Ausgabe 
28.11.1899 Erstes Blatt
 
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1899

Diensta« den 28. November

Erstes Blatt»

Kr 280

Gießener Anzeiger

mit Bringerlohu.

Henemt-Anzeiger

ZNnts- unb Attzeigeblatt fßr den 'Kreis Gissen

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Gießen, 27. November 1899.

zwängen die ireubleibenden Untertanen zum Kriegsdienste, und osfiziell festgestellt wird, doß die Einwohner des Ka^ landes nördlich von Queenstown aufgestanden und unter sich und aus ihren eigenen Reihen Feldkornets ernannt und diese mit der Konzentrierung der lokalen Commandos oe-

Eine Nachricht ohne Bedeutung, die der Draht geschwätzig meldet, sei hier nur der Vollständigkeit halber angefügt:

Belmont, 25. November. Der Spezialkorrespondent der LondonerMorning Post", Schriftsteller Knight, wurde in der Schlacht am Arm verwundet.

Die Stimmung in London wird uns in Folgendem ge­

schildert:

London, 24. November. Die Londoner Abend­blätter von gestern versuchen gar nicht einmal, ihre tiefe Entmutigung noch zu verhüllen, sie geben übereinstlmmig zu, daß man weitere schwere Verluste erwarten müsse, bis die drei britischen Kolonnen in der Kapkolome und Natgl sich vereinigten und die Invasion beginnen könnten. Alle bestätigen, daß das Entsatzungsheer für Ladysmith von Joubert und Lukas Meyer in fast gleichstarke Rumpskorps zerschnitten, die in Estcourt und dem Lager am Mooiflusse vollständig abgeschnitten, in Pietermaritzburg und Durban in Begriff ständen, eingeschlossen zu werden, es sei denn, daß es einem kühnen siegreichen Vorstoß General Clerys gelingen werde, die Vereinigung der einzelnen Truppenkörper durch Entsetzung der beiden vorderen Korps herbeizufuhren. Von einem Marsche auf Ladysmith spricht man schon gar nicht mehr. Die Hauptsorge ist auf die Kapkolome gerichtet, deren Erhebung man umsomehr befürchtet, als die letzten

o 1* r I öeren kSTuCuUTlQ mau Uuljuiiicyi uc|

Das Großherzogliche Krersamt (meßen offiziellen Meldungen die Mär zerstört haben, die Buren ao^Großh. Polizeiamt Gießen nnd die Grotzh. > Nnter.banen «um Sne^enfte,

Bürgermeistereien der Landgemeinde« des

Kreises.

Wir bringen zu Ihrer Kenntnis, daß für den Kreis Gießen zum Vertrauensmann der Steinbruchsgenosfenschast zu Berlin L. Huh« in Gießen und zu dessen Stellvertreter Oskar Graff in Londorf von neuem bestellt worden sind, v. Bechtold.

London, 26. November. Die Buren sprengten die Eisenbahnbrücke zwischen Rosmead Funktion und Middelburg in die Luft, um den Vormarsch der Engländer nach Port Elisabeth zu verhindern.

London, 26. November. Eine starke Rekognoszierungs­abteilung stellte in der Richtung auf Highland die Anwesen­heit einer großen Feindesmacht mit Geschützen fest. Die Buren beschossen die britische Abteilung, deren Geschütze das Feuer erwiderten. Die Abteilung berichtete ferner, eine andere starke Feindesmacht befinde sich nordöstlich von Mooi- River-Station. Die britischen Kanonen kehrten ins Lager zurück, und die Infanterie ist zurückgefallen.

auf dm

Gießener Anzeiger

für den Monat Dezember werden von allen Postanstalten, Zeitungsträgern und der Expedition, Schulstraße 7, sowie den Zweig- und Abholestellen, jeder­zeit entgegengenommen. Neueintretende Abonnenten erhalten die Zeitung bis 1. Dezember kostenfrei.

Di- erledigte Stelle eines Kreisstratzeuwarts mit dem Sitz in Gießen ist demnächst wieder zu '^^B-werber wollen ihre Meldungen unter Angabe von Alter und seitheriger Beschästigung, sowie unter Verschluß von Zeugnissen hierüber bei dem Kreisstraßenmeister Rohrer dahier bis zum 7. Dezember lsd. Js. -inr-ch-n.

Gießen, den 22. November 1899.

Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen, v. Bechtold.

Ausland.

Wien, 26. November. Der Obmann des Jungczechen- klubs, Dr. Engel, hat sich nach Prag begeben, um sich dort mit den Vertretern seiner Partei über bte Kompromiß- Verhandlungen mit der Regierung zu besprechen und die Ansichten über die von der Regierung gemachten Vorschläge einzuholen. - Die deutschen Parteien versichern nochmals, daß sie sich den Verhandlungen mit den Czechen so lange feindlich gegenüberstellen, als durch die den Czechen

stündiger Aufenthalt ist in Vlissingen vorgesehen, wo der Kaiser die Dockeinrichtungen besichtigen will.

