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Nr. 25 Zweites Blati Sonntag den 29. Januar
1809
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Fernsprecher Nr. 51.
Die Unternehmer und die Liefernngs- bedingnngen.
Auf mancherlei Mißbräuche, die in dem Verhältnisse eines Bauleitenden dem Unternehmer oder Lieferanten gegenüber unterlaufen, lenkt folgende an die „Kölnische Zeitung" gerichtete Zuschrift die Aufmerksamkeit: Vor allem sind es die den öffentlichen oder brieflichen Ausschreibungen beigegebenen sogenannten „allgemeinen und besonderen Bedingungen" für die Uebernahme oder Ausführung, die in der Aufschraubung von Vorschriften oft unerhörtes zu Tage fördern. Es ist in Bauämtern des Staates, der Provinz, des Kreises, der Städte, der Landgemeinden und nicht minder sogar in Privatverwaltungen von Architekten, Ingenieuren und andern nur zu oft gäng und gäbe, daß die Ausführungsbedingungen nach Möglichkeit verklausuliert werden, daß die Liefer- oder Fertigstellungstermine bis ins unmögliche zusammengepreßt, die Zahlungsleistungen von allem möglichen abhängig gemacht, die Konventionalstrafen in unglaubliche Höhen hinaufgerückt werden, die sogenannte „Abnahme" nebst der Abrechnung des geleisteten in möglichste Ferne geschoben wird und die Kautionsabzüge bis zu 10 pCt., ja bis zu 20 pCt. der Vertragssumme reichen. Der Unternehmer steht einem solchen Machwerk gegenüber machtlos da, er muß die Schlinge sich um den Hals legen lassen, will er Beschäftigung haben und des Auftrags und vielleicht manches folgenden nicht verlustig gehen. Dazu treten häufig noch die vielen traurigen Bemängelungen und Scherereien während der Ausführung des Auftrags, es kommen hinzu die meist für nebensächlich gehaltenen vielen Leistungen, die alle in die Bedingungsparagraphen mit eingeflickt sind und oft ganz erhebliche Kosten dem Unternehmer nachträglich auf- rrlegen. Darauf, daß der Unternehmer sehr häufig von Naturereignissen sowohl wie von seinen Arbeitern abhängig ist, wird keine Rücksicht genommen, die eingezwängten Fertigstellungstermine werden von dem Auftraggeber unnachsichtig festgehalten und jede Ueberschreituug wird mit der beliebten „Konventionalstrafe" belegt, sodaß, wie gesagt, der Unternehmer oft 10 bis 20 Prozent seiner ganzen Vertrags- slimme ohne jedes Verschulden einbüßt. Das Verhältnis zwischen Auftraggeber und -nehmer ist überhaupt bei den ins unendliche geschraubten Vertragsbedingungen gewissermaßen nur ein einseitiges, denn der Unternehmer, er mag die schwierigsten technischen und sonstigen Aufgaben erfüllen, ist stets nur der leidende Teil in diesem Verhältnis, das nicht immer überhaupt ein menschenwürdiges genannt werden kann. Lehnt er sich nur irgendwie gegen die Herrschsucht von oft noch recht unerfahrenen jungen Aufsichtskräften auf, so kann er es erleben, daß die Beanstandungen und Nörgeleien hin Ende nehmen und alle die Bedingungsparagraphen in jchroffster Weise gegen ihn gehandhabt werden. Diejenigen Beamten der alten starren Schule, die in dem
Feuilleton.
Kin historisches Wühlrad.
Von Monday.
