Ausgabe 
25.6.1899 Viertes Blatt
 
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1899

Sonntag den 25. Juni

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Viertes Statt.

Gießener Anzeiger

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General-^Heiger

Bei Postbejug R Mark 50 Pf, ^rrlkljährlich

3tt|*,s,reis virrtkltLhrlich

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i|it new Anzeigen zu der nachmittag» für de, Isteg erscheinenden Nummer Hl vor». 10 Uhr.

Amts- und Anzeigeblatt für den Krcb Gieren.

Tias Kabinett der Liquidation.

Deutsches Keich

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Ita ist also bis auf weiteres zu der Annahme berech-

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ÄdHM, Us-editton und Druckerei:

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1899."

batiiiioir-Sxibinett bürgt dafür, daß dieses ihnen nicht oder nur rfaeiit folgen wird, als die Wiederherstellung der Dis- zipli^M Autorität im Heere es durch militärische \ ege men die an der Affaire beteiligten Offiziere er- forötsr. General Galliffet ist durch seine öffentliche Er- flärriini, i!> es nun genug sei der Opfer, gebunden, und MillMM, dessen Ueberzeugung von der Unschuld Dreyfus' sich |« jfipät durchgerungen, wird ihm bei der praktischen Beth^icligumg der Politik desSchwamm drüber" nicht im

erhoben worden.

Berlin, 23. Juni. Die Mitteilung von der Erhebung in den Grafenstand ging dem Staatssekretär v. Bülow in einer Depesche zu, welche ihm der Kaiser aus Kiel in Erwiderung auf die telegraphische Anzeige von der Annahme des Karolinen-Vertrages übersandte.

Berlin, 23. Juni. Minister v. Miquel hat auf Samstag, dem 1. Juli, Einladungen zu einer parlamen­tarischen Abend Gesellschaft ergehen lassen.

Berlin, 23. Juni. Der mexikanische Finanzminister Lim an tour, welcher seit einigen Tagen hier weilt,^wurde vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und dem Staats­sekretär v. Bülow empfangen.

Berlin, 23. Juni. Der Arbeitgeberbuud für das Maurer- und Zimmer-Gewerbe Berlins und der Vororte hielt heute vormittag wiederum eine Versammlung ab, um über die Lage des Streikes Bericht zu erstatten. Es wurde mitgeteilt, daß gegenwärtig in Berlin und Umgegend noch 8000 Maurer ohne Beschäftigung sind. Die Versammlung, welche von etwa 300 Arbeitgebern besucht war, beschloß mit allen gegen zwei Stimmen, in einen Einigungs-Versuch mit

stößt jedoch auf Klippen, wenn sie dem die Führung im Dreyfushandel behauptendenFigaro" auch darin folgt, sowohl Dreyfus, dem unschuldig Verurteilten, wie Picquart, seinem Retter, in irgend einer Form eine moralische Ent­schädigung für ihre Leiden, eine Art nationaler Ehren­erklärung zuzuwenden. Es darf von einem Ministerium Waldeck Rousseau erwartet werden, daß es die richtige Form finden wird, um das nach dieser Richtung eine Genugthuung fordernde Volksgewissen zu befriedigen, und ob der böse Geist Frankreichs, der falsche Patriotismus der Deroulöde, Lemaitre, Drumont und Genossen es wagen wird, gegen diese Erfüllung einer Menschenpflicht nochmals sich auf­zulehnen, wird davon abhängen, ob das neue Ministerium es bis dahin verstanden hat, jenem vielköpfigen, jede Auto­rität begeifernden Drachen seinen festen Fuß auf den Nacken zu setzen. Köln. Ztg.

«dreffe für Drprschen: A«zel-er Fernsprecher Rr. 51.

Westfalen auf Erteilung der Konzession der Kanalisierung vorbehaltlich der näheren Bedingungen zu entsprechen. Die Regierung habe keine Veranlassung, auf die übrigen Kompen­sations-Forderungen einzugehen.

