189S
Mittwoch den 27. September
Nr. 227
Erstes Blatt.
Gießener Anzeiger
Eieneral-Anzeiger
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7 Mannheim.
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Gießen, den 26. September 1899.
Betr.: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfassungseides. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien der Amtsgerichtsbezirke Grüvberg und Homberg.
Die Ableistung des Huldigungs- und Verfassungseides der in Ihren Gemeinden neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großh. Hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheiratet haben, soll Samstag den 7. Oktober d. I, vormittags 9 Uhr, in dem Rathause zu Grüuberg stattfinden.
Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu dem Termine vorzuladen und wie geschehen, unter Angabe der Namen der Vorgeladenen bis zum 2. k. Mts. anzuzeigen oder zu berichten, daß niemand vorzuladen war.
Halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.
v. Bechtold.
m erfahrungsgemäß beim Quartalwechsel eintretende Störungen im Bezug zu vermeiden, ersuchen wir unsere verehrl. Abonnenten, schon jetzt die Erneuerung ihres Abonnements bei den betreffendenPostanstalten,Zweigstellen und Zeitungsträgern bewirken zu wollen. Neuhinzutretende hiesige Abonnenten erhalten vom Tage der Bestellung bis 30. September den Anzeiger kostenfrei zugestellt.
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* Dr. Lieber
auf dem hessischen Katholikentag in Wqinz.
Gießen, 26. September.
Auf dem hessischen Katholikentag sprach am Sonntag Nachmittag der Reichstags-Abgeordnete Dr. Lieber in der „Stadthalle" vor einer Versammlung von etwa 8000 Personen. Der Redner führte u. a. aus, daß die Nachricht von seiner Reise nach Ostasien eine Zeitungsente sei, denn da könne er ja vor Mitte Januar nicht zurück sein, und bis dahin dürfte in Berlin schon manche Schlacht geschlagen sein. Außerdem sprach Dr. Lieber über einen sehr einflußreichen Herrn der preußischen Staatsregierung, der nichts weniger wünsche, als das Zentrum aus der ausschlaggebenden Stellung im Reichstage zu verdrängen. Bezüglich der Zuchthausvorlage äußerte Dr. Lieber, das Zentrum stehe auf demselben Standpunkte, wie bei der ersten Lesung des Gesetzes, aber es sei jetzt an der Arbeit, Vorschläge zum Schutze der Koalitionsfreiheit gesetzmäßig zu formulieren, ohne welche für das Zentrum eine Bestrafung wegen Mißbrauch der Freiheit undenklich sei. Diese Rede des Zentrumsführers ist an und für sich schon so bedeutsam «nd kennzeichnend für die innerpolitische Lage, daß wir es für wichtig genug halten, dieselbe ausführlich wiederzugeben :
HmtlicherIeil.
Bekanntmachung.
An die Abhaltung des auf den 28. ds. Mts. in Biedenkopf und 29. ds. Mts. in Gladenbach anstehenden Viehmarkts wird die Bedingung geknüpft, daß Vieh nur ans uuversenchteu Orten zugeführt wird.
Biedenkopf, den 20. September 1899.
Der Königliche Landxat.
