bewährter Sohn, Kaiser Friedrich, sie sollen an dem Tage, da wir das Gedächtnis der Toten feiern, wieder so recht lebhaft vor unser geistiges Auge treten — eine Mahnung: »Solcher Ende schauet an und folget ihnen nach!" So wird die Totenfeier ein Segen für die Lebenden werden.
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* Ordens-Verleihungen « s. w. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, dem Oberregisseur Emil Valdek das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Sänger Aloys Burgstaller den Titel „Kammersänger", dem Architekten Rudolf Opfermann in Mainz die Goldene Verdienstmedaille für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Landwirtschaft zu verleihen.
** Aus dem höheren Lehramt. Seine König!. Hoheit der GroßHerzog haben Allergnädigst geruht, am 22. November den Lehramtsasiessor Ferdinand Boden st ein aus Darmstadt zum Lehrer an dem Gymnasium zu Bensheim und den Lehramtsassessor und Dirigenten an der höheren Bürgerschule zu Babenhausen Franz Bock zum Leiter dieser Anstalt mit dem Amtstitel „Rektor", beide mit Wirkung vom 16. November 1899 an, zu ernennen.
•* Stadttheater. Morgen Sonntag Abend kommt, der Bedeutung des Tages entsprechend, ein ernstes Volksstück: „Marianne, ein Weib aus dem Volke", zur Aufführung. Das Stück ist schon sehr alt, konnte aber noch nicht durch die neuere Litteratur vom Theater verdrängt werden, ein Beweis dafür, daß alte Volksstücke mit biederem Inhalt noch stets ein dankbares Publikum finden.
. Die Titelrolle liegt in den Händen unserer vortrefflichen Heroine Fräulein Margarete Haussig. — Nächsten Dienstag beginnt das Gastspiel von Emil Richard.
** Das Anziehen des Zinsfußes nach oben nötigt nun auch die Sparkassen, nachdem die Staaten wie die Städte hiermit bereits vorgegangen sind, den Zinsfuß zu erhöhen. So wird aus Offenbach gemeldet: „Der Vorstand der Sparkasse hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, den Zinsfuß bei der Sparkasse für Einlagen auf 3*/2 und für Darlehen auf 4V2 Prozent vom 1. April 1900 ab zu erhöhen. Die Stadtverordneten werden am nächsten Donnerstag über diese Erhöhung zu entscheiden haben." Auch die übrigen Sparkassen werden diesem Beispiel bald folgen müssen.
** Das Schwurgericht, welches am Montag, dem 4. Dezember, vormittags 91/2 Uhr beginnt, dauert dieses Mal nur einige Tage, da wie man hört, höchstens 3 Fälle zur Verhandlung kommen werden.
** Neue Frachtbriefe. Für Geschäftsleute, welche uoch einen Vorrat von Frachtbriefen haben, ist das Zugeständnis von Bedeutung, daß trotz der mit 1. Januar 1900 in Kraft tretenden neuen Eisenbahn Ordnung mit abgeänderten Frachtbriefformularen die alten Formulare noch bis 31. Dezember 1900 Giltigkeit haben.
** Das Vermögen des Verbandes der Deutschen Buch, drucker mit einer Gesamtzahl von 26 714 steuernden Mitgliedern ist von 2 254633.85 Mk. am 30. Januar auf 2346074.37 Mk. am 1. Oktober d. I. gestiegen, wozu noch 56 786.03 Mk. kommen, welche als Vorschuß bei 17 Gauverwaltungen gebucht sind. 2661 Mitglieder waren 64691 Tage arbeitslos am Orte und 3101 Mitgleder waren 83326 Tage krank im letzten Quartal.
