natürlich nicht die englische Zunge reicht, die Herzen bluten Lber den Opfern, die das „räuberische Vorgehen" der Briten dem ruhigen, ernsten und friedfertigen Volke der Buren auferlegt.
Es klingt wie eine Vorbereitung zu der Reise des Kaisers nach England, wenn jetzt offiziös immer wieder versichert wird, daß der „antienglische Ton" einzelner Blätter in den höchsten Berliner Kreisen auf das Lebhafteste bedauert wird. Und es würde ja auch in der That «in liebliches Bild ergeben, wenn der Monarch der Gast der Königin von England wäre, während gleichzeitig die gesamte nicht-offiziöse deutsche Presse die englische Politik rücksichtslos und scharf angreift. Es liegt ja auch nur in der Konsequenz der Bülow'schen Politik, wenn, wiederum offiziös, gegen die „Schnapphahnpolitik", gegen den Gedanken Front gemacht wird, die englischen Verlegenheiten auszunützen, um den eigenen Vorteil geltend zu machen. Da sind wir Plötzlich höchst moralisch geworden, so moralisch, daß wir eines Heiterkeitserfolges in der ganzen Welt sicher sind. Wir sind ja auch in der That den Engländern zu tiefem Danke verpflichtet. Unaufhörlich haben sie während des spanisch-amerikanischen Krieges Hegen uns gehetzt, aus Samoa haben sie uns direkt brutalisiert und noch heute fehlt jede Genugthuung für die uns angethane Schmach!! Aber der Deutsche ist fromm geworden, gehorsam bietet er die rechte Wange, wenn die linke einen Backenstreich empfing; glücklich allein ist die Seele, die liebt. „Deutsche Soldatentreue wird die Freundschaft halten, die Ew. Majestät einst sebst gezeigt haben" — es liegt etwas Ergreifendes in diesem Rufe der deutschen Kämpfer, die dort unten für die Freiheit des Transvaal ihr Blut vergießen. Es giebt eben Imponderabilien in der Volksseele, die sich nicht ignorieren lassen und die eine Summe von Kraft in sich bergen, welche man in der Stunde der Gefahr vielleicht noch einmal dringend nötig hat.
* Vom Kriegsschauplatz.
„Rückwärts! Rückwärts!" ist jetzt die Losung der Engländer auf dem Südafrikanischen Kriegsschauplatz. Gestern wurde amtlich in London bekannt gegeben, General Aule habe sich von Glencoe in eine gesicherte Position zurückgezogen, heute erfährt man — gleichfalls amtlich — daß Glencoe sowohl, wie Dundee von den Engländern geräumt ist und daß diese sich bereits Ladysmith nähern, um sich dort mit den Truppen des Generals White zu vereinigen. Es müssen also, wie wir gestern schon vermuteten, bei Glencoe und Dundee Kämpfe stattgefunden haben, in welchen die Engländer geschlagen, zur Aufgabe ihrer Stellungen und zum Rückzüge gezwungen wurden. Das kann heute mit voller Sicherheit konstatiert werden. Ueber den Rückzug General Inle's wird berichtet:
London, 24. Oktober. Das Kriegsamt erhielt ein Telegramm des Generals White, datiert Ladysmith, 24. d. M., abends 9 Uhr: „Eine gestern hier eingegangene Meldung ergab, daß die Buren in beträchtlicher Zahl in uneinnehmbarer Stellung westlich der Hauptstraße von Ladysmith nach Dundee sich festgesetzt hätten. Ich erhielt ebenso die Nachricht, daß unsere Truppen in Dundee, die früher von Symons, nunmehr von Aule befehligt sind, jetzt nach Ladysmith auf dem Wege über Beith und über die Thäler des Waschbank- und des Sonntag-Flusses zurückgehen und heute im Thale des Sonntag-Flusses eintreffen sollen. Ich zog mit starken Kolonnen aus, um die Bewegung des Generals Aule zu decken. Der Feind wurde etwa 7 Meilen von Ladysmith in einer von Natur ausnehmend starken Stellung westlich von der Straße entdeckt. Als der Feind die Vorbereitungen sah, eröffnete er das Feuer mit einem Geschütze von großer Präcision. Unsere Artillerie erwiderte das Feuer bald und brachte das Geschütz zum Schweigen. Unsere Truppen wurden sodann beordert, den Höhenzug parallel zu der Stellung des Feindes, aber nur an der Straße zu besetzen. Ich beschränkte mich darauf, den Feind genügend zu engagieren und somit zu verhindern, gegen Aule's Truppen etwas zu unternehmen. Gegen 2 Uhr war das Feuern im wesentlichen beendet."
