Ausgabe 
29.1.1899 Drittes Blatt
 
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immer er es für ratsam halte. Eine amerikanische Schild- wache tötete nachts einen Hauptmann der Filipinos. Die hierüber entrüstete einheimische Presse bezeichnet die That als einen feigen Mord.

Madrid, 23. Januar. Die Rückkehr der cubanischen Truppen nimmt ihren Fortgang. Die Dampfer Dresden und Ems sind mit Truppen von Cienfuegos nach Spanien abgegangen. Auf Cuba befanden sich gestern noch 23,000 Mann, da sich die Ankunft weiterer Schiffe dort verzögert zu haben scheint, wahrscheinlich infolge schlechten Wetters. Die Passagiere des Satrustepui haben ein von einem bei Havannah gelegenen Landgut datiertes Manifest des Maximo Gomez mitgebracht, dasweder frei, noch unabhängig" über­schrieben ist, und worin er ankündigt, daß er noch einen Monat warten werde, um zu sehen, was die Vereinigten Staaten inbezug auf Cuba beschließen. Erst dann werde er sich entscheiden, ob er Havannah betreten, oder sich zu neuem Kampf ins Gebirge zurückziehen werde. Die Passa­giere berichten ferner, daß auf General Jmenez Castellanos, als er sich nach der Uebergabe Havannahs einschiffte, ge­schossen worden ist. Fünf Kugeln trafen das Schiff. Hier in Spanien wird inzwischen die Aufmerksamkeit durch die großartigen Betrügereien, die bei dem Aushebungsgeschäft in Murcia in den letzten Jahren stattgefunden haben, in Anspruch genommen. Man verlangte von den Leuten 300 Pesetas pro Kopf für die Untauglichkeitserklärung. Wer nicht zahlte, wurde zum Militärdieust eingezogen, wenn er auch aus Gründen der Gesundheit, der Familienverhältnisse wegen oder sonstwie eigentlich davon hätte befreit werden müssen. Ist dergleichen schon in Friedenszeiten als Ver­brechen zu bezeichnen, so ist es während eines Krieges doch einfach unerhört und verdient eine Strafe, wie sie im Gesetz nicht vorgesehen ist. Ob es aber thatsächlich zu einem Ein­greifen der Justiz kommt, ist fraglich, denn es sollen ein­flußreiche Politiker dadurch blosgestellt sein. Zwei Militär­ärzte, die ebenfalls darin verwickelt sind, wurden heute vom Ehrenrat aus dem Heer ausgestoßen. Uebrigens bestehen ähnliche Verhältnisse auch in anderen Provinzen. Kein Wunder, daß die Zahl der Fahnenflüchtigen so groß ist. Allein in Frankreich sollen sich 8000 aufhalten, die meist für die carlistische Sache gewonnen sind. Was letztere an­belangt, so scheinen die nach den nördlichen Provinzen ge­sandten Trupperverstärkungen doch ihre Wirkung gethan zu haben, denn die Agitation hat dort bedeutend nachgelassen, dergestalt, daß der Kriegsminister die Fortsetzung der Uebungs- märsche für unnötig hält. Dagegen bleiben die strategischen Punkte vorläufig noch besetzt. Heute fand aus Anlaß des Namenstages des Königs ein großer Empfang im könig­lichen Palast statt, wobei die Infantin Mercedes zum ersten mal in ihrer Eigenschaft als Prinzessin von Asturien (Kron­prinzessin) bei Hofe auftrat. K. Z.

Males und Provinzielles.

Lauterbach, 27. Januar. Bei der heutigen Verpachtung der Herbsteiner Gemeindejagd blieben die Freiherrn Riedesel zu Eiseubach Höchstbietende mit einem Gebot von 1295 Mk. Am Dienstag Abend verstarb im Alter von 92 Jahren die älteste Einwohnerin Lauterbachs, Frau Revierförster Lippert Wittwe. Es war ihr das seltene Glück beschieden, sogar von Ururenkeln geliebt und verehrt zu werden.

t Beuern, 27. Januar. Nächsten Sonntag den 5. Fe­bruar feiert der hiesige GesangvereinPolyhymnia" sein 30jühri.;es Stiftungsfest.

B. Büdingen, 26. Januar. Die Brandversicherungs­kammer in Darmstadt hat der Verlagsexpedition der Feuer­wehr zeitung dahier den namhaften Zuschuß von 200 Mk. bewilligt.

