schlecht bekleidet, aber Prächtige Gestalten. DaS Theater bietet ganz eigentümliche, nur Orientalen verständliche Genüsse. Nach der Rückkehr an die Küste fuhr die ..Bohemia", die unsere Reisegesellschaft trug, der kleinasiatischen Südküste entlang nach dem noch immer bedeutenden Rhodos, dann nordwärts zur Propontis. Glanz- und Endpunkt dieser orientalischenMeise war die Einfahrt ins goldene Horn. Den Veranstaltungen eines Selamlik wurde eine eingehende Schilderung gewidmet. Es seien noch kurz die Haupt« stationen der Rückreise erwähnt: Piräus-Athen, eine saubere, aufstrebende Stadt, so recht der Gegensatz zu den orientalischen Städten, Malta mit seiner anglisierten Bevölkerung, Tunis, Kartago, Palermo, Neapel, Genua.
•* Noch einmal die Millionäre in Hessen. In der Zeitschrift für Staats- und Gemeindeverwaltung im Großherzogtum Hessen findet sich, wie wir kürzlich schon berichteten, eine steuerpolitische Studie, aus der Feder des Offenbacher Beigeordneten Wolff, welche eine ziemliche Verwirrung in den Köpfen rücksichtlich der Zahl der Millionäre in dem Großherzogtum Hessen anrichtete, besonders dadurch, daß kurze Auszüge vielfach in der Presse Aufnahme fanden, auch in der außerhessischen. Wir selbst hatten davon keine Notiz genommen, da die Unwahrscheinlichkeit der in dem Artikel niedergelegten Behauptungen auf der Hand lag; war in dem Auszuge doch gesagt, daß sich im Großherzogtum Hessen 315 Millionäre befinden, davon 80 in Mainz, 54 in Darmstadt, 54 in Offenbach, 26 in WormS, der Rest von 101 in den übrigen Wohnplätzen des Großherzogtums. Jetzt wird dem „Mainzer Anzeiger" über diese Behauptung geschrieben: Wären diese Zahlen richtig, was sie leider in keiner Weise sind, so wäre das Großherzogtum ein sehr kapitalkräftiges Ländchen, besonders könnte Preußen dieses Großherzogtum beneiden, denn ihm blieben verhältnismäßig nur etwa halb so viel Millionäre zu verzeichnen. Eine ernsthafte Prüfung gelangt jedoch zu ganz anderen Ergebnissen. In der Arbeit Wolffs sind einfach die Jahreseinkommen von 40,000 Mk. ab zusammengezählt, 40,000 gewissermaßen als die Ertragssumme zu 4 Prozent von einer Million. Im besten Falle hätten wir also in Hessen 315 Einkommenmillionäre, wirkliche Millionäre und, sagen wir, guasi-Millionäre. Aber selbst diese nackte Zahl ist etwas richtig zu stellen. Herr Wolff hat nämlich unterlassen, die 38 nichtphysischen Personen (Aktiengesellschaften u. s. w.) im Großherzogtum, welche ein Einkommen von 40,000 Mark und darüber erzielen, in Abzug zu bringen. Es bleiben also nur 277 physische Personen mit einem Jahreseinkommen von 40000 Mk. und darüber übrig. Nun ist aber der Millionärsbegriff ein ganz feststehender. Man versteht darunter eine physische Person mit einem reinen Vermögen von 1 Million in Deutschland selbstverständlich Mark. Ein Fabrikant in Offenbach nun, der mit seinem Vermögen einen zehn- prozentigen Nutzen von 40000 Mk. erzielt, braucht deshalb nur ein Vermögen von 400000 Mk. zu besitzen, er ist also kein Millionär. In der heutigen Zeit einer geschäftlichen Hochkonjunktur sind aber die Gewinnquoten von 10 und noch mehr Prozent nichts seltenes. Wir glauben daher kaum fehl zu greifen, wenn wir unter der Zahl von 277 pysischen Personen in Hessen mit einem Jahreseinkommen von 40000 Mk. und darüber bestensfalls die Hälfte als wirkliche Millionäre vermuten, mithin 138. Eine genaue Statistik der hessischen Millionäre wird erst möglich sein nach Einführung der Vermögenssteuer. In Preußen, wo die Vermögenssteuer seit 1895 besteht, finden wir für 1897 bis 1898 die Zahl derjenigen Vermögenssteuerpflichtigen, welche ein Netto-Vermögen von 1 Million Mark und darüber versteuern, mit 5440 angegeben. Da die Bevölkerung Preußens zu Hessen sich etwa auf 31 :1 stellt, so bliebe die Zahl der Millionäre in Hessen im Vergleich zu Preußen relativ ein wenig zurück. Die Quote für Hessen stelle sich auf 175, während die Vermutung nur für 138 spricht. Gerade aber dieser Umstand ist geeignet, unsere Vermutung zu bestärken. Wie die Steuerlisten lehren, befinden sich in Preußen verhältnismäßig mehr große Einkommen, in Hessen dagegen überwiegen im Vergleich zu Preußen, wiederum verhältnismäßig, die mittleren Einkommen. Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß in- bezug auf das Vermögen das Verhältnis sich wesentlich anders gestaltet. Vom volkswirtschaftlichen Standpunkt
Sie war gezwungen, gesellschaftlich mit Moulinet und seiner Tochter Athenais zu verkehren, die mittlerweile der Herzog geheiratet hatte. Der letztere hatte wohl das kalte Verhältnis zwischen Derblay und seiner Frau bemerkt, und er nahm die Gelegenheit wahr, sich ihr zu nähern, indem er darauf hinwies, daß Derblay stets um Athenais bemüht sei. Jetzt erfaßt sie die Eifersucht; sie weist den Herzog entrüstet zurück und fordert Athenais auf, sich wenigstens für einige Zeit von ihrem Hause fern zu halten. Als diese nicht darauf eingeht, führt Claire einen Eklat herbei, indem sie öffentlich den Herzog ersucht, seine Frau fortzuführen, wenn er nicht wolle, daß sie sie vor aller Welt fortjage. Da Derblay die Worte seiner Frau billigt, so ist ein Duell zwischen dem Herzog und Derblay unabwendbar.
Derblay hat die Nacht vor dem Duell durchwacht. In der Stille des in Schlaf versunkenen Hauses hört er das Geräusch fortwährender Schritte, die seiner unglücklichen Frau. Er hört, wie sie sich seiner Thür nähert; allein sie öffnet nicht, sondern kehrt um, immer noch Widerstand im Herzen.
Am andern Morgen treten die Duellanten an; der Herzog schießt zuerst und trifft nicht Philippe, sondern Claire, die ihrem Manne heimlich nachgeeilt ist und sich im Augenblick der Gefahr vor ihn geworfen hat. Zum Glück ist ihre Verwundung ungefährlich; jetzt erst gesteht sie ihre Liebe zu Philippe, und sie weiß sich nunmehr selig im Be- sitze ihres geliebten Mannes.
aus ist zweifellos der stärkere Mittelstand in Hessen gegenüber der größeren Zahl der Millionäre in Preußen auch ein Vorzug.
Vilbel, 22. November. Eine Thüringer Gesellschaft plant hier die Errichtung einer Zentrale für elektrisches Licht, welche die umliegenden Orte bis einschließlich Ober-Eschbach, Holzhausen, Okarben, Kilianstädten, sowie Bergen-Enkheim usw., etwa 25 Orte im ganzen, mit Beleuchtung versorgen soll. In einer gestern abgehaltenen, sehr stark besuchten Versammlung sprach Ingenieur Brockmann von Offenbach über das Projekt, wobei den Konsumenten 27, Pfg. für die Brennstunde oder ein Bauschsatz von 36 Mk. für das Jahr für die Glühlichtlampe berechnet werden soll. Bürgermeister Mühlschwein, Beigeordneter Kalbhenn, sowie verschiedene Herren der Bürgerschaft sprachen sich unter dem Beifall der Versammlung im wesentlichen für das Projekt aus. (D. Z.)
+ Darmstadt, 24. November. Gestern mittag versuchte ein hiesiger Rentner (der frühere Gastwirt und Weinhändler G. Sch.), der in geordneten Verhältnissen lebt, seinem Leben ein Ende zu machen. Der mit melancholischen Krankheitserscheinungen behaftete Mann, ca. 55 Jahre alt, Witwer, stürzte sich bei Erfelden in den Rhein. In der Nähe befindliche Schiffer veranlaßten aber alsbald dessen Rettung und wurde der schon bewußtlose Körper des Lebensmüden nach anstrengenden Belebungsversuchen wieder zum Bewußtsein gebracht, sodaß man ihn hierher zu seinen Angehörigen schaffen konnte. Ernstliche Folgen werden voraussichtlich nicht eintreten.
