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26.3.1899 Viertes Blatt
 
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ftr. 73 Viertes BlM-Sonntag den 26. März

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Gießener Anzeiger

Heneral-Anzeiger

Ineelee «n-eigeu |u der vachmtNa-« für len !» erfchNamdkn Nummer In» vor». 10 lltzr.

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Deutsches Reich.

Berlin, 24. März. Zu dem Entwurf einer Fern- sprnchgebühren-Ordnung schreibt die ministerielle ,Berl. Sorresp." u. a.: Um den kleineren Leuten in großen Städten die Benutzung des Telephons zu erleichtern, will )ie Verwaltung bereits in den nächsten Wochen mit der kinrichtung zahlreicher Fernsprechautomaten vorgehen, bei btnan jedermann gegen Einwurf eines Zehnpfennigstückes innerhalb der Stadt sprechen kann, mit wem er will. Ferner brabffchtige die Verwaltung den Uebergang zum Doppel« lritungssyftem, um eine Verbesserung der Sprechverständigung ju erzielen. Die genannte amtliche Korrespondenz bemerkt »fiter: Welche Kosten dies verursacht, kann man daraus filtnehmen, daß allein die Umwandlung der jetzt vorhandenen Anlagen in solche mit metallischer Rückleitung etwa zwanzig Millionen Mark kosten würde. Es handelt sich dabei näm­lich um die Herstellung von rund 300 000 Kilometer neuer Leitung, ganz abgesehen von der nötigen Veränderung der Apparate u. s. w. Da alljährlich etwa 60000 Kilometer Aushlußleitungen neu angelegt werden, so wiederholt sich bei Einführung des Doppelleitungssystems die Mehrauf- »eudung von 20 Millionen Mark etwa alle fünf Jahre; lies macht jährlich rund 4 Millionen Mark Mehrkosten. Mit Rücksicht auf die hieraus erwachsenden Mehrkosten hält ts vie Verwaltung für unbedingt geboten, den bisherigen iuf etwa 4 Millionen Mark berechneten Ueberschuß auch Bnflig aufrecht zu erhalten. Fiskalische Rücksichten, d. h. die Absicht, aus dem Fernsprechwesen mehr herauszuschlagen «ls bisher, liegen dem Entwurf ganz fern.

Berlin, 24. März. Der weimarische Staatsminister Sch v. Groß wird am 1. Juni in den Ruhestand treten. Äcr Vorsitz im Gesamtministerium und der damit ver- linbicne TitelStaatsminister" geht somit zu dem ge- eannten Zeitpunkt auf den nächstältesten Departemenschef, Itn Geh. Staatsrat Rothe, der das Finanzdepartement ItittL über. Die Leitung des Departements des Innern wird der Landtagsabgeordnete v. Wurmb übernehmen.

Wie dieWeser-Zeitung" meldet, beantragt die Finanzdeputation von Bremen die Aufnahme einer Anleihe von 22 Millionen Mark durch Ausgabe 3i/,v.H. Ttaatsfchuldscheine, da unter anderem die Weserkorrektion, bic Erweiterung des Hafens und die Anlegung eines Trockendocks in Bremerhaven, sowie die Erweiterung des bremischen Freibezirks außerordentliche Aufwendungen erfordern.

Die wahre Gesinnung der englischen Nation gegen Deutschland, dessen vorzügliches Heer sie \ i gern für ihre Zwecke ins Feuer schicken möchte, zeigt fnth wieder einmal im hellsten Lichte. In einer Operette, tot allein in London über 500 Mal aufgeführt worden ist - sie heißtFrench Maid" kommt ein Singstück vor, l'p jedesmal rauschenden Beifall erntet, und in dem unser Hiser in nicht wiederzugebender Weise verhöhnt wird, öün weiß in England sehr gut, daß bei dembefreundeten" wischen Volke Beleidigungen seines Kaisers durch Aus- länöer die tiefste Empörung erwecken, aber das ist kein Grund für John Bull, seine ungeschlachten Witze zu unter- Icheu.

