Freitag den 28. April
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Amts- unb Anzeigeblatt für den Kreis (ßtefjen.
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und Nervenmaterials durch neue, dem Blute entnommene Stoffe. Gegen Ende dieses Prozesses wird der Schlaf wieder leichter, und wenn der Mechanismus des Körpers wieder gebrauchsfertig restauriert ist, erfolgt von selbst das Erwachen mit der Fähigkeit zur Wiederaufnahme der Thätigkeit.
Vorbedingung eines guten Schlafes ist also vor allem ein gewisser Grad von Ermüdung. Wer unthätig den ganzen Tag ohne körperliche oder geistige Anstrengung, zwischen Bett und Sopha, Restauration und Kaffeehaus abwechselnd verbringt, hat sich das Recht auf Schlaf nicht verdient, und die Natur rächt diesen Mißbrauch in der Regel dadurch, daß die Stunde der Müdigkeit zu immer späteren Abendstunden eintritt, bis es schließlich in den Gewohnheiten des Betreffenden zu einer völligen Umkehrung von Tag und Nacht kommt, die oft jahrelang anscheinend gut vertragen wird, auf die Dauer aber nie ohne bleibenden gesundheitsschädlichen Einfluß bleibt.
Die geistige Arbeit mit Kopf und Verstand, welche leider von denjenigen, die mit ihrer Muskelkraft schaffen, nur zu oft als eine larvierte Faulenzerei angesehen wird, erzeugt keineswegs eine geringere Ermüdung, als körperliche Arbeit; nur ist die Ermüdung natürlich eine einseitige. Die bei Muskelanstrcngungen massenhaft produzierten Ermüdungsstoffe im Körper fehlen; dagegen ist das Nervensystem in hohem Grade mit diesen Zersetzungsprodukten überladen, und letztere üben in diesem Falle auf das Hirn und die Nerven einen fortdauernden Reiz aus, der das Zustandekommen eines erquickenden Schlafes hindert. Zudem ist es für den geistig Arbeitenden nicht so einfach, die Gegenstände, mit welchen er sich tagsüber intensiv beschäftigt hat, im Augenblick aus dem Bewußtsein zu entfernen, während der körperlich Arbeitende einfach sein Werkzeug aus der Hand legt, um sich der Muße hinzugeben»
Verband der deutschen Erwerbs- und Wirtschaftsgenoffen- schäften entwickelt.
40 Jahre nach jenem ersten zu Weimar abgehaltenen Vereinstage von 30 Vorschußvereinen wird in der Reichshauptstadt der Allgemeine Genoffenschaftstag bei Gelegenheit der Enthüllung des dem Altmeister des deutschen Genoffenschaftswesens, Schulze-Delitzsch, errichteten Denkmals statt« stnden. Das ist ein würdiges Jubiläum für die Bildung der ersten genoffenschaftlichen Organisation vor fünf Jahrzehnten, der Schaffung eines deutschen Genoffen- schaftö Verbandes vor vier Jahrzehnten, zu einer Zeit, als die Wiedererrichtung des Deutschen Reiches noch ein Traum war.
Die wirtschaftliche Lage der mittleren und kleinen Gewerbetreibenden aller Art, jedes Berufs, die wirtschaftliche Lage der arbeitenden Klaffen ist freilich auch heute, trotz des Bestandes von vielen tausend Genoffenschaften, keine glänzende — haben etwa deswegen die Genoffenschaften ihre Aufgabe nicht erfüllt? Es giebt Volkswirte, die diesen Schluß ziehen möchten, sie kennen fteilich nicht die Der- gangenheit und die Geschichte des Genoffenschaftswesens. Niemals ist es Schulze-Delitzsch in den Sinn gekommen, mit Hilfe der genoffenschaftlichen Organisation die soziale Frage zu lösen, vielmehr hat er mit aller Entschiedenheit Verwahrung eingelegt, als die Legende verbreitet wurde, er erstrebe solch' hochfliegende Pläne.
