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27.5.1899 Zweites Blatt
 
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Samstag den 27. Mai

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Zweites Blatt

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Sie wichtig- Frage: Wie beginnt das erste Stad,um der Langcns^windsucht, erörterte Prof- Birch - Hirschfeld

empfohlen.

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eine Quelle der Ansteckung, doch ist die Gefahr für den Gesunden nicht immer gleich. Oftmals hat em tuberkulöser Herd keine offene Verbindung mit der Außenwett; dies ist 2 B. der Fall bei der Tuberkulose des Bauchfelles, der Nieren usw. Auch der Cornetsche Satz, daß die Tuberkel­bazillen nicht überall sind, ist auch heute noch richtig; man begegnet ihnen nur in der nächsten Umgebung des

und etwas mit den Auswurfstoffen verschleppt. Dadurch wird die Ansteckungsgefahr schon bedeutend geringer. Sie wird auch noch durch die beschränkte Empfänglichkeit des Menschen weiter herabgesetzt. In der Regel findet eine Uebertragung nur bei wiederholter und reichlicher Aufnahme der Tuberkelbazillen statt, also bei engem und fortgesetztem Verkehr mit den Kranken. Die Tuberkulose verbreitet sich demgemäß fast allein innerhalb der Familien oder unter Menschen, die in geschlossenen, schlecht gereinigten und ge­lüfteten Räumen zusammengedrängt leben, arbeiten und schlafen. Die Aufnahme der Tuberkelbazillen beim Menschen kann entweder von der Haut und den Schleimhäuten, oder

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Ich sein kann. . , . .

General-Oberarzt Dr. Schjerning sprach über die Tuberkulose in der Armee. Die gesundheitliche Fürsorge ür das Heer ist sehr umfassend und erfolgreich. Das kitt di- Thatsach-, daß s-it 1870/71 di- Krankheiten unter idt Soldaten ständig geringer geworden sind. Seit 1««2 ii ein Gleichbleiben und seit 1890 auch em Sinken der vlerblichkeitsziffer bei der Tuberkulose zu beobachten, obgleich itc Mannschaftsstand sich vergrößert hat. Die gegenwärtige klkrankungsziffer ist 21,8 v. T. Im allgemeinen steht die iTlberkulose in der Armee mit den Gefi^ -

ttc Gesamtbevölkerung im engsten Zusammenhänge. Die fiebrigsten Ziffern finden sich im 5. Armeekorps (Posen

-S«»Ä»4- »Tuben Armeekorps. Der außerdienstliche Verkehr spielt g-s-h-n, di- nnzw-is-lhaft mit Tuberkulose behaftet sind -a der Tub-ickulos- der Mannschaften ein- nicht unw-sent- | In nüchtern geschlachteten Kalbernsind^-bnisall^tub-rkn üfiie Rolle. Die wenigsten Tuberkulösen haben die Front- imippen; die meisten sind unter denjenigen Mannschaften, drr en Dienst in geschlossenen Räumen vor sich geht: Oelonomiehandwerker, Bäcker, Schreiber u. s. w.

Ueber dieTuberkulose der Haustiere und ihr Ver- Mluis zur Ausbreitung der Krankheit unter den Menschen" mich Obermedizinalrat Prof. Bollinger-München. Die ürlderkulose der Rinder und Schweine ist in ihren Ursachen kultisch mit der Tuberkulose des Menschen; sie bildet also audtb eine Gefahr für die menschliche Gesundheit, die nicht ii unterschätzen ist. Nur wenn die Unsittte, rohes Fleisch z« effen und ungekochte Milch zu trinken, aufhört, wird die Hesiahr von dieser Seite ausgeschaltet.

Die Vormittagssitzung am Donnerstag war der Er- oititcrung der Ursache (Aetiologie) der Tuberkulose gewidmet­

lick in den Lungenspitzen, ausgeyi. umci öffnunqen fand Birch-Hirschfeld 32 gaHf; mit^Mmnenber Schwindsucht. Sie bewiesen, daß die Schwindsucht m der Schleimhaut eines mittelgroßen (in 3. und 4. Ordnung) Luftröhrenastes ihren ersten Sitz aufschlägt. Vortragender schließt daraus, daß die Schwindsucht nur durch Einatmung von Tuberkelbazillen erworben werden kann. Die Erwerbung durch Vermittelung der Drüsen sei ausgeschloffen Wenn vorzugsweise die Lungenspitzen zuerst von der Schwindsucht befallen werden, so erklärt Vortragender das damit, daß die baumartigen Verzweigungen der Luftröhrenaste für dieAus- debnuna des Brustkastens dort ungunsttg verlaufen, wodurch das Ein- und Austreten des Athmungsluftstroms erschwer wird. Finden dadurch Tuberkelbazillen Gelegenheit, sich dort einzunisten wegen des mangelhaften Luftwechsels so wird der Luftröhrenast zunächst verstopft, die zu ihm gehörende Lungeupartie bleibt luftleer und fallt zusammen. Dadurch wird die Möglichkeit zur Weiterverbreitung gegeben. Reichlicher Beifall lohnte alle Vortragenden. K. L.

