Ausgabe 
29.9.1899 Erstes Blatt
 
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in seinem Sinne verliefen, zu den Hauptgegnern des Kanalbaues gehört. Am Samstag ist Frhr. v. Stumm aus seiner Zurückhaltung wieder herausgetreten, hat an einem Festessen zu Ehren des scheidenden Landrats, Ober- RegierungSrats Bake in Saarbrücken teilgenommen und einen Trinkspruch auf den Kaiser gehalten, in dem er, derSt. Johann-Saarbrücker Zeitung" zufolge, ganz besonders die Erhabenheit des Kaisers und seinen guten Willen betonte, wenn man sich auch nicht immer mit seinem Thun einverstanden erklären könne. Es ist anzunehmen, daß sich diese auffällige Bemerkung in seinem Kaisertoast auf seine Gegnerschaft zum Kanalbau bezieht. Es ist wertvoll, daß Frhr. v. Stumm damit zugiebt, daß eine loyale Gesinnung wohl vereinbar ist mit einer von der Ansicht des Kaisers in Einzelfragen abweichenden Meinung. Hoffentlich billigt er dieselbe Freiheit jetzt auch anderen zu, z. B. denpolitisierenden" Pastoren.

Ein französisches Blatt hatte gemeldet, daß die in Aussicht genommene Reise Kaiser Wilhelms nach England aufgegeben sei und dieser angebliche Verzicht mit demunbegrenzten Urlaub" in Verbindung stehe, welchen der Marine-Attachv bei der deutschen Botschaft in London erhalten habe, weil ihm die aus dem Arsenal von Portsmouth verschwundenen Dokumente zu­gegangen seien. Demgegenüber konstatiert diePost", daß der betreffende Marine-Attache bereits seit dem 21. Sep­tember seine Dienste wieder angetreten hat.

DieKreuzzeitung" meldet aus Wien: Da der Fürst Liechtenstein den Auftrag zur Kabinettsbildung end- giltig abgelehnt hat, gilt die Bildung eines Beamten- Ministeriums wahrscheinlich wieder durch den Freiherrn v. Gautsch als bevorstehend.

Nach den von denBerliner Reuest. Nachr." ein­gezogenen Erkundigungen liegt den neuesten Krisen-Gerüchten nicht die geringste Thatsache zu Grunde. Namentlich sei von einem Gegensatz zwischen dem Fürsten Hohen,- lohe und dem Finanzminister Miquel in der Stellung­nahme zur konservativen Partei keine Rede.

DiePost" erklärt gegenüber einer Mitteilung des Vorwärts", daß Freiherr v. Stumm niemals für in der Post erschienene Artikel irgendwelches Honorar gezahlt hat und wiederholt die frühere Er­klärung, daß weder Freiherr v. Stumm noch irgend ein Anderer der Gesellschafter derPost" seit Konstituierung der Gesellschaft irgendwelches Geldopfer für diePost" gebracht habe.

Der bekannte freikonservative Abgeordnete und Prä­sident der Seehandlung, Freiherr v. Zedtlitz erklärt in einer Zuschrift an diePost", daß er mit dem heutigen Tage von jeder Mitarbeit an derPost" zurück­trete, nachdem er bereits unmittelbar nach Schluß des Landtages die nötigen Schritte zur Lösung seiner Beziehungen zu dem genannten Blatte gethan.

Ausümd.

Dreihundert Personen sind im Jndustrieort Turn, das 10 000 Einwohner zählt, zum evangelischen Glauben übergetreten. Der in Turn soeben gegrün­dete evangelische Kirchenbauverein hat einhellig beschlossen, nachdem schon ein evangelischer Geistlicher dort angestellt wurde, sofort an den Bau einer evangelischen Kirche zu schreiten und vorläufig einen Rohbau zu errichten. Die Gemeindevertretung hat dem evangelischen Kirchenbauverein einen Platz angewiesen.

Rom, 27. September. Die englischen Offiziere, welche in Süd-Italien 20 000 Maultiere für Südafrika aufkaufen, erhielten telegraphisch den Befehl, dieselben An­fang Oktober abzusenden.

Rom, 27. September. Die von Seiten Italiens ge­wünschte Rückberufun g des französischen Militär- Attaches iu Rom soll demnächst erfolgen. Sodann soll auch die Stelle Panizzardis in Paris neu besetzt werden.

