malischen Kreisen wird die prinzliche Liebesafsaire mit Interesse verfolgt, da eine morganatische Ehe des Prätendenten die Situation in Serbien noch komplizierter machen würde, als sie ohnehin schon ist.
* Was hat die Belagerung des Forts Chabrol gekostet? Nunmehr sitzt Herr Guärin behaglich in seiner Zelle des Palais Luxembourg, und die Behörden sind bemüßigt, die Belagerungskosten zü liquidieren. Die militärische Mannschaft erhielt pro Mann eine tägliche Zulage von 1 Franc 50 Centimes; das macht allein schon 10000 Francs. Hierzu kommen die Zulagen für die Schutzleute, PompierS, die Kosten für Polizeibeamte mit Chargen und Offiziere mit etwa 20000 Francs. Alle diese Auslagen sind aber unbedeutend gegen die Entschädigungsansprüche der Hauswirte und Ladenbesitzer, welche jetzt ihre Rechnungen präsentieren. Ein Gastwirt beansprucht an entgangenem Umsatz 100 Francs täglich und erklärt, seine ganze Kundschaft verloren zu haben, macht — 80 000 Francs. Ein Hotelwirt sagt: ..Mein Haus hat 17 Zimmer und Wohnungen. Die Polizei hat allerdings das Hotel ganz gemietet, aber wie soll ich jetzt die Zimmer vermieten, in denen Schutzleute und Soldaten gehaust haben? Ich verlange 50000 Francs". Dann kommen Papierhändler, Gemüsehändler, Schlächter, Metzger, Bäcker, alle mit ähnlichen Forderungen. Als Sicherstellung, falls Guörin verurteilt wird, dient allerdings das Haus, die Maschinen im Werte von 80000 Francs, die sonstige Druckerei-Einrichtung, welche 60000 Francs gekostet hat, und die sehr luxuriöse Wohnungs-Einrichtung des Herr» Guörin. Aber bei der Versteigerung dürfte da kaum der zehnte Teil des Wertes zu erzielen sein. — Teurer Guerin l
* Ein Besuch bei Ohm Kruger. Von einem Besuch beim „Oberhaupt der Buren" in Prätoria plaudert Poultney Bigelow sehr amüsant in der „Dtsch. Kolonialzeitung". Der Präsident Transvaals, so erzählt er, wohnt in Prätoria in einem kleinen Landhause mit einem niedrigen Strohdache und einer kleinen Veranda an der nach der Straße gehenden Front. Da wir (mein Freund und ich) an Herrn Krügers Hausthüre keine Klingel entdecken konnten, so pochten wir mit unseren Knöcheln und schrieen. Niemand antwortete. Da es weder einen Thürhüter noch eine Glocke gab, wir jedoch irgend im Hause laute Stimmen hörten, so ging mein Freund durch das Haus nach dem hinteren Hofe und rief nochmals. Wieder ohne Erfolg. Da entschlossen wir uns kurz, dem Klange der Stimme zu folgen. Wir pochten an die Thüre, hinter welcher Töne erschollen. Da niemand sich um unser Klopfen kümmerte, stieß mein Freund die Thüre auf, und wir traten ein. Durch die dichten Wolken von Tabakrauch hindurch bemerkte ich ungefähr dreißig Männer, welche in ihrem Aussehen in seltener Weise den Land-Geistlichen in Rußland glichen. Sie hatten lange Bärte und ihr Haar fiel über ihren Nacken herab. In ihrer Mitte saß einer, welcher sie alle beherrschte, nicht
«ur durch den Umfang seiner Stimme, sondern auch
durch ein Augenpaar, welches sogleich meine Aufmerksamkeit fesselte. Er zeichnete sich ebenfalls durch einen
Bart und reichen Haarwuchs aus und bekräftigte seine
aus der Kehle gesprochene Rede von Zeit zu Zeit durch einen Schlag mit seiner Faust auf die Tischplatte, wonach er zahlreiche Tabakswolken ausstieß, indem er seinen Blick eine zeitlang ruhig, aber eindringlich auf den sonder
baren Buren richtete, der es gewagt hatte, eine abweichende Meinung zu äußern. Seine breiten Schultern waren etwas unter der Last der Jahre gebeugt, und sein Gesicht zeigte Züge von Sorge und Krankheit. Aber es war das Antlitz eines gewaltigen Mannes. Nase und Mund waren stark entwickelt, und der Bau des Kinns ließ auf Entschlossenheit, wenn nicht auf Hartnäckigkeit schließen. Dort ist Paul Krügers wirkliches Parlament. Hier empfängt er formlos seine Anhänger unter den Burghers und predigt ihnen, bis sie mit ihm übereinstimmen oder unfähig sind, ihm noch länger zuzuhören. Er teilt ihnen seine Wünsche mit und selten gelingt es ihm nicht, sie davon zu überzeugen, daß die von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen für die Sicherheit des Staates notwendig sind. So lange ist er ihr Führer gewesen, und so viele Erfolge hat die Republik unter seiner Leitung davongetragen, daß jetzt der Durchschnitt der Bürger Transvaals Ohm Paul für nahezu unfehlbar hält.