G. Gedern, 26. Januar. Wiederholt ist in Ihrer Zeitung darauf hingewiesen worden, daß der Vogelsberg Schätze besitzt, die erst nach und nach zur Entdeckung und Verwertung gelangen. Etwas derartiges sind die Jagden, die vor 25 Jahren noch sehr geringwertig waren. Als Beispiele lassen sich die Jagden unserer Nachbargemeinden Sichenhausen mit ca. 1900 Morgen und Hartmannshain mit 1600 Morgen Jagdgrund auführen. Vor 25 Jahren betrug der Jagdpacht 30 Mark. Zwölf Jahre später war er auf das Dreifache 90 Mark und 1897 auf das Sechsfache 180200 Mk. gestiegen. Die Gemeinden haben die Jagdberechtigung jetzt abgelöst und zahlen für Sichenhausen 1480 Mark, für Hartmannshain 1240 Mark Ablösuugskapital, wobei sie immer noch ein schönes Geschäft machen. Das verdanken sie lediglich der in aller Nähe von Gedern durch den Vogelsberg weiter zu führenden Bahn. Waidmanns Heil! Von besonderem Interesse ist, daß die schönen Waldbäume, von denen kürzlich Ihre Zeitung berichtete (Vergl.Gieß. Anz." Nr. 16, erstes Blatt) nicht blos geschont werden sollen, die Forstverwaltungen müssen auch besondere Akten anlegen und Verzeichnisse über solche Bäume führen. So etwas muß jeden Naturfreund freuen!

Darmstadt, 27. Januar. Kaisers Geburtstag wurde heute in herkömmlicher Weise von Militär und Civil festlich begangen. Der Flaggenschmuck, auch entlegenerer Straßen, wird wohl selten reicher als diesmal gewesen sein; in den großen Geschäften bürgert sich immer mehr die ganz- oder halbtägige Feier des Reichsfesttages ein. Nach Zapfen­streich abends zuvor, Reveille, Festgottesdiensten der ver­schiedenen Konfessionsgemeinden fand auf dem Marienplatz (früher diente hierzu der durch die Denkmäler jetzt zu be­schränkt gewordene Paradeplatz) unter mächtigem Andrang des Publikums große Parade der Garnison statt, abge­nommen vom Divisionskommandeur, ExzelleiP v. Schilling- Canstatt, welcher in seiner Ansprache an die Truppen der hohen vorbildlichen soldatischen Tugenden des Kaisers ge­dachte und ein dreifaches Hnrrah auf den obersten Kriegs­

herrn ausbrachte. Sämtliche Truppen führten Parademarsch aus; die Kavallerie zeigte sich besonders stramm. Die 101 Salutschüsse, die auf dem stadtwestwärts gelegenen Exerzierplatz abgeschoffen wurden, waren infolge des Gegen­windes und auch wohl wegen Verwendung des weniger kräftigen Knall verursachenden rauchlosen Pulvers nicht be­sonders stark in der Stadt vernehmbar. Beim Bürger- Festessen im Saalbau brachte Staatsminifter Rothe Exz. das Kaiserhoch aus; das Mahl war wie immer stark be­sucht. Die allgemeine Signatur des Straßenlebens war eine feiertägige.

D. Darmstadt, 26. Januar. Die Hauptstaatskasse hat ihre sämtlich unterstellten Kassen beauftragt, alle Fünf- und Zehnpfennignickel, die durch den Gebrauch un­scheinbar und abgenutzt erscheinen, anzuhalten und zur Umprägung einzusenden. Das Publikum erleidet keinen Schaden dadurch, denn die Stücke werden zum vollen Werte angenommen.