Zwei Tagebuchblätter liegen vor mir, die von den Ein- bücken einer italiemschen Reise berichten. Schon etwas ver- zilbl, die feinen Schriftzüge verblaßt, aber der Inhalt anregend mib lebendig; darunter auch das Erlebnis in Seravezza. — fröhliche Gesellschaft war es, die sich im Hause de» «ignor Denotti zusammengefunden hatte, um die Schönheiten dir Gegend kennen zu lernen. Einer der Gäste, ein Konsul m Florenz machte bei den häufigen gemeinsamen Ausflügen ■m Führer, und groß war die Freude, als er die ganze ß^ellschaft zu einem Ausflug nach Seravezza ausforderte. Ei besaß in der Nähe große Marmorbrüche und außerdem Wie man von der Stadt aus einen vorzüglichen Ausblick »ach dem Alttsfimo haben. Im Vertrauen auf den „ewig heiteren Himmel" machten wir uns früh am Morgen auf den Weg — und langten im strömenden Regen in S. an. Tn ein Klettern in den Bergen war nicht mehr zu denken, «der das that der guten Laune keinen Eintrag. Lachend und Aaudernd ging es nach dem Albergo. Als wir an einer «affermühle vorüber kamen, machte uns der Konsul auf den ^>>ken aufmerksam, der sich über dem großen Rad befand. ? ®wen darauf drei Buckstaben eingeschnitten: N. A. N. 0.
die Jahreszahl 1831. Hebet den R. befanden sich mwryartige Einschnitte. „Es knüpft sich daran eine merk- WOtK Geschichte", sagte der Konsul, „unb die Beteiligten
Unternehmer sogar nur den „Betrüger" witterten, sind ja wohl nun im Aussterben begriffen, aber es giebt doch heutzutage noch verschiedene, die an diese Auffassung streifen, zum mindesten aber es sich hoch anrechnen, wenn sie dem Unternehmer das Leben so sauer wie möglich gemacht haben. Diese Verkennung des eigentlich auf Gegenseitigkeit beruhenden Verhältnisses zwischen dem Auftraggeber und dem Unternehmer des Auftrags verursacht stets bei letzterem ein unwillkürliches Bestreben, jede irgend sich zeigende Lücke des Vertrages möglichst für sich auszunutzen und gereicht dem ganzen Unternehmerwesen in der einen oder anderen Weise unbedingt zum Nachtheil. Der Staat, die Provinz, der Kreis, die Städte, die Landgemeinden und die Privaten haben daher alle Ursache, endlich mit den hergebrachten alten „Hänge- und Würge-Paragraphen" ihrer Vergebungs- Bedingungen gründlich aufzuräumen und ihren älteren wie besonders jüngeren Beamten oder Gehilfen die nötigen Unterweisungen über die richtige Auffassung des Vertrags- Verhältnisses zwischen den Vertragschließenden in ernster Weise zu erteilen. Geschieht dies nicht, so ist ein gedeihliches Zusammenarbeiten ausgeschlossen, und die Folge könnte sein, daß Bedrückung und Rechtsabschneidung dem Unternehmerstande gegenüber sich breit machen, andererseits aber auch der Unternehmerstand dazu gedrängt wird, wo irgend möglich Gegenmaßregeln zu seiner Schadloshaltung zu ergreifen. Man möge nicht etwa glauben, daß in Vorstehendem diese Verhältnisse in zu grellem Lichte dargestellt worden sind, nein, eine große Anzahl gerechtfertigter Klagepunkte wurde gar nicht erwähnt oder nur allgemein gestreift, die den ohnedies meist mit Sorgen und Schwierigkeiten der verschiedensten Art überhäuften Unternehmer empfindlich belasten. Anderseits jedoch wollen wir nicht verkennen, daß es unter den Auftraggebern auch solche giebt, die das richtige hierin anstreben, und das schroffe der einmal hergebrachten Bestimmungen zu mildern suchen. Im übrigen wird sich der Kenner der zu rügenden Zustände dem nicht verschließen können, daß die Wahrheit des gesagten tagtäglich nachgewiesen werden könnte, beruht diese Schilderung doch auf der Erfahrung und der Selbsterkenntnis eines Mannes, der jahrelang in der einen wie der anderen Eigenschaft thätig gewesen ist. Auf dem Wege des Gesetzes läßt sich diesen Uebelständen und Mißbräuchen leider nicht beikommen, es bleibt also nichts übrig, als sie wiederholt öffentlich zur Sprache zu bringen und einzelne schlagende Fälle ans Tageslicht zu ziehen. Wir sind davon überzeugt, daß diesem einfachen Verfahren der Erfolg nicht fehlen wird, zumal anzunehmen ist, daß der Rechtlichdenkende wohl schon längst fühlt, wie ungehörig es ist, der mit Vorliebe gehandhabten Preisherabdrückung auch noch diese Bedrückung des Ausführenden hinzuzufügen.