= Darmstadt, 23. November. In der heute im großen Römersaale in Frankfurt a. M. stattgehabten Mitglieder- Versammluug des Vereins für das Großherzogtum Hessen und die Provinz Hessen-Nassau zur Beschäftigung Arbeitsloser wurde an Stelle des seitherigen Vorsitzenden, Wirklichen Geheimrat Dr. Goldmann, der sein Amt wegen vorgeschrittenen Alters niederlegte, Herr Ministerialrat Braun-Darmstadt einstimmig zum Vorsitzenden erwählt. — Als Revisions-Kontrolleur wurde an Stelle des ebenfalls freiwillig sein Amt niederlegenden Rechnungsrat Wambold, Herr Ministerialbuchhalter Nechnungsrat Kalbfleisch-Darm- stadt ernannt.
Mainz, 24. November. Ueber die Angelegenheit Blad sind ^letzter Zeit mehrfache Notizen durch die Presse gegangen, die einer Richtigstellung bedürfen. Richtig steht, daß Herr Dr. Horch im Auftrage der Bürgermeisterei vor kurzer Zeit in Berlin war, um verschiedene wichtige Fragen zur Erledigung zu bringen und daß dort die Angelegenheit so gefördert wurde, daß die Auszahlung des der Stadt Mainz zugefallenen Betrages in aller Kürze zu erwarten steht. Der ziffermäßige Betrag des Legates läßt sich erst dann feststellen, wenn auch für Berlin die kaiserliche Genehmigung zur Annahme der Erbschaft, die bis jetzt nur für Mainz erteilt wurde, eingetroffen sein wird. Doch sei bemerkt, daß niemals ein höherer Betrag als 250000 Mk. für die Stadt Mainz angenommen wurde, da Berlin ohnedies die Hälfte der ganzen Erbschaft zu beanspruchen chat und von dieser selbst namhafte Beträge für Erbschaftssteuer, Kosten der Nachlaßpflege in Berlin, Legate an Verwandte, Abfindungssummen an solche u. s. w. in Abzug kommen. Prozeßkosten sind der Stadt Mainz überhaupt nicht erwachsen; vielmehr haben die von unserer Stadt angebahnten und zu Stande gebrachten Verständigungen mit allen in Betracht kommenden Interessenten die Grundlage gleicher Verständigung für die beiden anderen Städte gebildet. Der hiernach der Stadt Mainz zufallende große Betrag wird unter allen Umständen eine namhafte und in hohem Maße dankenswerte Förderung der von dem Testator ins Auge gefaßten künstlerischen und kunstgewerblichenBestrebungen bilden.
Frankfurt a. M., 24., November. (Ein Gauner.) Als die alleinstehende Verwandte eines in der B—straße wohnenden Babiers gestorben war, ging dieser in ihre Wohnung, um für die Vorbereitungen der Beerdigung zu sorgen. Von dem Hausverwalter wurde ihm ein am Morgen für die Verblichene angekommener Brief überreicht. In dem Schreiben wurde die Tote um baldige Regelung ihrer Lebensversicherungspolice ersucht. Brief und Kouvert trugen
Die Aufführung war eine ganz vortreffliche. Natürlich war die Vorstellung, wie alle Volksvorstellungen so gut besucht, daß „kein Apfel zur Erde fallen konnte." Auf die Einzelleistungen kommen wir gelegentlich der in Aussicht genommenen Wiederholung noch zurück. „Volksvorstellungen" in dem Sinne, wie sie ursprünglich gedacht und in die Wege geleitet wurden, sind diese Vorstellungen übrigens keineswegs. Abgesehen von dem sich regelmäßig abspielenden Konkurrenzkampf um die Plätze nimmt die letzteren durchschnittlich ein Publikum ein, das sonst nicht gern unter das „Volk" gerechnet sein will. Selbst 20 Pfg. für die Garderobe ist den meisten zu teuer! In diesem Sinne repräsentieren die meisten aber wider Willen das verpönte „Volk."
