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26.4.1899 Zweites Blatt
 
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Mittwoch den 26. April

Iwcitcs Blatt

Feuilleton.

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Alle Anzeigen-BermittlungSstellen bei In- und AuSlanb « nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger em gegen

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hervortrat, sondern die ganze nonchalante und oberflächliche I Art, in welcher er sich mit seiner Aufgabe an einem Kunst­institut abfand, von welchem ihm bekannt sein mußte, daß es sich derartigeExperimente" nicht bieten läßt. Bei der Unfähigkeit des Gastes, seine Vordergrundsstellung als Gottgesandter" zu behaupten, kam etwas Schwankendes und Unsicheres in die ganze Aufführung. Auch an sonstigen Entgleisungen fehlte es nicht, und nur der immer gleichen Ruhe und Umsicht des Hofkapellmeisters de Haan war es zu danken, daß die Vorstellung wenigstens zu Ende geführt werden konnte

Freilich, in einer erbaulichen Stimmung kehrten die Hörer nicht heim, zum wenigsten diejenigen, welche diesen Genuß bei hohen Preisen erstanden hatten.

Die Kollektion von fertigen Gemälden, Entwürfen und Farbenskizzen aus dem Nachlaß des Professors Cornicelius (Hanau), welche zurzeit den Hauptsaal des Kunstvereinsgebäudes am Rheinthor füllt, ist von hohem Interesse. Ernst, knapp und klar ist die Anschauungs weise dieses Malers, und ebenso die Ausdrucksmittel, die er für diese bereit hält. ,

Am meisten fesselt uns die Welt feiner religiösen Motive, unter welchen dieVersuchung Christi" (Berliner Nationalgalerie) wohl einen Höhepunkt seines künstlerischen Könnens bezeichnet. Cornicelius spricht nicht die Sprache des verträumten Mystikers, der überMarter und Glorien­schein" die einfache Größe des Menschensohnes vergißt, aber ebensowenig gefällt er sich darin, um jeden Preis, aus >der fernen Palästinensischen Zeit die Gestalten der heiligen Ge­schichte in unser Milieu zu übersetzen.

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SeinEcce Homo", seinGolgatha", seineBestattung Christi", und vor allem auch die verschiedenen Studien des Heilandskopfes zum großen GemäldeDer Judaskuß", lassen uns einen Künstler schauen, den seine Eigenart gerade für die konkrete Ausgestaltung religiöser Gefühle bestimmt. Seme Farbenskizze zumAbendmahl Christi", gemessen an der maßvollen, symmetrischen Schönheit der klassischen Leo­nardo da Vinci'schen Komposition, wirkt infolge des Seelen- sturmes, den das eine Wort:Einer unter Euch wird mich verraten", unter den Jüngern entfesselt hat, geradezu auf regend; denn der Gestalt des Herrn selbst, die sich müde, ja wie trostbedürfiig zurücklehnt, scheint sich die allgemeine Mutlosigkeit bemächtigt zu haben.

Der Christuskopf des Cornicelius ist weder der Proletarier- nach Wereschagin, noch der weiche Thorwaldsen- Typus. Ebenso hat seineMaria Magdalena" des Meisters letztes Bild nichts von der konventionellen Schönheit einer früheren Auffassung, sondern strömt den ganzen bitteren Ernst des biblischen Vorwurfs aus.

Wie sehr Cornicelius im Geistlichen zu Hause war, be­zeugen auch jene Genrebilder, welche uns einen eingeschlafenen Mönch, einen Mönch am Cello oder einen im heiligen Pergament blätternd vorführen. Dagegen berührt uns seine Behandlung des Weltlichen (Märchen",Sage", Germanisches Mädchen, erbeutete Römerwaffen tragend" . durchaus konventionell.

Charakteristisch in Anordnung und Gesichtsausdrmck der Hauptfiguren ist noch die große Leinwand, welche den fanatischen KetzerrichterKonrad von Marburg" und sein Opfer,die heilige Elisabeth", wiederzugeben sucht.

