achmittogs 4 Uhr, Metropole:
IBltriptti# irlniitibtn liefe «in« und Mttml«.
iQüuag
t Dr öuu
Tebe« über;
'WiSitfa
''«NeatzW«ast„, Ä ftr» h'to' khrer Kurl Müller.
ldr, im
«ta t Ä, Tarte« BO n »• Oktober von U biß l Uor, der Aalte des Hotel Metropol, 1 Naiüy in Ems entgegen, 'kvscr Jagdvereiv.
*
a
KJL
MM hrplan looSUtiooe.^ f'i7 FnJda. Alsfeid, rXm, Schotte«, l. Ge .gehende, e* “d ‘ g hlhl
. . QjesgeDet Peditl"” ,aei d°"i f‘‘° k ,n werd®’ „ b«® ’
AM
Nr 254 Drittes Blatt. Samstag den 28 Oktober
1899
***** —na eil IMrHik bei
Mi Mrnrr
ewbre bee Ätijnyr »fe—Mch •i<cmel bHfrUft
Mehener Anzeiger
>r|ag«pr«U ntfrulidbrlidi
2 Mark 20 Dttz monatlich 75 Plz mit vringerloh»
Bei Poftdrzu§
2 Mark 50 W virrteltährlich
»■•»Nie »«»eigen »n brr nochmtttags ftr bot
>*y*ee l*e ericheinenbm Hummer M bereu !• Uhr.
General-Anzeiger
»8t »ntet,en.VrrmMlun,sfte»ni bei Ar». netz ÄuilWbN etbmtn Anzeigen für ben Gietzener Anzeiger CTUfefM
Aints- und Anzeigeblatt für den Ttveis Giefzen.
' 1—1
Wtbehten, »Petition und Druckerei:
>4e(0re|c Mr. 7.
Gratisbeilagen: Gießener FamUienblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Volkskunde.
»treffe für Depeschen: Anzeiger 4te|Ok Fernsprecher Nr. 51.
’>F
t General I. H A. Kock.
In der angeblich für die Engländer günstigen Schlacht btt Elandslaagte (zwischen Ladysmith und Dundee) wurde der Kommandeur General I H. A. Kock schwer verwundet gefangen genommen. Er soll inzwischen seinen Wunden erlegen sein. Kock gehörte dem Executiv Komitö von Transvaal an und erhielt von den Engländern wegen seines entschlossenen Vorgehens den Namen „Fecht-Kock".
Feuilleton.
* Wieviel Kugeln treffen? Anläßlich des TranSvaal- lriegeS ist die Frage wieder aufgetaucht, wieviel Kugeln eigentlich treffen. Die Statistik lehrt nun drastisch, daß eine Tonne Blei dazu gehört, um einen Mann zu töten. Im Krimkriege z. B. wurden von den britischen und französischen Truppen an Schüssen abgefeuert rund 45000000, während nur 51000 Russen getötet wurden; von russischer Seite wurden 50 000000 Schüsse abgegeben, aber nur 46 000 trafen tätlich. Es ergiebt das ein Verhältnis von 1000 zu 1.
* Eine kleine Auffrischung des Gedächtniffes wurde einem schwedischen Schiffsführer zuteil, der, als er mit seinem Schoner in der Kieler Außenföhrde das Artillerieschiff „Friedrich Karl" in geringer Entfernung vor dem Bug passierte, die internationale Vorschrift außer acht ließ, seine Flagge zu zeigen. Em von dem Kriegsschiff abgegebener Warnungsschuß blieb unbeachtet, und die Zurufe wollte der Schwede nicht verstehen. An Bord des „Friedrich Karl" var man indessen nicht gewillt, sich narren zu lassen; aus Befehl des Kommandanten, Kapitäns zur See Zehe, wurde zunächst ein scharfer Schuß ins Wasser gefeuert, der wenige Meter von dem Schiff entfernt einschlug, und als auch dies ohne Wirkung blieb, sauste ein Geschoß von nicht zu verachtendem Kaliber durch das Takelwerk des renitenten Seglers. Das half. Der Schwede erinnerte sich plötzlich seiner Pflicht und that, was schon der seemännische Anstand erfordert: er hißte die Flagge.
* Prinzessin Heinrich von Preußen und die Kaiserin. Mutter vo» China. Eine köstliche Anekdote von dem Auf- ciuhalt der Prinzessin Heinrich von Preußen in China erzählte Ernst von Hesse-Wartegg in einem Vortrag, den er dieser Tage im Deutschen Sprachverein in Mailand hielt. Als die Prinzessin der Kaiserin Wittwe vorgestellt werden sollte, wurde bekannt gegeben, daß die Kaiserin der deutschen Prinzessin ein kostbares Perlenhalsband schenken werde, flun entstand aber eine kleine Schwierigkeit. In China »erben die Alten bekanntlich sehr respektiert, und es ist unpassend, daß ein Alter vor einem Jungen stehen soll. Da nun die Kaiserin viel älter ist als hie Prinzessin, so hätte die letztere stehen müssen, während die erstere saß. Die Unterhandlungen dauerten lange Zeit, aber die Deutschen wollten sich den chinesischen Sitten nicht fügen. Eines Tages ließ die Kaiserin den deutschen Gesandten rufen, und sagte etwa folgendes: „Wenn die Prinzessin gestattet, daß ich bei ihrem Besuche sitzen bleibe, bekommt sie die Perlen ; wenn ich aber aufstehen muß, giebts keine Perlen." Die Laiserin mußte aufstehen, und die Prinzessin Irene bekam statt des schönen Perlenhalsbandes einen ordinären Holz- sächer als Geschenk.
