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29.6.1899 Zweites Blatt
 
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1809

Donnerstag den 29. Juni

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Gießener Anzeiger

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Himmel Noch helle Sterne stehn. Technische Hoch­schule Berlin (fünf Vertreter):Deutsch bis ins Mark". Bergakademie Berlin (drei Vertreter): Dein Geist soll ewig uns umschweben, Und Kraft uns und Begeistrung geben! Kaiser Wilhelm-Akademie, Berlin (drei Vertreter):Was Du erschufst wir wollen es bewahren". Tierärztliche Akademie Berlin (drei Vertreter): Dein Heldenleib ist dem Naturgesetz verfallen, Derweil Dein Heldengeist noch diese Welt erregt, Und Deutsche Lieb' wird stets zu Deinem Grabe wallen, So lang die Erde sich im Weltenrund bewegt. LandwirtschaftlicheHochschule Berlin (drei Vertreter): Wir halten treu zu Dir, nach Deinem Tode noch zu Dir und zu dem Reich. Uni­versität Bonn (fünf Vertreter): Ja, er ist ein großer Mann gewesen, Doch uns war er mehr! Technische Hochschule Braunschweig (drei Vertreter): Möge Dein Werk unvergeßlich sein, wie Dein Name. Universität Breslau (vier Vertreter): Allzeit voran! Bismarck bist unser. Wir folgen Deiner Bahn, Allzeit voran! Tech­nische Hochschule Darmstadt (drei Vertreter): Ruh aus in Deines Grabes Nacht, Jung Deutschland hält jetzt deutsche Wacht. Technische Hochschule Dresden (drei Vertreter): (War nicht verständlich. Red.) Uni­versität Erlangen (fünf Vertreter): Was Bismarck gewollt, das werden wir allezeit festhalten. Berg­akademie Freiberg, Kgr. Sachsen, (drei Vertreter): Dir Einiger des Reiches geloben wir Treu zu wahren Dein Erbe! Universität Freiburg (drei Vertreter): Erst verspottet und befehdet, Vielgeschmäht in allen Landen, Hat er dennoch hohen Mutes Aufrecht stets und fest gestanden, Dann gehaßt und dann gefürchtet. Dann geehrt, geliebt, bewundert, Also steht er eine Säule Ueberragend das Jahr­hundert. Universität Gießen (fünf Vertreter): Es wird die Spur von seinen Erdentagen Nicht in Aeonen untergehn. Universität Göttingen (fünf Vertreter): Wir Deutschen fürchten Gott, Sonst nichts auf dieser Welt. Universität Greifswald (drei Vertreter): Dem Meister deutscher Art. Universität Halle (drei Ver­treter): Und so mischten sich die Elemente in ihm, daß die Natur aufstehen durfte und der Welt verkünden: Das war ein Mann! Technische Hochschule Hannover (vier Vertreter): Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt! Tierärztliche Hochschule Hannover (drei Vertreter): Dein Heldenleib ist dem Naturgesetz verfallen, Derweil Dein Feuergeist noch diese Welt erregt. Und deutsche Lieb' wird stets zu Deinem Grabe wallen, So lang die Erde sich im Weltenraum be­wegt. Universität Heidelberg (drei Vertreter): Die ganze Kraft, die beste Lieb' hast stets Du Deinem Volk geweiht, Ein Band, das heißer Dank gebunden, verknüpft mit Dir uns alle Zeit. UniversitätJena (fünf Vertreter): Es wird die Spur von seinen Erdentagen Nicht in Aeonen untergehen. Technische Hochschule Karlsruhe (vier Vertreter): Der große Bismarck ist von uns geschieden, Den man des Reiches ersten Kanzler nannt'. Wir treten heut' vor seines Grabes Frieden, Gelobend ihm mit Zunge, Herz und Hand: Daß Deutschlands Jugend ihren Bismarck ehrt, Wird man in Flammenschrift in fernen Jahren In Liebe, Dank, Ver­ehrung stets bewahren. Universität Kiel (fünf Ver­treter) : Hier liegt mehr begraben, als Ehre und als Ruhm, Hier liegt begraben Deutschlands heiligstes Heiligtum. Bergakademie Klausthal (drei Vertreter): Wer den besten seiner Zeit genug gethan. Der hat gelebt für alle Zeiten. Universität Königsberg (vier Vertreter): In der Einigkeit liegt des Deutschen Volkes Stärke. Universität Leipzig (fünf Vertreter): Erst gehaßt und dann geliebt, dann geehrt und dann bewundert, Also stehst Du eine Säule, überragend das Jahrhundert. Univer­sität Marburg (drei Vertreter): Patriae inserviendo consumor. Universität München (drei Vertreter): Schwer und mühsam war Dein Ringen Für's geliebte Deutsche Land. Doch Dein Werk, es mußt' gelingen. Sicht­bar schirmt es Gottes Hand. Ewig soll's erschallen, Durch alle Lande hallen: Deutschlands Macht und Stärke, Sind, Bismarck, Deine Werke! Tierärztliche Hochschule München (drei Vertreter): Millionen Zungen preisen Laut in Dir den Mann von Eisen, Der in geistiger Riesen­schlacht Lug und Trug ein End' gemacht. Münster (ein Vertreter): Die Münsterische akademische Jugend ver­ehrt in dem eisernen Kanzler den Mann, dessen Leben das deutsche Volk am höchsten beglückt, dessen Tod am tiefsten schmerzte. Sie wird sein Andenken hegen und Pflegen. Universität Rostock: Was glänzt, ist nur dem Augen­blick geboren, Das Echte bleibt der Nachwelt unverloren.

