Ausgabe 
25.7.1899 Erstes Blatt
 
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Dienstag den 25. Juli

Erstes Blatt.

Nr. 172

1899

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger

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Die Gießener Ve*Hft<*MÄttcr »erden dem Anzeiger »dchenUich viermal deißete-t.

tauchen. Das Auge mißt die Entfernung vom Schloß bis zu der Uferstelle, zu-weicher der König mit seinem Leibarzt gegangen war, und die Phantasie ergeht sich in allerlei Ver­mutungen über die letzten Augenblicke jener beiden, die ein ewiges Geheimnis deckt. An dem Platze, wo die Katastrophe sich ereignete, erhebt sich jetzt die bescheidene Ludwigs- Gedächtniskirche. Nur ein einfacher, prunkloser Bau paßt an diesen Ort. Die Jnnenräume vonSchloß Berg" werden nur von einer kleinen Schar Passanten besichtigt. Wer von denPhantasieschlössern', in den Bergen kommt, findet daselbst nicht genug Anregung für die Augen. Zu den Sinnen spricht diese Einrichtung freilich nicht. Von derFeenpracht" ausTausend und Eine Nacht" gewahren wir hier nichts, aber das historische Interesse wird rege, und das Bild des verstorbenen Bayernkönigs tritt uns ent­gegen in der Bedeutung, die es für die deutsche Geschichte hat. Die freundschaftlichen Briese Ludwig II. an Bismarck sind Dokumente, die lauter und vernehmlicher sprechen, als alle höhnischen Zweifel und Verdächtigungen, die ultra­montaner Neid und Partikularismus nachträglich über die Gesinnung des toten Königs für den deutschen Reichsschmied in die Welt setzen wollten. Diese kläglichen Bemühungen haben anläßlich der Einweihung desBismarckturmes" am Starnberger See in der Festrede die verdiente scharfe Ab­fertigung erfahren. Und nun ragt dieser Turm hinaus ins Bayernland als ein sichtbares Denkmal des festen Bundes zwischen Nord und Süd, ein Wahrzeichen deutscher Größe und Einheit, an dem kein Lügengeist mäkeln und deuteln soll.

Uns aber soll der festliche Tag Sein Bild in die Seele prägen, Es komme dann, was kommen mag, Ein Wille wird uns bewegen: Der Du im Kampf mit Neid und Wahn Das Vaterland erhoben:

Dein Werk sie sollen lassen stah'n" Das wollen wir fest geloben."

Die StationLoni", die nach einem Opernsänger so heißt, kommt. Sie ist dasRüdesheim" der Bayern; hinter ihr erhebt sich die Rottmannshöhe, und hier steigt alles aus, was zumBismarckturm" pilgert.

Weiter gehts nachPoffenhofen" und dem lieblichen Tutzing" zu, von wo aus sich dem Wanderer eine Fülle größerer und kleinerer Bergtouren eröffnen.Ammerland" undBernried" tauchen auf, hübsche, idyllische Plätze, die sich auch öfters die verstorbene österreichische Kaiserin Elisabeth zur Erholung ausersehen.

Wenn sich nicht Wolken und Nebelkulissen aufbauen, treten jetzt auch deutlich die Linien und Umrisse der fernen Bergzüge hervor.

BeiSeeshaupt" ist die Endstation erreicht, und nun entrollen sich bei der Rückfahrt die nämlichen Bilder, nur in umgekehrter Reihenfolge, die gestattet, das man jetzt Starnberg", den Ausfahrtspunkt, mit seinen Villen, Land­häusern und Hotels, etwas näher ins Auge faßt. Em großer Teil der Maler- und Schriftstellerwelt Münchens hat hier sein ständiges Sommerquartier aufgeschlagen. M.

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Rthahton, Expedition und Druckerei:

Fch.kstr.tze Ar. 7.

Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandmirt, Klätter für hessische Volkskunde.

Adreffe für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51.

Amtlicher Feil.

Nr. 31 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 19. d. M., enthält:

Nr. 2603. Bekanntmachung, betreffend Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit im Gewerbebetriebe. Vom 15. Juli 1899.

Nr. 2604. Bekanntmachung, betreffend die Gestattung des Feilbietens von Bier im Umherziehen. Vom 17. Juli 1899.

Gießen, den 22. Juli 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.

Bekanntmachung.