Vz
General H. P. N. Pretorirrs.
Neben General Kock und Oberst Schiel, dem Führer des deutschen Freikorps, ist auch General Pretorias als Gefangener in die Hände der Engländer gefallen. Pretorias ist der Sohn des Führers der Baren gegen England im Jahre 1848, der 1857 — 1869 erster Präsident von Transvaal war.
gokalfs Hü) DrsoinMrs.
Q Nidda, 26. Oktober. Bezugnehmend auf den Artikel in Nr. 250 vom 24. Oktober, zweites Blatt des „Gießener Anzeigers", mit „Nidda" überschrieben, muß hier noch mitgeteilt werden, daß nach den vorgenommenen Ermittelungen und einer abgehaltenen Haussuchung des Herrn Wachtmeisters Schmidt hier es gelungen ist, den Dieb in der Person eines hiesigen Bürgers, K. R., welcher bei Herrn Roth hier beschäftigt war, festzustellen. Nach den bei ihm vorgefundenen Gegenständen, welche Herr Roth als die gestohlenen erkannte, wurde der genännte Dieb durch Herrn Wachtmeister Schmidt hier festgenommen und in das hiesige Amtsgerichts Gefängnis cingeliefert.
W. Friedberg, 26. Oktober. Der hiesige Herbst- Pferdemarkt verlief bei starkem Auftrieb unter flottem Geschäftsgang. Es fand alles Abnahme. Der Pferdehandel war überhaupt den ganzen Herbst her schon sehr lebhaft, weil durch Die herrschende Maul- und Klauenseuche das Rindvieh an vielen Orten nicht zum arbeiten zu verwenden war. Begehrt waren auf dem hiesigen Markte hauptsächlich Arbeitspferde und Fohlen. Die Preise stellen sich wie folgt: junge Fohlen 350 — 400 Mk., 1*/,jährige 400—600 Mk., 2'/, jährige 600-800 Mk., Gebrauchs- Pferde bis 1200 Mk.
Darmstadt, 25. Oktober. Der „Frkf. Ztg." wird von hier geschrieben: Die Kandidatur des Regierungsrats Noack im Landtagswahlkreise Darmstadt-Land, die von einer antisemitisch-nationalliberalen Koalition
* Sie muffen warten! Eine Antwort des ersten Bürgermeisters Schustehrus von Charlottenburg erzählt man sich von der Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule. Beim Frühstück der Hochschule war Herr Schustehrus eben im Begriff, ein Glas Portwein entgegenzunehmen, als der Bürgermeister von Berlin, Kirschner, an das Buffet trat, um ein Glas Rheinwein zu trinken. Der bedienende Kellner hatte sich aber eben entfernt, um neuen Wein zu holen. Bürgermeister Schustehrus meinte mit kollegialem Bedauern: „O, Sie müssen warten!" Das Wort erregte stürmische Heiterkeit, eine Wirkung, die wohl nicht beabsichtigt war. Bürgermeister Kirschner stimmte mit herzlichem Lachen ein, während Herr Schustehrus schmunzelnd sein Glas leerte.