Loudon, 25. Oktober. „Daily Mail" berichtet aus Kapstadt unter dem 24. d. Mts.: Aule hat eine Vereinigung mit White etwas nördlich von Ladysmith bewirkt.
Nach den letzten Meldungen aus London find es die Ladysmith bedrohenden Oranjeburen, welche mit White zusammengetroffen sind Die von Norden kommende Hauptmacht der Transvaalburen ist noch im Vormarsch auf Ladysmith begriffen. Hier wird sich für die nächste Zeit der Schauplatz des Krieges befinden, und der Enlschetdungs- kampf muß auf diesem Teil des Kriegstheaters erwartet werden. Ist Ladysmith den Buren in die Hände gefallen, so steht ihnen der Weg nach Pietermaritzburg und Durban offen, da die Engländer fast ihre gesamte, ihnen jetzt zur Verfügung stehende Streitmacht bei Ladysmith konzentriert haben. Erst in drei Wochen kann das von London abzusendende Armeekorps an Ort und Stelle sein. — Wie heute weiter aus London telegraphiert wird, besagt eine Drahtnachricht Milners an Chamberlain, die Bemühungen, die Basutos ruhig zu erhallen, seien durch das prahlerische Verhalten der Buren an der Grenze, die vor und nach Beginn der Feindseligkeiten offen gedroht hätten, Maseru
und andere Stationen anzugreifen, erschwert. Sie hätten auch versucht, den Gehorsam der Basutos gegen En g- land zu erschüttern und die Bemühungen zu vereiteln, sie in Ruhe zu erhalten. Die Buren seien daher verantwortlich, daß sich die Sorge vor den Einfällen der Eingeborenen geltend mache. Aus Brüffel meldet dagegen ein Telegramm, die Behauptung, daß die Buren die Hilfe der Basutos angerufen hätten, werde von dem Gesandten der Transvaalrepublik Dr. Leyds, als eine Verleumdung der Buren bezeichnet. Anfangs hieß es in englischen Berichten, die Basutos begännen sich gegen die Buren zu erheben. Wenn die Eingeborenen jetzt gegen die Engländer schwierig werden und die Buren sie nicht daran hindern, so kann den letzteren daraus doch in keiner Weise ein Vorwurf gemacht werden. Selbst wenn sie die Basutos zum Kampfe gegen die Engländer aufstachelten, thäten sie nichts anderes, als was die letzteren in den früheren Kämpfen mit den Buren gethan haben. — Auf dem westlichen Kriegsschauplätze soll die Lage für die Engländler, besonders bei Mafeking, gut sein. So versichern englische Drahtnachrichten. In Wirklichkeit steht es doch etwas anderes wie aus folgender Meldung hervorgcht:
London, 25. Oktober. „Daily Telegraph" berichtet aus De Aar vom 23. d. M.: General Cronje, obwohl zweimal aufMafeking zurückgeworfen, soll auf Kimberley marschieren und Mannschaften, Vorräte und Munition an britischem Gebiete requirieren. Er hat eine kleine Abteilung zur Belagerung Mafekings zurückgelassen. Die Freistaat-Buren marschieren westlich, um sich mit Cronje zum Angriff auf Kimberley zu vereinigen.
Also genügt zur Einschließung Mafekings eine Handvoll Buren. Die Verteidigung muß unter Oberst Baden Powell eine recht schwache oder recht geschwächte sein. „Daily Mail" berichtet aus Kapstadt, die Regierung der Südafrikanischen Republik habe von Prätoria fünf schwere Geschütze nach Mafeking geschickt. Der Fall der Stadt dürfte demnach bald zu erwarten sein und dann auch Kimberley nicht mehr lange stand halten. — Mittlerweile beginnen schon internationale Schwierigkeiten aus dem Engagement Englands in Südafrika, oder wenigstens die Furcht davor sich bemerkbar zu machen. So berichtet man uns:
London, 25. Oktober. „Daily Telegraph" schreibt, es könne kaum bezweifelt werden, daß die Admiralität beabsichtige, einen Teil der Reserveflotte mobil zu machen, man glaube aber, der Persische Meerbusen sei die Ursache der in Erwägung stehenden Maßnahmen, da Rußland dort einen Hafen wünsche.
Rußland wäre auch thöricht, wenn es jetzt die Gelegenheit, mit England anzubinden, nicht ergriffe; so günstig kommt sie ihm schwerlich wieder.
Deutsches Keich.
