Männer über das Amt des Landrates gelesen haben, des Landrats a. D. Freiherr v. Richthofen und des Oberpräsidenten v. Bennigsen. „Ein Landrat muß," sagt Herr v. Richthofen, „nach oben stets die ungeschminkteste Wahrheit berichten, die Zustände und Notstände, die Auffassungen der Volkskreise unverblümt so schildern, wie sie sind, mag dies auch manchmal nicht sympathisch sein." Ganz ähnlich hat sich der Oberpräsident v. Bennigsen geäußert. Ich habe mich bemüht, nach diesem hohen Ziele zu streben, und wenn ich dasselbe auch nicht erreicht habe, so glaube ich doch, mein Amt nicht bureaukratisch verwaltet zu haben." — Von seiner Thätigkeit auf dem Kreistage sprechend, erzählte Herr von Kotze: „Die Kreistage sind stets friedlich und ohne Schwierigkeiten verlaufen, trotzdem wir doch sehr erhebliche Summen zu bewilligen hatten. Nur einmal habe ich im Kreistage eine Niederlage erlitten, das war, als ich im vorigen Jahre nach einer Konferenz bei Herrn Oberbürgermeister Schneider in Magdeburg es übernommen hatte, bei dem Kreistage einen Antrag zu befürworten, wonach der Kreis Wanzleben zu dem Extrabeitrage der Stadt Magdeburg für den Bau des Mittellandkanals einen Zuschuß von 28,000 Mk. innerhalb acht Jahre zahlen sollte. Ich habe diesen Antrag lebhaft befürwortet, bei der Abstimmung wurde er aber mit allen gegen meine Stimme abgelehnt."
— Ueber Herrn Ern st Liebers selb st bewußte Mainzer Rede, die gestern ausführlich berichtet wurde, schreibt der „Hannov. Kourier":
Ob die Zuhörer die geheimnisvollen Andeutungen Liebers verstanden haben, erscheint doch etwas fraglich. Seinen Zweck aber, daß die Wähler das Gruseln lernen, und sich um den bewährten Führer scharen, hat Herr Lieber zunächst vielleicht erreicht. — Zu der Zuchthausvorlage meint er, das Zentrum stehe heute auf demselben Standpunkte, den er im Namen der Fraktion bei der ersten Lesung dargelegt habe, und man sei bereits daran, „positive Vorschläge zum Schutze der Arbeitswilligen gesetzlich zu finden, ohne die der Mißbrauch des Koalitionsrechts nicht getroffen werden kann". Viel ist daraus bezüglich der Stellung des Zentrums auch nicht zu erkennen, denn der Inhalt jener noch gesuchten positiven Vorschläge ist eben die Hauptsache. Lieber machte dann eine scharfe Attacke gegen den „Todfeind des Zentrums", gegen die Sozialdemokratie — wie es scheint, ohne der Wahlbündnisse zwischen Zentrum und Sozialdemokraten in Baden und Bayern zu gedenken: minima non curat praetor. Den Nationalliberalen wurde dagegen ein Lob gespendet — falls sich der Berichterstatter da nicht verhört hat; wir würden nicht sonderlich böse darüber sein. — Und unter donnerndem Beifall stieg Antäus-Lieber von der Rcdnerbühne herab, im neu gestärkten Gefühle seiner Unüberwindlichkeit. Daß „der sehr einflußreiche Herr im preußischen Staatsministerium" das Zentrum schon in der nächsten Session aus dem Sattel heben wird, glauben wir freilich nicht; daß aber die „ausschlaggebende" Stellung des Zentrums im Deutschen Reiche eine ständige Einrichtung, eine chronische Krankheit werden wird, glaubt auch wohl Herr Lieber nicht. Wir hoffen vielmehr, daß recht bald Der kommen wird, der den Zentrums-Antäus in der rechten Weise so „hochnimmt", daß er nicht wieder auf die Füße kommt und ihm der Atem ausgeht . . . Das deutsche Volk wird sich von dem Schmerz, daß seine politischen Schicksale von der finstersten reaktionären Macht, dem Ultramontanismus, abhängig sind, erst befreien können, wenn es, nnbeirrrt durch die kleinlichen Gegensätze des Tages, den Blick erhebt zu den großen Zielen, die ihm gesteckt sind, und sich einmütig seiner kulturellen Aufgabe bewußt wird. Dann wird es selbst der Herkules werden, der den Antäus der Finsternis bezwingt. Dann erst, dann aber auch sicher.