M P C. Hungersnot in Deutsch-Ostafrika. Zur Lande der Wasaramo in Deutsch-Ostafrika herrscht jjtüjje Hungersnot. Die Wasaramo wohnen unmittelbar in Hinterlande unserer ostafrikanischen Hauptstadt Dar es Bülaiam, in der Landschaft Asaramo. Sie sind ein beson- s'lrs armes, schwer heimgesuchtes Völkchen! Bis vor kurzem, ch d>er deutsche Arm kräftig eingriff, zogen die Karawanen niitem durch dieses Land und plünderten rechts und links am Wege, was sie kriegen konnten, raubten auch Kinder mb mißhandelten die armen Eingeborenen. Diese flüchteten sich immer tiefer in ihre Büsche und Wildnisie hinein, um m Verborgenen ihre Aeckerchen zu bestellen, von denen sie Hrjtng lebten. Das ist nun wohl anders geworden, seitdem i lapieie deutsche Offiziere und Soldaten die Räuber und | Mnsschendiebe in Zucht und Schrecken halten. Die Leutchen j frb zurückgekehrt auf ihre alten Dorfstellen und können injig ihre Felder wieder bestellen. Auch hat die Deutsch- - Opaftikanische Mission in ihrer Mitte zwei blühende Mis- HiDotationen aufgerichtet, Kisserawe und Manaromango. 1 Gleim eine neue große Not drückte seit längerer Zeit das t mne Volk hart darnieder. Der Regen war dreimal in der |«Jö3jnlid)ett Regenzeit ausgeblieben und dreimal die Aus- s^i vertrocknet. Mit dem ersten Weihnachtsfeiertag fiel '«Wcher Regen, mit dem 28. Dezember aber kamen auch 1 üitMecklichen Heuschrecken wieder. Viermal hintereinander

haben die Wasaramo umsonst gesät. Die armen Leute drängen sich mit Macht zur Arbeit, um ein wenig Reis zu verdienen. Der Missionar hat Listen aufgestellt, wonach dieselben immer zehn Tage arbeiten dürfen, um anderen Hungernden Platz zu machen.

M.P.C. Fürst Herbert Bismarck ist bereits Mitglied des Herrenhauses. Unsere gestrige Notiz bezüglich des Fürsten Herbert Bismarck beruhte auf einem Irrtum. Fürst Herbert Bismarck ist mit dem Augenblick, wo sein Vater starb, eo ipso Mitglied des Herrenhauses geworden. Er hat gestern auch bereits seine Jungfernrede in der ersten Kammer gehalten. Die erbliche Mitglied­schaft der Fürsten von. Bismarck des preußischen Herren­hauses datiert vom 1. Juli 1876.

Köln, 24. März. DieKölnische Ztg." meldet aus Petersburg. Wer die Einladungen zu der Friedens- Konferenz versenden soll, darüber sei recht lange ver­handelt worden. Wenn es schon wiederholt heiße, Rußland stelle die Liste auf, und Holland versende die Einladungen, so sei es immer noch möglich, daß es schließlich noch anders komme. Von größerer Bedeutung sei die Frage, welche Staaten nicht einzuladen seien. Nur diejenigen Staaten sollen ihre Vertreter ernennen, welche eine eigene auswärtige Politik führen. Wie wir hören, so schließt das Blatt, hat die Türkei mit Entschiedenheit die Anteilnahme Bulgariens bekämpft und die Streichung desselben von der Liste erreicht.

Stuttgart, 24. März. Der Oberbürgermeister von Stuttgart, Rümelin, ist nach langer Krankheit heute früh in Baden-Baden gestorben.

^Ausland.