Berlin, 23. Juni. Zur Kanal frage. Die Gegner­schaft der Konservativen gegen den Mittellandkanal bcthätigt sich u. a. auch namentlich in dem Bemühen, der schlesischen Opposition den Nacken zu steifen. So schreibt dieKons. Korr.":Die neulich in Beuthen seitens des Herrn Ober­präsidenten von Schlesien zu Gunsten der Kanalvorlage gehaltene Rede hat in den Kreisen der schlesischen Abge­ordneten Befremden und Bedauern erregt. Es ist nicht Aufgabe des ersten Beamten der Provinz, für eine wirt­schaftliche Vorlage, welche von der Majorität der Provinz abgelehnt wird, agitatorisch einzutreten. Dieser hohe Be­amte soll der Vertrauensmann der Provinz fein, und das I Vertrauen wird durch ein solches, durch seine hohe Stellung nicht gebotenes Vorgehen nicht gefördert. Sehr unangenehm hat die angedeutete Drohung berührt, daß für den Fall der Ablehnung der Kanalvorlage anderweite Wünsche der Provinz auf wirtschaftlichem Gebiet unberührt bleiben könnten. Eine fürsorgliche Staatsregierung kann unmöglich eine Provinz dadurch für die Haltung ihrer Abgeordneten strafen wollen, daß sie ihre wirtschaftliche Förderung hinter

I der anderer Landesteile zurückstellt. Jedenfalls hat die Rede des Herrn Oberpräsidenten nicht den beabsichtigten Erfolg gehabt, Gegner der Kanalvorlage in Freunde zu verwandeln."

Seewesen. Der erste der beiden für den Nord­deutschen Lloyd bei dem Vulkan in Stettin im Bau befind- I lichen neuen Reichs-Po st dampfer, welcher feit etwa 14 Tagen beplattet ist, wird am Samstag, den 24., vom Stapel laufen. Der Ablauf des Schiffes findet in Gegen­wart des Königs von Sachsen statt, dessen NameKömg Albert" es bestimmt ist, unter der weißen Flagge mit dem blauen Anker, Schlüssel und Kranz über die Meere zu tragen. Der Dampfer ist 152,4 Meter lang, 13,3 Meter breit und 11,6 Meter tief, der Raumgehalt des Schiffes beträgt etwa 10 000 Brutto-Register-Tonnen. Das Schiff zeigt in seinen äußeren Formen die Bauart der Barbarossa-, I Dampfer, mit zwei Promenadendecks übereinander, in gleicher I Höhe mit dem unteren Promenadendeck liegen die Back und die Poop mit her zweiten Kajüte. Als Personendampfer erster Klaffe gebaut erhält er Einrichtungen für 300 Fahr­gäste erster, 100 zweiter und bis 2000 dritter Klaffe. Der

I Dampfer ist ein Doppelfchraubendampser, mit allen modernen Einrichtungen und Verbefferungen versehen; ferner erhält das Schiff Schlingerkiele. Bekanntlich soll der neue Dampfer König Albert" im Oktober d. I. feine erste Fahrt nach Ostasien antreten und damit die neue vierzehntägige Ver­bindung nach Ostasien aufnehmen.

M.P.C. Aus dem Abgeordnetenhaufe schreibt man uns: Es scheint sich bewahrheiten zu sollen, was in konservativen Kreisen in letzter Zeit als sicher betrachtet wurde, daß die Kanalvorlage in dieser Session oder wenigstens in dem Teil derselben, welcher im Juli zu Ende gehen dürfte, nicht zustande kommt. Voraussichtlich wird dann im Winter dem Haufe der Abgeordneten eine neue Vorlage gemacht werden. Wenn die Ansichten in dieser Weise weit übereinstimmen, so ist doch zu berücksichtigen, daß die als entscheidend zu betrachtende Sitzung der Kanalkommission erst am Freitag stattfindet. Es muß noch erwähnt werden, daß vielfach, nachdem der Reichstag am 22. vertagt worden ist, die Parlamentsmüdigkeit in der Zunahme begriffen ist. Auch soll für das Zentrum, wenn es weiter bei feiner dilatorischen Politik verharrt, in's Gewicht fallen, daß vor- aussichtlich im Herrenhaufe der Kanalvorlage erst recht viel Gegner erstehen dürsten.

M.P.C. Wie alle Jahre zum Beginn der ruhigeren Qeit, jo scheinen auch heuer Nachrichten über erschütterte Ministerstellung en eine Weile einen bevorzugten Platz auf dem Menu der Zeitungslefer einnehmen zu sollen. Wir möchten demgegenüber auf zweierlei verweisen. Einmal daraus, daß bei uns parlamentarische Niederlagen keinen Grund für Minister abgeben, a.i ihren Rücktritt zu denken, sofern sie sich im Besitz des Vertrauens der Krone zu fühlen Anlaß haben. Und dann daraus, daß etwa vor­handene RücktrittSwünsche am wenigsten in den Wochen vor i den Monarchen gebracht zu werden pflegen, wenn dieser sich j anschickt, feine Nordlandsreife anzutreten. U. a. wird auch der Rücktritt des Kriegsministers von Goßler in nahe Aus­sicht gestellt. Von ihm war schon vor einigen Monaten die Rede. Wie weit die damals verbreitete Meinung, der Minister werde feinen Posten erst nach einiger Zeit verlassen, | begründet war, wird sich nunmehr bald zeigen müssen.

den Gesellen einzutreten.

