Ausgabe 
28.5.1899 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 28 Mai

1899

Erstes Blatt.

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«^artlich viermal

beigelegt.

Aints- und Anzeigeblatt füv den Kreis Gieren.

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leaetet »« Anzeigen zu der nachmittag- für de» ptgobe» Lag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr.

Gießen, den 20. Mai 1899.

8etr.: Die evangelischen Kirchenvoranschläge des Kreises Gießen für 1899/1900.

Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen

an die evaugelischeu Kircheuvorftaude des Kreises.

Die definitiv abgeschlossenen rubrizierten Voranschläge »erben Ihnen dieser Tage zugehen. Wir empfehlen Ihnen, das in Ihren Händen befindliche Konzept mit den Ansätzen des.Originalvoranschlags in Uebereinstimmung zu bringen. Die auch eine Abschrift der zu den Voranschlägen auf- geno-mmenen Bemerkungen zur demnächstigen Nachachtung dem Konzepte beizufügen.

v. Bechtold.

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Berlin, 26. Mai. In Neuß-Grevenbroich finden die >urch den Tod des CentrumSabgeordneten Rath notwendig gewordenen Ersatzwahlen für den Reichstag am 10. Juni, ür den Landtag am 22. Juni statt.

Berlin, 26. Mai. Zur Samoa-Angelegenheit teilt eine New-Yorker Meldung desR. B." mit: Admiral Kautz wird mit dem KreuzerPhiladelphia" von Samoa siecher zurückkehren. DiePhiladelphia" wird vor Apia >urch den jetzt in Valparaiso befindlichen KreuzerNew- York" ersetzt. Zugleich mit der Meldung über die erste Kommissionssitzung, die am 16. Mai stattgefunden hat, sucht dasN. C." in gewohnter Weise wieder für die englische Auffassung der Lage Stimmung zu machen. Doch thut man gut, diese gar zu durchsichtigen Versuche einstweilen ganz unbeachtet zu lassen und die wirkliche Entscheidung der Kommission abzuwarten, anstatt sich in Vermutungen darüber zu ergehen. Auch die amerikanischen Ansiedler haben einen mit Urkunden belegten Protest gegen die Uebergriffe des Admirals Kautz der Kommission cingereicht. Diese vom Amerikaner Moors und Genossen unterzeichnete Eingabe hebt eine Anzahl vollkommen überflüssiger amerikanischer Grausamkeiten hervor, sowie die systematische Aufreizung der Mataafa-Leute. Letztere, sowie Mataafa selbst ver­halten sich nach Moors Zeugnis vollkommen korrekt.

Berlin, 26. Mai. Der Gouverneur von Neu-Guinea, v. Bennigsen, tritt nun in den nächsten Tagen die Reise nach dem Südsee-Schutzgebiet an; der Lloyddampfer geht am 29. Mai von Neapel nach Singapore ab. Da die Fahrt bis nach Kaiser Wilhelmsland im ganzen 45 Tage dauert, so wird er Mitte Juli auf seinem neuen Posten eingetroffen sein. Die Expedition, welche schon zu anfang April vorausgefahren ist, wird sich wohl schon im Bismarck- Archipel befinden und mit den Bauten für das Gouvernement zu Herberts-Höhe an der Blanche-Bai begonnen haben, so­daß der Gouverneur bei seiner Ankunft dort schon manches fertig vorfindet.

Kassel, 26. Mai. Der Wettstreit der deutschen Männergesang-Vereine hat heute vormittag im Orangerie-Schloß in Gegenwart des Kaiserpaares seinen Anfang genommen. Auf der Fahrt nach dem Schloß wurden dem Kaiser und der Kaiserin von einer zahlreichen Menschen­menge begeisterte Ovationen dargebracht. Heute sangen die Vereine Sanssouci aus Dortmund, die Straßburger, Essener und hannoverschen Männergesang-Vereine sowie der Verein Polyhymnia aus Dortmund und der Bremer Lehrer-Gesang­verein. Allgemein herrscht die Ansicht, daß der Bremer Verein den Sieg davongetragen hat, aber auch der Vortrag des Essener Vereins wird allgemein gelobt. Der Kaiser verfolgte die Gesänge mit großer Aufmerksamkeit und gab wiederholt seinen Beifall kund. In den Pausen unterhielt er sich lebhaft mit den Preisrichtern. Nach dem Preissingen gab die Stadt den Preisrichtern, der musikalischen Kom­mission, den Ehrengästen und der Presse einen Frühschoppen, bei welchem verschiedene Trinksprüche ausgebracht wurden. Vizebürgermeister Endemann toastete auf die Gäste, Graf Hochberg auf Kassel, Stadtrat Bödicker auf die Preffe. Alsdann teilte Oberpräsident Graf Zedlitz mit, daß heute früh aus Amerika ein Telegramm eingetroffen sei, in welchem 1200 deutsche Sänger sangesbrüderlichen Gruß und Glück­wunsch senden. Dieses Telegramm habe dem Kaiser große Freude bereitet. Der Oberpräsident wurde unter brausenden Hochrufen beauftragt, den deutschen Brüdern in Amerika diesen deutschen Gruß zu erwidern.

