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26.5.1899 Zweites Blatt
 
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Freitag den 26. Mai

Zweites Blak

1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gietzen

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Die Gießener

>- mN1e»ßr»tter irten dem Anzeiger Nch-ntlich viermal beigelegt.

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Femüeton.

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duvn^K kein Fehler, wenn nur statt der früher üblichen

Rabettien, Expedition unb Druckerei:

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Gratisbeüagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische DatKsKunde.

und betonte, daß zur selben Zeit in der Hauptstadt des deutschen Reiches unter reger Anteilnahme des deutschen Kaiserpaares ein Kongreß von ärztlichen Autoritäten und aufrichtigen Menschenfreunden aus allen Teilen der Erde zusammentrete, bestimmt, auf Mittel und Wege zu sinnen, durch welche die verbreitetste Krankheit, welche «n dem Volk und der Arbeitskraft der Völker zehrt, geheilt werden kann. Diese beiden Ereignisse würden in der Zukunft denkwürdige Blätter der Kulturgeschichte bilden für die Beurteilung des Zeitgeistes. Hierauf stattete der Vorsitzende des Kongresses, der Herzog von Ratibor, dem Kaiserpaar sowie allen Er­schienenen den Dank ab und begrüßte dieselben mit warmen Worten. Bürgermeister Kirschner hieß den Kongreß im Auftrage der städtischen Behörden und namens der Berliner Bevölkerung willkommen. Auch der Rektor der Berliner Universität Geheimrat Profesior Waldeyer entbot den Kongreß- Mitgliedern seinen Gruß. Hieran schloffen sich die An­sprachen der fremden Delegierten. Sodann begann die Diskussion über die Frage der Ausbreitung der Tuberkulose. Der Direktor des kaiserlichen Gesundheitsamtes, Dr. Köhler, gab in großen Zügen einen allgemeinen Ueberblick über die Ausbreitung und Bedeutung der Tuberkulose als Volks­krankheit". Geheimer Medizinalrat Dr. Krieger aus Straß­burg im Elsaß sprach überDie Beziehungen zwischen den äußeren Lebens-Verhältniffen und der Ausbreitung der Tuberkulose".

Berlin, 24. Mai. DenBerliner Neuest. Nachr." zufolge ist an hiesiger amtlicher Stelle von der Londoner Blättermeldung, wonach bei Jtschau drei deutsche Offiziere von Chinesen getötet worden seien, nichts bekannt. Im Gegenteil seien in den letzten Tagen hier Nachrichten eingegangen, denen zufolge die Truppen-Abteilung von Jtschau abberufen ist, nachdem sich die Lage dort vollständig beruhigt hat.

Berlin, 24. Mai. Der Gouverneur von Deutsch- Südwest-Afrika und Kommandeur der Schutztruppe, Major v. Leut wein, ist zum Oberstleutnant befördert worden.

Saarbrücken, 24. Mai. Der zu Ungunsten der Arbeiter beendete Streik ist in Kleinrosseln, Spittel und Karlingen erneut ausgebrochen. In Spittel sind nur 51, in Klein- roffeln von 1900 Arbeitern nur 1580 angefahren. Die Stimmung ist viel erbitterter wie während des ersten Streiks.

Adresse für Depeschen: Anjei§er Hietze».

Fernsprecher Nr. 51.

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fache Handwerker, der seine Arbeit wirklich versteht, weit eher ein Künstler, als viele dieser Herren und Damen, die mit Malereien hier erschienen sind, über die so herzlich wenig Gutes zu sagen ist. Denn was wirklich Bedeutendes zur Ausstellung gebracht wurde, sind Werke, die längst be­kannt und geschätzt sind.

