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Seit vielen Jahren hat man hier keine Hirsche wahr- oenommen, erst seit vergangenen Winter haben sich solche wieder aus anderen Waldungen und fremden Jagdgebieten hierher verzogen.
Bingen, 25. Juli. Eine interessante Streitfrage unterliegt soeben der Beurteilung des Kreisausschusses Bingen. Zwischen der Stadt Mainz und der Gemeinde Mombach bestehl ein Grenzstreit, indem die Stadt Mainz behauptet, das ganze Gebiet des Floßhafens sei ihr Eigentum, während die angrenzende Gemeinde Mombach die Behauptung aufstellt, daß die Grenze den Floßhafen quer durchschneide und der untere Teil Eigentum der Gemeinde Mombach sei. Da ein gütliches Uebereinkommen nicht erzielt werden konnte, wurde die Angelegenheit dem Kreisausschuß Bingen zur Entscheidung unterbreitet. In der vor einigen Tagen abgehaltenen Sitzung des Verwaltungsgerichtshofes legten die Stadt Mainz und die Gemeinde Mombach rechtsgültige Dokumente vor, nach denen die Grenze jedesmal eine andere Lage hat. Der Kreisausschuß mußte die Verhandlung aussetzen, um weitere Beweise darüber zu erheben, welches von den beiden Dokumenten das richtige ist.
][ Mittelrheinischer Zweigverband deutscher Müller. Der Vorstand des Mittelrheinischen Zweigverbandes deutscher Müller, Fr. Schäfer, Vorsitzender, Frankfurt a. M., lädt zu einer außerordentlichen General-Versammlung Sonntag den 6. August d. I., vormittags lOi/z Hhr, im Restaurant „Taunus" zu Frankfurt a. M., Große Bockenheimerstraße 4/10, ein. Tages-Ordnung: 1. Bericht des Kollegen Ludwig Zeh (Nieder-Ramstadt) über den Verlauf der Sitzung des Ausschusses und der General-Versammlung des Verbandes deutscher Müller in Danzig. 2. Bericht des Vorsitzenden über den Stand der Bildung von Kreis-Vereinen und die Zahl der Mitglieder. 3. Abänderung des Zweig- verbands-Statuts. Beratung des Entwurfs nach den Be- -schlüssen der in der General-Versammlung zu Gießen am 16. April 1899 gewählten Kommission. 4. Normalstatut -für Kreis-Vereine. 5. Anträge aus der Mitte der Versammlung. — Nach Beendigung der Versammlung findet im Restaurant „Taunus" ein gemeinschaftliches Mittagessen statt. _______________
Briefe an sich und las diese. Eine Karte mit Ansicht behielt er zurück. An der mir übergebenen Gefängniskleidung Ahlten Knöpfe, die ich mir selbst annähen mußte; für den Geruch der Kleidung finde ich keine Worte. Auch bekam ich ein paar alte Schuhe und später brachte mir der Wärter Wichszeug in die Zelle mit den Worten: „So, nun putz mal Deine Schuhe, mach aber, daß Du fertig wirst, vorwärts, vorwärts" usw. Der Aufseher sagte unter vier Augen nur Du zu mir." — Erst nach 17 Stunden wurde der vollständig unbescholtene Herr entlassen. Wenige Minuten später meldete der Zigarrenhändler, daß er sein Portemonnaie in eine Zigarrenkiste verlegt und jetzt gefunden habe.
* Auffindung alter Malerei im Dom zu Bremen. Die Zeitschrift „Die Denkmalpflege" berichtet: In der Zeit von 1502 bis 1522 erbaute Kord Poppelken am Bremer Dom an Stelle des abgebrochenen nördlichen Seitenschiffes und einer Reihe von niedrigen Kapellen ein die Höhe des Mittelschiffes erreichendes 11 Meter breites Seitenschiff, das er mit einem herrlichen Netzgewölbe überspannte. An einem kleinen Teile des Gewölbes wurden kürzlich Untersuchungen angestellt, die vortreffliche spätgothische Ornament- und Figurenmalerei zu Tage gefördert haben. Die geschlämmten Backsteinrippen zeigten sich gefärbt, die etwa 1,70 Quadratmeter großen geputzten Scheitelkappen (es sind deren etwa 90 am Gewölbe vorhanden) mit wechselnden Ornamenten übersponnen, während an der östlichen Stirnwand eine umrahmte figürliche Darstellung zum Vorschein kam. Wenn es auch jetzt' noch nicht möglich ist, den Umfang der Malerei zu übersehen und ihren Wert genau zu schätzen, so dürfen wir doch angesichts dieser ersten Proben von den weiteren Aufdeckungen eine willkommene, wertvolleBereicherung unseres Denkmälerschatzes erwarten. Sind die Gerüste im ganzen Schiff aufgestellt und die Untersuchungen abgeschlossen, so wird nicht versäumt werden, über den erfreulichen Fund weiter zu berichten.
