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Nr. 201 KweiteS Blatt Sonntag dm 27. August 18»»
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Neubildung des preußischen Ministeriums bezw. der Auflösung des Abgeordnetenhauses entgegensah, hat vollständig nachgelassen. Wir haben an dieser Stelle die Ereignisse der letzten Tage sorgfältig registriert und auch dargethan, daß man in politischen Kreisen den Zusammenbruch deS Kabinetts als unmittelbar bevorstehend betrachtete und nur noch den Verlauf des unter Vorsitz des Kaisers abgehaltenen Kronrats abwarten zu müssen glaubte, um eine gewaltsame Lösung der Krisis eintreten zu sehen. Aber an maßgebendster Stelle scheint man jede Ueberhastung vermeiden zu wollen und behufs gründlicher Beseitigung der Schwierigkeiten dem Grundsätze zu huldigen: „Gut Ding will Weil' haben." Soweit über den Verlauf des Kronrats überhaupt etwas in die Oeffentlichkeit gedrungen ist, darf man annehmen, daß eine Entscheidung nach der einen oder der anderen Richtung hin noch nicht gefällt worden ist, und, wenn die umlaufenden Gerüchte auf Wahrheit beruhen, so soll eine scharfe Zuspitzung der Lage ganz umgangen und eine Lösung nach Miquel'schem Rezepte angestrebt werden. Der Vorschlag des preußischen Finanzministers geht nämlich angeblich dahin, den Landtag jetzt zu schließen und ihn nach einigen Monaten wieder einzuberufen. Die Kanalvorlage wird dann sofort eingebracht, aber durch eine Reihe von Kompensationen für etwa benachteiligte Landesteile für die bisherige Opposition mundgerechter gemacht. Sollte auch dann das Resultat der Beratung eine Ablehnung der Vorlage sein, so würde ohne jeden Verzug das Abgeordnetenhaus aufgelöst werden. Wir zweifeln nicht daran, daß diese Art Lösung der Krisis manche Anhänger finden wird, ob sie aber wirklich eintritt, muß die Zeit lehren.
Die neueren Meldungen besagen auch, daß Herr von Miquel neuen Lebensmut zeigt und von Amtsmüdigkeit bei ihm keine Rede sein kann. Richtig ist ja, daß für den Fall des Fortbestehens des jetzigen Ministeriums auch Minister von Miquel seinen Posten beibehalten wird, denn sobald dieser geistige Leiter des Kabinetts zurücktritt, würde auch ein
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Votitische Wochenschau.
Das gesamte Interesse konzentrierte sich im Laufe der letzten Woche auf die Entwickelung der innerpolitischen Situation in Preußen. Wie wir schon gestern ausgeführt haben, dürfte vorläufig alles beim alten bleiben, indem den Konservativen die Opposition gegen die Kanalvorlage in der Erwartung verziehen wird, daß sie bei neuerlicher Einbringung des Gesetzentwurfs mit sich mit reden lassen werden, falls die Regierung einige Kompensationsvorschläge macht. Ob diese Annahme begründet ist, läßt sich heute noch nicht sagen, jedenfalls haben aber auch die Konservativen ein Jnterefie daran, den Bogen nicht allzu straff zu spannen und der Regierung entgegenzukommen. Im übrigen wollen wir die weitere Entwickelung abwarten und erst dann in eine erneute Erörterung eingehen, falls über den Stand der Dinge amtliche Mitteilungen gemacht werden.
Von den Ereignissen im Auslande interessieren besonders die Vorgänge in Paris, wo es bekanntlich zu recht bedenklichen Straßentumulten gekommen ist, bei denen eine große Anzahl Verwundungen stattfand. Die französischen Machthaber sollten die Lage nicht zu leicht nehmen; denn die Geschichte und die Erfahrung lehren, daß die heutige Situation die Befürchtung rechtfertigt, daß es über kurz oder lang zu einer ernsteren Auflehnung gegen die Staatsordnung, wenn nicht gar zu einer Umwälzung der Regierungsform kommen wird. Die Milde, welche Waldeck-Rousseau gegenüber dem berüchtigten Gusrin übt, läßt sich menschlich wohl erklären; ob es aber staatsklug ist, den Massen zu zeigen, wie man ungestraft die Regierung verhöhnen kann, ist sehr zweifelhaft. Es wirft kein gutes Licht auf die Franzosen, daß sie der Belagerung der „Festung Gusrin" mehr Jnterefie entgegenbringen, als dem so ernsten Dreyfus- Prozeß. Dieser hat durch den Wiedereintritt Laboris in die Verteidigung eine Belebung erfahren, die dem Fortgang nur nützlich sein kann. Wann die Verhandlungen in Rennes
Reisenden liegenden Station gebraucht werden könnten; da kann es dann geschehen, daß nicht alle Reisenden gleichzeitig von der neuen Station weiter fortkommen; es ist deshalb ratsam, in nicht allzu großer Gesellschaft zu reisen. Die Stationen sind meist einfache Bauernhöfe und werden um so einfacher, je mehr man nach Osten und Norden kommt.