London, 27. September. Aus Prätoria wird gemeldet, daß die Antwort Transvaals heute in geheimer Sitzung dem Raad vorgelegt werden soll. Man nimmt an, daß sie unnachgiebig ausfallen werde. Daß die letzte bri­tische Note nur eine Spiegelfechterei war, wird jetzt dadurch bewiesen, daß die für die Lösung der Transvaal-Krisis vom Kabinett in Aussicht genommenen Mittel bereits skizziert find. England will nämlich die Tribunale Transvaals unter englischen Einfluß bringen.

Vermischtes.

Berlin, 28. September. Der 15 Jahre alte Lauf­bursche Franz Wegner hat gestern früh seine Großmutter, die 84 Jahre alte Witwe Kaps, in ihrer Wohnung zu ermorden versucht und ihr so schwere Verletzungen bei- gebracht, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird.

* Berlin, 27. September. Ein schwerer Rad­fahrerunfall, der ein blühendes Menschenleben jäh ver­nichtet, ein anderes in große Gefahr gebracht hat, ereignete sich am letzten Sonntag auf der Chaussee von Berlin nach Trebbin. Zwei in Sportkreisen bekannte Radfahrer, Miesterfeld und Ristig aus Zehlendorf, befanden sich auf der Rückkehr von einer Tour, die sie auf einem Tandem unternommen hatten. Als sie abends bei völliger Dunkel­heit die Chaussee entlang sausten, prallte die Maschine plötz­lich mit furchtbarer Wucht gegen den heruntergelassenen Schlagbaum eines Chausseehauses. Der Anprall war ein solcher, daß dem Führer Miesterfeld der Halswirbel ge­brochen und die Gurgel zerrissen wurde, und er unter den furchtbarsten Schmerzen am Orte des Unfalles verstarb. Auch der zweite Fahrer Ristig wurde mit aller Wucht herabgeschleudert und erlitt mehrfache Verletzungen.

* Frankfurt a. M, 27. September. Der Tod im Achensee. Man depeschiert derFrkf. Ztg." aus Inns­

bruck: Im Achensee bei der Landungsbrücke unweit See- i spitz wurden gestern zwei Leichen gefunden. Nach Papieren, I die sie bei sich hatten, sind es der Kaufmann Erasmus I Grimm aus Frankfurt a. M., 54 Jahre alt, und die I Luise Vogel aus Höchst, 30 Jahre alt. Das Wasser ist dort nur anderthalb Meter tief. Man fand sie liegend, [ ihn in halb stehender Stellung, über sie gebeugt. Beide I speisten am Vorabend imFürstenhaus". Ob ein Selbst- I mord oder ein Unglück vorliegt, ist nicht festgestellt. Wahr- I scheinlich ist, daß es sich um einen Unfall handelt. Man I vermutet nach vorgefundenen Speiseresten, daß sie sich er- I brochen hat und dabei ins Wasser gefallen ist. Er wollte I sie retten und ertrank mit ihr. Ein Bericht von anderer I Seite läßt allerdings eher an einen Selbstmord glauben. Danach waren beide Leichen mit einem Seil zusammen ge­bunden. Die Vogel soll Grimm's Buchhalterin gewesen I sein. Grimm habe in der Nähe des Hauptbahnhofs gewohnt. Das Frankfurter Adreßbuch weist einen Kaufmann Grimm I mit dem Vornamen Erasmus nicht auf.

Wiesbaden, 27. September. Brand auf dem Neroberg. Gestern früh ist in dem Restaurationsgebäude I auf dem Neroberg ein Schadenfeuer entstanden, das, wenn es nicht rechtzeitig entdeckt worden wäre, leicht den ganzen Saalbau hätte einäschern können. Es wurde gegen 6 Uhr I von Arbeitern in dem neuen Speisesaal bemerkt, hatte zu der Zeit aber schon so große Dimensionen angenommen, daß es den Arbeitern und den Bediensteten des Neroberg- Restaurants nicht mehr möglich war, mit Erfolg dagegen anzukämpfen. Der Versuch, die Feuerwache durch das Tele­phon zu alarmieren, mißlang, da der Neroberg keinen Nacht­anschluß h it, ein Mangel, der sich bei dieser Gelegenheit bitter rächte. Es mußte ein Bote zur Wache laufen, was natürlich große Zeitversäumnis zur Folge hatte. Die Wache konnte deshalb erst um 7 Uhr an der Brandstätte eintreffen. Ihrem sofortigen thatkräftigen Eingreifen gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken, doch vergingen mehrere Stunden angestrengter Arbeit, bis alle Gefahr beseitigt war. Die Folgen des Brandes, der sich auch auf einen Neben­raum des Saales erstreckt hatte, sind recht betrübende, der schöne neue Saal ist vollständig zerstört, die Wand- und Decken-Vertäfelung und der Fußboden sind entweder ganz verbrannt oder verkohlt. Außerdem sind die Möbel, Leinen- | gerate re., ganz oder teilweise verbrannt, sodann sind die; schönen Kronleuchter zerstört und die Fensterscheiben zer- | sprangen. Der entstandene Schaden ist sehr erheblich. Wie! verlautet, ist das Feuer durch einen Gasofen oder einen Wärmeschrank verursacht worden, doch sind dies Vermutungen und es bleibt abzuwarten, ob die seitens des Stadtbauamts bereits eingeleitete Untersuchung dieselben bestätigen oder ein anderes Resultat ergeben.