Der Humor der Bühne ist, so plaudert btr Tbeater- Chroniqueur des „Wiener Frdbl." in der letzten Sonntagsnummer dieses Blattes, der schonmigsvollste und trotzdem stets sieghafte Be- kämpfer ihrer Aufregungen. Der Bühnenhumor ist denn auch Im besten Sinne des Worts der Freund der Bühnenmenschen, ihr Lehrer und bet Gelegenh ik auch tbr Kritiker. Wie fein wus>te sich beispielsweise der Hoflaprllmetster Richter seit Jahren des Bübnen- humors zu bedienen, um dm verschiedenen Stierkämpfern in der * per „Carmen" nahezulegen, ihre Stimmkraft zu dämpfen. Die Partie des Escamillo ist unter den Baritonen und Bassisten aller Opernhäuser als Schreipartie verschrieen. U willkürlich verleitet die rhythmische St oft, w lche das ganze Werk durchzieht, zu wuchtiger Tongebung. Hans Richter aber liebt die Oper Blzets, die er im Jadre 1875 in Wien unter Jauners Di-rktwn aus der Taufe gehoben und seither stets dirigiert hat. Dies war auch bei der jüngsten
die Aufschrift: „Allgemeine Lebensversicherung für In- uni> Ausland". Als der Barbier noch den Brief ansah, kam ein Kassenbote mit blauer Mütze und Initialen A. L., sowie einer ledernen Aktenmappe unter dem Arm. Er erklärte, er habe jedes Vierteljahr 37.35 Mk. bei der Verstorbenen als Beitrag für ihre 10000 Mark betragende Lebensversicherung geholt. Der Bote that sehr verwundert, als er von dem Tode der alten Dame hörte. Nach einigem Kopfschütteln meinte er, es wäre sehr schade; wenn die Rate nicht bezahlt würde, würden natürlich auch die 10000 Mk. verfallen. Ec lieh sich von einem Bekannten das Geld und händigte es gegen Quittung dem Kassenboten aus. Dieser gab ihm noch den Rat, um allen Scherereien, aus dem Wege zu gehen, möge der Barbier sofort den Polizeilich beglaubigten Totenschein der Gesellschaft einsenden, dann bringe er ihm die 10000 Mark. Ordnungsgemäß erledigte der Barbier alle Formalitäten und hoffnungsvoll ging er nach dem angeblich in der Schäfergasse belegenen Bureau der Versicherungsgesellschaft. Nachdem er Haus für HauS abgesucht hatte, wurde er gewahr, daß er einem Betrüger in die Hände gefallen war.
Frankfurt a. M, 24. November. Ein Mädchen-- gymnasium in Frankfurt. Der Vorstand der Frankfurter Abteilung des Vereins Frauenbildung-Frauenstudium erläßt folgendes Rundschreiben: „Einem zeitgemäßen, in weiten Kreisen lebhaft empfundenen Bedürfnis Rechnung tragend, hat die hiesige Abteilung des Vereins Frauenbildung - Frauenstudium beschlossen, — vorbehaltlich der ministeriellen Genehmigung — ein fünfklassiges Mädchengymnasium an hiesigem Orte ins Leben zu rufen. Der Lehrplan ist von ersten Sachverständigen unserer Stadt beraten. Soll unser Unternehmen in einer Frankfurt würdigen, weitgehenden Ansprüchen in Bezug auf Erziehungsund Lehrresultat genügenden Form ins Leben treten und sich entwickeln, so bedarf es jedoch der thatkräftigen Mithilfe unserer Mitbürger. Frankfurt stand stets mit an der Spitze aller fortschrittlichen Bestrebungen, und- wir hoffen daher zuversichtlich, es werde auch nicht zurückbleiben, wo es gilt, begabten Töchtern den Weg zu höherer Bildung und befriedigender Berufsthätigkeit zu ebnen.
Hofgeismar, 22. November. Um die durch das Ableben des Bürgermeisters Schirmer erledigte hiesige Bürg erweist er stelle haben sich 70 Bewerber gemeldet.
Vermischtes.
* Heilbronn, 23. November. Als einen Beweis derPopularitätunseresStadtoberhauptes führen die Blätter an, daß ein eben vom Stapel gelaufenes Last- schiff für den Neckar den Namen „PaulHegelmaier" erhielt. Dieser Name enthält sicher eine gute Vorbedeutung; dieses Schiff dürfte immer eine volle Ladung haben!