Aber die Ausstellungsleitung war gezwungen, die Gast­freundlichkeit ziemlich weit auszudehnen und selbst die Werke von toten Künstlern zu Kollektiv-Ausstellungen heranzuziehen, um nur einigermaßen die Haupträume des Ausstellungs- Palastes zu füllen. Haben sich doch eine nicht unbedeutende Anzahl der bedeutendsten Berliner Künstler von den anderen losgelöst und zu einer Sezession vereinigt, die demnächst im eigenen Gebäude ihre Ausstellung eröffnet. Die Folge ist denn auch, daß selten eineGroße Berliner Kunst-Aus­stellung" so geringe Anregung, so wenig wirklich bedeu­tende neue Schöpfungen bot, wie das dieses Jahr der Fall ist.

Das Hauptinteresse nehmen eine Anzahl Sonder-Aus­stellungen in Anspruch, die man, frühere Vorbilder nach­ahmend, veranstaltet hat. Ohne diese Sonder-Ausstellungen wäre die diesjährige große Berliner Kunstschau überhaupt nicht möglich gewesen. So sieht man in den einzelnen Hauptsälen verteilt neben einer Reihe prächtiger Studien und Bleistiftzeichnungen von Menzel eine Gruppe Lenbach- scher Bildnisse, unter denen einige seiner bekanntesten, wie z. B. die Bismarckbilder, schon wiederholt in Berlin aus­gestellt waren, aber immer von neuem den Beschauer fesseln. Am schönsten kommt die Knnst des Meisters in dem Bildnis der Frau v. Poschinger zum Ausdruck. Obgleich nur als Skizze gehalten, ist dieses Bild neben Menzels Studienkopf Botenfrau" eines der besten Porträts in der Ausstellung. Auch von Max Koner sind sieben Bildniffe zu sehen, von denen das scharf im Prosil gehaltene des Baurats Kaiser,

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Hauptversammlung des Hessischen Laudes-Lehrervereins in Steins Saalbau.

Wir beginnen unseren heutigen Bericht mit einem Nachtrage von gestern abend. Unter der Reihe der Redner vergaßen wir den Vertreter der Stadt Gießen, Herrn Bei­geordneten Wolff, aufzuführen, was wir hierdurch pflicht- schuldigst nachholen. Derselbe begrüßte alle Anwesenden, insbesondere die auswärtigen Gäste, gab seine Freude darüber kund, daß diesmal Gießen zum Sammelpunkt der hessischen Lehrer ausersehen sei und wünschte den Arbeiten der Versammlung guten Fortgang und Erfolg.

In der heutigen Hauptversammlung nimmt zunächst das Wort der Obmann, Herr Oberlehrer Backes-Darm­stadt, indem er sich der Zustimmung der Versammlung zur Absendung einer Depesche an den Landesfürsten versichert, worin er die Versicherung unwandelbarer Treue und Er­gebenheit des Hessischen Volksschullehrerstandes zum Ausdruck bringt.

Hiernach hebt er in der Begrüßungsrede hervor, wie wichtig der stete Ausbau unseres Wissens sei, um die hier­durch gewonnenen Resultate des zur Neige gehenden Jahr­hunderts in das neue Jahrhundert mit hinüber zu nehmen und darin Stein auf Stein zum Wohle der Schule und des Standes aufsetzen zu können.Halte Rückschau und Vor­schau; schau über Dich, unter Dich, neben Dich, in Dich; suche durch vermehrte eigene Bildung Deine Schule immer höher zu heben." In diesem Sinne verweist er auf die neuerdings vom Vorstände herausgegebene Denkschrift, die der Regierung wie auch den Lehrern vorgelegt worden sei. Weiter ermahnt er die Kollegen zum Frieden, zur Freund­schaft und zur Vermeidung von Uneinigkeit, zum Anschluß an Vereinigungen, nach dem Dichterwort:Immer strebe zum ganzen." Außerdem betont er neben christlicher Bruder­liebe den Ausschluß jeden Zelotentums und jeder Vor­eingenommenheit bezüglich des religiösen Bekenntniffes anderer. Lebhafter Beifall lohnte den Redner für seine überzeugungs­treue Gesinnungsweise.