** General Joubert und die Mission. Bei dem allge- gemeinen Interesse, das dem tapferen Burengeneral Joubert entgegengebracht wird, ist es wohl nicht unangemessen, auf eine Rede hinzuweisen, die er bei Gelegenheit der Einweihung einer neuen Kirche in Bethania unweit des eben vielgenannten Ladysmith 1892 gehalten hat. Wir entnehmen dieselbe, wie auch den Bericht über die begleitenden Umstände dem Hermannsburger Missionsblatt:
Mittwoch, den 18. Mai 1892 fand die Kirchweihe in Bethania statt. Auch der General Piet Joubert, der höchste Beamte über die Eingeborenen in Transvaal, war erschienen. Von letzteren waren soviele zusammengeströmt, daß man ihre Zahl auf über 3000 geschätzt hat. Der König der Baluana (Sekuana?) Jakobus Mora hatte vier große fette Ochsen zum Fest schlachten lasten, damit die große Menge sich auch leiblich stärken könne. Am Festzuge von der alten nach der neuen Kirche beteiligte sich Groß und Klein, an der Spitze König Jakobus nnd General Joubert. Vor dem Hauptportal wurde Halt gemacht. Hier hielt der General folgende Ansprache an das Volk (aus dem Holländischen übersetzt): „Ich bin aufgefordert, zu reden, weiß aber vor Verwunderung kaum, was ich sagen soll. Ich bin eingeladen zu euerer Kirchweihe, aber ich hatte es mir nicht so vorgestellt, wie ich es hier finde. Eine solch große und schöne Kirche, eine so große Gemeinde und soviel Volk, das willig ist, Gottes Wort zu hören, das geht ganz über meine Vorstellung Etwa vor 40 Jahren war ich als junger Mensch einmal in dieser Gegend auf der Jagd; damals war hier eine Wüstenei, und die wenigen Menschen, die hier wohnten, waren noch schr wild. Wenn mir damals jemand gesagt hätte: noch 40 Jahren wirst du hier eine große Christengemeinde finden und eine große, schöne Kirche einweihen helfen — dann hätte ich geantwortet: Geh' mit deiner Prophezeihung, das ist ja gar keine Möglichkeit. Und siehe, das Unmögliche hat Gott möglich gemacht, 0 ein wunderbarer Gott! Hier stehe I ich nun vor dieser schönen Kirche und vor einem großen Volk, welches Gottes Wort hört und glaubt, und freue mich sehr, und ich preise Gott über das alles. Und wahrlich, euer alter Lehrer und Prediger (Missionar Behrens sen ), den Gott so reichlich gesegnet hat, und der es nun noch erleben darf, daß er in dieser Kirche predigen kann, hat alle Ursache, dem HErin mit Freuden zu danken. Bedenket aber auch ihr es, ihr Glieder dieser Gemeinde, die ihr vor kurzem noch wild und dumm wäret, was der HErr an euch gethan hat. Er hat euch aus der Finsternis des Heidentums errettet, ihr habt nun das Licht des Wortes Gottes, könnt es hören jinb lesen, könnt euch schöne Häuser bauen und könnt euch schön und anständig kleiden. Das hat der HErr gethan, seid Ihm darum dankbar und gehorsam und habt Ihn lieb und gehorchet auch eueren Lehrern und folget ihnen! Gott zu Ehren habt ihr einen Tempel gebaut. Laßt euer Herz den rechten Tempel sein, daß der HErr bei euch und in euch wohnen könne, damit ihr möget selig werden/ Auch der König hielt dann eine kurze Ansprache. Das ganze Fest verlief aufs Schönste, die Kollekte betrug 424 Mk. Nach der Feier wurde General Joubert von dem König nach seinem Hause geholt, und hat dort noch einmal eine Ansprache an das Volk gehalten. Ec sprach seine Freude aus über die Ordnung und Zucht und über das Haus des Königs und fragte, nachdem er einen Blick über die gegenüberliegenden Häuser geworfen, was für weiße Leute in den schönen Häusern wohnten, und als er hörte, daß das die Wohnungen der Schwarzen seien, ist er aufs höchste erstaunt gewesen. Da die Rede vor nun 7 Jahren den ganzen Mann charakterisiert, der heute in aller Munde ist, war es wohl
nicht überflüssig, auch hier daran zu erinnern, zumal sie uns die Quelle zeigt, aus der er und seine tapferen Buren Kraft und Mut schöpfen.
E-a.
•* In Amerika verstorbene Heffe«. Louisville, Ky., Anton Wiegand, 32 Jahre alt, aus Leibolz Heffen- Naffau. Daselbst. Wittwe Louise Kleber, 69 Jahre alt, aus Landau Kurheffen. Woolwich, Canada, Conrad Stroh, 88 Jahre alt, aus Lehrbach. Liberty Township, Peter Preis, 66 Jahre alt, aus Hessen Darmstadt. Dysart, Ja., Andreas Schreiber, 70 Jahre alt, aus Bischhausen Kurhessen. Philadelphia, Pa., Georg P. Nied enth al, Eckartshausen. Buffalo, N. A., B alt h asar Euler, 68 Jahre alt, aus Münzenberg. Giard, Ja., Daniel Bickel, 82 Jahre alt, aus Nausis Kurhessen.
