Donnerstag den 25. Mai
fit. 120
Erstes Blatt.
1899
Weßener Anzeiger
Heneral-Anzeiger
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Kchnkstraße Kr. 7.
Gratisdeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen.
Fernsprecher Nr. 51.
Amtlicher Teil.
Rr. 20 deS Reichs-Gesetzblattes, ausgegcben am 18. d. MS., enthält:
Nr. 2374: Verordnung zur Ausführung des Patent- 'ßchhtÄ vom 7. April 1891. Bom 6. Mai 1899.
Rr. 2575: Bekanntmachung, betreffend die dem inter- mtiovalen Uebereinkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr »«gefügte Liste. Boni 13. Mai 1899.
Br. 2576: Bekanntmachung, betreffend den Schutz «sicher Warenbezeichnungen in Mexiko. Vom 16. Mai 1899.
Gießen, den 23. Mai 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold.
Bekanntmachung.
Mr.: Die Abhaltung öffentlicher Faselschauen zu Gießen.
Gelegentlich des am 7. Juni d. Js. stattfindeu- N'to Biehmarktes zu Oießen soll zum Zwecke der - Wrung eine öffentliche Faselschau durch die Körkommission mb zwar von vormittags 10 Uhr beginnend, abgehalten nxnbei.
W werden nur sprungfähige Bullen Vogelsberger und Smu nthaler Rasse berücksichtigt; auch müssen dieselben bei > Miuig der Wegweisung sicher gefesselt sein.
Hießen, am 20. Mai 1899.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Programm
über
blit 2 chlustfeier des I. 1899er Kursus der laud- uuirtsthaftlicheu Haushaltuugsschule zu Liudheim
Mittwoch deu 31. Mai 1899, nachm. 2 Uhr, in dem Anstaltsgebäude daselbst und Einladung hierzu.
1. Gesang der Schülerinnen.
2. Ansprache an die Schülerinnen.
3. vlebergabe der Zeugnisse.
i. Ansprache einer der Schülerinnen an das Lehrpersonal.
5. Gesang der Schülerinnen.
6. Besichtigung der in dem Arbeitszimmer offen gelegten weiblichen Handarbeiten, schriftlichen Arbeiten und Molkereiprodukten.
Büdingen und Lindheim, den 5. Mai 1899.
Der Vorsitzende Der Aufsichtsrat:
bcLÄmdw. Bezirksvereins Büdingen: (gez.) Westernacher.
(gez.) Jrle. Frau Westernacher.
Lipp, König, Buß. ZZrk Nachricht für die Teilnehmer, an der Feier: Wsozmverbindung: Stockheim 9,40 vorm. nach Lindheim, Lindheim 5,49 vorm. nach Stockheim.
Stimmen von der Friedenskonferenz.
)rn Haag scheint man es für nötig zu halten, die öffsiMche Meinung schon jetzt auf ein möglichst geringes ErbgMis der Konferenz vorzubereiten. Namentlich sieht es salßio aus, als wenn die Erörterung der Abrüstungsfrage, hielt koch so recht eigentlich der Konferenz den Hauptstempel amchdrücken bestimmt war, stark oder vielleicht überhaupt in i itii Hintergrund treten sollte. Ueber die Rede des PiZMenten v. Staal in der kurzen Samstag-Sitzung ver- laitiii lichon, der Redner habe das Hauptgewicht auf die Fr^-'i der Vermittelung und des Schiedsgerichts gelegt. Arb jueiter Stelle habe er die Frage der Kriegsgesetze be- ha M und ausgeführt, daß die bereits bestehenden Ab- matchngen über eine menschlichere Gestaltung der Krieg- fühchmgi erweitert werden sollen. Erst den dritten Punkt inlito diie Frage der Einschränkung der Rüstungen. Jetzt nu in warben durch Vermittlung des Reuterschen Bureaus vevWdoene Meinungsäußerungen von Delegierten in die WM gesandt, die jenen Eindruck nur zu verstärken ge- eigirntt simd.
