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27.6.1899 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 27. Juni

RiII»»t»e »on Anzeigen zu der nachmittag» für btn feiern Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr.

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Franz Josef, doch freuen wir uns, bestätigt zu sehen, daß der befreundete Monarch wieder auf dem Wege der Besserung sich befindet und begründete Hoffnung auf baldige Wiederherstellung vorhanden ist. xx

Gastron Alexandre Aug. Marquis v. Gallifet, französ. General, geboren am 22. Januar 1830 zu Paris, trat im April 1848 in die Armee, wurde 1853 Leutnant, 1860 Kapitän, 1863 Stabsoffizier und nahm am Feldzuge in Mexiko teil. Gallifet stieg 1865 zum Oberstleutnant und 1867 zum Obersten auf und befehligte das 3. Regiment Chaffeurs d'Afrique. Seit 30. August 1870 Brigadegeneral, führte er am 1. September an Stelle des verwundeten Divisionsgenerals die französische Kavallerie nachmittags bei den Angriffen auf die bei Floing stehende preußische In­fanterie und zeichnete sich auch hierbei durch stürmische Tapferkeit und rücksichtsloses Einsetzen der eigenen Person aus. Nach der Kapitulation von Sedan blieb Gallifet bis zum Schluffe des Krieges in deutscher Kriegsgefangenschaft, übernahm dann den Befehl über eine Brigade der Armee von Versailles, und führte diese während der Bekämpfung des Kommuneaufstandes. Gallifet übernahm hierauf den Befehl über die Subdivision zu Batna in Algerien, schlug im Winter 1872/73 einen Aufstand der Araber durch einen kühnen Zug nach El Goloa nieder und übernahm darauf 1873 den Befehl über eine Jnfanteriebrigade des 8. Armee« korps. 1875 wurde er Divisionsgeneral und erhielt die 15. Infanteriedivision in Dijon, schloß sich nunmehr, trotz seiner bonapartistischen und klerikalen Gesinnung, öffentlich der republikanischen Partei an, und wurde bald der erklärte Günstling Gambettas. Gallifet übernahm es, die französ. Kavallerie zu reorganisieren, und wurde zu diesem Zwecke mit einer Machtfülle ausgestattet, wie solche vor ihm kein Reitergeneral besessen hatte. Durch Vorträge über die Ausbildung und den Dienst der Kavallerie, über Reiten und Pferdepflege verbreitete Gallifet unter den höheren Führern der Waffe gleichmäßige Anschauungen über die Handhabung des Dienstes, und übernahm die obere Leitung der auf seine Veranlassung ins Leben gerufenen großen Kavalleriemanöver, bei denen er sich unermüdlich thätig erwies, um die Truppe sowohl für die Schlacht, wie für den strategischen Aufklärungsdienst vorzubereiten, und in den Bewegungen im großen Verbände zu schulen. Gallifet wurde 1879 an die Spitze des 9. Armeekorps in Tours berufen und übernahm daneben den Vorsitz des Kavalleriekomitees. In dieser Stellung übte er entscheidenden Einfluß in allen auf die Reiterei bezüglichen Personalfragen aus, und ent­fernte alle Elemente, die den von ihm eingeführten Neuerungen feindlich gegenüberstanden. Auf seine Anregung wurden die Bekleidung und Ausrüstung der Kavallerie verbeffert, das Gepäck erleichtert, die Rekrutierung zweckmäßiger eingerichtet,

Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«.

Fernsprecher Nr. 51.

die Remontierung durch Einrichtung von Depots und Maß­regeln zur Hebung der inländischen Pferdezucht verbessert, die Ausbildung der Mannschaft im Reiten erheblich geför­dert, und durch Telegraphistenkurse, Zerstören von Schienen­wegen, Bau von Feldbrücken, Wettrennen vielseitiger ge- staltet, und in den Offizierkorps der Reitersinn auf jede Weise belebt und gepflegt. 1880 ward er Befehlshaber der Truppen von Paris, legte 1882 dieses Kommando nieder und verblieb nur Mitglied des obersten Kriegsrats und Präsident des Kavalleriekomitees, woraus ihn 1886 General Boulanger als Kriegsminister entfernte. Nachdem dieser vom Schauplatze abgetreten war, wurde Gallifet 1889 reaktiviert. 1895 schied er nach erreichter Altersgrenze aus dem aktiven Dienst.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische Dolkskunde._________________

General Gallifet.

Im nunmehr konstituierten französischen Ministerium Waldeck-Rousseau ist dem General Gallifet, den wir heute im Bilde bringen, das Kriegsministerium übertragen worden. Wie lange er demselben vorstehen wird, ist bei den augen­blicklichen Berhältniffen in Frankreich sehr schwer zu sagen.

M. 148 Zweites Blatt

Bezugspreis vicneljährlich 2 Mart 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohn.

Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich.

Politische Wochenschau.