§ Ruppertenrod, 24. November. Das anderseits beobachtete Meteor wurde auch hier bemerkt, wie wir nachträglich erfahren konnten. In der Mittagsstunde sah ein Beobachter, während die Sonne schien, einen gelblichen Feuerschein in der Richtung von Osten nach Westen, fast im Scheitelpunkt, fliegen. Dem leuchtenden Kern folgte ein meterlanger Feuerschweif. Ein dumpfes, lang anhaltendes Donnerrollen begleitete die Himmelserscheinung. Arbeiter im Walde hatten gleichfalls das gewitterartige Donnern vernommen, das ihnen durch die lange Dauer aufgefallen, ohne aber das Meteor zu sehen. Da die eigenartige Erscheinung am letzten Dienstag stattgefunden, so scheint das Meteor doch ein Nachzügler der erwarteten, aber ausgebliebenen Leoniden gewesen zu sein. Zu verwundern bleibt hierbei, daß die Erscheinung keine weitere Meldungen gefunden. Nur aus Wetterfeld liegt eine solche vor.
A Aus dem Ohmthal, 24. November. Wenn unsere Zugvögel uns verlassen und fernhin nach des Südens Wärme gezogen sind, dann stellt sich alljährlich um diese Zeit eine andere Art von Zugvögeln ein, deren man nicht so froh bewegt entgegensieht, wie den anderen bei ihrer Rückkehr im Frühjahre; wir meinen die Zigeuner. Es ist eine eigentümliche Erscheinung, daß alljährlich um diese Zeil starke Zigeunerbanden die Orte unseres Thales durchziehen. So geschieht es auch Heuer wieder. In kleinen Abteilungen oder auch in größeren bis zu sechs Wagen mit zahlreicher Mannschaft kommen sie angerückt, übernachten und wandern am anderen Morgen wieder weiter. Wo Gendarmerie in einem Orte stationiert ist, da wird die Bettelei der Zigeuner eingeschränkt, wo aber solche nicht vorhanden, da belästigen sie die Leute durch ihre ungenügsame, mitunter freche Bettelei. Bei dieser Wanderschaft der Zigeuner ist es auffallend, daß oft ganz fremde Trupps rasteten, die man früher noch nicht bemerkt hatte. Unser Vogelsberg scheint übrigens den Zigeunern ein gern gesehenes Land zu sein.
□ Laubach, 24. November. Die Frage der Gründung eines Alumnates für Zöglinge des hiesigen Gymnasiums wird jetzt wieder lebhafter hier erörtert. In der Sparkasse liegt für diesen Zweck ein Kapital von 13000 Mk., gesammelt durch Schenkungen, besonders des Herrn Professor Rieger in Darmstadt und durch Beiträge vieler Geistlichen Hessens. Da hauptsächlich Geistliche beigesteuert haben, so beabsichtigt man, in erster Linie in dies Alumnat Pfarrerssöhne aufzunehmen. Es fragt sich nun, wer über dieses Kapital zu verfügen hat. Es dürfte wohl ein Komitee ins Leben treten, in welchem der hessische Pfarrstand vertreten ist.
0 Laubach, 24. November. Der Präsident des landwirtschaftlichen Vereins für Oberhessen, Graf Friedrich zu Solms'Laubach, hat die Geschäfte des Vereins zum großen Teile an den zweiten Präsidenten, Herrn Schlencke auf dem Hardthof, übergeben. Seine an. gegriffene Gesundheit hat den Grafen auch genötigt, andere von seinen vielen Aemtcrn vorläufig abzugeben. Die drei ersten Monate des nächsten Jahres wird er in Italien sich aufhalten. Hoffentlich findet der arbeitsfrohe und verdienstvolle Herr dort neue Kräftigung seiner Gesundheit; ge- chieht dies, so hofft er alle Arbeiten wieder zu übernehmen, auch das Vizepräsidium und die Thätigkeit im Finanzausschuß der ersten Kammer.