— Kundgebung für die Deutsch-Oesterreicher. Der Deutschnationale Handlungsgehilfen-Ver- band, Hauptsitz Hamburg, beging Samstag, am Gedächtnistage von Theodor Körners Geburtstag, in seinen 407 Ortsgruppen im ganzen Reiche die Stiftungsfestfeier seiner jetzt über 30000 Mitglieder starken Berufsgenossenschaft. Glänzend verlief die an der Wiege des Verbandes, im großen Festsaal des Sagebiel'schen Etablissements in Hamburg begangene Feier, LU der gegen 1000 Teilnehmer, darunter auch Vertreter der geladenen nationalen Vereinigungen, Alldeutscher Verband, Reformpartei, Radfahrer-Verband u. s. w. erschienen waren. — Die Versammlung sandte an den Reichsratsabgeordneten Georg Ritter von Schönerer, Schloß Rosenau bei Zwettl in Nieder-Oesterreich folgende Kundgebung:
„Geehrter Herr! Wir zur Gründungsfeier des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes versammelten Mitglieder deutsch-völkischer Vereine Hamburg-Altonas übermitteln Ihnen, dem Erwecker und Führer des Ostmarkvolkes, die herzlichsten stammesbrüderlichen GrüßeI Ein treuer deutscher Mann, Paul de Lagarde, sagt in seinen deutschen Schriften: „Oesterreich hat längst kein Existenzprinzip mehr. Man weiß nicht, warum es da ist", und fügt dann hinzu: „Es giebt keine andere Aufgabe für Oesterreich, als Siedlungsstaat Deutschlands zu werden!" — An diese Worte Lagardes erinnert uns jede Nachricht vom deutschtschechischen Kriegsschauplätze in Oesterreich. — Gelingt es den Tschechen, Oesterreich den slavischen Charakter aufzuprägen, so verlieren wir nicht nur Millionen deutscher Stammesgenossen, sondern es geht uns auch die Ostmark als unser natürliches Siedelungsgebict verloren. Das würde aber bei der durch unsere ständig wachsende Volkszahl hervorgerufenen Not des Landmangels, des „Erstickens", geradezu eine bedeutende Lebensgefahr für das Deutsche Reich bedeuten. Ohne ein deutsches Oesterreich erscheint eine gedeihliche Entwicklung Deutschlands ganz unmöglich. Wir betrachten daher die verzweiflungsvoll kämpfenden Ostmärker als die gegenwärtige Vorhut des gesamten deutschen Volkes und wünschen nichts sehnlicher, als daß es deutscher Rücksichtslosigkeit und Entschiedenheit gelingen möge, das alte Reich zurück zu erobern. Zu den kommenden Reichsratsstürmen rufen wir Ihnen schon heute unser „Heil und Sieg!" zu."
München, 25. September. Der Dank des Prinz- Regenten. Der Prinz-Regent hat untern Heutigen von Hinterstem aus nachstehendes Telegramm an Ihre Majestät die Kaiserin nach Berlin gerichtet: An Ihre Majestät die Kaiserin Auguste Viktoria, Berlin. Eurer Majestät bekannter edelmütiger Gesinnung ist der Gedanke entsprungen, dem ZentralauZschuß der deutschen Vereine vom Roten Kreuz mit der Veranstaltung einer Sammlung von Geldspenden für die durch die jüngsten Hochwasser-Katastrophe so hart betroffenen Bewohner des bayerischen Alpenvorlandes zu beauftragen. Ich bin durch Eurer Majestät warmer Anteilnahme an diesem schweren Schicksalsschlage nicht minder, wie durch die zu Herzen gehenden Worte, in welchen Eure Majestät an das allgemeine Mitgefühl appellieren, auf das Tiefste gerührt und fühle Mich gedrungen, Eurer Majestät hiefür Meinen innigsten Dank auszusprechen. Daß Seine Majestät der Kaiser und Eure Majestät persönlich in so hochherziger Weise sich an dem allgemeinen Liebeswerk be
teiligen, wird bei der bayerischen Bevölkerung die Gefühle besonderen Dankes erwecken. Luitpold.
Ausland.
Paris, 25. September. Hauptmann Freystätter, der bekannte militärische Entlastungszeuge aus dem Dreyfus- prozeß, ist zum Kommandanten der 11. Kompagnie des 3. Marine-Infanterie-Regiments ernannt worden. Freystätter ist demnach ebenso befördert worden wie der andere Entlastungszeuge Major Hartmann.
