Ausgabe 
29.9.1899 Zweites Blatt
 
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!it dem Bau der neuen mit direkter Weiter- is Bahnkreisen erfahren, ri, nachdem das seither Hofsanlage in Kreuznach Ser pfäljifäen Streit fou begonnen werden, etgung wegen größerer enDrndMWninlM igiM bw\tx Woche ist Tt im Beiried. Vorerst Stromes indes nur in ihr morgens. Mildern en Betrieb gesetzt, und ch die Beleuchtung aller cht.

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bräunt, als Leiche in dem mit dem kochenden Mus gefüllten Kessel. Ob. Zig.

Frankfurt, 27. September. In einer Wirtschaft an der Merheiligenstraße kam gestern abend, wie wir in letzter Nummer kurz mitteilten, zwischen fünf und sechs Uhr eine Liebesgeschichte zu einem tragischen Abschluß. Dort erschien vor etwa acht Tagen ein aus Braunschweig stam­mender 25 jähriger Oberkellner, der zuletzt in Hamburg in Stellung gewesen war, um eine dort angestellte siebzehn­jährige Kellnerin, die Tochter eines Eisenbahnangestellten ans Braunschweig, zu besuchen. Ein Verhältnis, das er früher mit dem Mädchen unterhalten hatte, hatte sich gelockert, und er war gekommen, um es zu erneuern. Mit seinen Be­mühungen hatte er jedoch um so weniger Erfolg, als das Mädchen seine Neigung einem andern zugewandt hatte. Trotz­dem verkehrte er täglich in der Wirtschaft. Auch gestern nach­mittag erschien er und ließ sich verschiedene Getränke geben. Später verlangte er eine kurze Unterredung mit dem Mädchen, und als es zu ihm kam, zog er es an sich heran, anscheinend, um vertraulich mit ihm zu reden. Plötzlich sprang das mit dem Ruf:Frau X., ich bin geschossen" auf und stürzte zu einer Seitenthür des Lokals heraus. In demselben Augenblick hörte man mehrere Revolverschüsse. Zwei Schüsse hatte den Kellner in die Stirn getroffen und ihn sofort ge­tötet. Das Mädchen war in einen benachbarten Laden ge­laufen und auf einem Stuhl zusammengebrochen. Sie starb in kurzer Zeit, von einem Schuß ins Herz tötlich getroffen. Die Leiche des Mörders wurde bald darauf, die des Mädchens eine Stunde später nach dem Friedhof abgeholt.

Hanau, 27. September. Für einem Schulhausbau erhielt die katholische Gemeinde in Oberrodenbach ein kaiser­liches Gnadengeschenk von 12000 Mark.

Arbeiterbewegung.

Köln, 27. September. Der Ausstand der hiesigen Klempner und Installateure hat bereits bedauernswerte Ausschreitungen ge­zeitigt. Vor einem Geschäft an der Großen Neugasse gerieten streikende mit ivciterarbcitenden Kollegen aneinander, wobei einer der Streikenden einem Streikbrecher einen Messerstich in den Hals versetzte. Einzelne Geschäfte werden durch Polizeiposten geschützt; mehrere Ausständige wurden verhaftet unter der Beschuldigung, Arbeitswillige durch Drohun­gen zur Arbeitsniederlegung bestimmt zu haben. Der Oberstaats­anwalt hat sich infolge des Ausstandes veranlaßt gesehen, folgende Ver­fügung an die ersten Staatsanwälte zu erlassen:Da es die Zeitver- hältnissc notwendig machen, alle in den bestehenden Strafgesetzen gegebenen Mittel zum Schutze gegen den Mißbrauch der Koalitionsfreiheit mit voller Energie anzuwcnden, so halte ich für geboten, daß die ersten Staatsantvältc auch die Thätigkeit der Amtsanwälte auf diesem Gebiete genau beaufsichtigen und leiten. Ich empfehle deshalb, die Amts- anwältc anzuweisen, daß alle einschlägigen Sachen, mag die Anzeige auch nur auf Uebertretung lauten, bevor sie eine Entscheidung über die Anklage-Erhebung oder Einstellung treffen, mit einem besonderen, ihre Auffassung kurz darlegendcn Bericht der Staatsanwaltschaft vorgelegt werden und daß, wenn sie nach Aburteilung solcher Sachen Berufung einlegcn, die Akten zur Prüfung darüber cinrcichen, ob eine Berufung wegen ungerechtfertigter Freisprechung oder zu geringen Strafmaßes durchzuführen sei. Hoffentlich trägt dieser Erlaß in seinen Folgen dazu bei, von neuem zu erweisen, daß die Arbeitswilligen schon durch die be­stehenden Gesetze vor dem Terrorismus der Ausständigen genügend ge­schützt werden können. Dazu wird sich bald Gelegentheit bieten, denn,

wie uns der Draht meldet, haben sich die Ausständigen leider zu Aus­schreitungen hinreißen lassen, so daß mehrere Verhaftungen vorgeuommen wurden.