Ich hatte auf dem Wege vom Jmatra bis nach Willmanstrand Glück und brauchte auf keiner der beiden Stationen, die ich zu passieren hatte, sitzen zu bleiben. Der Weg führte durch eine hübsche hügelige und waldige Gegend; sehr bald sah man durch die Bäume die blauen Wasser des Saima-Sees glänzen, und wenn der Wald an der rechten Seite der Straße lichter wurde, sich in dichtes, niedriges Gebüsch verwandelte, so daß man vom hohen Kariol aus darüber hinwegsehen konnte, oder aber ganz aufhörte, so vermochte das Auge ein großes Stück des Saima-Sees und im Hintergründe dunkle, waldbekränzte Inseln zu erblicken — ein prächtiges landschaftliches Panorama.
Als wir uns Lauritsala näherten, wurde der Ausblick auf den Saima-See weiter und freier, und ich gewahrte einen stattlichen Dampfer, der schnell auf die Landungsbrücke von Lauritsala zufuhr; er war dicht besetzt mit Reisenden, die von Norden kamen und hier landen wollten, um von der Poststation Lauritsala auf dem kürzesten Wege zum Jmatra zu fahren, während der Dampfer wiederum die vom Jmatra oder direkt auf den Saima-Kanal-Dampfern anlangenden Reisenden aufnahm, um sie durch die Bucht von Willmanstrand nach diesem Hafenorte zu bringen, — vorausgesetzt natürlich, daß dieser Dampfer in Lauritsala nur anlegte und nicht dazu bestimmt war, den Kanal t)inab nach Wyborg zu fahren; denn auf dem Kanal verkehren nicht nur spezielle Kanaldampfer, sondern jeglicher Art Schiffe, die den Verkehr zwischen Wyborg und den am Saima-See belegenen Ortschaften vermitteln.
Ich hatte mir vorgenommen, auch den Weg von Lauritsala bis Willmanstrand zu Land zurückzulegen, und fuhr deshalb auf einer, zu einer Brücke umgewandelten Schleuse über den Kanal und weiter in den frischen grünen Wald hinein. Nach etwa zweistündiger Fahrt, wobei .der Weg bald aus dem Walde hervortrat, bald sich wieder im Walde verlor, bald wieder sich dem Waffer näherte, und so dem Auge eine anmutige Abwechselung bot, gelangten wir am Spätnachmittage nach Willmanstrand, gerade noch zeitig
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genug, um bas altertümliche Städtchen zu betrachten und den um y29 Uhr abends in den Saima-See abfahrenden Dampfer „Elias Lönnrott" zu erreichen.
Auf der soeben zurückgelegten Tour durchs Land hatte ich Gelegenheit genommen, ein ostfinnisches Bauernhaus und seine Bewohner genauer kennen zu lernen. Im Osten und Nordosten des Landes lebt der finnische Volksstamm der Karelen, der sich in seinem Charakter mehr, als in seiner Lebensart, von dem Westfinnland bevölkernden Stamme der Tawasten unterscheidet. Diese letzteren sind meist brünett oder doch mindestens dunkelblond, verschlossen, mürrisch und heimtückisch; sie tragen die Merkmale, die alle unkultivierten Völkerschaften tragen, die frühzeitig unter fremde Herrschaft, hier der Schweden, geraten sind und ein langes Leben der Unterdrückten und Vergewaltigten hinter sich haben; Lied und Sage sind bei ihnen fast ganz geschwunden; es ist, als könnten sie noch nicht recht begreifen, daß sie nun schon längst freie Leute seien, und als ob sie jedermann und sich selbst mißtrauten. .
Ganz anders die Karelen: sie sind blond, helläugig, arbeitsam, meist gelassen, unter Umständen aber auch leidenschaftlich aufbrausend, trotz ihrer Armut des Lebens froh, voller Sinn und Hingebung für die Traditionen ihrer Vorzeit und die Dichtung ihres Volkes. Für Musik haben sie wenig Verständnis, dagegen gibt es kaum ein Dorf, in dem nicht „Runen"-Sänger oder Improvisatoren zu Hause und allgemein beliebt und verehrt sind. An den Feiertagabenden sammeln sich meist die Bewohner der Dörfer und der einzelstehenden Bauernhöfe aus der Umgegend auf dem Spielplätze am Waldessaume, und der Improvisator trägt ihnen alliterierende Gesänge vor und erzählt ihnen von der Helden der Vorzeit oder ruft ihnen Scherzreime zu und fordert die Zuhörer zu Entgegnungen heraus. Da fliegt oft manch' treffendes Wort, mancher gute Gedanke und mancher scharfe Witz in sinnigen Reimen oder in gewandten Alliterationen herüber und hinüber, und auch die Weiber und Mädchen haben ihre Freude daran und nehmen an diesen Scherzwortspielen Teil. . .
