Ausgabe 
26.7.1899 Erstes Blatt
 
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In letzteren tritt uns vielfach die Kunst Tischbeins ent- qeqen, der im vorigen Jahrhundert für die Höfe das bedeutete, was heute der Pinsel eines Fritz August v. Kaul - b Q chEinzelnerer Bilder wecken lebhafte geschichtliche Er­innerungen. Wem erstünden beim Anblick des schon stark nachaedünkelten Portraits Wilhelms von Nassau (1533 bis 1584) nicht die großen Tage des niederländischen Befreiungs­kampfes, in welchem Wilhelm der Große oder der Stille am 10. Juli 1584 zu Delft von den Händen eines lesuiti- schen Meuchelmörders als Opfer fiel. Und unwillkürlich zieht durch unser Ohr die stramme Melodie des altmeder- ländischen Volksliedes:Wilhelmus von Nassauen bin ich, aus echtem deutschen Blut."

Die Portraits des Großen Kurfürsten und seines Sohnes Friedrichs des Ersten, der die Königswürde an das branden­burgische Haus brachte, vergegenwärtigen uns die Familien- bande, die einst zwischen den Häusern Brandenburg und Nassau-Oranien bestanden. .

Andere Bilder wirken wieder nur rem repräsentativ wie das stattliche Portrait des Fürsten Karl Christian von Nassau-Weilburg (1735 bis 1788), der in der Ordenstracht des dänischen Elephantenordens ausgenommen ist.

Wie kommt ein Bild der russischen Kaiserin Katha­rina II. nach Schloß Weilburg? Der Zusammenhang erklärt sich aus der Thatsache, daß em Pnnz von N assau- Siegen, Karl Heinrich Nikolaus Otto, geb. 1<45, eine Zeit lang in russischen Diensten stand, einen Teil der Flotte im Schwarzen Meer befehligte, den Türken schwere Niederlagen beibrachte, und von der klugenSemirami e Nordens", die sich auf das Auswählen ihrer Leute verstand, als Geschäftsträger in der wichtigen Angelegenheit der Teilung Polens verwendet wurde.

Nicht achtlos vorübergehen wird man an emem

Mittwoch den 26 Juli

1809

Erstes Blatt.

Amts- unb Anzeigeblatt für den Rreis Giefzen.

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Mannheim.

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betrug der Verkehr nahe an 1000 Millionen Mark. Aus dem äußerst umfangreichen und gewinnbringenden Zwischen­handel, welchen England früher über See für uns führte, ist es fast verdrängt. Seit 1873 ist unser Verkehr mit England an Tonnenzahl nur um 88, im letzten Jahrzehnt um 35 Prozent gestiegen, dagegen nach Schweden um 97^ Oesterreich Ungarn um 341, Nordamerika um 128, nach Mexiko, Mittel- und Südamerika um 317, nach Ostindien und Ostasien um 488, nach Australien um 475, nach Kap- land um 270, nach der Levante um 2261 Prozent gewachsen. Kolonien hatten wir vordem nicht. Unsere Hochsee-Flscherei in der Nordsee, die früher den Engländern überlassen war, ist seit 1873 von 5100 auf 52 600 Tonnen gestiegen, also um mehr als das Zehnfache. Die Tonnenzahl des über­seeischen Handels-Verkehrs hat sich in Hamburg allem fett 25 Jahren verdreifacht, im Geldwert verdoppelt.

Die Hamburg-Amerikanische Dampferlime und der Norddeutsche Lloyd sind die größten Reedereien der Welt geworden. Das Kapital der überseeischen Damfschiffahrts- Aktiengesellschaften Hamburgs ist auf beinahe 900 Millionen Mark gewachsen. Die Zahl unserer Dampfer hat sich tn derselben Zeit mehr als versechsfacht, ihr Tonnen Gehalt mehr als verzehnfacht. Dazu haben wir angefangen, uns bedeutend am Plantagenbau zu beteiligen; deutsche Hauser sollen gegen 20 Millionen Mark in Kaffee-Plantagen Venezuelas gesteckt haben, sehr viel liegt in solchen auch in Honduras, in Guatemala und in den deutschen Kolonien. Auf unseren Werften werden fremde Kriegsschiffe gebaut. Ueberall in der Welt weht jetzt unsere Konsularflagge.