Montenegro. Die Gerüchte über Absichten, die der Fürst von Montenegro auf Serbien haben soll, wollen nicht verstummen. Nachdem bekannt geworden, daß Fürst Nikita in Konstantinopel seine Kandidatur für den serbischen Königsthron zur Erörterung gestellt hat, und allerdings damit abgefallen ist, legt man auch seinem Besuche in Athen eine größere Bedeutung bei. Der „Neologos" will sogar wissen, der Fürst werde den Plan einer montenegrinisch-griechisch-türkischen Verständigung behufs Zurückweisung der bulgarischen Forderungen bezüglich Mazedoniensoorlegen. Die Grundlage sei dabei die dynastische und örtliche BereinigungSerbiensmitMontenegro. Die Türkei würde also den nördlichen Teil des Vilajets Nowibazar an den gemeinsamen serbisch-montenegrinischen Staat abtreten, wodurch zugleich zwischen Oesterreich und der Türkei ein „Puffergebiet" eingefügt würde. Griechenland solle dafür eine Entschädigung in Epirus erhalten, während Serbien und Griechenland mit der Türkei eine Militärkonvention zur Zurückweisung jedes Angriffes seitens der Bulgaren abschließen würden. Zu solchen abenteuerlichen Plänen wird unseres Erachtens niemand dem Fürsten die Hand reichen.
Lokales und Provinzielles.
Gießen, 27. September 1899.
• * Haudfertigkeitsuuterrichi. Wir wollen nicht verfehlen, unsere geehrten Leser auf den diesjährigen Handfertigkeitsunterricht aufmerksam zu machen. Die Anmeldungen zu demselben werden, wie aus dem Inserat in der heutigen Nummer ersichtlich, nächsten Sonntag, nachmittag von 3 Uhr ab, im Schulhause am Asterweg (Handwerkerschule) entgegengenommen. Der Besuch ist besonders auch den Schülern höherer Lehranstalten zu empfehlen, da er Hand und Auge der Knaben in hohem Maße bildet und dazu beiträgt, den Teilnehmern aus den höheren Ständen durch eigene praktische Thätigkeit Sinn und Verständnis für die Arbeit der Hand zu vermitteln.
* * Böse Zungen im Bürgerlichen Gesetzbuch. Eine gegen die gemeine Berleumdungssucht gewissenloser Personen gerichtete Bestimmung des Bürgerlichen Gesetzbuches wird wohl in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Nach dem Strafgesetzbuch wird ja schon derjenige, welcher wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre That- sache behauptet oder verbreitet, die denselben verächtlich zu machen, in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wegen Beleidigung mit Gefängnis resp. mit Geldstrafe belegt. Daneben kann schon nach dem jetzigen Rechte unter Umständen auf Buße bis zu 6000 Mk. erkannt werden. Das Bürgerliche Gesetzbuch geht jedoch weiter und läßt den Verläumder für jeden Schaden und für alle Nachteile, die dem Verleumdeten durch die Verleumdung entstanden sind, in vollem Umfange haften, selbst wenn der Verleumder die Unwahrheit seiner Behauptung nicht kennt, aber hätte kennen müssen. Lautete z. B. die Verleumdung dahin, daß jemand mit vielleicht verdächtigenPersonen auf einem Karuffell gelegentlich einer Kirchweihe sich Herumgetrieben habe, auf der Kirchweihe sich aber gar keinKarussell befand, so ist jede Entschuldigung des Verleumders ausgeschlossen, weil jener sich durch Erkundigung leicht von der Unwahrheit hätte überzeugen können. Entstehen nun dem Verleumdeten durch die betreffende Verläumdung Nachteile für sein Fortkommen oder für seinen Erwerb, so hat der Verleumder dem anderen den dadurch entstandenen Schaden zu ersetzen, der sich unter Umständen auf Tausende von Mark belaufen kann.
Vermischtes.
• Berlin, 26. September. Der Postgehilfe Emil Nixdorf aus Karstaedt, der nach Unterschlagung von Geldbriefen flüchtig geworden, ist hier ergriffen worden. Man fand bei ihm 6000 Mk. und Schmucksachen, die er von dem unterschlagenen Gelde angekauft hatte.