• Die Liebesgeschichte eines Prinzen. Alexis Kara- georgievic, der serbische Kronprätendent, der sich seit zwei Monaten in Boston aufhält, hat sich sterblich in Miß Mabel Swift, die reizende Tochter des Fleischkönigs I. Swift, dessen Vermögen nach Millionen zählt, verliebt. Der alte Swift scheint indessen nur wenig Verständnis für die Ehre, die Prinz Alexis seinem Hause erweisen will, zu haben und ist ganz und gar nicht geneigt, seine hübsche Tochter und seine guten Millionen dem Prätendenten anzuvertrauen. Er hat offenbar keine sehr hohe Meinung von der Zukunft, die der Prinz seinen Millionen und seiner Tochter bieten kann, und droht Miß Mabel mit Enterbung, wenn sie den Prinzen gegen den väterlichen Willen heiraten sollte. In diplo-
stellung weist an Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen und anderen Kunsterzeugnissen, die stattliche Zahl von über 500 Nummern auf. Sie macht in ihrer Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit einen höchst erfreulichen Eindruck.
Darmstadt, 25. September. Die unausgesetzt niederfallenden Regengüsse nach rasch vorübergegangener Unterbrechung haben in den deutschen Alp en - ländern unberechenbare Schäden verursacht, ja in einzelnen Gegenden die Einwohner in ernste Gefahren gesetzt, das Ende ist leider noch nicht abzusehen. Dabei steht die schlimme Jahreszeit in naher Aussicht. Man erinnert sich deshalb überall im deutschen Vaterlande der Brüder und Stammes- genossen im Gebirge und spendet zur Linderung der Not nach Kräften. In hiesiger Stadt hat die Sektion Darm« stadt des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins einen Aufruf zur Hilfeleistung erlassen.
Groß-Umstadt, 25. September. Bei der heutigen Ziehung der hiesigen Gewerbeausstellungslotterie entfiel auf Los Nr. 19153 der erste, auf Nr. 18 788 der zweite, auf Nr. 13087 der dritte und auf Nr. 4637 der vierte Gewinn.
Mainz, 25. September. Schwere Körperverletzung. Auf der Mombacherstraße machten sich gestern am späten Abend vier hiesige Kerle, brutale Tagediebe und meistens vorbestraft, mit einem 16 jährigen Mädchen zu schaffen. Ein Civilist, der mit einem Obergefreiten der Fußartillerie vorüberging, machte eine Bemerkung, worauf die Bande über die beiden herfiel. Ehe der Obergefreite noch seinen Säbel ziehen konnte, hatte er auch schon einen Stich in der Hand und dann erhielt er noch vierStiche in den Kopf. Schwerverletzt wurde er in das Lazarett gebracht. Die Thäter sind sämtlich noch in der Nacht verhaftet worden. (M. A.)
♦ Maiukur, 25. September. Auf einer dieser Tage dahier abgehaltenen Hühnerjagd ereignete sich ein höchst bedauerlicher Unglücksfall. Die Schützen hatten bereits das Revier abgegangen und einen Halbkreis gebildet, als innerhalb desselben eine Kette Hühner hochging, auf welche sogleich mehrere Schützen schossen. Herr Oekonom Fix von Fechenheim verspürte sofort, daß er am rechten Auge getroffen war und begab sich alsbald nach Anlegung eines Verbandes nach Frankfurt in die Augenklinik von Dr. Carl. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß ein Schrotkorn die untere Hälfte des Augapfels getroffen, an demselben abgeglitten und hinter dem Auge sich festgesetzt hat. Falls eine Entzündung eintreten sollte, muß das Auge, das selbst unverletzt geblieben, herausgenommen werden.