Aachen, 26. Mai. Abgestoßene Wagen einer Rangier- abteilung rannten gestern abend auf dem Bahnhof Mastricht in den einfahrenden Aachener Personenzug. Elf Personen wurden verletzt, eine ist bereits gestorben.

Frankfurt a. M., 26. Mai. Aus Bern meldet die Frkftr. Ztg.": Der Bundesrat schkägt der Bundesversamm­lung zur Finanzierung der Kranken- und Unfall-Versiche­rung die Einführung des Tabaksmonopols vor. Das Monopol darf die Qualität der für den großen Teil der Bevölkerung bestimmten Tabake und Zigarren weder ver­schlechtern, noch den Preis verteuern; den Verhältnissen der bei der Tabakindustrie beschäftigten Arbeiter ist durch den Weiterbetrieb der gegenwärtigen Fabriken in der Staats­regie weitgehendste Rechnung zu tragen. Aus dem Rein­erträge des Monopols werden den Kantonen 25 Prozent zugeteilt, unter der Verpflichtung, die bezüglichen Einnahmen für Hebung des Volksschulwesens zu verwenden.

Krankfurt a. M., 26. Mai. Wie derFranks. Ztg." telegraphisch aus Darmstadt gemeldet wird, ist heute ihr verantwortlicher Redakteur Alexander Giesen, der zur Vernehmung in der wegen des Artikels über den Fall

38tj*g»j,reU vierteljährlich L Mark 20 Pf,. Monatlich 75 Pfß. mit Bringerloha.

Bei Postbezug 9 Mark 50 Pf^ vierteljährlich

Ausland.

Wien, 26. Mai. Infolge des fortdauernden Regen- wett ers mit Wolkenbrüchen find Donau und March über ihre Ufer getreten und haben weite Strecken überschwemmt.

Rom, 26. Mai. In der Deputiertenkammer erklärte am Donnerstag der Ministerpräsident Pelloux, in der chinesischen Frage beschränke sich das Ministerium darauf, die Verhandlungen, die infolge Rücktritts des vorigen Kabinetts ruhten, wieder aufzunehmen, damit eine befriedigende Lösung gesichert werde, die weder in finanzieller noch in militärischer Hinsicht die Verantwortlichkeit des Landes in Anspruch nehme, da die italienische Regierung dabei lediglich Handelszwecke verfolge. DieItalic" hat auch bereits einen Namen für diese Art Besitzergreifung in Bereitschaft, indem sie meinte, es handle sich in der San- munbai um die Errichtung einesHandelsobservatoriums". Angeblich beabsichtigt Italien sogar wahrscheinlich, um auch den Schein zu vermeiden, als ob es eine militärische Unter­nehmung beabsichtigte sein Geschwader in den ostasiatischen Gewässern um drei Schiffe zu vermindern.

Paris, 26. Mai. Die Malerin Rosa Bonheur ist gestorben. Die Beerdigung findet auf dem Pöre la chaise-Friedhofe in einem Familien-Begräbnis statt.

Paris, 27. Mai. Auf allen Polizeiwachen wurden die schärfsten Maßregeln für die Verhandlungen der nächsten Woche im Justizpalast vorgeschlagen. Säumige oder parteiische Beamte werden mit sofortiger Entlassung bedroht.