* Köln, 27. September. Gegen 2 Uhr heute mittag stürzte ein in der Wolfstraße gelegener vierstöckiger Neubau ein und begrub unter sich eine große Anzahl im Bau beschäftigter Arbeiter, welche eben nach der Mittags­pause die Arbeit wieder ausgenommen hatten. Bis 4x/2 Uhr waren zwei schrecklich entstellte Leichen hervorgeholt worden; mindestens 13 Personen sowie ein Kind befinden sich noch unter den Trümmern. Die Kölner Berufsfeuerwehr bewerk­stelligt die Rettungsarbeiten. Eine Anzahl Aerzte und Geistliche umstehen die Unglücksstelle, desgleichen zahlreiche Arbeiterfrauen, die jammernd nach ihren Angehörigen fragen.

* Osnabrück, 27. September. Das gegen den bekannten nationalsozialistischen Führer von Gerl ach durch den hiesigen Staatsanwalt eingeleitete Verfahren wegen Aufreizung zum Klassenhaß und Beamten-Be- leidigung ist eingestellt worden.

Elberfeld, 27. September. Eisenbahnunfall in einem Tunnel. Nach einer Meldung derElbs. Ztg." hat sich vorgestern abend gegen 9 Uhr in dem hinter der Station Varresbeck auf der Strecke HagenElberfeld Düsseldorf gelegenen Tunnel ein schwerer Eisenbahnunfall ereignet. Ein nach Vohwinkel bestimmter Güterzug war infolge falscher Weichenstellung in das Geleise der oben ge­nannten Bahnstrecke geraten und wurde in dem Tunnel von einer von der Station Mettmann ihm entgegenkommen­den leeren Lokomotive angerannt. Der Materialschaden ist bedeutend, fünf Personen wurden verletzt, darunter der Heizer und der Zugführer. Am schwersten wurde der Heizer der Lokomotive verwundet, welcher absprang und von den Trümmern an die Tunnelwand gedrückt wurde. Der Verkehr nach Düsseldorf wurde, da das Geleise zwischen Varresbeck und Dornap bis gestern früh gesperrt war, über Vohwinkel geleitet.

° Nürnberg, 27. September. Die Staatsanwaltschaft ließ in hiesigen Buchhandlungen Graßmanns Broschüre Die Moraltheologie des heiligen Liguori" beschlagnahmen. Angeblich wurden in Bemerkungen des Verfassers Beschimpfungen der katholischen Kirche erblickt.

* Würzburg, 27. September. Gestern wurde in der Wohnung des seit längerer Zeit verreisten Hausbesitzers Privatier G. Hartmann am Rennweger Ring ein großer Einbruch entdeckt. Hartmann hatte eine befreundete Familie mit der Beaufsichtigung seines Hauses betraut. Als diese gestern kontrollierte, waren alle Behälter erbrochen und teilweise entleert. Der wertlosere Inhalt lag auf dem Boden zerstreut. Die Einbrecher müssen auch längere Zeit in einem Zimmer gewohnt haben, denn die Betten waren benützt worden. Was den Einbrechern alles in die Hände , gefallen ist, läßt sich erst nach der Rückkunft des Bestohlenen feststellen. .

* Leipzig, 27. September. Uhrmacher Klotzsch in Jeßnitz (Anhalt), Stadtverordneter und Führer der Jeß­nitzer Sozialdemokraten, wurde in Leipzig fest- genommen beim Vertrieb falscher Markstücke mit dem Stempel 1881 A. Er hat die Falschstücke zu vielen Tausenden I seit mindestens 1888 in größeren Städten vertrieben. Die I Apparate wurden in der Jeßnitzer Werkstatt gefunden.