H bis 200 PS erbe
im Kartell wirksam sein, sonst aber schlechterdings nur die geborene Minderheit darstellen konnte, war, dank der Ausdauer des katholischen Volkes, zur ausschlaggebenden Partei in der ersten gesetzgebenden Versammlung des Deutschen Reiches geworden und dieser Wandlung der Dinge, die seitdem angehalten' hat und, wenn wir richtig verfahren, auch fernerhin anhalten wird (Beifalls dieser Wandlung hat der alte und unscheinbare, aber doch klügere und zähere — als Viele meinen — Fürst Hohenlohe bei seinem Amtsantritt sich angepaßt und mit ihm die Regierung des Deutschen Reiches und mit ihm der Bundesrat. Und so ist — haben wir auch sonst noch viele Beschwerden — doch die Gesamttemperatur völlig verändert und um viele Grade Celsius wärmer geworden. (Heiterkeit.) Sie suchen hinter mir altem Politiker nicht, daß ich dahinter aufrichtige Herzenswärme der früher feindlichen Parteien sehe. Im Gegenteil, wir sehen, wie sie über uns denken bei Gelegenheit meiner angeblichen Kiautschoureise. Es ist recht viel darüber in den Zeitungen gelogen, trotzdem habe ich wenig Veranlassung — ich müßte einen eigenen Sekretär haben, wenn ich alles, was in den Zeitungen über mich steht, berichtigen wollte, — diese Sache aufzuklären. So habe ich auch die Nachricht, daß ich nach Ostasien reisen wolle, nicht berichtigt. Ich streite nicht ab, daß ich ganz gern einmal nach Ostasien reisen möchte, auch vielleicht noch einmal reisen werde (Heiterkeit), warum denn nicht, ich bin ja auch schon dreimal in Amerika drüben gewesen und es hat dem Daterlande nichts geschadet (Lebhafter Beifall), — aber daß ich sie jetzt nicht mache, nachdem ich gründlich genug in die Spannung der politischen Lage hineinsehen kann, ist wohl niemandem ernstlich in den Sinn gekommen. Ich könnte vor Mitte Januar nächsten Jahres nicht zurück sein, und bis dahin kann vielleicht mancher Topf zerschlagen sem. (Lebhafter Beifall.) Ich halte es lieber mit den Worten unseres alten Windthorst: Man muß auf der Lokomotive sein und die Hebel fassen können, sonst wird man überfahren! (Sehr richtig!) Also ich bleibe vorläufig lieber noch in Europa. (Heiterkeit.) Aber aus dieser Ente und dem Umstande, daß icb sie eine Weile habe flattern lassen, hat sich für uns ein großer Vorteil ergeben, es ist die Offenheit der Absichten unserer Feinde rechts und links. Wir brauchen nus jetzt über die Absichten der Gegner nicht mehr mühsam zu informieren. Wir haben sie. (Heiterkeit und Beifall.) Es ist also nicht die Herzenswärme, sondern die Wärme der eigenen Interessen. So ist also auch die Lage nicht leichter geworden, sondern erheblich erschwert. Denn eine ausschlaggebende Partei trägt ein gut Teil der Verantwortung für den Gang der öffentlichen Angelegenheiten. Und eine ausschlaggebende Partei muß nicht nur sehr viel vorsichtiger sein, sondern sie muß auch mit viel größerer Einsetzung von Arbeitskraft im Wissen und Können den Auftrag Derer zu erfüllen suchen, die sie nach Berlin geschickt haben. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Und da richten sich unsere Blicke auf die Vertreter del katholischen Volkes im Reichstage. Wir haben leider keinen Windthorst, keinen Mallinkrodt, keine Gebrüder Reichensperger mehr, sie sind heimgegangen, um den Lohn für ihr Wirken entgegeuzunehmen. Aber wir haben doch einen nicht ganz unansehnlichen Nachwuchs. Wer im katholischen Deutschland wollte nicht willig zugestehen, daß ein Gröber ein vollwichtiger Ersatz für den Heimgegangenen Mallinkrodt ist, wer wollte nicht mit großer Dankbarkeit anerkenn, n, daß wir in Dr. Bachem und Trimborn einen vollgiltigen Ersatz für die Brüd. Reichensperger