Ein Mann wie Schulze-Delitzsch wußte, daß es sich bei den Bestrebungen für die wirtschaftliche Hebung der kleinen und mittleren Gewerbetreibenden nicht um Maffen- wirkung handeln könne, daß der Einfluß auf die Maffe stets nur ein mittelbarer sein kann. Man stelle sich nun aber heute das Fehlen der Genossenschaften in unserem Wirtschaftskörper vor, dann wird man die Bedeutung und den Wert der Genossenschaften voll ermeffen. Man denke an die gewaltige wirtschaftliche Umwälzung, die die letzten 5 Jahrzehnte gebracht haben, sie wäre völlig vernichtend für die kleinen und mittleren Betriebe gewesen, wenn diese nicht ihre Stütze in den Genoffenschaften aller Art gehabt hätten. Die Genoffenschaften haben große positive Erfolge zu verzeichnen, sie können für sich noch mehr in Anspruch nehmen, eine schlimmere Gestaltung der Lage abgewendet zu haben.
Werfen wir nun einen Blick auf die Leistungen der dem Allgemeinen Verbände deutscher Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften angehörenden Genossenschaften, des Verbandes, der, wie bemerkt, seinen Genossenschaftstag in diesem Jahre in den Augusttagen in Berlin abhalten wird.
so tritt uns die wirtschaftliche Bedeutung der Genoffenschaften deutlich vor Augen.
Dem Verbände gehören 1544 Genossenschaften der verschiedenen Gattungen an, es haben davon 1416 Genoffenschaften 904640 Mitglieder, denen diese Genoffenschafte» an Krediten, Wirtschaftsbedürfniffen u. s. w. Werte im Betrage von 1869640275 Mk. im Jahre zur Verfügung stellten. Jene 1416 Genoffenschaften arbeiteten mit 125122131 Mk. Geschäftsguthaben, 41557912 Mk. Reserven, 512266641 Mk. fremden Geldern. Unter de» 1416 Genossenschaften befanden sich 924 Kreditgenoffen- schaften mit 125192 selbständigen Handwerkern und 145 385 Landwirten als Mitglieder, denen im Jahre 1897 etwa 900 Millionen Mk. an Kredit gewährt waren. Bei 489 Konsumvereinen kauften 403872 Personen ihre Lebensbedürfnisse, darunter befanden sich ca. 207000 Personen, die den arbeitenden Klassen angehören, die durch Bezug der Wirtschafts- und Lebensbedürfnisse bei den Konsumvereinen ca. 5 Millionen Mk. Ersparnisse erzielten. Bei den 31 dem Verband angehörenden Baugenossenschaften wurden 82 Häuser, davon 45 Häuser mit 333 MietS- Wohnungen erbaut.
Alles spricht dafür, daß der zu Berlin stattfindende Allgemeine Genoffenschaftstag einen der Feier würdigen Charakter erhält. (Mainz. Anzeiger.)
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insofern auf einige Zeit, als sie das überreizte Gehirn und die sonstigen Nervenzentren in einen rauschartigen Lähmungszustand versetzen; aber heilend wirke« sie nicht, und wenn der dauernde Gebrauch dieser Medikamente, wie unausbleiblich, schließlich seine schädigenden Wirkungen auf das Nervensystem ausübt, ist der arme Patient schlimmer daran, denn je zuvor.