Statt ruhen sie aus auf ihren Lorbeeren- die Herren Reichs boten, nachdem sie in 99 Sitzungen für das Vater- la-.ni sich aufgeopfert haben. Wird nun auch wohl für einige Zch-ril da!' WortZuchthausvorlage" aus den Spalten unserer Piverschwinden? Wahrscheinlich wird die Erörterung übiwi dilfse ins Wasser gefallene Vorlage noch geraume Zeit a(lallte 1,, trotzdem man doch schon übergenug davon gehört haZ Hetzt wird sicherlich die Frage breitgetreten werden, ob; die Regierung im November bei der Wiedereröffnung dc:-2 KithStagstagung es für gut befinden wird, die Vor- laxv zuiiäckzuziehen oder nicht. Am besten von allen Re- anrrungfiDertretem hat jedenfalls Herr v. Bülow abgeschnitten, dere'drm deutschen Reiche in den Karolinen und Marianen etanai fobonialen Zuwachs zugeführt hat. Der Reichstag vj).n tntp.egenfommenb genug, deren Erwerbung zu billigen, !C : daß unser deutsches Reich seine Grenzen wieder um ein erkWliche- ausgedehnt hat und damit dem deutschen Unter« neHiMgSgeist und der deutschen Intelligenz große Gebiete zu-r: Urbarmachung näher gerückt worden sind.

Di> deutsche, in diesem Falle freilich nur die preußische Jrt.Mig! nz ist augenblicklich ganz und gar mit der Definition der «Wir lesKompensationen" beschäftigt. Herr v. Miquel munjli eiligst und bange werden, denn aus Pommern und PoW, caus Schlesien, West- und Ostpreußen gingen ihm W Äsche und Forderungen in Hülle und Fülle zu, die als Ge»«jlilleii ftungen von der Regierung gewährt werden sollten, fdUB bi( Kanalvorlage zum Gesetz erhoben werden würde.

fthütze mich vor meinen Freunden", so mag der Leiter beit M'ßischen Finanzen in diesen Tagen oft geseufzt haben. Unltt tr ssorgte schließlich für den notwendigen Kaltwasser­str whl. In der Freitagssitzung der Kanalkommission gab bien Rkgürung in der feierlichen FormUnter ausdrücklicher BiWguW des Königs" die Erklärung ab, welche Wünsche erfdit werben sollen. Danach ist sie bereit, die Wasser­str >tch zwischen Oberschlesien und Berlin leistungsfähig zu maiiitm mnb zur Kanalisierung ber Lippe ihre Genehmigung zu «tbem. Auf weitere Kompensationsforberungen will bte ReiHrmmg nicht eingehen. Man bars nunmehr auf bas ScMsal ber Kanalvorlage gespannt sein!

Milt eben solcher Spannung kann bem weiteren Ver- lauch deir F r i e b e n s k 0 n f e r e n z im Haag entgegengesehen jveniün. Einer ber beutschen Delegierten, Prof. Dr. Zorn, halst riiiige Tage in Berlin geweilt, angeblich, um sich Jn- striMirioven in ber Schiebsgerichtsfrage zu holen. Es wirb mi» fraglicher, ob bei ber Konferenz etwas herauskommen wiinta Mele Köpfe lassen sich so schwer unter einen Hut bri'rinnn.

Diese Erfahrung hat in letzter Woche auch Präsibent Lomide!' gemacht. Das Kabinett Dupuy war gegangen, nnlib'ti war natürlich, baß ihm ein Nachfolger gegeben nie* mußte. Die Sache war insofern schwierig, als bas tieuWbinett mit allen Parteien rechnen mußte, bie samt- lichs ui iber Regierung theilnehmen wollten. Poincarö ge- laiti^e. Kunststück nicht, er mußte ben Auftrag zur Kabmetts- - biUtoug ablehnen, ben nun ber bekannte Walbeck-Rousseau ÜbeWchm, ihn aber erst zur Ausführung brachte, nachdem uca^itT radikale Bourgeois vergeblich ins ^reffen geführt toDTickn war. Und so werden wir denn in nächster Zeit in Fr^eiich mit einem Kabinett Waldeck-Rousseau rechnen MÜchi, dem auch der Sozialist Millerand angehört. All- gellM berechnet man die Lebensdauer dieses Ministeriums nurn 'M zur Erledigung der Dreyfus-Affaire.

men harten Kampf hatte die italienische Re- gieiMz gegenüber der Obstruktion in ber Kammer zu be- stehtzr Sie ist zwar Siegerin geblieben, aber bie Depu­tier iMlammer hat vertagt werden müssen, nachdem es zu befWtun Lärmszenen gekommen war.

ja dem Wetterwinkel Europas gährt es wieder. Jns- befnoimi an der serbisch-türkischen Grenze sieht es gefahr­voll:! und bie europäische Diplomatie biirfte in nächster Qcii.ti in bie Lage kommen, auf ben Sultan mehr ober roemiyi sanft einzuwirken. Man spricht sogar von ber AbMi, die Reformfrage eventuell auf's Tapet zu bringen. WeSm sich ber Sultan nur etwas baraus macht! Er ist ja ,im biiie Töne bes europäischen Konzerts schon allzusehr (leirzÄL

W| dem Säbel rasselte in letzter Woche Englanb das kleine Transvaal will sich immer noch nicht Wahrscheinlich ist's aber nur blinber Lärm, unb es .ijjty iiin biesem Falle nach bem Wort, bas bet alte Fritz gernu ücmchte:Pack schlägt sich, Pack verträgt sich".