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Deutsches Reich.

Berlin, 24. April. Die Ernennung des bisherigen Ober-Finanzrat Lehnert zum Unterstaatssekretär im Finanzministerium ist nunmehr erfolgt. Derselbe wird sein neues Amt am 1. Mai d. I. antreten.

Berlin, 24. April. Eine Dienstanweisung für den General-Inspekteur der Marine hat der Kaiser dieser Tage erlassen. Der General-Inspekteur hat die Dienstge­schäfte als solcher neben seiner sonstigen Dienststellung auf jedesmaligen besonderen Befehl des Kaisers auszuüben. Eine besondere Behörde oder die Bildung einer neuen In­stanz wird durch die Ernennung des General-Inspekteurs

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Zur Reform des Postzeitungstarifs.

Wohl selten ist eine Reform die ursprünglich so dringend gefordert wurde, nach ihrer Durchführung so heftig be­kämpft worden, wie die Reform des Zeitungsgebührentarifs. Dieselben Leute, die früher nicht oft genug darauf Hinweisen konnten, daß der jetzige Zeitungstarif eine äußerst unpraktische, ungerechte Einrichtung sei, die unbedingt anderweit geregelt werden müffe, sind heute unermüdlich in der Bekämpfung des neuen Tarifs. Wechselbalg, Schlagbaum, entartete Mißgeburt, Frevel am deutschen Kulturzustand, sind die Kosenamen, die man dem neuen Tarif beilegt, und zwar nur deshalb, weil einzelne billige Zeitungen zukünftig an Gebühr etwas mehr zu zahlen haben wie bisher. Die er­denklichste Mühe giebt man sich, um die Zeitungsleser in die nötige Erregung zu versetzen, was indes trotz aller Schlagworte nicht recht gelingen will, weil die Leser über das Wesen des Tarifs nicht genügend aufgeklärt sind. Es wird geschimpft und gewettert, aber man hält es nicht für nötig, von den Beweggründen zu sprechen, die die Post­verwaltung zur Aufstellung des neuen Tarifs veranlaßt haben. Diese aber muß man kennen, wenn man die Be­rechtigung des neuen Tarifs beurteilen will. Jeder Zeitungs leser hat ein Interesse daran und wird es nicht billigen, wenn man sein Leibblatt lediglich aus fiskalischen Gründen verteuern will, er wird aber billig anderenfalls nicht ver­langen, daß einzelnen Zeitungen zuliebe, die Pust eine Zeitung billiger befördert wie die andere und beim Vertrieb einzelner billiger Tageszeitungen schließlich kaum auf die Unkosten kommt. Das aber ist bei dem alten 4,anf der Fall und deshalb war die Reform desselben so dringlich und unbedingt geboten.

Die Reform hat daher in erster Linie den Zweck, die Zeitungsgebühr gleichmäßig und den wirklichen Leistungen ent­sprechend zu regeln. Zeitungsgebühr ist nemlich die Gebühr, die die Post erhebt für den Vertrieb der Zeitungen. Durch den Ver­trieb entstehen der Post folgende Arbeitsleistungen. Die An­nahme und Ausführung von Bestellungen auf Zeitungen und Zeitschriften. Die Verpackung, Versendung und Zustellung der bestellten Exemplare an die Bezieher; die Erhebung des Abonnementgeldes und Uebermittelung desselben an die Verleger. Für diese verschiedenen Leistungen erhebt also die Post eine gewisse Gebühr, die Zeitungsgebühr, dieselbe beträgt 25 Prozent des Verkaufspreises der Zeitungen ohne Rücksicht auf die Arbeitsleistung, die der Post entsteht. Maßgebend für die Höhe der Gebühr ist also nur der Preis der Zeitung.