* Eine mutvolle That. Aus Haßmersheim am Neckar wird dem „Mannheimer General-Anzeiger" geschrieben: Der Sohn des Hauptlehrers Rück im Alter von 11 Jahren badete mit dem fast gleichalterigen Knaben Schönauer, beide von hier, am Samstag nachmittag, 15. Juli, im Neckar. Schönauer geriet zu weit in den Fluß und kam in Lebensgefahr. Rück, der dieses bemerkte, wollte ihm zu Hilfe kommen. Schönauer klammerte sich aber so fest an Rück an, daß beide Knaben untergingen. Diesem Kampf sah von der Straße aus der 13jährige Philipp Staab, Sohn des Steuermanns Christoph Staab, zu. Kurz entschlossen entkleidete er sich und sprang den beiden nach; in demselben Moment waren die beiden Knaben verschwunden. Auf einmal tauchte die eine Hand von Rück wieder aus dem Wasser empor, Staab erfaßte sie und zog ihn in die Höhe, berührte dabei mit seinem Fuße Schönauer unter sich. Dem Rück half er auf seinen Rücken und Schönauer packte er an einer Hand und schleppte beide, mit einer Hand schwimmend, an's Ufer. Mit Schönauer, der kein Lebenszeichen mehr von sich gab, stellte der brave Junge sofort Wiederbelebungsversuche an, und waren dieselben auch erfreulicher Weise von Erfolg.
• Ein Versuchsgarten auf dem Brocken ist bekanntlich von dem Göttinger Professor der Botanik, Peter, angelegt worden. Es sollen dort in erster Linie alpine Pflanzen gezogen und beobachtet werden. Die Alpenpflanzen sind nun nach den Mitteilungen des Professors Peter im Wachstum so weit vorgeschritten, daß sie die an ihre Kultur geknüpften wissenschaftlichen Fragen zuverlässig beantworten. Im Versuchsgarten wurden auch die Anpflanzungen von Nadelhölzern so weit ergänzt, daß kaum noch Raum für weitere Bäumchen vorhanden ist. Außerhalb des Gartens auf Heinrichshöhe sind weitere 1000 größere Stämmchen gruppenweise angeforstet worden und andere 1100 Nadelholzpflanzen wurden für künftigen Gebrauch im Saatkamp verschult. Der Förster Meyer in Schluft bei Schierke hat sich auch in diesem Jahre wie in allen voraufgegangenen mit unverdrossener Hingabe der Pflege dieser Kulturen von Nadelhölzern angenommen. Mit den seit mehreren Jahren angestellten Versuchen mit Kartoffelsorten für rauhe Höhenlagen ist manches gute Resultat erzielt worden.
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* Das Technikum der freien Hansestadt Bremen, eine Staatsanstalt, hat zurzeit 4 Abteilungen. Die Baugewerk- schule — vom Verbände deutscher Baugewerksmeister anerkannt, auch steht die Anerkennung durch das preuß. Ministerium für öffentliche Arbeiten (Allgemeine Bau- und Eisenbahn-Verwaltung) unmittelbar bevor — schließt sich in ihrem Aufbau den königlich Preußischen Anstalten an. Die Anstalt bildet sowohl für den Hochbau als auch für den Tiefbau vor. Es finden weiter für solche, welche die Ab- gangsprüfung bestanden, noch Ausbildungskurse statt, und zwar sowohl im Hochbau, um weitere Schulung im Entwerfen, namentlich im innern Ausbau und in der mittelalterlichen Formenlehre zu ermöglichen, als auch im Tiefbau (Straßen-, Wasser-, Brücken-, Eisenbahnbau usw.). Kenntnisse in den Elementen des Tiefbauwesens sind heute sehr wichtig für alle jungen Techniker, welche im öffentlichen Baudienste eine Laufbahn einschlagen. — Die Abteilung für Maschinenbau und Elektrotechnik ist mit allen Ansprüchen der Jetztzeit gerecht werdenden Laboratorien ausgestattet. Die Schüler werden demgemäß nicht allein durch Vorträge und Zeichenübungen, sondern vor allen Dingen durch praktische Hebungen in der Elektrotechnik, Elektrochemie usw. ausgebildet. Zukünftige Elektrotechniker finden also die beste Gelegenheit, sich in Bremen auszubilden. In derselben Weise arbeitet die Schiffsbauschule — dieselbe ist vom Reichsmarineamt anerkannt — und die Seemaschinisten- schule. Die Seemaschinistenschule verfügt über die besten Lehrmittel (Modelle, Vorlagen, Laboratorien usw.); dieselbe hat eine Oberklasse, welche auf Veranlassung des Norddeutschen Lloyd eingerichtet ist, und zu deren Besuch nur solche Herren zugelassen werden, welche bereits das 1. Patent als Seemaschinist besitzen. — In allen Abteilungen werden
Abgangsprüfungen vor staatlicherseits ernannten Prüfungs- ommissionen abgehalten. — Die Anstalt ist auch vom Reichsmarineamt besichtigt worden; das Reichsmarineamt ;at im Anschluß daran eine Anzahl kaiserlicher Beamten zur Ausbildung nach Bremen gesandt.