sprach. Vortragender gibV^^st^^rsicht über die | Finger, durchsichtig°H°uk u.s.w.) °°n dem schwindsüchtigen Entdeckungsgeschichte des Schwindsuchtserregers durch Koch. Durch Tierversuche, Züchtung u. s. w. hatte dieser Forscher

Anfang der 80er Jahre, wenn auch unter großen Schwierig- i 0Crjungen]t die Tuberkulose

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Knochen-, Drüsen-, Darm-, Miliartuberkulose, Lupus, ver­danken ihre Entstehung nur dem Kochschen Tuberkelbazillus.

Ueber die Art und Weise seiner Uebertragung sprach

Prof. Fränkel (Halle). Jeder Mensch wie jedes Tier, m T _ 1 Y, , < unrfnwmpn ntlhPt

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Uebertragung ist die bei weitem häufigste; sie vollzieht sich durch Einatmen des feuchten, frischen und z. B. beim Husten, Niesen usw. versprühten oder des (am Fußboden, an Taschen­tüchern, Wäschestücken usw.) angetrockneten und verstaubten Auswurfs Schwindsüchtiger. , .

Ueber Mischinfektion bei der Tuberkulose sprach Prof. Pfeiffer. Dort, wo tuberkulöse Herde in den Geweben sich gebildet haben, können sich auch andere Bazillen an- siedeln; dadurch entsteht dann eine sogenannte Mischinfektion. Namentlich die Lungenschwindsucht bleibt selten kurze Zeit unkompliziert; es verbinden sich andere Bazillen, z. B. Eiter­erreger, mit den Tuberkelbazillen, oft geradezu in ungeheuren Mengen. Diese Thatsache war schon Koch bekannt. Das Krankheitsbild, das gemeinsam alsLungenschwindsucht" bezeichnet wird, verdankt seine Entstehung in der Regel einer Mischinfektion. Vortragender erörterte eingehend das Ge­schichtliche dieser Frage.

Ueber die Erblichkeit, Immunität und Disposition der Tuberkulose verbreitete sich Prof. Löffler-Greifswald. Der Glaube von der Erblichkeit der Schwindsucht istja wen verbreitet; wie eine Konstitutions-Anomalie sich erblich über- -allgemeinen steyl ote i tragen kann, so glaubte man auch, daß die Schwindsuch stndheitsverhältnisten sich v-r-rbc. Auch nach der Entdeckung des Tuberkelbazillus - ' 1 meinen noch viele, daß -me gewisse Disposition vorhanden

sein müsse, um dem Tuberkelbazillus den Boden zu ebnen. Allerdings spricht manche Beobachtung für die Erblichkeit.

Veränderungen festgestellt. Genaue Forschungen haben er­geben, daß von der Nabelvene her die Tuberkelbazillen von dem Muttertiere übertragen werden können. Aber die Vor­bedingung ist, daß eine allgemeine Tuberkulose der Mutter oder tuberkulöse Veränderungen in den Geschlechtsorganen vorliegen muffen, wenn eine solche Erblichkeit zu Stande kommen soll. Die Erblichkeit hat für die Verbreitung der Schwindsucht also nur eine sehr beschrankte Bedeutung. Höchst selten werden die Verhältniffe so liegen, daß sich die Tuberkulose vererben kann. Tuberkulose des Vaters fpielt nicht die allergeringste Rolle. Ob noch eine besonders hohe Empfänglichkeit für den Tuberkelbazillus vererbt werden kann gewisse körperliche Eigentümlichkeiten, die das Ent­stehen der Schwindsucht begünstigen, ist ebenfalls noch etwas . («enoioguj »«B«v,uulcl. , zweifelhaft, doch manchmal zu bejahen; die An ch°uu»sien Pros. Flügge- Breslau, der über den darüber sind noch Nicht geklärt. Doch ist bekannt daß - n : seinen Beziehungen zur Tuberkulose" gewisse Korp-rsorm (flacher Brustkasten, trommel,chl-g-l°rt,g°

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Komgretz zur Bekämpfung der Tuberkulose.