Berlin, 25. Oktober. Am gestrigen Abend war Staatssekretär Tirpitz gleichzeitig mit dem Staatssekretär Grafen v. Bülow zum gemeinschaftlichen Vortrag beim Kaiser nach Potsdam befohlen worden. Staatssekretär Tirpitz hat sich heute früh nach Baden-Baden begeben, um dem dort weilenden Reichskanzler Fürsten Hohenlohe Vortrag zu erstatten. Heute vormittag hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Civilkabinetts von Lucanus.
— In der Samoa-Angelegenheit hatten, wie aus Wahsington telegraphiert wird, der deutsche Gesandte Mumm von Schwarzenstein und der Sekretär der britischen Botschaft Eliot, jeder einzeln, eine Konferenz mit dem Staatssekretär Hay.
— Die nächste Sitzung des Reichstages findet bekanntlich am Dienstag, dem 14. November, nachmittags 2 Uhr statt. Auf die Tagesordnung sind vom Präsidenten Grafen v. Ballestrem gesetzt worden: 1. Berichte der Kommission für die Petitionen. 2. Berichte der Wahlprüfungskommission. 3. Zweite Beratung des Gesetzentwurfes, betr. einige Aenderungen der Bestimmungen über das Postwesen und 4. Zweite Beratung des Entwurfes einer Fernsprechgebührenordnung.
— Wenn die Aussichten der Kanalvorlage für die nächste Session des preußischen Landtages jetzt vielfach als günstige bezeichnet werden, so heißt das, den Tag vor dem Abend loben. Die Zahl der Konservativen, welche besten Falls auf einen kanalfreundlichen Standpunkt herübergehen, dürfte keine große sein. Das Centrum aber wird seine Stellung zur Kanalvorlage wesentlich davon abhängig machen, ob die Konzessionen, welche seinem Wünschen und Hoffen in der Gemeindewahlrechtsfrage werden gemacht werden, so ausreichend sind, daß ein Teil der dem Kanal mehr oder weniger gleichgültig gegenüberstehenden Elemente der Partei zu gunsten desselben einzutreten sich bereitfinden läßt.
Karlsruhe, 25. Oktober. Das russische Kaiserpaar wird in den nächsten Tagen zum Besuch am großherzoglichen Hofe in Baden Baden erwartet. Der Tag, an welchem das russische Kaiserpaar eintrifft, ist noch nicht bestimmt, wahrscheinlich am Freitag. Heute war der Großfürst Michael Nikolajewitsch beim Großhcrzoaspaar zur Tafel geladen. Der Großherzog von Sachsen-Weimar und der Großherzog von Oldenburg werden ebenfalls erwartet.
— Die kirchlich-liberale Vereinigung Badens befaßte sich in ihrer heutigen Jahres-Versammlung mit der Stellung der evangelischen Kirche zur Feuerbestattung. In einer Resolution spricht die Vereinigung ihr Einverständnis mit allem aus, was schon geschehen ist und geschieht, um die Feuerbestattung von den ihr bisher noch anklebenden Vorurteilen zu befreien und zur Würde einer mit der Erdbestattung gleichberechtigten Bestattungsform zu erheben und erwartet, von den Kirchen Negierungen werde dieselbe bald als eine christlich und sittlich berechtigte Bestattung dadurch
anerkannt werden, daß zu ihrer Vornahme die Mitwirkung der kirchlichen Organe ohne kleinliche Vorbehalte gestattet wird in vollem Vertrauen, daß der Geist des Herrn auch hier durch die Freiheit zur Wahrheit leiten werde.
Ausland.
Wien, 25. Oktober. Im Abgeordnetenhause erklärten im weiteren Verlaufe der Debatte Lupul namens der Rumänen, Baron Malfatti namens der Italiener und Dr. Kathrein namens der katholischen Volkspartei, sich mit dem Programm der Regierung einverstanden, und die Regierung unterstützen zu wollen.
Paris, 25. Oktober. Der Kriegsminister hat die Generale Hervel und Giovanelli, welche Mitglieder des obersten Kriegsrats waren, ihres Amtes enthoben, mit der Begründung, daß diese Offiziere aus Gesundheitsrücksichten nicht mehr in der Lage seien, de» wichtigen Funktionen im Kriegsrate nachzukommen. Denselben ist das Großkreuz der Ehrenlegion verliehen worden.
Paris, 25. Oktober. Der Kriegsminister hat die gerichtliche Verfolgung gegen den Red ak teur Go hier und gegen den Verwalter der „Aurore" eingeleitet, weil dieselben Soldaten zum Ungehorsam verleitet haben.