besitzen? (Stürm.Beif.) Und ich gehe noch einen Schritt weiter, indem ich sage: Das Zentrum früherer Jahre trug den fertigen Ruhm der Führer um seine Fahnen geschlungen, der Ruhm der heutigen Kämpfer besteht nicht in ihrer» eigenen, sondern im Ruhm und deut Ansehen der Partei, deren Zöglmge und Kinder sie sind. Es gibt deshalb auch keinen Unterschied betreffs einzelner Führer, und darum stehen wir auch alle ausnahmslos i» unserer Fraktion einig und treu zusammen. (Stürmischer Beifall.) Und weil ich dies aus gutem Gewissen versichern und bezeugen kann, erlaube ich mir auch die Bitte an Sic: Kommen Sie der Fraktion mit Vertrauen entgegen nnd begleiten Sie die Arbeit derselben, auch wenn Sie nicht alles verstehen könnten, nicht mit Mißtrauen. Sagen und schreiben Sie nicht: So hat es Windthorst gemacht und so macht Ihr es! sondern sagen und schreiben Sie vielmehr: Wie würde ^Windthorst unter den gegenwärtigen Verhältnissen gehandelt haben? Sollen wir zu einer Zeit, wo alles in der Umwälzung begriffen ist, stehen bleiben? (Lebhafter Beifall.) Es ist ja unmöglich für eine politische Partei, vornehmlich für eine führende, maßgebende Partei in jedem Augenblick den Freunden die Karten offen auf den Tisch zu legen. (Sehr richtig.) Das Spiel wäre ja verloren, weil auch der Gegner dann die Karten kennt. Die Lage im allgemeinen wird — so scheint es — bedrohlicher für uns. Ich kann nicht alles sagen, was ich weiß, ich kann aber sagen, daß es einen sehr einflußreichen Herrn im preußischen Staatsministerium giebt, der nichts sehnlicher wünscht, als das Zentrum aus seiner ausschlaggebenden Stelluu- zu verdrängen und der nichts mehr erhofft, als in der bevorstehenden Tagung des nur vertagten Reiches gelegentlich der Zuchthausvorlage, der Militärvorlage und was sonst noch, an der maßgebendsten Stelle des Reichstages den Eindruck zu erwecken: Zwar haben wir Konservativen mit unnachahmlicher Kühnheit Dir Deinen Kanal verdorben, aber doch sind wir, wenn es darauf ankomint, die einzig sicheren Stützen von Thron und Altar! (Hört! Hört!) Ich denke, ich habe mich deutlich genug ausgedrückt (Heiterkeit); der Herr wird mich verstehen, von dem ich rede. Und da ich die Zuchthausvorlage nun einmal genannt habe, so will ich doch all den besorgten Gemütern in der Redaktion des „Vorwärts" und in anderen sozialdemokratischen Redaktionen zur Beruhigung sagen: Wir stehen heute auf demselben Standpunkte, den ich im Name« der Fraktion bei der ersten Lesung darzulegen die Ehre hatte. Wir werden dieselben Verhaltungsmaßregeln innehalten und sind bereits an der Arbeit, positive Vorschläge zum Schutze der Arbeitswilligen gesetzlich zu finden, ohne die der Mißbrauch des Koalitionsrechts nicht getroffen werden kann. Redner beschäftigt sich hierauf mit der Stellung des Zentrums zu den anderen Parteien. Der Kampf gegen die übrige» Parteien ist vollständig in den Hintergrund getreten durch den immer schärfer werdenden Kampf gegen den Todfeind des Zentrums, die Sozialdemokratie. Geben wir uns doch darüber keiner Täuschung hin, daß der letzte Entscheidungskampf geschlagen werden muß zwischen uns und ihnen. (Stürmischer Beifall.) Dagegen werde man mit den Nationalliberalen bester stehen. Bei den letzten Reichstagswahlen haben sie in einer ganzen Anzahl von Kreisen fest zu uns gestanden und treu das gegebene Wort gehalten und Zentrumsleute gegen Sozialdemokraten unterstützt. (Lebhafter Beifall) Nicht ebenso könne er das von de« Konservativen rühmen. Der Redner beschäftigt sich dann mit der bevor- stehenden Landtagswahl im benachbarten Kastel-Kostheim, wo der Vorsitzende der Versammlung, Abg. Dr. Schmitt, kandidiert und polemisiert