Sodann hieß Herr Beigeordneter Wolff die Gäste in Gießens Mauern willkommen, indem er versicherte, daß Gießen den Ruf der Gastfreundlichkeit, den es genieße, wohl rechtfertigen werde. Unsere Vaterstadt stehe bezüglich ihrer Leistungen auf dem Gebiete des Schulwesens hinter

Ne große Berliner KunstAnsstessung.

Don Fritz Hansen (Berlin).'

(Nachdruck verboten.)

Die Malerei.

One Metropole des Deutschen Reiches war lange Zeit hickldrch als Kunststadt nicht sonderlich geschätzt. Bon ein- zchlm ihochbedeutenden Männern abgesehen, hatte Berlin nur vemMmsmäßig sehr wenige große Meister aufzuweisen, und di'ßr iiiSländischen Künstler gingen mit ihren Werken bisher nami München, wo sie auf ein größeres, kunstverständigeres PiMrüm rechnen konnten. Das ist nun in den letzten JcMis etwas anders geworden, und obgleich die staatliche ^ii^chpege bisher keinen besonderen Einfluß auf das Ber- linMiunftleben ausgeübt hat, läßt sich doch nicht leugnen, daWerlin allmählich als Kunstmarkt Bedeutung gewinnt.

^er Berlin nicht nur zum gutbesuchten internationalen MZM uvurde, sondern auch als Kunststadt Ansehen und BeMmig erhielt, ist nur den Anstrengungen unserer zahl- reiiich Kunftsalons zu danken, keineswegs der alljährlich wi'MIechrenden großen Berliner Kunst-Ausstellung.

üürserJahrmarkt für bemalte Leinwand" verliert forrlHiltzt an Sympathie bei der Künstlerwelt, und während mammh vor zwei oder drei Jahren ernsthaft die Frage erärnkrtes, wie es möglich wäre, der Maffenanhäufung von tfiLtm^rten in dieser offiziellen Ausstellung Einhalt zu thun, ist ÜM derartige Debatte in diesem Jahre überflüssig ge- wonrin. Die diesjährige große Kunst Ausstellung ist erheb- lidyi Heiner wie ihre Vorgängerinnen. Das wäre nun

Deutsches Deich.

Berlin, 24. Mai. Der Kaiser besichtigte heute morgen in Lindes-AusstellungSgebäude die Modelle zu einem Denk- .sal toe$ Großen Kurfürsten für die Stadt Minden und Ifrrßdi später bei dem Staatssekretär v. Bülow vor. Darauf nahm der Kaiser im Schloß den Vortrag des Chefs des Lvilliabinetts entgegen.

Berlin, 24. Mai DerReichsanzeiger" schreibt an ibn Spitze des nichtamtlichen Teiles: Die Königin Viktoria W« England vollendet heute das 80. Lebensjahr. Der Bflifei vereinigt sich mit dem deutschen Volke in herzlichen Etgcr swünschen für die ehrwürdige Fürstin, in welcher die «glisthe Nation schon länger als zwei Menschenalter eine olle Trägerin ihres Königtums verehrt. Mögen der 2ilau<^ten Monarchin noch viele Jahre ihrer an Glück und * reichen Herrscher-Laufbahn beschieden sein.

Berlin, 24. Mai. Wegen der Scharlach-Epidemie im Ncktlienhause zu Plön wird der Königliche Hof bis M 88. August nach Wi lhelmshöhe verlegt. Die Zliidten-Genoffen der Prinzen gehen mit. Die Beamten, - »ik Dienerschaft und der Marstall werden heute übersiedeln.

Merlin, 24. Mai. Wie denBerliner Neuest. Nachr." i»(geteilt wird, ist die Vertagung des Reichstages i w Miten Drittel des Juni zu erwarten, um das Arbeits- t nwltriixil, das nicht mehr bewältigt werden kann, zu erhalten.