sollen sie Ihnen selbst erzählen". Im Albergo war e« ganz behaglich und schon war eine Partie Billard im Gange, als der Wirt meldete, die vom Herrn Konsul herbeschiedene Wirtin sei draußen. Eine rüstige, alte Frau trat herein und grüßte freundlich. „Ich kann mir schon denken, was Sie wollen Herr Konsul, ich soll die Geschichte von meinem Mühlrad erzählen, nicht wahr?" Sie setzte sich ohne Umstände und begann: „So wie Sie den Regen jetzt sehen, hatte er damals schon elf Tage gedauert, die Serra und die Vezza waren so groß, daß Schiffe darauf hätten fahren können, wie ich sie im Hafen von Livorno gesehen habe. Mein Mann, Gott hab' ihn selig, hatte am Abend das Mühlrad angekettet, aber was hilft das, wenn dte Flut so stark ist. Am frühen Morgen weckte uns ein schreckliches Getöse, es war, als ob der Alttssimo auf unsere Mühle fiele. Mein Carlo stürzte hinaus — was war geschehen? der Druck des Waffers hatte das Brett der Schleuse weggeriffen, die Kette am Mühlrad hatte nicht nach- geqeben und so hatte der Strom das Rad zertrümmert. Mein Mann kam leichenblaß herein und erzählte es mir. Wie ich geweint habe, können Sie stch denken, denn wir waren zu arm, um ein neues Rad zu kaufen, und wie sollten wir nun leben! In meiner Rot ging ich zu meinem Onkel, dem damals dieses Haus gebürte und bat ihn um Hilfe. Ec fuhr mich barsch an, ich sollte ihn zufrieden lassen — er hätte fremde Gäste. Sie schienen ihm zwar politische Flüchtlinge, aber Geld hätten sie. Ich bat, ich flehte, der Onkel fing an zu fluchen und drohte, mich hinauszuwerfen. Da öffnete sich die Thür vom Billardzimmer, ein junger Mann trat heraus und fragte, was e» gäbe- dte Madonna weiß, wie ich den Mut fand, ich erzählte dem Fremden mein Unglück. Kaum hatte ich geendet, nahm er mich bei der Hand und führte
Ausland.
Wien, 27. Januar. Zwischen der christlich-sozialen und der katholischen Volkspartei finden Verhandlungen statt wegen eines engen Anschlusses beider Parteien, als parlamentarisches Bremsmittel gegen die radikalen Ausschreitungen nach rechts und links. Weiter verlautet, daß das Kabinet Thun, nachdem es den Ausgleich auf Grund des § 14 ausgeführt haben wird, zurücktreten und durch ein Ministerium aus den Reihen der Christlich-Sozialen und der katholischen Volkspartei, sowie der Polen ersetzt werden soll.
Wien, 27. Januar. Wie die „Politische Korrespondenz" meldet, ist die Wahl der belgischen Hauptstadt zum Sitz der Abrüstungs-Konferenz noch nicht definitiv erfolgt. Es sei jedoch, da der König der Belgier sicherem Vernehmen nach den Kabinetten einen dahingehenden Vorschlag machen ließ, wahrscheinlich, daß die Konferenz in Brüssel stattfinoet. Dagegen hat die russische Regierung keine Form gefunden, in der sie den Papst einladen könnte, um an der Friedenskonferenz teilzunehmen.