Giro Vertreter des „Reuterschen Bureaus" meldet, er sei 2 m dem Haupte der amerikanischen Abordnung, Bot- sch.üiA White, zur Veröffentlichung der folgenden Erklärung «mttyiiijt: „Die Lage ist gut. Die erste Arbeit, die Or- gaiNotiom, ist gut durchgeführt. Ich bin voll Hoffnung, dassijiS: möglich sein werde, ein praktisches, nützliches Ziel zu oantiken. Der Skeptizismus der ersten Tage muß ernsten Ho^mizen Platz machen, ohne daß man dabei etwas zu
übertreiben braucht. Die Worte Sr. Majestät des deutschen Kaisers haben zur Besserung der Lage beigetragen. Ich glaube, wir werden zu einem gewiffen Ergebnis hinsichtlich der Vermittlung und Schiedsgerichte gelangen können. Zweifellos wird es nicht möglich sein, den Ergebniffen eine obligatorische Eigenschaft zu verleihen, mindestens aber doch eine fakultative. Ich glaube, daß die Mächte nach Schluß der Konferenz sehen werden, daß sie zur Regelung ihrer Streitigkeiten ein anderes Mittel als den Krieg haben. Dies bedeutet einen ungeheuren Fortschritt. Ebenso habe ich das Vertrauen, daß an den Kriegsgesetzen und Kriegsgebräuchen wichtige Verbesserungen zur Humanisierung des Krieges werden vorgenommen werden können. Bezüglich der Frage der Verminderung der Rüstungen, welche den Arbeiten der ersten Kommission Vorbehalten ist, kann ich nichts sagen. Wir können über alle Punkte nichts anderes als Hoffnungen haben, da die Arbeiten der Konferenz noch nicht begonnen haben."
Der Botschafter einer anderen Großmacht äußerte sich im wesentlichen: „Bezüglich unmittelbarer praktischer Ergebnisse, welche aus der Konferenz etwa hervorgehen können, müssen wir hoffen, daß wir nach Beendigung unserer Arbeiten in derLage sein werden, an unsere Regierungen praktische Vorschläge zugunsten des Friedens und der Humanisierung des Krieges zu richten."
Ein Abordnungschef, welcher eine hohe Stellung in seinem Lande einnimmt und dessen Land infolge neuerer Ereigniffe an den Ergebnissen der Konferenz besonders interessiert ist, äußerte u. a.: „Das die Delegierten im Haag beherrschende Gefühl eindr ungeheuren Verantwortlichkeit gegenüber ihren Regierungen und der öffentlichen Meinung aller Länder scheint es unmöglich zu machen, daß die Konferenz auseinandergehe, ohne etwas gethan zu haben. Die Menschlichkeit, das Interesse der Völker und die öffentliche Meinung machen es uns zur gebieterischen Pflicht, im Sinne des Friedens zu arbeiten und so der sozialistischen Bewegung ein furchtbares Argument zu nehmen. Alle Delegierten denken einstimmig, daß viel geschehen kann, um den Krieg zu humanisieren und ihn durch Verallgemeinerung der Vermittelung seltener zu machen. Jedoch scheint es sehr schwer, einen praktischen Beschluß betreffend eine Herabsetzung der Rüstungen zu fassen, auch ist man allgemein der Ansicht, daß diese Frage weit hinter den beiden andern kommen wird, ohne daß der Kongreß zu derselben eine vorgefaßte Stellung nimmt; denn das wirkliche Ziel desselben ist, dahin zu arbeiten, daß man ein Mittel schafft zur Lösung internationaler Schwierigkeiten ohne Kriege."
Ein vierter Delegierter äußerte sich in gleichem Sinne; er sagte u. a.: „Die Abrüstung kann nicht direkt durch einen Areopag europäischer Delegierter geregelt werden. Die allmähliche Abrüstung muß von selbst kommen als das natürliche Ergebnis der gebefferten allgemeinen Lage, der Seltenermachung der Kriege, der Herstellung brauchbarer friedlicher Mittel zur Lösung aller Schwierigkeiten zwischen den Nationen. So kann also der Kongreß nur indirekt durch die Befferung der allgemeinen Lage dazu dienen, die Sache der allmählichen Verminderung der Rüstungen zu fördern."
Der Korrespondent des genannten Bureaus bemerkt schließlich, die meisten Delegierten seien überzeugt, daß sie bei den Arbeiten in den Kommissionen zahlreichen Schwierigkeiten im Einzelnen begegnen werden, und daß die Konferenz lange dauern werde. Diese Anschauung verstärkte sich in dem Maße, als man sich dem Augenblicke näherte, wo die Fragen in Angriff genommen werden.
Deutsches Keich.
Berlin, 23. Mai. Den neuesten Bestimmungen gemäß wird der Kaiser am 30. Mai zum Stapellauf in Kiel eintreffen und auf der Dacht „Hohenzollern" Wohnung nehmen. Das Panzergeschwader wird am 31. ds. aus Lissabon in Kiel eintreffen.
Berlin, 23. Mai. Der morgige 8 0. G eburtstag der Königin Viktoria von England wird bei Hofe abends 7 Uhr durch eine Festtafel beim Kaiserpaar gefeiert, wozu der englische Botschafter und das Botschafts-Personal geladen ist.
Berlin, 23. Mai. Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlicht die Abberufung des bisherigen Gesandten in Marokko, Freiherrn Sch en ck zu Schweinsberg von diesem Posten und die Verleihung des Sterns zum Rothen Adler-Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub an denselben.
Berlin, 23. Mai. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe wird den gesamten Kongreß zur Bekämpfung der Tuberkulose am Donnerstag abend empfangen.