Und Deutschland ist das einzige Land, welches einen so riesigen Handels-Aufschwung genommen hat; m derselben Zeit, wo der deutsche Gesamt-Handel um 1100 Millionen Marl zunahm, sind nicht blos der russische und französische, sondern auch der englische Handel stehen geblieben oder zurückgegangen. Der Verruf unserer Waren durch das Bekenntnis zum made in Germany hat nicht unserer, sondern der englischen Industrie ins Fleisch geschnitten. Es ist kein Zweifel, zu glühender Eifersucht hat England reichen Anlaß erhalten. .

Milliarden stehen also auf dem Spiel. Für alle deutschen Landesteile ist eine Lebensfrage, daß unser Außen­handel nicht vernichtet werde. Die Export-Industrie hat mittelbar und unmittelbar überall überseeische Interessen qeschaffen. Die tropischen und halbtropischen Genußmittel, an welche wir uns gewöhnt haben, müssen fast ganz mit Erzeugnissen unserer Industrie bezahlt werden. Selbst unsere Landwirtschaft ist zu einem Sechstel an der Gesamt-

N«zugs»rei« vierteljährlich 2 Mark 20 Pf«, monatlich 75 Pf«, mit Bringerloh«.

Bei Postbezu« 2 Mark 50 Pf«, vierteljährlich.

Willig M13.

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Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt Müller für hessische Volkskunde.___________

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Gießener Aiyeiger für die Monate August und September werden von allen Postanstalten, Zeitungs- trägern und der Expedition, Schul­straße 7, sowie den Zweigstellen, jederzeit entgegengenommen. _________

Bekanntmachung,

betreffend Maul- und Klauenseuche.

Wegen der z. ZI. in Heuchelheim, Kinzenbach, Münch­holzhausen, Großen-Linden und Leihgestern herrschenden Maul- und Klauenseuche und der dadurch in erhöhtem Maße vorhandenen Seuchengefahr wird der am 1. und 2. August d. Js. vorgesehene Viehmärkt zu Gießen hiermit verboten.

Gießen, den 24. Juli 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Boeckmann.

bis 200 PS

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Wehmer Anzeiger

Heneral-Anzeiger

25.45

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Amtlicher Wl-

Bekanntmachung.

Nachdem die Seuche in Pohl-Göns und Ober- Erlenbach, Kreis Friedberg, mehrere Gehöfte ergriffen hat, ist die Sperre über die Gemarkungen verfügt worden. Das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen durch die Gemarkungen Pohl-Göns und Ober-Erlenbach ist unter­sagt, die Ausfuhr von Tieren der genannten Arten nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung auf Grund schriftlicher von der Großh. Bürgermeisterei unter Beobachtung der Vor­schriften des § 59, letzter Absatz der Instruktion zum Reichs­viehseuchengesetz zu erteilender Erlaubnis gestattet.

Gießen, den 22. Juli 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Bechtold.

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Feuilleton.

Gin Tag in Weilburg.

Originalplauderei für bettGießener Anzeiger".

Es ist merkwürdig still in diesem Lahnstädtchen, das trotz seiner anmutigen Lage und in nächster Nachbarschaft ton Ems und Nassau von Fremden weniger gesucht und besucht wird als die Ortschaften am Rhein. Weilburg besitzt ein Landgericht, ein Gymnasium, auch Militär liegt daselbst das Leben wird also wohl dort so wenig still stehen wie anderswo, nur hat es für den vorüberziehenden Gast, der vielleicht seine Skizzenmappe mit ein oder dem anderen Punkt aus Weilburgs Umgebung füllt, den Anschein, als bewege sich hier alles in langsamerem, gemächlicherem Tempo. Zn diesem Gefühl trägt ungemein stark das mächtige, burgartige Schloß bei, das sich mit seinen geschlossenen Augen in der Qabn spiegelt, und unter dessen schützenden Manern die Einwohner von Weilburg gleichsam im Schatten einer stolzen Vergangenheit zu schlummern und zu träumen scheinen.

Zu träumen! ? Wovon? rr

Die dreihundert und zwanzig Zimmer des Schlosses, dessen Bau ans dem vorigen Jahrhundert stammt, bergen manch wertvolles Stück, manche interessante Erinnerung an die Vergangenheit, an die Tage des residenzlichen Glanzes, der Blütezeit des Nassauischen Fürstenhauses.

Der Besitzer, der gegenwärtige Großherzog von Luxem­burg, betritt Weilburg so wenig wie eins seiner anderen nassauischen Schlösser. Aber die Pietät für die Vergangen­heit hat ihn bewogen, die alte Einrichtung vollständig intakt zu lassen. Kein Prunkmöbel, kein Portrait ist nach Luxem­burg geschafft worden, alles wird vielmehr so gut im Stand gehalten, als könne der Herr jeden Tag tu den epheu- umsponnenen Schloßhof einfahren. Ist doch für das Schloß

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sogar eigens ein Dachdecker angestellt, der die von Zeit zu Zeit notwendigen Reparaturen zu besorgen hat.