* Graudenz, 26. September. Wie der „Gesellige" aus Stuhm in Westpreußen meldet, hat die 24jährige Tochter des dortigen Gerichtsdieners ihre drei jüngeren Geschwister im Alter von 3, 6 und 8 Jahren in den Brunnen des Amtsgerichts geworfen. Zwei von den Kindern ertranken. Das dritte konnte, wenn auch schwer verletzt, gerettet werden. Die Thäterin, welche in einem Anfall von Geistesstörung gehandelt zu haben scheint, ist verschwunden.
* Eisenach, 26. September. Der kürzlich vom Gemeinderat gewählte Stadtbaumeister hat die Annahme der Wahl abgelehnt, da ihm die Stadt Merseburg die gleiche Stelle unter gleichen Bedingungen angeboten hat. Der Gemeinderat mußte deshalb eine neue Wahl vornehmen, die auf den Baumeister Forth-Düsseldorf fiel.
• Oldisleben, 26. September. In der Mordangelegenheit wird noch bekannt, daß dem verhafteten Dienstknecht Hoffmann bis zur Stunde etwa 500 Mark nachgewiesen sind, über deren rechtmäßigen Erwerb er keinerlei Auskunft geben kann und auch jede Auskunft abgelehnt hat. Hoffmann diente, wie bereits erwähnt, zurzeit der Schreckensnacht bei der Familie Müller und wollte von dem ganzen Verbrechen nichts wahrgenommen haben. Als der Gendarmerie-Wachtmeister Reichhardt am Morgen nach
jener für die Familie so verhängnisvollen Nacht an den Kleidern des Verhafteten Blutspuren bemerkte, begründete dieser die Spuren damit, daß er die Verwundeten mit transportiert und sich dabei mit Blut besudelt habe. Während seines Aufenthaltes in Oldisleben hat sich Hoffmann gehütet, größere Ausgaben zu machen. Nachdem er aber dem Orte, wo er eine so schändliche That vollbrachte, den Rücken gekehrt, was am 27. Mai d. I. geschehen, ist er mit dem erbeuteten Gelde lockerer umgegangen. Wachtmeister Reich- Hardt-Heldrungen hat den jetzt Verhafteten fortwährend im Auge gehabt, ohne ihm gewahr werden zu lassen, daß man ihn bewache. Alle Anzeichen sprechen dafür, in dem Verhafteten den wirklichen Mörder entdeckt zu haben. In der Heimatgemeinde Hoffmanns traut man ihm, wie die „Nordh. Ztg." berichtet, das Verbrechen sehr wohl zu. Hoffmann ist der Sohn rechtschaffener, jetzt hochbetagter Eltern.
* Wien, 25. September. Selbstmord einer Gymnasialschülerin. Hier erregt der Selbstmord eines jungen Mädchens großes Aufsehen. Die 16jährige Gymnasialschülerin Angela Luksch hat sich aus einem Revolver eine Kugel in den Kopf gejagt und ist sogleich tot geblieben. Die Motive des Selbstmordes sind bisher vollkommen unaufgeklärt. Angela Luksch ist das Kind wohlhabender Eltern, die seit längerer Zeit getrennt von einander leben. Der Vater wohnt in Ungarn, und auch die Mutter weilt seit einigen Wochen bei Verwandten in Seitenstetten. Angela Luksch wohnte nach der Abreise ihrer Mutter bei ihrer Tante, einer wohlhabenden Dame. Das Mädchen zeigte seit ihrer frühesten Jugend einen starken Wissensdrang. Sie absolvierte die Volks- und Bürgerschule mit sehr gutem Erfolg und kam hierauf auf ihr wiederholtes Bitten in das Mädchen-Gymnasium. Den letzten Tag verbrachte sie zu Hause. Sie war sehr lustig und guter Dinge, scherzte mit ihrer Tante und nahm auch in fröhlicher Stimmung ihr Abendbrot. Gegen l O Uhr zog sie sich in ihr Zimmer zurück, ohne daß man auch nur die geringste Veränderung in ihrem Benehmen bemerkt hätte. Eine Detonation wurde während der Nacht nicht vernommen. Als die Tante früh um halb 8 Uhr ihre Nichte wecken wollte, fand sie zu ihrem Entsetzen das Kind blutüberströmt im Bette liegen. Die Leiche war bereits starr und kalt. Die Selbstmörderin, ein sehr hübsches, kräftiges Mädchen, hat nicht die geringsten Aufzeichnungen über ihre unglückselige That zurückgelassen. Sie hat auch nie Selbstmordgedanken geäußert, sodaß die That ganz rätselhaft erscheint.