Madrid, 26. Mai. Der Führer der spanischen Repu­blikaner, Emilio Castelar, ist seiner schweren Erkrankung rasch erlegen. Im Jahre 1832 in Cadiz geboren, schloß Castelar sich frühzeitig der republikanischen Partei an. Nach dem Scheitern des Aufstandes 1866 floh Castelar nach Frankreich, kehrte aber während der September-Revolution 1868 nach Madrid zurück. Er machte dann in Spanien Propaganda für eine Föderativrepublik, wurde in die Kortes gewählt und war einer der Haupturheber der Kultusfreiheit. Als König Amadeus 1873 abdankte und die Republik er­klärt wurde, übernahm Castelar das Ministerium des Aus­wärtigen, trat bald wieder zurück, übernahm aber noch im selben Jahre das Ministerpräsidium mit diktatorischer Ge­walt. Er schuf binnen kurzem ein diszipliniertes Heer und warf die Revolte von Cartagena und den Karlistenaufstand nieder. Die Kortes erteilten ihm jedoch ein Mißbilligungs­votum, worauf er im Januar 1874 zurücktrat. Nach Wiederherstellung der Monarchie unter Alfonso XII. im Januar 1875 gab Castelar auch seine Entlassung als Pro- feffor und begab sich nach Paris, kehrte aber, 1876 von der Stadt Barcelona in die Kortes gewählt, zurück, wo er erfolglos für die Freiheit des Glaubens und des Kultus kämpfte. Maßgebenden Einfluß hat er nicht wiedererlangt. Bei den jüngsten Wahlen für die Kortes erlangte Castelar nur mit Mühe ein Mandat. Obgleich er schon seit Jahren vom eigentlichen politischen Schauplatze zurückge­treten war, hat sein Tod in Spanien eine tiefe Bewegung hervorgerufen. Die Königin-Regentin und die Mitglieder der Regierung richteten Beileidskundgebungen an die Familie des Verstorbenen. In Madrid wird eine Trauerfeierlichkeit in der Deputiertenkammer stattfinden. Die republikanische Partei bereitet eine große Trauerkundgebung vor. Castelar, dessen Neigung zur Schönrederei übrigens häufig nur zu stark hervortrat, ist mehrfach als Deutschenhasser und als Befürworter eines Bundes der romanischen Völkerschaften hervorgetreteu.

Bekanntmachung.

8tte.: Die Abhaltung öffentlicher Faselschauen zu Gießen.

Gelegentlich des am 7. Juni d. Js. ftattfindeu- dev Biehmarktes zu Gießen soll zum Zwecke der llnliörung eine öffentliche Faselschau durch die Körkommission und zwar von vormittags 10 Uhr beginnend, abgehalten »erben.

ES werden nur sprungfähige Bullen Vogelsberger und Simmenthaler Rasse berücksichtigt; auch müssen dieselben bei Reibung der Wegweisung sicher gefesselt sein.

Gießen, am 20. Mai 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

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Küchler gegen dieFranks. Ztg." erhobenen Anklage vor ;en Untersuchungsrichter in Darmstadt geladen war, wegen angeblicher Kollisionsgefahr verhaftet worden.

St. Johann, 26. Mai. Die Grubendirektion von Klein- Rosseln hat, derFrkf. Ztg." zufolge, durch Schachtanschlag eine Reihe von Zugeständnissen öffentlich bekannt ge­geben, so eine 5 prozentige Lohnerhöhung, Koalitionsfreiheit, tändige Grubenausschüsse. Der neudrohende Ausstand ist )amit wohl beseitigt.

Rochlitz i. S., 26. Mai. In der Ortschaft Kaufungen ist gestern nachmittag ein Wolkenbruch niedergegangen, wo­durch die Mulde in einen reißenden Strom verwandelt wurde. Mehrere Brücken sind eingerissen, Bäume entwurzelt und auch sonst großer Schaden in Feld und Wald angerichtet. Der Amtshauptmann erschien alsbald zur Besichtigung. Für heute ist Hochwassergefahr aus dem Gebiet von Zschopau und der Zwickauer Mulde signalisiert. Hier in Rochlitz wies die Mulde, die noch im Steigen begriffen ist, schon einen Wasserstand von 2,85 Mir. auf.

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Gießener

- Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Bekanntmachung.

betreffend: Die Veranstaltung von Verlosungen innerhalb des Großherzogtums.

Das Viehmarkt-Komitee zu Vilbel beabsichtigt, mit dem m 22. August l. Js. stattfindenden Viehmarkte eine Ver- bjung von Vieh und landwirtschaftlichen Gegenständen zu ver­binden, um die Mittel zur Prämiierung zu gewinnen. Großh. Ministerium des Innern hat die nachgesuchte Erlaubnis zur kcr anstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, üß nicht mehr als 6000 Lose, zu 1 Mk. das Stück, aus- Mben werden dürfen und mindestens 3600 Mk. zum An- Inij von Gewinngegenständen und 600 Mk. zu Prämiierungs- xvecken zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der bsr in der Provinz Oberhessen und im Kreise Offenbach Mttet worden.

Gießen, den 25. Mai 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Gesunde»: 1 Geldbeutel mit Inhalt, 2 Vorsteck- nb eln, 1 silberner Ring, 3 Taschenmesser, 1 Brille, 1 Hör- nhir, 1 Sporn, 1 Umhängetuch, 1 Kleidergürtel, 2 Hüte, 1 Stück Leinewand, 1 Beil, 1 Schraubenschlüssel und k künstliche Zähne.

Gießen, den 27. Mai 1899.

Großherzogliches Polizeiamt. I. V.: Roth.

Deutsches Keich.

Berlin, 26. Mai. DieBerl. Pol. Nachr." schreiben: tat6 für die eventuelle Vertagung des Reichstages leronts jetzt ein bestimmter Zeitpunkt in Aussicht genommen jti, dürfte nach unseren Informationen nicht zutreffen.