Kirche und Schule.

Dem II. Deutschen Evangelischen Schulkongreß, der vom 4. bis 7. Oktober tu Barmen tagt, geht in den ersten Tagen derselben Woche die B-rtreterversammlung des Verbandeß deutscher evangel. Schul-und Lehrer vereine voran. Seit etlichen Jahren haben sich nämlich die meisten der in Deutschland bestehenden evangel. Schul- und Lehrerveretne zu einem Verband zusammengeschlossen. Die bedeutendsten unter ihnen sind: der Evangel. Lehrerbund (Sitz in Hamburg) mit einer ganzen Anzahl von Zwetgvereinen (in Hannover, Braunschweig, Schleswig-Holstetm, Bremen, Lübeck usw.), der Verein evangel. Lehrer und Schulfreunde für Rheinland und Westfalen, der Verein evangel. Lehrer in Württemberg, der württenbergtsche VolkS- schuloerein, der Evangel. Schaloeretn in Bayern, der Lehrerbund Augsburger Konfession in Elsaß Lothringen usw. Auch aus den meisten anderen Gegenden des deutschen Vaterlandes gehören evangel. Lehcer- und Schulvereine zu dem genannten Verband, so aus dem König- reich Sachsen (drei Vereine), aus Baden, Mecklenburg, Hessen Nassau, Schlesien, Brandenburg (vier Vereine), Westfalen (zwei Vereine). Neu hinzugetreten sind in letzter Zeit die Vereinigung evangel. Lehrer im Herzogtum Sachsen-Altenburg, die für Berlin und Vororte und die für Prenzlau und Umgegend. An der Spitze des Verbandes steht Hauptlehrer Hogeweg in Broich b. Mülheim a. d. Ruhr. Die dies­jährige Vertretervetsammlung hat sich vorwiegend mit geschäftlichen Angelegenheiten zu befassen. Unter anderen handelt es sich um die vom Verband begründete Witwen- und Waisenhilfe und um ein demnächst berauszugebendes Handbuch des Verbandes.

Die deutschen Schulen in Brasilien, wo wir 400,000 Lands­leute haben, sind in erfreulicher Blüte begriffen. Selbst in kleinen Siedelungen, wo nur deutsche Handwerker sitzen, ist die deutsche Schule der Mittelpunkt aller heimatlichen Bestrebungen und wird mit vielen Opfern hochgehalten In den größeren Kolonien sind die deutschen Volksschulen bereits regelmäßig zu Mittelschulen erwachsen; die 10,000 Landsleute in St. Paulo z B. besitzen eine fünfklassige Schule mit einem Oberlehrer, vier ordentlichen Lehrern, einem Hilfslehrer, einer Hilfslehrerin und 200 Kindern. Der Zuschuß des deutschen Reiches für die Auslandschulen und die Unterstützung des Allg. deutschen Schul­vereins für das Ausland haben hierin schöne Früchte getragen; denn die Schule erweist sich bei unserem Volke als das festeste Bindeglied zwischen überseeischen Siedlungen und dem Mutterland. Es machte einen erhebenden Eindruck, als am 25. März d. I. der Vertreter des Allgemeinen deutschen Schulvereins fern im südamerikanischen Lande, in Contulmo bei Valparaiso, ein neues Schulhaus dem Lehrer einem Württemberger Namens Pfaff übergab, damitin seinen Räumen unsere schöne Muttersprache erklinge und Deutschlands Name stets ver­herrlicht werde." Im geräumigen Schulsaal hingen die Bilder unserer Reichsgründer, das Hoch galtKaiser Wilhelm II. und unserem lieben teueren Vaterland," der Dank wurde all den verschiedenen Spendern vom Allgemeinen deutschen Schulverein in der alten Heimat ausgedrückt, und die Feier schloß mit dem Absingen vonDeutschland, Deutschlanv über alles." Es ist tröstlich zu sehen, wie unserem Volkstum für die vielen Verluste an der Donau jenseits des Meeres einiger Ersatz heran­wächst; auch hierin gilt das Kaiserwort: Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser. Der Wunsch der Deutschbrasilianer geht jetzt dahin, die deutschen Unterrichtsverwaltungen möchten ihren Lehrern, wenn sie für einige Jahre in jene Kolonien gehen wollen, weniger Hindernisse in den Weg legen.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Aus Rheinhessen, 26. September. Die Frühburgunder­lese begann in Gaualgesheim am Montag bei zweifelhafter Witter­ung. die auch über die ganze Woche anhielt. Die geerntete Qualität war im ganzen gut, die Quantität dagegen fällt geringer aus als all­gemein angenommen war. Das Mostgewicht schwankte' zwischen 75 und