* Das Extempore auf der Bühne, .lieber die Sitte oder richtiger die Unsitte des Extemporierens im Theater plaudert ein Mitarbeiter des Neuen Wiener Journals u. A. wie folgt: Dem Komiker Beckmann wurde, „in Anbetracht der glücklichen Wirkung seiner Impromptus", im Hofburgtheater schriftlich die Erlaubnis erteilt, in heiteren Stücken zu extemporieren; und es versteht sich von selbst, das er davon ausgiebigsten Gebrauch machte, zum großen Aerger Meixners, der verzweifelt gegen diese Konkurrenz ankämpfte. In Shakespeares, „Viel Lärm um Nichts" gelangte die Nebenbuhlerschaft der beiden Komiker zu besonders drastischem Ausdruck. Im fünften Akte, wenn der Liebhaber Claudio ausruft: „Ich will nichts hören mehr; von seinem Munde hab' ich Gift getrunken!", pflegte Beckmann als Holzapfel ganz aufgeregt umherzulaufen und zu schreien: „Er hat Gift getrunken! Schnell, Milch! Milch! Milch!" Das dröhnende Gelächter der Zuschauer war dem Schlehwein-Meixner jedesmal höchst unangenehm, und als eines abends Beckmann wieder um „Milch" rief, öffnete Meixner das Fenster und schrie wie ein Besessener: „Eine Amme! Schnell eine Amme!" Natürlich war seinRivale durch dieses drastische Extempore übertrumpft. Laubes strenges Regime machte derlei Freiheiten ein Ende, denn, wie er sehr treffend bemerkte, „ein Publikum ist bald verzogen". Trotzdem wird noch heute im Burglheater viel extemporiert, nntürlich nur im Lustspiel und in erlaubten Grenzen. Wenn Hartmann in „Magnetische Kuren" auf die Frage: „Haben Sie eine Griechin bei sich?" antwortet: „Ich werde nachsehen!", oder wenn Thiemig als Schmählich dem Baron ins Ohr flüstert: „Machen Sie keenen Gebrauch davon, ich bin Sie der Keenig von Sachsen!",, so bringt dies heitere Wirkungen hervor. Scholz und Nestroy erduldeten zahllose Polizeistrafen wegen ihrer Extempores, und die Gall- meyer war wegen ihrer schlagfertigen Apercus bekannt. Den größten Erfolg hatten und haben natürlich immer die von der Behörde verpönten politischen Anspielungen. Heute zum Beispiel dürfte Scholz nicht mehr zu dem kleinen Buben im „Zwillingsbruder" sagen: „Wo bist denn her? Aus Prag? Armer Kerl, so jung und schon a Böhm'!" Ein originelles, von Geistesgegenwart zeugendes Extempore
lieferte Emerich Robert in seinen Jugendjahren. Er fing ganz klein beim Niclas in Matzleinsdorf an. Einst spielte er auf dem kleinen Theaterchen den Grignon im „Damenkrieg". Die Gräfin Autreval fand im dritten Akt keine Klingel und, und um das Geräusch der Glocke zu imitieren, oder um den Direktor zu ärgern, sagte sie kurz entschloffen: „Bim bim!" Sofort trat Robert ein und sagte: „Fran Gräfin haben gebimst?"
* Dreizehn Ehemänner in drei Jahren. Mit kaum 20 Jahren ihrem dreizehnten Gatten angetraut zu werden, dieses Kunststück hat — wenn man dem etwas märchenhaft klingenden Berichte eines amerikanischen Blattes Glauben schenken darf — vor kurzem eine von spanischen Eltern geborene Kalifornierin fertig gebracht. Clemente Ruiz, so nannte sich das elfmal geschiedene und einmal verwitwete weibliche Wesen als Mädchen, stammt aus einer ganz armen Familie. Der Ruf von ihrer seltenen Schönheit lockte zahlreiche Freier herbei. Dock sie wartete, bis eines Tages ein sehr vornehmer und reicher Bewerber in der Person eines russischen Grafen vorsprach. Diesem schon ziemlich bejahrten fremden Abenteurer schenkte die noch nicht 17jährige Clemente ihre Hand. Die Freude dauerte aber nur wenige Monate, nach deren Verlauf die Gräfin Tolskow in Los Angeles die Scheidung beantragte. Kaum war sie von dem ersten Gatten frei, da heiratete sie schon einen anderen Aristokraten und zwar einen Baron Baldry. Aber fein Temperament erwies sich bald als etwas zu hitzig und beständiger Zank war die Folge. Zum zweiten Mal geschieden, reichte die schöne Clemente ihre Hand dem Sohn eines kalifornischen Oelmagnaten. Da begann die Familie des Mannes, die wohl etwas von den Antecedentien der jungen Frau gehört haben mochte, Zwietracht zu säen. Clemente verließ eines Nachts die eheliche Wohnung und ließ sich bald darauf von einem reichen Kaufmann aus Cincinnati entführen. Dieser Mann aber erkrankte bald und starb. Seine Witwe blieb nicht lange ihrer Trauer überlassen; sie eroberte und heiratete einen Millionär in Albany, der aber, nachdem die Flitterwochen vorüber waren, sich ausschließlich seinen Geschäfte» widmete. Die schöne capriciöse Frau fand daher das Leben an seiner Seite langweilig und drang auf Trennung. Nun ging sie in einem Zeitraum von anderthalb Jahren noch sechs fernere Ehen ein, die aber sämtlich nach zwei bis drei Monaten ihren Abschluß vor dem Scheidungsgericht fanden. Erst ihre dreizehnte Heirat, vor der sie trotz der üblen Nachrede, die der Zahl 13 anhaftet, nicht zurückschreckte, scheint ihr den „Rechten" beschieden zu haben. Wenigstens erklärt die vielbegehrte Schöne, daß sie diesen Mann wahrhaft liebe. Es ist nur ein einfacher Ranchbesitzer und als feine Fra« hat sie tüchtig in der Wirtschaft zu thnn, doch behauptet sie, daß ihr die Arbeit Freude mache und daß sie sich weder nach Rang und Reichtum, noch nach den Vergnügungen einer großen Stadt sehne. — Auf wie lange?


