dem Hafen von New-York. Für diese Bravourstücke ist der tüchtige Kommandeur unter anderem auch durch Kaiser Wilhelm II. mehrfach persönlich ausgezeichnet worden und zwar durch Besuche auf der „Auguste Victoria" und durch Ordensverleihung.
• Helmerding und Stephan. Aus Anlaß des Heimganges des alten Helmerding, des berühmten Berliner Komikers, möge das folgende hübsche Geschichtchen wieder aufgefrischt werden: Ein an Helmerding, Wallnertheater adressierter Brief von G. v. Moser suchte den Adressaten in Berlin drei Tage lang. Helmerding beschwerte sich in einer an den damaligen Generalpostmeister Stephan gerichteten gereimten Epistel, in der es hieß:
Wie damals die Penelope Ulysses hat empfangen.
So ifis mit diesem lieben Brief ganz ähnlich mir ergangen, Drei Tage irrt er hier herum, geschickt nach allen Winden, Karl Helmerding war von der Post nun einmal nicht zu finden.
Und doch steht unter ’ner Million — fern sfi mir die Reklame — Wan sehe im Adreßbuch nach, nur einmal dieser Name.
Mit kaltem Wasser glaubte ich mich plötzlich übergossen. Als ich entdeckte: Unsere Post hat nicht mal Sinn für Possen!
Jetzt wissen wir, wie's mit uns steht, Es ist — ganz klar ermess' ich — Mit uns'rer Popularität — Wie man so sagt — ganz Essig!
Berlin, 29. März 1881. Der Adressat.
Auf diese Eingabe antwortete der Herr Staatssekretär


