Ausgabe 
27.10.1899 Erstes Blatt
 
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Alt) Telegr." berichtet aus sierung der amerikä- klich in New Jork erörtert, von einer bevorstehende» ich dadurch hervorgerufen, europäischen Mächte in dem ist.

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tember 1899, auf einer Reise zum Rudolfsee in Britisch Ostafrika von einem Nashorn getötet worden ist. Der deutsche Rudersport hat einen seiner besten und that- kräftigslen Förderer verloren. Gleichzeitig Gelehrter und Sportsmann, eindringender Forscher, gewandter Redner und Schriftsteller, begnügte er sich nicht damit, seine Fach­genossen auf ein anziehendes Beobachtungsgebiet hinzuweisen, sondern er wandte sich immer wieder in Aufsätzen und Vorträgen an seine Sportsgenossen, belehrend, anfeuernd, unterrichtend. Georg Kolb war der Sohn eines rheinischen Großindustriellen, des verstorbenen Geheimen Kommerzienrates Franz Kolb in Viersen. Durch viel­seitige planmäßige Leibesübungen als Turner, Ruderer, Schwimmer, Radfahrer und Fechter bildete er sich zu einer wuchtigen germanischen Männergestalt aus. Als Student der Medizin saß er jahrelang in der siegreichen Kaisermannschaft des Berliner Ruder Klubs. Hochbegabt, fing er frühzeitig an, neben seinen Muskeln, seine medizinische Erkenntnis in den Dienst des Rudersports zu stellen und unzweifelhaft hatte Georg Korb einen wesentlichen Anteil daran, daß deutsche Ruderer das langerstrebte Ziel er­reichten, die lange Zeit als unbesiegbar gehaltenen Engländer im Jahre 1894 auf der Hamburger Regatta hinter sich zu lassen. Viel hätte dem deutschen Rudersport und damit der Wehrhafterhaltung des deutschen Volkes ein so hervoragen- der Arzt und Ruderer noch nützen können, der uns nun, unerwartet entrissen ist. Dr. Georg Kolb hat es verstanden, den alten Ruhm der Gründlichkeit und Selbständigkeit deutscher Arbeit zu bestätigen. Trauernd um seinen Verlust können wir mit stolzer Genugthuung saaen: Er war unser!

I. K.

* Jubiläum. Samstag, den 28. er. sind es 25 Jahre, daß Herr Karl Müller als Reisender in der Brauerei Friedel & Asprion thätig ist. Derselbe hat in treuer Pflicht­erfüllung zu Lotze, Klostermanns und Friedels Zeiten, sowie unter der jetzigen Firma jederzeit seinem mitunter schweren Berufe obgelegen und wird ihm von Seiten des Geschäftes sowie der Kundschaft und feiner Freunde ehrenvolle Aner­kennung zu Teil werden.

** Alldeutscher Verband. Wir verweisen hiermit auf den Anzeigenteil unseres Blattes, in dem zu einer Ver­sammlung der Ortsgruppe Gießen des Alldeutschen Verbandes eingeladen wird. Es hat, wie wir mit Genug­thuung feststellen können, der in unserem Blatte gegebenen Anregung nicht erst bedurft, um eine Ortsgruppe ins Leben zu rufen. Der Plan lag schon länger vor, der jetzt zur Verwirklichung wurde. Wir wollen gleichzeitig darauf Hin­weisen, daß kommenden Sonntag der Oesterreicher Wolf in Mainz auf einer Versammlung des Alldeutschen Verbandes in der Stadthalle sprechen wird, und jeder, dem das Wohl unserer Stammesgenossen am Herzen liegt, kann sich aus erster Quelle dort ein Bild von der jammervollen Lage unserer bedrängten Brüder machen. Die Versammlung beginnt in der Stadthalle um 3 Uhr nachmittags.

** Polizeibericht. Die Tochter eines hiesigen Bier- Händlers verunglückte gestern abend im Keller beim Abfüllen von Aepfelwein mittelst Kohlensäure. Das Faß hielt den Druck nicht aus und zerplatzte, wodurch das Mädchen von Faßtrümmern an Kopf und Beinen schwer verletzt wurde und in die Klinik gebracht werden mußte.

Vermischtes.