Der die Fremden herumführende Kastellan weiß Bescheid in den Erinnerungen und Wertstücken der verlassenen Residenz, in der sich namentlich altes, kostbares Mobiliar befindet: Tische mit kunstvoll eingelegten Elfenbein-Platten, Truhen ans Cedernholz, ein Schrank, der seine 345 Jahre zahlt, Tischdecken mit echter Handstickerei, Seidentapeten, die ihren Glanz Über ein Jahrhundert bewahrt habendem prachtvoll gestickter Teppich, den die Frauen und Mädchen von Weil bürg anläßlich der Thronbesteigung des Herzoglich Nassaui­schen Paares gestiftet hatten u. dgl. Als Kuriosität wirkt ein Zimmerboden mit Zinneinlagen. Die beutegierigen Franzosen lösten die Einlagen heraus, in der Meinung, sie seien von Silber. Später sind dann die Lücken wieder aus- qefüllt worden. Von der Raublust unserer westlichen Nachbarn trägt auch der prächtige Kronsaal deutliche Spuren. Die schweren Goldborten an den Portieren sind von der französi­schen Soldateska, die hier unter Custine lag, fast sämtlich herausgetrennt und zu Treffen an den Uniformen benutzt worden Der General Custine selbst hat sich eigenhändig für seinen Privatgebrauch ein großes Stuck Brokat stoss herausgeschnitten und außerdem sein Gefallen an dem Aufent­halt in Weilburg durch Mitnahme von 36 Pferden, sämt­lichen fürstlichen Silberzeugs und 3100000 Gulden bc- ^"^Einen sehr vornehmen, aparten Eindruck macht das GroßherzoglicheSchlafzimmer", das in Blau und Silber gehalten ist, und dasjapanische Goldzimmer mit seinen '""»Lis»« ä-<* H **-

Kronsaal" noch dasAdjutantenzimmer" mit den^Haus- fahnen der Linien Nassau-Hachenburg, und das Arbeits­zimmer mit seinen vielen Nassauischen Familienportraits.

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Bekanntmachung.

In Klein-Linden wurde in einem Gehöfte die Maul- und Klauenseuche festgestellt und Gehöftsperre angeordnet.

Gießen, den 25. Juli 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Boeckmann._____________

Bekanntmachung

Nachdem in Großen Linden noch in zwei weiteren Ge­höften die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, ordnen wir die Sperre der Gemarkung Großen-Linden an. Darnach ist das Durchtreiben von Rindvieh und Schweinen durch die Gemarkung verboten. Die Ausführung von Klauenvieh aus der Gemarkung kann nur zum Zweck so­fortiger Abschlachtung gestattet werden, wenn die unmittelbar vorausgehende tierärztliche Untersuchung ergiebt, daß die Tiere nicht von der Seuche befallen sind, und die Orts­polizeibehörde die schriftliche Erlaubnis erteilt. Die Tiere müssen zu Wagen transportiert werden, und entweder an einem benachbarten Ort oder nach Eisenbahnstationen zum Zwecke direkter Ablieferung an ein Schlachthaus verbracht werden.

Gießen, den 25. Juli 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Boeckmann.

Unsere See-Interessen.

Die Fortschritte unseres Seehandels seit 25, namentlich seit 10 Jahren sind |o gewaltig, unsere weltwirtschaftliche Bedeutung ist rasch so groß geworden, daß Deutschland von seinen Nebenbuhlern auf alles gefaßt fein muß.tan gebe sich darüber keiner Täuschung hin, daß die Engländer, wenn sie es nur irgend wagen können, bei erster Gelegen­heit unserem Uebersee-Handel und unserer Export-Industrie den Todesstoß zu geben suchen werden. Die Reibungen mit Transvaal haben es handgreiflich gemacht, wessen wir uns von England zu versehen haben. Vergegenwärtigen wir uns, was für uns auf dem Spiele steht.

Im Jahre 1896 ist zum erstenmale während dieses Jahrhunderts die deutsche Flagge im Hamburger Hafen dem Tonnen-Gehalt nach der englischen überlegen gewesen. Der ganze Spezialhandel (ohne Durchfuhr) betrug mit England noch 1362 Millionen Mark gegen 2400 mit den Überseeischen Ländern; mit den Vereinigten Staaten allem