Frankfurt a. M., 25. September. (Ein Krach auf der Börse). In dem großen Börsensaal, in dem gegenwärtig die elektrische Beleuchtung durch Anbringung von sechs Bogenlampen eingerichtet wird, ereignete sich, wie die „Frkf. Ztg." meldet, heute, kurz vor Beginn des Börsenverkehrs, dadurch ein Unfall, daß beim Aufziehen einer der Bogenlampen das hierfür provisorisch benutzte Drahtseil riß, und die schwere Lampe, die ein Gewicht von zwei Zentnern hat, mit großem Getöse zu Boden fiel. Weiteres Unheil wurde dadurch nicht angerichtet, nur der Fußboden ist etwas beschädigt worden.
Wiesbaden, 25. September. Gestern nachmittag wurde hier in der Wohnung des Oberstleutnant a. D. v. Detten ein Einbruchsdiebstahl verübt. Den Dieben fielen 300 Mk. bares Geld und Schmucksachen im Werte von 3000 Mk. in die Hände.
Homburg, 25. September. Zur Vorsicht mahnt folgender Vorfall. Durch den Genuß von warmen Pflaumenkuchen büßte der 21jährige Fabrikarbeiter Wehrheim aus Kirdorf sein Leben ein. Nach dem Genuß des Kuchens trank der junge Mann ein Paar Glas Bier, wurde nach einigen Stunden von Magenkrämpfen befallen und starb nach einigen qualvollen Stunden.
daß im September ein Wettersturz mit vielen Niederschlägen zu erwarten sei, leider nur zu sehr Recht behalten. Der September hat gleich mit seinem ersten Tage mit Regen- wetter begonnen. Dann behielt allerdings das bessere Wetter in der folgenden Woche noch die Oberhand, bis es nun seit 14 Tagen von ununterbrochenen Regengüssen abgelöst wurde. Nichts ist dem Landmanne unwillkommener als ein nasser Herbst. Die Tage sind schon recht kurz geworden, die Arbeit häuft sich in dieser Zeit, aber der tagtäglich strömende Regen treibt die Leute aus dem Felde. Daß das überaus nasse Wetter zur jetzigen Zeit auch sehr nachteilig ist, begreift sich leicht. Auf den Wiesen lagern noch ganz ansehnliche Mengen von Grummet. Es geht bei diesem nassen Wetter zu Grunde. Weißkohl und Wirsing faulen vielfach auf dem Felde. Die Kartoffelfelder verbreiten den bekannten scharfen Geruch, den die Fäulnis der Stauden hervorruf und der eine Fäulnis auch der Knollen befürchten läßt. Im Garten leidet das Obst ganz empfindlich von der Nässe und dem so oft tobenden Sturme. Die Zwetschen springen auf und müffen dadurch rasch verarbeitet werden; die Aepfel fallen häufig unreif ab. Die Kornsaat, zu deren Ausführung jetzt die rechte Zeit, kann nicht bewältigt werden. So vorteilhaft wie im schönen September des vorigen Jahres läßt sie sich der großen Nässe wegen überhaupt nicht bewerkstelligen. Von Hochwasser, wie es andere deutschen Gauen heimsucht, bleiben wir — Gott sei Dank! — verschont, aber nachteilige Folgen bringt auch uns die Näsie genug.