— Laubach, 24. November. Die Vorfeier des Geburtsfeftes des Großherzoglichen Paares im fiesigen Gymnasium fand am 24. d. Mts. abends %6 Uhr tatt. Als Festsaal diente der geräumige Zeichensaal, der aufs schönste geschmückt war. Zuerst trugen zwei Schülerchöre unter Leitung des Herrn Dr. Schmidt, der den Ge- angsunterricht erteilt, aus dem „Elias" von Mendelssohn „Wirf dein Anliegen auf den Herrn" und aus dem „Messias" von Händel „Würdig ist das Lamm" vor. Sodann folgte der Klaviervortrag, die Ouvertüre zu „Egmont" von Beethoven, ausgeführt in bekannter Vorzüglichkeit von den Herren Lehramtsassessoren Dr. Schmidt und Müller. Darauf folgten sechs altniederländische Volkslieder für vierstimmigen Männerchor, melodramatisch arrangiert von Herrn Dr. Schmidt, vorgetragen von zwei Obersekundanern und vier Primanern. Die Festrede des neuen Direktors Herrn Professor Balser, behandelte ein literar-historisches Thema, )ie Beteiligung hessischer Fürstern an der „deutschen fruchtbringenden Gesellschaft." Mit einem allgemeinem Gesang „Heil unscrm Fürstenpaar", das vier Strophen hat mit dem Schluß „Herr Gott, zu dem wir flehen, Laß deine Huld sie sehen. Täglich aufs neu", schloß die schöne Feier.
Offenbach, 23. November. 1100 Mark verloren hat vorgestern mittag hier ein junges Mädchen von auswärts. Der Betrag bestand aus mehreren Wertpapieren, die zu einem kleinen Packetchen zusammen gebunden waren.
Offenbach, 24. November. Ein schreckliches Unglück hat sich gestern mittag in dem Hause Austraße 4 ereignet. Im zweiten Stock des genannten Hauses wohnt der Gerber Bücking mit seiner aus Frau und drei Kindern bestehenden Familie. Als Frau Bücking am Mittag wie gewöhnlich das Essen nach der Arbeitsstätte des Mannes brachte, schloß sie die beiden 5 und 2 Jahre alten Kinder
ein. Um 12 Uhr bemerkte das ans der Schule heimkommende älteste Kind der Bücking'schen Eheleute, daß Rauch aus der verschlossenen Wohnung drang. Es rief Hilfe herbei, ei« Nachbar brach die Thüre auf und nun bot sich dem Ein- tretenden ein fürchterlicher Anblick dar. In einer Ecke deS Flurs kauerte die vollständig verkohlte Leiche des fünfjährigen Mädchens; in den verkohlten Händchen hielt eS die ausgebrannte Pelroleumkanne, während die Wand, gege» die es sich gekauert hatte, leicht angebrannt war. DaS andere, zweijährige Kind wurde unverletzt und weinend i« der Stube gefunden. Wie sich herausstellte, war das verbrannte Kind auf einen Stuhl geklettert, um die auf einem Brett stehende Petroleumkanne herabzuholen; es war damit zum Feuer gegangen, hatte Petroleum in dieses gegoffen und damit eine Explosion verursacht, die sofort auch daS ganze Kind ergriff. Brennend muß es dann, die Petroleumkanne krampfhaft festhaltend, auf den Flur gelaufen sein, wo eS denn hülflos starb. Das Schreien des Kindes konnte nicht gehört werden, da das Stockwerk unter der Bücking'schen Wohnung augenblicklich leer steht. Den bedauernswerten Eltern bringt man allseitige Teilnahme entgegen, zumal dieselben bereits 4 Kinder durch Tod verloren haben. (O.Z.)
Bensheim a. d. B., 24. November. Heute Nacht kurz nach 2 Uhr brach in der Scheuer des Landwirts JohS. Bender Großfeuer aus, das fünf gefüllte Scheuern mit Stroh und Futtervorräten nebst Stallgcbäuden sowie vier Wohnhäuser vollständig in Asche legte. Durch die hiesige und benachbarte Feuerwehr wurde der Brand gegen Morgen auf seinen Herd beschränkt. DaS Vieh wurde gerettet, auch das Inventar aus den Wohnhäusern. Die Eigentümer sind teilweise versichert. Es wird Brandstiftung vermutet.
Mainz, 23. November. Gegen den Schutzmann Raab wurde bekanntlich eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet, weil er eine russische Dame aus Wiesbaden vollständig ungerechtfertigt nach dem Polizeibezirk verbrachte. Das Polizeiamt erläßt jetzt an sämtliche Polizeibezirke ein Rundschreiben, die Schutzmannschaft derart zu instruieren, daß solche Vorfälle, die das Ansehen der Polizei nur herabwürdigen können, nicht mehr vorkommen. Jede unbegründete Festnahme durch Schutzleute würde, falls Voraussetzunge« des § 341 des Strafgesetzbuchs vorlägen, straf gerichtlich, andernfalls aber disziplinarisch streng geahndet werden. In dem Schreiben wird weiter bemerkt, daß sich der Schutzmann Raab demnächst wegen seines Vorgehens, das anscheinend den Selbstmord der Dame veranlaßt hat, zu verantworten haben werde.