* Wien, 25. September. Die kürzlich hier vorgekommene und von uns kurz berichtete Strafgerichtsverhandlung setzt das Treiben des vielgenannten Malers Dieffenbach, der erst in München, dann in Wien lebte, in eine bezeichnende Beleuchtung. Dieffenbach war ursprünglich ein sehr unbedeutender Münchener Maler. Plötzlich trat er als Apostel einer natürlich-idealistischen Lebensweise unter Aeußer- lichkeiten auf, die ihn öfter mit der Polizei in Konflikt brachten. Er erregte auf diese Weise Aufsehen und lenkte die Aufmerksamkeit auch auf seine geschickten, aber nicht sehr bedeutenden Bilder. Seine Geldverlegenheit suchte er durch reklamehaft gedruckte Bettelbriefe zu beheben. Zugleich zog er in Wien wie in München junge Leute nach sich, mit denen er eine „Kolonie'" nach seinen Lebensregeln bildete. Angeklagt war nun Dieffenbachs Schüler Paul v. Spann wegen Religionsstörung und wegen schweren Sittlichkeitsvergehens. Die Anzeige der Vorgänge erfolgte durch die ehemalige Wirtschafterin und Geliebte Dieffenbachs, ein Malermodell. Diese behauptet auch, nicht Dieffenbach, sondern Paul v. Spann habe die sogen. Dieffenbachschen Bilder gemalt. Paul v. Spann nahm Dieffenbach gegen seinen eigenen Verteidiger lebhaft üi Schutz. Das Gericht sprach Spann wegen des Sittlichkeitsvergehens frei mit der vom Staatsanwalt und vom Verteidiger ausgesprochenen Annahme, daß Spann von der gründlich verdorbenen Tochter Dieffenbachs verleitet worden sei. Dieffenbach selbst hatte Spann mit einer Anzeige gedroht, sofern er nicht bei ihm bleibe, und dieser stand offenbar vollkommen unter dem zwingenden Einflüsse des „Meisters", der nach den Angaben seiner ehemaligen Geliebten ein bösartiger Cyniker sein soll. Jedenfalls hat die Verhandlung ergeben, daß in der Dieffen- bach-Kolonie unter dem Deckmantel eines schwärmerischen Idealismus höchst häßliche Dinge vorgegangen sind.
* Stockholm, 25. September. Heber dem Inhalt der auf der König Karl-Insel gefundenen Boje Andrees liegt noch immer ein gewisses Dunkel. Kapitän Ask telegraphierte dem Aftonbladet: Die Boje wurde zwischen Cape Dicksou und North East Point gefunden. Die Boje war offen. Die Schraubenlinien schienen seit langem nicht gebraucht zu fein. Aus dem Rohr fiel Sand und dazwischen etwas, was Ueberreften von Papier ähnelt. Außer der Jahreszahl 1896 und „Andrees Polarexpedition" sand man keine Nummer — auch nicht eine Flagge. Die Länge der Boje ist 65 (Zentimeter. Ein nördlicher Wind gegen Land zwang den Kapitän, abzusegeln ohne vorher das Ufer näher untersucht zu haben.
Schwurgericht.
W. Gießen, 27. September 1899.
In der heutigen (letzten) Verhandlung der diesmaligen Schwurgerichtstagung wird gegen den am 9. April 1881 zu Göttingen geborenen, wegen Diebstahls vorbestraften Schreinergesellen Fritz August Julius Bruns wegen Sittlichkeits Verbrechen verhandelt. Der Angeklagte ist teilweise geständig. Staats'anwalt Koch vertritt die Anklage. Rechtsanwalt Weidig führt die Verteidigung. Es sind 8 Zeugen zu vernehmen. Der prakt. Arzt Dr. Maley von Vilbel ist als Sachverständiger im Saale anwesend. Die Verhandlung findet unter Ausschluß der Oefientlichkeit statt. Nachdem die Geschworenen die Schuldfrage bejaht, die Frage nach mildernden Umständen aber verneint hatten, erkannte der Gerichtshof auf eine Zuchthausstrafe von 7 Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Staatsanwalt Koch hatte beantragt auf 10 Jahre Zuchthaus gegen den Angeklagten zu erkennen.
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Pirna, 21. tags-Stichwa Reform-Partei, 12,937 Stimme ter 12,370 Sti
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