* Würzburg, 25. Oktober. Das Unglück ber lieber« schwemmten in Altbayern beuten gegenwärtig reisende Künstler ans. Sie versprechen, den Reinertrag ihrer Kon­zerte für die Ueberschwemmteu abzuliefern, erhalten zu dem guten Zweck von den Stadtmagistraten freie Lokale nebst Gratis Beheizung und Beleuchtung, haben auch einen starken Besuch ihrer Konzerte und liefern dann nichts ober fast nichts von ben Einnahmen ab. In Kitz in gen gab vorige Woche ber ungarische Violinvirtuose Bela Kiraly ein solches Wohlthätigkeitskonzert; er nahm ca. 200 Mk. ein, für bie Ueberschwemmteu gab er aber nur 2.60 Mk. ab. Das gleiche wirb jetzt ans Bamberg gemelbet, wo bie Konzertsängerin Theresa Tofti mit ihrem Gatten, bem Klaviervirtuosen Rudolf Panzer, ein Konzert veranstaltet hatte, für das ihr das Stadttheater zur Verfügung gestellt worden war. Das Künstlerpaar hatte 257 Mk. Einnahme und ist abgereist, ohne einen Pfennig abzuliefern. (Sollte Frau Tosti vielleicht

den Reinertrag direkt an bas Münchener Zentralkomite ge­sandt haben? Red) Die angekündigten Konzerte Tosti- Panzer in Kitzingen und Würzburg wurden abgesagt.

Franks. Ztg.

* Nürnberg, 24. Oktober. Heute morgen wurde ein Rechtspraktikant auf einen von München eingelaufenen Haftbefehl verhaftet. Er wird der Anstiftung zum Ver­brechen wieder das keimende Leben beschuldigt.

* Karlsruhe, 24. Oktober. Wie dieBad. Neckarztg " meldet, ist am Samstag nachmittag zwischen Unterschefflenz und Auerbach an der O'/zjährigen Tochter des Früchte­händlers Hüttler von Unterschefflenz ein Sittlichkeits­verbrechen verübt worden. Ein Stromer namens Link von Lauda vergewaltigte das Kind, so daß an seinem Auf­kommen gezweifelt wird. Der Verbrecher, welcher schon zweimal wegen Sittlichkeitsverbrechen vorbestraft ist, wurde am gleichen Abend verhaftet.

* Aus Sachsen, 24. Oktober. Die Frau des Bauern­gutsbesitzers Winter in Schmiedefeld wurde heute in ihrem Bett erwürgt vorgefunden, auf dem Heuboden fand man ihre zwei Kinder getötet und neben ihnen hatte sich der Vater an einem Balken erhängt.

Oberlahnstein, 24. Oktober. Der hiesige Viktoria- brunnen hat der niederländischen Abteilung des Roten Kreuzes 200 Kisten seines Wassers zum besten der Verwundeten und Kranken im Transvaalkrieg zur Verfügung gestellt.

* Berlin,24. Oktober. Bankier Arendt und Albert Levy wurden auf Antrag des Untersuchungsrichters ohne Kaution aus der H a f t entlassen. Gegen den Denunzianten ist eine Strafanzeige wegen wissentlich falscher Anzeige erstattet.

Gingesandt.

Gießen, 26. Oktober 1899.

Die in der gestrigen Nummer dieses Blattes gegebene Anregung zur Gründung einer Ortsgruppe desAlldeutschen Verbandes" ist auf das freudigste zu begrüßen. Gewiß gibt es in unserer Stadt Männer, denen seither wenig Gelegenheit geboten war, hier ihre deutsch-nationale Gesinnung offen zu bethätigen. Um aber die deutsch-nationale Sache in hiesiger Stadt zu fördern, dürfte ein Zusammengehen aller deutsch­national gesinnter Vereine zu empfehlen sein. Dabei möge man aber nicht die akademische Jugend, namentlich denVerein deutscher Studenten", vergeffen. Ein Zusammenschluß aller dieser Gruppen unter dem Raimn Vereinigung der deutsch-national gesinnten Vereine Gießen" wäre sehr wünschenswert. Könnte nicht in der nächsten Zeit von dieser in Rede stehenden Vereinigung eine Versammlung einberufen werden, zu wel.ber ein so hervorragender Vorkämpfer der deutsch-nationalen Sache wie K. H. Wolf in Wien als Redner gewonnen werden könnte? ___________________________________________Ein Deutscher.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag den 26. Oktober, abends 8 Uhr: Bibelstunde im oberen Saale des neuen Konfirmandenhauses in der Kirchstraße. Auslegung des zweiten Brief Pauli an die Korinther.

Pfarrer Schlosser.

Gottesdienst 'm der Synagoge.

Samstag den 28. Oktober 1899.

Vorabend 5 Uhr, morgens 9 Uhr, nachmittags 3 Uhr Schrifierklärung, Sabbathausgang 6 Uhr.

Gottesdienst der israelitischen Keligionsgeseüschast.

Sabbathfeier am 28. Oktober 1899.