Oesterreich. Anläßlich der bekannten Auslaffungen reichs­deutscher Blätter über die Stellung der Tschechen und auch gewisser anderer Kreise Oesterreichs zum Dreibunde er­klärt, wie man derT. R." aus Prag schreibt, das Haupt­organ der Jungtschechen, dieNarodni Listy", daß es sich auch weiterhin die unbeschränkte Freiheit der Beurteilung der inneren und auswärtigen Politik wahren werde, und zwar von einem einzigen Standpunkte, von dem der Tschechen, ob dies im Radziwill.Palais in Berlin gefällt oder nicht. Dasselbe Blatt kommt am Donnerstag in einem Leitauf­satze nochmals auf die Dreibundfrage zu sprechen und schreibt da u. a., daß Oesterreich Preußen ebenso gut mit Rußland drohen könne, wie dies Preußen Oesterreich mit Rußland gethan habe. (?) Weiter fragt das Blatt, warum eigentlich Oesterreich sich nicht schon längst an Rußland herangemacht habe, da es doch identische Interessen mit Rußland im Südosten Europas habe, während das Bündnis mit Preußen Oesterreich bisher nichts weiter gebracht habe, als die deutsche Obstruktion. (!) Schließlich versichert das Blatt, daß es alle Schritte und auch alle Gelage (!) des deutschen Botschafters in Wien Grafen Eulenburg beaufsichtigen werbe. So sieht die Bündnistreue und Bündnisfreudig­keit der Tschechen, der Hauptstützen der heutigen Regierung in Oesterreich, aus!

Paris, 24. März. Nach einer längeren Diskussion zwischen bem Berichterstatter und dem Generalstaatsanwalt zogen sich die drei vereinigten Kammern des Kassationshofes zurück, unb verwarfen nach zweistündiger Beratung das Gesuch der Madame Dreyfus auf Ausschließung der brei Kassationsräte von ben Verhanblungen bes Kassations- Hoses in ber Dreyfus-Affaire. Nachbem bie Sitzung wieder für öffentlich erklärt worden war, wurde dieser Beschluß verlesen, und damit begründet, daß die drei in Frage stehenden Kassationshofräte deshalb nicht auszuschließen feien, weil sie nicht über das wirkliche Verfahren ihre Meinung ausgedrückt hätten, sondern nur über das Revisionsgesuch. Im übrigen erlaube auch das kürzlich in der Kammer Dotierte Gesetz nicht, Mitglieder auszuschließen. Die Kosten des Verfahrens im Betrage von 100 Frs. wurden Madame Dreyfus auferlegt.

Frankreich. Für den neuen Präsidenten der Re­publik wirb Stimmung gemacht. Seine Volkstümlichkeit sei, so hebt derMatin" besonbers hervor, im Wachsen be­griffen.Loubet", so schreibt das genannte Blatt,ist der allgemeinen Kritik ebenso wenig entgangen, wie sein Vor­gänger. Doch wissen wir, daß er die Unannehmlichkeiten der Präsidentschaft mit der Ruhe des Philosophen unb mit gutem Humor übernommen hat. Er hat sich so einfach unb sobon-homme gezeigt, seit er der erste Beamte ber Republik ist, daß seine Gegner von selber abgernstet haben, und alle Welt hat seit seinem Einzuge ins Elysee mit Ver­gnügen einige Züge seines Charakters bemerkt. Zunächst

seine Ankunft im Präsidentschaftspalast ohne Trommelwirbel und Trompetengeschmetter und etwas verspätet infolge vor­herigen kleinen Spazierganges durch das sonnbeglänzle Paris. In diesem einweihendensans fa$on hat man sofort eine glückliche und verständige Gleichgiltigkeit dem Protokoll" (dem Zeremoniell) gegenüber erkannt und die braven Bürger Frankreichs waren entzückt hiervon. Ebenso lachte man herzlich, als man erfuhr, wie der Präsident mit seinem Sohne, dank einem versteckten Pförtchen, ungesehen aus dem Parke des Elysee entwischte und flotten Schrittes die Straßen der Hauptstadt durchstreifte, während bie be­sorgte Polizei in allen Himmelsrichtungen hinausrabelte, um seine verlorene Spur zu finben. Ein Staatshaupt, bas nicht bewacht sein will unb nicht auf seine persönliche Freiheit verzichtet! Cest träs fran^ais! Von bet Begnabigung der Manifestanten wollen wir gar nicht reden, die mit allgemeinem Beifall ausgenommen wurde, und nur noch erwähnen, daß die jetzt schwerkranke Jour­nalistin Frau Söverine den Präsidenten vor einiger Zeit um Gnade für einen vom Kriegsgericht verurteilten Soldaten bat und daß ihr Loubet, um ihre Genesung zu beschleunigen, diese Bitte gewährt hat. Das ist zartfühlend, gütig und macht einen vortrefflichen Eindruck." So derMatin", deffen rosige Auffassung allerdings erst das Verstreichen eines größeren Zeitraumes vollgiltig wird bestätigen können.