Paris, 25. Oktober. In Sachen der Komplott- angelegenheit formulierte der Staatsanwalt Bernard die Anträge auf Grund des Ergebnisses der Untersuchung wie folgt: Des vollendeten Verbrechens gegen die Sicherheit des Staates sind schuldig: Döroulöde, Guörin, Barillier und Balliäre; der Beihilfe bei diesem Verbrechen: Godfroy^ Dubuc und Sabran de Pontöves. Außer den Genannte» sind Buffet, Frechencout, Chevilly, Bourmont, Brunnet, Caily, der Deputierte de Ramel und Guiseoupages der Verschwörung gegen den Staat und wie Guerin zudem der Rebellion und des Attentats gegen die Polizei. Gegen Monicourt, Gerard und Oberst Parsevas läßt der Staatsanwalt die Anklage fallen. Gegen die Geflüchteten beantragt der Staatsanwalt Vertagung der Verhandlung. Am Samstag beschließt die Kommission des Senats als Anklagekammer über die Anträge. Die öffentliche Verhandlung im Plenum kann schon am 6. November beginnen.
London, 25. Oktober. „Daily Telegr." berichtet aus New Jork, die Frage der Mobilisierung der amerikanischen Flotte wird augenblicklich in New Jork erörtert. Das Blatt sagt, die Gerüchte von einer bevorstehenden Mobilisierung seien wahrscheinlich dadurch hervorgerufen, daß von einer Intervention der europäischen Mächte in dem südafrikanischen Kriege die Rede ist.
Males Md Vrovinstelles.
* Gießen, den 26. Oktober.
** Geschichtskalerrder. (Nachdruck verboten.) Vor 171 Jahren, am 27. Oktober 1728, wurde zu M«>r«n in England der großr W-ltumsegler James Cook gebaren. Er erforschte die ganze N u- Holland oder Nm-Süd-Wales genannte Ostkütte deS auftra^t'chen F-stlandes und besuchte in kühnen Führten die eisigen Polargegenden AmerckaS. Am 14. Februar 1779 endigte er aut den Sandwtch- Jnstln durch Meuchelmord d>r Eingeborenen. Von da an nahm die Erforschung des fernen Landes unausgesetzt ihren Fortgang.
*• Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 25. Oktober u. a. den Forstmeister i. P. Amendt; zum Vortrag den Staatsminister Rothe, de» Justizminister Dr. Dittmar, den Kabinettsrat Römheld, den Hoftheaterdirektor Werner.
*♦ Aus dem Gerichtsdienst. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht, am 25. Oktober den Oberamtsrichter Karl Kolb in Wald Michelbach zum Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Zwingenberg, de» Staatsanwalt Rudolf Wünzer in Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Wald-Michelbach, den Amtsrichter Richard S chu dt in Homberg zum Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Starkenburg, den Amtsrichter Heinrich Schul in H rbstein zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Seligenstadt, den Amtsrichter Paul Seibert iw Butzbach zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lorsch, den Amtsrichter Gustav Brüel in Lorsch zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach, den Gerichtsassessor Fritz Wachtel aus Seligenstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Butzbach, den Gerichtsassessor Friedrich Schnitzspa hu aus Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Homberg und den Gerichtsassessor Dr. Ludwig Heß aus Darmstadt zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lorsch zu ernennen.
•* Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 10. Oktober dem Bürgermeister Johannes Seim in Heidelbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Philipps Ordens zu verleihen.
** Schuldienst-Nachrichten. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 19. Oktober 1899 wurden die Lehramtsaccefsisten Dr. Otto Glaser in Darmstadt, Wilhelm Vollhardt in Reichelsheim i. d. W., Wilhelm Müller in Laubach, Karl Görtz in Mainz und Robert Reinig in Butzbach zu LehramtS- assessoren ernannt.
*.* Dr. Georg Kolb f. Unsere kürzlich gebrachte, noch unbestätigte Nachricht des tragischen Ablebens des Herr» Dr. med. Georg Kolb hat sich leider bestätigt. — Dr. Georg Kolb, der auch an unserer Universität einige Semester dem Studium oblag und durch seine Vorträge über seine eigenen Erlebnisse und Wahrnehmungen in Afrika gewiß noch in guter Erinnerung seiner Zuhörer lebt, hat sein Thaten- und Wissensdrang abermals nach dem dunklen Erdteil geführt, von dem er niemals zurückkehre» sollte; seiner harrenden Mutter ist in Wiesbaden die Trauerkunde geworden, daß der junge Forscher am 24. Sep-
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