§§ Aus dem Vogelsberg, 25. September. Nachträgliches zum Manöver. Die achttägigen Vogelsberger Manöver sind vorüber. Verhallt ist der Kanonendonner, der so vielfaches Echo in unseren Bergeswaldungen geweckt. Die Soldaten sind in ihre Garnisonen zurückgekehrt, und die ausgedienten Mannschaften mit dem Reservestöckchen in der Hand kehren heute heim zu Muttern. „Wenn ich doch nur bei meiner Mutter wär", heute erfüllt sich dieser Seufzer der Rekrutenzeit. Unsere Reservisten erzählen, daß bei allen Truppen der Verpflegung seitens unserer biederen Vogelsberger in Lob und Anerkennung gedacht werde bis auf die unrühmlichen Ausnahmen von gefühllosen Quartiergebern. Man erzählt uns auch, daß man in einem Vogelsberger Oertchen die Mädchen — eingeschlossen habe. Jedenfalls doch auch nur ausnahmsweise in diesem Oertchen. Die Eltern dieser Töchter — wenn es übrigens wahr ist — haben sicher ihre Töchter besser gekannt, als unsere allzeit braven Truppen.
Bad-Nauheim, 23. September. Heute vormittag wurde im großen Teiche die Leiche eines Mannes von ungefähr 45 bis 50 Jahren gefunden, die einen etwa 7 Kilo schweren Stein um den Hals gebunden hatte. Der Mann hat einen rötlichen Vollbart und trug eine Uhr, sowie ca. 40 Mark bei sich.
Darmstadt, 25. September. (Jubiläum.) Am 29. September dieses Jahres feiert der preußische Generalmajor z. D. Eduard von Becker zu Darmstadt, zuletzt Kommandeur der 10. Kavallerie-Brigade den Tag, an welchem er vor 50 Jahren, kaum 16 Jahre alt, in das 1. Großh. Hess. Dragoner - Regiment (Garde-Dragoner- Regiment) Nr. 23 eintrat.
Darmstadt, 25. September. Heute vormittag um 11 Uhr fand in den Räumen des Kunstvereins die feierliche Eröffnung der zweiten Ausstellung der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler statt. Eine stattliche Versammlung, die sich aus Mitgliedern der heimischen Künstlerschaft, Kunstliebhabern, sowie aus Mitgliedern der hohen und höchsten Behörden zusammensetzte, hatte sich eingefunden. U. a. waren nach einem Bericht der „N. H. V." anwesend: Se. Exzellenz Herr Staatsminister Rothe, sowie mehrere Mitglieder des Großh. Ministeriums, Se. Exzellenz Herr Staatsminister a. D. Finger, Herr Oberbürgermeister Morneweg u. s. w. Der erste Vorsitzende der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler, Herr Wilhelm Bader, sprach die Eröffnungsworte, in denen er namentlich auf die wohlwollende, kunstfreundliche Haltung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs hinwieS, die es den Künstlern zur Pflicht mache, nicht zu rasten und nicht zu rosten, sondern im seitherigen Sinne emsig weiter zu streben. — Die Aus
Gerichtssaal.
Darmstadt, 25. September. Gegen die Studierenden an der Technischen Hochschule dahier, Wilhelm Zwilling, 20 Jahre alt, aus Worms und Willy Binsvanger, 19 Jahre alt, aus Augsburg, wurde heute vor der Strafkammer II
-e. Friedberg freut sich WW rruspluch auch m voll hau unserer Gegend, herangezvgen, W® hatte sich vielmehr di «ezirlen anbaufähig selbst sehen, wc$ sie. in deren Händen tu haben seit Gründung Umsicht und unerm dazu neben Verbreit über Pflanzung und für die einzelnen Gea halten. Sie haben d Bemühungen von Ersc in welche Bahnen, dai bietet ganz hervvrrag! die Lenen zum Ml man den Mstelluni die Büste 6t. König die Augen. Im S< Kaisers und des ho umgeben. Die au- langen Tischreihen n Kaum nehmen die am besten geraten fi