* Aus dem Eisenacher Oberland schreibt man uns: Zur Nachahmung zu empfehlen ist eine Anordnung des Großh. Schulinspektors in Dermbach vom 26. Oktober d. Js., in der es heißt: „Mit vollem Rechte wird vom Großh. Staats- minifterium gemißbilligt, daß die englischen Stahlfedern den gleichartigen und teilweise besseren deutschen Fabrikaten vorgezogen werden, und dadurch alljährlich große Summen der deutschen Industrie verloren gehen. Es wird daher angeordnet, daß, soweit cs ohne erheblichen Nachteil der noch mit Vorräten versehenen Geschäftsleute geschehen kann, in den Schulen des vierten Bezirks nur noch deutsche Stahlfedern Verwendung finden." Als vorzügliche deutsche Stahlfedern werden am Schluffe der Verfügung die von Brause u. Co. in Iserlohn empfohlen.
Für die verwundeten Buren gingen bei uns ein (bis 24. November):
Bücking, Gießen 20 Mk, C. H., Gießen 5 Mk., Sp., Gießen 7.50 Mk., C. B-, Gießen 10 Mk., Frau E. B. N. und Fräulein S., Gießen 3 Mk., Stadtrat E., Gießen 5 Mk., Klasse 4a. der höheren Mädchenschule in Gießen 10 Mk, Postkaffierer Stroh, Gießen 5 Mk., Heinrich Schaffstaedt, Gießen 20 Mk., Forstmeister Baumann Strupbach 5 Mk., Louis Plank, Gießen 10 Mk., A. S., Gießen 1 Mk., Apotheker Schmieder, Gießen 6 Mk., Geh. Hofrat Prof. Dr. Heß, Gießen 10 Mk., N., Gießen 2 Mk., Ungenannt in Gießen 3 Mk., Klasse 1. der höheren Mädchenschule in Gießen 5 Mk., W. Leicht, Gießen 1 Mk., R. W., Gießen 4 Mk. Summa 359.50 Mk.
Weitere Gaben nimmt die Expedition dieses Blattes gern entgegen. Die Expedition.
„Carrnen"-Auffübrung in der Wiener Hofoper der Fall. Herr v Reichenberg sang den Escarnillo. Da war etz nun eine der liebens würdigsten Gewohnheiten des Dirigenten Richter, bei jener St,lle, da der Stierkämpfer singt: „Und er brüllet fürchterlich!..." vorn Orchesterpult aus dreimal mit dem Kopfe dem Sänger zuzur.icken, um seine überaus lebhafte Zustimmung zu dieser Meinungsäuß-rung auszudrücken, die allerdings von rechtswegen den versolgtrn Stier und nicht den Stierkämpfer ongebt. Demgemäß war Richter auch bei der letzten „Carmen"-Aufführung zum „Empfange" jener intereffanten Texlstelle bereit, um seine Kritik in das Gewand des Humors zu kleiden. Doch da gtschah etwas Unerwartetes. Der Passus kam, und EScamillo Retchenberg sang, den Bttck fest und erwartungsvoll auf das Antlitz deS Dirigenten gerichtet: „Und er brüllet wutentbrannt!"... Das war ein starke« Stück. Kapellmeister Richter sah sich um seine Pointe betrogen und mußte betrübt wahrnehmen, wie seine Lieblinge im Orchester die Gelegenheit zur Ue’rung stiller Heiterkeit schmerzlich verm'ßten. Nach Aktschluß gmg er daher auf die Bühne, um Herrn v. Retchenberg zur Rede zu stell n. „Aber, Herr Hofkap llmetster," antwortete der Sänger, „heul' hab ich ja die schwächere Lesart 'bracht. Was möchten'« denn tbun, man^ ich 'S nächste Mal sag: „Und er bicket fürchieUtch", das wäre doch auch ganz gut möglich und gut Deutsch und Sie könnten absolut nicht htnaufnicken." - „Ader richtig ist eS n-cht," entgegnete Richter, „denn es steht nicht so im Buch. Uebr'gen is 's mir doch noch lieber, wenn Sie das mit dem „blicket fürchterlich" bringen, als das mit dem „wutentbrannt"." — ;2Baruai ist 3 men denn da« „blicken" lieber, Herr Hofkapellmetster?" fragte ein Tenor der das heitere Zmischenaklgespräch mit angehört hatte. — „Weil die Bassisten" — meinte Herr Richter — „Alle durch die Bank, doch nur vokaltsteren möchten: „Und er blöket fürchte tich —" und da komm' ich halt doch wieder auf meine alte Rechnung"." — So kann ein Kapellmeister mit Humor auf die Sänger erziehmd wirken; denn jeder Bassist wird sich bei solch' witziger Wachsamkeit eines Dirigentw hüten, das beliebte „ö" statt „i‘ zu fingen.
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