Dies hat zur Folge, daß zurzeit für eine Zeitung die wöchentlich nur einmal erscheint und 3 Mk. kostet an Ge­bühr mehr zu zahlen ist wie für eine Zeitung die täglich erscheint und nur 1 Mk. kostet; trotzdem die Post nut der

Von der sardinischen Küste.

jüt Anwesenheit des italienischen Königspaares auf Sarttmim hatte bekanntlich zu herzlichen Sympathiekpnd- gcbuLuzrn zwischen Italieners und Franzosen geführt Daß es si.H absc hauptsächlich nur um internationale Hoflichkeits- pina^li lu adelte, ersieht man daraus, daß die Franzosen jetzt Dnid) die Engländer abgelöst sind, und daß auch die WtTm rtfr die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten, um ichcn Sympathien für Italiens Königspaar und Volk

letzteren wöchentlich sechsmal meh^c zu thun hat wie mit der Wochenschrift. Leistung und Gegenleistung stehen hier also entschieden nicht irn richtigen Verhältnis. Es ist em ungleicher Zustand, dessen Beseitigung mit Recht gefordert wurde. Dies konnte aber nur geschehen, durch Einführung einer Gebühr, deren Höhe sich nicht richtet nach dem Preise >er Zeitung, sondern nach den Unkosten und Leistungen die der Post durch den Vertrieb der Zeitungen erwachsen; also danach, wie oft die Zeitung erscheint, verpackt und zur Versendung gebracht werden muß und wie hoch sich das Gewicht der einzelnen Exemplare beläuft. Eine dement­sprechende Gebühr aber ist in dem neuen Tarif vorgesehen. Sie setzt sich zusammen aus einer einheitlichen Jnkassogeouhr, einer Versendungsgebühr und einer steigenden Gewichts- qebühr. Je höher daher das Gewicht, um so hoher die Gebühr Zeitungen mit vielem Papier und vielen Annoncen werden deshalb, ihres höheren Papiergewichtes wegen, zukünftig etwas mehr an Gebühr zu zahlen haben wie bisher. Das aber paßt den Verlegern solcher Zeitungen nicht und sie treten daher als entschiedene Gegner der Gewichtsgcbuhr auf. Ob mit Recht, mag der Leser selbst beurteilen. Fest steht, daß das Gewicht der Postsendungen, mithin auch der durch die Poft vertriebenen Zeitungen, die Arbeitsleistungen wesentlich beeinflußt. Die Postverwaltung wird daher gerade an der Gewichtsgebühr festhalten. Es dürste sich daher empfehlen an Stelle der Agitation gegen die Gewichtsgebuhr dahin zu wirken, daß die Post giebt was sie geben kann; nämlich die einzelnen Gebührensätze so niedrig rote möglich zu bemessen und zur Erleichterung der billigen Zeitungen an Stelle der einheitlichen Inkasso-Gebühr eine progrenw steigende Inkasso-Gebühr. 0. P.

Wir lassen in vorstehendem aus BtlltqkeNSrücksichten einen be­rufenen Verfechter des neuen Postzettungstarifs zu Worte kommen, ohne darum unseren bisher in der Sache behaupteten Standpunkt zu verlassen, und «eben der Hoffnung Raum, daß es der Volks­vertretung gelingen wird, dem Tarts eine allen Teilen gerecht werdende Gestalt zu verleihen. D. Red.

Briefe aus der Residenz.

< Originatbertcht für den »Gießener Anzeiger".) (Nachdruck verboten.)

XI.

vostlchKlüi Ausstellung im Kunstverein. Refidenzleben.

i£o lange das Darmstädter Hoftheater steht, hat es in seinetMäumen noch keineLohengrin"-Vorstellung von öer rfti -erlebt, wie der letzte Sonntag sie mit sich brachte, inb l ikdueses Theatererlebnis in den Annalen unserer Bühne woha! :ud) vereinzelt bleiben dürfte, kann man seiner noch­mals ilkürze gedenken. .