DasKl. Journ." meldet aus Amsterdam: Infolge der erheblichen Verschlechterung der diploma­tischen Beziehungen zwischen England und den Nieder­landen werden die beiderseitigen Gesandten abberufen. Die Posten bleiben vorläufig unbesetzt. In der Bevölkerung hat die antienglische Stimmung einen gefährlichen Grad CrrCl_ Nach Erkundigungen an unterrichteter Stelle können dieBerl. Neust. Nachr." nochmals bestätigen, daß es sich bei den Meldungen englischer Blätter über den Inhalt der Unterhandlungen in Windsor um müßige Kom­binationen und haltlose Erfindungen handelt Na­mentlich ist Transvaal überhaupt nicht ein Gegenstand von Verhandlungen oder Erörterungen gewesen.

DieNat. Ztg." schreibt: Nachdem das durchaus grundlose Gerücht von politischen Verhandlungen zwischen dem deutschen Kaiser und englischen Ministern widerlegt worden ist, taucht eine neue Meldung auf, Kaiser Wil­helm bemühe sich als Friedensstifter zwischen England und Transvaal. Auch diese Mitteilung können wir aus guter Quelle als freie Erfindung bezeichnen. Mit der strengen Neutralität, die Deutschland zu beobachten entschlossen ist, dürfte die dem Kaiser zugeschriebene Rolle

: schlecht im Einklang stehen. .

DerNaüonal-Ztg." zufolge macht sich im Reichs­tage gegen die sozialdemokratischen Anträge zur Gewerbeordnung und zum Strafgesetzbuch allgemeiner Widerspruch geltend.

München, 23. November. In Münchener Volks­schulen wird mittags ein Teller warmer Suppe verab- I reicht und zwar an Bedürftige gratis. Nun hat dieM. I Post" konstatiert, daß man die Gewährung von Suppe von dem Unterzeichnen eines Reverses abhängig macht, in I welchem der Vater den Empfang der Suppe ausdrücklich als Armenunterstützung im Sinne des Gesetzes an-

I erkennt. Mit anderen Worten: Ein armseliger Teller Suppe bildet für die Bedürftigen den Preis für ihre bürger­lichen Ehrenrechte. Dieser erscheint denn doch abnorm,

I und mit Recht fordert das genannte Blatt deshalb die Fa- milienväter auf, lieber auf die Suppe zu verzichten. Es unterstellt dabei dem Münchener Armenpflegschaftsrat die Absicht, er habe einer großen Anzahl Arbeitern das Wahl­recht entziehen wollen, auch habe er gegenüber noch nicht

I heimatberechtigten auf Grund des bayerischen Gesetzes über Heimat, Verehelichung und Aufenthalt vom 16 April 68 eine Handhabe zur Ausweisung gewinnen wollen. Die

I Münch. Neust. Nachr." behaupten dazu, bte Gewährung von Suppe habe schon immer als Armenunterstützung ge= nölten unb der Revers habe nur den Zweck, hierauf noch

I ausdrücklich aufmerksam zu machen. Trotzdem erscheint ba8 Vorgehen der Münchener Verwaltung in dieser Angelegen-

I beit in recht traurigem Lichte. Die Gewährung von Suppe an die Schulkinder ist eine Maßregel von entschieden sani­tärer wie sozialer Bedeutung, und man darf ihre Segnungen nicht durch derartiges Vorgehen illusorisch machen. Schon das geringste sozialpolitische Verständnis dürfte bte maß­gebenden Persönlichkeiten Wege haben finden lassen, die Ge-

I Währung von Suppe von dem Odium der Armenunter­stützung zu befreien; sei es nun, daß man an bte wohlthätigkeit appellierte oder bte ^forderlichen^ aus dem Armenetat, sondern aus dem der Schulen bestritt, aber an sozialpolitischem Verständnis schemt es bei dew

I Münchnern, wie ja noch an so vielen Orten, recht sehr zu fehlen. Dieser Revers ist auf jeden Fall kein Blatt des Ruhmes für die Münchener Stadtverwaltung. (Inzwischen ist, wie di-5ft. Ztg. schreibt, di- Angelegenheit in der Gemeindevertretung erörtert worden. Nun behauptet aber die »Münchener Post", daß sogar die Gewährung ft cur I Lehrmittel als Armenunterstützung mit all ihren haß- : I lichen Folgen angesehen werde. Da scheint denn ^doch em gründlicher Wandel notzuthun!)

* Bom Kriegsschauplatz.