Betr.: Maul« und Klauenseuche zu Leihgestern und Großen- Linden.

Nachdem in je einem Gehöfte von Leihgestern und Großen-Linden der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, wird die Gehöftsperre über die ver­seuchten Gehöfte angeordnet.

Gießen, den 24. Juli 1899.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. _____________________v. Bechtold.____________________

Gießen, den 21. Juli 1899.

{Betreffend: Aussetzung des Unterrichts bei großer Hitze.

Die Großh.Kreisschulkommisfion Gießen

au die Schulvorstände des Kreises.

Da über die Bestimmungen in rubrizierten Betreffs I Unklarheit zu herrschen scheint, geben wir Ihnen von nach­stehender Verfügung der obersten Schulbehörde Kenntnis zur Nachachtung.

v. Bechtold.

Zu Nr. M. I. 17 697.

Darmstadt, am 19. Juni 1893. Betreffend: Aussetzung des Unterrichts bei großer Hitze. Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz, Abteilung für Schul­angelegenheiten

au die Großh. Direktionen der Gymnasien, Real­gymnasien und Realschulen, die Kuratorien der höhere» Mädchenschulen uud die Großh. Kreis- schulkommissiooeu.

Im Anschluß an unsere Verfügung vom 6. Juni 1877 zu Nr. M. 9411 Amtsblatt Nr. 4 von 1877 be­stimmen wir hierdurch, daß an allen Tagen, an denen das

Feuilleton.

Reaumürsche Thermometer morgens 10 Uhr 20 Grad oder mehr zeigt, nicht nur der Unterricht am Nachmittag aus­fallen muß, sondern derselbe auch am Vormittag nicht mehr als 4 Stunden dauern darf. Bei überfüllten Klassen und engen Klassenzimmern kann auch bei geringerer Tem­peratur ein Ausfallen des Unterrichts erfolgen.

v. Knorr. v. Beauclair.

Bekanntmachung, betreffend: Die Abhaltung von Körterminen zwecks Aufnahme der Zuchttiere in das Provinzialherdbuch im 1. Körbezirk.

Die Körkornrnission des 1. Körbezirkes (Vogelsberger Vieh) wird nachfolgende Körterrnine abhalten:

1. Montag den 24. Juli in Großen-Linden,

2. Donnerstag den 27. Juli in Ruttershausen und Allendorf a. d. Lahn,

3. Samstag den 29. Juli in Burkhardsfelden und Steinbach,

4. Freitag den 4. August in Saasen, Reiskirchen, Großen-Buseck,

5. Dienstag den 8. August in Lauter, Grünberg und Weickartshain.

Die Züchter von Vogelsberger Vieh, welche ihre Tiere in das Herdbuch eintragen lassen wollen, werden ersucht, ihre betreffenden Tiere an einem von betr. Großh. Bürger­meisterei hierzu bezeichneten Orte aufzustellen, damit die Arbeiten der Kommission ohne Aufschub erledigt werden können.

Anmeldungen zur Körung sind an den Vorsitzenden dieser Kommission, Herrn Oberamtmann Hoffmann in Hof-Gill, oder den Geschäftsführer, Herrn Oberverwalter Beil sie in in Laubach, zu machen.

Laubach, den 19. Juli 1899.

Der Präsident dss landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen: Friedrich Graf zu Solms-Laubach.

Bekanntmachung,

betr.: Die Hebung der Viehzucht.

Nach dem Grundplan der Bestimmungen des hessischen Landwirtschaftsrats und den Beschlüssen des Ausschusses des landwirtschaftlichen Provinzialvereins Oberhessen hat in unserem Kreise in diesem Jahre eine Bullen­schau für Vogelsberger und Simmenthaler Bullen stattzu­finden, mit welcher eine Eberschau zu verbinden ist. Der geschäftsführende Ausschuß, bestehend aus den Vorstands­mitgliedern des landw. Bezirksvereins, des Kreiszuchtvereins für Vogelsberger und desjenigen für Simmenthaler Rindvieh, hat gestern beschlossen, die Simmenthaler Bulleuschau am Montag, dem 28. August ds. Js., vormittags 9 Uhr, in Langsdorf auf dem dortigen Viehmarktsplatz

und die Vogelsberger Bullenschau am Montag, dem 11. September ds. Js., vormittags 9 Uhr, in Grün berg auf dem Viehmarktplatz abzuhalten. Mit der Langsdorser Schau ist die Eberschau zu verbinden.