Hier in Karelien befindet sich die Quelle, aus der Elias Lönnrott, der Liedersammler der Finnen, die zahllosen gedankentiefen Runen und den Stoff und die Verse des Nationalepos „Kalewala" geschöpft hat. Und Haupt- sächlich von Karelien aus haben sich das sichere National- qefühl und die innige Liebe zur Heimat tm ganzen Lande verbreitet, die dem Besucher des Landes immer und immer
Feuilleton.
Aas „Fand der tausend Seen".
Reise-Erinnerungen von Erwin Bauer.
(Nachdruck verboten.)
IV.
Durch Karelien zum Saima-See.
Eine Kariol-Fahrt durchs Land. — Finuläudisches Postweseu. — Lauritsala. — Das ostfinnifche Bauernhaus. — Die Karelen. — Elias Lönnrott und das Nationalepos „Kalewala". Die finnischen Bauern. — Ein charakteristisches Erlebnis. —
Willmanstrand. — Auf dem „Elias Lonnrott".
Vom Jmatra-Wafferfalle aus beschloß ich nach Willmanstrand zu fahren, um von dort aus eine Fahrt auf dem Saima-See nach Norden zu unternehmen. Der Landweg führt über Lauritsala, den Endpunkt des Saima-Kanals, an dem dieser in den Saima-See eintritt, immer die Küste des Sees entlang nach dem südlichsten Punkte an demselben, eben dem Städtchen Willmanstrand. Die Fahrt macht man in einem sogenannten Kariol, einem primitiven zwei- rädrigeu. ziemlich hohen Gefährte auf dem kaum zwei Menschen Platz haben. Das finnische Pferdchen lauft sozusagen unter den Füßen des Fahrgastes zwischen zwei kurzen Fehmerstangen, während der finnische Bauernbursche, der den Postillon spielt, vor den Füßen des Reisenden auf dem Ende der rechten Fehmerstange hockt. Der Sitz war trotz dem über ihn gelegten Strohsacke hart, aber der Weg fo qlatt, daß fich's immerhin ganz bequem fuhr, zumal das Pferdchen ungemein rasch lief, weil die Straße meist bergab führte und die Einrichtung des Bremsens in Finnland unbekannt ist.
Wenn drei oder mehr Reisende gleichzeitig den Weg durchs Land machen, so werden ihnen auf der Poststation am Jmatra mehrere Kariols zur Verfügung gestellt, ;e eines für zwei Reisende, die nebeneinander oder noch besser Rücken an Rücken sitzen können, und es kommt oft vor, daß eine ganze Karawane von 5 bis 10 Kariols durchs Land zieht. Die Fahrt geht von einer Station bis zur andern, d. h. etwa 20 bis 25 Kilometer, dann werden die Pferde gewechselt, und die Bauernburschen, die die Karw s geleitet, reiten vergnügt zurück, nachdem sie das Trinkgeld schmunzelnd eingesteckt haben. Oftmals müssen auch die Kariols gewechselt werden, weil sie auf der hinter den |
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Ifrreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße».
Fernsprecher Nr. 51.
ihr Ende erreichen werden, ist auch heute noch nicht abzusehen.
Fortgesetzte Beachtung verdienen die Dinge in Oesterreich. Wenn die dortige Regierung glaubte, mit der Anwendung des berüchtigten § 14 eine Lösung der Schwierigkeiten gefunden zu haben, so muffen ihr die Ereignisse, insbesondere wieder die Vorgänge in Graslitz, gezeigt haben, auf welchen gefahrvollen Bahnen sie wandelt. Die Lage wird nicht besser, sondern im Gegenteil immer schwieriger, und eine Katastrophe erscheint unausbleiblich. Man muß annehmen, daß die Negierung in Wien mit Blindheit geschlagen ist oder nicht sehen will.
Auch in letzter Woche war wieder von einer Monarchenzusammenkunft die Rede, welche angeblich in der Residenz des Königs von Dänemark stattfinden soll. Den Anlaß zu diesem Gerücht giebt die bevorstehende Reise des Kaisers zu den Jagden in Schweden; ob aber diese Gelegenheit zu einer Entrevue mit dem Zaren benutzt werden wird, erscheint doch recht fraglich, das ließe sich viel bequemer machen bei der Anwesenheit des Zaren in Wiesbaden. Also wir wollen das obige Gerücht nur registrieren, ohne an die Richtigkeit desselben zu glauben.
Nicht ohne Besorgnis blickt man in allen Kreisen auf den Pest Herd, welcher sich in Portugal und in Rußland gebildet hat; aber wir vertrauen unserer Regierung, daß sie nichts versäumen wird, eine Einschleppung der Seuche in Deutschland unter allen Umständen zu verhindern. Auf die bis jetzt betroffenen Staaten ist kein rechter Verlaß bezüglich der zu treffenden Vorsichtsmaßregeln; deshalb ist nm so größere Aufmerksamkeit am Platze, um uns vor den Schrecken der Pest zu bewahren.________________xx
Die Krisis.
Soll wirklich die ganze Erregung über die innerpolitische Lage einem Sturm im Glase Waffer gleich gewesen sein? Fast scheint es so, denn der Eifer, mit welchem man der