— Militärische Personalnachrichten. Dem Vernehmen nach ist General-Leutnant Frhr. v. Meer- scheidt-Hüllessem, Kommandeur der 11. Division, mit der Führung des 15. Armeekorps beauftragt.
— Eisenbahnbau in Kleinasien. Die Verständigung zwischen der deutschen und der französischen Gruppe, die über die Anatolische und Smyrna-Kassala- Eiseubahn verfügen, geht, dem „Daily Tel." zufolge, dahin, daß je zwei Direktoren der einen Gesellschaft in den leitenden Rat der anderen übertreten, womit gleichzeitig die bisherige Konkurrenz aufhört. Jede der beiden Gruppen hatte bisher alle Versuche der anderen, eine Erweiterung ihres Einflusses und ihres Bahnnetzes zu erlangen, bekämpft, jetzt aber sind sie sich darin einig, eine jede Verlängerung ihrer Linien in der Weise zu „teilen", daß die Deutschen 40 v. H. und die Franzosen 60 v. H. des Gewinns erhalten. In dem genannten Distrikte bleibt nun die Aidin- Eisenbahn als alleiniger Konkurrent bestehen und wird große Schwierigkeit haben, der neuen Kombination Widerstand zu leisten, sodaß das wahrscheinliche Ergebnis sein wird, daß die deutschen und französischen Gruppen in den Besitz des ganzen Eisenbahnsystems in Kleinasien gelangen werden, das sich schließlich bis zum Persischen Golfe ausdehnen muß.
— Deutschland und Transvaal. Der Vorfall zwischen dem deutschen Konsul in Pretoria und dem Staatssekretär Reitz findet jetzt eine neue Darstellung anscheinend aus der Feder eines Beamten in der Umgebung des Gesandten der Südafrikanischen Republik Dr. Leyds. Der Verfasser des im „N. Rotterd. Kour." abgedruckten Briefes weist darauf hin, daß der erste Bericht aus Kapstadt, der Brutstätte der Jingos, herrührt. Es ist, wie schon früher erwähnt, durchaus unwahr, daß der deutsche Konsul eine Klage beim Staatssekretär des Transvaal eingereicht hat. Herr Dr. Leyds hatte von der Ankunft der Herren Konsuln keine Ahnung, da ihre Visitenkarten Herrn Reitz persönlich eingehändigt worden waren, und dieser sie im Eifer des mit Herrn Dr. Leyds geführten Gespräches nicht genau gelesen hatte. Die Herren Konsuln haben den Vorfall denn auch nicht übel genommen und sich mit der durch Herrn Reitz angebotenen Erklärung zufrieden gestellt. Gewisse Kreise halten den Vorfall für eine schöne Gelegenheit, um Dr. Leyds bei den Haaren heranzuziehen, und ihn in den Augen der Deutschen zu verdächtigen.
— Koloniales. Zur Einrichtung deutscher Schulen in Deutsch-Ostafrika ist der Rektor Rzesnitzel in Bogutschütz (Oberschl.) auf ein Jahr beurlaubt worden.
Sprottau, 23. Mai. Unter den auf der Jägerndorfer Bezirksstraße beschäftigten Arbeitern ist der Flecken- Typhus epidemisch aufgetreten. Bisher sind 80 Erkrankungen vorgekommen. Die Arbeiter stammen meistens aus Galizien.
Hanau, 23. Mai. Der heutige mittelrheinische Aerztetag war von etwa hundert Teilnehmern besucht. Es wurden zehn Vorträge gehalten. Der nächste Versammlungsort ist Homburg.
Anstand.
Wien, 23. Mai. Die Ausgleichs-Verhandlungen zwischen den österreichischen und ungarischen Ministern haben Vormittag begonnen und sollen, wie verlautet, noch heute beendet werden.
Wien, 23. Mai. Die „Neue freie Presse" läßt sich aus dem Haag telegraphieren: Allgemein wird der große Eindruck konstatiert, welche die Rede Kaiser Wilhelms in Wiesbaden auf die Konferenz-Mitglieder hervorgerufen hat. Manches Mißtrauen sei durch die Rede beseitigt worden.
Wien, 23. Mai. Der russische Staatsrat Bloch dementiert im „Neuen Wiener Tageblatt", daß er bei der Konferenz mit einem Auftrage der russischen Regierung betraut sei. Seine Anwesenheit im Haag bezwecke nichts weiter, als den Konferenz-Mitgliedern eventuelle Aufklärung über das von ihm herausgegebene Werk „Der Zukunftskrieg und der bewaffnete Friede in ihrer sozialen und wirtschaftlichen Wirkung" zu geben.
Moisburg, 23. Mai. Ein sich hier produzierender Seilkünstler stürzte bei der Vorstellung, in der er mit einem Manne auf seinen Schultern über das Seil ging, ab. Beide sind lebensgefährlich verletzt.