Für jede Bullenschau sind 4 Preise im Betrage von 75 bis 150 Mk. und 10 Anerkennungen zu 10 Mk. ausgesetzt, für die Eberschau 6 Preise von 30 bis 60 Mk. und 6 An­erkennungen zu 5 Mk.

Es nehmen am Wettbewerb teil Gemeindebullen oder andere Bullen reiner Rasse, die zu Zuchtzwecken in Ge­meinden des Kreises aufgestellt sind; eingeführte Tiere nur dann, wenn sie mindestens 6 Monate im Besitz des Aus­stellers sind.

Die Anmeldung ist auf Anmeldebogen bei mir zu er­statten, welche von mir zu beziehen sind, und zwar bis spätestens 19. August ds. Js. für Langsdorf und bis spätestens 2. September für Grünberg.

Der Begleiter muß eine amtliche Bescheinigung vor­zeigen, daß die Herkunftsgemarkung des Tieres seit vier Wochen seuchenfrei ist; die Bullen müssen mit Nasenring versehen oder an beiden Vorderfüßen mit Fallseilen versehen fein. Die Preise werden zur Hälfte sofort, zur anderen Hälfte nach Jahresfrist auf Bescheinigung der Bürgermeisterei ausbezahlt, daß der Bulle noch zur Zucht verwendet wird. Bei gleicher Güte haben Herdbuch-Bullen vor anderen den Vorzug.

Auf der Eberschau treten in Wettbewerb: reinrassige Eber der Yorkshirerasse; durch Kreuzung mit diesen ver­besserte Landschweine und deutsche Landschweine, aber voraus­gesetzt, daß sie von der Kreiskörkommission angekört sind.

Ich ersuche die Herren Bürgermeister, ihre Gemeinde­bullen rechtzeitig formgerecht anzumelden.

Gießen, den 20. Juli 1899.

Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschuffes.

v. Bechtold.

Bekanntmachung,

betr.: Wie oben.

Nach den Beschlüssen des Ausschusses des landw. Provinzialvereins werden in diesem Jahre im Kreise Gießen drei Ortsschauen abgehalten. Der geschäftsführende Aus­schuß hat gestern beschlossen, die Ortsschau für das Sirnmer- thaler Rindvieh für die beiden Ortszuchtvereine Lich und Langsdorf in Langsdorf am 28. August in Ver­bindung mit der Bullenschau abzuhalten, ferner die eine Ortsschau für das Vogelsberger Vieh für die beiden Orts- zuchtvereine Lauter und Grünberg mit Umgegend in Grün« berg am 11. September mit der Bullenschau, die andere für dieOrtszuchtvereineGroßen-Linden und Allendorf a.d.Lahn in Großen-Linden im Hofe des Gemeindefaselstalles im Monat Oktober ds. Js. abzuhalten.

Weiseöriefe für denHießener Anzeiger".

(Nachdruck verboten.) VI.

Am Starnberger See.

Bei klarem Wetter gehört eine Fahrt auf diesem bayerischen See, der von München aus mit Schnellzug in einer halben Stunde zu erreichen ist, zu den freundlichsten und lieblichsten Naturgenüssen, die man sich verschaffen kann. Wohl hat derStarnberger" nicht die grandiose Wasser- fläche der oberitalischen Seen, noch die Abwechselung der Ufer wieVierwaldstädter" undThuner See" aber gar traulich muten uns seine Gestade an, die eine lange Kette vonSommerfrischen" undVillenkolonien" bilden.

Wir befinden uns an Bord des SalondampfersLuit­pold". Die ganze, etwa zwei Stunden währende Rundfahrt kann man auf dem zweiten Platz schon für 1 Mk. 30 Pfg. haben. Der Sitz und die Aussicht auf diesem unterscheidet sich sehr wenig von denen der ersten Plätze. In der kleinen Kajüte steht ein billiges Buffet, und offenes Bier wird aus- geschenkt. Ein großes Glas für 14 Pfg. Das giebts nur im gesegneten Vayernlande!

Die erste Dampferstation, die ausgerufen wird, ist Schloß Berg". Der Gedanke an das Königsdrama, das wir ja noch alle als Zeitgenossen miterlebt haben, muß unwillkürlich bei dieser Szenerie in unserem Gedächtnis auf-