* Biberach, 25. September. Der hiesige Bezirks­kommandeur Oberstleutnant von Lerch, dessen Selbst­mord bereits gemeldet wurde, hat sich im Buchauer Kranken­haus in einem unbewachten Augenblick durch das Fenster in den Hof gestürzt, wo er später tot aufgefunden wurde. Vorher hatte er sich im Walde die Pulsadern geöffnet. Ueber die Motive zu dem Selbstmord kann Bestimmtes noch nicht mitgeteilt werden, da in dieser Beziehung die wider­sprechendsten Gerüchte zirkulieren.

* Paris, 27. September. Nach einer Meldung aus Brüssel wurde die dem König von Belgien ge­hörige DachtAlberta" in dem holländischen Hafen Selzaete gegen einen Brückenpfeiler geschleudert. Die Beschädigung des Brückenmaterials wurde auf einige hundert Gulden berechnet. Die Dacht wurde vom Hafen­verwalter als Pfand zurückbehalten, bis er aus Brüssel die Schadensumme telegraphisch angewiesen erhielt.

* Haag, 27. September. Im königlichen Schlosse ist dieser Tage ein umfangreicher Diebstahl aus der Silberkammer der Königin entdeckt wvrden. Als die Königin in der vorigen Woche von Loo in die Residenz zurückkehrte, vermißte sie alsbald auf ihrem Toilettentisch einen krystallenen, mit Gold montierten Flacon und ein goldenes Nadeldöschen, beides Geschenke ihrer Mutter. Da der Silberbewahrer Le Blanc einen Tag vorher verschwunden war, so lenkte sich der Verdacht auf diesen, und der Polizei gelang es auch, die beiden vermißten Gegenstände bei einem Goldschmiede, der sie von Le Blanc für 600 Gulden ge­kauft hatte, in Beschlag zu nehmen. Man fand bei ihm aber noch mehr, und zwar prachtvolle, antike goldene Dosen, modernes und antikes goldenes Tafelgerät, goldene Becher, Messer und Gabeln, die beiden letzteren mit Heften aus Achat oder französischem und sächsischem Porzellan. Auch diese waren aus der königlichen Silberkammer entwendet. Und doch ist dies alles, wie der Goldschmidt offen erklärte, nur ein kleiner Bruchteil dessen, was er während der letzten zwei Jahre von Le Blanc gekauft hatte. Dieser wurde gestern in einem Hotel in Amsterdam in der Warmoesstraße, wo er sich unter dem Namen de Wit eingeschrieben hatte, verhaftet und nach dem Haag gebracht.

Kopenhagen, 27. September. Zufolge Nachrichten, die von dänischen Mitgliedern derFram"-Expedition hier eingetroffen sind, ist zwischen den Teilnehmern und dem Höchstkommandierenden, Baumann, ein bedenklicher Streit ausgebrochen. Man verlangt, daß Baumann das Kommando niederlege. ________________

Gerichtssaal.

Darmstädter Prozesse. Wir lesen imDarmst. Tägl. Anz.": Bekanntlich sind seinerzeit aus der Preßerörterung des Falles Küchler verschiedene Strafsachen erwachsen, die nunmehr gemeinsam abgeur­teilt werden. Angeklagt sind die verantwortlichen Redakteure derFrank­furter Zeitung", desMainzer Journals" und derMainzer Neuesten Nachrichten", Alexander Giesen, Franz Kopgen und Botho Heribert Malten, durch Aufnahme und Veröffentlichung je eines Zeitungsartikels, den Justizminister Dr. Dittmar, die Mitglieder des Ministeriums des Innern und der Justiz, sowie den Großen Generalstaatsanwalt Dr. Schlippe, Beamte in Beziehung auf ihren Beruf öffentlich beleidigt zu haben. Als Termin für die vor der ersten Strafkammer unter dem Vorsitz des Großh. Landgerichtsdirektors Dr. Rüster stattfindende und voraussichtlich mehrere Tage dauernde Verhandlung ist Dienstag den 12. Oktober d. I., vormittags 9 Uhr bestimmt. Rechtsanwalt Gallus führt die Verteidigung derFrankfurter Zeitung", Rechtsanwalt Dr. Schmitt von Mainz diejenige desMainzer Journals". Da Oberstaats­anwalt Dr. Preetorius als Zeuge benannt ist, wird Oberstaatsanwalt Dr. Schmidt von Mainz die Anklagen vertreten. Sicherstem Vernehmen nach beabsichtigt man seitens der Angeklagten, teilweise den Wahrheits­beweis zu versuchen, und zu diesem Zweck eine größere Anzahl Zeugen, insbesondere Beamte, aufzubieten. Die an und für sich schon intereffante Verhandlung wird dadurch noch mehr an Anziehungskraft gewinnen und verspricht eine cauee cölöbre ersten Ranges zu werden. Inzwischen nimmt das zweite Disziplinarverfahren gegen Landgerichtsdirektor i. P. Küchler seinen Fortgang und werden durch den mit der Untersuchung betrauten Oberlandesgerichtsrat Dr. Linkenheld schon ständig Zeugen abgehört.