(nröige Sorge bereitete bie Erkrankung bes Kaisers

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täglich m ssi-k^nahme de- Mi-ntagS.

ftt Vießener A.st«il!e«Sktttrr loanM l<m Anzeiger wSitchlich viermal deigrlegt.

Deutsches Reich-

Berlin, 24. Juni. Aus Christiania wirb ber Vossischen Zeitung" geschrieben: Kaiser Wilhelm wirb in ber Nacht zum 5. Juli bei ber Lanbungs-Station Kopetvik eintreffen. Die Fahrt nach Harbanger, Voß, Stahlheim unb Sogn gebenft ber Kaiser in biesem Jahre ausfallen zu lassen unb von Bergen aus gerabenweges nach ben Romsbals Fjorben gehen. Von bort aus reist ber Kaiser nach Dront- heim, um sobann nach Norbsjorb zurückzukehren, wo Lön unb Olben besucht werben sollen.

Berlin, 25. Juni. Der Kaiser hat eine neue Orbre, bett, das Manöverfuhrwesen, erlassen, nach welcher in Zu­kunft streng barauf gehalten werben soll, baß bie burch bas Naturalleistungsgesetz bestimmte Zahl ber mitzuführenben Fahrzeuge unb bie vorgeschriebene Gewichtsgrenze nicht überschritten werben barf. Verboten ist ferner bas Mit- führen von Privatzelten, Felbbetten, Schlafsäcken, sowie von größeren Vorräten an Getränken.

Berlin, 24. Juni. Der Übliche Freitagsnachmittags- Empfang auf bem Auswärtigen Amte gestaltete sich gestern zu einer Hulbigung für ben Grafen v. Bülow. Sämtliche hier antoefenben Botschafter, Gesanbten unb Geschäftsträger fanben sich ein, um ihre Glückwünsche aus­zusprechen.

Berlin, 25. Juni. Der Maurer streik ist beenbet. Die gestern vor bem Einigungsamt bes Gewerbegerichts ftattgefunbenen Verhanblungen haben zu einem für beibe Teile vorteilhaften Resultat geführt. Der Lohn soll bis zum 31. Dezember 1899 60 Pfg. pro Stunbe, vom 1. Januar 1900 ab bis zum 30. September 1900 einschließlich 62V2 Pfg. unb vorn 1. Oktober 1900 bis zum 31. März 1901 65 Pfg. betragen. Die Arbeitszeit wirb auf neun Stunben festgesetzt. Es wird eine Kommission von neun Arbeitgebern und neun Arbeitnehmern gebildet, welcher bie Regelung bes Lohnverhältnisses, Einrichtung ber Arbeits­stätten, bie Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Arbeit­gebern unb Arbeitnehmern obliegen soll.

Berlin, 25. Juni. Unter bem Verbachte ber Hehlerei würben gestern 3 Schutzleute von ber hiesigen Kriminal­polizei verhaftet. Dieselben werben beschulbigt, gestohlene Fahrräber, welche ihnen ein Fahrrabbieb für 20 Ml. lieferte, für 60 bis 100 Mk. wieberverkauft zu haben. Zwei weitere Verhaftungen von Schutzleuten sollen noch bevorstehen.

Der Kölner Erzbischofsstuhl. Zu ber Frage ber Wieberbesetzung bes erkbigten Erzbischofsstuhles verlautet, baß auf ber Kanbibatenliste sechs Personen vor­gesehen seien, von benen nicht eine einzige von ber Regierung beanftanbet würbe. Unter anberen stehen auf ber Liste Bischof Dingelstädt aus Münster unb bie Weihbischöfe Schmitz unb Fischer aus Köln. Als vor wenigen Tagen bem Kaiser bie Liste vorgelegt würbe, soll er geäußert haben: Alle sinb mir angenehm, am angenehmsten allerbings Dingelstabt aus Münster. Die Liste ist bereits nach Rom abgesanbt, so baß bie Bestätigung innerhalb sechs Wochen erfolgen bürste.

Wie bieTägliche Rundschau" erfährt, ist das Befinden des an einseitiger Gesichtsrose erkrankt gewesenen Herrn Staatssekretärs von Podbielski durchaus be­friedigend.

Die chinesische Regierung wird nach dem Vorbilde Deutschlands nun auch eine Handelskommission nach Deutschland entsenden, welche hier die Verhältnisse und Konjunkturen für den heimischen Handel studieren soll. Falls die Ergebnisse der Exkursion günstig ausfallen sollten, plant die chinesische Regierung, in den wichtigsten Ver­kehrshandelsplätzen wie Berlin, Hamburg, Stettin, Danzig u. s. w. auf Staatskosten chinesische Firmen und Waren­lager zu errichten. Die Kommission geht im nächsten Früh-

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Gießener Anzeiger

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