Nr. 24 Zweites Blatt Samstag den 28. Januar
1899
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger
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Bekanntmachung.
Im Stalle des Händlers Kal mann Abraham zu Kröffelbach, Kreis Wetzlar, ist an einem Ochsen die Maul- und Klauenseuche festgestellt und dessen Hof polizeilich gesperrt worden.
Gießen, den 25. Januar 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.: Boeckmann.
Gießen, 25. Januar 1899.
Netr.: Die planmäßige Einziehung nicht mehr umlaufsfähiger Zehn- und Fünfpfennigstücke.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Rechner der Gemeinde-, Kirchen- und Krankenkassen des Kreises.
Es ist beobachtet worden, daß sich eine ständig wachsende Anzahl von Zehn- und Fünfpfennigstücken im Umlauf be- stndet, deren Gewicht und Erkennbarkeit infolge längeren Gebrauchs erheblich abgenommen hat. Im Interesse der Aufrechterhaltung eines geordneten Münzwesens erscheint die Einziehung solcher Stücke geboten. Gemäß einer Anordnung des Reichskanzlers weisen wir Sie daher an, die bei Ihnen eingehenden oder sich bereits im Kassenbestande befindenden Münzsorten der genannten Art, soweit sie in der bezeichneten Weise abgenützt sind, anzuhalten und an die der Großh. Hauptstaatskasse unterstellten Kassen ein« zuscnden.
I V.: Boeckmann.
unbestimmter Artikel ist, dahin auszulegen, daß alle Ziegeleien, in denen außer dem Ofen noch irgend eine ständige Betriebsanlage vorhanden ist, nicht als unter die Bestimmung zu II, Ziffer 2 fallend anzusehen sind.
Die Bestimmungen der vorstehenden Bekanntmachung wollen Sie, soweit sich in Ihren Gemeinden Ziegeleien befinden, ortsüblich bekannt machen lasten und den Ziegeleibesitzern noch besonders zur Kenntnis bringen.
I. V.: Boeckmann.
Krieg zwischen beiden Ländern, und Napoleon säumte nicht, mit England ein Bündnis zum Schutze der Türkei einzugehen. Am 27. März 1854 erfolgte die Kriegserklärung an Rußland; Franzosen und Engländer landeten in der Krim, und eroberten, nachdem auch Sardinien dem Bunde beigetreten war, am 11. September 1855 die starke Festung Sewastopol. So war der „Krimkrieg" für Rußland verloren. Zar Nikolaus erlag dem Groll über den Sieg seiner Feinde, und Napoleon, welcher die Bedingungen des Pariser Friedens diktierte, spielte von da ab in der europäischen Politik die erste Rolle.
Der Friede brachte nicht nur die Gleichberechtigung der Christen in der Türkei, sondern schuf auch das gemeinschaftliche Protektorat der Großmächte über die Donaufürstentümer, und befreite letztere von der russischen Schutz - Herrschaft, worauf sie sich 1858 zu dem Staate Rumänien vereinigten, der aber erst am 21. Mai 1877 seine volle Unabhängigkeit von der Türkei erklärte. 1881 verwandelte sich das Fürstentum in ein Königreich Rumänien; zum Regenten des Landes war bereits 1866 Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen gewählt worden. Rumänien war die erste Frucht des von Napoleon zur Anerkennung gebrachten Nationalitätsprinzips, die zweite sollte Italien sein. Offen verkündete Napoleon als Ziel seiner Politik die Befreiung der unterdrückten Völker, und schloß, vielleicht indirekt durch die von italienischen Fanatikern gegen ihn gerichteten Attentate bestimmt, mit Sardinien ein Bündnis. Nachdem Napoleon 1859 beim Neujahrsempfange die Beziehungen zwischen Oesterreich und Frankreich „nicht mehr so gut als früher" hingestellt, und Viktor Emanuel, der König von Sardinien, erklärt hatte, er müsse auf den Schmerzensschrei Italiens hören, verlangte Oesterreich die Abrüstung Sardiniens. Sardinien verweigerte diese, worauf Ende April 1859 der Krieg begann.
Die Oesterreicher erlitten bei Montebello, Palestro, Magenta und Solferino schwere Niederlagen durch Franzosen und Sardinier; vergeblich riefen sie die Hilfe des
Deutschland und der neue Bundesgenosse im Wettbewerb.
(Schluß aus voriger Nummer.)