00 Grad Oechsle. In Büdesheim, wo am Mittwoch geherbstet wurde, ist in manchen Lagen kaum die Hälfte von dem geerntet, was erwartet worden war. Die Qualität ist zufriedenstellend. Der Preis stellt sich per Aiche zu 6 Viertel, zw. 108 Pfund auf 20 bis 23 Mk. (Stückpreis 660 bis 760 Mk.). In Bubenheim wurden per Viertel Frühburgunder (18 Pfund) 3,50 Mk. bezahlt Die Trauben waren in der Beere vollkommen und gut ai . -eift. In Großwinternheim sind die Frühburgunder mit 3,6t ')it per Viertel abgegeben. Im Sandfeld bei Eich gewachsene i2 Stück Portugieser sind zu 2,50 Mk. per Viertel verkauft. In Mölsheim, beginnt die Portugieserlese am Dienstag und in Gundersheim am Mittwoch. Im Wein­geschäft sind von lagernden Sachen vorwiegend 1897er und 1898er gesucht. Von abgeschlossenen Verkäufen sind zu erwähnen: 6 Stück 1897er in Sulzheim zu 440 Mk., mehrere Stück in Vendersheim zu 430 bis 450 Mk., 6 Stück in Undenheim zu 460 Mk., 6 Stück in Schornsheim zu 440 Mk., 5 Stück in Zornheim zu 530 Mk. und zehn Stück m Ensheim zu 425 bis 450 Mk. 1898er wurden abgegeben: in Wörrstadt verschiedene Posten zu ' 80 bis 400 Mk., in Ensheim 5 Stück zu 350 bis 420 Mk., in Heßloch 10 Stück zu 370 Mk. und in Gau- odernheim 14 Stück zu 360 Mk. Die Preise verstehen sich per Stück zu 1200 Liter. *

Limburg, 27. September. Fruchtmarkt. Note W -tun Mk. 13,33, weißer Weizen Mk. 00,00, Korn Mk. 11,00, Saatkorn Mk. 11,35, Hafer Mk. 6.50.

Kanbi irtschaft.

Kinzenbach. Bei der Hefigen G emeinde-Obstversteiger­ung wurden durchweg hohe P ise erzielt. Namentlich lieferte der Apfelbaum diesmal eine gute Er- ie. Trotzdem wetteiferten die zahl­reichen Käufer miteinander und so wurden einzelne Bäume, selbst mit geringwertigen Sorten, sogenannt ,i Wirtschaftsobst mit 25 Mk. bezahlt. Birnen und Zwetschen liefern in diesem Jahr eine geringe Ernte.

Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle in Gießen. 38. Woche. Vom 17. bis 23. September 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (incl. 1600 Mann Militär). DterblichkeitSztffer: 27,60, nach Abzug der Ortsfremden 12,73°/«. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsme: im vom

1. Lebensjahr: 2.-15 Jahr:

Lungentuberkulose

2 (1)

2 (1)

-

Knochen'uberkulose

1

1

Herzfehler

1

1

_

Typhus

1 (1)

1 (1)

_

Brechdurchfall

1

1

Krebs

3 (2)

3 (2)

_ _

Aebtrnkrankheiten

2 (2)

2 (2)

Unterleibsentzünd.

1 (1)

1 (1)

Atrophie

1

1

Summa: 13 (7) 11 (7j 2

Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gt-ßen gebrachte Krank- kommen.

Schisssnachrichten.

Der PostdamvferFriesland" derRed Star ßtnie* in Antwerp en ist laut Telegramm am 25. September wohlbehalten in N'wyork angekommen.__

323 Millionen Kugelspitzfedern hat die Firma D. Leonardt & Co. bis jetzt angefertigt und verkauft; gewiß ein Beweis dafür, welch' großer Beliebtheit sich dieselben im Publikum erfreuen. Mit Recht läßt sich hieraus konstatieren, daß noch niemals ein Schreibwerkzeug einen solchen Erfolg zu verzeichnen hatte, wie diese Leonardts Kugelspitzfedern, welche für jede Schreibart paffen und mit unglaublicher Leichtigkeit über das rauheste Papier dahingleiten, dem Schreibenden ein leichtes, an­genehmes und dabei schnelles Arbeiten ermöglichend.

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