wegen des Vergehens des Zweikampfs im Sinne des § 205 des Strafgesetzbuchs verhandelt. Der Grund für die am 12. Juli auf dem Heiligenkreuzberg ausgefochtene leichte Säbelforderung waren beleidigende Worte gewesen, die der Angeklagte Binsvanger bei einem Wortwechsel in der Frühjahrsmesse hatte fallen lassen. Der Kartellträger Zwillings, der die Forderung Überbrachte, war ein Stud. Wirth aus Mainz. Der Zweikampf wurde nach studentischem Gebrauch ausgefochten; es wurden Schurz, Arm-und Halsbinde getragen. 60 Gänge waren vereinbart. Zwilling erhielt einen Armhieb, Binsvanger einen Schmiß im Gesicht. Während des Duells sprang ein Stück von der Klinge des von Binsvanger geführten Säbels ab; die Spitze traf den oben genannten Kartellträger Wirth, der sich unter den Zuschauern befand, und drang in unglücklichem Zufall ihm in den Unterleib. Wirth lag einige Tage im hiesigen Krankenhaus und verstarb an der erhaltenen Verletzung. Er gehörte der hiesigen Burschenschaft „Germania" an; die Studentenschaft und sämtliche Korporationen erwiesen dem Toten, der nach Mainz übergeführt wurde, die letzte Ehre durch Geleite bis zum Bahnhof. Der bedauerliche Zufall rief damals allgemeine Teilnahme wach. Das Urteil gegen die beiden Angeklagten lautet nach dem „D. T." auf die gesetzliche Mindeststrafe von je 3 Monaten Festungs - haft. — Die Verhandlung der Anklagen gegen die verantwortlichen Redakteure der „Frankfurter Zeitung", des „Mainzer Journals" und der „Mainzer Neuesten Nachrichten" wegen öffentlicher, durch die Presse begangener Beleidigung Sr. Exz. des Justizministers, der Mitglieder der Großh. Ministerien des Innern und der Justiz und des Großh. Generalstaatsanwalls findet nach einer Notiz der „D. Z." Donnerstag den 12. Oktober ds. Jahres, vormittags 9 Uhr, vor der Strafkammer I statt Für die Verhandlung sind zwei Tage in Aussicht genommen.
Darmstadt, 25. September. Die Schwurgerichtsverhandlungen nahmen gestern unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichtsrats Dr. Werke ihren Anfang. Angeklagt ist der 26 Jahre alte, bereits wegen Körperverletzung und Diebstahls bestrafte Taglöhner Johannes Hesch von Kleinhausen bei Bensheim, weil er am 10. Juli d. I. abends in Reinheim den Adam Hörr von Wersau mit seinem Messer in der Weise in den Leib gestochen hatte, daß durch die Verletzung zwei Tage darauf der Tod des Hörr eintrat. Der Angeklagte suchte mit einem 16jährigen Mädchen ein Verhältnis anzufangen, kam aber damit nicht weit, weil dasselbe ihre Neigung einem gewissen Grosch zugewandt hatte und von ihm nichts wissen wollte. In seiner Eifersucht schwur Hesch, er werde den Nebenbuhler oder das Mädchen wegschaffen. Am Abend des 10. Juli sah er, daß Grosch mit einem anderen Burschen ins Handgemenge kam, während Hörr den letzteren an der Brust packte und Frieden stiften wollte. Sofort zog er sein langes, feststehendes Messer, stürzte darauf los und versetzte dem Hörr den töt- lichen Stich. Augenscheinlich war derselbe dem Grosch gemünzt, traf eben im Dunkeln den falschen. Die Geschworenen sprachen den Thäter unter Ausschluß mildernder Umstände schuldig, worauf derselbe zu 5 Jahren Gefängnis unter Aufrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft verurteilt und das bei der That gebrauchte Messer eingezogen wurde. Hesch, der seine That zu bereuen scheint, trat die Strafe sofort an. (D. T.)
München, 25. September. Dieser Tage hatte sich vor dem Schöffengericht eine 17jährige Ladnerin wegen Diebstahls zu verantworten. Das Mädchen war im Korsettengeschäft von D. Lewandowsky, Marienplatz, mit einem monatlichen Salair von sage und schreibe fünfzehn Mark in Stellung und stand unter Anklage, ihrem Chef nach und nach acht Korsetten, einen Damenunterrock, einen Barbetrag von 60 Pfg. und sonstige Kleinigkeit im Gesamtwert von 80 Mk. entwendet zu haben. Die Mutter mußte wegen Hehlerei neben der Tochter auf der Anklagebank Platz nehmen. Die Tochter war des Diebstahls geständig, die Mutter leugnet die Hehlerei. Der Amtsanwalt, Graf Pestalloza, meinte in seinem Plaidoyer, daß nach dem Gesetz das Mädchen bestraft werden müsse, obwohl ihm bei
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