Berlin, 23. Juni. Die Kanab Kommission des Ab­geordnetenhauses hat heute vormittag ihre Verhandlungen wieder ausgenommen. Es sind verschiedene Anträge aus Gewährung von Kompensationen aus Oberschlesien, Niederschlesien, Ost- und West-Preußen der Kommission zu- aegangen. Minister Thielen gab unter ausdrücklicher Billi­gung des Kaisers und namens der Staatsregierung eine längere Erklärung ab, wonach dieselbe an der Auffassung festhält, daß grundsätzlich der Bau neuer Verkehrsstraßen an sich diejenigen Landesteile, welche von demselben keine Vorteile erwarten, nicht berechtigen, einen Anspruch auf Kompensationen zu erheben. Wenn der vorliegende Gesetz­entwurf die Genehmigung erhalte, werde die Staatsregie­rung die Wasserstraße zwischen Oberschlefien und Berlin zu einer leistungsfähigen ausbilden. In Betreff der Lippe sei die Regierung bereit, einem etwaigen Antrag der Provinz

einzelnen Dachten. ___ w ,

Die Kaiserin besichtigte am 22. d. M. in Hamburg außer dem Vereinshospital, in welchem sie im Schwestern- saal den Thee nahm, das Schröderstist, in dem Bürger­meister Dr. Mönckeberg und Baron Schröder die Führung übernahmen. Bei der Besichtigung des allgemeinen Kranken­hauses in Eppendorf wurde die Kaiserin von den Senatoren Lappenberg und Roose, sowie dem Professor Rumpf em­pfangen. Das in dem Krankenhause durchgeführte Pavillon­system erregte das besondere Interesse der Kaiserin. Um 43/, Uhr trat Ihre Majestät die Weiterreise nach Kiel an, wo sie um 7 Uhr ankam.

Berlin, 23. Juni. Der Staatssekretär des Aus­wärtigen, v. Bülow, ist vom Kaiser in den Grafenstand

Darmstadt, 23. Juni. Nach dem heutigen Bulletin kann der Großherzog bereits einen großen Teil des Tages außer Bett zubringen. Der Blättern-Ausschlag hat sich rasch zurückgebildet, ohne Narben zu hinterlassen.

Berlin, 23. Juni. Wie aus Kiel gemeldet wird, bestieg der Kaiser heute vormittag 9t/3 Uhr seine Renn-Yacht Meteor", welche unter vollen Segeln an den Start fuhr, wo die großen Yachten kreuzten, um einen günstigen Moment zum Passieren der Start-Linie abzuwarten. Um 10 Uhr begann die Regatta, an welcher 77 Yachten teilnahmen. DerMeteor" ging als erste Yacht durch den Start, dann ' ; *.....t. Die Kaiserin, die sich auf dem AvisoGrille"

befand, beobachtete an der Fahrt-Linie das Starten der

tigU hfc das Ministerium Waldeck-Rousseau der Gerechtig­keit ihren Lauf lassen, sich aber angelegen fein lasten i wird^ui soweit zu lenken, daß er sich mehr nach der Seite tiji'lb r,;ber °Mcht und des Verzeihens, als nach der des Haffes Ml^'^i'^richvA r Selbst diese versöhnliche und versöhnende Politik

Gratisbeilagen: Gießemr Zamilienblätter, Der hessische Kan-wirt, Dlätter für hessische Volkskunde.______________

»Wetting Mich hat Frankreich wieder eine Regierung, Herr "aub'toi ein Ministerium. Es ist das 40. Kabinett, das sich »äliT- lc I vM -Republik seit dem 4. September 1870 gegeben hffS t. . Semi es noch des Beweises bedürfte, daß feit jener | fchinnabsturz Zeit loflm je ein Augenblick so gefahrvoll war, wie der W Sd^ieuri-ogi io erbringt ihn die eigenartige, unter den vielge- a11iitim Kombinationen und Permutationen, die sich die PM-M schon geleistet hat, noch nie dagewesene Zusammen- i" beP neuen Ministeriums. Ihm gibt das Kleeblatt

$an5 auf bem jt(<ertacm Waldeck-Rousseau, Millerand, Galliffet den va, . >tewml. Um sich diese politische Signatur zu verdeutlichen, rdtag, den 6. mai sich vorstellen, daß in Preußen eines Tages em Beginn des Cchikß«NiniiDmm vor das Land träte, in dem Männer wie etwa Frühfchoppmivnzm Zenm'igskn, Bebel und der Graf Kanitz nebeneinander säßen.