Mainz, 24. November. Perronsperre. Die Einrichtungen der Perronsperre im Zentral-Bahnhofe dürften binnen kurzem eine allgemeine Veränderung erfahren. Sie erfordert im Bahnhofgebäude selbst einen zu großen Beamtenapparat und an eine Erwärmung der Wartesäle ist gar nicht zu denken, weil der Ausgang zu den Zügen durch diese geschieht und die Thüren dadurch immer offenstehen. Man will nun doch die beiden Gänge, die vom Vestibül aus nach den Wartesälen führen, absperren. Dadurch werden die Wartesäle der freien Benutzung entzogen.
Oppenheim, 23. November. Angeblich, um für sein Geschäft Reklame zu machen und einen Beweis seiner künstlerischen Leistungsfähigkeit zu geben, hat der Spengler Peter Schleicher von Hillesheim einen Auftrag derart auS- geführt, daß er ihn ein gutes Stück Geld kostet. Schleicher erhielt von dem Bürgermeister den Auftrag, ein Warnungsschild an einen Gemeindebrunnen anzufertigen. Der Spengler kam dem Auftrag auch nach, benützte aber die Gelegenheit, um dem Polizeidiener, mit dem er nicht gut stand, eins anznhängen. Er brachte nämlich auf dem anzufertigenden Schild über der Schrift das Brustbild eines Polizeidieners mit einem großen roten Bart, wie ihn der Polizist trug, an. Das angeschlagene Schild erregte selbstverständlich bei der Einwohnerschaft Heiterkeit und Aufsehen und wurde nach einigen Stunden von dem Unfertiger wieder abgenommen. Als der Bürgermeister am nächsten Tage das Schild zu sehen verlangte, war von der Figur der Kopf abgeschlagen. Auf den auf Weisung Großh. Kreisamts erfolgten Strafantrag wurde heute der Angeklagte wegen Beamtenbeleidigung zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt und, weil er sich noch einer weiteren Beleidigung desselben Beamten schuldig gemacht hatte, in eine zweite Geldstrafe von 10 Mark genommen.
Wiesbaden, 24. November. Heute mittag versuchte der Schneidergeselle Fix seine Geliebte zu erschießen und brachte sich dann selbst einen Schuß in den Kopf bei. An dem Aufkommen des Mannes wird gezweifelt. Die That scheint in beiderseitigem Einverständnis ausgeführt z« sein. Felix, der verheiratet ist, hatte seine Geliebte am Bußtag von Frankfurt herübergebracht.
Hofgeismar, 23. November. Oberst von Braun, der frühere Kommandeur des hiesigen Dagoner-Regiments, ist in Prätoria in Transvaal angekommen, um in den Reihen der Buren gegen die Engländer zu kämpfen.
Gerichtssaal.
Berlin, 24. November. Graf Günther von Königsmarck, dessen Namen aus Anlaß seiner Vernehmung im Harmlosen-Prozcß genannt wurde, spielte in einem Prozeß die Hauptrolle, der das Schöffengericht am Amtsgericht II beschäftigte. Graf K. hatte lange Zeit hindurch mit einem Fräulein Löwe ein Verhältnis unterhalten und diese Dame, wie die Verhandlung ergab, in die Kreise, in denen er zu verkehren liebte, als seine Frau eingesührt. Der Lump hatte von de» Fräulein deren Brillanten entlehnt und versetzt. Nachdem fie lange vergeblich die Rückgabe verlangt hatte, erhielt die L. endlich — die verfallenen Pfandscheine. Er be-chwichtigte das Fräulein dadurch, daß er ihr einen Ehrenschein gab, laut welchem er ihr 90000 Mark zusicherte, falls er sie nicht heirate. Im Mai dieses Jahres reiste « nach Dresden und versprach in acht Tagen zurück zu sein. Er kam auch zur festgesetzten Zeit und erklärte dem Fräulein L. ganz unvermittelt, sie müsse innerhalb zwei Stunden seine Villa verlaffen, denn er habe sich in Dresden mit einer Schauspielerla verheiratet — was thatsäch- lich der Fall gewesen ist — und seine nunmehrige Gattin werde alsbalv cintreffen. Fräulein Löwe verließ die in Groß Lichterfelde gelegene Bill»
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