Am ersten Tag sprach noch Direktor Gebhardt- M:ck über dieAusbreitung der Tuberkulose unter der vns'cherunqspflichtigen Bevölkerung". Dem Versicherungs- M»ge sind in Deutschland rund 12 850 000 Arbeiter unterworfen; da aber auch deren Familienangehörige davon stzii'l beeinflußt werden, so darf man annehmen, daß über 25 Millionen Menschen von der Versicherungspflicht afc Witoiia sind. Wie viele davon tuberkulös sind, hat sich M nicht feststellen lassen, doch läßt die Statistik des ßkicksversicherungsamts ungefähr das Verhältnis erkennen. Daliach waren von 151 000 Jnvaliditätsfällen 11 v.H. durch lubsrkulose hervorgerufen. Die Zahl übertrifft also bei teitem den Durchschnitt in der Gesamtbevölkerung. Bis

Alter von 50 Jahren liefert unter den Männern die

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Mben inÄcht« Weise behobeln zu lasten; di° B°kampsung Tiere) °d» von den Lungen uus ersolg n Letztere A^

1 ür Schwindsucht muß also gerade hier Gegenstand oer i iojiulen Fürsorge sein. Wie weit das Einkommen bei der I «ttibreihma der Tuberkulose eine Rolle spielt, darüber I oiefctt eine Hamburger Statistik Aufschluß. Danach kommen I Cuf tausend Steuerzahler mit einem Einkommen über

5500 Mk. ein Tuberkelfall, von 2000 bis 3500 Mk. zwei, \ ton 1200 bis 2000 Mk. zweieinhalb, von 900 bis 1200 Mk. I litt Tuberkelfälle. Die minder bemittelten Klaffen sind 1 slic thatsächlich mehr von Tuberkulose heimgesucht, als die mchcren; es ist also die Schwindsucht immer noch vor- mienb eine Proletarierkraukheit, wie das ja nach der Ausführung des Geh. Rats Krieger auch nicht verwunder-

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Deutsches Reich.

Berlin,25. Mai. Der Prinz-Regent von Bayern verlieh dem Erzherzog Franz Ferdin and das zweite schwere Reiter-Regiment, welches fortan den Namen Erz­herzog Franz Ferdinand führt. Seinerzeit war §kronprmz Rudolf Inhaber des Regiments.

Berlin, 25. Mai. DerReichs-Anzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Ober-Reichsanwalts Hamm in Leipzig zum Präsidenten des Oberlandesgerichts in Köln.

Berlin, 25. Mai. DieNordd. Allgem. Ztg." ist in der Lage, die Zeitungsmeldung, der N ach tragsetat zum Staatshaushaltsetat für das Etatsjahr 1899 habe die königliche Genehmigung erhalten und werde demnächst dem Abgeordnetenhause zugehen, als richtig zu bestätigen. Auch der Gesetzentwurf betreffend die Ergänzung und Ver­vollständigung des Eisenbahnnetzes, sogen. Sekundär­bahn-Vorlage, wird dem Abgeordnetenhause in den nächsten Tagen zugehen.

Berlin, 25. Mai. DemLokal-Anzeiger" wird aus dem Haag telegraphiert: Zu dem gestrigen Cercle und darauf folgenden Orchester-Konzert begann die Auffahrt der Kongreß-Mitglieder zum Palais um 9 Uhr abends. Militär- und Zivil-Uniformen, Orden und Ordens­bänder aller Nationen waren zu sehen. Der Frack war wenig vertreten. In einer Flucht von ineinandergehende» Räumen hatten die Delegationen Aufstellung genommen und zwar nationenweise. Die Deutschen standen mit den Russen in einem Saale. Bald nach 10 Uhr erschien die Königin i Wilhelmine mit ihrer Mutter. Die junge Königin hatte das Band und die Insignien des kurz vorher erhaltenen russischen Katharinen-Ordens angelegt. Bei dem Herantreten der Königin an die einzelnen Delegationen übernahm der Chef derselben die Vorstellung. Mit vielen der Herren sprach die Königin sowie die Königin-Mutter. Allgemein wurde die Sicherheit und Gewandtheit der jungen Königin bemerkt, mit welcher sie sich der Aufgabe unterzog, sich mit 150 ihr bisher fremden Personen zu unterhalten. Gegen lli/o Uhr zog sich die Königin zurück. Unter den ein- geladeneu Personen befand sich auch die Frau Baronin v. Suttner, die sich lebhaft mit Herrn v. Staal unterhielt. Letzterer äußerte sich zu ihr in günstigem Sinne über die I Arbeiten der Kommission.

Berlin, 25. Mai. Bom Tuberkulose-Kongreß. I An den Kaiser war Mittwoch folgendes Telegramm vom I Präsidium abgesandt: Euer Majestät bringt der heute m I Gegenwart und unter dem Protektorate Ihrer Majestät der I Kaiserin eröffnete Kongreß zur Bekämpfung der Lungen- I tuberkulöse begeisterte Huldigung dar!" Aehnliche Depeschen I wurden ferner gesandt an die Kaiser von Oesterreich und I von Rußland, an die Königin von England, an die Könige | von Italien, Sachsen und Württemberg, an die Großh^zoge | von Hessen, Sachsen-Weimar und Oldenburg, an die Groß-