England. In derselben Zeit, in der Cecil Rhodes die Welt mit seinen kühnen Eisenbahnplänen erfüllt, ist er in London selbst noch einmal in sehr empfindlicher Weise an eine seiner zweifelhaftesten Thaten, an den Jameson- Einfall in Transvaal erinnert worden. Dort hatte ein Teilnehmer an jenem Zuge, Namens Narrow, eine Klage gegen Rhodes und Jameson angestrengt, um Schadenersatz für die im Verlaufe des Einfalls erlittenen Verwundungen zu erhalten. Die Verklagten waren durch einen Anwalt vertreten, der ohne weiteres die Rechtswidrigkeit des Jameson- Zuges zugab, dem Kläger aber das Recht auf Schadenersatz bestritt, da er sich durch feintTeilnahme an einer gesetz­widrigen Handlung" selbst zum Mitschuldigen gemacht habe. Der Anwalt kam aber mit diesem Einwand schlecht an. Die Richter gaben ihre Entscheidung dahin ab, daß der Kläger durch Rhodes und Jameson über die Rechtswidrigkeit des Zuges irregeführt und durch falsche Vorspiegelungen zur Teilnahme veranlaßt sei; sie hatten ihn glauben gemacht, daß der Zug zum Schutze englischer Frauen und Kinder unternommen werde, während er ein völkerrechtswidriger Einfall in das Gebiet einer befreundeten Macht gewesen sei. Außerdem sei es aber Unrecht von den Angeklagten, de« Kläger seiner Rechte berauben zu wollen unter Berufung auf ihre eigene Gesetzwidrigkeit. So wurden die beide» Angeklagten zur Ersatzpflicht verurteilt, die Höhe des Schadenersatzes aber noch einer späteren Entscheidung Vor­behalten.

Rußland. Als feststehend gilt nunmehr, daß die Mächte bei der Abrüstungskonferenz im Haag durch Sonder­delegierte von hohem Range vertreten sein werden, wodurch die Versammlung den Charakter eines Kongresses erhalten wird. Von Herrn von Staal als Vertreter Rußlands ab­gesehen, scheint aber noch von keiner Seite eine enbgiltige Ernennung erfolgt zu fein, was sich schon daraus erklärt, daß den Kabinetten die förmlichen Einladungen noch nicht zugegangen sind. Als Delegierter Deutschlands wurde zwar bisher der Botschafter in Konstantinopel, Herr v. Marschall, genannt, doch sprechen neuere Berichte auch von dem Bot­schafter v. Bülow und von dem Fürsten Herbert Bismarck. Uebrigens wird die Angabe, daß Italien gegen die Unter­stützung der italienischen Politik in China der Vertretung des Vatikans auf der Abrüstungskonferenz zustimme, neuer­dings auch von vatikanischer Seite entschieden bestritte». Die Beteiligung des Vatikans stehe überhaupt nicht mehr auf der Tagesordnung.

Fokales und UrovinsieUes.

Gießen, den 25. März 1899.

Militärdieustuachricht. Wemher, Generalleutnant und Generaladjutant Seiner Königlichen Hoheit des Groß­herzogs zum General der Kavallerie befördert.

e MUitarpersonaluachrichten. Kadetten-Verteilung 1899. Infanterieregiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116: Portepeeunteroffizier v. Kutzleben als Leutnant, 3. Großh. Infanterieregiment (Leibregiment- Nr. 117: Kadett Arndt als charakt. Fähnrich, 4. Großh. Infanterieregiment (Prinz Karl) Nr. 118: Portepee-