Der Kriegsnachrichteu sind zwar nur wenige, jedoch sind diese nicht ohne Bedeutung. Zunächst erfahren wir etwas Über die Friedensunterhandlungen: |

Kapstadt, 25. November. Der Afrikanderführer Hos- meyer erklärte Friedensunterhandlungen für aussichtslos, so lange nicht die Entscheidung m Natal und Kimberley gefallen, da Milner die von den Buren ge­stellte Vorbedingung, die Garantie der Unabhängig- keil beider Republiken, nicht erfüllen könne.

Sollte diese Erklärung das Scheitern der Friedens­unterhandlungen bedeuten, so stehen wir mcht an, das als frohe Botschaft aufzunehmen. Noch ist der Augenblick zu ehrlichem Friedensschluss- nicht gekommen; be, d-n bisherigen Nachrichten wurde man den Gedanken nicht I°S, daß es die Engländer gegenwärtig nur darauf absähen, Zeit zu gewinnen.

Eine weitere Nachricht besagt:

London, 25. November. Aus Mafeking meldet der Kommandant Baden-Powel: Die Besatzung ist seit sechs Wochen gezwungen, in Kellern und Er bloch er n zu leben; ba sie an Wassermangel unb ®ranyClt?? leibet, ist sie unfähig, länger auszuhalten, wenn nicht rasch Entsatz kommt. _ . A ,

Das ist eine arge Hiobspost; benn an Entsatz ist eben in nächster Zeit garnicht zu benten. Unb nun scheint auch die Aftikandererhebung in der Kap-Kolonie größeren Umfang anzunehmen, bas Aergste, was ben Engländern passieren kann. An der Thatsache ist kaum noch zu zweifeln; denn die Nachricht, die wir hier wiedergeben, stammt aus eng­lischer Quelle, die in diesem Spezialfalle als zuverlässig gelten kann: -

London, 25. November. Die zweite Ausgabe der Times" veröffentlicht ein Telegramm aus Queenstown von gestern, nach dem 400 Afrikanders aus der Kap-Kolonie, unter denen sich auch der bisherige Ortsvorsteher von Barkley-East befindet, sich den Buren angeschloffen Haden. Die Buren sollen jetzt auf dem Marsche von Barkley- East nach Dortrecht sein.

auftragt haben.

Heute morgen haben wir nun den nötigen großen Steg, diesmal bei Belmont, das nach englischen Angaben bisher immer in britischem Besitz gewesen. General Lord Methnen meldete offiziell, er habe den Feind am 23. d. M. bet Tagesanbruch in starker Stellung südlich von Belmont an- I gegriffen unb mit stürmender Hanb, zum Teil nut dem Ba- ionet, von drei hintereinanderliegenden Höhenrücken zurück- geworfen, wobei der Feind ebenso mutig wie geschickt Wider­stand geleistet. Der englische General meldet eingehend, er hab- eine große Anzahl Pferde und Kühe, ohneju sagen, ob er diese den Buren abgenommen. Von einer Verfolgung der letzteren ist gar keine Rede, noch viel weniger von einer Wiedereinnahme Belmonts. Nach allen bisherigen Erfahr- unqen macht dieser Bericht ganz den Eindruck, als hatte die südlich von Belmont zur Beobachtung des Feindes vor­geschobene Avantgarde der Buren, ihrer gewohnten Taktik gemäß, lediglich versucht, die Garden des Generals weiter gegen die festen Burenstellungen am Modderfluß hmaufzu- ziehen und dort in einen ernsten Kampf zu verwickeln, was General Methnen vorsichtiger Weise ablehnte. Ueber die Verluste der Buren weiß der General nichts weiter zu sagen wie, er habe 40 Gefangene gemacht undeine gute Qahl Buren begraben". Diese Zahl muß recht gering ge­wesen sein, sonst würde er sie angegeben haben, umsomehr, als seine eigenen Verluste schwer sind. Sem Brigade­general Fetherstonhaugh ist mit 25 anderen. ardeoffizleren schwer verwundet, fein Gesamtverlust betragt -31 Mann i nämlich 58 Tote, 151 Verwundete und 22 Gefangene. Viel

Trost bietet das auch nicht, wobei zu beachten, daß nach Methuen's eigenen Angaben er den Buren numerisch, wie an Artillerie weit überlegen war.

Deutsches Keich-

Berlin, 26. November. Das Kaiserpaar ist gestern nachmittag von Windsor nach bewegten Abschied von der Königin Viktoria nach Sandwigham abgereist, wahrend sich die kaiserlichen Prinzen zu kurzem Aufenthalt nach Cumber­land Lodge begaben. Am Donnerstagmorgen erfolgt die Ankunft der kaiserlichen Familie in Potsdam. Em zwei-