Freitag abend 4« Uhr, Samstag vormittag 8 Uhr, nach­mittag 3 Uhr, Sabbathausgang 506 Uhr.

Nachmittag 2«o Uhr SchriflerklLrung in der Synagoge.

Wochengottesdienst morgens 7 Uhr, abends 430 Uhr.

Neueste Meldungen.

Depeschen des BureauHerold".

Berlin, 26. Oktober. Wie derVorwärts" mitteiit, ist der Redakteur Müller auf telegraphische Anordnung des Magdeburger Landgerichts-Direktors aus der Straf­anstalt in Gommern entlassen worden. Der zu dreijährigem Gefängnis verurteilte frühere Reichstags Ab­geordnete Albert Schmidt hat dagegen die Aufforderung erhalten, am 30. Oktober in Gommern seine Strafe an­zutreten.

Wien, 26. Oktober. Es werden augenblicklich zwischen verschiedenen europäischen Kabinetten Unterhandlungen ge­

pflogen, um die englische Regierung zu veranlassen, die unterseeischen Kabel als international und dau­ernd neutral zu erklären.

Wien, 26. Oktober. Einer der hervorragendsten öster­reichisch-ungarischen Großindustriellen, Freiherr Friedrich von Leit en berg er ist in der letzten nacht in Juliusthal gestorben.

Rom, 26. Oktober. DieJtalie" meldet von einem Diebstahl hochwichtiger Dokumente des General- stabes. Mehrere hohe Offiziere seien verhaftet worden.

Neapel, 26. Oktober. Auf höheren Befehl wurde eine Anzahl junger Leute, welche sich nach Transvaal ein schiffen wollten, um mit den Buren gegen die Eng­länder zu kämpfen, verhaftet, weil dies gegen die Eng­land gegenüber zu beachtende Neutralität ve> stoße.

Paris, 26. Oktober. König Menelik hat offiziell mitgeteilt, daß er im nächsten Jahre zur Weltausstell­ung nach hier kommen werde. Derselbe beabsichtigt sodann dem Zaren in Petersburg einen Besuch abzustatten.

Holleschau, 26. Oktober. Hier wiederholen sich fortgesetzt die Ausschreitungen gegen die Juden. Die deutsche Schule mußte gestern geschlossen werden, weil in dieselbe Militär einquartiert wurde. Die Arrestlvkale sind überfüllt. Die Juden werden vom Militär vor Miß­handlungen geschützt. Zwei am letzten Sonntag verwundete Personen sind gestorben. Beim Begräbnis derselben kam es zu neuen Ausschreitungen. Das Militär mußte mit ge­fälltem Bayonnett die Menge auseinander treiben.

Vom Kriegsschauplatz.

London, 26. Oktober. Die vorgestrige Schlacht bei Rietfontein, bei der die Engländer 12 Tote und 59 Verwundete hatten, war überaus erbittert, da die Buren sehr stark und in fester Stellung waren. Eine ganze Schwadron der 18. Husaren mit 7 Offizieren und dem kommandierenden Obersten Moller wurden gefangen ge­nommen. Nach einem Telegramm aus Ladysmith, welches vom Sonntag datiert ist, werden aus Glencoe noch bedeutend heißere Kämpfe gemeldet. Das sei nur ein weiterer Beweis, daß General Aule eine schwere Niederlage er­litten hat. lieber die Kämpfe um Kimberley wird gemeldet, daß, trotzdem die Engländer Ende der vorigen Woche wiederum gesiegt haben, die Stadt von allen Seiten eingeschlossen und von jeder Bahnverbindung abgeschnitten ist. Nach einem Telegramm aus Kapstadt ist die Kugel ans der Wunde des Generals Symons herausgezogen worden. Der General befindet sich wohl. Verschiedene englische Blätter behaupten, daß die Zahl der Burentruppen in Natal 30000 Mann be­trage. Das ist offenbar übertrieben, um die englischen Schlappen als unvermeidlich hinzustellen. In Ports­mouth traf eine Ordre ein, mit Ueberzeit an der Fertigstellung der Neserveschiffe zu arbeiten. Die Arbeiten werden Tag und Nacht fortgesetzt.

London, 26. Oktober. Die Meldungen über die Kriegs-Operationen in Natal liegen nur äußerst spärlich vor. Das Gefecht, welches in Rietfontein zwischen dem General White und den Oranje­buren stattgefunden hat, scheint ziemlich ernst ge­wesen zu sein. Man berichtet von 19 Toten und 98 Ver­wundeten auf Seiten der Engländer. Darunter soll sich auch ein Oberst befinden. Man nimmt an, daß die Generale White und Aule ihre Streitkräfte vereinigt hatten. DieWorld" bringt hierzu ein Telegramm, daß bei diesem Gefechte der Oberst des Regiments Gloucester gefallen ist und außerdem 20 Offiziere getötet ober verwundet worden seien.