Frankfurt, 26. September. Die heutige Nummer des »Frksi Journ." berichtet: Ein seltener Fall trug sich heute auf der ersten Civilkammer des königl. Landgerichts zu; nämlich die Ungültigkeits- Erklärung einer Ehe. Ein Baron v. H. kam nach Darmstadt unV trat dort als Kavalier aus. Das Benehmen desselben gefiel, er wurde in besseren Kreisen eingeführt; umschwärmte mit seiner Liebenswürdig­keit die Mädchen, bis es ihm gelang, eines in seinem Netze zu fangen. Das offene Auftreten des Mannes gefiel und wurde er im ersten Quartal, dieses Jahres in Darmstadt getraut, während er sein Domizil mit einem elektrotechnischen Bureau in Frankfurt auf dem Fischerfeld aufschlug. Auf der Brautreise durch den Odenwald gesellte sich zu ihm ein intimer Freund und Verwandter Baron v. Sch., den er als seinen Onkel be­zeichnete. Die Art und Weise des Auftretens des Letzteren bestimmte die Schwiegereltern, über den Onkel Erkundigungen einzuziehen, wobei sich als Resultat herausstellte, daß derselbe eine mehr als zweifelhafte Vergangenheit hatte, dabei erhielten dieselben erst die sie niederschmet­ternde Nachricht, daß der Freund und Pseudo.Onkel des Herrn Baron v. H. ein schon vielfach bestrafter Zuchthäusler sei, er selbst fei wegen schweren Diebstahls, zweimal wegen Münzfälschung, zweimal wegen Be­trugs mit schwerem Kerker und zuletzt wegen Erpreffungsversuchs mit 5 Jahren Kerker und Verweisung aus dem Oesterreichischen Lande be­straft. Als das Unwetter in der Familie losbrach, nahm er die Mit­gift seiner Frau und ging nach Amerika durch. Die erste Civilkammer erkannte auf Grund der Beweiserhebung zu Recht, daß die Ehe als ungiltig zu erklären sei, denn es sei anzunehmen, daß seine Frau nie­mals mit ihm, einem Zuchthäusler, die Ehe eingegangen haben würde, wenn er nicht sie und deren Eltern in einen Irrtum versetzt haben würde.

Ratibor, 27. September. Das Schwurgericht verurteilte den Futtermann Czyborski aus Ellguth (.Kreis Kosel), der seine Eheftau im Walde erdrosselte, zum Tode.________________

Theater, Kunst und Wissenschaft.

Vom »Führer durch den Vogelsbergs im Auftrag des Vogelsberger Höhenklubs herausgegeben von Professor Dr. Ott» i Buchner, Verlag von Emil Roth in Gießen - ist die dritte, durch Beigaben weiterer Spezialkarten, zudem textlich erweiterte Auflage er - erschienen Allen Vogelsbergwanderern und denen, die es werden wollen, kann das von uns praktisch erprobte, hübsch in bequemem Taschenformat 124 Seiten umfassende Werk bestens empfohlen werden. Es enthält alles was der Wanderer zu wiffen nötig hat, besonders wenn ihm daran liegt' die ihm knapp zugemeffene Zeit vorteilhaft auszunützen, nichts zu übersehen und zu versäumen und dabei doch angenehm und wa« I die Hauptsache billig zu reifen. Der Beschreibung und Bezeichnung der Orte die von mehr als touristischem Jntereffe ist, wurde eine gr- I drängte 'aber trotzdem klare Notiz über ihre Geschichte beigefügt; der I Naturfreund und Botaniker wird erfreut durch ein Verzeichnis »on.