c. Mainz, 27. Januar. Mainzer Karneval- Verein. Am Samstag, 4. Februar, findet in der Mainzer Stadthalle eine originelle karnevalistische Feier statt, nämlich ein Maskenfest in den Alpen mit Einweihung der auf dem großen Wiesbachhorn in Tyrol gelegenen Mainzer Schutz­hütte. Dieses Fest verspricht, nach den getroffenen Vor­bereitungen zu urteilen, ein wahrhaft glänzendes zu werden. Die Narrhalla (Mainzer Stadthalle), bekanntlich der größte Saal Deutschlands, wird in eine Alpenlandschaft umge­wandelt. Auf einer Felsenhöhe steht die Mainzer Schutz­hütte in treuer Nachbildung, selbstverständlich mit der obli­gaten Bergwirtschaft. Das Konnte empfiehlt zur Kostümie­rung die so kleidsame Tyroler Bergtracht, doch sind auch Kostüme anderer Gebirgsgegenden, wie Schwarzwald, Oden­wald, Taunus zu empfehlen, und sind ferner, wie auf jedem Maskenball, Dominos, Fantasiemasken rc. angebracht, sodaß das Maskenfest auf der Alm ein echtes buntes Getreide darstellen wird. Zur weiteren Belebung hat das Konnte des Mainzer Karneval-Vereins außerdem eine Schuhplattler- Quadrille arrangiert, welche sich im Laufe des Abends ver­schiedene Male produzieren wird. Am nächstfolgenden Tage, Sonntag den 5. Februar, findet wie alljährlich die große Fremdensitzung statt, in welcher die beliebtesten und besten Redner der Karnevalstribüne mitwirken werden, und sind noch sonstige eigenartige und interessante Ueberraschungen in Vorbereitung. Auch kommt das mit so großem Beifall auf­genommene, glänzend ausgestattete und wirkungsvoll darge­stellte Eröffnungsspiel (die Erlösung des Prinzen Karneval aus der Gefangenschaft am Nordpol) zur wiederholten Auf­führung. Wer also dem maskierten Alpenfest beiwohnt, kann am nächsten Tage gleich zur Fremdensitzung bleiben, und wohnt so bequem zwei eigenartigen Darbietungen bei, wie sie- selten so vereinigt zur Aufführung kommen. Der Beginn der Fremdensitzung am Sonntag 5. Februar, ist auf 5 Uhr 11 festgesetzt, Ende 9 Uhr 11, sodaß die letzten Züge bequem erreicht werden können. _________________________________

Vermischtest

* Strelitz, 24. Januar. Das hiesige Technikum wurde im Schuljahr 1898 von 894 Personen besucht. 169 davon haben sich nach bestandener Vorprüfung der Hauptprüfung unterzogen und auch diese bestanden. Die Gesamtzahl der Absolventen während der verflossenen 48 Kurse, in denen die Lehrweise des Einzel- und Gruppenunterrichts, die eine erhebliche Kürzung und Verbilligung der Gesamt­studienzeit zuläßt, geübt wurde, beträgt 1083. Am Technikum Strelitz bestehen Abteilungen für Hochbau, Tiefbau, Ma- schineubau und Elektrotechnik. Von diesen hat die Abteilung für Elektrotechnik im letzten Jahre eine wesentliche Steige­rung der Frequenz erführen. Da die Lehrweise des Tech­nikums den täglichen Eintritt gestattet, haben sich auch in diesen Tagen wieder zahlreiche Neueintretende eingefunden.

* Hamburg, 25. Januar. Hier stehen große Strikc- bewegungen bevor. Außer den Maurern wollen nach den gestrigen Versammlungs-Beschlüssen im Frühjahr die Schneider, Schuhmacher und Drechsler in den Lohnkampf eintreten.

* Eine Liebig-Geschichte. Man schreibt denMünch. Neuest. Nachr." aus London, 15. Januar: In der soeben erschienenen Biographie des berühmten Londoner- Arztes George Harley, die uns seine Tochter Mrs. Alec Tweedie geschenkt hat, lesen wir, wie eine Engländerin, die später Dr. Harleys Frau wurde, indirekt an der großen Erfindung Anteil hat, mit der Liebigs Name so eng ver­knüpft ist. Die junge Dame wurde vom Typhus befallen, während sie in München in Liebigs Haus als Gast weilte. Die Krisis war vorbei, aber Erschöpfung trat ein, und der Magen konnte keine Nahrung verdauen. Die Aerzte er­klärten den Fall für hoffnungslos. Baron v. Liebig war in Verzweiflung. Plötzlich kam ihm der Gedanke, eine Rettung wäre möglich, wenn die Nahrung vor Aufnahme in den Magen irgendwie künstlich verdaut werden könnte. . . . Mit frühem Morgengrauen ließ er ein Hühnchen holen und begann seine Arbeit. Er selbst zerhackte, zermalmte und präparierte es aufs sorgfältigste und fügte dann ein paar Tropfen Acidum hydrochloricum hinzu, die das Fleisch in kurzer Zeit praktisch verdauten. Dann gab er in fieberhafter Aufregung denn seine Patientin wurde sichtlich schwächer ihr das Mittel in kurzen Zwischen­räumen je einen Theelöffel voll ein. Zum Glück hatte es die gewünschte Wirkung, und sein Besuch erholte sich zu­sehends. . . . Der arme Liebig machte inzwischen eine schreck­liche Zeit durch. Ganz München wußte von der Krankheit der jungen Engländerin, und die Zeitungen sagten, es sei etwas Schreckliches, daß selbst ein Freund unter Liebigs Dach vor seinen Experimenten nicht sicher sei!"