öirlffaftita ellau-H en hengtM Semm rstraße 15.

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Bei Postbezu, R Mark 50 Pf,, vierteljährlich

Universität Straßburg (drei Vertreter): Straßburg denkt des Fürsten Bismarck. In Harren und Krieg, von Sieg zu Sieg, bewußt und groß, so riß er uns vom Feinde los. Technische Hochschule Stuttgart (drei Ver­treter): Dem Deutschesten aller Deutschen, Dem Schöpfer des Deutschen Reichs. Tierärztliche Hochschule Stuttgart (zweiVertreter): Es ist Dir vergönnt gewesen. Deinen Namen in die Rinde der deutschen Eiche einzu­schneiden zu ewiger Erinnerung. Forstakademie Tharandt (zwei Vertreter): Vergesset, Deutsche, Euren Bismarck nicht. Ihr deutschen Stämme, laßt die Banner wehen, Gelobt in heiligem Schwur, den Vätern gleich, In Glück und Not, stets fest und treu zu stehen Zum deutschen Kaiser und zum deutschen Reich. Univ ersität Tübingen (fünf Vertreter): Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr. Siebenbürger Sachse: An Deinem Sarg, Alldeutsch­lands größter Sohn, schwört die Siebenbürger Sächsische Hochschul-Jugend: Deutschland treu und glaubensstark zu bleiben.

Nachdem jede der Abordnungen so ihre Kranzspende niedergelegt hatte, richtete Fürst Herbert Bismarck folgende Ansprache an die Studenten:Meine Herren, ich danke Ihnen von ganzem Herzen für die würdige und erhebende Feier; ich danke ihnen um so mehr, als es mir in hohem Maße schmerzlich war, daß ich den Vertretern der deutschen Hochschulen aus zwingenden Gründen keinen Platz im Trauer­zuge am Tage der Beisetzung anweisen konnte. So hat es mich heute um so wohlthuender berührt, daß Sie mit Ihren würdigen Emblemen denselben Weg gingen, den damals die nächsten Angehörigen und unser'Allerhöchster Landesherr gegangen sind. Ich habe heute mit Genugthung gesehen, daß die Herren nicht nur mit schönen Kernsprüchen, sondern auch mit dem Herzen an die Ruhestätte meines Vaters herangetreten sind. Ich sah manch' Auge feucht werden. Meine Herren, ich danke besonders auch dafür, daß Sie die Mühe übernommen haben, von sämtlichen deutschen Hochschulen, auch den weitentlegenen und darüber hinaus, bis zum fernen Siebenbürgern sich hier zu versammeln, und ich habe aufmerksamen Ohres und bewegten Herzens zugehört, wie Sie Ihrer Anhänglichkeit an meinen teueren Vater Ausdruck gegeben haben: Sie wissen, welche Anhänglichkeit er an seine Studentenzeit hatte. In seiner Jugendzeit hat er für die Ideale geschwärmt, die auch die Ihrigen sind. Bei der großen Huldigung, welche Sie meinem Vater zu seinem 80. Geburtstage dar­brachten, war zu erkennen, daß er mit einem gewissen wohl­wollenden Neide auf Sie geblickt hat, die Sie Das verwirk­licht sehen, was er fünfzig, sechszig Jahre zurück erträumt hatte. Es hat ihm damals eine der größten Freuden be­reitet, daß gerade die akademische Jugend es war, die ihm hier zujubelte, wie auch an seinem 70. Geburtstage das Hoch der deutschen Studentenschaft im großen Reichskanzler­saale in Berlin erdröhnte.