Berlin, 24. Mai. In dem Befinden des seit längerer ; Zn! Mwer kranken Ministerialdirektors im Kultusministerium 12i. 8 lthoff ist, wie diePost" hört, eine Besserung ein» ei«ttrttan. Dr. Althoff empfängt bereits täglich seine Räte, dM ihm über die mannigfach schwebenden Fragen seines yfäforLS auf dem Laufenden halten.

Sietlin, 24. Mai. Heute vormittag wurde im Reichs- t.LzsgMäude der internationale Kongreß zur Be- k Mpfsung der Tuberkulose eröffnet. Eine glänzende 2 Sammlung hatte sich zu der Feier eingefunden. Die h Wem Würdenträger des Reiches, Vertreter der Regierung mal brr ©tabt, sowie die offiziellen Delegierten der fremden CNMM und ein glänzender Damenflor waren erschienen. Ulm 11 Uhr betrat die Kaiserin die kaiserliche Loge. Als- s Ai, ergriff Staatssekretär Graf Posadowsky das Wort, u m im Namen der Reichs-Regierung den Kongreß zu er» o Mn. In seiner Ansprache wies der Staatssekretär auf di in gegenwärtig im Haag tagende Friedens-Konferenz hin

M« p.W' 1825» ;bt sich au§ dm p

Mckchuamhäufung von gemalten und gemeißelten «Segen» 1 stöEi6'ine Auswahl wirklich bedeutender Kunstwerke dem

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ji ' v- - v - - . sowie das des Geheimerats Bleichröder die besten sind. Die

W Defi"cheÄ geboten würden. Aber leider ist das nicht der übrigen Sonder-Ausstellungen haben in besonderen Räumen y FaW,M wenn Kunst von Können kommt, so ist der ein- | ihre Plätze erhalten. Sehr wirkungsvoll sind die schweren

romantischen Landschaftsbilder von F. v. Schennis. An das sehr effektvoll ausgestattete Kabinett dieses Künstlers schließt sich ein Zimmer mit Studien und Gemälden von M. Rabes, die der Künstler als Ergebnisse seiner Palästinafahrt aus­stellt. Von den Bildern dieser Kollektion istDer Einzug in Jerusalem" am wirkungsvollsten. Am entgegengesetzten Ende des Saales, in dem Raume, den im Vorjahre die Liebermann-Ausstellung einnahm, sind eine Anzahl Werke von Scheurenberg ausgestellt, unter denen die vorzüglichen Porträts am meisten auffallen. Auch Michetti, deffen Werke schon früher in der Kunstakademie viel bewundert wurden, hat hier ein besonderes Kabinett, in dem seine Landschafts­studien zu sehen sind. Eine Sonder-Ausstellung, deren Werke, wenn sie auch gleichfalls als Lückenbüßer gedient haben, doch nicht so bekannt sind, als die hier erwähnten, ist die des jung verstorbenen Malers Tentwart Schmittson. Seine naturalistischen Tierbilder zeigen eine ungemein feine Charak­teristik und prächtige Farbengebung.

Als geschlossene Künstlergruppe treten die D üssel- borfer auf, deren Bilder zwei große Säle füllen. Aller­dings sind es meist dieselben konventionellen Landschaftsbilder und Genrestückchen, die in unsere Zeit so schlecht hinein passen. Doch findet man vereinzelt einige hervorragende Leistungen. Da ist zunächst der Altmeister der Düsseldorfer Landschafter, Oswald Achenbach, mit einem prächtigen Alpen­bilde, ferner Ferd. Brütt mit einer seiner bekannten Ge­richtsszenenVor den Geschworenen". Die feine Charakteristik des Angeklagten, der Richter und der als Zeugin auftretenden Frau hebt dieses Werk über den Rahmen des Genrebildes hinaus. W. Peterson bietet ein paar vorzügliche Porträt­studien, von denen besonders das Bildnis Oswald Achen­bachs Beifall verdient. Auch Bachmanns Genrebilder Markttag" undAm Fluß" sind anerkennenswerte Leistungen. Karl Gehrts ist durch eine kleine Sonder-Aus­stellung vertreten.

(Schluß folgt.)

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