Die wissenschaftlichen Forschungen der letzten Jahre haben auf die bisher in Dunkel gehüllte Physiologie des Schlafes einiges Licht geworfen, sodaß wir uns zur Erklärung der Notwendigkeit desselben nicht mehr mit den früher üblichen allgemeinen Redensarten zu behelfen brauchen. Bekanntlich ist der menschliche Organismus ebenso wie der des Tieres in seiner Thätigkeit mit einer äußerst ökonomischen Kraftmaschine zu vergleichen, deren Heizmaterial, die Nahrungsstoffe und Getränke, unter der Einwirkung des in den Lungen eingeatmeten Sauerstoffes langsam verbrannt und in lebendige Kraft umgesetzt wird, welche namentlich in der Thätigkeit der Muskulatur und des Herzens zum Ausdruck kommt. Wo aber eine Verbrennung stattfindet, dort giebt es auch Asche und Schlacken, und als solche entstehen sowohl beim ruhenden, wie beim körperlich arbeitenden Menschen außer den bekannten Exkretionsstoffen im Blute die sogenannten Ermüdungsstoffe, welche auf die Nerven eine lähmende, ja bei starker Konzentration sogar eine giftige Wirkung ausüben. Aus dem Organismus des wachen Menschen werden diese eigentümlicherweise nur in sehr geringem Maße ausgeschieden. Nach mehr oder minder langer Tagesarbeit bewirken sie aber, daß bei dem Individuum das Gefühl der Ermüdung und schließlich Schlaf eintritt. Sowie letzteres geschehen, beginnt nun eine intensive Thätigkeit des Lymphgesäßsystems, dank welcher die Ermüdungsstoffe in schnellem Tempo ausgeschieden werden, und gleichzeittg erfolgt der Ersatz des verbrauchten Muskel-
U lEibiOt ton «nzrigen ,u btt nachmittag« fir btn ■' lUpim Tag erscheinenden Nummer bi« vor». 10 llhr.
Hessischer Landtag.
Zweite Kammer der Stände.
nn. Darmstadt, 26. April 1899.
Die Sitzung wird um 91/, Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Staatsminister Rothe, Geh. Staatsrat von Krug, die Ministerialräte Ritsert und Deisler und RegierungS- rat Rothe. Die Tribünen sind auch heute wieder dicht besetzt. Besonders die Wirte aus der Stadt sind zahlreich vertreten. Die Generaldebatte über die S t e u e r - R e f o r m e n wird fortgesetzt. Ministerialrat Deisler wendet sich gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. von Brentano, der gestern behauptet habe, daß durch Einführung der Weinsteuer dem Schnapskonsum Vorschub geleistet werde. Seiner Erfahrung nach, sei nach dem Fallen des Weinsteuergesetzes in 1894 der Wein um keinen Pfennig billiger geworden. Die Regierung wolle keine Winzersteuer, wie vielfach behauptet werde, einführen, sondern es sei der Negierung hauptsächlich darum zu thun, die Kunstweinfabrikation zu treffen und den Winzer nach dieser Richtung hin zu
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7» «Mtl.
Feuilleton.
Schlaflosigkeit und Schlafmittel.
Bon Dr. Kurt Rudolf Kreusner.
(Nachdruck verboten.)
SS giebt viele Leidenszustände des menschlichen Körpers, •totiM siich zwar nicht als offenkundige Krankheit mit Der- initormng von Körpergewebe dem Messer des pathologischen ■Änfacmn präsentieren, nichtsdestoweniger aber durch ihre atiM flitbauer höchst nachteilig auf den Gesamtorganismus, najnrtl.id) auch auf baß Nervensystem, unb damit auf bie Le ÄhiHsfähigkeit bes betroffenen Jnbivibuums wirken.
ziemlich ber quälenbste bieser Zustänbe ist an- bawfcie Schlaflosigkeit; wer sich abenbs kaum aufs OlHze legt hat, um sofort in Morpheus' Arme zu sinken uttriln einem Zuge ober mit kurzwährenben Unterbrechungen 6 NftlA unb mehr Stunben fortzuschlafen, weiß nicht, wie betlinixjen zu Mute ist, ber sich mübe unb ruhebebürftig gUiiljflL begie&t, unb stunbenlaug bis zum grauenben Morgen vem^Iuch ben Schlaf erwartet unb ben bleiernen Schlag deck:kieittelstunben zählt. Nur wer schlecht schläft, weiß bte AMchmilichkeit eines ausgiebigen unb tiefen Schlafes zu sch,Hu.. Für ben Kranken aber bebeutet berselbe oft bte Gehnimg selber, unb die erste Frage bes Arztes an ben PaWiivn: „Wie habe« Sie geschlafen?" ist nur zu sehr geiMtfartigt.