Mein Vater hat damals zu ihnen gesprochen:Was die Väter erworben haben, das werden Sie festhalten." Dies ist der Sinn so vieler seiner Ansprachen aus den letzten Jahren, und worauf Sie alle stolz sein können, das ist das feste Vertrauen, das er gerade in die akademische Jugend setzte. Er sagte oftmals:So lange die deutsche Studentenschaft ihre Ideale und den Reichsgedanken pflegt, wird es keine Not haben, und ich werde ruhig einschlafen können, wenn meine Stunde gekommen ist." An meinem Vater ist das Wort des Psalmisten wahr geworden, daß das Leben des Menschen köstlich war, wenn es Mühe und Arbeit gewesen ist. Denn in der That ist sein Leben an mühseliger Arbeit und auch an Erfolg überreich gewesen. Der Wunsch, der ihn selbst auf dem Krankenbette bis zuletzt nicht verlassen hat, war der, daß Gott unser Deutsches Reich beschirmen möge. Und was er noch in der Inschrift ausgedrückt hat, die Sie soeben an der von ihm selbst ge­wählten Ruhestätte gelesen haben und nach der wir uns alle richten und geloben wollen, ist seine Mahnung: treu zu bleiben Kaiser und Reich."

Mit dem Gesänge desDeutschland, Deutschland über alles" fand die Feier ihr Ende, und nachdem die Studenten noch im Zuge in den Ort hinabgegangen waren, teilten sie sich in Gruppen, welche zum Teil in den Wald gingen, zum Teil den ihnen freundlichst geöffneten Park besichtigten, bis um 3/44 Uhr die Rückfahrt nach Hamburg mittelst Sonderzug angetreten wurde.

Es freut uns besonders, daß auch unsere Universität an der erhebenden Feier zur Ehrung unseres unsterblichen

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Gießener

MMdtn dem Anzeiger viermal bngekßt.

TÜanierfeier der deutsche« Studentenschaft in Friedrichsruh

am 24. Juni.

DieHamb. Nachrichten" bringen hierüber folgenden SMt

D:»e von den Delegierten der Deutschen Studentenschaft ütMuitt) in der Grabkapelle in Friedrichsruh veranstaltete -'«ö eier war von mächtiger, tiefergreifender Wirkung. Ulmll|l/a Uhr langte der Sonderzug, der die Studenten NiUvch Fr iedrichsruh brachte, dort an. Die in vollem Wichs bcl'Mdlühen Delegierten der deutschen Hochschulen ordneten fiUiij neben dem Stationsgebäude zum Zuge, Berlin voran nid bann die übrigen von Aachen bis Tübingen in alpha- d^vischei Reihenfolge. Auch ein Siebenbürger Sachse schloß fufljben) Zuge an, um im Namen seiner Landsleute an der BWmÄhuldigung teilzunehmen. Dagegen war eine deutsche Hochschule nicht vertreten: Die Universität Würzburg, die suHbuvch ihre Abwesenheit in dem Kreise der sonst voll- ftcünbigtni deutschen Studentenschaft einen Ruhm recht zweifel- hc^kr I rt erworben hat. Der glänzende Zug der Studenten, di L zahl reiche Prächtige, mit Trauerflor versehene Banner urdFcihnen mit sich führten, bewegte sich in langsamem SÄchrilt und tiefem Schweigen zur Grabkapelle hinauf, vor )eMin Portal die Corona im Halbkreise Aufstellung nahm. FiW Herbert Bismarck war mit seiner Gemahlin, sci.Mm ^Schwiegervater, dem Grafen Hoyos, und zwei ju^Wdlvchen Schwägerinnen erschienen. Die Damen und @ Hoyos blieben während der nun beginnenden Feier hiiWkr hem Kreise der Studenten, während der Fürst am Erkiigang! der Grabkapelle Stellung nahm.