Budapest, 27. Januar. Die Situation ist unverändert. Die bisherigen Kompromiß-Verhandlungen sind resultatlos geblieben.
London, 27. Januar. Nach einem Telegramm aus Washington beauftragte die amerikanische Regierung ihren Berliner Botschafter, beim deutschen auswärtigen Amte Klage wegen der dem amerikanischen Oberrichter auf Samoa seitens der deutschen Beamten zugefügten Beschimpfungen zu erheben Das Staatsdepartement hat mit dem deutschen Botschafter in Washington bereits verhandelt und obwohl über dieser Verhandlung das strengste Geheimnis waltet, erwartet man doch vertrauensvoll, daß Deutschland bereit sein wird, alles von seinen Beamten begangene Unrecht zu sühnen. Das Staats-Departement soll die Entlassung des General-Konsuls Rose gefordert haben.
Konstantinopel, 27. Januar. Die Pforte beschloß, wegen des englisch-ägyptischen Abkommens betreffend den Sudan, weil nutzlos, keinen Protest zu erheben. Auffallender Weise ist der Pforte bisher eine amtliche Mitteilung über das Abkommen von keiner Seite zugegangen.
Vermischtes.
* Höchst a. M., 23. Januar. Ein heiteres Jagdstückchen wird dem „Höchst. Kreisbl." aus einem benachbarten Orte berichtet: Dort erboste stch die Gattin eines Nimrods über dessen Jagdpasfion neulich derart, daß sie nach der etwa« verspäteten Heimkehr des Mannes, nachdem sie ihm zuerst eine gehörige Gardinenpredigt gehalten, schließlich in heller Wut die Jagdtasche ergriff und in den geheizten Ofen steckte. Bald darauf krachte aber Schuß auf Schuß und binnen
mich in diese« Zimmer, wo noch drei Herren stch befanden. „Meine Herren", sagte er, „seit einer Viertelstunde zerbrechen wir uns den Kopf, um was wir spielen sollen; ich hab'S gefunden. Der Strom hat diese Nacht der armen Frau da« Mühlrad zertrümmert — spielen wir! Wer verliert läßt ihr ein neues Rad machen. „Angenommen", riefen die anderen, und die Partie begann. „Gehen Sie, sagte der junge Mann, der von den anderen Louis genannt wurde, — für Sie ist es gleichgültig, wer gewinnt oder verliert, Ihr Rad bekommen Sie doch!" Ich lief zu meinem Mann und erzählte es ihm, er wollte es mir nicht glauben, und kam mit zurück. Im Hausgang kam uns der Fremde entgegen und gab mir dreißig französische Goldstücke. „Es ist mir ganz recht", sagte er, „warum spiele ich mit meinem Bruder, der so schlecht spielt- nun muß ich mit ihm bezahlen."! Denken Sie sich, wie glücklich ich war, und mein Mann erst — und als wir erfuhren, wer unsere Wohlthäter waren — „Schweigen Sie", rief der Konsul, „die Herrschaften sollen die Namen selbst lesen." „Pietro", wandte er sich an den Wirt, „holen Sie das Fremdenbuch Ihres Vorgängers." Ein unscheinbare« Buch wurde gebracht und wir lasen folgende Namen: Prinz N. Bonaparte — Prinz L. Bonaparte — Graf Arese — Graf F. Orfini. —
Von den vier Billardspielern starb der eine nicht lange danach, der Graf Arese wurde Senator und der Vertraute seines Königs, der dritte wurde Kaiser der Franzosen, und an einem Märztage des Jahres 1858 starb Graf Felix Orfini einen ehrlosen Tod, weil er den französischen Herrscher hatte töten wollen — seinen Mitspieler in dem Städtchen Seravezza zwischen Pisa und Carrara.