Qm Schlaflosigkeit mit Erfolg zu behanbeln, muß man siHich: über bie Natur bes Schlafes im allgemeinen unb beihrii bem einzelnen Menschen bte Störung bewirkenben Urlflltitn.-! im klaren fein; benn mit ben zahlreichen Mitteln,
m-iuM -oa sämtti großem vaürt.
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le Gießener yileiKttniritter u«n*r 3tm Anzeiger $ viermal Angelegt.
50 Jahre.
1819—1899. Diese Jahre bebcuten Merksteine in der G^ich'e des deutschen Genossenschaftswesens. Im Jahre l-'.f) gründete Schulze in seiner Vaterstadt Delitzsch eine Kit mit» und Sterbekaffe, die sich von anderen derartigen Ächfim dadurch unterschied, daß jede Gönnerschaft aus- geMvsftn wurde und die Gleichberechtigung aller Mitglieder in ii kt General-Versammlung zum Ausdruck kam. Dieser W vTjnbimg folgte int Herbst die Bildung bes ersten Rohstoff- V.öMS zu dem sich 13 Tischler vereinigten. Wohl be- nah* in verschiedenen Städten zu jener Zeit schon Dar- klMtafflen und Bezugsvereinigungen auf genoffenschaftlicher G:kudlc ge, denn der Gedanke, mit Hilfe der genoffenschaft- 'ickitzn Organisation die wirtschaftliche Lage der Gewerbe- tienikibi n zu bessern, beschäftigte damals die weitesten Kreise, red) nie ft dachte man dabei an eine weitere Ausgestaltung wfowungen, an die Heranziehung von Mitteln seitens rc S$i(iatc8, der Kommune, nur vereinzelt wurde der Versuch cjeMkht aus eigener Kraft heraus Einrichtungen zu schaffen, in»"! jenen Aufgaben dienten.
Lhulze-Delitzsch ist nicht der Erfinder der genoffen- schl. Häien Idee, denn diese ist urdeutsch — wir finden sie aurtf paiitischem Gebiet in den Markgenoffenschaften, auf geMhbchem in ben Innungen — Schulze-Delitzsch aber 'st tn Organisator der Durchführung des genossenschaft- i ic Ai Etedankens, wie er der modernen wirtschaftlichen Ent- wricklnng entspricht.
lln2 nicht bloß der Organisator der Genoffenschaften ist 1 kckrllze gewesen, sondern auch der der Genoffenschafts ^eMnde. Pfingsten 1859 traten zum erstenmale Abgeord- nc?£it dM etwa 30 Vorschußvereinen in Weimar zu einem ^■'ehtnnß.iag zusammen, nachdem eine Zusammenkunft in Dil'Mii von der sächsischen Regierung verboten worden toenx Daß Jahr 1859 wurde entscheidend für die weitere Ardlltgkstuiltung und Entwickelung des deutschen Genossen- fchliMmesens. Zu Weimar wurde die Errichtung eines CSejataWoureaufl unter Leitung von Schulze beschloffen, zu ben» gmeef, die Verbindung der Vereine anzubahnen, die KoiMjp^ndenz mit den Vereinen zu führen und ein Organ detr:Iorschußvereine in der seit 1854 als besondere Abtei Mg Iber deutschen Gewerbezeitung erscheinenden Innung betet: jidiunft (seit 1866 unter dem Titel Blätter für Geuoffen- schbchsivksen) zu schaffen. Rur zwei Jahre blieb die 23er« bhhnhng auf Kreditvereine beschränkt, dann dehnte sie sich lUfl^Qti'f die anderen Genoffenschaftsarten aus. Aus dem in i Btiinar gebildeten Centralbureau hat sich der Allgemeine
Hiehener Anzeiger
Henerat-Anzeiger
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un^ wi.-^nnipyrin, Sulfonal, Trional, Morfin, Codein, Chloral-
W™ H-Ma, denen sich noch immer alljährlich eine große Zahl
Ey» neiM Medikamente anreiht, ist nichts gethan. Sie helfen