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Er erklärte einleitend, daß es ihm aus drei Gründen lieb sei, in Mainz zu sprechen. Einmal, weil es ihm vergönnt sei, einer so glänzenden Kundgebung der katholischen Uederzeugung beizuwohnen, bann weil es ihm vergönnt sei, aus den Worten der übrigen Redner eine Festigung der alten Ueberzeugung und neuen Mut zur Fortsetzung der allen Thätigkeit zu schöpfen und schließlich, weil namentlich die Alten es gegenwärtig recht herzlich nötig hätten, sich zu verjüngen unb_ zu erneuern in einer Versammlung wie ber gegenwärtigen. (Stürmischer Beifall.) Wie Antäus bei seinem Kampfe mit Herkules jebesmal erstarkte, wenn er roieber mit ber Mutter Erbe, aus ber er hervorgegangen war, in Berührung kam, so erstarken auch wir in Berlin bei unferm Kampfe mit dem Herkules ber Staatsgewalt, bes Liberalismus unb bes Sozialismus immer wieder, so oft es uns gelingt, zu denen zu kommen, aus denen wir hervorgegangen sind. So oft dies der Fall ist, kehrt die alte Kraft, die alte Reinheit der Ueberzeugung, die alte Festigkeit des Willens wieder in unsere Gliedmaßen zurück. (Stürmischer Beifall.) Und so lange solche Berührungen stattfinden, wird es keinem Herkules gelingen, das Centrum in München, Berlin, Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt und wo sonst noch zu erwürgen. (Bravo!) Man hat mir die Aufgabe gestellt, hier über die gegenwärtige politische Lage zu sprechen und so bin ich letzter Redner geworden nach der Maßgabe: Zuerst die Weihe der Religion, dann die segensreiche Thätigkeit in gesellschaftlichen Fragen und zuletzt das politische Handwerk, der politische Landsknecht. (Heiterkeit und Beifall.) Bei der Beurteilung der politischen Lage, so führt Redner weiter aus, ist es unbedingt nötig, sich die Verhältnisse am Anfang uns res Jahrhunderts vor Augen zu halten. Die Vergeßlichkeit ist groß in unserer Zeit und deshalb sage er trotz allen Lamentierens: Es ist besser, erheblich viel bester geworden, als es war am Anfang des Jahrhunderts. Und wie war es? Mit einem Worte gesagt : Jammervoll! Man glaubte fest, der damals regierende Papst werde der letzte und es werde aus sein mit der damals jammervoll zusammengebrochenen katholischen Kirche. Und wenn damals jemand gesagt hätte, am Ende dieses Jahrhunderts werde in Mainz eine solch imposante Versammlung katholischer Männer zusammenkommen, um ihr gutes katholisches Recht, um die Freiheit ihres katholischen Gewissens zu fordern, so hätte man ihn ins Narrenhaus gesteckt. (Beifall und Heiterkeit.) Und doch ist es so gekommen, langsam zwar und mit schrittweisem Anfang, wie eben bei allen großen Dingen. Und sie sind dünn gesät, die Helden katholischer Ueberzeugung, die diese Wendung noch miterlebt haben. Redner gebt dann die Bewegung der einzelnen Jahre durch. Das Jahr 1848 habe zuerst eine Sammlung bes katholischen Bewußtseins gebracht; bann tarnen die Würzburger Tage, welche die Magna Charta der katholischen Kirche wurden und daran anschließend die bekannte Denkschrift an die Regierungen, welche die Magua Charta des ganzen deutschen Volkes geworden ist. (Anhaltender, stürmischer Beifall.) Und die nun folgenden Zeiten! Wer hat uns da geholfen? Es ist wahr, wir verdanken alles, was da kam, unseren Feinden. (Beifall.) Hätten wir nicht den Klostersturm in Moabit gehabt, wer weiß, ob damals im „Englischen Hause" zu Berlin das Centrum des preußischen Abgeordnetenhauses gegründet worden wäre. Und ganz ähnlich ging es mit der Gründung der deutschen Centrumsfraktion im Reichstage. Hätte man nicht zu früh die Sturmvögel aufsteigen lassen, wer weiß, ob wir rechtzeitig auf dem