Zahlen beweisen allerdings, daß wir Deutschen den Engländern in gewissen Dingen vorausgeeilt sind, dagegen lasten andere Zahlen erkennen, wo der deutsche Wettbewerb sich neben Englands Größe noch zwerghaft ausnimmt. Was die Entwicklung des internationalen Transportgeschäfts zu See angeht, so scheint ein langsames Zurückweichen des englischen Anteils vorzuliegen. Die Verfrachtung über einige festländische Häfen, so über Hamburg, über Antwerpen, nimmt verhältnismäßig zu, während der Verkehr über London, Liverpool und Plymouth verhältnismäßig langsamer wächst, als durchschnittlich im verflossenen Jahrzehnt der Fall war. Welches Uebergewicht der Seeverkehr bezw. dessen Möglichkeit für die Entwicklung der Handelsbilanz besitzt, leuchtet ein. So hat Deutschland (das am Suezkanalverkehr nächst England meistbeteiligt ist) nach Rumänien, welches zur See erreicht wird, einen Umsatz von nahezu hundert Millionen Mark, während für das ähnlich geartete Serbien, das nur auf dem Landwege zugänglich ist, nur fünf Millionen Mark in Rechnung kommen. Im Oktober 1897 hat der Gesamtgüterverkehr des Hamburger Hafens den Umschlag von Liverpool zum erstenmal um ein Ansehnliches übertroffen. Mit der Verschiebung des Frachtgeschäftes steht die Abnahme, welche sich bei einer Reihe von Artikeln in der Ausfuhr findet, in engem Zusammenhang; aber deshalb braucht sich der Absatz von Waren wirklich englischer Herkunft nicht verringert zu haben, denn bisher ging ein beträchtlicher Teil der festländischen Ausfuhr über den Londoner Markt und erschien in der Fremde als englisches Erzeugnis.
Nach dem Blaubuche, welches anläßlich des 60jährigen Jubiläums der Königin veröffentlicht wurde und die Berichte der Gouverneure aller Kolonieen brachte, wäre Eng-
I deutschen Bundes an. Preußen erachtete es nicht mit den Pflichten desselben für vereinbar, für Oesterreichs aus- I wärtige Interessen einzutreten, und erklärte sich nur unter der Bedingung für die Bereithaltung der Bundestruppen einverstanden, wenn ihm der Oberbefehl über sämtliche Bundestruppen übertragen werde. Die österreichische Regierung lehnte die Forderung Preußens ab und opferte lieber im Frieden von Zürich (10. November 1859) die Lombardei an Italien, als daß sie von ihren vermeintlichen Rechten um ein Haar breit gewichen wäre.
Italien war zunächst enttäuscht, denn seine Einheit war noch nicht hergestellt, obwohl Napoleon für seinen Beistand bereits Nizza und Savoyen in die Tasche gesteckt hatte. Doch ließ sich der einmal entfesselte Nationalgeist nicht aufhalten. Modena, Parma und Toskana erklärten ihren Anschluß an Sardinien, das Königreich Neapel- Sizilien eroberte der Patriot Garibaldi mit seinen Freiwilligen im Sturme, und König Viktor Emanuel wurde von dem am 18. Februar 1861 zu Turin eröffneten ersten italienischen Parlament zum König von Italien erhoben. Noch fehlten Venetien und der Kirchenstaat, welch letzterer von Napoleon geschützt wurde, dessen Soldaten bei Montana den gegen Rom vorrückenden Garibaldianern eine schwere Niederlage beibrachten. Um Venetien zu bekommen, ging Italien ein Bündnis mit Preußen ein, in dessen Erfüllung es 1866 zu den Waffen griff, aber von Oesterreich sowohl zu Lande als zu Wasser (Seeschlacht bei Lissa) geschlagen wurde. Trotzdem erhielt es beim Friedensschluß Venetien, das Oesterreich an Napoleon auslieferte, um seine Friedens- Vermittelung zu erlangen. Um in den Besitz von Rom zu kommen, ersah sich nun das neu geeinigte Reich die Gelegenheit des Krieges zwischen Deutschland nnd Frankreich (1870/71), wo Napoleons Fall ihm den Weg in die natürliche Hauptstadt Italiens öffnete. Am 31. Dezember 1870 hielt Viktor Emanuel in der alten Cäsarenstadt seinen feierlichen Einzug.
(Fortsetzung folgt.)