»en letzten Jahren gehörte die strichloseLohengrm"- AufMimg immer zu den Glanzmomenten der Saison, und stets:* lpn sich die erforderlichen Kräfte aus eigenen Mitteln bestvjMi . Verschrieb man sich einmal einen Gast, so ge­schabt nur, um dem Publikum eine Abwechselung zu bieteim. nii^t etwa, weil die Leistungen hier nicht den An- forb^rcngjen des Musikdramas entsprachen.

|nb nun mußte dieses Malheur, dieser Unstern von einem-S.aste kommen, dem Dresdener Tenoristen Anthes, dem,7 nnmgleich er nicht zu den Ersten gehört, doch immer ein »Mr' Ruf voranging. Vor einigen Jahren hatte er bercflril* beti uns gastiert und einen freundlichen, obschon keiwira nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Was uns diesmal sein i Bietilertommen gründlich verleidet hat, war nicht nur die üspamliche Indisposition, die bereits imBajazzo" stark

AuS^mk i.u geben. .

W find nur ro sige Jahre her, seitdem ein englisches jcL.tabe: den Hcksen von Brescia besuchte und dort eine 1 geißelt Aufnahme fand. Man munkelte schon damals, o >ß in Hondon und Rom der Gedanke auf Herstellung innigHttt Beziehungen zwischen Italien und England gute ifäfÜHc finden würde. Und wahrlich, bei den Interessen, l(üi.t be be Länder im Mittelmeer zu vertreten haben, värei (ine solche Vereinigung von größtem Werte. Daß lefct Fressen sich kreuzen, kann nicht behauptet werden, lii.3d)t richten sie sich wider einen gemeinsamen Gegner nämlüid) Frankreich. Daß dieses mit England nicht nur im ''iittMice: kollidiert, ist bekannt, und auch Italien hat an her 'MdSküste Afrikas Frankreichs Ueberlegenheit fühlen und i iiifecn müssen. Wohlerworbene Rechte in Tripolis muß hutS.aufgeben, und in frischer Erinnerung ist. noch, daß b »a Kriege Italiens gegen Abessymen der König Menelik mehii -cki weniger offen durch Frankreich unterstützt wurde.

IC i Italiener hätten also gar keine so große Ursache, den VraiÄioltn herzlich zu begegnen. Auch die Engländer ibe m inofol um König Meneliks Gunst gebuhlt, aber sie . tunbitö erst, als die Entscheidung irn italienisch-abcssym- , hem Urieye gefallen, und der Negus ein Faktor geworden war,: mit bem die britische Negierung mit Rücksicht auf AegWtai:and den Sudan rechnen mußte.

ft bem Toast, welchen König Humbert am Freitag an 'fortv-dts englischen AdmiralschiffesMajestic" ausbrachte, eqrrjftjtt her Monarch den vom britischen Admiral zur (Mttaaq gebrachten Wunsch, die englischen und italienischen A-huwn möchten im Interesse des Friedens Seite an Seite flattern, im lebhafter Weise. Freilich glauben mir dem be- frcutn'kkr König unbedingt, daß er nicht im geringsten i^ara-n beritt, den europäischen Frieden zu gefährden. Italien hat ifft bisher in keiner Weise als Störenfried im eure- häiscffHmK onzert erwiesen, was man von England bekanntlich ii(t)tj lagern kann. Vielleicht hat es aber je^t die besten BorfijStzt amgesichts der bevorstehenden Friedenskonferenz.

Pemfalls sind die Ereignisse, welche sich in den letzten £ag«aam der sardinischen Küste abgespielt haben, in mancher Hinfisiüt bemerkenswert und geeignet, tue Aufmerksamkeit weit-M Kreise auf sich zu lenken. (xx)

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Mehener Anzeiger sscäk General-^ttzeiger rlints- Anzeiseblatt für den AreisGisfzen

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