Posten gestanden hätten. So aber verkannte der mächtige Mann, ber damals die Geschicke Deutschlands lenkte, den richtigen Moment und warnte uns dadurch. Man hatte, der Abg. Lasker hat es ja später offen gesagt, den Unterdrückungskampf gegen alles Katholische auch in Preußen nur so lange aufgeschoben, bis man ganz Deutschland unter einen Hut gebracht hatte. Dann aber, kaum daß die siegreichen Feldzeichen aus dem französischen Kriege wieder an ihre Plätze in den verschiedenen Residenzen verbracht worden waren, begann jener innere Krieg, in dem jener Mann, der auch die inneren Verhältnisse nur nach den Gesichtspunkten seiner äußeren Politik zu leiten verstand, die Katholiken als schlimmere Feinde behandelte, als er die Franzosen jemals behandelt hat, trotzdem die Katholiken in dem äußeren Kriege wie alle anderen Deutschen ihren Mann gestanden hatten. (Beifall.) Und es ist uns, menschlich betrachtet, auch noch Jahre lang nachher recht schlecht gegangen. Ader je härter die Schläge kamen, um so fester wurde das Eisen unter dem Hammer. Und die Schläge traten uns nichts, trotzdem die Schläger eine wahre Wollust dabei empfanden, uns zu peinigen. (Pfuirufe.) Wir denken mit Entsetzen daran zurück, wie man unsere Bischöfe, unsere Ordensleute, unsere Priester behandelt hat. Weshalb ich daran erinnere? Nicht um etwa die Entrüstung zu wecken, die uns Alle beherrschte, als man unsere Seelenhirten und Stellvertreter der Apostel fortführte. Das sei ferne; ich erinnere daran, damit Sie es nie vergessen, Sie, die Jungen, was wir Alten nie vergessen können. Ich erinnere daran, damit Sw eingedenk bleiben jenes Wortes: Was einmal war, kann wieder sein! (Stürm. Beifall.) Ich erinnere Sie daran, um in Ihnen den Entschluß zu wecken, so wie es den Alten gelungen ist, bessere Zeiten herbeizuführen, indem sie Schulter an Schulter in guten und schlimmen Tagen zusammenstanden, daß auch Sie auf diesem Wege treu nachfolgen unb zum Wohle unseres lieben beutschen Vaterlanbes unb unserer katholischen Kirche einig zusammenstehen, um uns vor ber Wiederkehr ähnlicher Dinge bewahren zu können. (Lebhafter Beifall.) Ehe der Todesengel ihn mit femen Fittiqen gestreift hatte, ist der Mann, der unemgefchrankt das politische Leben in Deutschland beherrschte, vorn Schauplatz abgetreten. Er ist es aber nicht, ohne vorher selbst die erste Hand zum Abbruch jenes Gebäudes anzulegen, das er mit solchem Fanatismus — so müssen wir beinahe sagen - aufgerichtet hat. Und unser großer Windthorst (Lebhafter anhaltender Beifall) würde, wenn er es erlebt hatte gewiß nicht anqestanden haben, anzuerkennen, daß der zum Ruhestand verurteilte (Heiterkeit) erste Reichskanzler auch das Verdienst m feinen Sachfenwald mit hinüber nahm, daß er allein im Stand war, den Ab- bruch des Kulturkampfgebäudes einzuleiten. (Beifall.) Man maß auch gegen ferne schlimmsten Widersacher gerecht sein Und so spreche ich gern auch weiter den Satz aus: Ich bin ganz fest überzeugt, daß wir keinen Windthorst gehabt hätten, wenn kein Bismarck uns entgegengestanden hätte. (Zustimmung.) Heute stehen andere Männer an der Spitze der deutschen Reichsregierung. Männer ganz anderer Natur, Manner von ganz anderer Vergangenheit und der oberste unter 'ßuen ein Mann, der kein Bedenken getragen hat, bei der Uebernahme der Nachfolgerschaft des Nachfolgers unseres ersten Kanzlers im offenen Reichstage seiner kultur- kämpferischen Vergangenheit Lebewohl zu sagen. Aber auch m anderem Richtung ist ein großer Wandel eingetreten. Da- bis dahin politisch zur Ohnmacht verurteilte Gentrum, dasselbe Gentrum, das entweder nur
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