Camd. jur. Paul Bredereck trat vor und hielt an bkii versammelten Studenten folgende Ansprache:Com- metflitonem! Noch ist kaum ein Jahr ins Land gegangen, fettibie KundeBismarck ist tot" durch die Welt klang. D.Äzvg tiefes Leid in tausend deutsche Herzen, und in der erfijfim Reihe der Trauernden stand die deutsche akademische Srqjnb. Der Held ihres Herzens war ihr genommen, ihr Fächer und Vorbild. Und der gemeinsame Schmerz, daß rr ins entrissen ward, und die Trauer um ihn, um den die W Luide ewig neu brennen wird, führt uns auch heute aus QlliL-Hvlchschulstädten des Deutschen Reiches zur ernsten Feier und jein Grab. Was er uns gewesen, wird da erneut in unLZmcch, und stärker tritt uns vor die Seele, was wir an ihrlmvcrlloren. Der Wald rauscht und die Schauer der Ehr- funch ziiehen durch unsere jungen Herzen, denn wir stehen ana In >Stätte, da der Große ausruht von den Kämpfen sei müheldenlebens. Wie träumt er so still hier im Waldes FrHiiidkiL,, der einst mit dem Schall seiner Thaten die weite W 2d er füllte! Und wenn es durch die Zweige weht, dann ist ntiuind, als hörten wir Klänge aus dem Heldengesange sei Lebens sein Grab umrauschen. Von Kampf klingt 7s a :hniu und von Arbeit um unseres Volkes Macht und un'cheüs Landes Größe, von vielen Schmerzen und von Hellen SiÄ'^n. Ein Heldenlied ist jede seiner Thaten. Aber wer kövM sie alle zählen von den Tagen der Freiheitskriege - bisl tuf unsere Zeit! Doch stärker anklingen sollen sie heute nund wie ein Rauschen soll es uns durch die Seele netto, denn wir stehen an seinem Grabe. Ein Heiligtum ist' ,e aas, und so sind wir gekommen, es mit frischen BliMirkränzen zu schmücken als Zeichen treuen Gedenkens.

töt Zukunft wollen wir ihn halten in der Liebe unserer Sjerqn und das Erbe, das er uns gelassen, wollen wir be- sch»n in Not und Tod. Das Lied aber, das so oft ihm muiMe erklungen ist, heute soll es seine Gruft um- rarGn, ein Gruß und ein Gelübde der deutschen Jugend!"

Es folgte darauf der Gesang des Bismarckliedes: HM, Sturmesflügel rauschen." Bei dem als Refrain ua!üchier Strophe ertönendeHurrah! hurrah! hurrah!" Witkin die Schläger gekreuzt, die klirrend an einander schlclma. Diese Szene war von unvergleichlich feierlichem EickmÄ und wird allen Augenzeugen sicher unvergeßlich bleAK Nach dem Verhallen des Liedes gingen die Ab- ort -Kngßen nach einander, eine jede von Herrn Bredereck aefM in die Kapelle hinein. Das Banner wurde gesenkt, toätMo einer der Herren den von seiner Hochschule ge- fiifii^ltn: Kranz zu Füßen des Sarkophages mit einem Spruche

M geben in nachstehendem die Reihenfolge der in bien iapeitte eintretenden Abordnungen nebst deren Leitwort: Urünmsität Berlin (zwölf Vertreter): Wir wollen treMhgalten In unserer Liebe Dich, Wie immer mag ge- sta'M.Nie deutsche Zukunft sich, Dem Bild soll im Ge- türiuid Bor unfern Fahnen stehn, So lang am deutschen

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