Sonbon. 26. Oktober. Aus Kapstadt wird gemeldet, daß der Resident der Stadt Mazeru abgereist ist, um mit den Führern der Basutos zu beraten. Die Pro­klamation des Präsidenten des Oranje Freistaates Stein cirhiliert auf geheime Weise unter den Basuto Häuptlingen. Die Buren stellen darin die letzten Gefechte bei Glencoe und Elandslaaqte als Siege ihrer Truppen dar.

London, 26. Oktober. Die Blätter drücken ihre Ver­wunderung darüber aus, daß das Kriegs Departement jetzt erst die Gefangennahme einer Abteilung der 18. Husaren durch die Buren bestätigt.

Bekanntmachung.

Der Nachtrag des Umlage-Registers 1899/1900 belr ffenb Stand­geld und Aufrufegeld für die nicht in die Gemeinde einge,ogenen Mit­glieder liegt zur Einsicht der Beteiligten von heute an acht Tage auf dem Bureau des unterzeichneten ersten Vorstehers offen.

Gießen, den 25. Oktober 1899.

Der Vorstand der israelitischen Religions-Gemeinde Gießen.

S. Heichelheim. 7609

Bekanntmachung.

Dünger-Versteigerung im Schlachthaus.

Samstag, den 28. Oktober, vormittags 11 Uhr soll in de« hiesigen Schlachthof der Dünger aus beiden Gruben öffentlich meist­bietend versteigert werden.

Gießen, den 26. Oktober 1899. 7619

Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.

Gnauth.

Brauer-

Schule za Worms a.Rh.

Kursusbeglnn am I. Mal und I. November jeden Jahres.

Nähere Auskunft unentgeltlich. 7052

Die Direktion: Lehmann-Helbig.

Jergeöung

von Arainagearöeiien,

Aöhrenanfnhr und Mastllieferung.

Montag den 30. Oktober d. Js., nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem Ratbause ;u Ulph. die in den Fluren III, IV und V der Gemarkung Feldheim bei Hungen im Herbst d. J-. auszn- führenden Drainagearbeiten und Lieferungen

veranschlagt zu

1. Graben« und Röhrenverlegungs« arbeiten ca. 35000 lfd. m 6300 JL

2. Anfuhr des RSHrenmateriols, ca. 3200 Centner, von Bahnstation Hungen 640 Jt

3. Die Pfahllieferung 20 JL unter den vorher bekannt zu gebenden Bedingungen andieWenigstnshmendrn

vergeben werden und sind Lusttragende hierzu eingeladen.

Friedberg, am 23. Oktober 1899. V. Greb, 7610 __________Wiesenboumlister._________

Krkanntmachung.

Am l. Juni 1899 ist die Witwe b?8 Heinrich Damm II. von Beuern, Anna Marta, oeb. Brück, oerftoiben mit Hinterlossung eines m Gemeinschaft mit ihrem Ehemann errichteten Testaments, inhaltlich dessen sie die eifteheuchen Kinder ihres Mannes als E ben eingesetzt hat. Das Testament ist noch nicht an­erkannt von Johauu Philipp Wehrnm u. Ludwig Wehrum von Albach, den m t unbekanntem Aufenthaltsorte abw-fendm Söhnen ihrer verstorbenen Schwester Christin . Ehefrau des Heinrich Wchrum III. oa elbfi. Dieselben werden hiermit nifgefoibert, bis spätestens 1. De­zember 1899 die Anfechtung dieses Testaments nachzuue.fen,

widrigenfalls dasselbe vollste ckt werden wird.

Gießen, den 24. Oktober 1899. Großh. Amtsgericht.

__________Renenhagen. 7613

Verdingung

von

Schreinerarbeiten.

Die Anfertigung zweier L ch r ä u k e mit 20 berw. 24 einzelnen, verschließbaren Ab- t-ilungen für die Gesellenstube im städtischen Schlachthofe, soll Dienstag, 31. d. Wts., vormittags IV/2 Uhr, öffentlich mrbungen werden. Plan, Arbritsbeschrerbung u- d Bedingungln liegen während der Dienststunden auf Zimmer Rr. 6 bei uns offen. Ang> bote auf Vordruck sind bis zum genannten Termin bei uns einzureichen.

Gießen, 25. Oktob-r 1899. Das Stadtbauamt.

Schmandt. 7620