* Nimmersatt und Jmmersatt. Man schreibt dem Memeler Dampfboot" : Inmitten der Ortschaft Nimmersatt liegt die Postagentur, die den Namen Jmmersatt führt. Der Name Nimmersatt kommt wahrscheinlich von der öden,

unfruchtbaren Gegend her, die hier früher zu finden war. Die Posthalterei führte auch den Namen.Nimmersatt bis in die Zeit Friedrich Wilhelms III. hinein. Damals ging die große Verkehrsstraße zwischen Berlin und Petersburg über Memel und Nimmersatt. Der König kam einmal von Rußland; in Nimmersatt wurden der Kutsche sechs Pferde vorgespannt, und der Posthalter, ein Herr Mellien, hatte die Verpflichtung, dem Könige als Vorreiter zu dienen. Längs dem Meeresstrande ging die Fahrt nach Memel, wo der Posthalter die Ankunft des Königs zu melden hatte. Friedrich Wilhelm III. sprach bei der Verabschiedung des Posthalters seine Anerkennung über den strapaziösen Ritt aus und gewährte ihm die Gnade, einen Wunsch aussprechen zu dürfen. Herr M. entgegnete ungefähr folgendes:Ich habe sonst keinen Wunsch, Ew. Majestät; nur der Name Nimmersatt gefällt mir nicht; denn ich bin immer satt und bitte, meiner Besitzung den Namen Jmmersatt verleihen zu wollen!" Dieser bescheidene Wunsch wurde gern erfüllt, und seitdem heißt die in der Ortschaft Nimmersatt liegende Postagentur auf ewige Zeiten Jmmersatt. Die Nachkommen des damaligen Posthalters leben heute noch im Kreise.

Prinz Karneval regiert jetzt; diesem Zeitverhältnis trägt auch Die Liebigs Fleisch.Extrakt-Kompagme Rechnung, indem sie eine neue Serie ihrer vielbegehrten bunten Em­pfehlungskärtchen hauptsächlich den internationalen Fasching», freuden weiht.Maskenfeste und Umzüge" lautet der Tttel. Derboeuf gras in Paris, Fastnachtsdienstag in Mailand, mexikanische Karnevalstänze, Maskerade auf dem Hudson, chinesische und japanische Lustbarkeiten werden farbenreich veranschaulicht. Wenn nach genoffenen Festesfreuden der an. gegriffene Magen Stärkung braucht, so liegt auch hier das Gute nahe; im Eckchen der Bilder machen sich Liebigs Fleisch. Extrakt und das Flersch-Pepton der Kompagnie Liebig bemerk- bar, jedes in seiner Art bekanntlich bei der Ernährung die b.sten Dienste leistend.

Verkehr, Land- und Volkswirtschaft.