Wadi so unmöglich wie bie Bereinigung fold)er ©egeir : m -preußischen Regierungstisch hielt man bislang Beginn des Schief" die nunmehr zur Thatfache gewordene Zu-

Sonjert auf bem ^ammmslellung jener drei Namen im Kabinett Walbeck- ßxi t ~ ioumlitatu.

vchlußbes schieß«! m Die Nachricht austauchte, Waldeck-Rousseau beab= ^u,n erstenmal seit dem Bestehen der Republik den einigtenRufiklMn^ozvvE^' Sitz und Stimme im Kabinett zu geben, erklärte ad -Jourrnal des Dubais", dies Gerücht könne nur em tag, den 7. Ziiichle.Mr Witz fein. Das Blatt, das einst die französische Beginn bcs Schic^öeis ^t^lNokratie vertrat, neuerdings aber mit demselben Frühschoppenlonzma,nfeÄgkli Fanatismus wie die radikalen und sozialistischen Schluß des Schieße--^^z ^nempolitiker die Klassenherrschaft Mölines und feines Ncr Qm,@abtnticjnl)cpiCj6 heu Schild zu heben versucht und das während NW" -W'elung to Dr-ysuSh°nb°l- ein« m.hr -l» ,»«.. , fo, $omet toyriuftaiSeuti gfMIe geipielt, hat befunbet mit bi fern Urteil, daß ' Malle almM. 8 dlni, Fühlung mit den Ereignissen gänzlich verloren hat Schluß des Schießen-nb » iieZeichen her Zeit nicht zu deuten versteht. Denn I Becher am Gaben«« b Dllü0IL bafc Präsident Loubet den Charakter des Großes Brill^,..^^^,^iner freien Wahl hervorgegangenen Ministeriums, SMaatt'' nn Mlamieittarifchen Brauche getreu, dem Winke angepaßt Konzert und Tanz cr.at, t k-n iihm die Mehrheitsbildung in der Kammer vom 2. ,>i gegeben, spiegeln sich in der Thatfache, daß em

lstag, den 8. ^aticueuiiifocrakr Politiker um an dem Vergleich mit ; Beginn des Schießt entflicht! Verhältnissen festzuhalten wie Waldeck-Rousseau I FBfchappmlonzenich -^Sozialdemokraten Millerand und den Konservativen Schluß des SchikM z, ^Ei ,u Mitarbeitern erkürt, lediglich die Zeichen der ÄfSiu öiefe aber weisen gebieterisch und unabweisbar $5l"4Ära.iuil|im, bie affaire zu liquidieren und die Republik von Konzert auf dem.?)Cn c mhitionäreu Abwegen erst wieder in die Bahn zu o.üiull . , jenfertn. in der eine Entwickelung oder überhaupt nur ein Augthdspültortill-Mbtn allein möglich ist.

am Gaben!« bie Zusammensetzung des Kabinets Waldeck-Rousseau

holung des FW-'aber e M einen ziemlich untrüglichen Fingerzeig für die Tanz auf dem ^'RichivUng, in der es versuchen wird, diese Aufgabe zu n V-crfül». Sie ist auf drei Arten zu lösen, jedoch schließt lvtag, oen * ,^Emensetzung des Kabinetts das Verfahren der- . FrüMppE jenigm-, b'ie die Wahrheit, nachdem sie eben erst wieder auf- rchlußbanktN. trag l)|Qt von neuem erdrosseln und Dreyfus nochmals Ä " auf Nichil verurteilen lasten möchten, von vornherein aus. Ltilung d» Es l-tebem also nur zwei Wege übrig, und zwar rücksichts- aufsämMc? l01-e Nngiiltungsmaßregeln gegen diejenigen, bie bie Ver- konzen in ber 6^' antttuciuing dafür tragen, daß der Dreyfushandel das rem

F-sM . .-z gericchchie Gebiet verlassen und sich zurAffaire" aus.

wachM lilmnte, oder die neuerdings vomFigaro" üer=

* trete ® Lösung, mit dem Schwamm der Nachsicht und

n« NN-' ChrüGlmbe über das Kerbholz zu fahren, auf dem annoch f* r bic £ fccin Mercier, Boisdeffre, Gonse, du Paty und andere yerziviLiÄi stehen.

ffli ersteren Weg möchten die Sozialisten vom Schlage Um*** JaE und bie revisionistischen Anhänger Clemenceaus .Lorfci'l^M eiuscOgein, aber bie Mitgliebschaft Gallifets in bem Ltqui- | jUf |j'' ' -imi.Cl___xx t-'A___ L kioCefl ifitien ntrfit nhpr

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