Gießen, den 25. Januar 1899. Betr.: Erhebungen über die im Großherzogtum domizilierten Blinden im schulpflichtigen Alter.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
au die Lokalschulvorstäude des Kreises.
seitens der Großh. Direktion der Blindenanstalt darauf hingewiesen worden, daß fortwährend eine grofje Anzahl blinder Kinder im Großherzogtum sich be- fndet, die nicht in die Blindenanstalt ausgenommen sind. Behufs Ermittelung derselben wollen Sie binnen 14 Tagen an uns berichten, wieviel blinde oder halb
blinde Kinder im schulpflichtigen Alter sich in Ihren Gemeinden befinden, und zwar unter Angabe von Namen, Alter, Grad der Blindheit und den sonstigen Verhältnisten.
In Zukunft wollen Sie Ihren alljährlich am Ende des Jahres zu erstattenden Bericht über die taubstummen Kinder auch auf die blinden und halbblinden Kinder im schulpflichtigen Alter erstrecken.
I. V.: Boeckmann.
Gießen, den 19. Januar 1899.
Betr.: Die Beschäftigung der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter in Ziegeleien.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an Großh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Laudgemeiudeu desKreises.
Die Bekanntmachung des Reichskanzlers über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Ziegeleien vom 18. Oktober 1898 (s. Bekanntmachung vom 10. Dez. 1898 im Anzeiger Nr. 292 vom 13. Dez. 1898) bestimmt unter pos. II, Z. 2, daß in Ziegeleien, welche ohne ständige Anlagen betrieben werden (Feldbrände) oder in welchen als ständige Anlage nur ein Ofen vorhanden ist, Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter abweichend von den Vorschriften im § 135, Abs. 3 und § 137, Abs. 2 der Gewerbeordnung, an allen Werktagen, mit Ausnahme des Samstags und der Vorabende der Festtage, zwölf Stunden mit mindestens je i/,stündiger Vor- und Nachmittagspause und einstündiger Mittagspause beschäftigt werden dürfen.
Diese Abweichungen von den Vorschriften der Gewerbeordnung waren ursprünglich nur für die Feldbrandziegeleien, d. i. für die ursprünglichsten und technisch unvollkommensten Unternehmurgen in Aussicht genommen. Diese Vergünstigung allen Handziegeleien einzuräumen, ist nicht für zulässig erachtet worden, weil der Umstand, daß in einer Ziegelei nur Handformerei vorkomme, keinen sicheren Anhalt dafür bietet, daß das Unternehmen den Feldbränden gleich zu erachten sei. Dagegen wurde angenommen, daß Ziegeleien, in denen außer den Umfassungsmauern des Ofens ständige Betriebseinrichtungen nicht vorhanden seien, sich von den eigentlichen Feldbränden so wenig unterschieden, daß ihnen die diesen zugestandenen Erleichterungen nicht wohl vorenthalten werden könnten. Dementsprechend ist der Satz: „in welchen als ständige Anlagen nur ein Ofen vorhanden ist", in dem das Wort „ein" nicht Zahlwort, sondern
Feuilleton.
Das 19. Jahrhundert.
Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herauSgegeben von Friedrich Thieme.
(Nachdruck oder Auszug verboten.)
III.
Der Gang der Weltgeschichte im IS. Jahrhundert.
2. Theil.
Die Jahre 1851 bis 1898.
. . vom 2. Dezember 1851 erhob den
xet stnnzösischcn Republik zum Diktator f der sich bereits am
r Dezember 1852 IN einen „erblichen Kaiser" verwandelte, »rkünde/ ^tlc das Prinzip der Volkssouveränetät rtot '.r r^, fe Beiseite (Volksabstimmungen) Irsch'- » fast unumschränkt, und drückt- lange Zeit den scha»enhaften Institution herab.
1859 • F’ebe"' s>°"° Napoleon III. am ■“* ? Bordeaux gesagt, — sehr bald aber w «Sn ff£ns Ä' b,aB d--s Kaiserreich der Krieg
? doltzei und Sabel, sowie die Köder, welche der
ar„bc,te"ben B°lk° in Gestalt von Verdienst- f • “JJ” rrr‘ ^Tatf' schienen ihm nicht hin- bÄis »^befestigen. Nachdem er sich nut »it Gräfin Eugeme von Monti,o vermählt (die ihm 1856 ?" gewünschten Thronerben schenkte), suchte er nach Ge- Wnheiten, den Franzosen, sowie dem Auslande zu zeigen, «ch die Napoleomden die alt- Frankreichs wieder- S?. V!nfJani>c se'en- Die orientalisch- Frage bot den ÄH. Kn-ser Nikolaus von Rußland hatte, sich
M Schutzherrn der Christenheit in Palästina und der der letzteren in brüsker Form For- HJ? weitgehender Art unterbreiten lassen, welche man
8 onstantmopel abgelehnt hatte. Die Folge war der