Postgiroverkehr. Vom 1. Februar werden sämtlichen Ober-Posttassen und Postämtern an Reichsdankplätzen eigene Gllo- tonten bet der Retchsbank ei öffnet. Die dadurch eintretende Ver­vollkommnung bestehender Postgiroetnrichtungen ist um so mehr zu begrüßen, als die Maßnahme nicht bloß der Beschleunigung und Erleichterung des KassenverkehrS der Postanstallen untereinander zugute kommen, sondern vor allem dem Publikum, sowie den öffent­lichen Behörden und Kassen die Möglichkeit dielen wird, den Zahlung», verkehr mit der Post im Wege der Gtroübertragung adzuwtckelrr; namentlich wird sich die Neu-rung für die Beschränkung der Bar­zahlungen im Postanweisung?verkeyr wertvoll erweisen: Die auf Postanweisungen auszuzahlenden Beträge werden schon j tzt in nennenswertem Umsang den Empfängern nicht bar gezahlt, sondern auf die Girokonten bei der Retchsbank gut geschrieben. Die Summe der in dieser Weise beglichenen Beträge stellte sich Ende März 1897 auf jährlich 655 Millionen Mark. Dagegen haben die Derfuche, die Giroernrichtungen der Retchsbank auch für die Einzahlungen auf Postanweisungen nutzbar zu machen, einen nennenswerten Erfolg bisher nicht gehabt. Zwar begleichen schon feit einer Reihe von Jahren eine Anzahl öffentlicher Behörden und Institute die Beträgt der von ihnen etngelteserten Postanweisungen durch Gtroüberlragung. Für den privaten Geschäftsverkehr bestehen Einrichtungen dieser Art aber nur in Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt a. M.: sie werden jedoch verhältnismäßig nur wenig benutzt. Der Grund dafür muß in der Umständlichkeit und Schwerfälligkeit deS Ver­fahrens gesucht werden. In dieser Hinsicht schafft die am 1. Februar in Kraft tretende neue Gefchäslsanwetsung für den Postgtrooerkehr Wandel. Die Absender von Postanweisungen werden nicht mehr genötigt sein, sich zum Zweck der Auflieferung von Giro Postan- Weisungen an zwei Dienststellen, die Reichsbank und die Post zu wenden; sie haben es künsltg vielmehr stets nur mit einer Dienst­stelle, entweder mit der Reichsbank, oder mit der Post zu thun. DaS Verfahren wnd ferner aut alle Bankplätze, soweit ein Bedürfnis dazu anzuerkennen ist, ausgedehnt; für jeden Bankplatz wird ein­heitlich geregelt, ob die Einlieferung bei der Reichsbankanstalt oder bet der Postanfialt zu erfolgen hat. In ersterem Falle übergtedt der Gtrokunde die Postanweisungen in verschlossenem Umschlag nebst einem über den Gesamtbetrag lautenden Check der Reichsbonkstelle. Diese schreibt den Betrag der Post gut und bewahrt die Postan- wetsungspäckchen bis zur Abholung durch die Postanstalt auf. Die Abholung erfolgt zu einer ein für allemal verabredeten Stunde. Die Postanweisungen werden alsdann gebucht und noch an demselben Tage abgesandt. Der Absender hat den Postanweisungen ein Der- zeichnis beizusügen, zu dem die Postverwaltung die Formulare liefert. Das mit Quittung versehene Verzeichnis wird ihm auf dem nächsten Bestellgang durch den Briefträger überbracht oder auf Wunsch bei der Ausgabestelle deS Postamts zur Abholung bereit gestellt. Hat für den Retchsbankplatz die Auflieferung bet der Postanstalt st allzu- finden, fo werden die Giro Postanweisungen wie gewöhnlich am Postschalter abgenommen, über den Betrag giebt der Absender einen rolln Check in Zahlung. Die Postanftalt läßt sich den Betrag de» Checks gutschreiben und sendet die Postanweisungen altzdann un­verzüglich ab. An Orten mit mehreren Postanstalten nehmen, soweit ein Bedürfnis dazu vorltegt, außer dem Haupipostamt auch die übrigen Stadtpostanstalten Giro Postanweisungen entgegen. Die Stunde, bis zu der die Auflieferung der Giro Postanweisungen er* folgt fein mutz, wenn die Absendung noch an demselben Tage statt­finden soll, wird in den Teilnehmerbedingungen bekannt gegeben. Wo die örtlichen Verhältnisse etz zulassen, soll im Interesse der be- scbleuniftten Absendung auf eine täglich zweimalige Abwicklung der Gico-Postanwetsungsbeträge Bedacht genommen werden, sodaß btt tm Laufe deS Vormittags aufgelieferten Postanweisungen am Nach« mittag, die nachmittags aufgelieferten an demselben Abend abgesandt werden können. Was die Gutschrift der für Guokunden eingehen­den Postanwetsungsbeträge anlangt, so verdient die im Interesse einer größeren Beteiligung getroffene Aenderung Erwähnung, daß die Zulastung zu dem Verfahren von einem Mindestbetrag der monatlich für den Teilnehmer eingehenden PostanweisungSbeirLge nicht mehr abhängig gemacht ift. Nicht allgemein bekannt dürste ferner fein, daß die RelchSbank neuerdings die Gutschrift von Post- anweisungSbeträgen außer für Girokunden auch für Personen und Firmen besorgt, die ein eigenes Girokonto bei der Retchsbank nicht unterhalten, wenn diese Personen u. s. w. der Postanstalt Vollmacht erteilen, die Beträge der für sie eingehenden Postanweisungen dem Reichsbankgirokonto einer anderen Person oder Firma gutschreiben zu lasten. Ebenso können an dem Verfahren auswärts wohnende Personen teilnehmen, die bei der Reichsbankanstalt am Ort ihr Girokonto haben. Es muß anerkannt werden, daß die Postoer- waitung bestrebt gewesen ist, bet der N ugestaltung ihrer GlloeM« richtungen jede Belästigung für das Publikum fernzuhallen. darf daher erwartet werden, daß sich das Publikum die unbestreU- baren Vorteile deS neuen Verfahrens zunutze machen und durch lebhafte Beteiligung zur Verwirklichung des segensreichen Zwecks der Einrichtung: Beschränkung der Barzahlungen durch Ausdehnun» de» Giroverkehrs, beitragen wird.