* Heber das neue Verfahren in der drahtlosen Telegraphie, das von dem Ingenieur Schäfer in P e st erfunden wurde, erhält die Berliner „Elektrotechnische Zeitschrift" eine Nachricht, die den Erfolg der Erfindung vielversprechend erlernen läßt. Am 6. ds. fand ein Versuch im nördlichen Adriatischen Meere statt, und zwar auf der Strecke Fiume- Abbazia-Pola. Es gelang eine Hebertragung telegraphischer Nachrichten auf eine Entfernung von nicht weniger als 61 Kilometer. Die Sendestation befand sich an Bord des Schiffes Spirito im Hafen von Fiume und mar mit einer 30 Meter langen Luftleitung versehen. Die Empfangsstation war auf verschiedenen andern Dampfern untergebracht. Es ist besonders beachtenswert, daß man bei den Entfernungen über 30 Kilometer die Luftleitung ganz ausgeschaltet hatte, sodaß die als Empfänger dienende Schäfer'sche Platte, die bei dem neuen Apparate die Frittröhre Marronis ersetzt, nur mit einer Erdleitung verbunden war. Bei der Entfernung von 61 Kilometer waren die Schiffe, abgesehen von dem weiten Abstande, durch mehrere Landzungen für einander vollständig verborgen. Sofern die angewandten Ströme nicht außergewöhnlich stark waren, ist das Ergebnis ein sehr bemerkenswertes, und der Zweck der Erfindung, die Anwesenheit von Schiffen schon in großem Abstande zu verraten, würde in hohem Maße erfüllt erscheinen.
* Vorsicht!!! Man bedenke, wie enorm wichtig es ist, daß alles, was man in den Mund nimmt, verbürgt unschädlich ist. Leider setzen viele gewissenlose Fabrikanten ihrem Mundwasser Stoffe zu, welche zwar vorübergehend eine scheinbare Wirkung haben, aber auf die Dauer geradezu vernichtend auf die Zähne einwirken. Die Chemische Fabrik „Rotes Kreuz" Berlin S.W., Lieferantin für Prinzen des König!. Hauses, König!., Staat!., Städt. Behörden rc. übernimmt die weitgehendste Garantie für Wirkung und Hnschäd- üchkeit des unter wissenschaftlicher Aufsicht hergestellten Kosmin-Mundwasser. Zahlreiche Anerkennungen von höchster Stelle und aus ersten wissenschaftlichen Kreisen bestätigen dies. Flacon Mark 1,50 mehrere Monate ausreichend. Käuflich in den besseren Drogerien, Parfümerien und auch Apotheken. Man verlange beim Einkauf ausdrücklich und bestehe auf Kosmin-Mundwasser, da es in Eigenart und Wirkung unersetzlich ist.
• Schlimme Aussichten für Hunde. Bekanntlich dürfen Offiziere und Militärärzte während des Manövers nur noch rotbraune, hundslederne Handschuhe tragen. In der Annahme, daß von den rd. 20000 Offizieren und Aerzten der deutschen Armee für die bevorstehenden Manöver nur je zwei Paar derartiger Handschuhe beschafft werden, würden 40000 Paar erforderlich sein; ba ferner, wie von fachmännischer Seite versichert wird, aus dem Fell eines mittleren Jagdhundes vier, höchstens fünf Paar Handschuhe hergestellt werden können, würden 8 —10000 Hunde ihr Leben lassen müssen, um den augenblicklichen Bedarf der jetzt vorgeschriebenen Manöverhandschuhe Herstellen zu können.
* Ein polizeilicher Mißgriff erregt in Koblenz großes Aufsehen. Ein Geschäftsreisender, der schon mehrfach dort weilte und im Hotel „Monopol" gut bekannt war, kaufte sich auf dem Wege zur Bahn einige Zigarren. Einige Minuten später wurde er plötzlich mit den Worten: „Sie haben mein Portemonnaie gestohlen!" von dem Zigarrenhändler angehalten; großer Menschenauflauf und Mitgehen zur Polizeiwache war das nächste. Obwohl dort der Reisende dem Kommissar seine Hnschuld beweisen konnte und Kaution anbot, ferner der Händler erklärte, er könne das Portemonnaie verloren haben, wurde er nach dem Gefängnis abgeführt. Wie es ihm dort erging, erzählt er in der „Koblenzer Volksztg.": „In einem Waschraum mußte ich mich in Gegenwart anderer, ganz jugendlicher Gefangener gänzlich entkleiden und bekam, trotzdem ich am ganzen Körper peinlich sauber war, eine kalte Douche. Inzwischen durchwühlte der Aufseher Wunz meine Kleider, nahm die Privat-
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Die am 1. September 1899 pacht- frei werdende Jagd der Gemeinde Lohra soll auf weitere 9 Jahre verpachtet werden. Der Verpachtungs- iermin findet am Samstag dem 5. August, vormittags 11 Uhr, in der Wohnung des Bürgermeisters statt.
Lohra, den 21. Juli 1899.
Der Bürgermeister.
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